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 05 - Straßenbahn-Forum 

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....NICHT während der Berufsausübung infiziert, sondern im häuslichen Umfeld angesteckt. Warum schreibe ich hier darüber - hat ja ganz offensichtlich nichts mit ÖPNV zu tun? Weil die Berliner Zeitung das zum Anlass nimmt, einen Artikel zu publizieren, der unter der reisserisch aufgemachten und eindeutig in die Irre führenden Überschrift: "Der erste Corona-Tote bei der BVG - wie gefährlich ist der Nahverkehr?" den Eindruck erweckt, als ob ein Todesfall in einem direkten Zusammenhang zum Nahverkehr stünde, wodurch das unzutreffende Klischee "Virenschleuder ÖPNV" bedient wird:

[www.berliner-zeitung.de]

Ich gehöre definitiv nicht zur den Leuten, die hier immer und überall im Medienwesen nur abwertend über "Schreiberlinge" herziehen, denen man Inkompetenz und Hetze unterstellt. Das ist weder mein Stil noch teile ich diese Auffassung. Aber wie die Berliner Zeitung diesen Artikel aufmacht, das ist definitiv nicht in Ordnung. So positioniert man sich selbst auf "Bildzeitungsniveau".



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.01.21 17:09.
Hallo Türen schließen selbsttätig,

über diese irreführende Überschrift kann man nur den Kopf schütteln -
aber am Ende ist ein Mensch gestorben an dieser heimtückischen Krankheit, die nicht greifbar erscheint. Beileid den Angehörigen!

Die Berichterstattung macht es nicht besser und greift zu wenig hilfreichen Überschriften. Aber es geht noch weiter:
Kürzlich wurden die Busfahrer für Ihren Einsatz gelobt - falsches Forum!? - aber z.B. für BVG Tram und Bus stellt sich die gleiche Frage:

Warum sind diese Mitarbeiter besonders gefährdet?
Die Fahrerkabinen sind wahlweise mit Glasscheiben oder Klarfolien vom Fahrgastraum getrennt.

Ohne hier eine Arbeit geringzuschätzen: besonders gefährdet sind doch eher
-(Zahn-) Ärzte & Schwestern, die sich mit den Patienten befassen müssen
-Kassiererinnen und Mitarbeiter in der Post/Bank/..., die nicht in hermetisch getrennten Kapseln arbeiten
-...

Oder lauert da noch eine andere, unbekannte Gefahr?

Ob Fahrer/in oder Fahrgast - take care &
Beste Grüße, InterRailer26+



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.01.21 23:59.
Türen schließen selbsttätig schrieb:
Ich gehöre definitiv nicht zur den Leuten, die hier immer und überall im Medienwesen nur abwertend über "Schreiberlinge" herziehen, denen man Inkompetenz und Hetze unterstellt. Das ist weder mein Stil noch teile ich diese Auffassung. Aber wie die Berliner Zeitung diesen Artikel aufmacht, das ist definitiv nicht in Ordnung. So positioniert man sich selbst auf "Bildzeitungsniveau".
Mich wundert es ehrlich gesagt nicht.
Liest man sich die großen Zeitungsblätter und Wochenmagazine durch, kann man nur feststellen,
das es kaum ein Land gibt in dem die Medienlandschaft eine solch extreme Abneigung gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln hat,
wie in Deutschland.

Schon vor Corona wurde ständig nach dem Negativen gesucht und jedes kleine Problem hochdramatisiert.
Da wurden teils abstruse Texte aus den Fingern gesaugt, nur um weitere Seiten contra ÖPNV/ÖPFV zu füllen.

Woher diese Abneigung kommt ?
Keine Ahnung, würde mich auch interessieren.
Persönlich finde ich dies einfach nur abstoßend.

Gruß
Paul

http://paul-zimmer.de/pzsites/ban6.jpg
Moin,

InterRailer26+ schrieb:
(...)
Warum sind diese Mitarbeiter besonders gefährdet?
Die Fahrerkabinen sind wahlweise mit Glasscheiben oder Klarfolien vom Fahrgastraum getrennt.

Ohne hier eine Arbeit geringzuschätzen: besonders gefährdet sind doch eher
-(Zahn-) Ärzte & Schwestern, die sich mit den Patienten befassen müssen
-Kassiererinnen und Mitarbeiter in der Post/Bank/..., die nicht in hermetisch getrennten Kapseln arbeiten
-...

Oder lauert da noch eine andere, unbekannte Gefahr?
Mitarbeiter im Fahrdienst bei Bus und Bahn haben üblicherweise kein hohes Ansteckungsrisiko, was zu einer Covid-19-Erkrankung führt. Die beiden Übertragungswege und damit die Risikofaktoren sind doch bekannt. Entweder Tröpfchen, dafür muss man ohne Barriere relativ engen Kontakt über mehrere Minuten haben, oder aber über Aerosole. Bei letzterem kann man eine Formel bilden, die sagt, dass die gleichen Menschen über längere Zeit im relativ engen und schlecht gelüfteten Innenraum, wo sie (laut) sprechen oder gar singen die höchste Ansteckungsgefahr haben. Je weniger Faktoren vorhanden sind, desto weniger Ansteckungsrisiko. Wer hier mit Wahrscheinlichkeiten spielen will, kann dies beim Max-Planck-Institut machen: [www.mpic.de]

Damit ist auch errechenbar, dass auch für Fahrgäste im ÖPNV ein eher geringes Risiko der Infektion mit Covid-19 besteht, gerade dort, wo kürzere Strecken gefahren werden.

Nicht einmal im Einzelhandel, bei Post oder Bank ist das Risiko sehr hoch, außer bei längeren Beratungsgesprächen.

Wenn man das zu Ende denkt, ist das höchste Risiko der Ansteckung in Schulen, Kantinen, Pausenräumen, teilweise am Arbeitsplatz, in Heimen, Partykellern und Wohnzimmern und eben nicht im ÖPNV, weder für Fahrgäste noch für das Personal.

Viele Grüße

Christoph

Meine Homepages im Retro-Look (seit 2004 bzw. 2002 unverändert)

Die Straßenbahnwagen des VEB Waggonbau Gotha

Die Straßenbahnwagen des RAW Schöneweide
Zitat:
...das es kaum ein Land gibt in dem die Medienlandschaft eine solch extreme Abneigung gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln hat,
wie in Deutschland.

Woher diese Abneigung kommt ?
Keine Ahnung, würde mich auch interessieren.
Persönlich finde ich dies einfach nur abstoßend.

Gruß
Paul
Die Antworten auf die Fragen sind gar nicht so weit herzuholen. Die Medien berichten hierzulande doch oft in Verbindung mit dem ÖPNV, wenn es um Vandalismus, Gewaltverbrechen oder Unfälle geht. Zumindest die ersten beiden Thematiken erscheinen - ohne Statistiken zu bemühen - in Deutschland deutlich ausgeprägter, als bei vielen europäischen Nachbarn.

Schaut man nach Wien, findet man seltenst Fahrzeuge mit Vandalismusschäden, in der U-Bahn hängen auch am Abend noch die kostenlosen Zeitschriften sauber in den Wagen und liegen nicht irgendwo herum. Die Wiener mögen Ihre Öffis, weil sie schnell und gut sind und das eigene Auto finanziell keine Konkurrenz ist. Die Medien greifen das entsprechend wohlwollend auf.

Schaut man nach Tschechien und Polen, kann man ebenfalls gesittetere Verhaltensweisen der Fahrgäste beobachten. Dort spielen vielleicht auch heute noch finanzielle Gründe eine Rolle, dennoch scheint der Umgang mit Verkehrsmitteln relativ pfleglich. Und dass speziell die Prager ihre Trams aus bekannten Gründen lieben, kommt hinzu.

Schaut man in die USA, findet man Berichte über marode Systeme, aber kaum zerkratzte Scheiben und misshandelte Fahrzeuge, in Chicago beispielsweise habe ich in 14 Tagen keinen einzigen U-Bahnzug mit Vandalismusschäden gefunden. Die Gründe sind wiederum wohl andere, als in der EU...

Und so kann man mal rings um den Globus schauen und beobachten.

Zum eigentlichen Thema ist, so tragisch der Tod eines jeden in diesem Alter ist, der Fall schlichte Statistik. Durch die generell hohe Anzahl an Infizierten und Verstorbenen sind Todesfälle von sonst wohlmöglich gesunden oder junge Menschen eben auch häufiger. Diese zunächst kleinen 0,x1% sind dann eben irgendwann halt sichtbar, wie hier. Das hat sicher auch der schlechteste Journalist verstanden, aber dann würde seinen Artikel keiner lesen... Es hätte genauso einen Piloten, Möbelhausmitarbeiter oder Bäcker treffen können.
T4D 222 998-7 schrieb:
Schaut man nach Wien, findet man seltenst Fahrzeuge mit Vandalismusschäden, in der U-Bahn hängen auch am Abend noch die kostenlosen Zeitschriften sauber in den Wagen und liegen nicht irgendwo herum.
Das stimmt so nicht, auch die Wiener Medien berichten gern über Vandalismus in der U-Bahn: [www.heute.at] oder [wien.orf.at]
Bei den Wiener Linien ist jedoch die U-Bahn nicht das Sparschwein des Unternehmens wie bei der BVG, sondern es wird ausreichend investiert, auch in Reservezüge und Personal.
Noch vor 10 Jahren kam auch bei der BVG kein beschmierter Bahnzug in den Fahrgastverkehr, sondern noch vor Beginn der morgendlichen Hauptverkehrszeit in die Werkstätten zur Reinigung. Das wurde durch eine von der Deutschen Bahn geschickte, vom Senat eingesetzte Vorstandsvorsitzende zugunsten der "schwaren Null", also geringstmöglichen Finanzaufwand für den Senat, umgehend abgeschafft. Im Vorjahr wurde die Dame wieder bei der DBAG eingestellt, die Spätfolgen werden noch länger nachwirken.

So long

Mario
Nabend!

Das geht doch immer schon damit los, dass die üblichen Überschriften lauten:

"Straßenbahn rammt PKW"
"Stadtbahn überfährt Fußgänger" usw.

In der Überschrift wird der Bahn der aktive Part am Geschehen zugeordnet. Erst wenn man dann weiterliest, erfährt man meistens, dass der PKW-Fahrer die Vorfahrt missachtet hat oder der Fußgänger kopfhörertragend bei Rot über die Gleise gelaufen ist. Aber was bei vielen Lesern hängen bliebt, ist etwas anderes. Die Überschrift lenkt den Leser bereits in eine Richtung. Und wenn der Leser nur die Überschrift gelesen hat, weil ihm ansonsten zu viele Buchstaben im Text auftauchen, dann ist eh klar, welcher Verkehrsträger das Problem darstellt...

Nase

Viele Straßenbahn-Bilder (ab 1994) und Eisenbahn-Bilder bei Flickr: [www.flickr.com]

Rumgesülze auf DSO

geschrieben von: Boldur

Datum: 05.01.21 23:05

Ich finde nicht den Artikel reißerisch, sondern nur das übliche Gesülze hier im Forum!
Mit der üblichen Übertreibung/Unsachlichkeit - habt ihr in diesen Zeiten keine anderen Probleme?
Ich habe mit Sven B. zusammen meine Ausbildung bei der BVB absolviert und kannte ihn seit 1987 und jetzt ist er mit 49 Jahren verstorben!!!
Vielleicht denkt ihr Schlaumeier auch mal so weit, dass das übliche Kluggescheiße hier mal in den Hintergrund gerät.

Anfang Februar ist die Beisetzung und es werden sehr viele Kollegen/Verwandte da sein - ich auch.

Re: Rumgesülze auf DSO

geschrieben von: 143 828

Datum: 06.01.21 08:47

Boldur schrieb:
Ich finde nicht den Artikel reißerisch, sondern nur das übliche Gesülze hier im Forum!
Mit der üblichen Übertreibung/Unsachlichkeit - habt ihr in diesen Zeiten keine anderen Probleme?
Ich habe mit Sven B. zusammen meine Ausbildung bei der BVB absolviert und kannte ihn seit 1987 und jetzt ist er mit 49 Jahren verstorben!!!
Vielleicht denkt ihr Schlaumeier auch mal so weit, dass das übliche Kluggescheiße hier mal in den Hintergrund gerät
Das eine hat doch mit dem anderen gar nichts zu tun. Es sind in diesem Thread hier bisher weder Verhöhner des Straßenbahnfahrers noch andere "Selbstdenker" auf den Plan getreten. Alle Kritik bezieht sich auf die mediale Darstellung, und das mit Grund. Da hat sich in den letzten Jahren recht viel Ärger angestaut.
Übertreibung und Unsachlichkeit waren schon vor Corona in den Medien viel zu weit verbreitet. Wann hört das denn endlich mal auf?
Ich erinnere mich, dass es schon vor einigen Jahren einen Leserbrief in der SZ gab, in der jemand fragte, warum in der Zeitung der ÖPNV so negativ dargestellt wird, und warum die Wortwahl der Artikel in diesem Zusammenhang sehr einfach schon als tendenziös erkannt werden kann.
Die Antwort war sinngemäß "Das stimmt doch gar nicht".
der weiße bim schrieb:
Das wurde durch eine von der Deutschen Bahn geschickte, vom Senat eingesetzte Vorstandsvorsitzende zugunsten der "schwaren Null", also geringstmöglichen Finanzaufwand für den Senat, umgehend abgeschafft. Im Vorjahr wurde die Dame wieder bei der DBAG eingestellt, die Spätfolgen werden noch länger nachwirken.
Volle Zustimmung, jede Menge Spielereien und lächerliche Marketingaktionen, dann das Hypen von E-Bussen. Aber eine Homepage aus der Steinzeit, falsche Anzeigen an Zügen und Daisy,
das kann die S-Bahn mittlerweile besser.
Anscheinend fehlt generell im Arbeitsrecht ein Zeitansatz zum desinfizieren von Arbeitsplätzen, da sollte Verdi mal mit Nachdruck ansetzen.

Mein Beileid der Familie des verstorbenen Straßenbahnfahrers.

MfG die Nordsüd S-Bahn
Türen schließen selbsttätig schrieb:
[...]

[www.berliner-zeitung.de]

Ich gehöre definitiv nicht zur den Leuten, die hier immer und überall im Medienwesen nur abwertend über "Schreiberlinge" herziehen, denen man Inkompetenz und Hetze unterstellt. [...]
Der Artikel ist tadellos. Aber enthält Kritik an der BVG, und damit findet er hier gereizte Kenntnisnahme.

245/15500 entspricht einer kumulierten Inzidenz von 1581/100000, und damit 40% besser als der berlinweite Wert von 2673.

Aussagen zur Arbeitsplatzsicherheit kann man aus Nelkens Bemerkung "nicht die Mehrheit" m.E. nicht ziehen, vielmehr müßte man die Arbeitsplatzstruktur (Bus/Tram/U, Werkstatt, KC, Büro) und die Infiziertenstruktur nebeneinander stellen. Diese Recherche hat die Berliner Zeitung versäumt. Die BVG ist eine Behörde und müßte diese Informationen am Ende aller Bemühungen herausgeben.

Daß man andererseits das Infektionsrisiko in der Fahrgastkabine nicht von demjenigen in der Fahrerkabine ableiten kann, liegt auf der Hand. Beim Fahrerrisiko würde ich bereits verkehrsmittelbezogene Unterschiede erwarten.

Soweit die BVG keine oder nicht genügend Desinfektionsmittel zur Verfügung stellt - shame on you! Den Wagenlenkern würde ich ans Herz legen, sich diese dann selbst zu beschaffen, selbst ist der Mann, ist die Frau, und ggf. den Spott der Kolleg/innen abzuwettern.

Take care.

Kondolieren

geschrieben von: Stundentakt

Datum: 06.01.21 10:09

Boldur schrieb:
Anfang Februar ist die Beisetzung und es werden sehr viele Kollegen/Verwandte da sein - ich auch.
Mein Beileid unbekannterweise. Überall Tote, die noch leben könnten.

Bitte leider bedenken: sogar Beisetzungen wurden bereits ("sehr viele K.") zu Infektionsereignissen - also vermummt Euch gut, sprecht leise oder gar nicht, oder bringt vielleicht noch viel besser Blümchen erst nach und nach... Der Frühling wird noch lang. St.


Falls ich eine Tüte Mitleid finde mache ich sie auf. Seit November 2020 sind bei mir im Pflegeheim 15 Leute an Covid-19 gestorben nach denen mangels Angehörigen fast kein Hahn kräht. Uns sind schon paar mal die Bilderrahmen ausgegangen mit denen an die Gestorbenen erinnert wird.

Liebe Leute,

Bleibt gesund und wenn es geht daheim!
Hallo der weiße bim,

egal wie man zu Fr. Dr. N. steht. Ich meine, Sie hat wie damals Herr Mehdorn eine politische Aufgabe umgesetzt. Mehdorn hat die Bahn im Auftrag der Politik zerstört. Für den geplanten Börsengang. Ich finde, er war sehr erfolgreich. Frau Dr. N. war bei der Politik in Berlin so lange beliebt, bis Sie in einer Sitzung der Senatorin widersprach. Und ich meine aus sicherer Quelle erfahren zu haben, Fr. Dr. N. hätte die graffitierten Züge nicht fahren lassen. Aber da gab es so eine Senatorin, die wollte unbedingt zeigen, auch mit einer seit Jahrzehnten unterfinanzierten BVG kann man selbst ohne Betriebsreserve ganz tollen Nahverkehr anbieten. Es musste fahren, was Räder hat.

Grundsätzlich ist der weiße bim bestens über Interna der BVG informiert.

Wir sollten aber zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer (Dr. N.) immer beachten, wer was tun darf oder tun muss.....

Bodo Schulz
Zitat:
Schon vor Corona wurde ständig nach dem Negativen gesucht und jedes kleine Problem hochdramatisiert.
Da wurden teils abstruse Texte aus den Fingern gesaugt, nur um weitere Seiten contra ÖPNV/ÖPFV zu füllen.

Woher diese Abneigung kommt ?
Keine Ahnung, würde mich auch interessieren.
Persönlich finde ich dies einfach nur abstoßend.

Diese tiefgründige Abneigung gegen den ÖPNV/ÖPFV ist in Deutschland sehr weit verbreitet.
Die Leute verbinden oft auch ganz bestimmte Klischees oder Denkweisen damit. Ist zum Beispiel ein Unfall mit einem Linienbus passiert, wird immer zuerst von Schulbussen/Schülern, oder Rentnern ausgegangen. Andere Personenkreise fahren nach der deutschen Denkweise nicht mit Bussen. Oder wenn, dann weil sie sich kein Auto leisten können.
Ein klein wenig besser angesehen sind Straßenbahnen oder S-Bahnen, obwohl es da drinnen ja immer so stinkt, oder Betrunkene einen darin anpöbeln.
Oft kommen diese Aussagen von Leuten, die noch nie einen Fuß in den ÖPNV gesetzt haben, oder eben einmal ein schlechtes Erlebnis hatten, aber das gilt dann natürlich immer.

Im Corona-Zusammenhang auch schon einige Male gehört, bei Bekannten, aber auch in der Presse: Ja die Schüler übertragen das schon auch viel, oft auch ohne Symptome, usw. Vor allem wenn sie in Bus und Bahn unterwegs sind.
Das ist auch wieder ÖPNV-Bashing pur. Wenn man sich mal klarmacht, wie lange sie in Bus/Bahn unterwegs sind, und wie lange sie in der Schule verbringen, kann selbst ein geistig minder bemittelter darauf kommen, dass sie es sich wenn dann in der Schule holen, und dann über die Eltern weiter verbreiten. Aber sicher nicht (nur) im ÖPNV.

Ein weiteres Beispiel aus der eigenen Firma, wie schnell dann solche negativ behafteten Meldungen vom ohnehin unbeliebten ÖPNV bei den Leuten haften bleiben:
In der Betriebsversammlung wurde die Frage gestellt, ob es denn Zuschüsse für Mietfahrräder geben würde, jetzt wo der Bus doch so eine Virenschleuder wäre (wohlgemerkt von Personen, die Bus/Bahn überhaupt gar nicht nutzen).

Und beim Auto, das generell positiv behaftet ist, weil ein Leben ohne Auto in Deutschland ja unvorstellbar ist, ist dann die Berichterstattung immer genau umgekehrt. Steht das Auto auf dem BÜ, ist der Zug natürlich regelrecht reingerast.
Oder aber auch, geht es um Bahnlärm, so ist den Leuten kein Mittel zu schade. Mauern werden gebaut, Züge dürfen nicht mehr am BÜ pfeifen, ganze Güterwagenflotten müssen auf leisere Bremsen umgerüstet werden, usw.
Aber wehe es geht um laute Motorräder, oder den Lärm des eigenen Autos (ich habe jetzt bewusst nicht Stadtpanzer geschrieben), da ist das natürlich was anderes, da wird gar nicht erst darüber diskutiert.

Und das könnte man noch beliebig fortsetzen.
Diese negative Einstellung zum ÖPNV/ÖPFV zieht sich tief durch die ganze Gesellschaft.

Nachdenkliche Grüße



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 06.01.21 23:21.
bsbw schrieb:
Aber da gab es so eine Senatorin, die wollte unbedingt zeigen, auch mit einer seit Jahrzehnten unterfinanzierten BVG kann man selbst ohne Betriebsreserve ganz tollen Nahverkehr anbieten. Es musste fahren, was Räder hat.

Das ist doch aber gar nicht so blöd gedacht wie es im ersten Moment klingt. Es wird uns täglich vor Augen geführt, wozu ein massiver Sparkurs führt. Je nachdem, wie man inhaltlich dazu steht, im Nahverkehr oder/und bei der öffentlichen Sicherheit. Die Defizite bei beidem kann man bei mit Graffiti gestalteten Zügen wunderbar ablesen. Und das kann als Mahnmal dazu dienen, was aus der Idee der schwarzen Null werden kann. Gleichzeitig bleibt man aber für die Fahrgäste unterwegs. Was hätte Frau Nikutta dem Vernehmen nach denn gemacht anstatt die Züge einfach raus zu schicken?

Im Berliner Nahverkehrsforum hat man mich ja nun aufgeklärt darüber, dass die reißerische Schlagzeile und der dazu gar nicht passende recht sachliche Artikel dazu nicht von demselben Menschen stammen und dies auch noch Usus ist.

Dennoch ärgere ich mich darüber, dass die Berliner Zeitung mit sowas hausieren geht. Und sie hat's dann auch noch geschafft. Was für ein Mist.

Die allgegenwärtigen Kampagnen gegen die Nutzung des ÖPNV, obgleich er eben kein expliziter Infektionsherd ist, gehen mir aber so richtig auf'n Piss. Überall gibt es Aushänge z.B. von den Berufsgenossenschaften, die dazu aufrufen, das Auto oder Fahrrad zur Arbeit zu nutzen.
Hallo Tramfreak,

für mich ist Graffiti Sachbeschädigung. Und ich fand die über viele Jahre praktizierte Vorgehensweise in Ordnung, kein von oben bis unten besudelten Fahrzeuge auf die Strecke zu schicken. Ich war mal auf einer Pressefahrt unterwegs, wo wir erst mit der Bahn AG unterwegs waren und dann mit Zügen der LNVG. Es war ein himmelweiter Unterschied, wie sich auch die Fahrgäste in sauberen Fahrzeugen anders benehmen. Ich bin "echter" Berliner und finde es eigentlich gut, wenn jeder nach seinem Geschmack leben kann. ABER NICHT ZU LASTEN ANDERER!

Seitens der BVG, gerade aus dem Bereich U-Bahn, gab es sehr früh Hinweise auf den kommenden Fahrzeugengpass und wie dieser durch Modernisierung/Sanierung hätte vermieden werden können. Noch vor der Zeit von Fr. Dr. N. NUR DIE POLITIK HAT ES NICHT INTERESSIERT.

Wenn aber dann so ein Betrieb wegen politischer Vernachlässigung gegen die Wand gefahren wurde ist es billig sich hinzustellen und eine leistungsfähige BVG zu fordern.
Betriebsreserven sind bei den Kaufleuten (Druck kommt von der Politik) immer die ersten Dinge, die verschwinden sollen.
Wenn ich aber keine Betriebsreserven mehr vorhalte, kann ich auch nicht auf Engpässe reagieren.

Natürlich wäre es schön gewesen, wenn Fr. Dr. N. in der Presse gesagt hätte, hier schaut mal auf die Senatorin, die will jetzt der BVG den schwarzen Peter zuschieben. (Geht natürlich nicht wegen der Abhängigkeit zum Auftraggeber, s.o.).
Dabei waren es die Parteigenossen der Senatorin, die die BVG ruiniert haben.
Auch heute haben wir auf der U7 nicht wieder den engen Takt (vergiss jetzt mal Corona) im Berufsverkehr, welchen es vor diesen Spaßmaßnahmen der letzten Jahrzehnte gab.

Ach, man könnte sich so schon aufregen über diese Fehlentscheider aus der Politik. Aber es ist zu dumm. Die verschwinden meist nach wenigen Jahren und der Nachfolger aus der selben Partei will damit nichts zu tun haben.
DGS-Fotograf schrieb:
Schon vor Corona wurde ständig nach dem Negativen gesucht und jedes kleine Problem hochdramatisiert.
Da wurden teils abstruse Texte aus den Fingern gesaugt, nur um weitere Seiten contra ÖPNV/ÖPFV zu füllen.

Woher diese Abneigung kommt ?
Keine Ahnung, würde mich auch interessieren.
Persönlich finde ich dies einfach nur abstoßend.
Woher diese Abneigung kommt? Die Journalisten schreiben aus ihrer eigenen Perspektive und das ist nun mal oft die der Autofahrer. Dazu kommt, das Autohändler und -hersteller große Anzeigenkunden sind. Es ist ja kein Zufall, dass viele Zeitungen extra Autoseiten haben. Ich habe den Eindruck, dass bei manche Zeitungen daher eine ÖPNV-freundliche Berichterstattung auch nicht gewollt ist.
Türen schließen selbsttätig schrieb:
....NICHT während der Berufsausübung infiziert, sondern im häuslichen Umfeld angesteckt. Warum schreibe ich hier darüber - hat ja ganz offensichtlich nichts mit ÖPNV zu tun? Weil die Berliner Zeitung das zum Anlass nimmt, einen Artikel zu publizieren, der unter der reisserisch aufgemachten und eindeutig in die Irre führenden Überschrift: "Der erste Corona-Tote bei der BVG - wie gefährlich ist der Nahverkehr?" den Eindruck erweckt, als ob ein Todesfall in einem direkten Zusammenhang zum Nahverkehr stünde, wodurch das unzutreffende Klischee "Virenschleuder ÖPNV" bedient wird:

[www.berliner-zeitung.de]

Ich gehöre definitiv nicht zur den Leuten, die hier immer und überall im Medienwesen nur abwertend über "Schreiberlinge" herziehen, denen man Inkompetenz und Hetze unterstellt. Das ist weder mein Stil noch teile ich diese Auffassung. Aber wie die Berliner Zeitung diesen Artikel aufmacht, das ist definitiv nicht in Ordnung. So positioniert man sich selbst auf "Bildzeitungsniveau".
Ich selbst bin seit vielen Jahren Abonnent der gedruckten Ausgabe der Berliner Zeitung. Der oben verlinkte Artikel war dort am 6.01.2021 auf Seite 10 abgedruckt. Die Überschrift in der Printausgabe lautete: "BVG beklagt ersten Corona-Toten" und in der folgenden Unterzeile "Seit März 2020 haben sich fast 250 Beschäftigte des Unternehmens infiziert".

Der Redakteur Peter Neumann ist seit Jahr und Tag ein ausgewiesener "Schreiber für die Öffis", der hier nach meiner Überzeugung in eine Ecke geraten ist, in die er definitiv nicht gehört.

Mein Beileid gilt den Angehörigen,
Marienfelde.