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[KS] Klimaschutzrat stellt erste Empfehlungen vor (ZM)

geschrieben von: Tw666

Datum: 18.11.20 10:42

Moin,

die Stadt Kassel hat einen Klimaschutzrat eingerichtet, welcher Empfehlungen zum klimapolitisch sinnvollen Handeln der Stadtverwaltung gibt.

Heute (18.11.2020I) berichtete die HNA von ersten Ergebnissen. Unter anderem ist der Ausbau und Anschlusspflicht von Fernwärme im Gespräch, wichtig für unser Forum sind aber Tarifempfehlungen für einen Attraktiveren ÖV, welche insbesondere auf Autofahrer und Gelegenheitsnutzer abzielen.

Über weitere Maßnahmen berichtet die HNA leider nicht. Diese sind unter Maßnahmenempfehlungen zu finden. Eine Auswahl der des ÖPNV-Betreffenden:
- Preispolitische Steuerung der Verkehrsnachfrage (Tarife im ÖV, höhere Parkraumpreise)
- Fortschreibung Verkehrsentwicklungsplan, Nahverkehrsplan
- Steigerung der Taktfrequenz des ÖPNV-Angebots im Regionalverkehr
- "Nachhaltige Mobilität" als oberstes Zielszenario der Verkhrs- und Stadtplanung verbindlich festschreiben

Anbei ein Screenshot des Artikels:

https://abload.de/img/bildschirmfoto2020-11h4jm3.png

Beste Grüße

666



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.11.20 10:45.

Re: [KS] Klimaschutzrat stellt erste Empfehlungen vor (ZM)

geschrieben von: Henni

Datum: 18.11.20 13:29

Alles schön und gut! Aber man sollte bei aller Theorie auch mal ein wenig in die Realität schauen.
Je mehr die Individualität des einzelnen - im Besonderen der, der Autofahrer - eingeschränkt wird, je mehr wird der Stadt ausgewichen und sie gemieden. Große Kaufzentren im Süden und Norden Kassels wissen darum, und stellen neben großen Parkflächen und bequemen Anfahrten alles zur Verfügung was dem regulierten und parkschein-gestressten Autofahrer gefällt.

Ein anderes Problem stellt die Tatsache dar, wie man dem komfort-gewohnten Autofahrer teils vollkommen überfüllte und dreckige ÖPNV-Fahrzeuge schmackhaft machen möchte, in denen darüber hinaus noch nicht gerade selten "rustikales Problem-Klientel" sitzt. Gerade im Wochenend-Spätverkehr wird der Autofahrer eher bereit sein, 40 Euro für das Taxi auszugeben, als nur eine Fahrt von der Kasseler Innenstadt nach z. B. Vellmar mit der Straßenbahn zu machen.
Zitat:
Zitat
Alles schön und gut! Aber man sollte bei aller Theorie auch mal ein wenig in die Realität schauen.
Je mehr die Individualität des einzelnen - im Besonderen der, der Autofahrer - eingeschränkt wird, je mehr wird der Stadt ausgewichen und sie gemieden. Große Kaufzentren im Süden und Norden Kassels wissen darum, und stellen neben großen Parkflächen und bequemen Anfahrten alles zur Verfügung was dem regulierten und parkschein-gestressten Autofahrer gefällt.
Das wird immer gern in den Raum geworfen, die meisten Städte, die diesen Weg aber eingeschlagen haben, können diesen vermeintlichen Trend aber nicht beobachten (Unter der Voraussetzung, dass die Studien, die ich gesehen habe noch aktuell sind). Für sperrige Einkäufe gehen sowieso die wenigstens in die Stadt shoppen, sondern an den erwähnten Stadtrand mit Parkplatz direkt vor der Eingangstür, das ist aber in keiner Innenstadt geboten.


Zitat
Ein anderes Problem stellt die Tatsache dar, wie man dem komfort-gewohnten Autofahrer teils vollkommen überfüllte und dreckige ÖPNV-Fahrzeuge schmackhaft machen möchte, in denen darüber hinaus noch nicht gerade selten "rustikales Problem-Klientel" sitzt. Gerade im Wochenend-Spätverkehr wird der Autofahrer eher bereit sein, 40 Euro für das Taxi auszugeben, als nur eine Fahrt von der Kasseler Innenstadt nach z. B. Vellmar mit der Straßenbahn zu machen.

An Takt, Ausstattung etc. muss sicherlich gearbeitet werden, ich denke aber dass der NVV da auf einem guten Weg ist mit dem Halbstundentakt auf den Hauptästen und mindestens Stundentakt in den Dörfern. Die Aufenthaltsqualität an den Hauptdrehscheiben in Kassel muss aber eklatant verbessert werden (ob das Miniprogramm diesen Spätherbst wohl immerhin den Anstrich verschönert?).
Und wer Probleme mit dem normalen Leben normaler Leute hat, für den ist ÖPNV vielleicht auch nichts.
Am Wochenende gehen die jungen Leute eben feiern, hier könnten vielleicht auch wie bei der RT Begleiter eingesetzt werden sollte es doch mal dazu kommen, dass das "Problem-Klientel" tatsächlich Probleme macht.

Grüße.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.11.20 14:30.
Es sind immer die gleichen dummen Argumente, die gegen die Verbesserungen des ÖPNV in den Innenstädten vorgebracht werden. Dagegen sprechen weltweite Städterancings, wo z.B. Wien, Melbourne, München u.a.oben platziert sind und Städte wie Oberhausen, Duisburg und Mülheim an Ruhr im Tiefkeller zu finden sind.
esTranvia schrieb:Zitat:
Es sind immer die gleichen dummen Argumente, die gegen die Verbesserungen des ÖPNV in den Innenstädten vorgebracht werden. Dagegen sprechen weltweite Städterancings, wo z.B. Wien, Melbourne, München u.a.oben platziert sind und Städte wie Oberhausen, Duisburg und Mülheim an Ruhr im Tiefkeller zu finden sind.
Das ist nun aber auch wieder viel zu platt, die ÖPNV-Situation in den Innenstädten als alleiniges Argument anzuführen. In Duisburg und (Alt-) Oberhausen z.B. ist es nachweisbar (und auch weitgehend unstrittig), dass der Niedergang des Einzelhandels in den Innenstädten maßgeblich durch die Konkurrenz großer Einkaufszentren (CentrO und Rhein-Ruhr-Zentrum) und eine Negativspirale (hochwertige Geschäfte können sich nicht halten, Kunden fahren in die Einkaufszentren, weitere hochwertige Geschäfte schließen, Ramschläden breiten sich aus usw.) zurückzuführen ist. Die ÖPNV-Frage ist dabei nicht die entscheidende.

Und wenn alles so einfach wäre, könnte man z.B. den katastrophalen Zustand der Neusser Innenstadt nicht erklären. Dort fährt schließlich die SL 709 mitten durch die Fußgängerzone und trotzdem gibt es dort fast nur Ramschläden.

Und das Ruhrgebiet mit Wien, Melbourne oder München zu vergleichen, ist wirklich abstrus. Bei solchen Städterankings spielt auch das Image einer Stadt eine wichtige Rolle.

Und dass Melbourne einen hervorragenden ÖPNV hätte, möchte ich nun wirklich stark bezweifeln. Ich habe Melbourne als typische australische/nordamerikanische Metropole erlebt, in der das Auto absolut dominiert und verhätschelt wird, während dem ÖPNV seit Jahrzehnten wenig Aufmerksamkeit und Investitionen gewidmet werden. Straßenbahnfreunde ziehen m.A.n. leider aus der Tatsache, dass Melbourne das Netz mit der weltweit größten Streckenlänge hat, die falschen (Schnell-) Schlüsse. Wenn man sich das dortige Straßenbahnnetz etwas näher ansieht, kommt man zu eher ernüchternden Einschätzungen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.11.20 06:33.

Re: [KS] Klimaschutzrat stellt erste Empfehlungen vor (ZM)

geschrieben von: PL

Datum: 21.11.20 08:52

Deswegen fährt in Oberhausen die Straßenbahn ins CentrO und alle straßenbahnwürdigen Buslinien auch.

Städtebau und ökologisch sinnvolle Erschließung gehören zusammen. ""Superhausen" hat im Ansatz richtige Schritte gemacht. Nicht zu vergessen aber, daß Oberhausen wie eine echte Ruhrgebietsstadt kein richtiges großes Zentrum entwickelt hatte. Was ja bekanntlich Preußen bis zu seinem Untergang 1918 verhindert hat. Die ÖPNV-Trasse hat den Modal Split der Oberhausener mindestens gefestigt, vielleicht sogar verbessert.

Wuppertal hat mit seiner Uni 1966 das Gegenteil beschlossen. Genau neben die ÖPNV-Trasse gelegt, diese nicht hineingeschwenkt und diese Trasse pünktlich zur Eröffnung der Uni stillgelegt. Dem Arbeiterführer J.R. sei Dank.


Grüße vom ex-Wuppertaler

TW 239
Bernhard Martin schrieb
Und das Ruhrgebiet mit Wien, Melbourne oder München zu vergleichen, ist wirklich abstrus. Bei solchen Städterankings spielt auch das Image eine wichtige Rolle.

Das Ruhrgebiet gibt sich doch immer als Metropole aus, ohne auch nur ansatzweise einen solchen Eindruck zu erwecken. Das verhindert schon das Kirchturmdenken. Politiker und unqualifizierte Stadt- und Verkehrsplaner stehen einem Metropolengedanken im Wege.
Und womit haben viele Städte in Frankreichdurch Wiedereinführung oder völligen Neubau ihre Innenstädte aufgemöbelt und ihr Image verbessert? Eben durch Straßenbahnen!
Man muss auch gar nicht nur Weltstädte zum Vergleich heranziehen. Gerade Kassel ist zu einer Boomtown geworden, und dabei hat das Straßenbahnnetz und insgesamt der ÖPNV nicht unwesentlich beigetragen.
Und man sollte nicht glauben, dass Busse die Neusser Fußgängerzone aufwerten würden.
Die Straßenbahn ist in jeder Hinsicht das Nonplusultra!