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Die Leubener Vorortsbahn


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Die wegen der grünen Farbgebung ihrer Wagen im Volksmund als „Laubfrosch“ bezeichnete Vorortsbahn (mit Binde-s) bildete den Kern von Oskar Ludwig Kummers geplantem Meterspur-Imperium östlich von Dresden. Die zum Jahresende 1899 eröffnete Bahn verband ursprünglich Laubegast (mit Anschluss an die Stadtlinie) über Leuben mit dem Bahnhof in Niedersedlitz. Großer Vorteil der Streckenführung war, dass die Strecke in Niedersedlitz unmittelbar an Kummers ausgedehnten Fabrikanlagen vorbeifuhr, was das Unterstellen und die Wartung der Fahrzeuge wesentlich erleichterte. Außerdem konnte die Strecke für Testfahrten meterspuriger Fahrzeuge aus der eigenen Fertigung genutzt werden, wovon zu Beginn wohl auch redlich Gebrauch gemacht wurde.

Mit Kummers Aufsehen erregender Pleite 1902 fiel die Vorortsbahn an die Gemeinde Leuben, die sie weiter betrieb. Inzwischen unter Beteiligung der Nachbarortschaften zur Gemeindeverbandsbahn gewachsen, konnte sie 1906 sogar von Niedersedlitz nach Kleinzschachwitz erweitert werden. Hierzu wurden aus Plauen im Vogtland extra drei weitere Kummer-Wagen gebraucht erworben.


Liniengrafik der verlängerten Vorortsbahn - Stand 1908.

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Mit der Einverleibung der Gemeinde Leuben nach Dresden 1921 fiel die Bahn an die Stadt, und es ergab sich die große Chance der Umspurung und Anbindung an das Dresdner Stadtnetz. Diese wurde in den Jahren 1924 und 1925 vollzogen, Ende 1925 wurde auch die Verbindung der bislang in Seidnitz endenden Strecke nach Leuben in Betrieb genommen und die vormalige Vorortsbahn über die verlängerten Linien 19 und 12 nunmehr vollständig in das Liniensystem der Städtischen Straßenbahn eingebunden. Nur der sogar einige hundert Meter nach Zschieren zur Elbfähre verlängerte Endabschnitt von Niedersedlitz nach Kleinzschachwitz wurde weiterhin unter seinem alten Namen ohne Liniennummer betrieben, aber mit Stadtspurwagen.

Jener Abschnitt ist seit 1932 stillgelegt und hatte in breiter Spur gerade einmal sieben Jahre Bestand. Die ursprüngliche Strecke der Leubener Vorortsbahn wird heute, mittlerweile komplett zweigleisig ausgebaut, durchgehend von der Linie 6 befahren.

Zur ausführlichen und sehr spannenden Geschichte der Vorortsbahn empfehle ich ausdrücklich Mario Schatz‘ „Meterspurige Straßenbahnen in Dresden“.



Die Wagen der Vorortsbahn

Für die Ursprungsstrecke wurden 1899 vier große Kummer-Einheitswagen in Dienst gestellt, von denen zwei 1925 noch nach Meißen verkauft werden konnten. Typisch Kummer ist das Wellenfahrgestell, auffällig auch der sehr große Überhang der recht langen Fahrzeuge, die für Ende des 19. Jahrhunderts gebaute Wagen äußerst futuristisch wirkten - man vergleiche nur einmal mit dem üblichen Fuhrpark des Stadtnetzes!

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Der eigenwillige Triebwagen 5 entstand 1904 aus einem der beiden einzigen Beiwagen der Vorortsbahn (der zweite wurde schon 1901 zum Salzwagen), die wiederum ein Vorleben als „gelbe“ Pferdebahnwagen hatten. Bis zuletzt behielt er als einziger Wagen seine offenen Plattformen.

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1906 konnten von der Straßenbahn in Plauen drei kleinere, dreifenstrige Kummer-Einheitstriebwagen für die Verlängerung nach Kleinzschachwitz erworben werden, ebenfalls Baujahr 1899. Sie erhielten die Nummern 6 bis 8.

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Die recht modern wirkenden Triebwagen 9 und 10 schließlich wurden 1912 neu von Busch, Bautzen bezogen. 1925 konnten sie noch nach Meißen weiterverkauft werden.

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1924/25 wurden die Wagen der Vorortsbahn durch überzählige Lößnitzbahn-Wagen ersetzt. Damit wurde die Vorortsbahn nun auch optisch zum festen Bestandteil des Dresdner Straßenbahnnetzes, denn nunmehr wurde aus dem Laubfrosch ein gelbes Entlein.

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Fahrpläne

Fahrplan der Vorortsbahn von 1908.

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Fahrpläne von 1912/13 und 1914/15.Man beachte die Anschlusshinweise - das Fahrtenprogramm war ausdrücklich auf die Eisenbahn-Vorortzüge abgestimmt.

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Die Strecke

Wir begeben uns virtuell mit der Linie 19 zum Ausgangspunkt des „Laubfroschs“ in Laubegast. Bis 1901 endete die Stadtspur-Bahn noch vor dem Forsthaus, dann wurde sie einige hundert Meter zum Bismarckplatz (Kronstädter Platz) verlängert. Rechts wartet Vorortsbahn-Triebwagen 2 auf den Anschluss, doch vorher stellt sich natürlich das halbe Dorf ordnungsgemäß der Linse des Fotografen.

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Recht bekannt dürfte die folgende Aufnahme sein. Wohl Ende der 1910er Jahre ist einer der aus Plauen übernommenen kleinen Kummer-Wagen 6 bis 8 aus Niedersedlitz eingetroffen, und ein ganz besonders eiliger Fahrgast quert im Laufschritt die Hauptstraße, heutige Österreicher Straße, um den Anschluss der Linie 19 in Richtung Stadt noch zu erreichen - während der Rest der Passagiere offenbar auf die Fahrplantreue der Städtischen Straßenbahn vertraut.

https://abload.de/img/vlaubegasttbkfi.jpg


Nun schauen wir in der Leubener Straße auf den Endpunkt der Vorortsbahn. Von besonderem Interesse dürfte hier weniger der grüne Kummer-Wagen sein, sondern die Gleislage auf noch unbefestigter Straße. Außerdem schien der Endpunkt Laubegast keine Umfahrung zu besitzen, was einen ohnehin, wenn überhaupt, nur 1901 durchgeführten Beiwagenbetrieb etwas fragwürdig erscheinen lässt.

https://abload.de/img/vleubenerstr1c1k66.jpg


Um 1905 erreicht ein Vorortsbahn-Wagen die erste Zwischenhaltestelle „Sedanstraße“. Nach der Eingemeindung Laubgasts 1921 erhielt der Fahrweg 1926 den Namen Grazer Straße, den er heute noch trägt und sich damit in das nach der Einverleibung geschaffene Österreich-Schema der hiesigen Straßen einreiht.

https://abload.de/img/vleubenerstr29cjl4.jpg


Die Gärtnerei Meischke war ein weit über Laubegast hinaus bekannter Betrieb und Namensgeber der nächsten Station. Im Hintergrund rauchen die Schlote der Niedersedlitzer Fabriken an der Eisenbahn, und auch die Leubener Kirche wurde nicht vergessen, ebensowenig wie ein winziger Straßenbahnwagen auf der Leubener Straße. Das Gärtnereigelände wurde nach 1990 kleinteilig parzelliert und bebaut, u.a. durch den Neusiedler Weg und die verlängerte Villacher Straße.

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Im Altelbarm zwischen Laubegast und Leuben erstreckte sich die Konkurrenz in Form der Gärtnerei Ziegenbalg. Einer der großen Kummer-Einheitswagen 1 bis 4 hat vor wenigen Minuten in Laubegast seine Fuhre aufgenommen und strebt nun auf der Leubener Straße dem namensgebenden Vorort entgegen.

https://abload.de/img/vgrtnereiziegenbalg75k67.jpg


Leider nicht fündig geworden bin ich mit einer Aufnahme eines Vorortsbahn-Wagens am Leubener Friedhof. Somit springen wir sofort zum Marktplatz, heute Altleuben. An der Ecke Dresdener Straße/Marktplatz lud das „Gasthaus zum Lindengarten“ zur Einkehr ein - die westliche Platzseite musste leider in den 1960er Jahren dem Neubaugebiet Leuben weichen. Vorn das Meterspurgleis der Vorortsbahn.

https://abload.de/img/vlindengartenaskz1.jpg


Allerlei Personal posiert hier vor dem frisch glänzenden Triebwagen 2. Die Himmelfahrtskirche im Hintergrund wurde 1901 vollendet, ebenso wie das dahinter sichtbare Rathaus, in dem die Gemeindeverwaltung immerhin noch weitere 20 Jahre Hof halten durfte. Auch heute noch dient es als Domizil des Stadtbezirks Leuben örtlichen Verwaltungszwecken.

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Der Gasthof Leuben wurde nach 1945 als jahrzehntelanges provisorisches Domizil der Staatsoperette überregional bekannt. Offenbar war der doch in der Darstellung von Personen und Innendekor recht bewanderte Bildkünstler mit den herausfordernden Formen der Kummer-Wagen etwas überfordert, so dass ein immerhin grün angehauchtes kastenförmiges Dingensbummens unseren „Laubfrosch“ symbolisiert.

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Nicht weit ist es zum Abzweig der Königsallee (Berthold-Haupt-Straße), wo sich heute die Strecken nach Kleinzschachwitz und Niedersedlitz verzweigen. Rechts biegt die Vorortsbahn in großem Bogen in die heutige Stephensonstraße ein, die damals noch den Namen Bahnhofstraße trug, nicht zu verwechseln mit der Zschwitzer Straße gleinen Namens. Links das Schild der Haltestelle „Königsallee“.

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Vorstädtische zweistöckige Bebauung dominiert entlang der Bahnhofstraße (Stephensonstraße). Von rechts führt heute die Gleisschleife Klettestraße aus selbiger, die damals noch Bismarckstraße genannt wurde.

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Auf unbefestigter Fahrbahn lagen die Gleise in stadtwärtiger Richtung am Gehwegrand. Die in Bildmitte kreuzende Moltkestraße heißt seit der Eingemeindung Guerickestraße - in Leuben haben sich mit der Eingemeindung allerlei berühmte Erfinder und Ingenieure versammelt. In Dresden war man stets peinlich darauf bedacht, Doppelbenennungen bei Straßen zu vermeiden, was in regelrechten Umbenennungsorgien mündete, die oft zu thematischen Clustern führten - erst seit der letzten großen Welle 1999 ist man hiervon abgekommen.

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Ein präsentables historisches Bild des nach Übernahme der Bahn durch die Gemeinde Leuben im Jahre 1903 errichteten, nun folgenden Straßenbahnhofs Leuben fehlt leider. Daher ersatzweise eine Aufnahme des heute als Rettungswache genutzte Gebäude.

https://abload.de/img/img_3733qpbkt_shiftndrk51.jpg


An der Fabrikstraße, heute Sachsenwerkstraße, beginnt die geschlossene Bebauung der Bahnhofstraße. Wir befinden uns nun unmittelbar an der Flurgrenze zwischen Leuben und Niedersedlitz, die von 1921 bis 1950 gleichzeitig Stadtgrenze war.

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Am „Stadt Dresden“ biegt die Strecke in Richtung Bahnhof Niedersedlitz ab und zieht sich nun durch die Nordstraße (Hennigsdorfer Straße, Straße des 17. Juni) entlang der ausgedehnten Fabrikanlagen der Firma Kummer und Co. Nach deren Konkurs entstand hier das Sachsenwerk.

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Vor der Kummerschen Fabrik posiert ein Wagen der Vorortsbahn in den ersten Betriebsjahren. Das Gebäude wurde später in östlicher Richtung erweitert.

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Ein Wagen in Richtung Laubegast hat die Querstraße (heute im Fabrikgelände aufgegangen) überquert. Wir erkennen links die wohl unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg erfolgte Erweiterung des nunmehrigen Sachsenwerks.

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Ein Blick in das Innere des nunmehrigen Sachsenwerkes, wo vor allem das elektrische Rangiertriebfahrzeug mit Kranausleger ins Auge fällt. Links außerhalb des Bildes verläuft die Sächsisch-Böhmische Bahn und erreicht gleich den Bahnhof Niedersedlitz.

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Kurz darauf schwenkte auch die Strecke der meterspurigen Vorortsbahn im Zuge der heutigen Gleisschleife zum Bahnhofsvorplatz in Niedersedlitz ein. Hier teilte sie sich ab 1906 die Endstelle mit der Lockwitztalbahn. Links bedient Triebwagen 1 die Relation Niedersedlitz - Laubegast. In der Bildmitte Triebwagen 5 der Lockwitztalbahn mit deren Salz- und Postwagen, rechts der aus Kleinzschachwitz eingetroffene Triebwagen 5 der Vorortsbahn mit seiner unverkennbaren Silhouette. Zwei ungleiche Namens- oder besser Nummernvetter also…

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Zur Eröffnung der Verlängerung nach Kleinzschachwitz stehen am 17. Oktober 1906 drei Triebwagen im Festschmuck bereit. Deutlich erkennbar sind die Längenunterschiede zwischen den Kummer-Einheitswagen in langer und kurzer Bauart.

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Weniger überfüllt zeigt sich der Endpunkt auf dem nächsten Foto mit Triebwagen 4 im Vordergrund. Dahinter erkennen wir wiederum den Lockwitztalbahn-Postwagen sowie Beiwagen 21, offenbar gerade für weitere Einsätze abgestellt.

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Im Ersten Weltkrieg steht Triebwagen 4 vereinsamt auf dem Bahnhofsvorplatz. Diese sehr seltene Perspektive in östlicher Richtung erlaubt einen Blick auf die ausgedehnten Anlagen von Otto Kauffmanns Fabrik - hier wurden u.a. Mosaikplatten gefertigt.

https://abload.de/img/vtw4niedersedlitzflkef.jpg


Aus der Deutschen Fotothek stammt diese sehr seltene Aufnahme des Bahnhofsvorplatzes vom Straßenniveau aus. Dort, wo heute das Schleifengleis vom Endpunkt herunterführt, sehen wir die Verzweigung des Lockwitztalbahn-Gleises (nach links) und der Verlängerung der Vorortsbahn nach Kleinzschachwitz, der wir nun folgen.

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Wenig spektakulär war die eingleisige Streckenführung in Großzschachwitz entlang der Bahnhofstraße bis zur Kreuzung mit der Pirnaischen Straße, die heute Pirnaer Landstraße heißt. Dort passierte die Strecke den örtlichen Gasthof, ein recht beeindruckendes Gebäude.

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Die enge Durchfahrt durch die Dorfkerne von Groß- und Kleinzschachwitz war dann allerdings recht pittoresk. Wir blicken von der Kreuzung die Bahnhofstraße hinunter in Richtung Kleinzschachwitz, das Ziel des kleinen Kummer-Triebwagens Nummer 7 mit vogtländischer Vergangenheit, während Triebwagen 1 nach Niedersedlitz unterwegs ist. Die Häuser rechts sind heute leider nicht mehr vorhanden.

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Nur wenige Meter weiter, und wieder (oder noch?) verfolgen wir Nummer 7 auf der Fahrt nach Kleinzschachwitz. Bei dem Umfang des anwesenden Personenkreises ist dem Retuscheur wohl etwas die Fantasie durchgebrannt…

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Ein Blick in die Gegenrichtung zur Kreuzung mit der Pirnaischen Straße, und tatsächlich ist es wieder der offenbar wenig bildscheue Triebwagen 7, der sich diesmal nach Niedersedlitz begibt. Allerlei Kindsvolk hat sich derweil im Blickfeld des Fotografen mitten auf der Straße eingefunden, offenbar hat in der örtlichen Dorfschule die aktenkundige Belehrung über die Gefahren des Straßenverkehrs noch nicht stattgefunden.

https://abload.de/img/vzschachwitzbahnhofst0ijbf.jpg


Der Lockwitzbach bildet eine natürliche Grenze zwischen Groß- und Kleinzschachwitz. Der Gasthof „Goldene Krone“ liegt schon im Nachbardorf uns verfügte sogar eigens über eine Haltestelle, so dass der fröhliche Zecher bei einem Betriebsschluss gegen 1 Uhr direkt aus dem Etablissement in sein Heimtransportmittel umgeladen werden konnte.

https://abload.de/img/vzschachwitzbrcke8rke4.jpg


Auch wenn es abseits der Strecke ums Eck liegt und so rein gar nichts mit Straßenbahnhistorie zu tun hat: Das herzallerliebste Putjatinhaus darf hier nicht fehlen. Das auf Veranlassung des skurrilen, aber philanthropisch veranlagten und nach Sachsen emigrierten russischen Fürsten Putjatin errichtete Häuschen diente ursprünglich als Schulhaus von Kleinzschachwitz und ist heute sowohl kultureller Mittelpunkt als auch Wahrzeichen des beschaulichen Dresdner Stadtteils (seit 1921) am Ufer der Elbe.

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Zurück von den sozialromantischen Anwandlungen eines Adligen zu den technischen Errungenschaften des Kapitalismus der Jahrhundertwende. Am Georgplatz, heute etwas sperrig Altkleinzschachwitz genannt, biegt ein großer Kummerwagen ums Eck und in die Albertstraße, heute Kurhausstraße, ein. Die künstlich überhöhte Passantendichte entspricht eher dem Altmarkt zu Marktbetriebszeiten als dem Dorfplatz eines vorstädtischen Elbfleckens.

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Und da isser wieder, unser Wagen 7! Langsam wird es unheimlich… Nunmehr ist der unangefochten meistfotografierte Vorortsbahn-Triebwagen auf der Albertstraße in Richtung Niedersedlitz unterwegs und hat davor noch das Nachbardorf Großzschachwitz zu durchqueren, das übrigens anders als Kleinzschachwitz nicht bereits 1921, sondern erst 1950 zur Stadt Dresden geschlagen wurde. Ob die beiden Rotzlöffel mit Schultornister dem eilends entschwindenden Herrn zur Linken einen der üblichen Lausbubenstreiche gespielt haben oder sich doch mehr für die feschen Zschachwitzer Mädels (sächsischer Plural mit -s) auf der anderen Straßenseite interessieren, bleibt unserer Fantasie überlassen.

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Das elegante Gemeindeamt am Zwickel Hosterwitzer Straße/Kurhausstraße (zur Erbauungszeit Albertstraße) leistete sich Kleinzschachwitz in den Jahren 1901 und 1902. Nach der Eingemeindung diente das schöne Gebäude lange Jahre als Postamt. Ausnahmsweise ist es diesmal Triebwagen 3, der dem Fotografen vor das Objektiv fährt.

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Nicht mehr weit war es nun bis zum Endpunkt am König-Albert-Platz, heute der namenlose Park zwischen Berthold-Haupt-, Kurhaus- und Freystraße, um den sich die Gleisschleife Kleinzschachwitz zieht. Nur in der stadtspurigen Variante zwischen 1925 und 1932 fuhr die Vorortsbahn bis zur Elbfähre in Zschieren weiter, was damit einer der kurzlebigsten Streckenabschnitte im Dresdner Straßenbahnnetz gewesen sein dürfte. Und natürlich ist es kein anderer als Triebwagen 7, der in winterlicher Umgebung auf Fahrgäste wartet, die sich zur Eisenbahn in Niedersedlitz kutschieren lassen wollen.

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In sommerlichem Umfeld kommen die Stärken des Triebwagens 5 zum Tragen: Die luftigen Plattformen. Die kreuzende Straße im Vordergrund ist die Freystraße, in Höhe des Wagens befindet sich heute die Einfahrtsweiche zur zweigleisigen Aufstellanlage der Schleife, die nach links aus dem Bild böge.

https://abload.de/img/vtw5kleinzschachwitzaj1k3s.jpg


Wir beenden unseren ausführlichen Ausflug zum „Laubfrosch“ im Dresdner Südosten mit einer Nahaufnahme des aus einem Dresdner Pferdebahnwagen umgebauten Triebwagens 5, der somit bildlich ebenfalls recht gut verewigt ist. Die Schaffnerin engt den Entstehungszeitraum des Fotos auf die Zeit des Ersten Weltkriegs ein. Gut erkennbar ist das merkwürdige Fahrgestell des Wagens, eine Bauart, die mir bislang noch nie begegnet ist. Im Hintergrund erkennen wir auch das auf der vor-vorigen Winteraufnahme sichtbare Endpunkthäuschen in ländlich-rustikaler Fachwerkoptik - der Wagen steht somit unmittelbar am Streckenende an der Königsallee, der heutigen Berthold-Haupt-Straße.

https://abload.de/img/vtw5kleinzschachwitzz8jyo.jpg



Viele Grüße

vom Antonstädter
Moin

Es macht immer wieder Spaß, dem Verlauf zu folgen - in Dresden dank StreetView sogar auf Straßenebene. Einige Häuser sind gut wiederzuerkennen - andere dagegen völlig entstellt oder nicht mehr vorhanden.

Gruß Ralph

P.S. Danke für diese grandiose Serie!
antonstädter schrieb:
Ein Blick in die Gegenrichtung zur Kreuzung mit der Pirnaischen Straße, und tatsächlich ist es wieder der offenbar wenig bildscheue Triebwagen 7, der sich diesmal nach Niedersedlitz begibt. Allerlei Kindsvolk hat sich derweil im Blickfeld des Fotografen mitten auf der Straße eingefunden, offenbar hat in der örtlichen Dorfschule die aktenkundige Belehrung über die Gefahren des Straßenverkehrs noch nicht stattgefunden.

Auch wenn es abseits der Strecke ums Eck liegt und so rein gar nichts mit Straßenbahnhistorie zu tun hat: Das herzallerliebste Putjatinhaus darf hier nicht fehlen. Das auf Veranlassung des skurrilen, aber philanthropisch veranlagten und nach Sachsen emigrierten russischen Fürsten Putjatin errichtete Häuschen diente ursprünglich als Schulhaus von Kleinzschachwitz und ist heute sowohl kultureller Mittelpunkt als auch Wahrzeichen des beschaulichen Dresdner Stadtteils (seit 1921) am Ufer der Elbe.

Zurück von den sozialromantischen Anwandlungen eines Adligen zu den technischen Errungenschaften des Kapitalismus der Jahrhundertwende. Am Georgplatz, heute etwas sperrig Altkleinzschachwitz genannt, biegt ein großer Kummerwagen ums Eck und in die Albertstraße, heute Kurhausstraße, ein. Die künstlich überhöhte Passantendichte entspricht eher dem Altmarkt zu Marktbetriebszeiten als dem Dorfplatz eines vorstädtischen Elbfleckens.

Hallo antonstädter!
Zunächst einmal recht herzlichen Dank zur prompten Antwort auf meine Frage zu dem Turmzimmer in Neugruna.
Heute habe ich einige Texte zitiert, weil mir hier ein Foto im Unterschied zu den meisten anderen Fotos aufgefallen ist. Die "Dorfschule"-Kinder wurden deutlich an ihre Plätze im Bild gestellt. Ich nehme an, es lag an der unzulänglichen Fototechnik (lange Belichtungszeiten). Alle im Bild befindlichen Personen sind so deutlich auf die Kamera fokussiert - auch irgendwie zeittypisch. Mir sind die unterschiedliche Kleidung und sehr viele unbeschuhte Füße aufgefallen... vielleicht hat es anschließend eine Tüte Süssigkeiten vom Fotografen gegeben, ich möchte das hoffen.
Ich bin wieder begeistert ich sammele Postkarten, die mit Wohnorten meiner Familie zu tun haben, aber eine solche Vielfalt wie aus Dresden und drumherum habe ich nicht für möglich gehalten.
Carsten Dietrich Brink
82131 Gauting
@ Antonstädter,

großes Dankeschön, da kann man nur die Mütze ziehen!

Grüße Cris

Re: [DD] kleine Korrektur

geschrieben von: worldtradesurfer

Datum: 15.10.20 00:33

Hallo Antonstädter,

in folgendem Begleittext hast Du ein paar Buchstaben verschluckt:

Zitat
Nicht weit ist es zum Abzweig der Königsallee (Berthold-Haupt-Straße), wo sich heute die Strecken nach Kleinzschachwitz und Niedersedlitz verzweigen. Rechts biegt die Vorortsbahn in großem Bogen in die heutige Stephensonstraße ein, die damals noch den Namen Bahnhofstraße trug, nicht zu verwechseln mit der Zschwitzer Straße gleinen Namens. Links das Schild der Haltestelle „Königsallee“.
Desweiteren noch ein Hinweis an alle die es Interessiert:

Die Straßenbahnstrecke direkt zur Fähre hinunter exstierte in Normalspur, wie Antonstädter bereits schrieb, nur sieben Jahre lang bis 1932.
Der genaue Streckenverlauf war anhand eines Kopfsteinpflaster-Streifens noch bis mindestens zum Jahr 2003 sichtbar! Das alte Endpunktgebäude in Holzbauweise direkt am Elbufer existiert noch heute und beherbergt einen kleinen Kiosk mit Bier und Bockwurst Angebot.

Grüße
worldtradesurfer
Hallo,

TOLLER Beitrag.
Frage:
Was bedeuten die unterstrichenen Minuten in einigen Stunden?
https://abload.de/img/fahrplanvorortsblockwqmjjo.jpg

Man beachte auch die einfache Darstellung der unterschiedlichen Beginne in Klz und Nie. (hier 5.36 > 5.24 >...)

strab44
allo Antonstädter,
wie immer Annschaulich, informativ, wissenswert usw.
1_Rathaus Kleinzschachwitz_Eröffnungszug_1899-12-29_Slg Rudolf Werner.jpg
Eröffnungszug mit Tw 1 am 29.12.1899 am Rathaus Kleizschachwitz ©Sammlung Rudolf Werner
7 am Strbf Leuben, in der Bahnhofstraße (Stephensonstraße) um 1907.jpg
Tw 7 um 1907 vorm Depot Stephensohnstraße1© Sammlung Ingolf Menzel
10_Depot Leuben_1916_Slg Peter Mirsch.jpg
Tw 10 im Depot um 1916© Sammlung Peter Mirsch
strab44 schrieb:
Hallo,

TOLLER Beitrag.
Frage:
Was bedeuten die unterstrichenen Minuten in einigen Stunden?
[abload.de]


Hallo strab44,

früher war die Darstellung von Uhrzeiten im 24-Stundensystem nicht üblich, es wurde nur das 12-Stundensystem verwendet. Um z.B. 05:30 Uhr von 17:30 Uhr zu unterscheiden, wurden die Zeiten in der Nacht (von 18 bis 6 Uhr) durch Unterstreichen gekennzeichnet. Man erkennt dies gut an den ersten Fahrten morgens 5:53 und 6:24 Uhr. Die erste von den beiden Fahrt liegt noch in der Nacht, daher unterstrichen, die zweite Fahrt ist schon am Tage.

Viele Grüße von der Nebenstrecke
Danke Dir für die Ergänzungen!

Da muss ich bei TW 10 glatt noch mal die Griffstangen nachrüsten...
Hallo Antonstädter,

danke für das Auffüllen meiner Wissenslücke. Diese Vorortsbahn war mir dem Namen nach bekannt aber das war es auch. Da muss ich demnächst mal mitfahren - äh, entlang gehen.

Bei der heutigen Stephensonstraße schreibst du von geschlossener Bebauung. In Dresden verstand man unter diesem Begriff die Bebauung mit lückenlos aneinder gereihten Häusern. Zu mindest steht das so in einem Bebauungsplan der Vorstadt Striesen von 1899. Das Bild der Stephensonstraße zeigt einzeln stehende Häuser, also nach der genannten Definition eine offene Bebauung. Aus deinen Veröffentlichungen im Architekturforum schließe ich, dass du dich in diesem Feld auskennst. Vielleicht kannst du dich, auch wenn es mit dem Forum hier wenig zu tun hat, hierzu äußern.

Ein Frage zum Thema Vorortsbahn und deren Nachfolger habe ich dennoch. Du erwähnst die spätere Verlängerung nach Zschieren zum Fähranleger. Da gab es weiter oben schon eine Sichtungsmeldung zu den Relikten im Straßenbelag, jedoch bezieht sich das wohl auf die heutige Anlegestelle der Fähre nach Pillnitz. Zschieren liegt doch noch ein Stück weiter elbaufwärts. Wie genau verlief da die Streckenführung? Vielleicht kommt das auch noch in einem deiner nächsten Beiträge, dann gedulde ich mich auch gern. Du spürst schon meine Hoffnungen?

Gruß Bernd
Erstmal Danke an antonstädter für diese grandiose Aufarbeitung dieses Themas

BahnSucher schrieb:


Ein Frage zum Thema Vorortsbahn und deren Nachfolger habe ich dennoch. Du erwähnst die spätere Verlängerung nach Zschieren zum Fähranleger. Da gab es weiter oben schon eine Sichtungsmeldung zu den Relikten im Straßenbelag, jedoch bezieht sich das wohl auf die heutige Anlegestelle der Fähre nach Pillnitz. Zschieren liegt doch noch ein Stück weiter elbaufwärts. Wie genau verlief da die Streckenführung? Vielleicht kommt das auch noch in einem deiner nächsten Beiträge, dann gedulde ich mich auch gern. Du spürst schon meine Hoffnungen?

Gruß Bernd


Hallo,

ich habe hier 2 Stadtplanausschnitte von 1927. Auf dem einen kann man ganz gut die Linienführung der Vorortbahn erkennen.


Screenshot (21).png


Auf diesem sieht man, wie das Gleis bis zur Elbe an den Fähranleger nach Pillnitz geht. Wenn die Flurgrenzen stimmen, liegt der Endpunkt genau genommen in Zschieren.


Screenshot (22).png
Hallo sprühwagenkiller,
danke für die Aufklärung zur Gemarkung und dem Streckenverlauf. Habe gerade im Dresdner Themenstadtplan Online nachgeschaut und da steht unter "Gemarkung" auch die heutige Zuordnung, die hier mit dem von dir bildlich übermittelten Zustand übereinstimmt. Die gedruckten heutigen Stadtpläne nehmen auf die Gemarkungen wenig Rücksicht. Auch im Volksmund kommen die Einwohner des Gebietes unmittelbar östlich des Fähranlegers aus Kleinzschachwitz. Nichts geht über sorgfältiges Quellenstudium, wie du und antonstädter es hier darlegen.

Gruß Bernd



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.10.20 15:48.
Hallo Bernd,

die beiden Ausschnitte stammen aus dem Themenstadtplan. Aber auch dort wurde schon mehrfach festgestellt, dass nicht alles korrekt eingezeichnet wurde wie Gleisschleifen, -stummel usw.

Grüße