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 05 - Straßenbahn-Forum 

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Insgesamt zwölf Tage verbrachte der Münchner T4-Wagen 2501 im August in Graz. Die Verkehrsbetriebe Graz Linien nutzten die kurze Zeit, um den Anwärter auf die geplante Ausschreibung ausführlich zu erproben und Lärm- und Erschütterungsmessungen im Netz durchzuführen. Wie auch in München, sorgte die Variobahn von Stadler jahrelang für negative Schlagzeilen in der örtlichen Presse. Während in München mehrfach Fahrzeugschäden auftraten und die typenübergreifend komplizierter gewordenen Zulassungsbedingungen die S-Wagen mehrfach aus dem Verkehr zogen, sind in Graz die Anwohnenden entlang der Straßenbahnstrecken aufgrund der erhöhten Lärm- und Erschütterungsimmissonen auf die Barrikaden gegangen und forderten Nachbesserungen. Neben Anpassungen an den immerhin 45 Variobahnen sind in den letzten Jahren an vielen Stellen die Schienen erneuert worden, dennoch ist die geplante Neubeschaffung auch aus diesem Grund ein Politikum. Für das neue Liniennetz nach Inbetriebnahme der Innenstadt-Entlastungsstrecke sollen ab 2024 ingesamt 15 zusätzliche Straßenbahnen zur Verfügung stehen, in weiteren Optionen möchte Graz die Ablösung der teils noch hochflurigen 500er- und 600er-Serien, sowie der Cityrunner vorbereiten.
Schon im vergangenen Oktober entsendete Bombardier einen fabrikneuen Flexity für Wien für Probefahrten nach Graz, das Fahrzeug gehört wie auch die Variobahn zu den Multigelenkwagen mit starren Fahrgestellen. Dem gegenüber wollte auch Siemens noch 2019 einen Avenio nach Graz bereitstellen; der Kurzgelenkwagen wartet bekanntermaßen mit ruhigerem Lauf in Gleisbögen auf, hat dafür jedoch konstruktionsbedingt einen engeren Innenraum. Vor der dringend erwarteten Freigabe der neun T3-Dreiteiler, konnte und wollte die MVG im Herbst 2019 jedoch bei der bekannt prekären Fahrzeugsituation keinen Avenio außer Dienst nehmen. Die Erfahrungen der Sommerleihe des T1-Wagens 2801 nach Nürnberg im August 2018 war den Münchner Verantwortlichen noch zu präsent, immerhin wartete der Vierteiler dann nochmal fünf Monate bis zu seiner Wiederinbetriebnahme in München.
Auch in den letzten Monaten ist die Situation im Wagenpark der Münchner Tram keinesfalls als entspannt zu bezeichnen, doch das einzig vertretbare Zeitfenster der nächsten Zeit für eine solche Ausleihe sah die MVG dieses Jahr während der bayerischen Sommerferien und einem umfassenden Baustellennetz. Der erste Beitrag handelt von Abtransport, Ankunft in Graz und den ersten Fahrten auf Grazer Schienen.

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(1) Aufladung am Vormittag des 10. August im Freigelände des Betriebshofs 2 an der Einsteinstraße


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(2) Am späten Abend des 10. August verlässt T4-Wagen 2501 den Betriebshof 2 an der Einsteinstraße, gegen 1 Uhr morgens am 12. August darf er auf Grazer Stadtgebiet


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(3) Millimeterarbeit unter den Bahngleisen am Hauptbahnhof: Nur langsam kann der Schwertransport den Avenio durch die Unterführung der Eggenberger Straße bringen. Bis zur Verlegung in die neue Bahnhofsunterführung im Jahr 2012 fuhr hier die Straßenbahn


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(4) Üblicherweise laden die LKW-Schwertransporter neue Straßenbahnen für Graz auf der Abstellfläche gegenüber der großen Remise II an der Steyrergasse ab, doch nur in der Remise III an der Alten Poststraße gibt es eine Unterflurdrehmaschine. Die muss der Avenio vor seinem Einsatz auf dem Grazer Netz besuchen


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(5) Der Schwertransporter bringt den Avenio zur Remise III der Graz Linien an der Alten Poststraße, direkt gegenüber liegt der Siemens-Standort Graz. Von dort stammen die Drehgestelle aller Münchner T-Wagen


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(6) Mitten in der Nacht beginnt am 12. August in Graz die Abladung des frisch eingetroffenen T4-Wagen 2501, für den die örtlichen Verkehrsbetriebe in den kommenden Tagen ein dicht getaktetes Erprobungsprogramm aufgestellt hatten


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(7) Noch in der Nacht kann der Wagen bereits seine ersten Meter aus eigener Kraft zurücklegen


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(8) Der Avenio fährt auf die Drehbank in der Remise Alte Poststraße, um die Radreifen auf das Grazer Profil abzudrehen


Nach Beginn der Betriebsruhe am frühen Morgen des 13. August verließ der Avenio 2501 dann das Betriebsgelände der Graz Linien, um zum größeren Standort an der Steyrergasse zu gelangen.

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(9) Die ersten Meter durch Graz: Nach erfolgter Radreifenreprofilierung fährt T4-Wagen 2501 zur Remise II. Am nächtlichen Jakominiplatz ist Zeit für einen kurzen Halt und ein Foto unter dem besonders in der Nacht markanten Laternenwald, der den wichtigsten Grazer Tramknotenpunkt seit seiner letzten Umgestaltung Mitte der 1990er-Jahre prägt


In München können Fahrzeuge in der Tram-Hauptwerkstätte in Ramersdorf nach Reparaturen und Umbauten auf rund 500 Metern abgesperrter Trasse Messungen unterzogen werden, ein solches eigenes Bremsgleis gibt es in Graz nicht. Dort gibt es stattdessen die Tradition, Bremsprobefahrten auf dem teils eingleisigen Streckenast nach Puntigam durchzuführen. Dafür setzen die Verkehrsbetriebe dann extra Ersatzbusse ein, die Linie 5 endet in der Zwischenschleife am Zentralfriedhof. Bei der Leihe des Wiener Flexity 306 im Oktober 2019 waren entsprechend ausführliche Probefahrten nötig, da das Fahrzeug direkt aus dem Wiener Bombardier-Werk nach Graz gelangte. Für den Münchner T4-Wagen 2501 reichte eine kurze Ausfahrt von der Steyrergasse zum Zentralfriedhof und zurück, um die weitere Betriebstauglichkeit auf Grazer Schienen für die anstehenden nächtlichen Messfahrten sicherzustellen.

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(10) Einfahrt in die Schleife am Zentralfriedhof, die durch die breite Triester Straße vom weiteren Streckenverlauf nach Puntigam getrennt ist


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(11) Der bisher längste Straßenbahnwagen auf Grazer Schienen zeigt sich vor dem Eingangsportal des Zentralfriedhofs in voller Breite. Das Fahrzeug ist mit vielen Messeinrichtungen ausgerüstet


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(12) Ehe in der Nacht weitere Messungen starten, kehrt der T4-Wagen 2501 zurück in die Wagenhallen an der Steyrergasse

Viele Grüße aus München
Frederik
Hallole,

vielen Dank fürs Zeigen.

Wie aufwendig ist die Anpassung der Gastwagen an das Grazer Netz, bezüglich Weichen- und Signalsteuerung, etc...

Grüßle
AFu

Zum Vergleich: Der Bremer „Avenio“

geschrieben von: Hansawagen

Datum: 12.10.20 13:25

Moin Frederik,

vielen Dank für die Fotos des Münchner „Avenios“.
Da bietet sich ein Vergleich zur Bremer Ausführung ja geradezu an:
[www.drehscheibe-online.de]

Gruß aus Bremen
53° 4' 15" nördlicher Breite
8° 48' 15" östlicher Länge

Re: Zum Vergleich: Der Bremer „Avenio“

geschrieben von: 4076

Datum: 12.10.20 19:37

Eine spannende Sache, welche Schlüsse die Graz Linien aus den Testfahrten ziehen. Auf einem Bild, wo sich am Gleisbogen am Hauptplatz der Avenio und ein 500er begegnen, sieht es danach aus, als ob dort der Gleismittenabstand für die Begegnung zweier Avenio nicht ausreichen würde.
Übrigens besitzen die Flexity Wien keine starren Fahrgestelle, sondern leicht bewegliche Fahrwerke.
AFu schrieb:
Wie aufwendig ist die Anpassung der Gastwagen an das Grazer Netz, bezüglich Weichen- und Signalsteuerung, etc...
Ich glaube da hat man sich extrem zurückgehalten, weil es sonst in München bei der Zulassung des Fahrzeugs Komplikationen geben könnte. Die Weichen wurden per Hand gestellt, bzw. einer der Vergleichsprobewagen (Variobahn oder Cityrunner) fuhr der Einfachheit halber in kurzem Abstand voraus. Die Strecke nach Mariatrost wurde mit dem Avenio nicht befahren und in der Bahnhofsunterführung fährt man auf Sicht, oder?
Frederik Buchleitner schrieb:
[...] in und in der Bahnhofsunterführung fährt man auf Sicht, oder?
Ja, es gibt nur eine entsprechende Signalanlage, die die Menge an Fahrzeugen reglementiert, die gleichzeitig in der Unterführung sind.

W.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.10.20 22:58.

Re: Zum Vergleich: Der Bremer „Avenio“

geschrieben von: Früherwarallesbesser

Datum: 17.10.20 01:37

Da hat der Münchner Avenio aber die deutlich gefälligere Kopfform.