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Erlaubt mir, Euch mit einer aktualisierten, nach Einwohnerzahlen sortierten Liste westdeutscher Großstädte ohne städtisches Schienenverkehrsmittel (in Ostdeutschland gibt es keine Großstadt ohne Straßenbahn/Stadtbahn) zu beglücken. Frühere Listen finden sich hier: [www.drehscheibe-online.de] [www.drehscheibe-online.de]

Zum 31.12.2019 ergab sich eine Zahl von 33 (bisher 32) Großstädten. Diesmal ist Kaiserslautern dazugekommen. Die dortige Straßenbahn wurde aber bereits 1935 eingestellt – aber die Stadt ist nach 20 Jahren mit 100.030 Einwohnern wieder eine Großstadt. Die Zahl der Großstädte in Deutschland blieb mit insgesamt 81 gleich, weil zwar Kaiserslautern hinzukam, aber das brandenburgische Cottbus mit einer Einwohnerzahl von nur noch 99.678 erstmals seit 1976 seinen Großstadtstatus verlor (die Zahlen folgen den Angaben in der Wikipedia-Liste der Großstädte in Deutschland).

Wie in den Vorjahren sind Hamburg ("Hochbahn" vorhanden), Wuppertal (Schwebebahn), Herne (Linien U 35 und 306 der Bogestra), Neuss am Rhein (Rheinbahn erreicht Neuss), Fürth (U-Bahn Nürnberg fährt bis Fürth) und Bergisch Gladbach (Stadtbahn Köln fährt bis Bensberg) nicht in der Liste enthalten.

Wenn ich meinen Taschenrechner richtig informiert habe, ergibt sich für diese 33 Städte eine Einwohnerzahl von 5.056.096 Menschen (Angaben zum 31.12.19). Insgesamt hat sich die Zahl der Einwohner in diesen 33 Städten im Jahr 2019 kaum noch erhöht.

Ist der Stadtname fettgedruckt, so halte ich die Wiederaufnahme des (kommunalen) Schienenverkehrs für wahrscheinlich, eine fettgedruckte Anmerkung deutet meist auf eine "objektiv" mögliche Wiederaufnahme des Schienenverkehrs hin (über einen vorhandenen Betrieb in einer Nachbarstadt). Die Zahl der "fettgedruckten" Städte liegt weiterhin bei 5. Darüber hinaus erscheinen "Pro-Tram-Beschlüsse" in einigen weiteren Städten in der nächsten Zeit nicht unwahrscheinlich (etwa: Hagen, Offenbach, Bottrop, Bremerhaven).

Den fragwürdigen ersten Platz in der Liste nimmt wie immer Münster (im Land Nordrhein-Westfalen) ein. Diese Stadt ist mittlerweile auf weit über 300.000 Einwohner angewachsen, woraus sich bei (etwas zurückhaltend geschätzt) 3 täglichen Wegen pro Einwohner etwa 945.000 Wege ergeben – ohne Einpendler in die Stadt. Der Anteil des ÖV am Modal Split liegt bei etwa 10% - für deutsche Verhältnisse eine grottenschlechte Zahl.

Vielleicht noch einige Sätze zum „Aufsteiger“ Kaiserslautern: Diese Stadt verfügte relativ lange, nämlich von 1949 bis 1985, über einen Obus. Über die Einstellung zum 30. November 1985 finden sich auf der Wikipedia-Seite u.a. die folgenden Sätze:

„Am 25. November 1985 beschloss der Kaiserslauterer Stadtrat mit 28 Stimmen von SPD und Grünen gegen 24 Stimmen der CDU die Abkehr vom Obus. Als Gründe für die Abschaffung wurden vor allem die höheren Kosten des elektrischen Betriebs genannt, aber auch die ausgereiftere Dieseltechnologie und die höhere Flexibilität von Dieselbussen.“

Für Anregungen, Ergänzungen und Korrekturen wäre ich dankbar.


Großstädte ohne städtischen Schienenverkehr (Stand 31.12.2019)

1. Münster (315.293 Einwohner/ Tram bis 1954/ Stadtbahn Münster in Diskussion)

2. Wiesbaden (278.474 Einwohner/ Tram bis 1955/ Tram in Mainz, Citybahn in Planung)

3. Mönchengladbach (261.034 Einwohner/ Tram bis 1969)
4. Aachen (248.960 Einwohner/ Tram bis 1974/ Negativer Ratsbürgerentscheid 2013, Euregio-Tram in Diskussion)
5. Kiel (246.794 Einwohner/ Tram bis 1985/ Stadtbahn Kiel wird angestrebt)

6. Lübeck (216.530 Einwohner/ Tram bis 1959)

7. Hagen (188.686 Einwohner/ Tram bis 1976, Stadtbahn im Nahverkehrsplan angedacht)
8. Hamm (179.916 Einwohner/ Tram bis 1961)
9. Oldenburg (169.077 Einwohner/ Pferdebahn bis 1888)
10. Osnabrück (165.251 Einwohner/ Tram bis 1960)
11. Leverkusen (163.729 Einwohner/ Tram bis 1963/ Stadtbahn Köln vorhanden)
12. Solingen (159.245 Einwohner/ Tram bis 1959/ Obusnetz vorhanden)
13. Regensburg (153.094 Einwohner/ Tram bis 1964/ Stadtbahn Regensburg wird angestrebt)
14. Paderborn (151.633 Einwohner/ Tram bis 1963)

15. Ingolstadt (137.392 Einwohner/ Pferdebahn bis 1921, Umstellung gescheitert)
16. Offenbach (130.280 Einwohner/ Tram bis 1996/ Tram in Frankfurt (Main)/ Tram in Diskussion)
17. Pforzheim (125.957 Einwohner/ Tram bis 1964/68 / Stadtbahn Karlsruhe vorhanden)
18. Wolfsburg (124.371 Einwohner/ bisher keine Tram)
19. Göttingen (118.911 Einwohner/ Tram scheiterte kriegsbedingt)
20. Bottrop (117.565 Einwohner/ Tram bis 1976/ Stadtbahn in Diskussion)
21. Reutlingen (115.865 Einwohner/ Tram bis 1974/ Regionalstadtbahn Neckar-Alb in Planung)
22. Koblenz (114.052 Einwohner/ Tram bis 1967)
23. Bremerhaven (113.643 Einwohner/ Tram bis 1982/ Stadtbahn wird geprüft)
24. Erlangen (112.528 Einwohner/ keine Tram/ positiver Bürgerentscheid für STUB in Erlangen selbst im Jahr 2016)
25. Trier (111.534 Einwohner/ Tram bis 1951)
26. Recklinghausen (111.397 Einwohner/ Tram bis 1982/ U 35 bis Herne, Schloß Strünkede)
27. Remscheid (111.338 Einwohner/ Tram bis 1969)

28. Salzgitter (104.291 Einwohner/ bisher keine Tram)
29. Moers (103.902 Einwohner/ Tram bis 1963)
30. Siegen (102.770 Einwohner/ Tram bis 1956)
31. Hildesheim (101.693 Einwohner/ Tram bis 1945 bzw. 1958/ ÜSTRA-Betrieb bis Sarstedt)
32. Gütersloh (100.861 Einwohner/ bisher keine Tram/ 2018 erstmals Großstadt)
33. Kaiserslautern (100.030 Einwohner/ Tram bis 1935/ Obus von 1949 – 1985/ 2019 wieder Großstadt)


Nicht in der Liste enthalten/ Grund

Hamburg (1.847.253 Einwohner/ Tram bis 1978 / U-Bahnnetz vorhanden - Stadtbahn in den Jahren 2001 und 2010/11 gescheitert)

Wuppertal (355.100 Einwohner/ Tram bis 1987/ Schwebebahn vorhanden)

Herne (156.449 Einwohner/ Tram bis 1959/ Bogestra fährt nach Herne (U 35 und 306)
Neuss am Rhein (153.896 Einwohner/ Tram bis 1971/ Rheinbahn fährt nach Neuss)

Fürth (128.497 Einwohner/ Tram bis 1981/ U-Bahn Nürnberg fährt bis Fürth)

Bergisch Gladbach (111.846 Einwohner/ Tram bis 1958/ Stadtbahn Köln fährt bis Bensberg, negative wirtschaftliche Bewertung von 4 Verlängerungsoptionen im Jahr 2019)


Insgesamt 13 der 33 genannten Städte, nämlich Münster, Wiesbaden, Aachen, Kiel, Lübeck, Hagen, Hamm, Leverkusen, Bottrop, Koblenz, Erlangen, Trier und Moers, haben den sogenannten "Klimanotstand" ausgerufen. Im Rahmen dieser Entscheidungen sollen sämtliche Projekte und Aktivitäten mit einem stärkeren Fokus auf Klimafreundlichkeit und Emissionen betrachtet werden. Eine Konsequenz könnte sein, außer den "gesunden Verkehrsarten" auch dem ÖPNV deutlich mehr Aufmerksamkeit zu widmen - zum Beispiel mit der Wiederaufnahme kommunaler Schienenverkehre.



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 31.07.20 19:49.
Bei Deiner Liste gibt ein grundsätzliches Problem: Wichtiger als die absolute Einwohnerzahl sind die Verkehrsstrukturen einer Stadt. Auch eine Stadt mit weniger als 100.000 Einwohnern kann straßenbahnwürdige Korridore haben. Umgekehrt können auch Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern eine Siedlungsstruktur aufweisen, in der sich keine straßenbahnwürdigen Korridore finden lassen.

Marienfelde schrieb:
Nicht in der Liste enthalten/ Grund

Hamburg (1.847.253 Einwohner/ Tram bis 1978 / U-Bahnnetz vorhanden - Stadtbahn in Diskussion)

Wuppertal (355.100 Einwohner/ Tram bis 1987/ Schwebebahn vorhanden)

Neuss am Rhein (153.896 Einwohner/ Tram bis 1971/ Rheinbahn fährt nach Neuss)
Diese Beispiele zeigen, dass Dein Argument "SPNV schon vorhanden" problematisch ist. In allen drei genannten Städten werden wichtige bzw. sogar die Verkehrsverbindungen nicht auf der Schiene abgedeckt. Zumindest Hamburg und Wuppertal müssten daher sehr weit oben in einer Liste "starker Bedarf an SPNV" eingereiht werden.
Bernhard Martin schrieb:
Bei Deiner Liste gibt ein grundsätzliches Problem: Wichtiger als die absolute Einwohnerzahl sind die Verkehrsstrukturen einer Stadt. Auch eine Stadt mit weniger als 100.000 Einwohnern kann straßenbahnwürdige Korridore haben. Umgekehrt können auch Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern eine Siedlungsstruktur aufweisen, in der sich keine straßenbahnwürdigen Korridore finden lassen.

Marienfelde schrieb:
Nicht in der Liste enthalten/ Grund

Hamburg (1.847.253 Einwohner/ Tram bis 1978 / U-Bahnnetz vorhanden - Stadtbahn in Diskussion)

Wuppertal (355.100 Einwohner/ Tram bis 1987/ Schwebebahn vorhanden)

Neuss am Rhein (153.896 Einwohner/ Tram bis 1971/ Rheinbahn fährt nach Neuss)
Diese Beispiele zeigen, dass Dein Argument "SPNV schon vorhanden" problematisch ist. In allen drei genannten Städten werden wichtige bzw. sogar die Verkehrsverbindungen nicht auf der Schiene abgedeckt. Zumindest Hamburg und Wuppertal müssten daher sehr weit oben in einer Liste "starker Bedarf an SPNV" eingereiht werden.
Ja, beide Gegenargumente zeigen die Schwäche solcher Darstellungen auf. Ich beginne einmal mit dem zweiten Punkt ("SPNV schon vorhanden"): Hamburg kann auf ein von der dortigen S- und U-Bahn gebildetes Schnellbahnnetz als Rückgrat des heutigen ÖV zurückgreifen. Trotzdem gibt es natürlich eine ganze Reihe von Korridoren, in der eine S- oder U-Bahn nicht in Betracht kommt, wohl aber - wegen der Überforderung des Busses - eine Stadtbahn/Straßenbahn. Der Wiederaufbau eines Straßenbahnnetzes (oder meinetwegen Stadtbahnnetzes) könnte die Attraktivität des ÖV in Hamburg auf mittlere und längere Sicht deutlich verbessern. Von den "Modal Split-Zahlen" (und erst recht von den Personenkilometerleistungen) her ist in Hamburg sicherlich einiges zu gewinnen.

Eben deswegen ist Hamburg zwar nicht in der Liste enthalten - aber durch die "Nichtaufführung in der Anlage" indirekt eben doch "als Stadt mit Stadtbahnhandlungsbedarf" benannt.

Auch bei Wuppertal teile ich Deine Einschätzung: 13 Kilometer Schwebebahn und etwas S-Bahn reichen für eine so große Stadt als "Schienengerüst" meines Erachtens nicht aus.

Noch etwas zum ersten Punkt (Stadtstrukturen sind wichtiger als das formale "100.000-Einwohner-Kriterium"): Immerhin sind die weitaus meisten der 33 genannten Städte aber "historisch gewachsen" - sie sind meistens keine künstlich von der Politik geschaffenen "Großstädte", die in Wirklichkeit aus zusammengeschlossenen kleineren Städten und Dörfern bestehen (was meines Erachtens dennoch nicht grundsätzlich gegen Eingemeindungen spricht oder sprechen muß).

Das in der Liste ja nicht genannte "Groß-Berlin" sehe ich heute als einheitliche (oder jedenfalls "zweiheitliche") Stadt, obwohl diese Stadt ja auch aus der (durchaus auch "zwangsweisen") Zusammenfügung mit mehreren anderen Großstädten (Charlottenburg, Lichtenberg, Spandau usw.) und auch Dörfern (z.B. Marienfelde) hervorgegangen ist.

Bei 100.000 Einwohnern und zurückhaltend geschätzten 3 Wegen pro Einwohner und Tag ergibt sich statistisch eine Zahl von 300.000 Wegen am Tag. Bei einem Wegeanteil des ÖV von 20% käme man auf 60.000 Fahrten pro Tag. Jedenfalls in fast allen genannten Städten dürfte es einige Achsen geben, in denen sich der ÖV auch heute schon bündelt, oder er könnte dort gebündelt werden. Wenn auf der stärksten Achse z.B. 10.000 Fahrgäste zu befördern sind (oder sein werden), würde selbst die BVG eine Straßenbahn in Betracht ziehen.

Bei 150.000 Einwohnern kommt man dann schon in den Bereich von 450.000 bis 500.000 Wegen pro Tag. Diese Zahl ist so groß, daß auch nach heutigen Kriterien eine Stadtbahn/Straßenbahn auch betriebswirtschaftlich sinnvoll sein kann.

Der sich aus der Verflechtung mit dem jeweiligen Umfeld der Großstadt ergebende weitere Bedarf ist hier natürlich nicht mitbetrachtet. Dies wäre eine Frage vertiefender Untersuchungen über den Sinn (oder Unsinn) von Straßenbahnen oder (Regional-) Stadtbahnen, deren Ergebnisse zu durchaus sehr unterschiedlichen Resultaten führen könnten.

Was mir aber in keinem einzigen der "33+6 Fälle" einleuchten würde, wäre die "Handlungsperspektive", sich mit "Schienenoptionen" gar nicht zu beschäftigen - also im Grundsatz nichts zu tun.


Einen schönen Mittwoch wünscht Euch
Marienfelde



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.07.20 10:00.
Hallo Marienfelde und Danke für die Liste!

Bei ein paar Städten wird ja genannt, dass eine benachbarte Stadtbahn dort fährt. In Pforzheim werden die S-Bahnen-Linien 5 und 6 als Teil des Karlsruher Stadtbahnnetz von der AVG gefahren, vielleicht ist das ja eine Erwähnung wert.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.07.20 09:42.
Toph schrieb:
Hallo Marienfelde und Danke für die Liste!

Bei ein paar Städten wird ja genannt, dass eine benachbarte Stadtbahn dort fährt. In Pforzheim werden die S-Bahnen-Linien 5 und 6 als Teil des Karlsruher Stadtbahnnetz von der AVG gefahren, vielleicht ist das ja eine Erwähnung wert.
Danke für den Hinweis, ich habe "Stadtbahn Karlsruhe vorhanden" ergänzt. Komischerweise ist mir diese Tatsache vor zwei Jahren nicht aufgefallen, als Pforzheim schon einmal Thema war: [www.drehscheibe-online.de]

[GL] Verlängerung Linie 1 nicht förderfähig

geschrieben von: Typ N

Datum: 15.07.20 18:35

Hallo,

wie bereits im Straßenbahn-Forum gemeldet, würde eine Verlängerung der Linie 1 ein Nutzen-Kosten-Verhältnis unter 1 haben. Bei den derzeit geltenden Regeln wäre eine Förderung daher nicht zu erreichen.

Viele Grüße

Typ N

Re: [GL] Verlängerung Linie 1 nicht förderfähig

geschrieben von: Marienfelde

Datum: 16.07.20 05:31

Typ N schrieb:
Hallo,

wie bereits im Straßenbahn-Forum gemeldet, würde eine Verlängerung der Linie 1 ein Nutzen-Kosten-Verhältnis unter 1 haben. Bei den derzeit geltenden Regeln wäre eine Förderung daher nicht zu erreichen.

Viele Grüße

Typ N
Oha - ist an mir vorbeigelaufen, danke. Ich habe die Anmerkung bei Bergisch Gladbach angepaßt.
Marienfelde schrieb:
Danke für den Hinweis, ich habe "Stadtbahn Karlsruhe vorhanden" ergänzt. Komischerweise ist mir diese Tatsache vor zwei Jahren nicht aufgefallen, als Pforzheim schon einmal Thema war: [www.drehscheibe-online.de]
Naja, die fahren aber in Pforzheim nur nach EBO, dann kannst du jeder Stadt die mehrere Bahnhalte hat so einen Hinweis verpassen.
Bernhard Martin schrieb:
Bei Deiner Liste gibt ein grundsätzliches Problem: Wichtiger als die absolute Einwohnerzahl sind die Verkehrsstrukturen einer Stadt. Auch eine Stadt mit weniger als 100.000 Einwohnern kann straßenbahnwürdige Korridore haben. Umgekehrt können auch Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern eine Siedlungsstruktur aufweisen, in der sich keine straßenbahnwürdigen Korridore finden lassen.


Das wäre aber einfach eine ganz andere Liste. Auch Berlin hat jede Menge Bedarf für neue Strecken, trotzdem gehört es natürlich nicht auf so eine Liste.
MrEnglish schrieb:
Marienfelde schrieb:
Danke für den Hinweis, ich habe "Stadtbahn Karlsruhe vorhanden" ergänzt. Komischerweise ist mir diese Tatsache vor zwei Jahren nicht aufgefallen, als Pforzheim schon einmal Thema war: [www.drehscheibe-online.de]
Naja, die fahren aber in Pforzheim nur nach EBO, dann kannst du jeder Stadt die mehrere Bahnhalte hat so einen Hinweis verpassen.
Der Unterschied zu allen anderen genannten Großstädten ist aber doch gerade die vorhandene "Stadtbahn Karlsruhe" mit ihren Mehrsystemfahrzeugen und Betriebshöfen.

Wie in Heilbronn wäre die Ergänzung des Netzes durch eine anschließende, die Innenstadt von Pforzheim erschließende Gleichstromstrecke möglich. Der Bau eines Betriebshofes und auch der Aufbau eines sich auch betriebswirtschaftlich "rechnenden" Netzes mit einer gewissen Mindestgröße ist nicht zwingend. Eine ergänzende Pforzheimer Stadtbahnstecke wäre daher vergleichsweise kostengünstig realisierbar.
Marienfelde schrieb:
Erlaubt mir, Euch mit einer aktualisierten, nach Einwohnerzahlen sortierten Liste westdeutscher Großstädte ohne städtisches Schienenverkehrsmittel (in Ostdeutschland gibt es keine Großstadt ohne Straßenbahn/Stadtbahn) zu beglücken.

Nicht in der Liste enthalten/ Grund

Neuss am Rhein (153.896 Einwohner/ Tram bis 1971/ Rheinbahn fährt nach Neuss)
Da könnte man einwenden, daß die verbliebenen zwei Rheinbahnäste nach Neuß für den innerstädtischen Verkehr dort kaum Bedeutung haben. Andererseits kann man sich wundern, wie es Neuß bis heute geschafft hat zu vermeiden, daß es von Düsseldorf geschluckt wird. Dadurch würden die zwei Äste wieder zu bedeutenden 'innerstädtischen' Verbindungen...
-
kmueller schrieb:
Marienfelde schrieb:
Erlaubt mir, Euch mit einer aktualisierten, nach Einwohnerzahlen sortierten Liste westdeutscher Großstädte ohne städtisches Schienenverkehrsmittel (in Ostdeutschland gibt es keine Großstadt ohne Straßenbahn/Stadtbahn) zu beglücken.

Nicht in der Liste enthalten/ Grund

Neuss am Rhein (153.896 Einwohner/ Tram bis 1971/ Rheinbahn fährt nach Neuss)
Da könnte man einwenden, daß die verbliebenen zwei Rheinbahnäste nach Neuß für den innerstädtischen Verkehr dort kaum Bedeutung haben. Andererseits kann man sich wundern, wie es Neuß bis heute geschafft hat zu vermeiden, daß es von Düsseldorf geschluckt wird. Dadurch würden die zwei Äste wieder zu bedeutenden 'innerstädtischen' Verbindungen...
Könnte man. Ganz konsequent bin ich in diesem Punkt ja ohnehin nicht: Die unter Nr. 16 genannte Stadt Offenbach verfügt ja schließlich über eine Straßenbahnhaltestelle mit dem plakativen Namen "Offenbach Stadtgrenze".

Vielleicht umgekehrt: Die "Nichtnennung" in einer kleineren Liste in der Anlage ist in Wirklichkeit eben doch eine Nennung. Wenn man Deinen Gedanken weiterdenkt, könnte man eine "Liste deutscher Großstädte mit Handlungsbedarf hinsichtlich des städtischen Schienenverkehrs" erstellen. Diese Liste würde dann womöglich 81 von 81 deutschen Großstädten enthalten, weil vermutlich überall ein mehr oder weniger großer Handlungsbedarf besteht.

Das formale Kriterium "städtische Bahn vorhanden" (egal wie kurz, außer Offenbach) hat seine inhaltliche Schwäche, keine Frage. Immerhin kommt dabei aber eine Liste mit 33 Großstädten heraus, in der der Handlungsbedarf für "mehr städtische Schienen" schon deswegen prüfenswert erscheint, weil es gar keine (städtischen) Schienen (mehr) gibt - wohl aber, großstadtbedingt, hunderttausende täglicher Wege der Einwohnerschaft, die irgendwie bewältigt werden müssen.

Auch Neuss am Rhein könnte über die zwei Rheinbahnstreckenabschnitte hinaus glatt noch den einen oder anderen Schienenabschnitt verkraften - wie auch die vor Neuss genannte Stadt, in der es ein Verkehrsunternehmen mit dem schönen Namen "Straßenbahn Herne - Castrop-Rauxel GmbH (HCR)" gibt. Aber wir landen dann wahrscheinlich bei einer anderen und längeren Liste mit eher 81 als "33+6" Namen.
kmueller schrieb:
Andererseits kann man sich wundern, wie es Neuß bis heute geschafft hat zu vermeiden, daß es von Düsseldorf geschluckt wird.
Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund aus dem Leverkusen es geschafft hat, nicht von Köln geschluckt zu werden oder Potsdam von Berlin.
cinéma schrieb:
kmueller schrieb:
Andererseits kann man sich wundern, wie es Neuß bis heute geschafft hat zu vermeiden, daß es von Düsseldorf geschluckt wird.
Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund aus dem Leverkusen es geschafft hat, nicht von Köln geschluckt zu werden oder Potsdam von Berlin.

Vom absurden Fall Berlin/Potsdam mal abgesehen: Sowohl bei Leverkusen als auch bei Neuss (Neuß gibt es nicht) war die Eingemeindung nie wirklich ein Thema. Im Gegensatz zu dem Eingemeindungs- und Verwaltunggemeinschaftschaos im deutschen Osten wurde die Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen (wie auch in einigen anderen Ländern, z. B. Niedersachsen) sehr planvoll angegangen, mit dem Ergebnis, dass es genau eine vom Land organisierte Gebietsreform gab, die nun schon mehr als 45 Jahre Bestand hat. Das Gewurschtel wie heute im Osten gab es dort nämlich vorher durchaus auch, und dem hat man ein Ende bereitet. Dazu gehörte die Größenbegrenzung der durch Eingemeindung wachsenden Städte. Die Duisburger Eingemeindungen im Norden waren das äußerste, Köln, Essen, Düsseldorf und Dortmund sind damals kaum gewachsen (Herne/Wanne-Eickel und Bochum/Wattenscheid waren eben auf anderem Niveau). Genau das hat Leverkusen und Neuss die Unabhängigkeit bewahrt.
Hallo und danke für die Übersicht.

Marienfelde schrieb:
[...]
Ist der Stadtname fettgedruckt, so halte ich die Wiederaufnahme des (kommunalen) Schienenverkehrs für wahrscheinlich, eine fettgedruckte Anmerkung deutet meist auf eine "objektiv" mögliche Wiederaufnahme des Schienenverkehrs hin (über einen vorhandenen Betrieb in einer Nachbarstadt). Die Zahl der "fettgedruckten" Städte liegt weiterhin bei 5. Darüber hinaus erscheinen "Pro-Tram-Beschlüsse" in einigen weiteren Städten in der nächsten Zeit nicht unwahrscheinlich (etwa: Hagen, Offenbach, Bottrop, Bremerhaven).
[...]
Großstädte ohne städtischen Schienenverkehr (Stand 31.12.2019)
[...]
11. Leverkusen (163.729 Einwohner/ Tram bis 1963/ Stadtbahn Köln vorhanden)
Müsste man Leverkusen mit seinem Ratsbeschluss von 2015 zur Anmeldung einer Stadtbahn in Verlängerung der geplanten Kölner Stadtbahn nach Flittard über Chempark und Wiesdorf nach Opladen und einer Verlängerung der 4 von Schlebusch zum Klinikum Leverkusen für den ÖPNV-Bedarfsplan 2017 nicht auch den Status „Stadtbahn in der Diskussion“ oder „wird angestrebt“ verleihen?

Gruß
Thomas
kaufhalle schrieb:
Dazu gehörte die Größenbegrenzung der durch Eingemeindung wachsenden Städte. Die Duisburger Eingemeindungen im Norden waren das äußerste, Köln, Essen, Düsseldorf und Dortmund sind damals kaum gewachsen (Herne/Wanne-Eickel und Bochum/Wattenscheid waren eben auf anderem Niveau). Genau das hat Leverkusen und Neuss die Unabhängigkeit bewahrt.

Hallo,

das ist zwar jetzt sehr OT, aber zumindest für Köln kann das nicht so stehen bleiben. Köln ist 1975 mit den Eingemeindungen u.a. von Porz, Rodenkirchen, Wesseling, Lövenich, Sinnersdorf, Marsdorf und Widdersdorf deutlich größer geworden. Flächenmäßig hatte sich die Stadt von 25.000 auf 47.000 Hektar fast verdoppelt, nach Einwohnern war sie bis zum folgenden Jahr erstmals Millionenstadt und hatte damit über 20% mehr Einwohner als vorher. Nach der gerichtlich erstrittenen Wiederausgliederung Wesselings sollte es bis 2010 dauern bis diese Grenze erneut übertroffen wurde.

Gruß
westring
Marienfelde schrieb:
[...]

Auch Neuss am Rhein könnte über die zwei Rheinbahnstreckenabschnitte hinaus glatt noch den einen oder anderen Schienenabschnitt verkraften - wie auch die vor Neuss genannte Stadt, in der es ein Verkehrsunternehmen mit dem schönen Namen "Straßenbahn Herne - Castrop-Rauxel GmbH (HCR)" gibt. Aber wir landen dann wahrscheinlich bei einer anderen und längeren Liste mit eher 81 als "33+6" Namen.

Wie du schon erwähnt hattest, fahren in Herne immerhin noch zwei Linien, die sich ja auch tatsächlich begegnen, nur eben nicht innerhalb Hernes. Die HCR ist aber andererseits nicht die einzige Straßenbahngesellschaft, die nur noch Busverkehr betreibt. Die Hagener Straßenbahn zählt ebenso dazu wie die Vestische Straßenbahnen. Es war halt mal eine Zeitlang en vogue, auf den vermeintlich billigeren Bus zu setzen.
Hallo,
ich erlaube mir hier eine ähnliche Fragestellung anzuhängen.

Marienfelde schrieb:
Zitat
Insgesamt 13 der 33 genannten Städte, nämlich Münster, Wiesbaden, Aachen, Kiel, Lübeck, Hagen, Hamm, Leverkusen, Bottrop, Koblenz, Erlangen, Trier und Moers, haben den sogenannten "Klimanotstand" ausgerufen. Im Rahmen dieser Entscheidungen sollen sämtliche Projekte und Aktivitäten mit einem stärkeren Fokus auf Klimafreundlichkeit und Emissionen betrachtet werden. Eine Konsequenz könnte sein, außer den "gesunden Verkehrsarten" auch dem ÖPNV deutlich mehr Aufmerksamkeit zu widmen - zum Beispiel mit der Wiederaufnahme kommunaler Schienenverkehre.
Konstanz mit 84.300 Einwohnern hat als erste deutsche Stadt den Klimanotstand ausgerufen. Wir diskutieren hier die Einführung einer Tram.
[www.drehscheibe-online.de]

Gibt es andere Städte bis 100.000 Einwohner, die eine Tram haben oder einführen wollen?

Grüße aus dem Exil
ein Rheinländer

"Ein entwickeltes Land zeichnet sich nicht dadurch aus, dass die Armen Auto fahren, sondern dass die Reichen den öffentlichen Verkehr benutzen."
(Pirmin Spiegel)
In der alten Bundesrepublik war jahrzehntelang Ulm die einzige Nicht-Großstadt mit eigenem Straßenbahnbetrieb. Heute hat Ulm die die 100.000 EW längst überschritten, dafür sind mit der Wiedervereinigung etliche Dorf-, Klein- und Mittelstadtbetriebe dazugekommen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Schwerin
Brandenburg (Havel)
Halberstadt
Nordhausen
Schöneiche - Rüdersdorf
Woltersdorf
Strausberg
Frankfurt/Oder
Görlitz
Plauen
Bad Schandau

Städte, die von Nachbarbetrieben mitbedient werden, gibt es noch etliche.

Derzeit plant Ludwigsburg mit knapp 94.000 EW ein Regionalstadtbahnnetz, das ebensogroße Esslingen plant eine Stadtbahn von Neuhausen aus. Beide Städte wollen dabei an Stuttgarter Stadtbahnlinien anschließen, es sollen aber nicht einfach Verlängerungen bestehender Linien werden.
Timodore schrieb:
Hallo und danke für die Übersicht.

Marienfelde schrieb:
[...]
Ist der Stadtname fettgedruckt, so halte ich die Wiederaufnahme des (kommunalen) Schienenverkehrs für wahrscheinlich, eine fettgedruckte Anmerkung deutet meist auf eine "objektiv" mögliche Wiederaufnahme des Schienenverkehrs hin (über einen vorhandenen Betrieb in einer Nachbarstadt). Die Zahl der "fettgedruckten" Städte liegt weiterhin bei 5. Darüber hinaus erscheinen "Pro-Tram-Beschlüsse" in einigen weiteren Städten in der nächsten Zeit nicht unwahrscheinlich (etwa: Hagen, Offenbach, Bottrop, Bremerhaven).
[...]
Großstädte ohne städtischen Schienenverkehr (Stand 31.12.2019)
[...]
11. Leverkusen (163.729 Einwohner/ Tram bis 1963/ Stadtbahn Köln vorhanden)
Müsste man Leverkusen mit seinem Ratsbeschluss von 2015 zur Anmeldung einer Stadtbahn in Verlängerung der geplanten Kölner Stadtbahn nach Flittard über Chempark und Wiesdorf nach Opladen und einer Verlängerung der 4 von Schlebusch zum Klinikum Leverkusen für den ÖPNV-Bedarfsplan 2017 nicht auch den Status „Stadtbahn in der Diskussion“ oder „wird angestrebt“ verleihen?

Gruß
Thomas
Vielen Dank für den interessanten Link, dann wäre wohl "Verlängerungen von 2 KVB-Linien für den ÖPNV-Bedarfsplan angemeldet" zu ergänzen?

Zu diesem ÖPNV-Bedarfsplan habe ich allerdings auf der Seite der Bezirksregierung Düsseldorf eine Information vom 11.06.2018 gefunden, derzufolge wegen erheblicher Verzögerungen im Zeitablauf "mit der Fertigstellung des neuen ÖPNV-Bedarfsplans nicht vor dem Jahr 2020 gerechnet" wird: [www.brd.nrw.de]
Seiten: 1 2 3 All Angemeldet: -