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Liebe Polenfans,

bei der Nachbereitung meiner Polenreise vom Juni stehe ich gerade vor zwei ungelösten Fragen zu Bydgoszcz, bei denen ich auf Eure Hilfe hoffe.

1. Im hinteren Teil des Depots in der Toruńska gammeln seit Jahren mehrere historische Fahrzeuge vor sich hin. Zwischen dem ehemaligen ATw 159 und dem 803N 222 steht dabei ein weiterer Zweiachser ohne erkennbare Nummer, dessen Identifizierung mir bislang nicht gelungen ist. Der Wagen hat noch auf beiden Seiten Türen und zeigt auch keine Spuren eines Umbaus zum Arbeitswagen, die gepflegte Stirnlampe und die aufgebrachte Grundierung könnten auf eine vor Jahren begonnene und dann abgebrochene Aufarbeitung schließen lassen. Phototrans.eu wie transphoto.ru listen jeweils noch mehrere vorhandene eNky, allerdings ohne brauchbare Fotos. Definitiv nicht handelt es sich um die Wagen 33 (steht als Tourist-Info in der Stadt), 68 (betriebsfähiger Museumswagen), 151 (aktiver ATw) und 159 (ehemaliger ATw). Wer kann das Rätsel lösen und hat Vergleichsfotos, die die Identität des Wagens belegen?


DSCN9075a.jpg


DSCN9076a.jpg



2. Mit Verwunderung habe ich jetzt festgestellt, daß die Pesa 122NaB der ersten Lieferserie (111 - 122) nicht der MZK Bydgoszcz gehören, sondern einem Unternehmen namens Tramwaj Fordon Sp. z o.o., welches sogar eine eigene Homepage besitzt (tramwajfordon.bydgoszcz.pl). Aus dieser geht für mich aber nicht der Zweck dieser Firma hervor - offenbar wurde für das Großprojekt der Tramstrecke nach Fordon ein eigenständiges Unternehmen gegründet, mir ist aber nicht klar, warum dieses auch nach Fertigstellung der Strecke weiterhin 12 eigene Fahrzeuge sowie (laut polnischer Wikipedia) das Depot Łoskoń besitzt. Wer kennt hier die Hintergründe und ob es z. B. geplant ist, Fahrzeuge und Anlagen nach eine bestimmten Zeit an die MZK Bydgoszcz zu übertragen?

Danke für Eure Hilfe und beste Grüße

Klv
Versuch einer Antwort zu 2.: ich habe keine Ahnung, warum diese Struktur dereinst so geschaffen worden ist. Aber da sie nun mal so da war, ist sie Gesamtprojektträger, von der Planung über den Bau bis zur heutigen Betriebsführung. Sie hat auch die Fahrzeuge beschafft und betreibt sie. Vor allem aber war sie Fördermittelempfänger (das Projekt wurde ja einschließlich der Fahrzeugbeschaffung zum ganz überwiegenden Teil aus EU-Mitteln finanziert). Das bindet auf lange Zeit; ich denke, das ist der wesentliche, vielleicht der einzige Grund für den Bestand der Struktur. Möglicherweise liegt auch eine Begründung auf der anderen Seite, sprich, beim alten Verkehrsbetrieb MZK. Vielleicht wollte man mit Gründung der neuen Gesellschaft Altlasten, welcher Art auch immer, loswerden, die es verunmöglicht hätten, an die EU-Mittel zu kommen. Ich weiss jetzt aus dem Stegreif auch nicht, wer Gesellschafter von tramwajfordon ist.

Beste grüße, Tss
Zitat:
2. Mit Verwunderung habe ich jetzt festgestellt, daß die Pesa 122NaB der ersten Lieferserie (111 - 122) nicht der MZK Bydgoszcz gehören, sondern einem Unternehmen namens Tramwaj Fordon Sp. z o.o., welches sogar eine eigene Homepage besitzt (tramwajfordon.bydgoszcz.pl). Aus dieser geht für mich aber nicht der Zweck dieser Firma hervor - offenbar wurde für das Großprojekt der Tramstrecke nach Fordon ein eigenständiges Unternehmen gegründet, mir ist aber nicht klar, warum dieses auch nach Fertigstellung der Strecke weiterhin 12 eigene Fahrzeuge sowie (laut polnischer Wikipedia) das Depot Łoskoń besitzt. Wer kennt hier die Hintergründe und ob es z. B. geplant ist, Fahrzeuge und Anlagen nach eine bestimmten Zeit an die MZK Bydgoszcz zu übertragen?

Danke für Eure Hilfe und beste Grüße

Klv
Hallo,

vor einiger Zeit war geplant, für den Straßenbahnbetrieb in Bydgoszcz eine eingenes Unternehmen zu Gründen, änhlich wie in Warschau, Szczecin oder im GOP.
Man stellte jedoch fest, dass das Straßenbahnnetz zu klein für ein eigenes Unternehmen ist, sodass die Straßenbahn weiterhin von der MZK betrieben wird.
Bei Busverkehr werden in Bydgoszcz die Buslinien ausgeschrieben in Linienpakten.

Dass bestimmte Fahrzeuge nur für bestimmte Linien verwendet werden liegt an der Bindung.
Die Fahrzeuge mit den Betriebsnummern 111-122 werden nur auf den Linien nach Fordon eingesetzt, also 3,5,7 und 10. Alle weiteren Fahrzeuge werden auf allen Linien eingesetzt.
Ob es für die PESA-Wagen Netzbeschränkungen gibt weiß ich nicht, lediglich die Linie 6 wird noch komplett Hochflurig gefahren.
Ich gehe stark davon aus, dass es bedingung war dass die EU dort finanziell Mitgewirkt hat. Wahrscheinlich lautet die bedingung dass ein bestimmter Anteil der Kurse nach Fordon Niederflurig sein müssen, sodass man die o.g. Fahrzeuge dafür "vorhält". Außerdem wurden die Fahrzeuge für den Zweck gekauft um die Strecke nach Fordon zu bedinen.

Der Rest wurde wahrscheinlich von der Stadt Bydgoszcz gekauft um Sie im gesamten Netz einzusetzen.

Kann natürlich sein, dass dies in einigen Jahren aufgehoben ist und die Fahrzeuge 111 bis 122 im gesamten Netz anzutreffen sind.

Der Betriebshof Loskon ist wahrscheinlich nötig, da der Betriebshof Torunska keine Kapazitäten für mehr Fahrzeuge hat. Außerdem kann man dann Nachts auch Fahrzeuge abstellen ohne zur später Stunde noch zur Torunska fahren zu müssen (Der Straßenbahnverkehr endet gegen 22:30). Außerdem wird das Netz weiter ausgebaut was zufolge hat, dass weitere Niederflurfahrzeuge in den Wagenpark dazukommen. Tagsüber ist in Loskon aber wohn nur ein Reservepark abgestellt, die HW ist weiterhin an der Torunska.
143 905-8 schrieb:Zitat:
vor einiger Zeit war geplant, für den Straßenbahnbetrieb in Bydgoszcz eine eingenes Unternehmen zu Gründen, änhlich wie in Warschau, Szczecin oder im GOP.
Man stellte jedoch fest, dass das Straßenbahnnetz zu klein für ein eigenes Unternehmen ist, sodass die Straßenbahn weiterhin von der MZK betrieben wird.
Die Argumentation müsste wohl eher lauten "die Stadt Bydgoszcz ist zu klein für zwei Verkehrsbetriebe". Und dem würde ich zustimmen. Vielleicht schiebt man dieses Argument auch nur vor, weil die Verantwortlichen - erfreulicherweise! - nachgedacht haben und zu der Erkenntnis gekommen sind, dass zwei konkurrierende Verkehrsbetriebe ein Eigenleben entwickeln können und dann - auf Kosten der Fahrgäste - gegeneinander arbeiten als zu kooperieren. (Paradebeispiel Gotha!) Auch könnte es jede Menge Probleme geben, wenn der Straßenbahnbetrieb sein Operationsbetrieb auf Kosten des Busbetriebs ausweiten will. (Auch hier abschreckendes Beispiel Gotha!) Und Bydgoszcz plant bekanntlich einen weiteren großzügigen Ausbau des Straßenbahnnetzes.

Insgesamt also einmal eine wirklich positive Entscheidung im ansonsten extrem neoliberalen Polen!
Danke euch allen für eure Antworten! Im nachhinein ärgere ich mich etwas, daß ich nicht noch den Abstecher nach Fordon gemacht habe, aber mich schreckte die lange Fahrzeit ab, und es war mir zu dem Zeitpunkt auch gar nicht bewußt, daß es sich hier um eine erst kürzlich eröffnete Neubaustrecke handelt. Auch das Depot Łoskoń habe ich daher nicht gesehen, dafür war ich aber in der Toruńska - und hatte in keinster Weise den Eindruck, daß dort Platzmangel herrscht. Das Freigelände bietet Platz ohne Ende, und in der Werkstatt, wo ohnehin alle Fahrzeugtypen unterhalten werden, sah es auch nicht allzu beengt aus. So habe ich denn den Eindruck, daß man das Depot Łoskoń eher auf Vorrat gebaut hat, wo man schon gerade dabei war (für die Zukunft sind ja durchaus weitere neue Strecken geplant, die auch zusätzliche Fahrzeuge erfordern dürften), aber natürlich kann man so auch zeitraubende Ein- und Ausrückfahrten zwischen Fordon und dem alten Depot vermeiden.

Gruß
Klv