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[DD] Frage zu Streckengeschichte durch Strehlen

geschrieben von: worldtradesurfer

Datum: 02.08.19 13:35

Hallo Lieber Forummitglieder und Dresdner,

gerne möchte ich für ein kleines Filmprojekt zum Abschied des Straßenbahnverkehrs auf der Wasastraße ein paar Streckenkarten einblenden.
Jedoch sehe ich nichtso genau durch in welchen Zeiträumen die Strecken bestanden haben.

Das Betrifft die erste Pferdebahnlinie vom Zoo über Franz-List-Straße - August-Bebel-Straße - Wasaplatz (wie weiter?...)

Wann wurde der oben genannte Abschnitt durch die Strecke Franz-List-Straße - Wasastraße - Wasaplatz ersetzt?

Bis wann gab es die alte Streckenführung direkt durch Altstrehlen bis dieser Abschnitt durch die Strecke in der Lockwitzer Straße ersetzt wurde?


Vielen Dank im Vorraus für eventuelle Hilfestellungen.

Grüße
worldtradesurfer
[quote=worldtradesurfer schrieb:]


Das Betrifft die erste Pferdebahnlinie vom Zoo über Franz-List-Straße - August-Bebel-Straße - Wasaplatz (wie weiter?...)

Ab dem 01.05.1891 fuhr die Pferdebahn vom damaligen Endpunkt Zoo bis zum Gasthof Goldene Krone in Strehlen. Fahrtweg ab Wasaplatz über die heutige Kreischaer Str. (damals Residenzstr.), Altstrehlen und Dohnaer Strasse.
Ab dem 09.05.1892 Fahrtweg weiter über die Dohnaer Str. bis Strehlen, Dorotheenstraße.


Wann wurde der oben genannte Abschnitt durch die Strecke Franz-List-Straße - Wasastraße - Wasaplatz ersetzt?

Mit Einführung des elektrischen Betriebes ab 18.12.1896 wurde der Abschnitt Residenzstraße - Palaisstraße stillgelegt.

Bis wann gab es die alte Streckenführung direkt durch Altstrehlen bis dieser Abschnitt durch die Strecke in der Lockwitzer Straße ersetzt wurde?

Ab dem 26.11.1928 wurde der Streckenabschnitt Dohnaer Straße stillgelegt, aber es wurde bis 14.05.1947 noch über die Dorothenstr. gefahren. Erst danach über die Cäcilienstr.
Die Pferdebahnlinie Neumarkt - Strehlen wurde am 28. Juli 1882 zunächst bis zum Zoologischen Garten eröffnet, die Reststrecke bis Gasthof "Goldene Krone" im heutigen Altstrehlen einen knappen Monat später. Dabei durchfuhr sie die Palaisstraße (Franz-Liszt-Straße), Residenzstraße (heutige August-Bebel-Straße), kreuzte den Wasaplatz, folgte der Kreischaer Straße bis zum Friedrich-August-Platz (Altstrehlen) und endete in der Dohnaer Straße vor besagtem Gasthof. Die Verlängerung bis zur Dorotheenstraße folgte 1892.

https://abload.de/img/foto31.03.15125937bfk9r.jpg

Fahrplan von 1883.


Mit Einführung des elektrischen Betriebes wurden die Gleise im südlichen Teil der Palaisstraße und der Residenzstraße stillgelegt und eine Neubaustrecke durch die wenige Jahre vorher neu angelegte Wasastraße in Betrieb genommen.

Wie oben beschrieben wurde die kurvenreiche und zum Teil eingleisige Streckenfürhung über Friedrich-August-Platz und Dohnaer Straße 1928 durch die geradlinige, heute noch bestehende Trasse in der Lockwitzer Straße ersetzt.

Ich bin so frei und verweise für weitere Details auf meinen Beitrag im DAF. Weitergehende Ergänzungen gern willkommen!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.08.19 23:25.

Danke für die schnelle Hilfe

geschrieben von: worldtradesurfer

Datum: 03.08.19 09:48

Hallo

@sprühwagenkiller

vielen Danlk für Deine Info, wenn auch das erste Datum 01.05.1891 vermutlich nicht stimmen wird, da der user antonstädter nachfolgend in seiner Antwort ein früheres Eröffnungsdatum belegt.

@antonstädter

Ich muss zugeben, ich habe insgeheim gehofft das Du mir darauf Antwortest, da du meiner Meinung nach durch Deine grandiosen Beiträge hier bei DSO und im DAF der kompetenteste hier in dieser Angelegenheit bist.
Ich hatte schon Deine Beträge durchsucht ob irgendwas von Strehlen dabei ist, bin aber nicht fündig geworden. Aber nun habe ich den Link ins DAF bekommen und freue mich wieder etwas hochinteressantes lesen zu können.
Ich bin immernoch der Meinung das diese Beiträge mal in Buchform erscheinen müssten.

Ein kleiner Hinweis im DAF. Da hast du beim Strehlener Artikel einen Tippfehler: Gleich im Abschnitt unter dem ersten Netztplanausschnitt von 1888 beginnt der erste Satz mit: "Ab 1992 wurde die Bahn schließlich bis zur Dorotheenstraße verlängert, ". Ich denke mal das sollte 1892 heißen ;-)

Vielen Dank noch einmal
grüße von
worldtradesurfer

Re: Danke für die schnelle Hilfe

geschrieben von: antonstädter

Datum: 03.08.19 12:41

Ja natürlich hast Du recht - Dankeschön für den Hinweis - es muss heißen 1892. Die offensichtlichsten Fehler übersieht man meist beim Korrekturlesen. Ich kann es leider im Ursprungsbeitrag nicht mehr ändern.

Ich habe ohnehin vor, bei Gelegenheit die Strehlener Nahverkehrsgeschichte noch einmal aufzugreifen und neu zu bearbeiten, will aber erst einmal den Abschluss der Bauarbeiten am Wasaplatz abwarten.

"Sprühwagenkiller" hat ja auch die Fortsetzung über Dorotheen- bzw. Cäcilienstraße angesprochen. Zur Verdeutlichung der Veränderungen eine kleine Kollektion Stadtplanausschnitte mit einigen detaillierten Erläuterungen.


Wir beginnen 1888 mit einem Detailausschnitt des Strehlener Dorfkerns. Noch ist die Gemeinde selbstständig.

https://abload.de/img/stadtplanstrehlen18884jjm5.jpg


1892. Die Strecke ist hier in ihrem ursprünglichen Verlauf und bis „Goldene Krone“ eingezeichnet. Das im selben Jahr eingemeindete Strehlen ist zwar schon innerhalb der Dresdner Stadtgrenzen eingezeichnet, verwendet werden noch die Namen vor der Eingemeindung: So heißt der spätere Friedrich-August-Platz noch „Alberts-Platz“ (sic).

https://abload.de/img/stadtplanstrehlen1892ttkn4.jpg


1896 wurde die Strecke verlegt und elektrifiziert, im Stadtplan aus demselben Jahr ist aber noch die Streckenführung über die Residenzstraße (August-Bebel-Straße) eingezeichnet. Dafür aber findet man die Verlängerung über die Dohnaer zur Dorotheenstraße (eröffnet 1892).

Zur Erläuterung der Darstellung der Straßenbahnstrecken: Die Linien der Dresdner Straßenbahn AG („gelbe“ Gesellschaft, ex Tramways Company) sind seit 1893 auf den Stadtplänen als gestrichelte Linien zu finden, die „rote“ Konkurrenz wurde mit durchgehenden Linien markiert. Diese Trennung entfiel nach 1906 mit der Übernahme der beiden Gesellschaften durch die Stadt. Vor Einführung der Liniennummern in jenem Jahr waren die einzelnen Linienführungen aus dem Stadtplan nicht ersichtlich.

https://abload.de/img/stadtplanstrehlen1896lpkk3.jpg


Plan von 1905. Wir verschieben den Ausschnitt etwas nach Süden, um den ursprünglichen Anschluss der Verlängerung nach Leubnitz-Neuostra (1902) zu verdeutlichen. Dieser erfolgte ab Dorotheenstraße zunächst über die Dohnaer Straße, man erkennt gut die eingezeichnete, bis zur Eingemeindung von Leubnitz-Neuostra 1921 gültige Stadtgrenze. Natürlich fährt die Bahn nun schon über die Wasastraße (links oben).

https://abload.de/img/stadtplanstrehlen19059qkvj.jpg


Sprung ins Jahr 1925. Ab Mitte der zwanziger Jahre sind die Haltestellen auf den meisten Stadtplänen eingezeichnet. Seit 1913 gabelte die nunmehrige „9“ an der Dorotheenstraße und fuhr weiter nach Reick. Noch Ende 1925 erhielt der Ast nach Reick und Dobritz die Liniennummer 13. 1941 wurden die Endäste der Linien 9 und 13 getauscht, bis 1974 sollte die 13 dann in Leubnitz heimisch bleiben…

https://abload.de/img/stadtplanstrehlen1926obkct.jpg


Plan von 1929. Die alte Strecke durch den Strehlener Dorfkern wurde ein Jahr zuvor durch die Neubaustrecke über die Lockwitzer Straße ersetzt. Schleierhaft ist mir immer noch die auf verschiedenen Stadtplänen aus jenem Jahr eingezeichnete Blockschleife an der Trennung der Leubnitzer und Reicker Strecke. Weder aus dem mir vorliegenden Haltestellen- und Fahrzeitenverzeichnis aus demselben Jahr noch aus den Verkehrsbüchern und dem Fahrplanheft geht dies so hervor. Es kann sich also auch um einen reproduzierten Serienfehler aus gegenseitigem Abzeichnen handeln. Im Haltestellenverzeichnis ist die Streckenführung übrigens exakt so angegeben wie im folgenden Plan von 1936.

https://abload.de/img/stadtplanstrehlen1929w0k4l.jpg


Wenige Änderungen sieht man 1936. Die Leubnitzer Strecke ist seit 1928 geradlinig ab der Haltestelle Hugo-Bürkner-Straße angebunden. Der Reicker Ast bog wie heute scharf nach links in die Hugo-Bürkner-Straße, dann gleich wieder nach rechts in die Dohnaer, wo einige Meter der Pferdebahnstrecke von 1892 genutzt wurden, und dann in die Dorotheenstraße wie seit 1913. Der hier ursprünglich bestehende Anschluss nach Leubnitz wurde, wie gesehen, technologisch erheblich günstiger auf die Lockwitzer Straße verlegt. Genau so wird die Streckenführung auch im Haltestellenverzeichnis 1929 beschrieben, so dass ich die Blockführung 1929 für einen Fehler im Plan halte. Vielleicht weiß aber auch jemand mehr?

https://abload.de/img/stadtplanstrehlen19368ojwr.jpg


Die kurvenreiche Lage des Reicker Astes war natürlich alles andere als kommod. Die geradlinige Weiterführung durch die Cäcilienstraße bot sich geradezu an und wurde schließlich auch 1947 realisiert. Die noch heute bestehende Streckenführung zeigt der Ausschnitt aus dem Straßen- und Verkehrsbuch von 1949. Bei genauer Betrachtung der Karte sieht man auch die kürzlich erfolgte Abänderung der etwas älteren Basisgrafik (von 1945), denn die Dorotheenstraße ist noch so eingezeichnet, dass sie die ursprüngliche Straßenbahnstrecke aufnehmen konnte; diese wurde nun stattdessen provisorisch neben die Linie der Cäcilienstraße gezeichnet.

https://abload.de/img/stadtplanstrehlen1949gqju4.jpg


Mit Stilllegung der Leubnitzer Strecke Ende 1974 blieben deren Gleise zunächst weitgehend liegen. Aus den Gleisresten in der verlängerten Lockwitzer Straße entstand viel später das noch heute bestehende Gleisdreieck Hugo-Bürkner-Straße.


Schönes Wochenende!



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.08.19 12:49.

Re: Danke für die schnelle Hilfe

geschrieben von: worldtradesurfer

Datum: 04.08.19 08:12

Hallo antonstädter,

Exakter geht es glaub ich nicht mehr! Und ich dachte ich kenne mittlerweile alle ex Dresdner Strecken, aber von dem Gleis in der Lannerstraße erfahre ich heute zum ersten mal! Wahnsinn.

Alles weitere siehe PN

ein schöne Restwochenende wünscht Dir
worldtradesurfer



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.08.19 08:12.

Re: Danke für die schnelle Hilfe

geschrieben von: antonstädter

Datum: 04.08.19 12:17

Ja, keine Ursache ;-)

Zur Lannerstraße: Auf den obigen Stadtplänen aus den zwanziger und dreißiger Jahren fehlt die Gleisschleife. (Lockwitzer-, Lanner- und Kreischaer Straße). Wann genau sie geschaffen wurde kann ich nicht sagen, ich vermute aber stark im Zusammenhang mit dem Bau der Lockwitzer Straße 1928. Sie wurde in den ersten Nachkriegsjahren auch noch als Zwischenendpunkt für diverse Notlinien genutzt (z. B. 1945 für die 107 Wölfnitz - Wasaplatz und 1946 die 106 Coschütz - Wasaplatz). Dann wurde sie wie viele Nebenanlagen zur Gleisgewinnung abgebaut. 1950 war sie definitiv schon verschwunden, denn die sehr kurzlebige Tangentiallinie 10 Johannstadt - Ostring - Strehlen endete an der Hugo-Bürkner-Straße.

Re:[DD] Frage zu Streckengeschichte durch Strehlen

geschrieben von: IngolfM

Datum: 04.08.19 18:11

Hallo,
ich habe mit Interesse den Beitrag über Strehlen gelesen. Da hier noch offene Fragen sind will ich versuchen diese zu beantworten.

1: Gleisschleife Lannerstraße
Lage: Lockwitzer Straße – Lannerstraße (Endpunkt mit kurzem Umfahrungsgleis) – Kreischaer Straße (Nutzung des Stadtwärtsgleises der alten Strecke) – Wasaplatz
Zweck: Sonderwagen nach Veranstaltungen im 1888 eröffneten Königshof mit großem Tanz- und Theatersaal, später auch mit hölzernem Sommertheater an der Lockwitzer Straße Ecke Lannerstraße
Vorläufer: Abstellanlage an der Lannerstraße Ecke Friedrich-August.-Platz (heute Altstrehlen) mit 1 Stumpf-gleis auf dem heutigen kleinen Parkplatz. Dieses Gleis wurden vermutlich 1892 oder wenig später erbaut.
Stillgelegt infolge Streckenverlegung am 26. 11. 1928 (oder einige Tage zuvor).
eröffnet: 26.11.1928
Gleisschleife angelegt mit der Streckenverlegung in die Lockwitzer Straße am 26. 11. 1928, 23.00 Uhr. Vermutlich war die Gleisschleife erst einige Tage später an die alte Gleisanlage in der Kreischaer Straße angeschlossen.
Linienmäßig befahren: 17. 10. 1945 – 31. 01. 1946 Linie 107 und 18. 07. 1946 – 11. 11. 1946 Linie 106
1945/46 Ausbau der Umfahrung zur Gewinnung von Ersatzmaterial
Stillgelegt: 29. 05. 1947
durch Ausbau der Einfahrtsweiche in der Lockwitzer Straße. Der Gleisstumpf in der Kreischaer Straße wurde weiterhin als Ladegleis für den Marktgüterverkehr genutzt und erst im Juli 1949 im Zusammenhang mit dem Umbau des Wasaplatzes beseitigt.

2: Blockumfahrung Dohnaer Straße- Lockwitzer Straße
Zweck: Die Gleisschleife entstand im Zusammenhang mit der Verlegung der Streckengleise aus der Dohnaer Straße in die Lockwitzer Straße unter Verwendung der alten Gleisanlagen. Zweck war wohl vor allem, das Ein- und Ausrückefahrten vom Betriebshof Reick nach Leubnitz über Dorotheenstraße – Dohnaer Straße –Finckenfangstraße (heute Wilhelm-Franke-Straße) zu ermöglichen
Lage: Blockumfahrung Lockwitzer Straße – Hugo-Bürkner-Straße – Dohnaer Straße – Teplitzer Straße – Lockwitzer Straße, befahren im Uhrzeigersinn. Die Dohnaer Straße zwischen Dorotheenstraße und Teplitzer Stra0e war eingleisig, alle andern Strecken zweigleisig
eröffnet: 26. 11. 1928
stillgelegt als Gleisschleife: 1945 durch Ausbau der Einfahrtsweichen an der Dorotheenstraße. Für Aus- und Einrücker zwischen Reick und Leubnitz ist die Gleisanlage noch befahrbar.

Die Gleise wurden zum Ein- und Ausrücken von und nach Leubnitz vom Betriebshof Reick genutzt, aber dabei wurde ja nicht in der Gleisschleife gewendet, sondern nur ein Teil ihrer Gleisanlagen genutzt. Erst zum Ende des 2. Weltkriegs wurde die Schleife im Güterverkehr genutzt. Da fuhren Triebwagen mit 2 - 3 angehängten zweiachsigen Kfz-Anhängern, beladen mit Hausmüll, in die Schleife. Der Müll kam von in der Stadt angelegten Sammelplätzen an linienmäßig nicht befahrenen Gleisen, wo er von den Müll-Kfz auf die Anhänger umgeladen wurde. Auf der Dohnaer Straße wurden dann die Kfz-Anhänger von einer Zugmaschine übernommen und in die alten Ziegeleien entlang der Dohnaer Straße gebracht, wo sie in die ausgebeuteten Lehmgruben verkippt wurden. Der Triebwagen übernahm die zurück gebrachten leeren Kfz-Anhänger und brachte sie wieder zu den Sammelplätzen. Auf diese Weise sollte Kraftstoff gespart werden, denn zuvor waren vollen die Müll-Kfz von der Stadt bis in die alten Lehmgruben gefahren. Nach dem Krieg fuhren wieder nur die Ein- und Ausrücker durch die alte Gleisanlage der Dohnaer Straße. Nach Inbetriebnahme der Cäcilienstraße fuhren die Ein- und Ausrücker über die Hugo-Bürkner-Straße und dabei die Ausrücker ab Hugo-Bürkner-Straße einfach über das Stadtwärtsgleis nach Leubnitz. Der Beiwagen blieb an der Hugo-Bürkner-Straße vor der Weiche stehen und wurde bei der Rückfahrt wieder angekuppelt. Doch bald wurde Linie 13 nur noch von Mickten gefahren, Reick hatte nur noch Züge der Linien 5, 9 und 12 (12 zuletzt nur noch ein Zug).


Diese Beschreibung stammt aus der Dokumentation, welche von Mario Schatz und mir erarbeitet wurde.
Das Zeichnung zeigen die Blockumfahrung Dohnaer- Lockwitzer Straße und unten die Gleisschleife Lannerstraße

MfG IngolfM
Blockumfahrung Lockwitzer Straße.jpgHallo,


Gs Lannerstraße.JPG



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.08.19 18:18.
Ist ja der Hammer was hier noch alles zutage kommt! Da wird wohl antonstädter, sobald er das hier entdeckt, wohl Luftsprünge machen!

Ein dickes Dankeschön trotzdem von mir, obwohl die Beantwortung meiner ursprünglichen Frage damit weit übers benötigte hinausschoss ;-) Toll!!

worldtradesurfer



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.08.19 20:17.
Da kann ich mich nur anschließen, besten Dank!!! Das waren genau die Informationen, die mir auch noch fehlten. Auf den meisten Stadtplänen sind ja die Betriebsgleise leider nicht eingezeichnet...

Da würde ich gleich einmal eine große Bitte dranhängen: Vielleicht verfügt ja der einen oder andere Interessierte über Gleispläne der Vorkriegszeit. Leider konnte man mir im Archiv des Straßenbahnmuseums nicht weiterhelfen. Der älteste Plan dort stammte von 1950.

Besonders interessieren mich gerade die Betriebsgleisanlagen (s.o.) und die Anschlussgleise, besonders im Zeitraum der zwanziger und dreißiger Jahre.

Ein weiterer offener Punkt in diesem Zusammenhang ist für mich die Rennbahnschleife, bzw. deren Vorgeschichte. Auf topografischen Stadtplänen um 1910 sind jeweils zwei Stichstrecken durch die Liebstädter Straße zur Radrennbahn und die weit bekanntere Rennplatzstraße mit Endpunkt Seidnitz und Aufstellanlage für die Pferderennbahn eingezeichnet. Wann wurden diese Gleise angelegt, und wann wurden sie zur Gleisschleife verbunden? Auch wenn dies etwas vom Strehlener Thema wegführt, hat ja vielleicht doch der eine oder andere sachdienliche Informationen...

Mit bestem Dank vor allem auch an Ingolf für die Informationen und vielen Grüßen in die Runde!
Da wohnte man jahrzehntelang auf der Lockwitzer Str./Ecke Hugo-Bürkner-Str. und keiner hat einem mal gesagt, dass es dort mal eine Blockumfahrung gab ;-) :-) . Höchst interessant.
Vielen Dank für die erhellenden Neuigkeiten.

Grüße



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.08.19 16:07.

Re: Re:[DD] Frage zu Streckengeschichte durch Strehlen

geschrieben von: IngolfM

Datum: 05.08.19 17:39

Hier nun die sogenannte Rennplatzschleife.
Rennbahnschleife Winterbergstraße
Lage: Bodenbacher Straße – Liebstädter Straße – Winterbergstraße – Rennplatzstraße – Bodenbacher Straße. Rennplatzstraße 2-gleisig, Rest eingleisig mit Ausweichen und Abstellgleisen. Zweck: Abwicklung des starken Sonderwagenverkehrs bei Veranstaltungen auf der Pferderennbahn und der Radrennbahn
Verlegung der Gleise in der Rennbahnstraße bis zur Winterbergstraße für Sonderwagen zur Pferderennbahn beim Streckenbau nach Seidnitz, eröffnet 21.10.1905
Gleisanlage in der Liebstädter Straße für Sonderwagen zur Radrennbahn eröffnet:17.07.1909
Gleisschleife durchgehend eröffnet: 03.05.1911
28.08.1925 Bodenbacher Straße 2-gleisig ausgebaut mit mehreren Gleiswechseln, so dass bei Renn-veranstaltungen bei eingleisigem Betrieb auch dort Sonderwagen aufgestellt werden konnten
Am 01.10.1925 Verlängerung des Straßenbahnverkehrs durch die Bodenbacher Straße in Richtung Leuben. Die Rennbahnschleife bleibt unverändert erhalten
Stillgelegt: 17.08.1945. Es verblieben die Gleis in der Rennplatzstraße und am Anfang der Liebstädter Straße, der Rest wurde zur Gewinnung von Ersatzmaterial abgebaut
17.08.1945 Abzweig Rennplatzstraße umgebaut in Gleisdreieck
02.08.1948: Umbau des Gleisdreiecks Liebstädterstraße in doppelgleisige Abzweigung
07.03.1951 Liebstädter Straße stillgelegt

04.12.1998: Gleisdreieck Rennplatzstraße stillgelegt und beseitigt im Zusammenhang mit Umbau Bodenbacher Straße

Rennplatzschleife .jpg

Gleisdreieck Rennplatzstraße.jpg

Re: [DD] Frage zu Streckengeschichte durch Strehlen

geschrieben von: Variobahn

Datum: 05.08.19 19:02

Hallo und guten Abend,

vielen Dank an den "antonstädter" für den wiederholt gradiosen Beitrag!

Zwei Dinge möchte ich noch hinzufügen. Zum einen ein kleines Detail, in dem sich die beiden Karten ...

antonstädter schrieb:

Zitat:
Plan von 1929. Die alte Strecke durch den Strehlener Dorfkern wurde ein Jahr zuvor durch die Neubaustrecke über die Lockwitzer Straße ersetzt. Schleierhaft ist mir immer noch die auf verschiedenen Stadtplänen aus jenem Jahr eingezeichnete Blockschleife an der Trennung der Leubnitzer und Reicker Strecke. Weder aus dem mir vorliegenden Haltestellen- und Fahrzeitenverzeichnis aus demselben Jahr noch aus den Verkehrsbüchern und dem Fahrplanheft geht dies so hervor. Es kann sich also auch um einen reproduzierten Serienfehler aus gegenseitigem Abzeichnen handeln. Im Haltestellenverzeichnis ist die Streckenführung übrigens exakt so angegeben wie im folgenden Plan von 1936.

https://abload.de/img/stadtplanstrehlen1929w0k4l.jpg


Wenige Änderungen sieht man 1936. Die Leubnitzer Strecke ist seit 1928 geradlinig ab der Haltestelle Hugo-Bürkner-Straße angebunden. Der Reicker Ast bog wie heute scharf nach links in die Hugo-Bürkner-Straße, dann gleich wieder nach rechts in die Dohnaer, wo einige Meter der Pferdebahnstrecke von 1892 genutzt wurden, und dann in die Dorotheenstraße wie seit 1913. Der hier ursprünglich bestehende Anschluss nach Leubnitz wurde, wie gesehen, technologisch erheblich günstiger auf die Lockwitzer Straße verlegt. Genau so wird die Streckenführung auch im Haltestellenverzeichnis 1929 beschrieben, so dass ich die Blockführung 1929 für einen Fehler im Plan halte. Vielleicht weiß aber auch jemand mehr?

https://abload.de/img/stadtplanstrehlen19368ojwr.jpg

... neben der entfallenen Blockumfahrung außerdem unterscheiden: die Endhaltestelle Leubnitz-Neuostra befindet sich auf dem oberen Plan noch "um die Ecke" in der Spitzwegstraße. Auf dem unteren ist sie bereits in die südliche Finkenfangstraße (heute Wilhelm-Franke-Straße) verlegt.

Auf eine andere Sache machte mich ein Hobbykollege vor einiger Zeit aufmerksam, sie passt hier wunderbar zum Thema. Im vor zehn Jahren erschienenen Stadtteilheft "Strehlen" findet sich nachfolgendes Foto aus dem Jahre 1912, welches den stadtwärtigen Blick von Altstrehlen in die Kreischaer Straße mit nach links abzweigender Lannerstraße zeigt.

altstrehlen.jpg

Von der bereits beschriebenen alten Strecke Wasaplatz – Kreischaer Straße – Dohnaer Straße zweigen Gleise ab, welche sich auf Höhe der Lannerstraße vereinigen und dann (sehr wahrscheinlich) in einem Stumpfgleis neben der Brücke über den Kaitzbach enden. Da hier offenbar nicht umgesetzt werden konnte, haben an dieser Stelle vermutlich nur Pferdebahnen oder Solo-Triebwagen gewendet. Es ist sozusagen ein Urahn der später errichteten Blockumfahrung. Nun wäre es sicher interessant zu erfahren, wann diese Gleisanlage gebaut wurde und wie lange sie Bestand hatte :-)

Es grüßt aus 100 m Entfernung vom Corpus delicti die

Variobahn



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.08.19 19:26.

Re: Danke für die schnelle Hilfe

geschrieben von: antonstädter

Datum: 05.08.19 19:26

Eine wunderbare Aufnahme!, vielen Dank für die Ergänzung!

Und auch an Ingolf für die Grafiken zur Rennbahnschleife. Das Haltestellen- und Fahrzeitenverzeichnis von 1929 besitze ich gottseidank auch selbst, es ist eine wunderbare Quelle vor allem auch für die vollständigen amtlichen Haltestellenbezeichnungen, die so in Straßenverzeichnissen nicht auftauchen. Bemerkenswert finde ich, wie grundlegend die Gleisanlagen innerhalb weniger Jahre umgebaut wurden. Sicher hängt dies auch mit dem Hechtwageneinsatz auf der Bodenbacher Straße zusammen. Für den Neubau des Gleisdreiecks an der Liebstädter Straße vermute ich einen Zusammenhang mit der Verlängerung der Linie 21 von der "Grünen Wiese" hierher im September 1930.

Könnte es sein, dass das Gleisdreieck Rennplatzstraße nach dem Kriege aus ausgebauten Weichen des Dreiecks an der Liebstädter Straße entstand?

Es mutet aus heutiger Sicht schier unglaublich an, welchen Aufwand man damals für Sonderverkehre betrieb. Während der Veranstaltungen mussten die Züge für die Abfahrt umgesetzt und umrangiert werden, währenddessen die Planwagen der 12 auf der Bodenbacher Straße hin- und hermäandernden...

Ingolf, leider habe ich den Beitrag zu spät gelesen. Ich bin mal so frei und stelle die angesprochene Grafik hier ein. In großer Auflösung siehe PN.

https://abload.de/img/rennbahnschleife7kjri.jpg

Ein ähnlich interessantes Kapitel, was mir an dieser Stelle noch einfällt, wäre der Vogelwiesenverkehr mit den Aufstellanlagen in der Neubert-, Pfotenhauer- und Fürstenstraße und später der Gleisschleife Burckhardtstraße.

Viele Grüße

Antonstädter

Strehlen Nachtrag

geschrieben von: antonstädter

Datum: 05.08.19 20:10

Um mal wieder nach Strehlen zurückzukehren, und zur Ergänzung des Altstrehlen-Bildes von Variobahn: Der Detailplan, dem der Ausschnitt zugrundeliegt, stammt von 1911. Das Betriebsgleis auf dem Friedrich-August-Platz kreuzte nur die Lannerstraße und verebbt dann.

https://abload.de/img/altstrehlen191195kuo.jpg

Und siehe da...

Link zu Streetview:

Der Gleisstreifen ist deutlich zu erkennen. Ist der Zustand noch so...?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.08.19 22:42.

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: Knut Ochdorf

Datum: 05.08.19 22:37

Ich muß mal hier Danke allen Beteiligten sagen. Man lernt doch immer wieder etwas hinzu.

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: Variobahn

Datum: 06.08.19 08:27

antonstädter schrieb:
Um mal wieder nach Strehlen zurückzukehren, und zur Ergänzung des Altstrehlen-Bildes von Variobahn: Der Detailplan, dem der Ausschnitt zugrundeliegt, stammt von 1911. Das Betriebsgleis auf dem Friedrich-August-Platz kreuzte nur die Lannerstraße und verebbt dann.

[abload.de]

Und siehe da...

Link zu Streetview:

Der Gleisstreifen ist deutlich zu erkennen. Ist der Zustand noch so...?
Guten Morgen,

obwohl der Platz vor einigen Monaten großflächig aufgegraben und anschließend neu gepflastert wurde, ist die alte Gleislage nach wie vor sichtbar:

stadtwärts.jpg

landwärts.jpg


Einen schönen Tag wünscht die

Variobahn

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: sprühwagenkiller

Datum: 06.08.19 14:09

Hallo,

nochmals vielen Dank für diese Exkursionen. Das es am Wasaplatz eine Gleisschleife gab, war mir bekannt. Aber der Gleisstummel ist mir neu. Und ich hab mich früher über die "komische" Beflasterung des kleinen Parkplatzes gewundert.

Grüße

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: Hallenhu

Datum: 06.08.19 23:19

mit großem Interesse habe auch ich die bisherige Diskussion zum Streckenverlauf in Strehlen beobachtet und möchte noch ein wenig Senf dazu geben:
1. Die Frage, ob der Gleisstumpf noch erkennbar ist hat Variobahn ja schon beantwortet.
2. In der Lannerstr. sind sind noch heute Wandrosetten der Fahrleitungsaufhängung an Gebäuden vorhanden:
DD_Lannerstr._Wandrosetten 4-2017.jpg

3. im weiteren Verlauf der heutigen Streckenführung kommt man zur Hugo-Bürkner-Str. Dort gab es unmittelbar nach der Verlegung der Strecke auf Lockwitzer Str. und Cäcilienstr. entstand im oberen Teilstück der Cäcilienstr. eine Umsetzanlage. Belegt ist die Nutzung im Vogelwiesenverkehr mit Linie M (siehe Grundmannbuch: „Die Straßenbahn in Dresden“). Nach meiner Erinnerung gab es unmittelbar nach dem Gleisbogen den 1. Stumpfgleiswechsel und nach ca. 50 m den Spitzgleiswechsel. Der Ausbau erfolgte m. E. in Zusammenhang mit dem 1. Umbau der Kreuzung zum Gleisdreieck.
Die planmäßige tägliche Nutzung der Umsetzstelle erfolgte noch bis Dez. 1974 im Personalwagenverkehr. Auch eine Nutzung durch ein Nacht-Pendel der Li. 13 während Bauarbeiten ist mir in Erinnerung. Dabei pendelte der Pendel-Tw. mit Rangierer von Leubnitz bis zur H.-Bürkner-Str., weiter auf dem falschen Gleis in die Cäcilienstr. und über den Gleiswechsel wieder als Falschfahrt auf die Lockwitzer Str.
Für die Statistiker hänge ich mal den Personalwagenfahrten dran. Zu den Bauarbeiten um 1973 habe ich leider nichts mehr.

DD_Fahrplan_Personalwagen_1972.jpg

Danke nochmal an alle für die tollen Info´s

Hallenhu

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: IngolfM

Datum: 07.08.19 09:58

Heute mal 2 Bilder aus meiner Sammlung
1 Schleife LannerstraßeLannerstraße_mit Gleisschleife_1935-05-01_Slg IM.jpg
2.alte Streckenführung durch die Dohnaer Straße
Dohnaer Straße 13- 25_Pk Slg IM.jpg

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: IngolfM

Datum: 07.08.19 10:17

Nachschlag: Kreuzung Teplitzer Straße- Lockwitzer Straße um 1974
201 643_Teplitzer Straße-Dohnaer Straße_1974_Slg IM.jpg
Endpunkt Leubnitz, vorm Restaurant Edelweiss um 1932
1639_EP Leubnitz_1932-09-18_Slg Peter Miersch.jpg
Gothazug an der Umsetzstelle 1974
213 013_Ep Leubnitz_1973_Reiner Haufe.jpg

Alle Bilder sind aus meiner Sammlung

Ingolf M



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.08.19 10:20.

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: sprühwagenkiller

Datum: 07.08.19 13:36

Hallo,

die beiden Gleiswechsel befanden sich auf der Hugo-Bürkner- Str. und wurden im Baustellenverkehr genutzt. Die Bilder sind ein Netzfund. Ich hoffe, es ist okay mit dem Einstellen.

Hgo-Bürkner Str. (1).jpg


Hgo-Bürkner Str..jpg

Für die Züge war es etwas umständlich zum umsetzen. Denn die Züge mussten die Wagen nicht nur umfahren, sondern (aus Ri.Reick kommend) erst komplett durch den 2. Gleiswechsel fahren, dann die Anhänger zwischen die Weichen zurück drücken und dann umsetzen oder (aus Ri. Wasaplatz) nach dem umsetzen zurück drücken und dann durch den Gleiswechsl ins richtige Gleis. .
In Cossebaude war das einfacher...umsetzen, vorziehen, fertig, Kaffee trinken :-)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.08.19 13:37.

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: Hallenhu

Datum: 07.08.19 14:36

Hallo,
Beim Betrachten der Fotos fällt mir auf, dass 213 215 auf dem 1. Bild nicht zu erkennen ist und die Kupplung am Bw. zum Ankuppeln vorbereitet wird. Ausserdem sind die sichtbaren Türen an den Bw. bereits ver(ge)schlossen. Auf dem 2. Foto sitzt kein Fahrer in der sichtbaren Kabine. Das legt den Schluss nahe, dass der Tw. stadtwärts ankuppeln soll. 213 215 kam m.E. im April 1976 aus Berlin zurück. Das alles deutet auf Bauarbeiten auf der Reicker Str. hin, zumal auch im Hintergrund ein IKARUS als eventueller SEV erkennbar ist.
Die Umsetztechnologie auf dem Gleis Ri. Reick ergibt sich aus der geringen Abstand zwischen den Spitzweichen. Nach dem Umsetzen zurückdrücken und über den 2. Gleiswechsel vorziehen.
Danke für diese Fundsachen.
Dank auch an IngolfM für die Erinnerungen an Leubnitz. Gern mehr davon:-)

Hallenhu

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: sprühwagenkiller

Datum: 07.08.19 15:44

Ich denke auch, dass es hier in Ri. Wasaplatz weiter geht. Es sind die Bremslichter beim TW zu sehen. Er wird sicher grad beim Ankuppeln sein. Die Fahrgäste auf dem Gehsteig warten hier bis er zurück gedrückt hat und durch den Gleiswechsel auf die richtige Seite gefahren ist.

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: antonstädter

Datum: 08.08.19 12:04

Hallo in die Runde,

zuerst einmal möchte auch ich noch einmal allen danken, die sich an der Diskussion beteiligt und Material beigetragen haben. Es waren auch für mich viele interessante und mir bislang unbekannte Informationen dabei, die das große Puzzle weiter vervollständigen. Danke dafür! Daher möchte ich gern selbst auch noch einige Dokumente zur Strehlener Streckengeschichte beitragen, die dem einen oder anderen vielleicht so noch nicht bekannt sein dürften.

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Ich beginne, passend zu dem Stadtplan weiter oben, mit den Fahrplänen der Linien 9 und 13 von 1929. Die Linie 13 verkehrte seit 1925 als Zwischenlinie zur 9 und übernahm dabei deren Ast nach Reick und Dobritz (Abzweig nach Reick).

https://abload.de/img/img_443576j0s.jpg

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Werktagsfahrpläne der Strehlener Linien aus dem Jahre 1950. Mittlerweile konstant war die bis 1969 bestehende Linienführung der 9 vom Wilden Mann nach Kleinzschachwitz über den Westring und den Hauptbahnhof.

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Die Linie 13 nach Leubnitz genoss in der unmittelbaren Nachkriegszeit wenig Priorität und war stets eine der ersten, die im Mangelfall eingestellt wurde. So war die Strecke nach Leubnitz in den Jahren 1947 und 1948 z. T. monatelang ohne Straßenbahnverkehr. Erst 1948 wurde die 13 wieder durchgehend nach Leubnitz betrieben und bekam ihren nordwestlichen Endpunkt nun im Micktener Raum. Ab 1950 verkehrte sie nach Radebeul Ost zur neuerbauten Schleife an der Schillerstraße. Bis dahin kehrten die Wagen noch in der Umsetzanlage an der Geblerstraße in Trachau, wie der Hinweis im Fahrplan verrät.

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Eine absolute verkehrspolitische Rarität ist der Fahrplan der Linie 10, die nur vom 16. Mai 1950 bis 10. Mai 1951 auf der Relation Johannstadt - Ostring - Strehlen verkehrte und an der Hugo-Bürkner-Straße endete. Hierfür wurde sicherlich die oben diskutierte Umsetzanlage in der Cäcilienstraße verwendet. Zwischenzeitlich Ab Ende 1950 fuhr sie weiter bis Straßenbahnhof Reick.

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Die Linienführung unter Umgehung der innerstädtischen Knotenpunkte bewährte sich nicht. Auf der anderen Seite des Ringes bestand mit der 5 Übigau - Anton-/Leipziger Straße - Bf. Mitte - Leutewitz eine ähnliche Tangentialverbindung. Ab 1951 wurden die Linien 5 und 10 daher neu gestaltet. Erstere fuhr nun zwischen Übigau/Mickten und Reick als Verstärkung der Linie 13 und übernahm dabei den Streckenabschnitt Fucikplatz - Reick von der Linie 10. Fahrplan der Linie 5 von 1963.


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Die Fahrpläne der Linien 9 und 13 aus dem gleichen Jahr. Seit 1960 wurden die Tabellen in den zum Verkauf bestimmten Fahrplanheften in einer neuen, weit informativeren Aufmachung präsentiert, die auch sämtliche Haltestellen zeigen.

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https://abload.de/img/img_44301dkod.jpg


Ab Mitte der 1960er Jahre wurden Linienschilder eingeführt, die Innenseite zeigte dabei die wichtigsten Knotenpunkte auf der Strecke. Viele Fotos aus der ersten Hälfte der 1960er Jahre verraten jedoch, dass die Schilder oft verkehrt herum in die Fenster gehängt wurden. Stellvertretend ein Exemplar der Linie 5 aus dem Straßenbahnmuseum. Die Vorlagen für die Drucksiebe wurden noch händisch erstellt, so dass die Schilder in einer recht rustikalen Optik daherkamen.

https://abload.de/img/5uebrei3uwk4k.jpg
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Ab 1965 bekamen die Schilder dann eine Haltestellenliste mit Anschlüssen. Seit Abschaffung des Schaffnerbetriebes gab es ja auch niemanden mehr, den man hätte fragen können.
Hier die Linien 5 und 9 aus dem Straßenbahnmuseum. Leider ist dort keines der Linie 13 von Radebeul Ost nach Leubnitz erhalten.

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https://abload.de/img/5uebrei2odkgy.jpg

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https://abload.de/img/img_334013krt.jpg


In der Endphase des alten Netzes wurde die 5 dann wegen akuten Fahrzeug- und Personalmangels zur Berufsverkehrslinie degradiert. Fahrplan von 1967.

https://abload.de/img/img_4438r4jf4.jpg


Mit der Linienreform 1969 erhielten die 9 und 13 zwar neue Endpunkt im Nordwesten, in Strehlen selbst änderte sich für die beiden Stammlinien jedoch nichts. Fahrplan der Linie 9.

https://abload.de/img/img_4431r5jsw.jpg


Fahrplan der Linie 13. Sie fuhr nun nur noch bis Mickten, im Berufsverkehr wurde sie als Ersatz für Linie 5 bis Übigau verlängert.

https://abload.de/img/img_443247kct.jpg
https://abload.de/img/img_4433hikvo.jpg


Dafür gab es auch Fensterschilder, die mit der Linienreform für alle Straßenbahnlinien einheitlich neu gestaltet wurden und ein größeres Format erhielten. Die „Übigau“-13 befindet sich im Bestand des Straßenbahnmuseums.

https://abload.de/img/img_67126kjd5.jpg
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https://abload.de/img/img_3369hskoo.jpg
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Zusätzlich zur Stamm-13 und als Ersatz der alten Linie 5 wurde die E13 Radebeul Ost - Reick eingeführt. Die Berufsverkehrs-Verstärker waren 1969 sogar extra im Fahrplanheft aufgelistet.

https://abload.de/img/img_4434bvk9w.jpg


Fensterschild der E13 aus dem Straßenbahnmuseum. Diese Schilder besaßen keine Haltestellenliste, sondern wurden beidseitig mit der Außenseite bedruckt. Daher genügt eine Aufnahme.

https://abload.de/img/img_3445szj1r.jpg


Nach der Stilllegung der Leubnitzer Strecke wurde die 13 nach Reick geführt und mit TATRA-Wagen bestückt. Die E13 mutierte ab 1976 zur 16 und befuhr nun die wiedereröffnete Zschertnitzer Strecke.

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https://abload.de/img/img_442455kgd.jpg


Viele Grüße

Antonstädter

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: Knut Ochdorf

Datum: 09.08.19 00:37

sprühwagenkiller schrieb:
Ich denke auch, dass es hier in Ri. Wasaplatz weiter geht. Es sind die Bremslichter beim TW zu sehen. Er wird sicher grad beim Ankuppeln sein. Die Fahrgäste auf dem Gehsteig warten hier bis er zurück gedrückt hat und durch den Gleiswechsel auf die richtige Seite gefahren ist.

Da ich der Autor dieser Bilder bin kann ich Deine Gedanken bestätigen. Die Bauarbeiten waren auf der Reicker Straße.

Knut

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: sprühwagenkiller

Datum: 09.08.19 16:41

"[Knut Ochdorf schrieb:]

Da ich der Autor dieser Bilder bin kann ich Deine Gedanken bestätigen. Die Bauarbeiten waren auf der Reicker Straße."


Oh, sorry. Ich hoffe, es war okay mit dem hier einstellen. Die Fotos sind sehr interessant für mich, da ich direkt an dieser Ecke gewohnt habe.

Grüße

Re: Strehlen Nachtrag

geschrieben von: Knut Ochdorf

Datum: 10.08.19 14:15

sprühwagenkiller schrieb:
"[Knut Ochdorf schrieb:]

Da ich der Autor dieser Bilder bin kann ich Deine Gedanken bestätigen. Die Bauarbeiten waren auf der Reicker Straße."


Oh, sorry. Ich hoffe, es war okay mit dem hier einstellen. Die Fotos sind sehr interessant für mich, da ich direkt an dieser Ecke gewohnt habe.


Danke, Du hast mir damit eine Arbeit abgenommen.

Knut