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[DO]: Neues vom Betriebshof Nette

geschrieben von: ArbTW980

Datum: 14.05.19 23:01

Schnabend Forengemeinde,

der Mai, der Mai, der lustige Mai... - hielt nach dem gelungenen Saisonauftakt am Bahnhof Mooskamp zum Tag der Arbeit schon wieder einige recht arbeitsame Stunden bereit, deren Ergebnisse ich hier gerne kurz bebildere:

Zunächst einmal hat ja der im November 2018 zugereiste, zweite GT8 (Wagen Nr. 13, Serie 1 - 15 (II), DÜWAG, Bj. 1974) am 01. Mai seine Premiere als "Mooskamp-Café" gut überstanden, wenn auch zunächst als Provisorium. Tische und Tresen sind überarbeitet, die an der Kampstraße kaputtgekloppten Deckenplatten getauscht und überflüssige Löcher in der Decke verschlossen. Am vergangenen Wochenende ging es weiter am Fahrzeug, es wurde mit einigen Tricks und Kniffen peu á peu die gesamte, originale Innenraum-Deckenbeleuchtung wieder in Betrieb genommen. Dies ist für die Extraschicht am 29.06.2019 von besonderer Bedeutung, das das Fahrzeug dann bis 2 Uhr nachts geöffnet sein wird.

Auch am Schwesterfahrzeug Nr. 87 (Serie 6 - 15 (I), 1974 umgenummert in 82 - 91, DÜWAG, Bj. 1969) wurde gearbeitet. Ein Anfang 2019 viel zu jung verstorbenes Vereinsmitglied hatte noch Ende 2018 mit hohem technischen Sachverstand und viel Liebe zum Hobby beide Fahrpulte elektrisch überholt. diese wurden nun eingebaut und elektrisch angeklemmt, so dass sich nun beide Köpfe wieder komplett und funktionstüchtig zeigen:

IMG_5148[1].jpg
Blick über das frisch revidierte Fahrpult von Flur II auf den Hof in das gleissende Sonnenlicht - in memoriam Dietmar...

Nach wie vor müssen am Wagen 87 die neu gewickelten Magnetschienenbrems-Widerstände unter dem Mittelteil wieder eingebaut und der Pumpen-Selbstschalter neu eingestellt werden, dann steht weiteren Tests unter 600 Volt nichts mehr entgegen...

Ehe hier Fragen aufkommen: Wagen 13 wird (auf absehbare Zeit) als stationäres Café genutzt und daher nicht betriebsfähig gemacht!

Andernorts schreiten die Metamorphosen voran. Mit flinken Fingern und tosenden Tackern arbeiten unsere Jugend-Mitglieder am Umbau des Essener Wagens Nr. 1101 (DÜWAG, Bj. 1979) zu einem waschechten Dortmunder. Kollege Zufall bescherte uns eine mehr als ausreichende Menge Kunstleder - zum Teil bereits maßgeschneidert - für den stilechten Bezug der Fahrgastsitze des M/N8C in der damals schwer angesagten Farbe "ochsenblutrot". Wagenteil I ist schon fertig:

IMG_5151.JPG
Na gut, die Türen sind noch gelb und die Halteschlaufen müssen noch ab, ansonsten sieht das doch schon sehr "dortmund-like" aus...

Leider war am M-Wagen ein Hydraulikschlauch der Federspeicherbremse geplatzt, so dass die Karre zum 01. Mai nicht wie geplant über den eigens dafür angelegten "Catwalk" unter dem Vordach weg und vor die neue Halle gezogen werden konnte. Nun muss der B-Teil von Wagen 1101 unter dem Dach gehoben werden, um an den abgeplatzten Schlauch zu gelangen und diesen auszutauschen. Dat gibt ne Maloche...

Ápropos Maloche: Viel Arbeit hatten wir ja die letzten beiden Jahre auch mit unserem Henschel-Gelenkbus Nr. 30 (ex Stadtwerke Trier, Bj. 1962). Hier war nach fettem Vandalismus in 2014 eine Voll-Restaurierung angesagt, die wir vor einigen Tagen abschließen konnten. Mit dem heutigen Tag erfolgte die Überstellung des Fahrzeugs zum DSW-Busbetriebshof Brünninghausen, da wir am Betriebshof in Nette nicht die Möglichkeit haben, das Fahrzeug von unten zu checken oder daran unterflur zu arbeiten. Gesagt - getan: Mit dicker schwarzer Kaltstart-Rußwolke bog der Henschel gg. 12:00 Uhr mittags in die Emscherallee ein, folgte dann der Ellinghauser und Lindenhorster Straße in Richtung Innenstadt, am HBF Nord vorbei ging es über Union-, Lindemannstraße und Krückenweg dann Richtung Beilstück und von dort über Stockumer Straße zum Busbetriebshof, wo das Fahrzeug neugierig von vielen DSW-Mitarbeitern empfangen wurde.

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Tach, ich bin der Neue - Henschel-Gelenkbus nach seiner Ankunft am Busbetriebshof Brünninghausen in stilechter Begleitung

Erste Untersuchungen in der dortigen Betriebswerkstatt ergaben von unten keine TÜV-relevanten Mängel. Nun wird in den nächsten Tagen nach langer Standzeit die Trommelbremse eingefahren und nachgestellt, dann kommt die HU und dann sehen wir mal weiter...

Wer möchte kommt uns besuchen am Vatertag, dem Himmelfahrtstag am 30.05.2019. Das Museum hat von 11 - 18 Uhr geöffnet, es findet Fahrbetrieb statt.

Aktuelle Termine unter -> [bahnhof-mooskamp.de]

Re: [DO]: Neues vom Betriebshof Nette

geschrieben von: KN58

Datum: 19.05.19 21:47

Wieder ein schön anzusehender Beitrag. Vielen Dank! Und mein Beileid wegen dem verstorbenen Vereinsmitglied. Der Tod tritt leider oftmals sehr plötzlich ein...


ArbTW980 schrieb:
Leider war am M-Wagen ein Hydraulikschlauch der Federspeicherbremse geplatzt, so dass die Karre zum 01. Mai nicht wie geplant über den eigens dafür angelegten "Catwalk" unter dem Vordach weg und vor die neue Halle gezogen werden konnte. Nun muss der B-Teil von Wagen 1101 unter dem Dach gehoben werden, um an den abgeplatzten Schlauch zu gelangen und diesen auszutauschen. Dat gibt ne Maloche...
Ist der Schlauch beim manuellen Aufpumpen der Federspeicherbremse vom Führerstand aus geplatzt? Das passiert schnell. Man kann an die Notlösepumpe ein Überdruckventil nachrüsten. Ich persönlich schalte aber grundsätzlich die Fahrzeugbatterie ein - falls möglich - und achte beim Pumpen auf die Kontrolllampen und weiß somit, wann es reicht.

Falls euch der Schlauch vom Notlösen geplatzt ist, dann müsst ihr nicht unbedingt unter dem Vordach arbeiten, falls euch das viele Umstände bereitet. Wenn ihr zwei Handpumpen habt, könnt ihr die Pumpen direkt an die Drehgestelle anschließen.

So habe ich das mal gemacht. Damals musste ich einen fahrunfähigen M-Wagen abschleppen, der sich nicht elektrisch einschalten ließ, um die Bremsen elektrisch zu öffnen. Zufällig war auch noch eine der beiden im Fahrzeug verbauten Notlösepumpen defekt. Somit konnte ich nur zwei von vier Drehgestellen notlösen.
Geholfen haben mir dabei zwei Handpumpen. Am Triebdrehgestell öffnete ich eine Bodenklappe. Dort ist der Hydraulikschlauch vom Wagenkasten zum Drehgestell. Den Schlauch habe ich gelöst und direkt am Triebdrehgestell die eine Handpumpe angeschlossen.
Am Laufdrehgestell kroch ich unter das Mittelteil, löste den Hydraulikschlauch am Hydrogerät und steckte dort die zweite Handpumpe an. Die zweite Handpumpe konnte ich an einer Strebe unter dem Mittelteil festbinden.

Falls ihr zwei Handpumpen habt, könnt ihr euren M-Wagen wenigstens noch vorschieben.

Re: [DO]: Neues vom Betriebshof Nette

geschrieben von: derasselner

Datum: 21.05.19 09:45

Vielen Dank für das Update!
Immerhin der Bus darf mal DSW Luft schnuppern ;-)
Zur originalen Deckenbeleuchtung des GT8 , waren die Leuchtstofflampen direkt mit Fahrspannung versorgt? Da gibt es doch bestimmt einiges umzuklemmen, damit das mit "normalem" Strom aus der Steckdose funktioniert. Aber schön wenn es leuchtet wie es sich gehört!

Re: [DO]: Neues vom Betriebshof Nette

geschrieben von: ArbTW980

Datum: Gestern, 10:23:47

Moinsen,

vielen Dank für die Tipps zum Federspeicher des M8C - inzwischen ist der Schlauch raus und kann ersetzt werden. Wir haben drei oder vier dieser Handpumpen, so dass wir letztlcih tatsächlich alle Gestelle freipumpen könnten - aber gewußt wie... Gibt´s denn da irgendwo Absperrhähne, damit das Hydrauliköl nicht wegkann?

Zu den GT8-Deckenleuchten: Ja, die sind direkt mit 600-Volt in 4 in einander verschlungenen, Reihen-Lichtkreisen betrieben und wir werden das mittels eines kleinen Umformers 230/600 Volt auch so belassen. Die 230-Volt-Einrichtung soll lediglich den Thekenbereich versorgen und wird entsprechend umgebaut.

Himmelfahrt (30.05.19) ist von 11 - 18 Uhr offen!

Aktuelle Termine unter [bahnhof-mooskamp.de]

Re: [DO]: Neues vom Betriebshof Nette

geschrieben von: KN58

Datum: Gestern, 21:40:17

ArbTW980 schrieb:
vielen Dank für die Tipps zum Federspeicher des M8C - inzwischen ist der Schlauch raus und kann ersetzt werden. Wir haben drei oder vier dieser Handpumpen, so dass wir letztlcih tatsächlich alle Gestelle freipumpen könnten - aber gewußt wie... Gibt´s denn da irgendwo Absperrhähne, damit das Hydrauliköl nicht wegkann?
Bei den DÜWAG-Drehgestellen, die ich kenne, gibt es keine Absperrhähne. Auch nicht bei anderen Drehgestellen, an denen ich bisher gearbeitet habe.
Hydraulikanschlüsse sind Steckkupplungen und diese sind sozusagen gleichzeit Absperrhähne. Steckt man einen Schlauch ab, dann sperrt die Kupplung ab und die Flüssigkeit läuft nicht ab. Wenn aber auch die Kupplung kaputt ist, dann läuft das Hydrauliköl raus.

Bei euch ist offensichtlich der Schlauch für das Notlösesystem geplatzt. Im Grunde genommen steckt man nur den defekten Schlauch ab und den neuen Schlauch dran. Die eigentliche Arbeit besteht darin, das ganze System wieder zu entlüften.
Ich gehe stark davon aus, dass bei eurem M-Wagen wie bei allen anderen auch die Notlösepumpe auf dem A-Kopf nur die Drehgestelle Trieb A und Lauf A notlöst und die Notlösepumpe auf dem B-Kopf nur die Drehgestelle Trieb B und Lauf B. Das sind zwei voneinander getrennte Systeme. Will man alle vier Drehgestelle notlösen, muss auf beiden Köpfen gepumpt werden.

Wenn sich der geplatzte Schlauch auf A befindet, dann muss auch nur die Seite A entlüftet werden, weil zwischen A und B keine hydraulische Verbindung besteht. Jedenfalls bei dem Typ, den ich kenne. In Essen war es aber ganz sicher nicht anders.

Das Entlüften habe ich nie selbst gemacht, aber meine Arbeitskollegen ein paar Mal dabei gesehen, nachdem sie defekte Pumpen oder Schläuche getauscht haben und danach entlüften mussten. Bei eingebauten Drehgestellen wie in eurem Fall haben sie nur an der Pumpe im betroffenen Führerstand entlüftet. Sie haben aufgegepumpt, dabei Hydrauliköl nachgefüllt und die Bremse dann wieder geschlossen. Das mehrfach wiederholt, bis man nur 10-20 Mal pumpen musste, um beide Drehgestelle notzulösen. Damit waren sie dann aber auch 30-60 Minuten beschäftigt. Meines Wissens nach ging das noch professioneller, aber das war eine gute Variante mit wenig Aufwand und einfachen technischen Mitteln.
Am besten geht das auf diese Art, wenn die Fahrzeugbatterie eingeschaltet ist, weil man dann die Kontrollleuchten beobachten kann. Ansonsten muss sich jemand neben das Fahrzeug legen und die Bremsbacken beobachten. Es kann sein, dass eines der beiden Drehgestelle später löst. Das ist normal. Da musste ich bisher nie mehr als fünf Mal pumpen, bis dann auch das andere Drehgestell gelöst war.

Die Drehgestelle eures M8C haben ganz bestimmt auch Entlüfungsnippel. An die kommt man im eingebauten Zustand wohl nicht heran. Mit ihnen entlüftet man das Drehgestell, wenn es ausgebaut ist und überholt wird. Das funktioniert dann ähnlich wie beim PKW.



Nachträgliche Anmerkung:
Eben ist mir in den Sinn gekommen, dass ich das mit dem Absperrhahn vielleicht falsch verstanden habe. Ist vielleicht damit gemeint, dass man die Bremse notlöst, einen Sperrhahn schließt und dann die Pumpe absteckt und somit die Bremse dauerhaft offen bleibt?
Sowas ist mir nicht bekannt. Das wäre auch schlecht für die Federspeicher, weil sie so lange Zeit unter Druck stehen.
Man kann alternativ die Bremse notlösen, alle Bremsgestänge weit aufdrehen und dann den Druck wieder ablassen. Dann greifen die Bremsbeläge nicht mehr und die Bremse ist drucklos. Auf diese Art kann man den Wagen auch für lange Zeit rollfähig halten. Allerdings erreicht man die Verstellmechanik nur in einer Grube.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am gestern, 23:35:00.