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[RO] - Tipps für Bukarest?

geschrieben von: Tramubus

Datum: 13.05.19 15:12

Hallo,

der diesjährige Urlaub führt uns für vier Tage in die Kapitale Rumäniens, die natürlich auch schienenmäßig bereist werden will. Gerne würde ich mir ein paar Tipps holen, was man tram- und ggf. kombiniert auch metromäßig gesehen haben sollte, insbesondere:
Welche Strecken lohnen sich (auch touristisch)?
Gibt es besondere Fahrzeugeinsätze?
Besteht die Chance, einen Münchner M-Wagen (als Arbeitswagen) zu erblicken?
Wie organisiert man sich eine 7-Tage-Karte?
Sollte man sonst etwas wissen?

Danke schon einmal für sachdienliche Unterstützung und

Gruß,
Tramubus

Re: [RO] - Tipps für Bukarest?

geschrieben von: no-night

Datum: 13.05.19 16:59

Fahrkarten: Laut Webseite von Verkehrsbetriebe gibt's Automaten am Flughafen und Nordbahnhof ebenso. Hinzu noch auch Verkaufskiosks, wo man die elektronischen Karten bekommt: [stbsa.ro]

Wochenkarte geht aber nur zu personengebundenen Karten - und das ist für Touristen immer sehr schwer zu kriegen. Tagesfahrscheine gibt's für 8 lei, aber das gilt nur für Oberflächenverkehr, für Metro noch das selbe Preis zu zahlen. .. aber dort ist Wochenkarte problemlos für 25 lei zu lösen.

Meine Erfahrung ist jedoch, daß Oberflächenverkehr miserabel ist, bei meinem ersten Besuch habe ich lieber viel spaziert oder den Metro benutzt, bei zweitem konnte ich am Unterkunft kostenlos Fahrrad nehmen. (Dazu ist Bukarest bestens geeignet, da sie flach ist, und die größeren Strassen auch Radwege haben.)

Von Strassenbahnen würde ich die Linien 16, 21, 24, 41 und 44 sagen, zumindest deren inneren Teile, außen eher trostlos - es sei denn, du hast Bock auf Plattenbauten. Die Metrolinien sind alle unterirdisch, keine der Stationen haben künstlerisches Wert.

Abseits von Verkehr ist die Villa von Ceausescu höchstens empfehlenswert, auch statt dem üblichen Parlament-Besuch. Das umliegende Gegend samt dem Herastrau-Park ist der beste Stadtteil aus jedem Hinsicht. Für Architekturliebhaber ist auch der Cotroceni-Palast ein Muß.

Re: (RO) - Tipps für Bukarest

geschrieben von: Solo-Tw

Datum: 13.05.19 17:03

Hallo Tramubus,

es gibt im DSO-Straßenbahn-Forum einen umfangreichen Bericht über Bukarest. Dort wird auch die „card Activ nominal“ erwähnt. Bereits ab 2 Tagen ist diese günstiger als die Nutzung der „card Activ nenominal“. Diese Karten gelten nicht für die Metro.

Gruß

Solo-Tw



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.05.19 18:24.

Re: (RO) - card Activ nominal

geschrieben von: Solo-Tw

Datum: 13.05.19 17:27

no-night schrieb:
Wochenkarte geht aber nur zu personengebundenen Karten - und das ist für Touristen immer sehr schwer zu kriegen.
Hallo,

so ganz zutreffend ist das nicht. Ich habe mir die „card Activ nominal“ an einem Kiosk am Nordbahnhof geholt. Nachdem ich meinen Personalausweis vorgelegt hatte, bekam ich eine englische Datenschutzerklärung, welche ich unterschreiben musste. Danach wurde mir die Karte ausgestellt. Die Karten haben kein Passbild. Kollegen, welche später eintrafen, hatten allerdings Probleme und wurden an eine andere Stelle verwiesen. Ich war nicht dabei und kann nicht beurteilen, ob es möglicherweise Sprachprobleme gab. Zu beachten ist allerdings, dass es auch Kioske gibt, wo ausschließlich die Aufladung bereits vorhandener Karten möglich ist.

Gruß

Solo-Tw



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.05.19 18:23.

Re: [RO] - Tipps für Bukarest?

geschrieben von: Michael Kochems

Datum: 13.05.19 17:28

Hallo,

ich versuche mich einmal an ein paar Beschreibungen :-)

Tickets: Das ist tatsächlich recht einfach für die Metro - in jeder Haltestelle gibt es Automaten mit mehrsprachiger Menüführung.
Für Straßenbahnen ist das schon etwas komplizierter, da es bis auf die genannten Stellen kaum Automaten gibt, Man muss zum Kauf an die RATP-Kiosks - die gibt es an vielen Haltestellen, aber längst nicht an allen. Das Problem ist, dass dort häufig außer mit Rumänisch bei komplizierteren Sachen kaum ein Durchkommen ist - da sitzen nämlich meist ältere Damen und Englisch ist da nicht... Ich habe mal versucht herauszufinden, ob man die Papier-Tageskarten auch wieder aufladen kann, denn die kosten acht Lei für die Karte plus 1,2 Lei für das 24 h Ticket selber - keine Ahnung, warum man dann nicht direkt 9,2 Lei nimmt... Jedenfalls hat mich ein rumänischer Kollege begleitet, und selbst der ist fast verzweifelt...und nein, man kann sie nicht wieder aufladen.
Also: Wenn möglich am Automaten eindecken!

Für schnelles Fortkommen ist die Metro wirklich super. Vorsicht bei der Nord-Süd-Linie - morgens rund um 9 Uhr Richtung Norden und nachmittags ab 17 Uhr Richtung Süden speziell im Nordteil bis Universitate Erstickungsgefahr in den Wagen... das liegt u.a. an den neuen Bürogebieten um Pipera.

Die Münchner M-Wagen sind Arbeitswagen und eigentlich täglich immer irgendwo im Netz unterwegs, aber es ist kaum vorherzusagen, wo. Fotos im Betriebshof sind so gut wie unmöglich (ich war sogar schon bei den Leitern und habe freundlich gefragt, wurde aber jedes Mal weggeschickt - nein, ich habe nicht direkt mit Bakschich gewunken, vielleicht war das der Fehler...) und selbst bei Bildern durch den Zaun von der Straße aus hatte ich schon zweimal Diskussionen mit dem Wachpersonal (Depots Dudesti und Victoriei). Ausgerechnet im Depot Dudesti stehen auch die historischen Wagen...

Gute Fotostellen sind wegen des dichten Straßenverkehrs für die Straßenbahn nicht ganz einfach: Mein Haupttipp wäre der Kreisel Obor im östlich vom Stadtzentrum. Da gibt es mehrere Linien mit viel Verkehr und man kann einigermaßen störungsfrei stehen. Übrigens kam dort bisher jedes Mal auch ein M-Wagen vorbei.
Etwas ländlich ist die Linie 16 im Norden kurz vor Pipera am Lacul Tei. Ländlich heißt für Bukarester Verhältnisse aber nur, dass links und rechts ein paar Büsche und kaum Häuser stehen...

Fahrzeugseitig ist Bukarest nach wie vor fest in der Hand der achtachsigen Eigenbauten der Hwst. Immerhin gibt es die in einigen Exemplaren auch in Zweirichtungsausführung. Dann kommen immer wieder ein paar (Halb-)Niederflurwagen vorbei, ebenfalls aus eigener Fertigung. Vor allem westlich des Stadtzentrums laufen auf einigen Linien auch Tatras. Hier wäre eine ganz nette Fotostelle in der Blockschleife der Linie 44 in der Strada Grigore Cobalcescu.

Fürs Sightseeing: Ceacescus Palast wurde schon genannt, der ist wirklich riesig, soll wohl nach dem Pentagon das flächenmäßig zweitgrößte Gebäude der Welt sein. Ansonsten mal die Calea Victoriei entlang spazieren - da gibt es mehrere Museen, pittoreske Kirchen und schöne Gebäude. Dann hat auch Bukarest seinen Triumphbogen - ganz nach dem Vorbild von Paris. Der steht im Norden und ist in fünf Minuten zu Fuss von der Metrostation Aviatorilor zu erreichen.

Ich hoffe, das hilft schon etwas. Sonst einfach noch konkret fragen.
Viel Spaß im "Paris des Ostens"!

Michael

Re: (RO) - card Multiplu / card Activ nenominal

geschrieben von: Solo-Tw

Datum: 13.05.19 17:52

Michael Kochems schrieb:
Ich habe mal versucht herauszufinden, ob man die Papier-Tageskarten auch wieder aufladen kann, denn die kosten acht Lei für die Karte plus 1,2 Lei für das 24 h Ticket selber - keine Ahnung, warum man dann nicht direkt 9,2 Lei nimmt... Jedenfalls hat mich ein rumänischer Kollege begleitet, und selbst der ist fast verzweifelt...und nein, man kann sie nicht wieder aufladen
Hallo,

man muss unterscheiden zwischen zwei unpersönlichen Karten:

Die card Multiplu hat nach den Angaben im Preisverzeichnis einen Preis von 1,6 lei, die card Activ nenominal hingegen von 3,7 lei. Erstere kann man nicht wieder aufzuladen, Letztere hingegen schon.

Gruß

Solo-Tw



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.05.19 18:24.

Re: (RO) - Depotbesuche Bukarest

geschrieben von: Solo-Tw

Datum: 13.05.19 18:23

Hallo,

im Rahmen einer vom VDVA im Jahr 2018 organisierten Kurzreise waren Depotbesuche möglich dank des sehr großen Engagements des Organisators Lars Richter.

Gruß

Solo-Tw

Re: (RO) - Depotbesuche Bukarest

geschrieben von: Lars F. Richter

Datum: 13.05.19 19:00

Für Gruppen ist es möglich, für Einzelpersonen wird man vsl. keinen Mitarbeiter übrig haben (wird zur Begleitung benötigt). Mittags sind meist 2-3 ATw im Depot Victoriei zu Besuch. Die kommen also dorthin und fahren dort nach 0,5-1 Stunde oder so wieder ab (Kleinersatzteile werden dort ab geholt)...

Re: (RO) - Depotbesuche Bukarest

geschrieben von: Frederik Buchleitner

Datum: 13.05.19 19:36

Bei zwei Besuchen in den Jahren 2014 und 2015 waren jeweils spontane Besichtigungen möglich, stets beginnend ab der Hauptwerkstätte mit telefonischer Übergabe an das Depot Dudești. Andere Besucher hatten dagegen weniger Glück, da kommt es wohl wirklich auf die aktuelle Lage im Betrieb und die Laune der diensthabenden Personen an.
Die Arbeitswagen im Depot Victoria im Oktober 2018 dürften übrigens den Umbauarbeiten in der Hauptwerkstätte geschuldet gewesen sein, normal steuern die mittags eigentlich das URAC-Gelände an.

Tatra-Linien (nur noch Solo) waren zuletzt die Linien 8, 11, 35 (alle Kurse), 44 (alle Kurse) und 47 (alle Kurse). Den verbliebenen Tatras dürfte es wohl in der nächsten Zeit an den Kragen gehen, entsprechende Gerüchte machen immer wieder die Runde.
Wirklich schöne Abschnitte finden sich in der Innenstadt oder wer es dörflicher mag auf dem gemeinsamen Streckenast der Linien 11 und 44 im Nordwesten, rund um die Endstelle Zețarilor der Linien 8, 11 und 23. Große Teile des Netzes sind hässlich, aber auch bei einigen Tagen Aufenthalt wird es einem nicht langweilig, wenn man denn erst die schönen Ecken gefunden hat.

Fast jedes Depot verfügt über zwei oder mehrere ehemalige Münchner M5-Wagen im Arbeitsdienst, teilweise neben der vierachsigen Bauart auch noch weiter umgebaut und mit Lastenkränen ausgestattet. Bestimmte Wagen dienen nur im Betriebshof, andere verlassen wie von Michael Kochems erwähnt auch regelmäßig für Transportfahrten das Depot. Mindestens im Depot Alexandria versieht auch noch ein EP-Vierachser regelmäßige Dienste im Netz als Arbeitswagen. Zur Bewässerung der Strecken dient im Sommer Nachts ein M4/m4-Zug, der meistens (gut versteckt) im Depot Titan abgestellt ist.

Re: [RO] - Tipps für Bukarest?

geschrieben von: no-night

Datum: 13.05.19 20:25

Michael Kochems schrieb:
Fürs Sightseeing: Ceacescus Palast wurde schon genannt, der ist wirklich riesig, soll wohl nach dem Pentagon das flächenmäßig zweitgrößte Gebäude der Welt sein. Ansonsten mal die Calea Victoriei entlang spazieren - da gibt es mehrere Museen, pittoreske Kirchen und schöne Gebäude. Dann hat auch Bukarest seinen Triumphbogen - ganz nach dem Vorbild von Paris. Der steht im Norden und ist in fünf Minuten zu Fuss von der Metrostation Aviatorilor zu erreichen.
Was du meinst, ist das Parlament, was eigentlich auch mit der Beiname "Palast" erwähnt wird, diente aber auch in den Ceausescu-Zeiten nur für Arbeits- und Empfangszwecken. Das wird aber laut der Zutreffenden Webseite in den kommenden Monaten nicht mehr besuchbar - [cic.cdep.ro] - aber der Zeitgeist ist in von mir erwähnten Villa - also Wohnsitz der Ceausescu-Familie - viel besser zu spüren, und bietet mehr für Kunstliebhaber. Übrigens auch der Triumphbogen ist unweit von dieser Villa und dem durch mir erwähnten Herastrau-Park zu finden, also paßt schön zusammen.

Hinzu noch die Altstadt, wo es neben vielen herunterkommenen Häusern einige schöne Kirchen und alten Gaststätten - Hanul lui Manuc und Carul cu bere - zu finden sind, gilt aber durchaus als Gastro- und Unterhaltungsquartier. Da kann man überall gut essen - magisches Wort ist noch immer "la gratar" (d.h. auf Rost) - und auch dort für die landesüblich unschlagbar günstigen Preisen. (Und wer nur für schnelles Imbiß Lust bzw. Zeit hat - insbesondere bei einem Weilen in Außenbezirken - muß einfach nur ein Kaufland suchen, dort steht ja vor dem Laden kein Würstelstand, sondern wird Mici und Schweinesteak gegrillt.)

Re: [RO] - Tipps für Bukarest?

geschrieben von: Tramubus

Datum: 14.05.19 09:44

Das sind viele interessante Informationen - dafür herzlichen Dank!
Für die Herausforderung des Fahrkartenkaufs habe ich mir nun das Tarifblatt (auf Rumänisch) ausgedruckt und hoffe, damit erfolgreich zu sein. Ansonsten lasse ich mich einfach mal auf diese kontrastreiche Stadt und die bei Nutzung ihres ÖPNV wohl notwendige Entschleunigung ein, wenn sie denn zum jeweiligen Ziel führt.

Ein Gruß von
Tramubus

Re: [RO] - Tipps für Bukarest?

geschrieben von: sepruecom

Datum: 14.05.19 11:06

Na ja, die 41 ist nur dann wirklich empfehlenswert, wenn man die vermutlich langsamste "Schnellstraßenbahnlinie" der Welt befahren möchte. Ich war letzten Sommer dort, der Gleiszustand war generell schlecht, weite Teile des Netzes wurden mit unter 30 km/h befahren (die Linie 41 hat auch nur auf wenigen Abschnitten mehr als Tempo 30 geschafft).

Die (bereits erwähnte) Linie 21 gibt eine gute Übersicht darüber, was die Stadt zu bieten hat: Beginnend am Rande des Piata Urinii (ääähm, Unirii, momentan Schleife Sf. Gheoghe, aber das kann wechseln) fährt sie erst durch diese typisch süd-ost-europäsche Kleinstadtbebauung (die Millionengrenze hat Bukarest erst nach dem 2. Weltkrieg überschritten), es gibt einzelne größere Bürgerhäuser, die allgegenwärtigen Plattenbauten, weiter außen auch Einfamilienhaussiedlungen und kleinere Industriegebiete (Führerstandsmitfahrt: [www.youtube.com] . Dieser Kanal bietet generell Führerstandsmitfahrten von fast allen Straßenbahnlinien der Stadt)

Die Linie 16 (ex Sf. Gheorge) lässt sich mit der Linie 36 kombinieren, die einen zum heruntergekommen Lokalbahnhof Titan Sud bringt. Außerdem hat dieser U-Bahn-Anschluss. Man kann aber auch zurückfahren nach "Bulevardul Basarabia" (lt. Netzkarte) bzw. Soseaua Morarilor) (Besarabia ist das rumänische Wort für Moldavien, entsprechende Grafittis beziehen sich auf "Wiedervereinigungsforderungen"), man sieht die O-Busse an einer großen Kreuzung links im Gebüsch stehen, rechts ist ein MegaImage-Supermarkt. Hier kann man mit der O-Bus-Linie 79 zum Gara De Nord oder mit der 70 in die Innenstadt zurückfahren.

Die Linien 1 und 10 sind "mausförmige" Ringlinien, welche den gesamten "Bürgerstadtbereich" umfahren (mit Betonung auf Umfahren, man sieht hauptsächlich Plattenbauten und Industriegebiete). Sie sind Ringlinien mit einem "Schwanz".

Die Linie 42 fährt mit einem einzigen Kurs alle 66 Minuten und hat einige recht pittoreske Abschnitte (speziell in der Nähe der Metrostation "1 Mai"). Kann man auch mit der Ankunft der vorher erwähnten O-Bus-Linie 79 kombinieren.

Es gibt "70%-Niederflurwagen", die ausschließlich auf der 1 verkehren, "10%-Niederflurwagen", die auf der 10 sowie einigen anderen Linien fahren, Sechachser (ausschließlich Linie 8), ZR-Wagen (55 ist derzeit die einzige ZR-Linie, einzelne Wagen sind auch auf anderen Linien zu finden), Tatras (werden vom Depot Militari eingesetzt), der Rest sind die typischen V3A-Achtachser. Die einzigen Wagen mit richtig aufmachbaren Fenstern sind die Tatras, und von den Niederflurern abgesehen ist nichts klimatisiert. Es empfiehlt sich, ein starkes Deo einzupacken, wenn man bei warmen Wetter Trambahnfahren will.

Beim O-Bus gibts zwei Modelle, zum einen ca. 200 Ikarus 412-T, zum anderen 100 niederflurige Irisbus. Wie (fast?) alle anderen Busse sind es alles Solofahrzeuge, mir ist in 5 Tagen dort kein einziger Gelenkbus begegnet (bei einer Youtube-Führerstandsmitfahrt habe ich aber einen Gelenk-Bus gesehen). Klimatisiert sind hier auch nur die Irisbus.

Die Altstadt selber ist geprägt von Grill-Restaurants, Strip-Clubs und Beer-Houses. Sie ist etwa einen knappen Quadratkilometer groß, beinhaltet aber sonst nicht viele Sehenswürdigkeiten (ein altes Kloster, ein paar Kirchen, etc). Der Innenstadtbereich ist geprägt von wenigen "Burgoisen" Häusern und sonst eher kleinstadtmäßig bebaut. Außen gibt es massenhaft Plattenbauten sowie auch Einfamilienhaussiedlungen. Bukarest ist im Großen und Ganzen ein Kreis mit ca. 20 km Durchmesser, nicht vollständig ausgefüllt, aber mit über 2 Millionen Einwohnern, die weitestgehend in Plattenbauten komprimiert gehalten werden. Im Norden gibt es eine Art "Totarmring" (also eine Seenlandschaft, die vermutlich aus Totarmen eines Flusses entstanden ist), dieser stellt bedeutende Parkanlagen dar.

Apropos Kirchen, es lohnt sich, seine Mitfahrgäste zu beobachten. Sobald sie anfangen, sich hektisch zu bekreuzigen, ist irgendwo eine Kirche in der Nähe. Da Rumänien seine eigene Staatskirche hat/hatte, war diese von der religiösen Unterdrückung im Kommunismus nicht so betroffen (wenn auch zum Preis der Kollaboration), es gibt daher auch in den Plattenbausiedlungen viele rumänisch-orthodoxe Kirchen.

Auch die Umgebung der Metrostation "Eroii Revolutiei" fand ich interessant.

Die vor Jahrzehnten diskutierten Straßenkinder sind zwar selten, aber vorhanden. Die Armut ist nicht gar so offensichtlich wie in manchen anderen rumänischen Städten, aber ebenfalls vorhanden. Der Autoverkehr ist zwar wild, aber bisher haben alle Autofahrer gebremst, wenn ich plötzlich Richtung Fahrbahn losgelaufen bin. Dafür behindern sie den ÖPNV wo sie können, so dass (besonders zur HVZ) Bahnen mitunter mehrere Ampelphasen brauchen, um über eine Kreuzung zu kommen. Straßenhunde sind mir keine begegnet, aber dafür einige der ausgemergeltsten Katzen, die ich je gesehen habe.

Tickets habe ich relativ problemlos am Flughafen bekommen, die Schalterfrau (wie anderswo beschrieben älteres Semester) hat mir einen fleckig-speckigen Flyer in die Hand gedrückt, der aber immerhin englischsprachig war. Damit habe ich eine der wiederaufladbaren, Namensgebundenen Karten kaufen können. Metrokarten braucht man extra, aber ich hatte mich eh auf den Oberflächenverkehr konzentriert (die 4.5 Tage haben gereicht, um das Netz abzufahren und einige "Lieblingsstrecken" (1, 8, 11, 19) nochmal abzufahren. Den O-Bus habe ich nicht ganz geschafft.

Aushangfahrpläne gibt es nur wenige (u.a. Linien 1, 10, 21, 32 und noch ein paar), entlang der 55 gibt es ein paar Haltestellen mit "nächster-Zug-Anzeige". Die Weichensteuerungen sind entweder nicht vorhanden oder kaputt/ausgeschaltet, nur bei einer handvoll Weichen konnte der Fahrer in seiner Kabine bleiben. Viele Linien werden (zumindest nach westeuropäischem Standard) eher selten befahren, Google Maps oder die Seite des Betreibers kann aber als Anhaltspunkt dienen.

Die Metro war 2,5 Lei für eine Einzelfahrt und 5 Lei für Hin- und Rückfahrt. Es existiert ein geschlossenes Stationssystem (Zugangssperren), erstmal drin wird wohl nicht kontrolliert (viele Einheimischen haben ihre Tickets gleich nach Durchschreiten der Sperren weggeworfen). Man kann also für knapp 60 ct. das gesamte U-Bahn-Netz abfahren, sofern man es nirgendwo verlässt und die ca. 4 Stunden einplant, die das dauert. Auch die Metrolinie 1 hat "Mausform", an der Station "Dristor" bzw. "Dristor 2" muss man einen Fußweg zurücklegen, um umzusteigen. Einen Fußweg muss man auch am Piata Unirii zurücklegen, um von der M1/M3 zur M2 zu kommen. Die Altwagen Bauart "Astra" werden auf der M4 eingesetzt (sofern überhaupt), sonst fahren neuere, westliche Bauserien.

Vom Flughafen kommt man mit einem "Expressbus" in die Stadt. Damals gab es 2 zur Auswahl, inzwischen scheinbar 4. Die "Expressbusse" unterscheiden sich von den Normalen Bussen nur dadurch, dass sie mehr kosten, ansonsten halten sie an jeder Milchkanne (wann ist diese Fahrt endlich ZU ENDEEEEE?!?). Ich habe das Budapester Schnellbussystem sooo vermisst...

Gruss, sepruecom

Aus einem sozialistischen System ein kapitalistisches zu machen, ist, wie aus einem Omelett ein intaktes Ei zu machen (Unbekannter Verfasser)

Der gescheiterte US-Präsidentschaftskandidat John McCain zu seiner Nachtruhe: Seit seiner Niederlage schlafe er wie ein Baby: "Zwei Stunden schlafen, aufwachen und heulen, zwei Stunden schlafen". Quelle

Re: [RO] - Tipps für Bukarest?

geschrieben von: no-night

Datum: 14.05.19 12:51

sepruecom schrieb:
Die vor Jahrzehnten diskutierten Straßenkinder sind zwar selten, aber vorhanden. Die Armut ist nicht gar so offensichtlich wie in manchen anderen rumänischen Städten, aber ebenfalls vorhanden. Straßenhunde sind mir keine begegnet, aber dafür einige der ausgemergeltsten Katzen, die ich je gesehen habe.
In 2015 bzw. 2016 habe ich zwar nur die "gepflegteren" Innenbezirke besucht, aber ich habe weder Bettelkinder, noch Hunde gesehen. (Einzig, wo ich so'was in Rumänien erfuhr, war Braila, auch dort nur außerhalb der Innenstadt.) Einige volljährige Bettler kamen um Nordbahnhof und um Altstadt vor, aber nicht im größeren Stückzahl als in anderen Großstädten.

Re: [RO] - Tipps für Bukarest?

geschrieben von: sepruecom

Datum: 14.05.19 14:33

Ich habe "meine" Straßenkinder in der Nähe von Dristor (Kreuzung Tramlinien 1/10/19/23/27) gesehen, nach Einbruch der Dunkelheit, wie sie mit Laserpointern Autofahrer angeleuchtet haben :-/

Auch sonst waren in ärmeren Vierteln nach Einbruch der Dunkelheit ganze Familien mit Kindern draußen, die waren aber mit sich selbst beschäftigt. Es war eben Hochsommer und heiss, da haben manche eben ihre Spätabende draußen verbracht. Da der Tagverkehr im ÖPNV gegen 22:30 langsam aufhört, kann ich von noch später Abend keine Angaben treffen (habe so einige mal die jeweils letzte Straßenbahn zurück zu meiner Unterkunft, eine Pension nahe Piata Unirii, genommen).

(Ist man "am andere Ende der Stadt", sollte man gegen 22:00 Uhr "nach Hause tendieren", da dann langsam die Umsteigemöglichkeiten von der Innenstadt aus knapp werden. Es gibt ein umfangreiches Nachtbusnetz vom Piata Unirii aus, das habe ich aber lieber nicht ausprobiert (der Tagverkehr war schon kompliziert genug).)

Gruss, sepruecom

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Re: [RO] - Tipps für Bukarest?

geschrieben von: Nailik

Datum: 14.05.19 17:55

Hallo!

Es wurde ja schon viel gesagt, was ich auf jeden Fall empfehlen würde, sind die Abschnitte in der Nähe des Parcul Carol, vor allem von dort in Richtung Piața Unirii (Linien 7,27,27,47), davon, wie schon erwähnt, die 47 sogar mit Tatra T4R. Die Steigung hoch zur Autogara Filaret ist nicht nur als solche interessant, es lohnt sich auch, den heutigen Busbahnhof kurz anzusehen, ursprünglich war es nämlich der erste Bahnhof Bukarests.

Zum anderweitig angesprochenen Thema Essen: Ich finde, in der Altstadt (oder genauer Lipscani-Viertel) geht es schon sehr touristisch zu, mit entsprechenden Preisen, aber natürlich sind z.B. Hanul lui Manuc oder Caru cu Bere schon an sich sehenswert. Ich finde übrigens auch, dass es nicht immer Gegrilltes sein muss, die rumänische Küche hat viel mehr zu bieten! Immer gut gegessen habe ich beispielsweise hier: Restaurant Lascăr. Die Speisekarte ist auch auf englisch, leider ist aber die Karte letztes Jahr "überarbeitet" und die Preise ordentlich erhöht worden.
Mir die Gegend, in der dieses Restaurant liegt, allgemein sehr, hier man kann dort auch sehr schön mit den Trolleybuslinien, die über den Universitätsplatz fahren, hingelangen und diese auf der Piața Rosetti oder dem Parcul Izvorul Rece fotografieren. Es gab auch lange Zeit ein gleichnamiges Restaurant, das leider mittlerweile geschlossen hat. In der Nähe befindet sich auch der Foișorul de Foc (Feuerturm), den man ebenfalls mit Trolleybussen aufnehmen kann, außerdem gibt es dort einen schönen Biergarten!

Und für Mici würde ich jetzt eher weniger die Kaufland-Grills empfehlen, als vielmehr z.B. auf der Piața Obor (mit Straßenbahnen 1, 21, 46 und Metro M1 zu erreichen) an einen der vielen Grillstände zu gehen, es lohnt sich :).

Ach ja: An der Piața Sf. Vineri, wo die Linien 14, 40, 55, 56 innerstädtisch enden, ist eine Filiale der Café-Kette zoomserie, wo es wunderbare Kuchen, Desserts, Limonaden, Säfte und griechischen Kaffee gibt.

Viel Spaß in Bukarest,

Kilian