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 05 - Straßenbahn-Forum 

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Zunächst erstmal Dankeschön an Jan Ruppert (für die Entwicklung der 3D-Druck-Scharfenbergkupplung von Shapeways), an Yannik Schäffner alias „Semmelbahner“ (für das CNC-Fräsen der Karosserie-Seitenwände), an Volker Hilse (für die Geduld und das Rangieren während des Fotoshootings am 12.05.19) und vor allem an Gerd Borcherding (2. Vorsitzender der Freunde der Bremer Straßenbahn), der mir in allen Detailfragen stets hilfreich zur Seite stand.

Warum ausgerechnet ein Wegmann-Zug?
Bei objektiver Betrachtung zählt der Bremer Wegmann-Gt4f sicherlich nicht gerade zu den schönsten Straßenbahnen, die die deutsche Ingenieurskunst hervorgebracht hat. Wenn man jedoch als kleiner Steppke gelegentlich Ausflüge nach Bremen machte und in den 80er-Jahren am P&R-Parkplatz Roland-Center in die Straßenbahn umstieg, kann schon mal etwas hängen bleiben. Die Eindrücke an der dortigen Wendeschleife Huchting, wenn sich diese „seltsamen Stadtbusse auf Schienen“ von Grolland einfahrend in die Steilkurve legten, brannten sich ein. Tja, wat sollst’e machen? Nachbauen!

Warum ausgerechnet der mit dem „einfachen“ weißen Beiwagen?
Als Vorlage für das Modell diente der „Heiko Rosenbrock-Zug“ aus TW 3530 mit BW 3734. Dieser Zug war bis Dezember 2013 der letzte regulär eingesetzte Wegmann-Zug in Bremen. Insbesondere als Verstärker bei Veranstaltungen (Fußballspielen, etc.) war er regelmäßig auf der Linie 10e anzutreffen. Und das halt meistens mit Heiko Rosenbrock an der Kurbel! An der dreht er auch heute noch, allerdings im Wegmann-Exil Sehnde bei Hannover (dortiges Museum).
TW 3530 und BW 3734 waren nach Beendigung ihrer Dienstzeit leider nicht mehr erhaltungswürdig und wurden bereits 2014 zerlegt. Der Skalp des 3530 findet sich jedoch noch auf einem Umzugswagen wieder. Daher handelt es sich beim ersten Bild zunächst um eine Fotomontage, die ich auf Grundlage eines Fotos von Carsten Kathmann (https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?005,6704275,6704275) mit dessen freundlicher Genehmigung anfertigen durfte.

http://666kb.com/i/e3qezn2rapfbzgup8.jpg

Warum nicht noch besser?
Weil ich über keine permanent und professionell eingerichtete Profiwerkstatt verfüge, entstand das Modell im wahrsten Sinne des Wortes am Küchentisch. Mein Bastelequipment findet in einem altem Besteckkoffer Platz und div. Haushaltsgegenstände werden halt hin und wieder mal zweckentfremdet. Dies führte zu einer bisherigen Bauzeit von schon 4 Jahren, wobei die meiste Zeit dabei wohl für das Herauskramen, wieder Wegräumen und das anschließende Säubern der Küche drauf ging. Aber dem Infizierten ist ja kein Weg zu schwer… Es werden wohl auch noch ein bis zwei weitere Jahre vergehen, bis dann auch die Inneneinrichtung fertig ist.

Im Rollout-Video kann man auch sehen, wie schön die Hansa-Gelenkmechanik arbeitet und dabei das tut, wozu sie einst entwickelt wurde: nämlich mit möglichst viel „umbauten Raum“ durch enge Radien bei geringen Gleismittenabständen zu fahren - oder aber auch "nahezu perfekte Ausnutzung einer möglichst geringen Hüllkurve". Multigelenker a la Citadis, Variobahn und Co. spielten damals noch keine Rolle. Nach dem Shooting quälten wir das Modell noch über die vereinseigene LGB-Anlage der Freunde der Bremer Straßenbahn mit ihren R1-Kurvenradien (teilw. ohne Zwischengeraden!).

[youtu.be]

Hier noch ein paar Bilder vom Shooting:

http://666kb.com/i/e3qf1xprassf8w3n0.jpg

http://666kb.com/i/e3qf2n6ankzrvd0fg.jpg

http://666kb.com/i/e3qf3ji68n75xe6p8.jpg

http://666kb.com/i/e3qf47oaks2l0ufl8.jpg

http://666kb.com/i/e3qf4zap8flnrwyng.jpg

http://666kb.com/i/e3qf5iy38xwx7lpbg.jpg

Weitere Fotos vom Bau im Modelltram-Forum unter [www.modelltram.de] . Hoffe es gefällt ;-)
Gruß: Michael



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.05.19 12:16.
Hallo Michael,

Wow! Super Arbeit. Das hast Du wunderschön umgesetzt. Wenn Du nicht explizit auf die noch fehlende Inneneinrichtung hingewiesen hättest wäre es mir garnicht aufgefallen. Einfach super!


VG Sebastian Woelk
Große Klasse, Michael!

Die Frage "Warum nicht noch besser?" erübrigt sich angesichts dieses wunderschönen Stücks Modellbau. Zum Vorbild: Mag ja sein, dass der Wegmann-Zug nicht die schönste Straßenbahn aller Zeiten war. Ich fand, in seiner klaren geometrischen Struktur und der trotz ER-Bauweise fast symmetrischen Gestaltung sah er aus wie ein perfektes Beispiel für Bauhaus-Design.

Eine kleine Korinthen-Anmerkung sei mir gestattet: Mit der ursprünglichen Hansa-Gelenkpunktansteuerung hatten die beiden beim Wegmann-Baumuster angewandten Methoden nichts mehr gemein, auch wenn der Effekt derselbe war.

Herzlichen Glückwunsch, die vier Jahre haben sich gelohnt!

VG aus HH von H.U.
Hallo Michael,

er ist wirklich sehr schön geworden!
Die Arbeit der letzten Jahre hat sich gelohnt und es ist ein schönes und gut funktionierendes Modell entstanden. Was die Schönheit des Wegmanns an geht, habe ich als Bremer natürlich eine etwas andere Meinung, aber das hängt wohl auch davon ab, mit was man aufgewachsen ist / was alltäglich war. Vielen Dank für deine Präsentation, das doppelte Roll-Out und dass wir es mit erleben durften.

Schönen Gruß
Carsten
Danke für die anerkennenden Worte! Ich persönlich habe zum Wegmann, wie im Eingangstext beschrieben, eine ganz innige Beziehung und finde ihn WUNDERSCHÖN. Seine Standard-Linienbus I-Anleihen kann er jedoch nicht verbergen. Aber das macht diesen besonderen Zeitzeugen halt aus ;-) @Helmut: ich weiß, dass der Wegmann über eine hydraulische Gelenksteuerung verfügt. Die wäre im Modell aber nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Das gab beim echten Großen schon genug Probleme. Daher hat das Modell die mechanische Gelenkpunkt-Ansteuerung des Hansawagens (die verwandten Münchener P-Wagen haben diese auch) bekommen. Schön, das es euch auch gefällt. Gruß: Michael

Re: Gelenksteuerung

geschrieben von: Helmut Ulrich

Datum: 13.05.19 23:01

Die hätte ich im Modell selbstverständlich auch genommen ;-) Das Original wurde nach 198x (als die Hydraulik wegen Undichtigkeiten im Leitungssystem stillgelegt werden musste) eigentlich einfach nur noch "passiv" durch die an den Luftfederpaketen auftretende Torsion bzw. die daraus folgende Rückstellkraft kurvengetreu eingestellt.

Ich habe mich immer noch nicht ganz von der Präsentation "erholt": tolles Modell!

Re: Gelenksteuerung

geschrieben von: Bert Breitband

Datum: 14.05.19 08:00

Hallo!
Eine wunderschöne Arbeit; jedoch bei diesen "Ausschlägen" der Wagenkästen bei den Modellbahnradien wären die Preiserlein, wenn sie dem
Fahrzeug zu nahe gekommen wären, umgeschmissen worden.
Das ist keine Kritik, habe ich doch schon in der Realität gesehen, wie ein Fahrgast auf einer Haltestelleninsel von einem ausschwenkenden Heckteil
eines Gelenkbusses getroffen wurde.
Außerdem sieht das verhalten der Modelle sehr spielzeughaft, bei den verbauten Radien, aus.
Warum gibt es keine größeren Radien; denn so wird das "Kunstwerk" des Erbauers dem Eindruck einer fahrenden Bahn nicht gerecht.
Das ist nicht Kritik sondern eine Feststellung; welche mit goßen Radien einfach abzustellen wäre.
Nichts für ungut.
MfG

Re: Gelenksteuerung

geschrieben von: Dietmar Krebs

Datum: 14.05.19 10:56

Bert Breitband schrieb:
Hallo!
Eine wunderschöne Arbeit; jedoch bei diesen "Ausschlägen" der Wagenkästen bei den Modellbahnradien wären die Preiserlein, wenn sie dem
Fahrzeug zu nahe gekommen wären, umgeschmissen worden.
Das ist keine Kritik, habe ich doch schon in der Realität gesehen, wie ein Fahrgast auf einer Haltestelleninsel von einem ausschwenkenden Heckteil
eines Gelenkbusses getroffen wurde.
Außerdem sieht das verhalten der Modelle sehr spielzeughaft, bei den verbauten Radien, aus.
Warum gibt es keine größeren Radien; denn so wird das "Kunstwerk" des Erbauers dem Eindruck einer fahrenden Bahn nicht gerecht.
Das ist nicht Kritik sondern eine Feststellung; welche mit goßen Radien einfach abzustellen wäre.
Nichts für ungut.
MfG
Hallo,

die Testfahrt im Youtube-Video ist auf der Modellbahnanlage des Bremer Straßenbahnmuseums "Das Depot" gemacht worden. Diese Anlage ist an die gegebenen Platzverhältnisse des Ausstellungsraumes angepasst und wird normalerweise nur von Zweiachsern befahren. Deshalb gibt es keine für den Wegmann-Zug vorbildgerechten Kurvenradien. Dass der Zug trotzdem durch die engen Kurven läuft, finde ich schon bemerkenswert.

Gruß aus Bremen
Freunde der Bremer Straßenbahn e.V.
Dietmar Krebs

Re: Gelenksteuerung

geschrieben von: Gundi

Datum: 14.05.19 14:57

Keine "vorbildgerechten Kurvenradien"? Die Hansa- und Wegmann-Wagen (sowie P-Wagen-München) wurden doch extra als "Kurvensäue" konstruiert. Habe mal irgendwas von 14 Metern gehört. Das wären 1400 cm im Original und (durch 22,5) 62 cm im Modell. Das kommt mit den LGB-R1-Radien doch ganz gut hin. Das Modell ist hinsichtlich der Gelenke und Kupplungs- bzw. Wagenkastenabstände auch exakt im Maßstab 1:22,5! Gut, genaugenommen hier als Meterspurversion... Auf der gezeigten Modellbahnanlage ist das natürlich hinsichtlich der Abfolge engster Kurvenradien wirklich extrem, aber grundsätzlich noch "artgerecht" für diesen besonderen Wagentyp. Das kann er in echt, wie auch im Modell. Aber keine Sorge, auf der heimischen Gartenbahnanlage sind größtenteils R2- und R3-Radien verbaut. Da geht's dann auch mal flotter voran ;-) Gruß: Michael