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Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: Eurocity341

Datum: 09.04.19 22:30

Hallo!

Danke für die Erinnerung! Also war Cottbus zumindest, wenn man die 20-er Sammelkarte nutzte, mit 10 Pfennig pro Fahrt tatsächlich am günstigsten in der DDR.

Ich war im Übrigen sogar befreit vom Fahrpreis, aber nur dann, wenn ein Erziehungsberechtigter mitfuhr. Damals hatte ich schon einen Schwerbehindertenausweis (grün mit orangenem Schrägstrich). Für besonders schwere Formen der Schwerbehinderung gab es sogar spezielle Ausweise (waren, so glaube ich, rot. Da gab es sogar weitergehende Befreiungen).

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: der weiße bim

Datum: 09.04.19 22:31

Jan Bochmann schrieb:
Die Einzelfahrscheine für 20 Pf, die in Berlin in S- und U-Bahn-Stationen verkauft wurden, galten zwar nur für jeweils eine Fahrt, konnten aber meines Wissens nach Belieben auch in einem der anderen Verkehrsmittel genutzt werden, waren also kompatibel zwischen DR und BVB.
Hallo Jan, wie von anderen Schreibern schon ausgeführt, galt die Vereinheitlichung des Einzelfahrscheins BVB und der S-Bahnfahrkarten Preisstufe 1 erst zur DDR-"Endzeit".

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass es innerhalb der beiden Ost-Berliner Schnellbahnsysteme durchaus ein Umsteigerecht gab, solange der Bahnhof / das Bahngelände nicht verlassen wurde.
So waren alle sechs Straßenzugänge zum U-Bahnhof Alexanderplatz der BVB mit Zahlboxen und Entwertern ausgestattet, während zwischen den damaligen U-Bahnlinien A und E (heute U2 und U5) ohne Zuschlag umgestiegen werden konnte. Desgleichen bei der S-Bahn der Deutschen Reichsbahn, besonders wichtig in Warschauer Straße / Ostkreuz / Treptower Park / Lichtenberg / Schöneweide, wo man zwischen den Züge verschiedener S-Bahnlinien (Zuggruppen) wechseln konnte.
Natürlich nicht in Friedrichstraße - im S-Bahnverkehr von Berlin (West) galt die Preissufe 10, die preislich nach jeder Preiserhöhung der BVG mitzog. Der Personenkreis der Umsteigeberechtigten dort war durch die engen Reisebestimmungen der DDR ohnehin stark eingeschränkt.
Im U-Bahnhof Alexanderplatz gab es dieses Problem erst gar nicht, da die Züge der BVG-Linie D, später 8, dann U8 unterm Alex nicht anhalten durften. Der Bahnsteig war solide abgemauert und durch Transportpolizei bewacht.

So long

Mario

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: xyscheibe

Datum: 10.04.19 00:53

In Brandenburg gab es besondere Umsteiger-Fahrkarten zum Preis von 1,5 Einzelfahrten. Für die 2. Fahrt gab es auf der Rückseite ein Stempelfeld. Daher war auch das Papier für diese Fahrkarten von besserer Qualität.

Re: Fahrscheine Berlin (Ost)

geschrieben von: Jan Bochmann

Datum: 10.04.19 07:49

Guten Tag,

der weiße bim schrieb:
Hallo Jan, wie von anderen Schreibern schon ausgeführt, galt die Vereinheitlichung des Einzelfahrscheins BVB und der S-Bahnfahrkarten Preisstufe 1 erst zur DDR-"Endzeit".
Das kann gut sein. Meine Erinnerung hieran bezieht sich wahrscheinlich auf 1982 oder 1983.

Grüße,
Jan B.

Edit: Überschrift angepaßt



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.04.19 07:49.

Re: ? zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: Jan Bochmann

Datum: 10.04.19 08:33

Guten Tag,

Jörn schrieb:
Seit Jahrzehnten stoße ich immer wieder auf Diskussionen über die nur schwer nachvollziehbaren Tarifbedingungen in Verkehrsverbünden, bei der "Großen Bahn" und erst recht beim Überschreiten der Verbundgrenzen. Jetzt weiß ich, dass es das nicht nur im (ehemaligen) Westen gab.

Die Fähigkeit, solche Sachen kompliziert zu machen, steckt wohl tief in uns Deutschen drin - egal in welchem System wir aufgewachsen sind.

Gruß
Jörn.
Das ist eigentlich eher andersherum entstanden: Ursprünglich hatte wohl jedes Verkehrsunternehmen seine eigenen Tarife und Regelungen.

Das erschien aber trotzdem nicht kompliziert, denn Fahrscheine wurden beim Schaffner oder im Vorverkauf am Schalter verkauft. Die dortigen Beamten kannten ihre Tarife und konnten sie korrekt und schnell verkaufen. Es gab keine Kombinationen zwischen verschiedenen Unternehmen, d.h. man mußte beim Umsteigen neu lösen.

Drastische Vereinfachungen gab es vor allem im 1. und 2. Weltkrieg, weil schnell angelerntes Ersatzpersonal angestellt wurde und weil im 2.Wk. durch die Verdunklung der Verkauf und die Kontrolle sehr erschwert worden sind. Das war für einige Betriebe der Grund, die Umsteigetarife wegzulassen und das stattdessen dadurch auszugleichen, daß man Verästelungsnetze mit mehr Direktverbindungen einführte.

Im Gebiet der DDR blieb das nach 1945 im Prinzip bestehen. Spätestens mit der Einführung des schaffnerlosen Betriebs im städtischen Nahverkehr wäre eine allgemeine Tarifreform mit Angleichung aller Betriebe sehr zweckmäßig gewesen, kam aber nie zustande. Besucher aus der Sowjetunion fanden das z.B. immer komisch bis furchtbar: In diesem Riesenland gab es einen Einheitstarif (3 Kopeken Straßenbahn, 4 Kopeken O-Bus, 5 Kopeken Bus/Metro/Schnellstraßenbahn), und in der kleinen DDR stattdessen so ein Wirrwarr.

Eigentlich war die DDR gut mit den Niederlanden zu vergleichen, und dort schaffte man es - meines Wissens in den 1970ern - einen einheitlichen ÖPNV-Tarif einzuführen. In der DDR gelang das nie.
In ihrer ersten Hälfte (Ulbricht-Zeit, bis ca. 1970) interessierte sich der Zentralstaat praktisch nicht für den ÖPNV. In ihrer zweiten Hälfte (Honecker/Mittag) bestand er stur darauf, keine Preise für Grundbedarfsmittel zu erhöhen, und dazu zählte der ÖPNV. Man hätte also nur die Tarife allgemein senken können, aber das konnte man sich nicht leisten. In Dresden gab es schon um 1980 Berechnungen, daß der Nulltarif günstiger sei, weil alleine die Kosten für Fahrscheinverkauf und -vertrieb die Einnahmen überstiegen.
So kam man schließlich nur zu dem Kompromiß, Fahrscheine gegenseitig anzuerkennen, ggf. mit Überzahlung. Dazu wurde schrittweise das einheitliche Fahrscheinformat im Stil von Edmonsonschen Fahrkarten eingeführt - zuvor gab es z.B. in Leipzig, Dresden und Erfurt andere Fahrscheine (schmaler, länger).
Da das aber erst Ende 1989 in Kraft trat und im Sommer 1990 schon wieder vorbei war, ist es weitgehend unbekannt geblieben. Die genauen Regeln dazu waren vermutlich auch wieder kompliziert, denn was war eigentlich der Preis eines Einzelfahrscheins? In K.-M.-St./Chemnitz gab es 5er-Karten Straßenbahn zu 1 Mark, auf jedem Einzelfahrschein stand 0,20. Soweit klar. Aber in Dresden wurden 6er-Karten zum gleichen Preis verkauft, auch da stand 0,20 auf den einzelnen Abschnitten. Man hätte sich also in Dresden bevorraten können und damit immer in K.-M.-Stadt fahren.

Die heutigen Verbundtarife haben vor allem das Ziel, daß es keinen tariflichen Unterschied zwischen den Verkehrsmitteln geben soll und daß die Umsteiger nicht benachteiligt werden sollen. Beim "einfachen" Tarif hat man immer das Problem, daß jemand für das Umsteigen noch extra bestraft wird, weil er für die längere und unbequemere Reise auch noch ein zweites Mal bezahlen muß.
Ein "einfacher" Tarif schafft immer Ungerechtigkeiten. Berechnet man nach Reisezeit, dann muß der langsamste am meisten zahlen. Berechnet man nach Strecke, dann muß man unzählige Start- und Zielpunkte beachten - jede Haltestelle. Weil das sehr viele sind, vereinfacht man das mittels Zonen. Damit benachteiligt man aber alle, die am Rande einer Zone wohnen oder arbeiten - was dann meist wieder zu extra Sonderregelungen führt.

Speziell "deutsch" ist hieran eigentlich nichts. Auch in anderen Ländern haben die Verbünde die selben Probleme. Historisch gewachsene Tarife enthalten manchmal noch solche Spezialitäten wie extra Fahrscheine für Gepäck, was in deutschen Landen seit langem weitgehend vergessen ist.

Grüße,
Jan B.

Re: ÖPNV-Preise DDR

geschrieben von: burovier

Datum: 10.04.19 10:32

Jan Bochmann schrieb:
In ihrer zweiten Hälfte (Honecker/Mittag) bestand er stur darauf, keine Preise für Grundbedarfsmittel zu erhöhen, und dazu zählte der ÖPNV. Man hätte also nur die Tarife allgemein senken können, aber das konnte man sich nicht leisten.
Die proklamierte Preisstabilität gab es doch aber schon länger, meines Erachtens sind die Preise für bestehende Produkte (VEP/EVP) seit der Abschaffung der Lebensmittelmarken/Vereinheitlichung der HO- und Konsumpreise 1958 nicht mehr erhöht worden. Umso erstaunlicher fand ich es in der Rückschau, dass in Karl-Marx-Stadt am 01.08.1962 die Straßenbahn- und Buspreise erhöht worden sind.

Re: ÖPNV-Preise DDR

geschrieben von: Eurocity341

Datum: 10.04.19 17:19

Hallo!

Richtig, teilweise waren die Tarife und Preise sogar schon ab 1945/46 nicht mehr erhöht worden (Normalfahrpreise DR waren ja bis Ende 1990 gleich geblieben).

Preiserhöhungen gab es tatsächlich nur eine bedeutende (neben den Luxuswaren, die z. T. übertrieben teuer waren). Im Juli 1982 wurde die Zeitschrift "Der Modelleisenbahner" neu mit 1,80 DDR-Mark festgesetzt. Allerdings muss gesagt werden, dass das Heft durch Farbdruck aufgewertet wurde und faktisch ein neues Produkt entstanden war (obwohl der Themenschwerpunkt natürlich gleich blieb).

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser

Re: ÖPNV-Preise DDR

geschrieben von: Knut Ochdorf

Datum: 11.04.19 10:31

Eurocity341 schrieb:

Richtig, teilweise waren die Tarife und Preise sogar schon ab 1945/46 nicht mehr erhöht worden (Normalfahrpreise DR waren ja bis Ende 1990 gleich geblieben).

Preiserhöhungen gab es tatsächlich nur eine bedeutende (neben den Luxuswaren, die z. T. übertrieben teuer waren). Im Juli 1982 wurde die Zeitschrift "Der Modelleisenbahner" neu mit 1,80 DDR-Mark festgesetzt. Allerdings muss gesagt werden, dass das Heft durch Farbdruck aufgewertet wurde und faktisch ein neues Produkt entstanden war (obwohl der Themenschwerpunkt natürlich gleich blieb).

Dieses Beispiel gab es aber öfters. Auch die DR verteuerte 1982 die Fahrten in das sozialistische Ausland. Da führte sie den Streckenzuschlag ein.

Knut

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: bitti

Datum: 11.04.19 18:03

Zitat
Zum Umsteigen: Eine besondere Regelung galt in Brandenburg: Zum Umsteigen berechtigten die Fahrscheine nur, wenn sie im Triebwagen (bzw. im ersten Triebwagen im Fall einer KT4D-Doppwltraktion) entwertet wurden. Man ging wohl davon aus, dass nur dort die Einstellungen zuverlässig gepflegt wurden und damit prüfbar waren.
Das Umsteigen war auch nur auf der Straßenbahn möglich. Beim Bus oder Bus/Straßenbahn ging das nicht. Nach dem Umstieg konnte man in jeden Wagen steigen und der Fahrschein musst erneut auf der Rückseite gestempelt werden. Auch wenn der Preis von 20 Pfennig gleich war, man musste einen Einzelfahrschein oder eine Sammelkarte rot kaufen (zumindest Mitte der 80er) mit Einzelfahrschein braun oder Sammelkarte orange ging das nicht...

Re: ÖPNV-Preise DDR

geschrieben von: ikarus28003eic

Datum: 12.04.19 18:29

Gegen Ende der 80er Jahre dürften Fahrscheine republikweit eingesetzt werden, das heisst, sie mussten dem Preis entsprechen oder teurer sein. So nutzte ich 1988 meine Entwerterscheine aus Mühlhausen im Wert von 0,20M in Berlin. In Vorbereitung dieser Vereinheitlichung wurden bereits Entwerter mit Ringlochung eingeführt sowie begonnen, das Format anzupassen. In einer Übergangsphase sollten schmale Streifenkarten (Leipzig, Erfurt o.ä.) doppelt genutzt werden und konnten damit zweimal benutzt werden. Ich kann mich noch an Weimar erinnern, dort musste der für die Anfangsfahrt entwertete Fahrschein nach dem einmaligen Umsteigen umgedreht und nochmals entwertet werden.

Re: ÖPNV-Preise DDR

geschrieben von: Eurocity341

Datum: 12.04.19 18:36

Hallo!

Die Regelung wurde offiziell am 1. Oktober 1989 eingeführt. Eine entsprechende Textpassage befindet sich hierzu im Heft "Die DR vor 25 Jahren - 1989" auf der S. 19 (mittlere Spalte).

Das TV-Magazin "Das Verkehrsmagazin" hatte damals einen kurzen Beitrag hierzu gebracht. Am 30. Juni 1990 wurde diese Besonderheit letztmalig angewandt. Grund war die am Folgetag stattfindende Wirtschafts- und Währungsreform (Einführung der DM).

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser

Re: Geltungsbereich Nahverkehrsfahrausweise DDR

geschrieben von: burovier

Datum: 13.04.19 21:08

Eurocity341 schrieb:
Die Regelung wurde offiziell am 1. Oktober 1989 eingeführt. Eine entsprechende Textpassage befindet sich hierzu im Heft "Die DR vor 25 Jahren - 1989" auf der S. 19 (mittlere Spalte).
Hier das Preiskarteiblatt aus dem TVA Nr.26 vom 12.09.1989:
TVA_1989_26_S_355_Geltungsbereich_Fahrausweise_Nahverkehr.jpg

Re: Geltungsbereich Nahverkehrsfahrausweise DDR

geschrieben von: ikarus28003eic

Datum: 13.04.19 21:29

Danke für diesen Nachweis, dies war schon in verschiedenen Foren Thema und wurde zumeist angezweifelt. Ich habe noch einen der geplanten Einheitsentwerter zu Hause, muss ihn mal vorholen.

Re: Geltungsbereich Nahverkehrsfahrausweise DDR

geschrieben von: manuelberlin

Datum: 14.04.19 00:14

Hallo zusammen!

Ich bin Jahrgang 1969 und bin in München geboren worden. Im Tarifbereich des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV), der 1971 noch vor meinem zweiten Geburtstag gegründet wurde, habe ich bis 1993 gelebt, danach bis heute in Berlin.

Daraus kann man schließen, dass ich bald 50 Jahre alt werde.

Von Kindheit an kenne ich es nicht anders, dass man im Nahverkehr mit einer Fahrkarte beliebig über alle Verkehrsmittel umsteigen kann. Umgekehrt wäre ich nie auf die Idee gekommen, in München einen MVV-Fahrschein zu kaufen und damit beispielsweise in Dortmund fahren zu dürfen.

Genau das war aber wohl in der DDR vom Prinzip her zuletzt möglich, wenn ich es richtig verstanden habe. Also beispielsweise in Erfurt eine Straßenbahnfahrkarte kaufen und in Rostock damit fahren. Aber mit der Straßenbahnfahrkarte nicht im Bus und schon gar nicht in der S-Bahn.

Das ist sehr interessant. Wenn das so stimmt, wäre die gesamte DDR ein einziger riesiger Nahverkehrsverbund gewesen. Aber nicht wirklich zum Nutzen der Fahrgäste.

Es hat womöglich über die Schwierigkeiten hinweggeholfen, unter den DDR-Verhältnissen vor Ort überhaupt vor Fahrtantritt einen Fahrschein kaufen zu können (keine Automaten, "wegen Warenannahme geschlossen" und solcher Mist), aber wirklich hilfreich erscheint mit das Prinzip nicht. Gerade wegen der meist fehlenden Umsteigeberechtigung.

Ich kann mir nicht helfen, das ist alles schon sehr schräg. Aber hochinteressant.

Viele Grüße
Manuel

Re: Geltungsbereich Nahverkehrsfahrausweise DDR

geschrieben von: bolusch

Datum: 14.04.19 02:18

@ Manuel: Wieso schreibst Du "Aber mit der Straßenbahnfahrkarte nicht im Bus und schon gar nicht in der S-Bahn."?
Diese Verkehrsmittel des ÖPNV sind doch ausdrücklich erwähnt. Es gabe auch vor 1989 keine spezielle Straßenbahnfahrkarte, die anders aussah oder anders zu benutzen war als eine Busfahrkarte des entsprechenden Unternehmens (Verkehrsbetriebes) . Nun war es für die kurze Zeit möglich, mit Fahrkarten des ÖPNV -und dazu zählten auch Bus und S-Bahn- in jeder Stadt zu fahren, vorausgesetzt der nominelle Wert des Fahrscheins / der fahrscheine entsprach dem örtlichen Tarif oder lag darüber. Da es Einzelfahrausweise so gut wie gar nicht gab, waren es meist Abschnitte von Sammelkarten.

Bodo-Lutz

Re: Geltungsbereich Nahverkehrsfahrausweise DDR

geschrieben von: ikarus28003eic

Datum: 14.04.19 05:32

Es war in der DDR weitverbreitet, dass man mit Monatskarte oder gar „Fahren auf Betriebsausweis“ unterwegs war. Bei letzterem wurde der Fahrpreis gleich einbehalten und entsprechend auf dem Ausweis vermerkt. Es kam hinzu, dass gerade in Städten solch Quatsch wie heute mit vorne rein und hinten raus nicht üblich war, jede geöffnete Tür wurde genutzt, beim Einsteigen war die Zeitkarte offen vorzuzeigen (im Normalfall hielt man diese hoch), wodurch der Allgemeinheit klar war, dass man nicht schwarz fuhr. Alle anderen entwerteten ihre im Vorverkauf erworbenen Ausweise. Das Umsteigen war in den meisten Betrieben durch Umdrehen des Fahrscheines und wiederholtes Entwerten möglich. Letztlich ging es nach der Wende rückwärts, weniger Türen, vorne einsteigen usw....

Re: Geltungsbereich Nahverkehrsfahrausweise DDR

geschrieben von: ex-Magdeburger

Datum: 14.04.19 11:18

Wobei hier aber am Beispiel Magdeburg auch bedacht werden muss dass es zum einen mehr Direktverbindung gab (1990: 13 Straßenbahnlinien, im Moment de facto 8) und das Ticket an sich spottbillig war. Wenn die SED-Parteiführung in Berlin davon abgerückt wäre die preise nicht zu erhöhen, hätten sich die Verkehrsbetriebe bestimmt auch auf die zulässigkeit eines Umsteigens eingelassen. Wobei vorstehender Satz nur Spekulation ist.

Re: Geltungsbereich Nahverkehrsfahrausweise DDR

geschrieben von: burovier

Datum: 14.04.19 11:31

bolusch schrieb:
Es gabe auch vor 1989 keine spezielle Straßenbahnfahrkarte, die anders aussah oder anders zu benutzen war als eine Busfahrkarte des entsprechenden Unternehmens (Verkehrsbetriebes) .
In Karl-Marx-Stadt eben doch, musste ich seinerzeit zu meiner Verwunderung auch erst lernen. Ob man die teureren Buskarten offiziell auch in der Straßenbahn nutzen konnte, weiß ich nicht auf Anhieb, geduldet worden wäre es vermutlich, ob Oktober 1989 dann sowieso.

Re: Geltungsbereich Nahverkehrsfahrausweise DDR

geschrieben von: burovier

Datum: 14.04.19 11:33

ikarus28003eic schrieb:
Das Umsteigen war in den meisten Betrieben durch Umdrehen des Fahrscheines und wiederholtes Entwerten möglich.
In der Diskussion hier hat sich doch gezeigt, dass das wohl eher eine seltene Ausnahme war.
ikarus28003eic schrieb:
Es kam hinzu, dass gerade in Städten solch Quatsch wie heute mit vorne rein und hinten raus nicht üblich war, jede geöffnete Tür wurde genutzt

...wie war das denn "richtig" früher? Frühe Ikarus-Stadtbusse hatten feste Schaffnerplätze, die einen Fahrgastfluss erzwangen (wohl z.T. von hinten nach vorn), und in den 50er-Jahre-Bussen konnte der Fahrer in seinem abgeschlossenen Abteil schlicht und einfach nicht kassieren. Kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern; die Zahlboxen kamen, als ich 8 Jahre alt war. Wobei es reichlich improvisiert wirkte, wie die Dinger in einen H6B, Ikarus 630 oder Jelcz 042 eingebaut waren (auch nur vorn, glaub ich), diese Kisten wurden dann so bald wie möglich abgestoßen. Hielten sich aber (Jenaer Stadtverkehr) bis ca. 1974.

Gruß Thomas

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