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? zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: Kondukteur

Datum: 08.04.19 12:37

Hallo,

im Auslandsforum gibt es eine Diskussion zum Umsteigen im städtischen Nahverkehr in der DDR. Überwiegend wird ja die Auffassung vertreten, dass mit Einzelfahrscheinen dort das Umsteigen nicht gestattet war. Nach meinem Kenntnisstand gab es jedoch einzelne Betriebe, bei welchen das Umsteigen erlaubt war. Da ich annehme, das es hier im Straßenbahnforum User gibt, welche einerseits zu diesem Thema ergänzende Informationen beitragen können, andererseits aber nicht oder nur selten im Auslandsforum unterwegs sind, erlaube ich mir, auf die
dortige Diskussion hinzuweisen. Über ergänzende Informationen zu diesem Thema würde ich mich freuen.

Gruß

Kondukteur

Re: ? zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: Pilot22

Datum: 08.04.19 13:20

In Leipzig und Dresden war das Umsteigen mit dem Einzelfahrschein NICHT erlaubt. Es gab auch keinen Verkehrsverbund, d.h. für Fahrten mit der S-Bahn musste ein separater Fahrschein gekauft werden.

Re: ? zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: T3R.PV

Datum: 08.04.19 13:34

Pilot22 schrieb:
In Leipzig und Dresden war das Umsteigen mit dem Einzelfahrschein NICHT erlaubt. Es gab auch keinen Verkehrsverbund, d.h. für Fahrten mit der S-Bahn musste ein separater Fahrschein gekauft werden.
Das gleiche galt für Karl-Marx-Stadt - mit einer Ausnahme: wurde durch Stillegung eine Schmalspurlinie gebrochen so galt in der Regel eine Umsteigeberechtigung im Zuge der ehemaligen Schmalspurlinie. Hier galt ja auch ein besonderer Fahrpreis:
20 Pf (grün) - Straßenbahn
25 Pf (braun, später orange) - Omnibus
20 Pf (grün) - Omnibuslinien, die eine Straßenbahn dauerhaft ersetzten (Linien E, F, R; später Linien 21 - 26)

Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.

Die echte Seite über die Chemnitzer Straßenbahn: [www.strassenbahn-chemnitz.de]

Re: ? zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: mh-1

Datum: 08.04.19 14:00

Umsteigeberechtigungen waren eher die Ausnahme, als die Regel.

Die Regel lässt sich so erklären: Die Fahrscheine galten nur in dem Fahrzeug in dem sie auch entwertet wurden. Bei Lochern sollte das Lochmuster bei jedem Endhaltestellenbesuch durch den Fahrer geändert werden, was natürlich häufig unterblieb. Stempelentwerter hatten noch nicht so aufwändige Stempelwerke mit Uhrzeit usw. wie heute und konnten entweder neben der Wagennummer nur fortlaufende Nummern paginieren oder waren noch einfacher gestrickt. Fahrscheine waren dann auch so gestaltet, dass nur einmal entwertet werden konnte.

Wenn es Umsteigeberechtigungen gab (z.B. in Plauen im Vogtland), dann war kein unbegrenztes Umsteigen möglich sondern es musste der Umsteigefahrschein beim Überstieg in das andere Fahrzeug auf der ‚Umsteigefläche‘ neu entwertet werden. Ein weiteres Umsteigen hätte dann bedeutet, dass ein neuer Fahrschein fällig gewesen wäre. Umsteigefahrscheine gab es nur in wenigen Verkehrsbetrieben der DDR.

Folge des Ganzen waren vor allem in Großbetrieben recht unübersichtliche Liniennetze, bei denen häufig mit Linienüberlagerungen gearbeitet wurde um möglichst vielen Fahrgästen ein umsteigefreies Fahren zu ermöglichen.

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: Jan Bochmann

Datum: 08.04.19 16:06

Guten Tag,

Pilot22 schrieb:
In Leipzig und Dresden war das Umsteigen mit dem Einzelfahrschein NICHT erlaubt.
In Dresden war es ab 1974 erlaubt, in der Relation Freital-Dresden Innenstadt und zurück ohne neuen Fahrschein umzusteigen (Buslinie 3A, Straßenbahnlinie 12). Damit wollte man vermeiden, daß die Stillegung der Straßenbahn nach Freital zu einer entsprechenden Tariferhöhung führte.

Wie das in Leipzig bei der Umstellung der Straßenbahn-Außenstrecken nach Engelsdorf und Liebertwolkwitz auf Bus geregelt worden ist, weiß ich nicht.

In Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) gab es ähnliche Regeln bei der Umstellung von Straßenbahn auf Bus, wenn eine Wiederherstellung als Straßenbahn vorgesehen war. So gab es eine tarifliche Linie "1" Gablenz-Innenstadt-Schönau-Siegmar, obwohl diese von 1976 bis 1988 aus diversen Abschnitten unterschiedlicher Linien Straßenbahn und Bus bestand.

In Plauen/Vogtland konnte man meines Wissens auf jeden Einzelfahrschein einmal umsteigen.

Pilot22 schrieb:
Es gab auch keinen Verkehrsverbund, d.h. für Fahrten mit der S-Bahn musste ein separater Fahrschein gekauft werden.
Es gab aber durchaus eine tarifliche Zusammenarbeit, z.B. gab es nach meiner Erinnerung in Dresden kombinierte Zeitkarten (Monatskarten) DVB und S-Bahn (DR).

Die Einzelfahrscheine für 20 Pf, die in Berlin in S- und U-Bahn-Stationen verkauft wurden, galten zwar nur für jeweils eine Fahrt, konnten aber meines Wissens nach Belieben auch in einem der anderen Verkehrsmittel genutzt werden, waren also kompatibel zwischen DR und BVB.

Grüße,
Jan B.

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: MD 612

Datum: 08.04.19 16:35

Jan Bochmann schrieb:
Wie das in Leipzig bei der Umstellung der Straßenbahn-Außenstrecken nach Engelsdorf und Liebertwolkwitz auf Bus geregelt worden ist, weiß ich nicht.
Fahrkarten der Straßenbahn galten in diesen beiden Fällen im Anschlussbus noch eine Haltestelle bis zum Monarchenhügel (Li. O,U Ri. Liebertwolkwitz) bzw. bis zur Güterbahnhofstraße (Li. E Ri. Engelsdorf). Das waren die beiden Haltestellen, bis zu denen in der vorherigen Straßenbahn der Stadttarif galt. Für Fahrten darüberhinaus war ein neuer Fahrschein zu entwerten, wobei in diesen Buslinien abweichend ein Tarif galt, der dem vorherigen Zuschlagtarif der Straßenbahn entsprach. WIMRE reichte ein grüner Fahrschein (10Pf.) von Paunsdorf nach Engelsdorf, wo auf anderen Buslinien in der Stadt ein roter (162/3 Pf.) bzw. außerhalb der Stadt ein brauner Fahrschein (20Pf.) erforderlich war.

Jan Bochmann schrieb:
Es gab aber durchaus eine tarifliche Zusammenarbeit, z.B. gab es nach meiner Erinnerung in Dresden kombinierte Zeitkarten (Monatskarten) DVB und S-Bahn (DR).
Es gab auch in Leipzig kombinierte Monatskarten LVB/S-Bahn, die galten allerdings auch nicht über das S-Bahn-Netz hinaus. Zudem konnte bei der S-Bahn anders als bei Bus und Bimmel mit einem Fahrschein umgestiegen werden, wenn dieser Fahrschein der Preisstufe für die gesamte Fahrstrecke entsprach.

Gruß Peter

Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geerbt, wir haben sie von unseren Kindern geliehen.
Indianische Weisheit




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.04.19 16:36.

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: DWR

Datum: 08.04.19 16:38

Was Jan anspricht, mit der Gültigkeit bei BVB und S-Bahn ( 1 Zone ) wurde erst mitte der 1980er Jahre eingefüht, ab diesem Zeitpunkt galten Fahrscheine egal in welchem Verkerhsbetrieb dieser erworben wurden auch in allen anderen Verkerhsbetrieben, soweit der Fahrpreis gleich war. Glaube mich aber zu erinnern, das ab diesem Zeitpunkt eine einfache Fahrt republikweit 0,20 Mark gekostet hat.
In Zwickau war das Umsteigen auch nicht erlaubt.

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: mh-1

Datum: 08.04.19 16:54

DWR schrieb:
Glaube mich aber zu erinnern, das ab diesem Zeitpunkt eine einfache Fahrt republikweit 0,20 Mark gekostet hat.
Nö, die Fahrscheine waren zwar republikweit einsetzbar, hatten aber unterschiedliche Werte, es musste immer der Geldwert des Verkehrsbetriebes mit dem man unterwegs war, erreicht werden. Im Zweifel musste ‚überzahlt‘ werden.

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: Eurocity341

Datum: 08.04.19 17:17

Hallo!

Der Fall mit Chemnitz wurde in jedem Falle noch bis in die 1990er Jahre fortgesetzt (Angelegenheit Linie 1).

In aller Regel gab es Einzelfahrausweise nur ohne Umsteigeberechtigung, von den hier bereits genannten Ausnahmen abgesehen.

Einen Sonderfall stellte Berlin ab dem 1. Juli 1989 dar. An diesem Tag wurde bekanntlich die U-Bahn-Linie nach Hönow komplett in Betrieb genommen (heutige U 5). Dort gab es Fahrscheine für eine durchgehende Fahrt mit U-Bahn/S-Bahn. Diese wurden an den entsprechenden Verkaufsstellen ausgegeben (Fahrpreis entsprach Tarif U-Bahn+S-Bahn) und galt jeweils für eine Fahrt, inkl. Wechsel des Verkehrsmittels (z. B. in Wuhletal).

Umsteigeberechtigungen gab es in der Regel nur bei Zeitkarten (Monatskarte, Wochenkarte, Teilmonatskarte und natürlich Touristenkarten/Tageskarten).

Ab dem 1. Oktober 1989 galten Einzelfahrscheine für den Stadtverkehr republikweit. Da konnte man z. B. mit einem Schweriner Fahrschein auch in Rostock fahren. Man musste nur beachten, dass der Fahrpreis korrekt war (ggf. mit Überzahlung). Die Regelung wurde dann letztmalig am 30. Juni 1990 angewandt, da am Folgetag die Währungsumstellung war. Cottbus hatte im Übrigen den günstigsten Straßenbahntarif. Damals kostete eine Einzelfahrt mit der Straßenbahn nur 10 Pfennig (ab 1991 dann 50 Pfennig).

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser

Re: ? zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: 19FT1

Datum: 08.04.19 17:34

Hallo,

als noch Schaffner in den Straßenbahnen oder Stadtbussen waren, gab es zumindest in Potsdam Umsteigefahrscheine (25 Pf (?)). Später wurden ja Zahlboxen eingeführt. Eine Einzelfahrt kostete bar 0,20 M und wenn man eine "Achterkarte" hatte nur 12 Pf. Bei den Preisen, die sowieso die echten Beförderungskosten nicht annähernd decken konnten, war das kein "Thema" einen kostengünstigeren Umsteigefahrschein zu erwerben.

viele Grüße

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: T3R.PV

Datum: 08.04.19 17:45

Jan Bochmann schrieb:
Guten Tag,

...

In Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) gab es ähnliche Regeln bei der Umstellung von Straßenbahn auf Bus, wenn eine Wiederherstellung als Straßenbahn vorgesehen war. So gab es eine tarifliche Linie "1" Gablenz-Innenstadt-Schönau-Siegmar, obwohl diese von 1976 bis 1988 aus diversen Abschnitten unterschiedlicher Linien Straßenbahn und Bus bestand.
...
Um das Ganze noch einmal zu dokumentieren hier zwei Ausschnitte aus den Taschenfahrplänen von 1987 und 1991. In der 1987er Ausgabe ist gleichzeitig erkennbar, dass es mit dem VEB Kraftverkehr eine Vereinbarung gab, die man als Vorläufer des Verkehrsverbundes ansehen kann.

1987:
20190408_172641.jpg

...und 1991
20190408_172531.jpg

Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.

Die echte Seite über die Chemnitzer Straßenbahn: [www.strassenbahn-chemnitz.de]

Re: Zittau

geschrieben von: burovier

Datum: 08.04.19 17:58

Kondukteur schrieb:
Zitat:
im Auslandsforum gibt es eine Diskussion zum Umsteigen im städtischen Nahverkehr in der DDR. Überwiegend wird ja die Auffassung vertreten, dass mit Einzelfahrscheinen dort das Umsteigen nicht gestattet war. Nach meinem Kenntnisstand gab es jedoch einzelne Betriebe, bei welchen das Umsteigen erlaubt war. Da ich annehme, das es hier im Straßenbahnforum User gibt, welche einerseits zu diesem Thema ergänzende Informationen beitragen können, andererseits aber nicht oder nur selten im Auslandsforum unterwegs sind, erlaube ich mir, auf die dortige Diskussion hinzuweisen. Über ergänzende Informationen zu diesem Thema würde ich mich freuen.
Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, gab es in Zittau seit der Liniennetzreform am 01.06.1964 beim Fahrer Umsteigebons, die man beim Umsteigen statt Fahrgeld bzw. Abrisskarte in die (nur beim Fahrer befindliche) Zahlbox einwerfen musste. Hintergrund war auch hier, dass (in Vorbereitung auf die Einführung des Ringverkehrs 1965) bisher durchgehende Linien gebrochen wurden.

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 09.04.19 00:12

mh-1 schrieb:
DWR schrieb:
Glaube mich aber zu erinnern, das ab diesem Zeitpunkt eine einfache Fahrt republikweit 0,20 Mark gekostet hat.
Nö, die Fahrscheine waren zwar republikweit einsetzbar, hatten aber unterschiedliche Werte, es musste immer der Geldwert des Verkehrsbetriebes mit dem man unterwegs war, erreicht werden. Im Zweifel musste ‚überzahlt‘ werden.

Doch, an den 20 Pf ist schon was dran. Es gab zwar weiterhin in den meisten Städten Sammelkarten zu niedrigeren Preisen, aber für den ortsfremden Einsatz musste immer der Preis des lokalen Einzelfahrscheins erreicht werden, im Normalfall eben 20 Pf. Es war nicht korrekt, z. B. einen Halberstädter 15-Pf-Sammelfahrscheinabschnitt in Gotha anstelle eines lokalen 12,5-Pf-Abschnitts zu verwenden, trotz Überzahlung. Damit waren die meisten Sammelfahrscheine nur unter Überzahlung nutzbar, eine der wenigen Ausnahmen war z. B. Frankfurt, wo Sammelfahrscheine nur als 100er-Block verkauft wurden und zudem nach Markendorf nicht gültig waren - in der Praxis also eine geringere Rolle als anderswo spielten und 20-Pf-Einzelfahrscheine vom Block eher verbreitet waren. In der Praxis war das Erfordernis des Einzelfahrscheinpreises nicht unbedingt bekannt, wurde daher durchaus ignoriert. Und es wurden durchaus auch Erfurter 12-Pf-Fahrscheine unterzahlenderweise in Gotha verwendet. Nur korrekt war das eben nicht.

Zum Umsteigen: Eine besondere Regelung galt in Brandenburg: Zum Umsteigen berechtigten die Fahrscheine nur, wenn sie im Triebwagen (bzw. im ersten Triebwagen im Fall einer KT4D-Doppwltraktion) entwertet wurden. Man ging wohl davon aus, dass nur dort die Einstellungen zuverlässig gepflegt wurden und damit prüfbar waren.

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: jmh67

Datum: 09.04.19 12:16

DWR schrieb:
Was Jan anspricht, mit der Gültigkeit bei BVB und S-Bahn ( 1 Zone ) wurde erst mitte der 1980er Jahre eingefüht, ab diesem Zeitpunkt galten Fahrscheine egal in welchem Verkerhsbetrieb dieser erworben wurden auch in allen anderen Verkerhsbetrieben, soweit der Fahrpreis gleich war. Glaube mich aber zu erinnern, das ab diesem Zeitpunkt eine einfache Fahrt republikweit 0,20 Mark gekostet hat.
Nein, die Fahrpreise blieben unterschiedlich, von 12,5 Pf (15 Pf im Einzelverkauf) bis 30 Pf je nach Betrieb. Die DDR-weite Gültigkeit mit der Möglichkeit des "Zusammenstoppelns" kam IIRC erst 1989 auf, wobei man wegen der zwei unterschiedlichen Formate ggf. die "Schnipsel" (Sammelkartenabschnitte) falten musste oder zwei nebeneinander in den Entwerter stecken (die konnte man dann ggf. noch einmal benutzen, wenn's mit dem Preis passte). Vorher (ab Mitte der 1980er) war es aber in schon den Stadtbusverkehren, die dem Kraftverkehrskombinat Halle unterstanden, möglich und wurde im Taschenfahrplan für den Bezirk beschrieben. Also konnte man z. B. Wittenberger Schnipsel in Merseburg benutzen und umgekehrt, aber weil die Einzelfahrt in Wittenberg 30 Pf kostete und in Merseburg 20 (da waren aber Sammelkarten eher unüblich, Zahlboxen hielten sich in MER bis zur Wende), hat man eben überzahlen müssen.

In Jena war Umsteigen an bestimmten Haltestellen der Straßenbahn möglich, es gab dazu Fahrscheine, die man auf beiden Seiten abstempeln lassen konnte.

-jmh



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.04.19 12:17.

Re: ? zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: P-134

Datum: 09.04.19 17:42

nochmal zur Bestätigung für Potsdam (aus Taifhinweisen in alten Fahrplanheften) (siehe Beitrag 19FT1)

1954 einfache Fahrt 0,20 DM
Umsteigefahrt 0,25 DM

1967 für jeweils eine Fahrt 0,20 MDN (keine Hinweise für Umsteigeberechtigung)

1978 expliziter Hinweis: Fahrtausweis ohne Umsteigeberechtigung 0,20 M oder Sammelkartenabschnitt (8 Fahrten für 1 M)

Gruß
Achim

Re: ? zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: Jörn

Datum: 09.04.19 19:18

Ich habe diesen Faden mit einer gewissen Amüsiertheit verfolgt.

Seit Jahrzehnten stoße ich immer wieder auf Diskussionen über die nur schwer nachvollziehbaren Tarifbedingungen in Verkehrsverbünden, bei der "Großen Bahn" und erst recht beim Überschreiten der Verbundgrenzen. Jetzt weiß ich, dass es das nicht nur im (ehemaligen) Westen gab.

Die Fähigkeit, solche Sachen kompliziert zu machen, steckt wohl tief in uns Deutschen drin - egal in welchem System wir aufgewachsen sind.

Gruß
Jörn.

Wenn in Indien ein Zug um 16 Uhr 31 abfahren soll, dann fährt er um 16 Uhr 31.

In Deutschland fährt er wegen einer Weichenstörung um 18 Uhr 4 und zwar in umgekehrter Wagenreihung und nicht nach Hannover, sondern nach Luckenwalde.

(Dieter Nuhr)

Re: ? zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: Fahrnau_Tunnel

Datum: 09.04.19 20:19

Jörn schrieb:
Ich habe diesen Faden mit einer gewissen Amüsiertheit verfolgt.

Seit Jahrzehnten stoße ich immer wieder auf Diskussionen über die nur schwer nachvollziehbaren Tarifbedingungen in Verkehrsverbünden, bei der "Großen Bahn" und erst recht beim Überschreiten der Verbundgrenzen. Jetzt weiß ich, dass es das nicht nur im (ehemaligen) Westen gab.

Die Fähigkeit, solche Sachen kompliziert zu machen, steckt wohl tief in uns Deutschen drin - egal in welchem System wir aufgewachsen sind.

Gruß
Jörn.
Der Unterschied bestand aber darin, dass es in der DDR die Regelung gab, dass substantielle Dinge unter keinen Umständen teurer werden durften (Grundnahrungsmittel, Mieten, Fahrpreise ...) - was dann zwangsweise auch dazu führte, dass irgendwann dann auch kein Geld da war, um an diesen Stellen zu investieren.
Solche komplizierten Regelungen ergaben sich dann z.B. aus folgenden Gründen:
- Umstellung einer Straßenbahnlinie auf Busbetrieb --> für diese Linie galt dann weiterhin der (meist billigere) Straßenbahntarif
- wurden unter einem volkseigenen Verkehrsunternehmen Buslinien mit verschiedener betrieblicher und tariflicher Vergangenheit zusammengeführt hätte man meist die Tarife nur "nach unten" vereinfachen - oder man behielt diese bei und es entstanden dann diese tausend Sonderlocken:
ein spezielles Beispiel war Halle (Saale):
- Straßenbahn Einheitstarif 15 Pf (oder 1,00M/8 bei Sammelkarte)
- Überlandbahn:
- Streckentarif beim Schaffner (nur SL5 !)
- spezielle streckenabhängige Stempelkarten für SL10 und E-Wagen (z.B. 1,40M/10 für den Abschnitt Ammendorf-Schkopau)
- Zahlbox bei SL15 (Merseburg)
- Busse:
- Verkehrsbetriebe:
- Straßenbahntarif (ehemalige oder geplante Straßenbahnstrecken)
- Zahlbox beim Fahrer (andere Vorort-Linien) - hier galt für fast jede Linie ein spezieller Tarif
- Kraftverkehr:
- Halle-Neustadt: eigenständiger Tarif 30Pf (Ha-Neu war eigenständige Stadt und der Stadtverkehr hatte keinen Vorläufer - also nahm man wohl den höchsten gängigen Tarif für Stadtbusse)
- einige ÜL-Linien innerhalb des Stadtgebiets: Streckentarif beim Fahrer zu zahlen
in den letzten Jahren der DDR hat man aber bei neuen Buslinien oder Änderungen eher vereinfacht und den Straßenbahntarif angewandt. Hat sich wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass so oder so das Geld nicht reinkommt...
Kurios war es z.B. bei der Linie "G" (später 27):
- sie entstand als Ersatz für die Straßenbahnverbindungen vom Bahnhof zum Rannischen Platz und nach Reideburg. Es blieb beim Straßenbahntarif - aber mit einer Zahlgrenze am Bahnhof: sprich 1 kurzer Abschnitt mit 2 Haltestellen und ein langer bis in die Vororte.
- Als die Linie über Reideburg hinaus verlängert und mit der Linie "C" verbunden wurde (ehemalige Zahlbox-Linie) galt dann für die gesamte (ca. 10km lange) lange Strecke weiterhin der 15Pf-Tarif - die Zahlgrenze am Bahnhof blieb aber selbstverständlich erhalten!

So kompliziert war es eigentlich nicht

geschrieben von: Eurocity341

Datum: 09.04.19 20:24

Hallo!

So riesig kompliziert war es eigentlich nicht. Es gab in aller Regel nur ein eingeschränktes Fahrscheinangebot. Zumeist handelte es sich um:

- Einzelfahrschein (zumeist als Sammelkarte mit 10, 20 oder bis zu 100 Fahrten)
- Wochenkarte
- Monatskarte

In den touristischen Hochburgen, wie z. B. Berlin, gab es auch Tageskarten (auch in Kombination mit Benutzung der S-Bahn).

Monats- und Wochenkarten (Sammelbegriff: Zeitkarte) gab es zumeist nur für Berufstätige und Schüler.

Die meisten Fahrgäste fuhren mit Zeitkarten. Sie mussten diese beim Einsteigen hochzeigen (sogenannte "Sichtkarte"). Einzelfahrscheine traten eher im Gelegenheitsverkehr auf. Bestimmte Fahrgastgruppen fuhren gar kostenlos (Schwerbehinderte mit entsprechendem Ausweis; gibt es heute in ähnlicher Form auch).

Es gab sogar Varianten mit "Fahren auf Betriebsausweis". Dies wurde gerade bei großen Betrieben, z. B. Leuna-Werke, verwendet. Der fällige Fahrkartenpreis wurde vom Lohn/Gehalt abgezogen und direkt auf das Konto des Verkehrbetriebes (Nahverkehr bzw. DR) überwiesen. Vorteil für die Fahrgäste: kein lästiges Warten an den Fahrscheinverkaufsstellen.

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser

Re: Bustarif DDR

geschrieben von: burovier

Datum: 09.04.19 21:48

Fahrnau_Tunnel schrieb:
- Kraftverkehr
Im KOM-Überland-Linienverkehr gab es ab ca. 1970 neue Rundungsregeln, die aber nur für neu aufgenommene Verkehre galten. Der Kilometerpreis blieb bei 8 Pfennig, Mindestfahrpreis 30 Pfennig, danach aufgerundet auf volle 10 Pfennig. Für die schon bestehenden Linien blieb es bis zm Ende der DDR bei den alten Regeln: Mindestfahrpreis 30 Pfennig, 4 km 35 Pfennig, danach auf- bzw. abgerundet auf volle 5 Pfennig, d.h.

alte Linien: 1-3 km 30 Pf, 4 km 35 Pf, 5 km 40 Pf, 6 km 50 Pf, 7 km 55 Pf, 8 km 65 Pf, 9 km 70 Pf, 10 km 80 Pf usw.,
neue Linien: 1-3 km 30 Pf, 4 km 40 Pf, 5 km 40 Pf, 6 km 50 Pf, 7 km 60 Pf, 8 km 70 Pf, 9 km 80 Pf, 10 km 80 Pf usw.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.04.19 21:50.

Re: zum Umsteigen in der DDR

geschrieben von: der weiße bim

Datum: 09.04.19 21:56

Eurocity341 schrieb:
Cottbus hatte im Übrigen den günstigsten Straßenbahntarif. Damals kostete eine Einzelfahrt mit der Straßenbahn nur 10 Pfennig (ab 1991 dann 50 Pfennig).
Hallo Kai-Uwe, der "Cottbuser",
das stimmt so nicht. Der Einzelfahrschein für die Cottbuser Straßenbahn kostete zur DDR-Zeit 15 Pfennige, für den Stadtbus sogar 20 Pfennige. Für Kinder über 4 Jahre war der volle Fahrpreis zu entrichten. Ermäßigte Einzelfahrscheine gab es nur für amtlich anerkannte Schwerbeschädigte für 10 Pfennige, gültig auf Straßenbahn oder Omnibus.
Ermäßigt waren lediglich Sammelkarten, 20 Fahrten Straßenbahn für 2 Mark, 5 Fahrten Omnibus für 80 Pfennige. Schwerbeschädigte konnten eine 5-Fahrtenkarte Straßenbahn zu 30 Pfennige erwerben.

Wer´s nicht glaubt, habe hier einen Ausschnitt aus dem Informationsblatt von Cottbusverkehr, herausgegeben zur Einführung der Lochentwerter am 21. März 1976:
VEB CV Verkehrstarif.jpg

Zum Thema Umsteigen - gabs in Cottbus nicht; alle Fahrschein galten nur für eine Fahrt und wurden beim Verlassen des Fahrzeugs ungültig.
Abgesehen von Zeitkarten, meine Schülermonatskarte kostete 4 Mark. Man musste monatlich eine Wertmarke kaufen - Abo war nicht vorgesehen.

So long

Mario

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