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 05 - Straßenbahn-Forum 

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Hallo an alle Straßenbahnfreunde und Osteuropa-Interessierten hier im Forum,

heute stelle ich Euch eine ganz besondere Straßenbahnlinie vor. Obwohl der große Straßenbahnbetrieb in Odessa sehr alt und bekannt ist, wird über seine schönste und abenteuerlichste Strecke hier im Forum fast gar nichts berichtet. Grund genug für mich mal wieder einen Bildbeitrag zu verfassen. Die meisten Bilder sind aus Filmszenen entnommen und entsprechen daher nicht den Erwartungen von „Straßenbahn im richtigen Sonnenstand“ Freunden.
Eher ist dieser Beitrag als Streckenportrait gedacht und soll zu einem Besuch anregen.


Straßenbahnen fahren in der Regel auf Straßen durch die Städte, sie können aber auch neben den Straßen, durch Wälder, durch Berge oder durch Tunnel fahren. So wie man es in Europa überall finden kann. Das sie aber auch durch ein dicht mit Schilf bewachsenes Moor fahren kann, ist in unseren Kreisen ziemlich unbekannt. Und genau das ist der Fall bei der Straßenbahnlinie 20 in Odessa.

Vor vielen Jahren fand ich mal einen Film auf youtube, auf denen ein Tatrawagen sich mitten durch eine Schilf-bewachsene und halb überflutete Strecke kämpfte. Seitdem stand diese Linie, so sie denn noch fährt, auf meiner Wunsch-Reiseliste.

Im September 2018 war es dann soweit. Auf einer großen Rundreise durch Polen, Rumänien, Moldawien und der Ukraine machte ich drei Tage Station in der berühmten Hafenstadt Odessa.
Und dann war ich plötzlich mittenderin im Schilfmoor-Abenteuer.

Die Schilfstraßenbahn von Odessa. Linie 20.

Zunächst erst einmal zur genauen Lage dieser Linie. Die Linie 20 ist eine Radiallinie die am nördlichen Rand des Zentrums beginnt und nach nordwesten in typische kleine Vorortsiedlungen fährt.Viel grün, einzeln stehende Häuser und staubige Plattenpisten für den Individualverkehr.

Auf folgender Karte seht ihr die genaue Lage der Strecke (Gelb):
https://s16.directupload.net/images/190209/e6jtxq43.jpg

Die Linie 20 ist sieben Kilometer lang und komplett zweigleisig. Man erkennt auf dem Satellitenbild das große schilfige Moor sehr gut. An dessen Rand kämpfen sich die Bahnen über ihre Strecke.
https://s16.directupload.net/images/190209/5nubtcx3.jpg

Ein Blick in die Geschichte der Linie ist ziemlich interessant. Die im Internet zur Verfügung stehenden Quellen dieser Linie sind allerdings sehr rar. Aber ein paar Daten und Fakten lassen sich finden.
Die Erste Straßenbahn in der Innenstadt von Odessa verkehrte als Pferdebahn ab dem Jahr 1880.
Unsere Schilflinie wurde bereits drei Jahre später im Jahr 1883 eröffnet. Als Dampfbetriebene Straßenbahn! Die Strecke war im Norden damals noch 2,5 Kilometer länger als die heutige Linie.
Im Jahr 1889 gesellte sich am landwärtigen Ende eine privat betriebene vier Kilometer lange elektrische Straßenbahn (oder Pferdebahn? Oder Dampfbetrieben?) hinzu, die bis in den Ort Velyka Balka verkehrte.
Alle Linien wurden in Meterspur von einer belgischen Gesellschaft errichtet.
Irgendwann um 1910-1912 wurde die Linie dann elektrifiziert.

In der Zeit ab der Revolution war die Bahn von 1917 bis 1924 außer Betrieb.

Irgendwo im Zeitraum zwischen 1920-1950 wurde die Aussenstrecke nach Velyka Balka stillgelegt und die heutige Linie 20 auf ihren heutigen Endpunkt an der Mündung des Khadzhibey-Sees verkürzt. Grund dafür war der Bau eines Dammes, der den Spiegel des Sees ansteigen lies. Die ehemaligen Strecken wurden damit überflutet.
Im Jahr 1961 wurde die Strecke der Linie 20 von Meterspur auf die übliche russische Breistspur verbreitert. (Die Umspurungsfase in Odessa dauerte sehr lange von 1934-1971)
Seit dem Jahr 1986 bis heute wird die Linie ausschließlich mit Tatra T3 Straßenbahnen befahren.

Auf der folgenden Karte seht ihr die ursprünglichen Streckenverläufe der Linie.
(Gelb) heutige bestehende Strecke.
(helles Orange) ursprüngliche Strecke
(dunkles Orange) privater Inselbetrieb als Anschlußlinie (Dampf, elektrisch oder Pferd?)
https://s16.directupload.net/images/190209/jwgm8yb7.jpg

Beginnen wir nun am stadtseitigen Endpunkt der Linie 20, am Khersonskyy skver.
In einer großen Schleifenanlage kann man aus den Innenstadtlinien zur Radialline 20 umsteigen.

https://s16.directupload.net/images/190209/uzmc287z.jpg
Khersonskyy skver. Im Vordergrund Linie 12 in Richtung Innenstadt, Im Hintergrund auf dem Innengleis wartet der „Schilf-Express“ zur Abendlichen Abfahrt.

https://s16.directupload.net/images/190209/8p9qjuut.jpg
Khersonskyy skver. Kurz nach Abfahrt bzw wie hier im Bild bei der Ankunft durchfahren die Bahnen einen kurzen Tunnel mit einer Gleisverschlingung unter den Eisenbahngleisen, die hinunter zum Hafen führen.
Von diesem Platz vor dem Tunnel existieren mehrere historische Aufnahmen. Auch die Dampfstraßenbahn passierte den Tunnel. Der Tunnel im Hintergrund wird hier durch die Bahn selbst verdeckt.

Die ersten zwei Kilometer der Linie führen kurvenreich durch ein Industrieviertel, das zwar in Betrieb ist, aber sehr zerfallen ist. Ich habe diesen ersten Streckenabschnitt nicht dokumentiert, da ich die Zeit lieber für den Schilfabschnitt verwenden wollte. Strecken duch verfallene Industrieviertel gibt es sowieso genug im gesamten Gebiet der ehemaligen Sowjetunion und wurden genügend bebildert.
Nur eins wäre noch wichtig. Bis ca. 1993 existierte nach den ersten zwei Kilometern der Strecke eine Wendeschleife, die befahren werden konnte wenn der Schilfabschnitt überschwemmt oder vereist war. Dann konnte zumindest das Industrieviertel noch angebunden werden. Die Wendeschleife wurde aber demontiert und somit fällt die gesamte Linie aus wenn es Überschwemmungen gibt.

Und nun geht es los. Mit dem Schilf-Express der Linie 20 von Odessa!. Die Linie wird im 27-28 Minutentakt von zwei Solo T3 Tatrawagen bedient. Als Überaschung an meinem Besuchstag verkehrten sogar noch zwei Beschleunigerwagen! Denn normalerweise bekamen alle anderen Tatrawagen in Odessa eine elektrische Modernisierung mit neuer Steuerung verpasst.

https://s16.directupload.net/images/190209/bpfsrfsp.jpg
Gut besetzt schwankt der Schilf-Express durch das Moor und befördert Pendler, Schüler und alles was raus aus der Stadt will,

https://s16.directupload.net/images/190209/zov6pyte.jpg
Und schon peitscht der Namensgeber der Linie unaufhörlich am Fenster vorbei. Hinauslehnen ist nicht empfehlenswert!

https://s16.directupload.net/images/190209/6b2x5szk.jpg
Aber auch wenn man brav auf den Tatra Plasteschalen sitzt, dann rieselt unaufhörlich Biomasse auf den Fahrgast ein. Hier am Beispiel meines Vordermanns.

https://s16.directupload.net/images/190209/mvxernw6.jpg
Das Fahpersonal schaut buchstäblich in die „grüne Hölle“.

https://s16.directupload.net/images/190209/4t67j6cd.jpg
Es gibt zwar offizielle Haltestellen auf der Linie, aber immer wieder wird nach Wunsch dazwischen gehalten. Zum Teil an den unmöglichsten Stellen.

https://s16.directupload.net/images/190209/chl8r22u.jpg
Fünf Kilomer lang geht es durch diese „Schilfgassen“

https://s16.directupload.net/images/190209/2s7r9cfo.jpg
Es war äußerst beschwehrlich die Strecke abzuwandern. Unter dem Grasteppich gab es überall versteckt Wasserlöcher. Immer wieder versanken nicht nur die Gleise darin sondern auch meine Füsse.

https://s16.directupload.net/images/190209/ojn6rqog.jpg
Auch die Bahnen müssen so manche Löcher „überspringen.

An meinem Besuchstag verkehrten zwei Tatra T3SU mit ihrer originalen Beschleunigersteuerung.
Einer in Vollwerbung und der andere in den neuen Hausfarben des Betriebes die nichts anderes sind als die Stadtfarben von Odessas Stadtwappen Rot-Weis-Gelb.
Leider habe ich die Ära der Tatratypischen Rot-Elfenbein Lackierung in Odessa knapp verpasst. Alle Wagen wurden mittlerweile umlackiert oder tragen Vollwerbung.

https://s16.directupload.net/images/190209/2eldh3e4.jpg

https://s16.directupload.net/images/190209/48p4q9kn.jpg

Zu den Haltestellen: Es gibt auf dem Schilfabschnitt acht Haltestellen, die mehr oder weniger gut zu erkennen sind. Meist sind sie total eingewachsen.

https://s16.directupload.net/images/190209/is4cvuic.jpg
Diese Haltestelle trägt den klangvollen Namen: "5. Station der Hadjibei Straße". Die Hadjibei Straße ist nichts weiter als ein parallel zu den Gleisen liegender Plattenweg.

https://s16.directupload.net/images/190209/wegfyivu.jpg
Die einheimische Straßenbahnliteratur weist immer wieder auf die letzten historischen Wartehäuschen Odessas hin. Diese stammen noch von der belgischen Gesellschaft, die einst die Dampfstraßenbahn aufgebaut hat!

https://s16.directupload.net/images/190209/trq5zjbo.jpg
Diese Haltestelle am Bahnübergang der Hadzhibey Straße ist eine weitere mit den noch vier existierenden alten Wartehallen. Diese belgischen Wartehallen stehen nur noch an der Linie 20. Sie standen ursprüngllich im Gesamten Stadtgebiet von Odessa. Die letzten Exemplare haben dort noch bis in die 90iger Jahre überlebt, bevor sie jedoch abgerissen wurden.

https://s16.directupload.net/images/190209/nh59h3uw.jpg
Es dürfte schon längst zu spät sein für die Rettung der letzten Exemplare dieser Bauart.

https://s16.directupload.net/images/190209/k8cjvo9e.jpg
Der einstige Glanz aus der Blütezeit der Straßenbahnen ist bei diesem Anblick nur noch zu erahnen.

https://s16.directupload.net/images/190209/nybkwtxl.jpg
Indessen kämpft sich die nächste Fahrt durch die grüne Hölle...

https://s16.directupload.net/images/190209/vejxgxio.jpg
...und entschwindet wieder im Schilf.

https://s16.directupload.net/images/190209/l94r6okj.jpg
In 28 Minuten rollt hier die nächste Bahn darüber.

https://s16.directupload.net/images/190209/32jvxfhx.jpg
Diese Haltestelle (Hladkova Straße) kommt ganz ohne Mobiliar aus. Man kann sich ja zur Not an den Mast anlehnen.

https://s16.directupload.net/images/190209/kwtd9y7j.jpg
Das Fahrgastaufkommen ist hier sehr übersichtlich

https://s16.directupload.net/images/190209/ukvpdasw.jpg
So mancher Schilfhalm steht besser in Reihe als diese Oberleitungsmasten. Aber wenn man sieht in welchem Morast sie stecken, dann ist das nachvollziehbar.

https://s16.directupload.net/images/190209/q47om8xa.jpg
Noch einmal Haltestelle Hladkova Straße. Vermutlich sorgt die Oberleitung dafür, das der Mast nicht umfällt ;-)

https://s16.directupload.net/images/190209/uagpse8j.jpg
Den Streckenfreischnitt übernehmen die Bahnen selbst alle 28 Minuten.

https://s16.directupload.net/images/190209/rwsu3dtl.jpg
Nach getaner Heckenschneidarbeit kehrt wieder Ruhe ein.

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Als zusätzlichen Streckenservice sorgt immer mal wieder ein Bauer mit seiner Herde für den nötigen Streckenfreischnitt von Vegetation.

https://s16.directupload.net/images/190209/6fyhtjtp.jpg
Ob der Hirte für diesen Service vom Verkehrsbetrieb entlohnt wird? ;-)

https://s16.directupload.net/images/190209/frrdw36b.jpg
Nein, das ist kein stillgelegtes Gleis, sondern wird alle 28 Minuten stadteinwärts von einem „Schilfexpress“ befahren.

https://s16.directupload.net/images/190209/zn2vqgxy.jpg
Der nächste Schilfexpress schaukelt vorbei.

https://s16.directupload.net/images/190209/iq35gnd6.jpg
Das Fahrerpult eines der beiden Kurse. Die Kollegin dieses Kurses war sehr nett und fand es sehr lustig das jemand aus Deutschland angereist ist um diese Strecke zu Besuchen.

https://s16.directupload.net/images/190209/vnbs39gw.jpg
Da auf der Linie 20 keine Bilettverkäufer im Wagen mitfahren, kassiert der Fahrer beim Aussteigen das Fahrgeld. Dieses wird dann einfach wo es gerade passt gelagert.

https://s16.directupload.net/images/190209/yy6flkti.jpg
Bei der ganzen Schaukelei durchs Schilf schaukelt auch so mancher Farbrest an der Decke des Wagens über dem Fahrer mit.

https://s16.directupload.net/images/190209/by9z598o.jpg
Warum sollte es den Fahrgästen besser gehen als dem Fahrpersonal?

https://s16.directupload.net/images/190209/txbdleml.jpg
Tatra T3SU Komfort vom feinsten.

https://s15.directupload.net/images/190217/68r2bmwd.jpg
Der nächste Kurs wühlt sich durchs Schilf.

https://s16.directupload.net/images/190209/i4dfsogm.jpg
Die Fahrtzeiten und Takte der Linie 20. Die Intervalle wurden recht gut eingehalten. Jedoch ist es für den Fahrgast nicht ersichtlich, wann die nächste Bahn denn nun wirklich kommt. So wie übrigens fast überall im ehemaligen Sowjetgebiet.

https://s16.directupload.net/images/190209/jf9y3ozk.jpg
Aus der Fahrerperspektive ist die Strecke mit ihren vielen kleinen wilden Übergängen sehr unübersichtlich. Doch in der Regel hört man die Bahnen schon von weitem daherrattern.

https://s16.directupload.net/images/190209/gqimc67e.jpg
An manchen Haltestellen muss man sich als Fahrgast zum warten mitten aufs Gleis stellen, damit man vom Fahrpersonal auch wirklich gesehen und mitgenommen wird.

https://s16.directupload.net/images/190209/zjah27e4.jpg
Auch an solchen Übergängen wird oft und gerne nach Bedarf gehalten um den Anwohnern einen kurzen Weg zu ihren Häusern zu ermöglichen.

https://s16.directupload.net/images/190209/a38qhjz2.jpg
Haltestellen-Stillleben.

https://s16.directupload.net/images/190209/8jzlrtlf.jpg
Stolz wächst der Namensgeber dieser Strecke und bildet eine dichte Wand die den Blick auf das Schilfmoor versperren.

https://s16.directupload.net/images/190209/eyprsfn7.jpg
Die nächste landwärtige Fahrt passiert das Dickicht.

https://s16.directupload.net/images/190209/raf853gc.jpg
Stadteinwärts kurz nach Sonnenuntergang.

https://s16.directupload.net/images/190209/2cvf68r9.jpg
Zum Beitragabschluss noch ein paar Bilder von der landwärtigen Endschleife der Strecke mit dem Namen Khadzhybeiskyi lyman. (Khadzhybey-Mündung).
Im Hintergrund führt die Straße über den erichteten Damm, der den Seespiegel steigen lies und die ursprünglichen längeren Strecken überflutete.

https://s16.directupload.net/images/190209/448cdlyf.jpg
Auch an der Endstation Khadzhybey-Mündung steht ein altes Wartehäuschen der belgischen Straßenbahngesellschaft.

https://s16.directupload.net/images/190209/fcviz626.jpg

Ein schöner Spätsommernachmittag neigt sich dem Ende.
Mit dem Besuch der Schilflinie habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Es hat sich gelohnt und ein Besuch kann sehr empfohlen werden! Man weiß nie wie lange es diese Strecke noch geben wird.


Natürlich habe ich auch wieder einen Film zusammengeschnitten den ich hier einfüge.

Quelle: YouTube


Ich hoffe das dieser Beitrag für Euch interessant war. Mal sehen wann es ein DSO-Mitglied hier her verschlägt. Osessa-Trambilder gab es immer wmal wieder hier. Aber bis zu dieser Strecke ist offenbar noch keiner vorgedrungen. ;-)

Ein schönes Wochenende wünscht Euch
worldtradesurfer



8-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.02.19 14:31.
schöne Bilder!

Ich weiß nicht, ob die Strecke die dringend notwendige Modernisierung erhalten wird (vermutlich viel zu wenig Fahrgäste), insofern sollte man m.E. nicht zu lange warten mit einem Besuch. Selbst wenn sie modernisiert wird, so schön wie heute wird es nicht mehr sein! Auch Sonderfahrten sind nicht sehr teuer in Odessa ;-)

August 2018

http://web1591.fge1.5hosting.com/lfr-wp1/wp-content/uploads/2018/09/1-2018-08-17-13-01-38-22-1660591.jpg

es gibt ja nicht nur Schilf auf der Linie ;-)

http://web1591.fge1.5hosting.com/lfr-wp1/wp-content/uploads/2018/09/1-2018-08-17-14-02-22-18-1660702.jpg


http://web1591.fge1.5hosting.com/lfr-wp1/wp-content/uploads/2018/09/1-2018-08-17-13-01-32-42-1660537.jpg

den Museumswagen wollte man leider nicht mehr auf die Strecke schicken (fast verständlich):

http://web1591.fge1.5hosting.com/lfr-wp1/wp-content/uploads/2018/09/2018-08-17-12-12-05-38-1660272.jpg


mehr Fotos auf http://www.tramway.com (u.a. auch weitere Besuche in Odessa)
Herrlich, vielen Dank für diesen tollen Bericht!

Viele Grüße
Ger Dijkstra

Re: (UA) Die Schilf-Straßenbahn von Odessa (Bilder, Video)

geschrieben von: DrSo

Datum: 09.02.19 11:55

Großartiger Bericht ! Hätte ich von dem Ding damals in Odessa gewusst, wäre ich sofort mitgefahren !
Hallo,

worldtradesurfer schrieb:
Mit dem Besuch der Schilflinie habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Es hat sich gelohnt und ein Besuch kann sehr empfohlen werden! Man weiß nie wie lange es diese Strecke noch geben wird.

Ich hoffe das dieser Beitrag für Euch interessant war. Mal sehen wann es ein DSO-Mitglied hier her verschlägt. Osessa-Trambilder gab es immer wmal wieder hier. Aber bis zu dieser Strecke ist offenbar noch keiner vorgedrungen. ;-)


Danke für den Beitrag, Du hast die Strecke sehr schön eingefangen. Ich war 2015 dort, habe es aber aufgrund des engen Zeitplans und des großen Zeitaufwands, den man dort zum Fotografieren benötigt, nur zu einem Belegbild gebracht:

https://my-private-storage.net/2015-10-odessa/odessa-1.jpg

Der eigentliche Grund für mich, diese Bahn zu nehmen, war ein Besuch der Katakomben von Odessa [de.wikipedia.org], die von der Endstelle der Bahn gut zu Fuß erreichbar sind. Sollte Dir das entgangen sein, hast Du jetzt einen Grund für einen zweiten Besuch. ;-)

Hier ein paar Bilder des dortigen Museums. Ich war außerhalb der Öffnungszeiten da, bekam aber gleich eine Führung auf englisch angeboten, die ich natürlich gerne annahm.

https://my-private-storage.net/2015-10-odessa/odessa-2.jpg

https://my-private-storage.net/2015-10-odessa/odessa-3.jpg

https://my-private-storage.net/2015-10-odessa/odessa-4.jpg

https://my-private-storage.net/2015-10-odessa/odessa-5.jpg

https://my-private-storage.net/2015-10-odessa/odessa-6.jpg

Gruß w.
Hallo

wow - man stelle sich das in EU-Europa vor.
Die Grünen Heckenschützen und Umweltaktiveisen würden direkt aus der Hecke springen und auf sofortige Betriebseinstellung bestehen weil der "Quergebänderter, aufplustender, Riesenlabermaulfrosch" dort gesichtet wurde, die BG und der TÜV würden 1001 Gefahrenstellen sehen und eine sofortige Notstilllegung durchsetzen, die Gewerkschaften würden zumindest einen abschließbare und gesicherte Geldkassette bzw. ähnliches fordern wegen dauernder Überfälle und Gefährdung des Fahrers und alle möglichen Interessenverbände würden hunderte Punkte finden womit sie in die Öffentlichkeit gehen müssen...

In Russland läuft bestimmt jede Menge schief und so manches ist scharf zu kritisieren (z.B. Umgang mit Alkohol, Wohnraumsituation...) - als "normaler" Mensch und Arbeiter würde ich dort aus vielerlei Gründen nicht leben wollen - aber wie in der Praxis gehandelt wird, wie sinnvoll und den Umständen entsprechend an Sachen herangegangen wird, wie man sich nicht durch, sicherlich auch bestehenden Vorschriften, die Kernleistung kaputt machen lässt usw. ist absolut vorbildlich und beneidenswert - dazu gehört aber natürlich das wenn Töchterchen oder die Oma sich beim stolpern oder überqueren des "Bahnübergangs" mal die Knochen bricht nicht der Betreiber der Bahn, der Fahrer, ein Schaffner, die Gemeinde oder wer auf immer verklagt wird sondern das einfach die Verletzung behandelt wird ohne dummes nachfragen der Krankenkasse und diese einfach zahlt (wobei mir klar ist das das mit den zahlen auch in Russland wohl anders läuft) und Helikoptermamma und die lokale Presse sich einfach geschlossen hält.

423 User
Danke,
für den interessanten Bericht.

Gibt es Anlässe/Termine, wann der historische Wagen in Odessa eingesetzt wird? Das wäre ein guter Grund da hin zu reisen.
Oder könnte sich unter den Forenteilnehmern eine Interessengemeinschaft mit dem Ziel bilden, den historischen Wagen zu
Sonderfahrten zu mieten? Weiß jemand einen Ansprechpartner in Odessa?

Viele Grüße!
423User schrieb:

In Russland läuft bestimmt jede Menge schief und so manches ist scharf zu kritisieren (z.B. Umgang mit Alkohol, Wohnraumsituation...) - als "normaler" Mensch und Arbeiter würde ich dort aus vielerlei Gründen nicht leben wollen - aber wie in der Praxis gehandelt wird, wie sinnvoll und den Umständen entsprechend an Sachen herangegangen wird, wie man sich nicht durch, sicherlich auch bestehenden Vorschriften, die Kernleistung kaputt machen lässt usw. ist absolut vorbildlich und beneidenswert -

Was um Himmels Willen hat der Bericht mit Russland zu tun?


423User schrieb:

dazu gehört aber natürlich das wenn Töchterchen oder die Oma sich beim stolpern oder überqueren des "Bahnübergangs" mal die Knochen bricht nicht der Betreiber der Bahn, der Fahrer, ein Schaffner, die Gemeinde oder wer auf immer verklagt wird sondern das einfach die Verletzung behandelt wird ohne dummes nachfragen der Krankenkasse und diese einfach zahlt (wobei mir klar ist das das mit den zahlen auch in Russland wohl anders läuft) und Helikoptermamma und die lokale Presse sich einfach geschlossen hält.

Eine gute Leistung im Krankenhaus bekommst Du in der Ukraine nicht, weil irgendeine Krankenkasse zahlt, sondern wenn Du Geld auf den Tisch legst.
Sehr schön, vielen Dank für diese berührende Urwald-Safari.

Schön im Sinne von interessant ist natürlich nur der generelle Einblick in eine unbekannte Welt. Traurig ist, daß die Menschen mit solchen Umständen im Alltag leben müssen. In einem TV-Ratequiz hätte ich diese Bahn irgendwo zwischen Kuba, Äthiopien und den Peruanischen Anden verortet. Und ich dachte, daß die Menschen sich wohl schon zu Dinosaurierzeiten mitten auf's Gleis stellen mussten, damit der Tramfahrer sie wahrnehmen kann. In einem Fred Feuerstein-Film sähe die Bahn wohl nicht viel anders aus. Der Arbeitsplatz der Fahrer mit dem Fahrkartenverkaufs'system' stimmt nachdenklich. Die zu überspringende Gleislücke ist der Hammer!

Was mich besonders gekniffen hat: Wie haben es die Menschen damals vor 150 Jahren geschafft von Odessa aus Kontakt zu einer belgischen Gesellschaft aufzunehmen, damit die weit weg am Schwarzen Meer ein Straßenbahnnetz errichten? So ohne Internet, Hotelbuchungsportal, Flugzeug und Kreditkarte. Aus heutiger Sicht im Tastatur- und Mausklick-Zeitalter finde ich es sehr beachtlich.

Beachtlich finde ich auch, daß nach meiner Fernsicht auf die Dinge (ich war nie selber dort) in Odessa alle Straßenbahnen solo als Kurzzüge fahren und es auch unendlich viele Minibusse gibt. Nach normalen Bussen oder gar Gelenkbussen braucht man wohl gar nicht erst anfangen zu suchen. Das passt doch irgendwie nicht zum ÖPNV einer Großmetropole. Das stelle man sich mal hier in Köln vor. Ich habe schon DSO-Reiseberichte verschlungen, wo sehr spannend über die Umstände (oder besser Zustände) einer kombinierten Bahn- und Seereise über Odessa geschrieben wurde. Haarsträubend!!! Auf der anderen Seite das gesellschaftliche Zusammenhalten, die gegenseitige Rücksichnahme im Kleinen, wie hier die spontanen Zwischenhalte, damit die Leute auf dem flachen Land nach Hause kommen. Die Sowjetkultur scheint mancherorts weiter zu leben.

"Die Fahrtzeiten und Takte der Linie 20. Die Intervalle wurden recht gut eingehalten. Jedoch ist es für den Fahrgast nicht ersichtlich, wann die nächste Bahn denn nun wirklich kommt."

Wie kann ein Haltestellenschild so messerscharf sauber mit satten Farben bedruckt und gleichzeitig so verbeuelt und zerknautscht sein? Wie geht das???


Wie bist Du eigentlich auf der Reise sonst zurecht gekommen? Mit Englisch oder Zeichensprache? Ich habe gelesen, daß die Ukrainer ausgesprochen offen und überwiegend sehr gastfreundlich sein sollen. Ruppiger kann es einen im Kontakt mit offiziellen Stellen begegnen. Neulich schrieb jemand hier von Grenzkontrollen, wo ein uniformiertes Vollblutweib jeden angeschissen haben soll, der mit ihr nicht anständig russisch sprach. Welchen Eindruck hast Du gewonnen? Ich habe eine gute Bekannte in Juschne, das ist eine kleine Trabantenstadt östlich von Odessa. Käme mir die Anreise doch nicht so umständlich vor...

Gruß, Olaf

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.02.19 13:07.
"In Russland läuft bestimmt jede Menge schief und so manches ist scharf zu kritisieren"

So weit ist Putin auf seinem Raubzug noch nicht gekommen. Odessa liegt bitte in der Ukraine. Die ukrainische Fahne ist blaugelb. Die Ukraine ist nicht Russland. Wie Portugal nicht Polen ist.

Gruß, Olaf

(,“)
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Hallo

Mein Fehler - du hast natürlich mit der Kernaussage recht (Odessa gehört zur Ukraine) - ansonsten stehe ich aber zu meiner Aussage, ob jetzt Russland oder Ukraine ist bei diesen Bericht wohl wenig von belang - bitte aber die große Politik herauslasen ansonsten besteht wohl die Gefahr das dieser sehr schöne Thread geschlossen wird.

423User
Hallo

was ich ja (fälschlicher Weise halt Russland angenommen - jeder macht mal Fehler. Oder...?) indirekt angedeutet habe.
Die Belgier waren damals ziemlich groß im Bereich des damaligen Russlands, wenn es um Straßenbahnen ging. Sie errichteten ihre Netze in der Regel in Meterspur (wie bei den belgischen Vicinalbahnen üblich), die Netze wurden dann ab den 30iger Jahren (und bis in die 70iger) umgespurt.

Straßenbahnen waren im späten 19./frühen 20. Jahrhundert ein Riesengeschäft, und die Belgier haben ihre "Start-ups" in Russland begründet, in der Hoffnung, daran Teil zu haben. Sie wurden wohl auch durch die kommunistische Revolution ziemlich überrascht. Die heutigen Meterspurbetriebe in der ehemaligen Sowjetunion sind wohl auch größtenteils Überreste dieser belgischen Netze, die meisten wurden jedoch umgespurt, darunter auch Odessa...

Gruss, sepruecom

Aus einem sozialistischen System ein kapitalistisches zu machen, ist, wie aus einem Omelett ein intaktes Ei zu machen (Unbekannter Verfasser)

Der gescheiterte US-Präsidentschaftskandidat John McCain zu seiner Nachtruhe: Seit seiner Niederlage schlafe er wie ein Baby: "Zwei Stunden schlafen, aufwachen und heulen, zwei Stunden schlafen". Quelle
Zitat:
Wie kann ein Haltestellenschild so messerscharf sauber mit satten Farben bedruckt und gleichzeitig so verbeuelt und zerknautscht sein? Wie geht das???
Es dürfte sich um einen Aufkleber handeln.
Der "aufgemotzte" Museumswagen verkehrt im Sommer regelmäßig an Wochenenden nach Arkadiya (SL5). Wenn man ihn mietet muß man damit rechnen, daß nur die einigermaßen guten Strecken (gleismäßig) angeboten werden! Viele Strecken sind recht lang, da braucht man meist 2-3 Stunden für eine Sonderfahrt und hat doch nur einen kleinen Teil des Netzes abgefahren. Mieten gilt auch für den KTM-1 Museumswagen (der steht zwar nun im neuen Museum im alten Depot Ilyich, welches nur selten geöffnet hat aber auch auf Anmeldung den Besuch zuläßt, muß dort aber rausgezogen werden - er soll jedoch weiterhin fahrfähig/mietbar sein: besser nicht im Sommer mieten, die Fenster lassen sich nicht öffnen... "Brutkasten").

Ansprechpartner kann ich bei Bedarf vermitteln (PM).

Danke für diesen Reisebericht, mit dieser Straßenbahn wollte ich auch schon immer fahren, hatte aber nie Zeit.

Kennst du dich zufällig mit der Straßenbahn in Odessa gut aus? Sind die sehr langen Linien 1 zur Fabrik "Zentrolit" und 27 zum Fischhafen sehenswert?

Wie genau werden die Fahrpläne eingehalten? Wenn die Fahrerinnen sowieso Fahrpläne mit genauen Abfahrtszeiten bekommen, fände ich ein exaktes 30-min-Intervall mit nach außen kommunizierten Abfahrtsminuten kundenfreundlicher.
alle Linien haben interessante bis sehr interessante Abschnitte (aber halt nicht nur). Man braucht jeweils mehrere Stunden, um diese beiden Linien abzufahren (länger, wenn man unterwegs auch noch Bilder machen will).

Da keine richtigen Fahrpläne veröffentlicht werden, stellt man sich am besten an die Haltestelle (wie die Einheimischen auch) und wartet, und hofft, das irgendwann etwas kommt (wenn zu lange nichts kommt nimmt man halt eine Marshrutka). Da fast nur mit Einzelwagen gefahren wird, wird es zur HVZ auf vielen Linien extrem voll (und man steht halt eng an eng eine halbe Stunde im Wagen: im Sommer quasi wie Sauna). Früher gab es viel mehr Traktionen, aber es herrscht Wagenmangel. Was soll ein Fahrplan, wenn man beim Aussteigen bezahlen muß (die anderen Türen bleiben i.d.R. so lange zu bis alle bezahlt haben, das kann an der Endstelle auch mal 5 Minuten dauern). Wenige Linien haben Schaffner (dto. beim Obus).

Es ist leider normal, daß am Tage mehrere Fahrzeuge unterwegs defekt gehen und dann ins Depot geschleppt werden. Hier und da stehen aber Reservewagen.

Hier schleppt und schiebt je ein Tw den mittleren defekten Tw (damit man überhaupt den recht steilen Berg hochkommt - das andere Depot wäre viel näher gewesen und "ebener" erreichbar aber die Wagen sind halt bestimmten Depots zugeteilt und werden also auch nur dort repariert). Ein Reservewagen (der vordere), die beiden anderen sind Linienwagen - da muß der Fahrgast halt auch mal etwas länger warten. In der Ukraine werden die aufgemalten Frequenzen auf den Haltestellenschildern übrigens nicht immer aktuell gehalten, ich würde da keine müde Mark drauf geben, was da dransteht...

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fahren konnte der defekten Wagen noch - Bremsen?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.02.19 16:53.

Re: Danke für alle Kommentare

geschrieben von: worldtradesurfer

Datum: 09.02.19 19:32

Hallo an Euch!

ich bin überwältigt was mein Beitrag für eine Resonanz erzeugt. So viele Kommentare. Da freue ich mich das sich die Arbeit gelohnt hat.

Lars F. Richter
Danke für Deine ergänzenden Bilder. So ein rot-creme Tatra sieht natürlich viel schöner auf der Schilfstrecke aus. Klasse!
Ich weiß ja das Du auch eine große Rundreise im Sommer gemacht hast und meine Freunde in Botosani getroffen hast ;-)

willi79
Na da hast du ja zumindest die Linie mal befahren. Über die Katakomben habe ich auch mal etwas gelesen. Dann hätte ja die Linie 20 sogar Touristisches Potential! Zumindest bei meinem ersten Besuch wollte ich hauptsächlich die Strecke (und andere) kennen lernen. Da bleibt leider oft wenig Zeit für touristische Ziele. Aber vieleicht wird es ja mal noch ;-)

423User
Auch wenn Du versehentlich "Russland" geschrieben hast. Im Kern ist es ziemlich gleich in der Ukraine. Aus diesem Grund spreche ich immer von dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.

Alibizugpaar
Leider ist es im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion immer noch fast überall so, das die Straßenbahn das letzte Glied in der Verkehrskette ist. Es hat in der neuen Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion nur noch den Ruf als Verkehrsmittel für Arme.
Dementsprechend wird es von der Politik auch behandelt. Wer Straßenbahn fährt, gehört zum Schlußlicht der Gesellschaft. Oft stecken diese Solo verkehrenden Straßenbahnen in den innenstädten Hilflos im Ausufernden Verkehr zwischen dicken Karossen der Neureichen Gesellschaft fest.
Die Verkehrsbetriebe leiden an kronischen Fahrzeug-, Geld- und Materialmangel. Dafür fahren auf den Straßen schiere Massen an privaten Minibussen die sich gegenseitig im Stau behindern und trotzdem für viele die bessere Alternative sind weil sie sehr oft fahren und meist viel schneller sind.
Du fragst wie ich auf dieser Reise zurechtgekommen bin. Nun, auf vielen vielen vorhergehenden Reisen nach Osteropa sammelt man immer mehr Erfahrung. Ich bewege mich mittlerweile auch alleine auf solchen Touren völlig gelassen durch die Länder. Fast immer per Eisenbahn solange es irgendwie möglich ist.
Mit English kommt man in der Ukraine zwar nicht immer weit, aber mit Händen, Füßen, Smartphoneübersetzer kommt man immer irgendwie weiter.
Die Grenzkontrollen zur Ein und Ausreise in die Ukraine sind ziemlich normal und Harmlos. Natürlich gibt es auch mal strengeres Personal, aber immer Freundlich und Respektvoll. Da habe ich noch keine Probleme gehabt.
gerade nach Odessa gibt es zum Beispiel ab Lviv gute Nachtzugverbindungen. Und von Deutschland nach Lviv kommt man ebenfalls per Bahn ganz gut.

railjet
Da ich drei Tage in Odessa war, konnte ich fast alle Außenstrecken bereisen. Nur die beiden Linien 18 und 19 nicht, da sie im SEV fuhren.
Die lange Strecke nach Zentrolit und die südliche Strecke zum Fischhafen sind definitiv sehenswert. Wenn man in einem Ritt durchfährt braucht man von Zentrolit bis zum Fischhafen mindestens drei Stunden. An der Strecke zum Fischafen entstehen zur Zeit viele neue Wohnsiedlungen. Die einstigen Überlandabschnitte werden zunehmend verbaut und bringt sicherlich eine Steigerung der Fahrgastzahlen mit sich. Übrigens passiert man auf der Fahrt zum Fischhafen die ehemalige deutsche Siedlung "Lustdorf", die sogar mal eine eigene elektrische Strand-Straßenbahn hatte.

Soweit erstmal meine Antworten
worldtradesurfer
Erstmal ebenfalls vielen Dank für den interessanten Reisebericht.

railjet schrieb:

Wie genau werden die Fahrpläne eingehalten? Wenn die Fahrerinnen sowieso Fahrpläne mit genauen Abfahrtszeiten bekommen, fände ich ein exaktes 30-min-Intervall mit nach außen kommunizierten Abfahrtsminuten kundenfreundlicher.

Neugierig wäre ich schon, zu erfahren, wie man ausgerechnet auf einen schwer merkbaren 28-Min.-Takt gekommen ist, und nicht einen 30-Min.-Takt fährt. Auch wenn das Aussteigen an der Endstation wie berichtet wegen Bezahlung mehrere Minuten dauern kann, so wäre doch bei ausreichender Wendezeit die pünktliche Abfahrt gewährleistet, und die dann ganztägig gleichbleibenden Abfahrtsminuten könnte man auf den Unterwegsstationen mit geringem Aufwand anschreiben, anstatt nur das Intervall anzugeben.

Für eine europaweit einheitliche Symmetrieminute [de.wikipedia.org] und [de.wikipedia.org]
Explanation in English: [en.wikipedia.org]
Zitat
Neugierig wäre ich schon, zu erfahren, wie man ausgerechnet auf einen schwer merkbaren 28-Min.-Takt gekommen ist, und nicht einen 30-Min.-Takt fährt. Auch wenn das Aussteigen an der Endstation wie berichtet wegen Bezahlung mehrere Minuten dauern kann, so wäre doch bei ausreichender Wendezeit die pünktliche Abfahrt gewährleistet, und die dann ganztägig gleichbleibenden Abfahrtsminuten könnte man auf den Unterwegsstationen mit geringem Aufwand anschreiben, anstatt nur das Intervall anzugeben.
Leute ihr denkt alle viel zu deutsch! "Man müsste das genau so machen", "warum geht es nicht einfacher und logischer" u.s.w. ;-)

Wenn man so wie ich viel unterwegs ist in Rumänien, Moldawien, Ukraine u.s.w. dann gewöhnt man sich diese Denkweise ganz schnell ab. Vergesst einfach alles was man von zu Hause her kennt. Minutenangaben sind einfach nicht, hat es nicht gegeben und wird auch so schnell hier keiner einführen. Denn wenn man es einführen würde, müsste man sich nämlich daran halten. Und das tut hier keiner bzw. würde es auch rein von den Ressourcen her nicht schaffen.
Es gib so viele Ausfälle und Unregelmäßigkeiten die täglich auftreten, da wären solche Angaben sinnlos. Es ist übrigens auch in vielen Städten der ehemaligen Sowjetunion ganz normal, das die Intervalle mal irgendwann vor 10 Jahren angeschrieben wurden und das wars. Aktualisierung fehl am Platz. Ihr werdet jetzt denken "Aber das ist doch Kundenunfreun......." pssssssst! gibts nicht. Fragt keiner hier danach, würde auch nicht auf die Idee kommen zu fragen. Punkt ;-)
Das ist ungefähr genau so eine Logik als wenn ich auf einen Rummelplatz gehe und einfach mal ein historisches Karusell drehen sehen will ohne mitzufahren. Das würde bei uns normalerweise 2 Euro oder so kosten. Aber hier nicht! Man fährt ja nicht mit. Also wird das Ding angeworfen, es dreht leer ohne Fahrgäste und ich kann von außen gucken. Live so erlebt zwei mal! Shit happens. Hauptsache es funktioniert irgendwie.
Herzlich Willkommen in der Ukraine, Rumänien,...und was es alles noch so im Osten gibt. Im allgemeinen läuft es hier überall so.

Es gibt allerdings auch interessante Fortschritte worüber man nur staunen kann. Zum Beispiel in der ukrainischen Stadt Chernivtsi. Hier gibt es ein Obus-Netz, in dem ebenfalls nirgends Fahrpläne hängen. Nur alte vergilbte Blechschilder mit den Intervallen die irgendwann mal angeschrieben wurden. Die alten Fahrzeuge sind verschlissen und rostig wie überall. Aber Achtung, jetzt kommts: jeder der möchte kann sich auf seinem Handy über eine App die aktuellen Standorte der Fahrzeuge und Linien live auf seinem Smartphone anzeigen lassen. Und das funktioniert sehr schnell und zuerlässig. Und schon weiß man wie lange man ungefähr noch warten muss. Das System gibt es mittlerweile auch in Lviv. Vieleicht sogar schon in viel mehr Städten. Übrigens auch für die privaten Minibusse.
So sind die Gegensätze. Alte rostige Karre, aber das wifi im Fahrzeug funktioniert rasend schnell und zuverläsig!

In diesem Sinne, denkt nicht zu deutsch! Es bringt nur Chaos in die östlichen Verkehrsbetriebe ;-)

worldtradesurfer



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.02.19 21:31.

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