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 05 - Straßenbahn-Forum 

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Γεια σου!

10 Tage Urlaub im Januar, na toll! Während gefühlt 80% meiner Kollegen ganzjährig an ihrem Haus herumwerkeln und ihnen die Jahreszeit ziemlich egal ist, wann sie ihrer Arbeitsauszeit nachgehen, verlasse ich grundsätzlich im Urlaub meine 4 Wände und meine traumhafte Stadt. Doch weder auf Schneegestöber noch auf eine lange Flugreise auf die Kanaren hatte ich Lust, so entschied ich mich für eine mehrtägige Reise nach Athen. Südeuropa im Winter ist ein Lottospiel, entweder hat man Glück mit dem Wetter oder es ist genauso bescheiden wie Zuhause. Glücklicherweise verbrachte ich meinen ersten Aufenthalt in der griechischen Hauptstadt überwiegend bei frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein.

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Auf geht's nach Athen.

Ein befreundeter BVG-Kollege, der beruflich viel mit der Athener Straßenbahn zu tun hatte, empfahl mir ein kleines gutes Hotel im noblen südlichen Vorort Glyfada. Der Flug und die Übernachtungskosten für 4 Nächte waren mit 260 EUR ein absolutes Schnäppchen. Ich kam am frühen Abend am Flughafen Athen Eleftherios-Venizelos an. Zu meinem Hotel hätte ich von hier eigentlich auch einen direkten Bus nehmen können, mich reizte aber die komplette Anreise auf dem Schienenweg. Der erste Teil verlief auch ohne Schwierigkeiten. Mit der Proastiakos (S-Bahn) und der Metrolinie 3 fuhr ich zum Syntagma-Platz, mit der Straßenbahnlinie 5 sollte es von hier aus weiter zu meiner Unterkunft gehen.

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Mein erster Kontakt mit einem griechischen Desaster Desiro am Flughafenbahnhof, bei der Staatsbahn OSE als Baureihe 460 bezeichnet. Von den vielen Desiros, die mir die Tage noch begegnen sollten, noch eine halbwegs gepflegte Variante.

Am Syntagma war die Straßenbahnhaltestelle schnell gefunden. Verdächtigerweise war sie völlig verweist. Die dynamische Fahrgastinformation informierte ihre Beförderungsfälle vorbildlich: Leider nur ausschließlich auf Griechisch. Zwar habe ich schon einige Urlaube auf Rhodos und Kos verbracht und war mit den Großbuchstaben halbwegs vertraut. In der Hauptstadt der Helenen wurde mir bewusst, dass es zweckmäßig wäre, mit das komplette Alphabet inklusive Kleinbuchstaben einzutrichtern. Englische Fahrgastinformationen sind recht spärlich gesät. Durch die einstündige Zeitumstellung war es bereits recht spät geworden und ich hatte keine große Lust herauszufinden, warum die Tram nicht fuhr. Durch einen großen Zufall stieß ich auf eine Stadtbuslinie, die auch an meinem Hotel halten solle. Mein Chauffeur der Buslinie A2 entpuppte sich als verkannter Rennfahrer, der aus seinem klappernden Mercedes-O405GN-Oldtimers alles herausholte. Durchgeschüttelt, wie nach hohem Seegang auf dem Atlantik, verließ ich den Hochseedampfer, direkt vor meiner Herberge für die nächsten Tage.


Zu Athens Nahverkehr

Durch die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2004 profitierte die griechische Hauptstadt enorm. Während es über 100 Jahre nur eine U-Bahnlinie, die „Ilektrikós“ von Piräus nach Kifissia gab, entstanden zur Jahrtausendwende zwei weitere Metrolinien, sowie ein neues Straßenbahn- und S-Bahnsystem. Eine Besonderheit der Metro ist der gemeinsam betriebene Streckenabschnitt mit der Proastiakos zwischen der Station Doukissis Plakentias und dem Flughafen. Die Metro verfügt über Zweisystemfahrzeuge mit von oben bestrichener Stromschiene (750 V Gleichspannung) und Bügelstromabnehmer und fährt von und zum Flughafen, unter Fahrdraht, mit 25 kV Wechselspannung.

Ergänzt wir das Athener Nahverkehrsnetz durch die Stadtbusse und einem der größten O-Bus-Netz Europas.

2011 wurden verschiedene Gesellschaften zusammengefasst. Seitdem werden die Metro und die Straßenbahn durch die „STASY S.A.“ und die Stadt- und O-Busse durch die „OSY S.A.“ betrieben. Der Betreiber der Proastiakos (Προαστιακός) ist eine Tochtergesellschaft der TrainOSE, die wiederum der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato (FS) gehört.


Tag 1 – Sirios, Desiros und bunte Bahnen auf der „Ilektrikós“

Mein Hotel befand sich in unmittelbarer Umgebung der südlichen Straßenbahnendstelle Asklipiio Voulas der Linien 3 und 5, eine viergleisige Haltestellenanlage. Langsam kletterte die Wintersonne den Himmel herauf, hinterließ am Vormittag aber noch kilometerlange Schatten.

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Zwei Mittelbahnsteige umfasst die Haltestelle Asklipiio Voulas: Links fährt die Linie 3 nach Piräus und rechts die Linie 5 in die Innenstadt Athens.

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Neben den Liniennummern haben die Straßenbahnlinien auch Namen, die in der ersten Zeile der Zielanzeigen dargestellt werden. Die Linie 3 trägt den Namen des antiken Historikers Thukydides (griechisch: Θουκυδίδης).

Die Straßenbahn kehrte 2004, nach fast 45 Jahren Pause, in die Hauptstadt und die Umlandgemeinden zurück. Das T-förmige Straßenbahnnetz umfasst knapp 30 Kilometer und besteht aus drei Linien, die vom Syntagma-Platz nach Piräus und Voula reichen. Die Flotte umfasst 27 fünfteiligen Sirio-Triebwagen, die von AnsaldoBreda gebaut wurden. Momentan ist ein Neubauabschnitt in Piräus Zentrum im Bau.

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Eine Kuriosität ist die wegklappbare Fahrleitungsanlage an der Haltestelle Platia Vergoti. Diese Anlage ist erforderlich, damit die Angehörigen der gehobenen Mittelschicht (lt. Definition eines Herrn Friedrich M., Mitarbeiter der Blackrock Inc.) ihre Paddelboote unbeschadet von und in die Marina Glyfadas transportieren können.

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Unterwegs nach Voula ist der Wagen 28 an der Haltestelle Flisvos. Im Hintergrund erstreckt sich die Hafenstadt Piräus.

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Was im Hochsommer hier wohl am Strand abgeht...

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Etwas weiter nördlich, in der Nähe der Haltestelle Trocandero, passiert ein Sirio eine Proskinitaria, die markanten Miniaturkirchen am Wegesrand.

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Die nördliche Endstelle der Athener Straßenbahn, das „Stadion de Friedens und der Freundschaft“, kurz S.E.F. Klingt wunderbar sozialistisch.

Kehren wir der Elektrischen zunächst den Rücken zu und widmen uns der Ilektrikós, die auch am Stadion vorbeifährt. Von der Straßenbahnhaltestelle S.E.F. ist es nicht weit zum U-Bahnhof Faliro.

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Der fünfteilige Zug erreicht den Bahnhof Faliro. Die 8. Bauserie gehört zu den ältesten Zügen, die in Athen noch im Einsatz sind und wurde 1983–1985 von MAN und Siemens gebaut. Einen unbemalten Zug zu erwischen, ist auf der Linie 1 völlig unmöglich.

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Innen sind die Züge recht gut in Schuss und erinnern mich ein wenig an einen Hamburger DT3 (was auch auf das Fahrgeräusch zutrifft).

Die jüngere Geschichte der Zugeinsätze auf der Ilektrikós ist spannend. So kamen in den 1980er-Jahren zunächst modifizierte G-I-Triebwagen aus DDR-Produktion zum Einsatz. Mit der 9. Bauserie (auch G-III bezeichnet) produzierte LEW in Hennigsdorf sogar zeitgleich mit MAN/Siemens eigene Fahrzeuge für Athen.

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Die 10. und 11. Bauserie wurde in den 1990er-Jahren, komplett in Griechenland, von „Hellenic Shipyards“ gebaut.

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ΠEIPAIA: Die Rollbandanzeigen sind auf der Ilektrikós ausschließlich griechisch beschriftet.

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Die Linie 1 verläuft größtenteils oberirdisch, auch in Athens Altstadt, dem historischen Stadtteil Plaka.

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Ein zentraler Punkt in der Plaka ist der Monastiraki-Platz, der – neben dem Syntagma-Platz – auch ein wichtiger Umsteigeknoten zwischen zwei U-Bahnlinien ist.

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Der Nike-Tempel auf der Akropolis.

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Spätnachmittäglicher Blick vom Akropolisberg auf die Stadt. Sollte übrigens spätestens jetzt die Frage aufkommen, ob ich einen Farbfilter verwende, so ist die Antwort nein. Das Winterlicht in Verbindung mit einer permanenten Smogglocke führt zu extremen Gelbstichigkeit der Fotos.


Tag 2 – Athens 25-kV-Straßenbahn

Das Wetter sollte sich die nächsten Tage weiterhin von seiner besten Seite zeigen. Am Vormittag widmete ich mich zunächst wieder der Bim.

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Die Maria-Himmelfahrts-Kirche in Palaio Faliro hatte mich bereits als Motiv angelächelt. Jedoch war ich noch ein wenig zu früh dran.

So fuhr ich zunächst einmal weiter. Am Abend zuvor habe ich recherchiert, warum der Syntagma-Platz momentan straßenbahnfrei ist. Die Innenstadtlinien wurden baustellenbedingt – seit Oktober 2018 – zurückgezogen und enden gegenwärtig an der Haltestelle Kassomouli. Auf der Seite der Internetseite STASY gibt es keinerlei Informationen über die Betriebseinschränkung.

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In Kassomouli kann lediglich ein Gleis benutzt werden, da es vor dem Bahnsteig nur einen einfachen Gleiswechsel gibt. Viel ist hier jedoch nicht los, da die Fahrgäste eine Haltestelle zuvor in die Metro umgestiegen sind.

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Hinter der Kurve wird das Planum bereits fleißig zweckentfremdet.

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In Amfitheras rattert mir Wagen 26 vor die Flinte.

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Zurück in Palaio Faliro. Die Sonne hatte bereits schon zu sehr gedreht, zum Trost kommt mit Triebwagen 9 mit bunter Eigenreklame entgegen.

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Ganz ohne Straßenbahn ist die griechisch-orthodoxe Kirche auch ein Foto wert.

Nun aber endlich zur Eisenbahn, von der ich bereits wenige Eindrücke sammeln konnte. Vom U-Bahnhof Attiki gelange ich nach kurzem Fußweg an die Eisenbahntrasse, die u.a. zum Athener Hauptbahnhof (dem ehemaligen Larissa-Bahnhof) führt. Die zweigleisige Strecke durchquert den Rand der Innenstadt auf einer Nord-Süd-Achse und führt teilweise durch dichte Bebauung. Faszinierend sind die zahlreichen personenbesetzten Bahnübergänge, die mit sehr abenteuerlich anmutenden mechanischen Schrankenbäumen gesichert werden. Die Innenstadtdurchfahrt hat den Charakter eine überdimensionierte Straßenbahnstrecke.

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Kurz vor dem Bahnübergang an der Agiou Meletiou ist ein Desiro nach Piräus unterwegs.

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Die wenig verbliebenen Fernzüge Griechenlands kommen hier auch vorbei. Der IC 53 aus Thessaloniki dieselt, ständig lustig das Makrofon bedienend, seiner Endstation Athen entgegen.

Ich spaziere an der Trasse vorbei zum Hauptbahnhof, den ich nach knappen 20 Minuten erreichte. Viele Bilder konnte ich dort jedoch nicht machen, da mein Treiben mit einer Spiegelreflexkamera an der Strecke offenbar nicht unbemerkt blieb. Auffällig unauffällig wurde ich von zwei Sicherheitsleuten beobachtet.

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Das ehemalige Hausbahnsteig des Larissa-Bahnhofs. Seit 2017 findet das Leben auf der Schiene am neuen Bahnhof statt. Zu selbigem führt der überdachte Fußweg im Hintergrund, der liebevoll über die alten Gleisanlagen verlegt wurde.

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Sinnigerweise werden die Gleisnummern des stillgelegten Bahnhofsteils fortgesetzt, in Betrieb sind lediglich die Gleise 7–10. Auf Gleis 10 parkt ein zweiteiliger Diesel-GTW, der irgendwann wieder seine Reise nach Chalkida antreten wird. Die GTWs waren interessanterweise meistens graffitifrei, dem stumpfen Lack war allerdings anzusehen, dass sie schon zahlreiche Anschläge erleiden mussten.

Ich setzte meinen Fußweg vom Hauptbahnhof in Richtung Süden fort. Richtung Piräus stehen sogar Lichtsignale mit dazugehörigen ETCS-Balisen (Siemens-Signale mit ÖBB-Signaloptiken), die allerdings nur dekorativen Charakter haben. Wozu technischer Schnickschnack, wenn es auch mit Handweichen geht und sich ein Bahnbetrieb mit analogen Handsprechfunkgeräten organisieren lässt.

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Auch die südlichen Einfahrsignale des Bahnhofs Athen dienen der Streckendekoration. Da aber zumindest die roten Laternen schon funktionieren, scheinen die Modelle bereits irgendwo angeschlossen worden zu sein. Die Zugbeeinflussungseinrichtung wird zeitnah nachgeliefert. Die gelben Portale vor den Signalen begrenzen die dutzenden ungesicherten Fußgängerüberwege auf der Innenstadtstrecke.

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Weiter südlich wird die Einfahrt in den Bahnhof Rouf durch ein funktionsloses und haltzeigendes Formsignal aufgehübscht.

Genug Bahninput für heute. Kehren wir in die Altstadt zurück.

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Der Stadtbummel soll wieder am Monastiraki-Platz beginnen.

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Vorbei geht es an der Markthalle an Athena-Straße, auch als „Varvakios-Markt“ bezeichnet.

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Straßenszene.

Die Athena-Straße endet am Omonia-Platz (deutsch: Einheitsplatz), dessen überdurchschnittliche Langweiligkeit mir kein Bild wert war. Bekannter ist ohnehin der Syntagma-Platz, an dem sich das Parlament befindet.

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Das griechische Parlamentsgebäude, erbaut von Friedrich von Gärtner...

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...bewacht durch die Evzonen, Griechenlands Präsendialgarde, die vor dem Grab des unbekannten Soldaten wacht und dabei selber bewacht wird.

Ok, ganz ohne schienengebundenes Verkehrsmittel geht es auch am Abend nicht. Vom Gipfel des Lykavittos (deutsch: Wolfsberg), Athens Hausberg, wollte ich den Sonnenuntergang beobachten.

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Auf die Spitze des Lykavittos führt eine Standseilbahn. Die Talstation ist, ziemlich versteckt, in einem Wohngebiet.

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In der Bergstation. Die Bahn fährt alle 30 Minuten, ist allerdings ziemlich unspektakulär. Die Strecke verläuft komplett unterirdisch, die Geschwindigkeit ist unfassbar langsam und die Gleise ziemlich rumpelig.

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Oben angekommen 🐾 🐾 🐾.

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Am höchsten Punkt des Lykavittos bildet die St.-Georgs-Kapelle und eine Aussichtsplattform. Hier warten bereits einige Besucher auf den Sonnenuntergang...

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...der in der Tat eindrucksvoll ist.

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Blaue Stunde über der Ägäis.

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Nach einem phantastischen Abendessen in einer Taverne in Dafni geht es mit der Straßenbahn zurück nach Glyfada.


Tag 3 – Steinhaufen und Selfiesticks, noch mehr „Grafisiros“ und Rückflug

Oft genug war die Akropolis auf den Bildern zu sehen. So wird es also Zeit, sie sich auch aus der Nähe zu betrachten.

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Auch am letzten Tag hält der schöne Sonnenschein an. Im Schatten der U-Bahnstation Akropoli ist es allerdings noch sehr frisch.

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In den Ruinen des Odeon des Herodes Atticus, einem antiken Theater, finden auch in der Neuzeit kulturelle Veranstaltungen statt.

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Das weltweit bekannteste Gebäude Griechenland ist und bleibt freilich das Parthenon.

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Das Plateaus füllt sich zunehmend mit anderen Besuchern und innerhalb kürzester Zeit vergraulen mich die Massen mit ihren bescheuerten Selfiesticks, eine der sinnlosesten Erfindungen der Menschheit.

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Ein letztes Mal schlendere ich durch die Plaka, die an einigen Orten von ihrer römischen Geschichte zu berichten weiß.

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Die Ruinen der Hadriansbibliothek.

Vor meinem Rückflug stehen noch zwei Punkte auf meinem Programm. Ein Besuch das U-Bahnmuseums in Piräus und ein erneuter Abstecher an die Eisenbahnstrecke.

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Die Bahnhofshalle der Endstation Piräus hat die Ausmaße eines Hauptbahnhofes.

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Das U-Bahnmuseum ist direkt in der Bahnhofshalle untergebracht.

Im Museum ist das Fotografieren nicht gestattet, auf der Internetseite der STASY findet ihr jedoch eine Bildergalerie. Der Besuch ist auf jeden Fall lohnenswert. Geöffnet ist täglich von 9 bis 14 Uhr, der Eintritt ist frei.

Mit der Proastiakos fahre ich nach Athen zurück. Der OSE-Bahnhof liegt direkt neben der Metrostation. Große Baugruben erschweren momentan den Zugang zwischen beiden Bahnhöfen. Hier entsteht zur Zeit die Verlängerung der U-Bahnlinie 3.

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Kurzer Fotostopp zwischen Rentis und Lefka, wo dieser „Grafisiro“ nach Piräus unterwegs ist. Rechts im Hintergrund befindet sich das Betriebswerk Rentis.

Mein letzter Fotostandort sollte nördlich des Bahnhofes Rouf sein, wo ich den Mittags-IC aus Thessaloniki noch einmal abpassen wollte. Über meinen tragbaren wischbaren Schlaufernsprecher fand ich heraus, dass der Zug heute mit 40 Minuten Verspätung in Athen ankommen sollte – zum Glück. Wäre er pünktlich gewesen, hätte die Strecke noch komplett im Schatten gelegen.

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Die Vorhut verspricht, dass es gerade so mit der Sonne klappen sollte.

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Und nur wenige Minuten später folgt der Intercity in Richtung Betriebswerk Rentis.

Der Rückflug rückt näher, auf zum letzten Mittagessen. Wie immer stelle ich fest, dass die hiesige Küche und das was in Deutschland in einem griechischen Restaurant angeboten wird, sehr wenig miteinander zu tun hat.

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Beim Warten auf meinen Zug zum Flughafen, konnte ich ein Beweisbild anfertigen, dass es auch gepflegte U-Bahnen in Athen gibt. Zwischen der Ilektrikós und den beiden neuen Metrolinien klaffen Welten.


Nachwort und Reisetipps

Trotz Skepsis im Vorfeld war ich von Athen positiv überrascht, zumindest was die Stadt selber betrifft. Das Nahverkehrssystem ist extrem widersprüchlich, wie es vielleicht aus meinen Eindrücken hervorgeht. Einerseits zwei topmoderne U-Bahnlinien mit sehr sauberen Stationen und gepflegten Fahrzeugen, andererseits eine alte Linie mit völlig zugekleisterten Oldtimerzügen. Auf der einen Seite ein modernes Straßenbahnsystem mit recht ansehnlichen Triebwagen, auf der anderen Seite eine Eisenbahn mit einer völlig überdimensionierten, ungenutzten Infrastruktur und Schienenfahrzeugen, die sich in einem erbärmlichen Zustand befinden.

Für diejenigen, die trotzdem – oder gerade deswegen – einmal nach Athen wollen, hier noch ein paar Tipps und Hinweise:

Ungewöhnlich für viele südeuropäischen Städte: Es gibt einen Verkehrsverbund. Die Fahrscheine gelten in allen Verkehrsmitteln (Proastiakos, Metro, Straßenbahn, O-Bus und Bus) in Athen und Umgebung. Papierfahrscheine gibt es seit 2017 nicht mehr, es werden nur noch Plastikkarten ausgegeben, die mit einem NFC-Chip ausgestattet sind.

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Die Preise sind, für unsere Verhältnisse, sehr günstig. 4,50 € kostet die Tageskarte, 9,– € die 5-Tageskarte. Von und zum Flughafen gilt ein Sondertarif. Eine Übersicht über alle Fahrscheine gibt es hier (auf Englisch).


Danke für eure Aufmerksamkeit.

Με Αγάπη,
Πάτρικ

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Hallo Patrick,

vielen Dank für Deinen sehr schönen Bericht!
Hat mich wunderbar an einen Kurztrip vom vergangenen Jahr erinnert... :-)

Beste Grüße
sfz2001
Wunderschöner, liebevoller Bericht über eine sicher über weite Strecken nicht besonders malerische Stadt und das eigentümliche ÖV-Geklecker. Wo gibt es sonst U-Bahn (aber nur drei Linien), Straßenbahn (auch nur drei Linien/Astkombinationen), Vorortzüge (Ostfahrer würden sie Elektritschka nennen, Deutsche S-Bahn), Bus und O-Bus, die sich alle irgendwie ergänzen und irgendwie alles erschließen, ohne dass ein größeres System zu erkennen wäre?
Der Bericht liest sich sehr kurzweilig - vielen Dank. Aus verschiedenen Gründen habe ich Athen immer ganz weit hinten auf meiner "Liste", obwohl ich mir irgendwann mal als Ziel gesetzt habe, in jedem europäischen Netz die Straßenbahn zu besuchen. Dabei erschien mir Athen aber immer eher langweilig. Immerhin ist das Netz offenbar überschaubar und lässt bei einem mehrtägigen Besuch genug Raum für den Blick nach links und rechts. Und wo ich gerade dabei bin - ich finde es sehr schön zu sehen, dass die Fensterbeklebung auf den Straßenbahnen offenbar vollständig weg ist. Es gab doch immer wieder mal Bildberichte aus der Stadt, auf denen sämtliche Bahnen mit Vollwerbung beklebt waren.

Vielen Dank für die Fotos!

Oh Gott ist das Land am Ende!

geschrieben von: Stefankre

Datum: 28.01.19 13:09

Oh Gott ist das Land am Ende!

Der Zustand der Infrastruktur ist ja schlimmer, als in einem Drittweltland.

Jeder Euro der nach Griechenland fließt ist verloren.

Re: Oh Gott ist das Land am Ende!

geschrieben von: derasselner

Datum: 28.01.19 13:24

Na, in der Dritten Welt sieht es schon noch anders aus. Die Bahnen fahren und sind im Innenraum auch OK, wie geschrieben wurde ist der äußere Zustand wechselnd, nicht durchgehend miserabel.
Um echte Fortschritte zu erzielen müsste natürlich vor Ort ein entsprechendes wirtschaftliches Klima und Selbstvertrauen herrschen. Wirtschaftswachstum kann man weder verordnen noch von außen finanzieren.
Es war wohl jahrzehntelang erfolgversprechender zu meckern, zu fordern und gute Kontakte zu haben als an der Sache zu arbeiten.