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[K] politisches GEschacher um die Ost-West-Achse [mL]

geschrieben von: hsimpson

Datum: 03.12.18 13:36

Die SPD hat ende letzer Woche einen politischen Schachzug gemacht, um die Schwarz-Grüne Ratskoalition bei der Stadtbahnfrage zu spalten, und damit direkt das ganze Projekt in Gefahr gebracht.

Genauer hat die SPD den Grünen und Linken angeboten, gemeinsam für eine oberirdische Variante zu stimmen, wenn ergänzt wird, dass man im Anschluss an den oberirdischen Ausbau eine lange Tunnelvariante von Deutz nach Melaten prüft. Die Grünen sind nämlich für den oberirdischen ausbau, während die SPD den langen Tunnel favorisiert.

Diese lange Variante ist jedoch auch so schon kaum förderfähig. Erst recht nicht, wenn man vorher noch die Oberirdischen Anlagen grunderneuert. Damit würde man weder das Verkehrschaos rund um Neumarkt, Heumarkt und Rudolfplatz lösen, noch die Ost-West-Linien beschleunigen können.

[www.ksta.de]

Offensichtlich haben sich die Grünen und die CDU inzwischen doch wieder zusammen gefunden. Es wird vermutet, dass die CDU den Grünen eine Reduktion des MIV auf der Ost-West-Achse als Gegenleistung für eine Zustimmung zur Tunnellösung angeboten hat.

[www.ksta.de]

Am 18.12. soll der Rat die Variantenentscheidung fällen. Mal sehen, wie das ausgeht.

[www.ksta.de]

Viele Grüße

Zeitgemäß?

geschrieben von: Allgäukölner

Datum: 03.12.18 16:42

Ich frage mich immer noch, warum heute noch eine Strassenbahn verbuddelt wird und nicht die Strasse...

Nachdenklich, der Allgäukölner.

Mann muß die Welt nicht verstehen, mann muß sich darin zurechtfinden.
A. Einstein

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: hsimpson

Datum: 03.12.18 20:05

Allgäukölner schrieb:
Ich frage mich immer noch, warum heute noch eine Strassenbahn verbuddelt wird und nicht die Strasse...

Nachdenklich, der Allgäukölner.
Vieleicht, damit die Stadtbahn im hochbelasteten und viel zu engen Innenstadtbereich das schnellste Verkehrsmittel bleibt?

Wenn ich mit dem Auto bequem die Stadt unterqueren kann, die Bahn sich jedoch durch das Chaos am Neu- und Heumarkt schlagen muss, dann kannste dir ausmalen, wie da die Verkehrsmittelwahl ausfallen wird.

Und komm mir nicht mit Vorrangschaltung, die kann auch nichts daran ändern, dass die Bahnen am Neumarkt mit Vmax=15km/h einfahren müssen.

In anderen Städten sind Tunnel im Innenstadtbereich vollkommen normal, aber die Millionenstadt Köln soll auf einer der höchstbelastetsten und verspätungsträchtigsten Achsen weiterhin ebenerdig durch die Innenstadt fahren? Tut mir leid, aber DAS kann mir wirklich keiner vernünftig erklären.

Grüße

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: Gernot

Datum: 03.12.18 21:29

Allgäukölner schrieb:
Ich frage mich immer noch, warum heute noch eine Strassenbahn verbuddelt wird und nicht die Strasse...

Du bist anscheinend auf die weit verbreitete Theorie reingefallen, dass U-Bahnen, bzw. Tunnelstrecken für Straßenbahnen den nahezu einzigen Zweck haben, an der Oberfläche mehr Platz für Autos zu schaffen.
Das trifft so aber nicht zu. Weder historisch, denn die ersten U-Bahnen in London, Budapest, Berlin oder Paris wurden gebaut, als es noch so gut wie keine Autos gab, noch für Köln. Denn hier führten die meisten Tunnelstrecken nicht zu mehr Fahrspuren für die Autos. Vielmehr kam der zusätzliche Platz überwiegend den Fußgängern und Radfahrern zugute.
Sicher ist die Ost-West-Trasse ein Grenzfall, denn ein Tunnel würde in diesem Fall die fahrplanmäßige Reisegeschwindigkeit nur unwesentlich erhöhen und eine höhere Kapazität kriegt man damit auch nicht so richtig hin. Jedoch dürfte die Verspätungsanfälligkeit in diesem Abschnitt deutlich sinken, was die reale Reisegeschwindigkeit dann doch wieder erhöht.
Was in diesem Fall aber auch nicht so richtig passt ist das oft angeführte Argument der viel längeren Zugangswege, welche den Fahrzeitgewinn wieder auffressen. Für Ein- und Aussteiger am Heumarkt oder Rudolfplatz mag das stimmen, für Neumarkt weniger weil dort die meisten Fahrgäste schon jetzt den Weg durch das unteridische Verteilergeschoss zur Schildergasse nehmen. Und die Wege für die zahlreichen Umsteiger zu den U-Bahnen in Nord-Süd-Richtung verlängern sich auch nicht, eher im Gegenteil.
Vom Verkehrlichen stehen die Argumente nach meiner Ansicht also pro Tunnel.
Dann gibt es noch den finanziellen Aspekt: Sollte man wirklich so viel mehr ausgeben, wo Köln nicht gerade im Geld schwimmt? Da ist die Oberflächenlösung wieder vorn. Und schließlich der städtebauliche Aspekt: Schon vor über 20 Jahren wurde der abschreckende Charakter der meisten Kölner Plätze beklagt. Das sind oft keine kommunikativen Orte mit Wohlfühlcharakter. Vor allem der Neumarkt als einer der drei größten Kölner Plätze gehört da zu den abschreckenden Beispielen. Der Platz ist hässlich und die innere Platzfläche ist weitgehend tot, wenn nicht gerade Weihnachtsmarkt oder so was ist. Das schönste Bauwerk am ganzen Platz - St. Aposteln - liegt weitgehend unbeachtet am Rand. Da gehört der ganze Verkehr auf die Südseite des Platzes, dann kann man den Innenraum mit Leben füllen und die Schildergasse optisch bis zur Mittelstraße fortführen. Damit hätte man auch die klassische Straßenführung von der Römerzeit bis in die 1930er wieder restauriert. Das alles könnte man natürlich auch mit der Bahn an der Oberfläche. Doch die gewünschte viergleisige Station frisst so einiges an Fläche, die man sonst dem Platz zuschlagen könnte. Die Fahrspuren kann man ja trotzdem auf zwei oder drei reduzieren. Also noch ein Punkt für den Tunnel.
Letzten Endes entscheidet all das aber der Stradtrat. Nur dass der sich derzeit, wenn man der Lokalpresse glauben darf, im Parteiengezänk befindet und nicht etwa die Argumente pro und contra in aller Ruhe abwägt.

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: toejam

Datum: 03.12.18 23:11

Belüftungs- und Beleuchtungskosten sind im Straßentunnel enorm, zudem sind die Wahrscheinlichkeiten eines Brandes in Straßentunneln viel höher. D.h. was die isikobewertung angeht schneidet ein Straßentunnel immer viel schlechter ab.

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: Hauptmann Mumm

Datum: 03.12.18 23:37

In der Veranstaltung zur Ost-West-Achse heute Abend wurde wieder einmal bestätigt, dass die derzeit vorliegenden Beschlussalternativen Tunnel und Oberfläche bzgl. Leistungsfähigkeit identisch sind. Übrigens ohne Widerspruch.
hsimpson schrieb:
Die Grünen sind nämlich für den oberirdischen ausbau, während die SPD den langen Tunnel favorisiert.
So einfach ist das nicht. Der lange Tunnel wird von der FDP und CDU favorisiert (Motto je länger je besser). Die SPD favorisiert dagegen als derzeit einzige Partei eine Lösung, die die Kapazität so weit steigert, dass prognostizierte ÖPNV-Zuwächse auch bewältigt werden können. Also 4gleisigkeit.

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: TW337

Datum: 04.12.18 05:04

Gernot schrieb:
Allgäukölner schrieb:
Ich frage mich immer noch, warum heute noch eine Strassenbahn verbuddelt wird und nicht die Strasse...

Du bist anscheinend auf die weit verbreitete Theorie reingefallen, dass U-Bahnen, bzw. Tunnelstrecken für Straßenbahnen den nahezu einzigen Zweck haben, an der Oberfläche mehr Platz für Autos zu schaffen.
Das trifft so aber nicht zu. Weder historisch, denn die ersten U-Bahnen in London, Budapest, Berlin oder Paris wurden gebaut, als es noch so gut wie keine Autos gab, noch für Köln. Denn hier führten die meisten Tunnelstrecken nicht zu mehr Fahrspuren für die Autos. Vielmehr kam der zusätzliche Platz überwiegend den Fußgängern und Radfahrern zugute.
Sicher ist die Ost-West-Trasse ein Grenzfall, denn ein Tunnel würde in diesem Fall die fahrplanmäßige Reisegeschwindigkeit nur unwesentlich erhöhen und eine höhere Kapazität kriegt man damit auch nicht so richtig hin. Jedoch dürfte die Verspätungsanfälligkeit in diesem Abschnitt deutlich sinken, was die reale Reisegeschwindigkeit dann doch wieder erhöht.
Was in diesem Fall aber auch nicht so richtig passt ist das oft angeführte Argument der viel längeren Zugangswege, welche den Fahrzeitgewinn wieder auffressen. Für Ein- und Aussteiger am Heumarkt oder Rudolfplatz mag das stimmen, für Neumarkt weniger weil dort die meisten Fahrgäste schon jetzt den Weg durch das unteridische Verteilergeschoss zur Schildergasse nehmen. Und die Wege für die zahlreichen Umsteiger zu den U-Bahnen in Nord-Süd-Richtung verlängern sich auch nicht, eher im Gegenteil.
Vom Verkehrlichen stehen die Argumente nach meiner Ansicht also pro Tunnel.
Dann gibt es noch den finanziellen Aspekt: Sollte man wirklich so viel mehr ausgeben, wo Köln nicht gerade im Geld schwimmt? Da ist die Oberflächenlösung wieder vorn. Und schließlich der städtebauliche Aspekt: Schon vor über 20 Jahren wurde der abschreckende Charakter der meisten Kölner Plätze beklagt. Das sind oft keine kommunikativen Orte mit Wohlfühlcharakter. Vor allem der Neumarkt als einer der drei größten Kölner Plätze gehört da zu den abschreckenden Beispielen. Der Platz ist hässlich und die innere Platzfläche ist weitgehend tot, wenn nicht gerade Weihnachtsmarkt oder so was ist. Das schönste Bauwerk am ganzen Platz - St. Aposteln - liegt weitgehend unbeachtet am Rand. Da gehört der ganze Verkehr auf die Südseite des Platzes, dann kann man den Innenraum mit Leben füllen und die Schildergasse optisch bis zur Mittelstraße fortführen. Damit hätte man auch die klassische Straßenführung von der Römerzeit bis in die 1930er wieder restauriert. Das alles könnte man natürlich auch mit der Bahn an der Oberfläche. Doch die gewünschte viergleisige Station frisst so einiges an Fläche, die man sonst dem Platz zuschlagen könnte. Die Fahrspuren kann man ja trotzdem auf zwei oder drei reduzieren. Also noch ein Punkt für den Tunnel.
Letzten Endes entscheidet all das aber der Stradtrat. Nur dass der sich derzeit, wenn man der Lokalpresse glauben darf, im Parteiengezänk befindet und nicht etwa die Argumente pro und contra in aller Ruhe abwägt.
Man kann die Fahrspuren am Neumarkt auch au NULL reduzieren. Dieses will man in Köln nur leider sehr sehr zaghaft umsetzten, nämlich nur die FWK

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: Kölnbahner

Datum: 04.12.18 09:19

Einige verstehen es immer noch nicht:
Ohne erhebliche Kapazitätssteigerung und Netzausbau kann man den Autoverkehr in Köln nicht groß beschneiden.
Die KVB ist nicht mal in der Lage, die jetztigen Verkehrsströme zu bewältigen, wenn die Stadt wächst geht das gar nicht mehr, vor allem auf Ost/West.
Und Du willst die Auto-Fahrspuren auf Ost/West auf Null reduzieren?

Re: [K] politisches GEschacher um die Ost-West-Achse [mL]

geschrieben von: Gauron

Datum: 04.12.18 09:28

Laut Fenske brauchen wir jedoch gar keine Kapazitätssteigetung:

Zitat
Die SPD im Stadtrat will eine ober- und eine unterirdische Lösung sowie einen Tunnel unter dem Rhein. Ist das ein realistischer Vorschlag?


Nein. Der Rhein-Tunnel ist grundsätzlich schon wünschenswert. Bei der Masse an Fahrgästen brauchen wir ein möglichst störungsfreies und schnelles System. Insofern gilt, je länger der Tunnel, desto besser. Der Rhein-Tunnel ist aber aktuell nicht finanzierbar. Ob dieser 2030 finanzierbar wäre, da müsste ich die Glaskugel befragen. Das hilft mir jetzt nicht weiter. Die SPD hat zudem die oberirdische Führung der Linie 7 vorgeschlagen, weil das die Kapazitäten erhöhen würde. Unsere Antwort darauf ist: So viel Kapazitäten brauchen wir nicht. Außerdem würde die Ost-West-Achse ihre trennende Schneisenwirkung behalten. Das kann niemand wollen. In Wien liegt der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs bei 40 Prozent, die Nutzung kostet nur einen Euro pro Tag. Müssen wir nicht das Tarifsystem neu ordnen, damit auch in Köln mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen?

https://mobil.ksta.de/koeln/kvb-chef-zum-abschied--wir-muessen-noch-puenktlicher-werden--31688426?originalReferrer=https://m.facebook.com/&dmcid=sm_fb_p&fbclid=IwAR1Y7Ax3taqpiH5mRTZB7EeXuKFp88n2Q5iJhJ5oMykmRPiK3pY0ZtTFzW8

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: ET57

Datum: 04.12.18 09:40

> der abschreckende Charakter der meisten Kölner Plätze

Ja, natürlich. Immer wieder. Meiner Meinung nach ein Luxusthema, solange man sich der Bearbeitung der dringlichsten Probleme noch nicht angenommen hat - m. E. einer Kapazitätserhöhung auf allen stark belasteten Linien. Ein Schelm, wer hier ein bewusstes Ablenkungsmanöver wittert.

Also im meiner Denke ein klarer Vorrang eines flüssigen ÖPNV vor stadtgestalterischen Ansprüchen. Dichtere Taktfolgen gehen vielerorts kaum, Bahnsteigverlängerungen mit längeren Traktionen sind auch zu anstrengend und zur Not kommt die ultimative Keule "Schiebebühne". Die Threads zu diesen Themen quellen bereits über.

Die Bahn verbuddeln. "Speer und er" (gemeint ist in diesem Fall der "Masterplan"). Da spart man dann gefühlte 1,5 Minuten zwischen Neumarkt und Heumarkt. Isch laach misch kapott. Die Barrierewirkung durch den MIV bliebe erhalten. Straße verbuddeln und Bahn oben lassen: Nicht zu vergessen, dass es sich um eine Achse mit viel Anlieferverkehr für Kaufhäuser und die Anbindung der zugehörigen Parkhäuser handelt. Und ich glaube kaum, dass man in diese Todeszone städtebauliches Leben bringen könnte, am ehesten wohl noch etwas um Hohe Straße / Hohe Pforte herum.

Ich würde mich dem Thema über "cui bono" nähern und annehmen, dass da anscheinend mal wieder viel Beton verbuddelt werden soll. Die genaue Zuteilung wird in den entsprechenden Vereinen geregelt. Kölle alaaf!

(Kein Paralleleintrag in einem der anderen threads).

Grüße

ET 57
Zitat Fenske
Die SPD im Stadtrat will eine ober- und eine unterirdische Lösung sowie einen Tunnel unter dem Rhein. Ist das ein realistischer Vorschlag?

Nein. Der Rhein-Tunnel ist grundsätzlich schon wünschenswert. Bei der Masse an Fahrgästen brauchen wir ein möglichst störungsfreies und schnelles System. Insofern gilt, je länger der Tunnel, desto besser. Der Rhein-Tunnel ist aber aktuell nicht finanzierbar.
Kennt der Mann eigentlich sein Netz nicht? Wenn man keine vier Gleise will, aber eine störungsfreie Strecke, braucht man auch keinen Rheintunnel. Die Deutzer Brücke ist bereits kreuzungsfrei.

Zitat Fenske
Zitat:
Die SPD hat zudem die oberirdische Führung der Linie 7 vorgeschlagen, weil das die Kapazitäten erhöhen würde. Unsere Antwort darauf ist: So viel Kapazitäten brauchen wir nicht. Außerdem würde die Ost-West-Achse ihre trennende Schneisenwirkung behalten. Das kann niemand wollen.
Ohne Worte. Wenn der ÖPNV solche Freunde hat, braucht er keine Feinde mehr...

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: Hauptmann Mumm

Datum: 04.12.18 10:35

Gernot schrieb:
Was in diesem Fall aber auch nicht so richtig passt ist das oft angeführte Argument der viel längeren Zugangswege, welche den Fahrzeitgewinn wieder auffressen. Für Ein- und Aussteiger am Heumarkt oder Rudolfplatz mag das stimmen, für Neumarkt weniger weil dort die meisten Fahrgäste schon jetzt den Weg durch das unteridische Verteilergeschoss zur Schildergasse nehmen. Und die Wege für die zahlreichen Umsteiger zu den U-Bahnen in Nord-Süd-Richtung verlängern sich auch nicht, eher im Gegenteil.
Da wäre ich mir nicht so sicher. Man kann sich den Neumarkt jetzt nicht als zweiten Friesenplatz vorstellen, also als Turmbahnhof mit optimal kurzen Umsteigewegen. Die Voraussetzungen sind viel ungünstiger:
- Es gibt für Ost-West keine Vorleistungen
- Ost-West muss bei Schildvortrieb sehr tief liegen (man kann mit einer TBM nicht wirklich knirsch unter der Decke vom Bestandstunnel entlangbohren)
- Station Ost-West liegt versetzt zu Nord-Süd und nicht direkt daneben/darunter (Da man die Station wohl kaum unter der Bebauung Neumarkt Südseite bauen wird)

Wie derartige Situationen heute oft bautechnisch gelöst werden, kann man sich z.B. bei der neuen Metrolinie C in Rom angucken (Verknüpfung mit der "alten" Linie A an der Station San Giovanni). Die Bestandshaltestelle liegt in recht geringer Tiefenlage mit Verteilergeschoss darüber. Aus diesem Verteilergeschoss zweigt dann eine Fußgängerpassage ab, von dort aus gibt es dann lange Rolltreppenverbindungen nach ganz unten zur Linie C. Beim Umsteigen muss man also erst hoch und dann wieder (sehr tief) runter. Das dauert schon ein paar Minuten.

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: Gauron

Datum: 04.12.18 10:46

Allerdings steht man aber auch durchaus auch mal mehrere Minuten an Ampeln. Das ist mir in letzter Zeit schon öfter aufgefallen, dass ich in dieser Wartezeit längst schon einige Treppen hinuntergegangen wäre. Genügend Zugänge natürlich vorausgesetzt.
Aber will man an der Aachener Str/Gürtel bspw von der 13 zur 7 Stadteinwärts, dann sind auch 5min Umstiegszeit schon verdammt knapp.
Hauptmann Mumm schrieb:
Zitat Fenske
Zitat:
Die SPD hat zudem die oberirdische Führung der Linie 7 vorgeschlagen, weil das die Kapazitäten erhöhen würde. Unsere Antwort darauf ist: So viel Kapazitäten brauchen wir nicht. Außerdem würde die Ost-West-Achse ihre trennende Schneisenwirkung behalten. Das kann niemand wollen.
Ohne Worte. Wenn der ÖPNV solche Freunde hat, braucht er keine Feinde mehr...
Da fehlen einem wirklich die Worte. Der denkt ja wirklich nur von 12 bis Mittag. Wir reden von 2030+ und der sagt die Kapazitäten brauchen wir nicht.

Und in der ganzen Diskussion redet keiner der Verantwortlichen von den beiden niveaugleichen Abzweigen in Deutz und hinterm Neumarkt. Da kannst du noch so eine schöne U-Bahn bauen und signaltechnisch Blockabstände von 60 Sekunden kreieren, an den beiden Stellen wird die Kapazitätsgrenze quasi in Beton gegossen. Versteht das keiner? Die Bahnen stehen heute schon auf der Deutzer Brücke Schlange, weil der Abzweig belegt ist. Bei der Dreifachtraktion sogar noch länger! Und zukünftig haben wir dann noch einen zweiten Abzweig in der Zugsicherungsanlage. Ist denen nicht bekannt, dass der weniger Durchlass als die heutige oberirdische Einzelweichensteirung hat? Was nützt da bitte schön der Tunnel?

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: Gernot

Datum: 04.12.18 12:59

Hauptmann Mumm schrieb:
Gernot schrieb:
Was in diesem Fall aber auch nicht so richtig passt ist das oft angeführte Argument der viel längeren Zugangswege, welche den Fahrzeitgewinn wieder auffressen. Für Ein- und Aussteiger am Heumarkt oder Rudolfplatz mag das stimmen, für Neumarkt weniger weil dort die meisten Fahrgäste schon jetzt den Weg durch das unteridische Verteilergeschoss zur Schildergasse nehmen. Und die Wege für die zahlreichen Umsteiger zu den U-Bahnen in Nord-Süd-Richtung verlängern sich auch nicht, eher im Gegenteil.
Da wäre ich mir nicht so sicher. Man kann sich den Neumarkt jetzt nicht als zweiten Friesenplatz vorstellen, also als Turmbahnhof mit optimal kurzen Umsteigewegen. Die Voraussetzungen sind viel ungünstiger:
- Es gibt für Ost-West keine Vorleistungen
- Ost-West muss bei Schildvortrieb sehr tief liegen (man kann mit einer TBM nicht wirklich knirsch unter der Decke vom Bestandstunnel entlangbohren)
- Station Ost-West liegt versetzt zu Nord-Süd und nicht direkt daneben/darunter (Da man die Station wohl kaum unter der Bebauung Neumarkt Südseite bauen wird)
Wenn ich mir die ersten Entwürfe zum U-Bahnhof Neumarkt angucke, wird der wohl nicht im Schildvortrieb gebaut werden. Schon allein das Verzweigungsbauwerk östlich der Station ist damit nicht möglich. Und die gewünschte Viergleisigkeit auch nicht. Man wird also ein tiefes Loch graben und dort die Station hineinbauen.
Momentan ist es ja so, dass man beim Umstieg am Neumarkt zwei Ebenen hinauf-, bzw. herabgehen muss. Mehr Ebenen werden das bei einer Tunnellösung auch nicht werden, aber je nach Bauausführung könnte es eine Ebene weniger sein.
Insgesamt gesehen scheint mir der Neumarkt bei dem ganzen Projekt das aufwändigste und problematischste Stück zu sein. Einmal wegen der nicht vorhandenen Bauvorleistung des vorhandenen Tunnels, dann wegen der Viergleisigkeit und schließlich auch noch wegen des Abzweigs Richtung Sülz. Was ich auch noch gar nicht gesehen habe sind Vorschläge, ob und wo es ein oder zwei Wende- bzw. Abstellmöglichkeiten geben könnte. Die jetzigen Planungen scheinen die erste Wendemöglichkeit im Osten hinter dem Bahnhof Deutz und die erste im Westen am Aachener Weiher, bzw. der Uni vorzusehen. Wie mache ich das dann mit den Sonderzügen zum Stadion oder bei Betriebsstörungen? Wirklich optimal ist das nicht, aber die Planungen sind ja noch alle in der Entwurfsphase.
Einen Teil der Probleme am Neumarkt kriegt man meiner Meinung nach am elegantesten gelöst, wenn man die beiden Bahnsteige nicht neben, sondern übereinander baut. Dann hat man ganz nebenbei einen niveaufreien Abzweig realisiert und braucht eine deutlich schmalere (aber tiefere) Baugrube. Aber so etwas wäre für Köln ja geradezu revolutionär.
Hauptmann Mumm schrieb:

Zitat Fenske
Zitat:
Die SPD hat zudem die oberirdische Führung der Linie 7 vorgeschlagen, weil das die Kapazitäten erhöhen würde. Unsere Antwort darauf ist: So viel Kapazitäten brauchen wir nicht. Außerdem würde die Ost-West-Achse ihre trennende Schneisenwirkung behalten. Das kann niemand wollen.
Ohne Worte. Wenn der ÖPNV solche Freunde hat, braucht er keine Feinde mehr...
Ich schreib bir doch seit Jahren 'nen Wolf, dass dieser Hampelmann Fenske weder Ahnung hat noch an Lösungen interessiert ist.
Wir brauchen keine Kapazitätssteigerung, dementsprechend ist ja auch klar, warum wir keine höhenfreien Abzweige brauchen:
Wenn wir Angebot und Kapazität nicht steigern müssen, dann kann ja alles bleiben wie es ist.

Lasst dann bitte auch den schwachsinnigen Tunnel bleiben und lasst die Bahn oben. Et bliev doch wie et is, ob 10m unter der Straße oder oben is mir egal. Dann lieber oben, kann ich aus dem Fenster kucken und man hat viel Geld gespart.

Fenske raus, danke für nix.

Re: [K] politisches GEschacher um die Ost-West-Achse [mL]

geschrieben von: toejam

Datum: 04.12.18 15:25

Zitat:
Kennt der Mann eigentlich sein Netz nicht? Wenn man keine vier Gleise will, aber eine störungsfreie Strecke, braucht man auch keinen Rheintunnel. Die Deutzer Brücke ist bereits kreuzungsfrei.


Nein, die Einfädelung der 7 ist nicht kreuzungsfrei

Re: [K] politisches GEschacher um die Ost-West-Achse [mL]

geschrieben von: Gernot

Datum: 04.12.18 15:54

toejam schrieb:
Zitat:
Kennt der Mann eigentlich sein Netz nicht? Wenn man keine vier Gleise will, aber eine störungsfreie Strecke, braucht man auch keinen Rheintunnel. Die Deutzer Brücke ist bereits kreuzungsfrei.


Nein, die Einfädelung der 7 ist nicht kreuzungsfrei
Brauchte sie auch nicht zu sein, weil sie seinerzeit als Provisorium gedacht war. Die endgültige kreuzungsfreie Ausfädelung sollte hinter der Station Technische Hochschule (damals noch Deutz-Kalker-Bad) erfolgen und dann parallel zum Deutzer Ring und der Eisenbahntrasse nach Poll führen. Damit hätte man den straßenbündigen Abschnitt auf der Siegburger Str. umfahren und die Poller und Porzer hätten nebenbei eine Anbindung an den Bf. Deutz gehabt. Nun wird aber das Deutzer Hafengelände umgenutzt und plötzlich wird aus dem Provisorium eine Dauerlösung. Wie man's macht, ist es verkehrt...

Re: Zeitgemäß?

geschrieben von: toejam

Datum: 04.12.18 15:57

Gernot schrieb:
Wenn ich mir die ersten Entwürfe zum U-Bahnhof Neumarkt angucke, wird der wohl nicht im Schildvortrieb gebaut werden. Schon allein das Verzweigungsbauwerk östlich der Station ist damit nicht möglich. Und die gewünschte Viergleisigkeit auch nicht.


Gernot schrieb:
Einen Teil der Probleme am Neumarkt kriegt man meiner Meinung nach am elegantesten gelöst, wenn man die beiden Bahnsteige nicht neben, sondern übereinander baut. Dann hat man ganz nebenbei einen niveaufreien Abzweig realisiert und braucht eine deutlich schmalere (aber tiefere) Baugrube. Aber so etwas wäre für Köln ja geradezu revolutionär.
Jep, das sollte alles kein problem sein. Entweder man setzt die 4 Gleise mit 2 Mittelbahnsteigen nebeneinander (-3 Ebene) , oder 2x2 Gleise untereinander (-3/-4 Ebene).
Skizze anbei
Bild1.jpg

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