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[NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: tmmd

Datum: 09.07.18 11:49

Die Fahrgastzahlen der Naumburger Straßenbahn sind im 1. Halbjahr 2018 ggü. dem Vergleichszeitraum 2017 deutlich gestiegen.

Quelle: [www.mdr.de]

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: Andreas M

Datum: 09.07.18 13:17

Nun die Meldung wiederholt sich nun bei DSO, das wirklich neue an der MDR-Meldung ist folgendes:
"Der Landrat und auch der Verkehrsminister tragen dieses Vision mit. Und wir gehen daran, zu überlegen, wo es vielleicht mal lang gehen könnte, damit sich der Ring irgendwann mal wieder schließt."
Der Traum vom wieder geschlossenen Ring ist nicht so ganz neu nur die Frage, wann wird aus Träumerei wenn auch nur erst mal planerisch Realität.
Spannender noch: "... zu überlegen, wo es vielleicht einmal langgehen könnte ...", Will man da vielleicht, mal den Touristen eine Haltestelle am Weltkulturerbe, gönnen? Den Fahrgastzahlen würde es gut tun. Mit einer Veränderung der Führung der B 180 (Ab der Bahnhofsbrücke quer übers Feld zur B 87, mit P& R Möglichkeit am Bahnhof, sollte sich der Dombereich auch vom Durchfahrtsverkehr befreien und die Touris in die Bahn locken lassen.

LG
Andreas M

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: ingo st.

Datum: 09.07.18 17:54

Schön das es in kleinen Schritten weitergeht.
Wer war denn nach 1990 die beratende Westfirma/Partnerkommune, die das plattmachen vorschlug?
Gruß
Ingo

Hier bei meinem Besuch in 2009:

P1030715.jpg

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: lokkalle27

Datum: 09.07.18 19:00

Totgesagte leben länger und länger und...
Danke an alle Mitarbeiter für Ihre tägliche Arbeit und den Besserwessis den Mittelfinger!
Auf das der Ring bald wieder geschlossen ist, zum Wohl der Einwohner und der Turis.
Danke!

Re: [NMB] Visionen werden Realität..

geschrieben von: Mahuli4

Datum: 09.07.18 19:05

...da bin ich mir ganz sicher. Nicht nächstes Jahr aber in Zukunft.
Naumburg ist der beste Beweis, wie kluges Schritt-für-Schritt-Denken und persönliches Engagement zum Erfolg führen kann. Nicht zuletzt die Zuerkennung des Weltkulturerbetitels für den Dom, wird der Vision einen kräftigen Schub geben.
Ich freue mich sehr für Herrn Plehn und seine Mitarbeiter.
Gruß Jens-Peter



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.07.18 19:05.

Re: [NMB] Visionen werden Realität..

geschrieben von: spock5407

Datum: 10.07.18 12:17

Gibt es Vorstellungen vor Ort bzgl. Ermöglichung von Barrierefreiheit? Sprich, z.B. gebrauchte Teil-Niederflurwagen? Früher oder später wird man sich dem stellen müssen.
Was neues dürfte ja wohl die Finanzkraft sprengen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.07.18 12:18.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: Reiner Bimmermann

Datum: 10.07.18 14:46

Hallo Ingo,

die Partnerstadt war und ist Aachen. Ob von hier aus Empfehlungen zum "Plattmachen" der Ringbahn kamen, entzieht sich meiner Kenntnis. Anhand von zahlreichen alten Zeitungsartikeln aus jenen Jahren erscheint die Einstellung eher als ein hausgemachtes Ding, sieht man einmal davon ab, dass der damalige OB Curt Becker aus Baden Württenberg kam.
Viele Grüße aus Aachen
Reiner Bimmermann

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: Bernhard Martin

Datum: 10.07.18 20:05

ingo st. schrieb:Zitat:
Wer war denn nach 1990 die beratende Westfirma/Partnerkommune, die das plattmachen vorschlug?
Der Berater war wahrscheinlich der gesunde Menschenverstand. Wenn man einmal die rosarote Straßenbahnbrille abnimmt, wird man vielleicht verstehen, dass die Einstellung des Regelbetriebs der Naumburger Straßenbahn keineswegs ein "Plattmachen" war, sondern dass es hierfür vielmehr gute Gründe gab:
- Die gesamten Gleisanlagen, Depot und der Wagenpark waren dringend erneuerungsbedürftig. Angesichts der nicht unbeträchtlichen Kosten für eine Sanierung des Straßenbahnbetriebs war abzuwägen, ob sich eine solche Investition lohnen würde.
- Die Fahrgastzahlen in Naumburg waren immer so, dass sie problemlos mit 12 m-Bussen bewältigt werden konnten. Ein Straßenbahnbetrieb war (und ist) demgegenüber immer teurer. Wenn man trotzdem an der Straßenbahn festhalten will, braucht man dafür gute Gründe. Und die fehl(t)en in Naumburg.
- In DDR-Zeiten diente die Straßenbahn v.a. dem Pendlerverkehr mit der Eisenbahn. Der ging nach der Wende stark zurück.
- Das Straßenbahnnetz ist nie der Stadtentwicklung gefolgt. Vielmehr entstanden Wohngebiete abseits des Rings. Vage Pläne für zumindest eine Zweigstrecke gab es in den 1970er Jahren. Sie wurden aber nie auch nur ansatzweise konkret. Außerdem erschloss die Straßenbahn auch die Innenstadt nur noch randlich. Auch das wurde zunehmend zu einem Akzeptanzproblem für die Fahrgäste.
- Nach der Wende stellte sich die Frage nach der Anbindung der Wohngebiete und der Innenstadt. Für Straßenbahnstrecken gab es weder den politischen Willen noch eine Finanzierung. Es mussten also zwangsläufig Stadtbuslinien eingerichtet werden. Wie hätten diese mit der Straßenbahn verknüpft werden sollen? Durch Umsteigezwang am Ring? Angesichts der relativ kurzen Reisewege wäre so etwas nur von wenigen Fahrgästen akzeptiert worden. Ein solches System hätte vielmehr dem ÖPNV als Ganzem schweren Schaden zugefügt. Und Durchbindung der Stadtbuslinien zum Bahnhof plus Ringstraßenbahn? Das hätte nur erhebliche zusätzliche Betriebskosten, aber wenig bis keinen Zusatznutzen gebracht.

Fazit: Bei einer nüchternen Betrachtung der Lage nach 1990 kann man m.A.n. zu dem Schluss kommen, dass die Einstellung des Regelbetriebs der Straßenbahn sinnvoll war. Die Probleme bei der Straßenbahn waren viel zu groß, Lösungen schwierig bis unmöglich und politischer Wille nicht vorhanden.

Angesichts dieser Ausgangslage ist es umso erfreulicher, dass die Naumburger Straßenbahn erhalten geblieben ist. Der nostalgische Betrieb ist eine gute Lösung. Bleiben wir aber realistisch: Die Straßenbahn ist ein primär an Touristen gerichtetes Angebot und kann angesichts der Rahmenbedingungen auch nicht mehr werden. Jeder Versuch, sie zu einem vollwertigen ÖPNV aufzupeppen, wird für die Mehrheit der Otto-Normal-Fahrgäste deutliche Verschlechterungen mit sich bringen und dem System ÖPNV insgesamt schaden. (Dass viele Naumburger die Straßenbahn für ihre Besorgungen etc. nutzen, ist sehr erfreulich, sollte aber m.A.n. nicht über die Akzeptanzchancen eines gebrochenen Verkehrs hinwegtäuschen. Diese Leute fahren v.a. mit der Straßenbahn, weil sie an ihr hängen und sie unterstützen wollen und nicht weil der gebrochene Verkehr attraktiver wäre als die durchgehenden Stadtbuslinien.) Weitere Streckenerweiterungen halte ich nur dann für sinnvoll und realistisch, wenn sie von der alten Ringstrecke abweichen und die touristisch wichtigen Gebiete erschließen. Allerdings möchte ich auch zu bedenken geben, dass je nach Streckenlänge (insbesondere bei einem Ringschluss) das bisherige 1-Zug-Konzept nicht aufrecht zu erhalten ist. Vielmehr wird man zwei Kurse benötigen - mit entsprechendem Anstieg der Betriebskosten. Ob die durch steigende Fahrgeldeinnahmen gedeckt werden könnten, ist diese große Frage.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 10.07.18 22:09

Dass es objektive Gründe zur Stilllegung der Straßenbahn gab (und um eine solche handelte es sich, da hatte kein Touristenbetrieb übrig bleiben sollen), heißt noch nicht, dass da wirklich eine rationale Entscheodung gefallen ist. Die damalige Berichterstattung lässt nicht erkennen, dass da sachliche Erwägungen eine Rolle gespielt hätten. Da wurde wirklich plattgemacht.

Basis war allerdings ein SEV, der aufgrund der immer ungünstiger gewordenen Umstände nur noch als Total-SEV gefahren werden konnte. Durch die Beschränkung auf Betrieb nur noch in einer Richtung war der Ring extrem anfällig geworden, Pendelverkehr auf Teilstrecken war nicht mehr möglich, weil die Ausweichen großenteils stillgelegt waren und weil man keine ZR-Wagen für den Personenverkehr mehr hatte. Da führt dann natürlich eine mit wenig Engagement vorangetriebene Baustelle zum finalen Ende.

Dass sämtliche Anlagen und Fahrzeuge erneuerungsbedürftig gewesen wären, stimmt allerdings nicht. Es gab einzelne schlechte Stellen im Netz (die schlimmsten im Bereich der erwähnten Baustelle), daneben aber auch die neu gebauten bzw. verlegten Abschnitte aus den 80er Jahren. Bei den Fahrzeugen hatte man mit den Übernahmen aus Gera und Plauen einen recht soliden Stand erreicht.

Das Verkehrsaufkommen aus DDR-Zeiten war natürlich nicht zu halten. Das erforderte immerhin einen 8-min-Takt mit Triebwagen, erst bei konsequentem Beiwagenbetrieb hätte man ausdünnen können.

Dass die Straßenbahn mit der Stadtentwicklung nicht mithalten konnte, stimmt natürlich, das war aber schon vor der DDR so. Der Busverkehr ist auch keine Nachwendeerfindung, es gab neben der Straßenbahn eine Buslinie, die vor allem der Bedienung von Flemmingen diente.

Für die Zukunft ergibt sich hieraus, dass die Reaktivierung des Rings wenig sinnvoll wäre. Nicht mal so sehr wegen der Betriebskosten, denn man könnte dann wieder auf Betrieb in einer Richtung umstellen. Das gilt sinngemäß auch, wenn man auf die Parallelführung auf dem letzten Stück am Bahnhof durch den Markgrafenweg verzichtet (nur das scheint überlegt zu werden - auch wenn der Markgrafenweg das letzte stillgelegte Stück mit vorhandenen Gleisen war). Mit dem Ringschluss würde man sich final auf Touristenbetrieb festlegen. Die wesentliche Nachfrage kommt aber von den Einwohnern. Zudem ist der Betrieb vom Land bestellter Nahverkehr, und das Land wird nicht dauerhaft nichtbarrierefreien Verkehr bestellen können.

Sinnvoll kann also nur die Herstellung einer Durchmesserlinie sein, die als regulärer ÖPNV funktioniert. Leider eignet sich die Bestandsstrecke dafür nur sehr begrenzt als Basis. Unter diesem Aspekt (und wohl auch unter dem des Fahrgastpotenzials des Ringstreckenanteils) hat man wahrscheinlich die falsche Hälfte des Rings reaktiviert - wohl wissend, dass nicht wirklich eine Wahlmöglichkeit bestand.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: Mahuli4

Datum: 10.07.18 22:44

Es gibt keine falschen Entscheidungen sondern nur Solche, die sich im Nachhinein als falsch herausstellen. Alle bisher getrofenen Entscheidungen sind aber richtig gewesen und es zeugt von der Weitsicht der handelnden Personen. Es würde mich schon sehr wundern, hätten die Naumburger Straßenbahner nicht schon längst die Ideen im Kopf oder sogar schon in der Schublade.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: Felix Kaiser

Datum: 11.07.18 07:28

Die Bahn ist in erster Linie ein touristisches Angebot, womit die Regelungen und Vorschriften des ÖPNV nur bedingt gelten. Barrierefreiheit ist in diesem Fall nur ein KANN, kein MUSS. Die Bahn hat auch erst einmal einen eigenen Tarif, der MDV wird aber anerkannt, was am Ende die Nutzerzahlen erhöht. Das könnte auch eine Bedingung sein für die Bezuschussung. Ist es tatsächlich bestellter Nahverkehr, der so auch im Amtsblatt bekannt gegeben wurde und der die Naumburger Straßenbahn als Konzessionseigner betitelt? Oder fließen zweckgebunden Zuschüsse, die sich nicht nach EG1370/2007 richtigen? (z.B. Förderung von Wirtschaft/Tourismus). Bei der Oberweißbacher Bergbahn greift beispielsweise soweit ich weiß auch letzteres. Das Geld kommt dort aus anderen Töpfen, nicht aus dem Topf, womit in Thüringen der SPNV bestellt wird.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 11.07.18 08:19

Erzähl doch nicht solchen Blödsinn. Es ist bestellter Nahverkehr und kein "touristisches Angebot". Letzteres gibt es im PBefG auch nicht. Die Frage der Konzession ist eine ganz andere, die muss unabhängig von der Finanzierung bestehen. Die tarifliche Regelung ist hierfür völlig egal, Haustarife stehen dem Bestellprinzip nicht entgegen.

Die Anforderungen an Barrierefreiheit kommen nicht aus dem PBefG und erlauben eine zeitliche Streckung ("Kann"-Regelungen gibt es aber auch dafür nicht). Man kann dieses Erfordernis aber nicht infinit aussitzen. Wenn man dauerhaft nichtbarrierefrei fahren wollte, müsste man das Angebot auf eine andere rechtliche und finanzielle Basis stellen, und das ginge dann nur mit parallelem Busverkehr.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: Felix Kaiser

Datum: 11.07.18 13:08

Die Stadt hat also per Direktvergabe den Betrieb der Linie 4 beim Betrieb bestellt und bezuschusst diesen mit Mitteln aus dem Haushalt sowie nach ÖPNVG LSA? In dem Punkt war ich mir nicht sicher, aber der ist entscheidend und nicht Blödsinn. Das Rückgrat im ÖPNV bilden die Buslinien 101, 102, 103 auf denen MDV-Tarif gilt. Sofern kann die Linie 4 als touristisches Angebot betrieben werden, wäre in dem Fall für den ÖPNV entbehrlich, unterläge auch nicht dem PBefG und müsste auch nicht durch zusätzlichen barrierefreien Busverkehr ergänzt werden. Ist sie aber entsprechend bestellt greift natürlich das PBefG mit allem drum und dran. Das dürfte deiner Aussage nach ja zutreffen. Durch den Busverkehr kann der Bahn aber auch problemlos eine Genehmigung erteilt werden, dass sie im jetzigen Zustand bis Ultimo weiter betrieben werden kann - alles kein Problem. Soviel Freiheiten räumt die EU-Richtlinie den zuständigen Landesaufsichten ein. ÖPNV darf mit nicht barrierefreien Angeboten ergänzt werden, solange die Beförderung an sich gewährleistet werden kann. In Naumburg sehe ich das durch die drei Buslinien erfüllt. In anderen Städten könnte man das beispielsweise auf Zusatzlinien und Zusatzverkehre projizieren, die entweder saisonal oder zu irgendwelchen Feierlichkeiten eingerichtet werden. Die müssen auch künftig nicht barrierefrei sein, was beispielsweise den Einsatz von historischen Fahrzeugen erlaubt. Auch E-Linien fallen darunter, sofern sie nicht anschlussrelevant sind, also keine Rolle für durchgängige Reiseketten spielen und auch entsprechend gekennzeichnet sind.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: Ladehilfe

Datum: 11.07.18 19:11

Die wilde Zicke war doch schon zu DDR-Zeiten abgewirtschaftet aber was man mit etwas Liebe und Zuwendung nicht alles erreicht. Die Barrierefreiheit wird sich wohl mit dem aktuellen Fahrzeugpark nicht wirklich realisieren lassen. Es sei denn es findet sich ein Anbieter der Rollstuhlhubgeräte einbauen kann und ein Denkmalpfleger der denken kann.

An die Besteller von Verkehrsleistungen: Wer eine werksneue Mercedes S-Klasse bestellt sollte nicht nur einen Trabant bezahlen wollen.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 11.07.18 22:04

Felix Kaiser schrieb:
Die Stadt hat also per Direktvergabe den Betrieb der Linie 4 beim Betrieb bestellt und bezuschusst diesen mit Mitteln aus dem Haushalt sowie nach ÖPNVG LSA? In dem Punkt war ich mir nicht sicher, aber der ist entscheidend und nicht Blödsinn.

Nicht die Stadt bestellt, sondern die NASA. Das ist eine Sonderregelung für die Naumburger Straßenbahn, um die lange gerungen wurde und die zunächst auch nur testweise möglich war.

Felix Kaiser schrieb:
Das Rückgrat im ÖPNV bilden die Buslinien 101, 102, 103 auf denen MDV-Tarif gilt. Sofern kann die Linie 4 als touristisches Angebot betrieben werden, wäre in dem Fall für den ÖPNV entbehrlich, unterläge auch nicht dem PBefG und müsste auch nicht durch zusätzlichen barrierefreien Busverkehr ergänzt werden.

Das ist leider von vorn bis hinten Unfug. Das Bestellprinzip, Linienverkehr und notwendige Barrierefreiheit stehen nicht in einem 1:1:1-Verhältnis. Grundsätzlich sind alle Linienverkehre konzessionspflichtig und nach PBefG unterwegs, ausgenommen sind nur Eisenbahnen. Das schließt auch touristische Bahnen wie die Kirnitzschtalbahn ein, ebenso haben die Stadtrundfahrtbusse, bei denen unterwegs ein- und ausgestiegen werden kann, Linienkonzessionen. Die Naumburger Straßenbahn hatte zur Zeit des gelegentlichen Verkehrens auch schon eine Linienkonzession. Ohne geht es nicht.

Die Frage der notwendigen Barrierefreiheit ist komplizierter, weil es dazu noch keine etablierte Praxis gibt. Grundsätzlich sind aber keine Ausnahmen vorgesehen, sondern nur Aufschübe bei klar definiertem Ziel. Daher meine Aussage, dass man das Problem nicht wird aussitzen können.

Felix Kaiser schrieb:
Ist sie aber entsprechend bestellt greift natürlich das PBefG mit allem drum und dran.

Noch mal: Das Bestellprinzip hat nichts mit dem PBefG zu tun. Das PBefG ist Jahrzehnte älter und stammt, auch mit seinen wesentlichen heutigen Inhalten, aus einer Zeit, als an das Bestellen noch gar nicht zu denken war.

Felix Kaiser schrieb:
Durch den Busverkehr kann der Bahn aber auch problemlos eine Genehmigung erteilt werden, dass sie im jetzigen Zustand bis Ultimo weiter betrieben werden kann - alles kein Problem. Soviel Freiheiten räumt die EU-Richtlinie den zuständigen Landesaufsichten ein.

Die Konzession ist bereits erteilt und eine Kopplung an die Barrierefreiheit nicht vorgesehen. Das hat auch nichts mit irgendeiner EU-Richtlinie zu tun, sondern mit deutschem Recht. Die Notwendigkeit der Barrierefreiheit hat auch nichts damit zu tun, dass irgendwo in Naumburg noch Busse rumfahren. Es gibt keinen parallelen Busverkehr, so dass man die Straßenbahn nicht pro forma zu einem Ergänzungsangebot degradieren kann.

Felix Kaiser schrieb:
ÖPNV darf mit nicht barrierefreien Angeboten ergänzt werden, solange die Beförderung an sich gewährleistet werden kann. In Naumburg sehe ich das durch die drei Buslinien erfüllt.

Mal abgesehen davon, dass das schon von der Prämisse her nur Deine persönliche Meunung ist und nicht etwa etablierte Deutung der Rechtslage (geschweige denn rechtlich fixiert), wäre selbst bei Akzeptanz dieser Prämisse die Schlussfolgerung falsch. Die Buslinien decken andere Strecken ab und bedienen andere Haltestellen. Die Straßenbahn in Naumburg ist kein touristisches Angebot und auch kein Verstärkerverkehr, sondern die Hauptachse des Naumburger ÖPNV. Wenn sie das nicht wäre, wäre der Verkehr auch nicht bestellt worden.

Felix Kaiser schrieb:
In anderen Städten könnte man das beispielsweise auf Zusatzlinien und Zusatzverkehre projizieren, die entweder saisonal oder zu irgendwelchen Feierlichkeiten eingerichtet werden. Die müssen auch künftig nicht barrierefrei sein, was beispielsweise den Einsatz von historischen Fahrzeugen erlaubt.

Auf dieser Basis wäre ein Betrieb mit historischen Fahrzeugen zusätzlich zu Straßenbahnlinienverkehr denkbar. Das wäre aber was anderes, als heute läuft.

Felix Kaiser schrieb:
Auch E-Linien fallen darunter, sofern sie nicht anschlussrelevant sind, also keine Rolle für durchgängige Reiseketten spielen und auch entsprechend gekennzeichnet sind.

Auch das ist Interpretation, wenn auch eine plausible. Der Haken dabei: Es dürfte praktisch keine E-Linien mehr geben, allenfalls einzelne E-Wagen. Das macht nämlich Probleme beim Bestellen. Was nicht im genehmigten Fahrplan steht, kann man schlecht bestellen. Und was im Fahrplan steht, ist kein E-Wagen, auch wenn da noch so viele E im Liniennummernkasten stehen. Für Naumburg würde das eh nicht weiterhelfen.

Ladehilfe schrieb:
Die wilde Zicke war doch schon zu DDR-Zeiten abgewirtschaftet aber was man mit etwas Liebe und Zuwendung nicht alles erreicht. Die Barrierefreiheit wird sich wohl mit dem aktuellen Fahrzeugpark nicht wirklich realisieren lassen. Es sei denn es findet sich ein Anbieter der Rollstuhlhubgeräte einbauen kann und ein Denkmalpfleger der denken kann.

Was ist denn da überhaupt denkmalgeschützt? Die Gothas umd Rekos ganz sicher nicht, vielleicht der 17.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: Felix Kaiser

Datum: 12.07.18 07:43

Dann wäre ja Naumburg geklärt, danke für die umfassenden Hintergrundinformationen! Ich bin ehrlich überrascht, dass die Bahn tatsächlich soviel innerstädtischen ÖPNV übernimmt, wo doch die drei Buslinien schon ein dichtes Netz aufspannen. Da Naumburg mehr flächig, weniger gestreckt ist in seiner Gebietsausdehnung, sind die Wege in der Regel schon eher kurz.

Aber den Bestellergedanken darfst du nicht so scharf auffassen. Es gibt immer wieder Verkehre, die nicht im Vorfeld der langjährigen Ausschreibung / der Direktvergabe oder von Linienkonzessionen, gedeckt sind. Das wird auf dem kurzen Dienstweg zwischen Aufgabenträger (Stadt) und Betrieb geregelt bzw. spielen mitunter auch Unternehmen/Einrichtungen vor Ort eine Rolle, für welche die Verkehre abgewickelt werden. Als Beispiel möchte ich da die Erfurter Linie 7 nennen, die als Verstärker zur Messe eingesetzt wird. Oder die Geraer Linie 5, die beispielsweise zu Stadtfesten eingesetzt wird und wo zuletzt die Historischen immer Auslauf und regen Zuspruch durch Fahrgäste erfuhren. In Gera haben wir übrigens noch eine klassische E-Linie, auch wenn sie nicht mehr offiziell als solche an den Haltestellen/Fahrzeugen benannt wird. Die Linien 1 und 3 fahren im 15' Grundtakt, die Hauptbuslinien im 30' Grundtakt, durch Linienüberlagerung entsteht auch hier teils wieder ein 15' Basistakt. Die 3E verkehrt Mo-Fr im halben Takt der Linie 3 und etwas verkürzt. Und je nach dem, wie sich der Nahverkehr hier in den nächsten 10 Jahren entwickelt, wird diese entweder zu einer Linie 4 mit neuem Linienendpunkt oder ggf. auch mit einer weiteren Zwischenwendeschleife eingekürzt oder auch so gelassen oder es passiert noch irgendwas ganz anderes... wer weiß...

Rum wie num: Sonder-/Zusatzverkehre bedürfen keiner besonderen Genehmigung von oben und E-Linien sollten auch in 10 Jahren noch eine Genehmigung erhalten, wenn sie nicht barrierefrei sind, aber auch nicht umlaufverknüpft. So wie es jetzt aussieht wird aber wohl kein Betrieb davon Gebrauch machen müssen. Und für Naumburg spielt das sowieso keine Rolle. Warten wirs mal ab, ich bin gespannt!

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 12.07.18 23:14

Alle diese Sonderverkehre sind üblicherweise bestellt, und sie sollten üblicherweise der Aufsichtsbehörde auch angezeigt werden. Das ist in der Realität gar kein Problem. Hinsichtlich der E-Linien wollte ich vor allem darauf hinweisen, dass die ihren unverbindlichen Status in aller Regel schon lange verloren haben. Was in Gera als 3E fährt, ist konzessionierter Linienverkehr mit Betriebs- und Beförderungspflicht. Mit E-Wagen im eigentlichen Sinne hat das nichts zu tun. Hinsichtlich der Barrierefreiheit gelten für solche Linien keine Ausnahmen. Ob in Zukunft dafür Ausnahmen oder ein verlängerter Aufschub akzeptiert wird, bleibt abzuwarten.

Einziges Indiz für reduzierte Fahrgastrechte bei konzessionierten Linien, für die durchgehend Alternativen in dichtem Takt zur Verfügung stehen, war zeitweise Linie 6 in Darmstadt, wo zumindest implizit die Beförderungspflicht ausgesetzt wurde. Dort wurde erstmals der Fahrscheinverkauf beim Fahrer eingestellt, obwohl etliche bediente Haltestellen keinen Fahrkartenautomaten hatten. Darauf wurde auch ausdrücklich hingewiesen. Dort fuhren die Linien 7 und 8 parallel und über die Strecke der Linie 6 hinaus. Mag sein, dass unter gleichartigen Bedingungen (7,5-min-Takt der Hauptlinie auf exakt gleicher Strecke) nichtbarrierefreie Ergänzungsverkehre akzeptabel sein werden.

Für Naumburg helfen solche Erwägungen allerdings nicht weiter.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: Ladehilfe

Datum: 13.07.18 08:45

Da könnte man ja einen Rollstuhllift so ähnlich wie bei der SOEG einbauen und schon hat man einen barrierefreien ET57 oder was sonst so in Naumburg fährt.

An die Besteller von Verkehrsleistungen: Wer eine werksneue Mercedes S-Klasse bestellt sollte nicht nur einen Trabant bezahlen wollen.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: teile

Datum: 13.07.18 16:52

Warum nicht einfach "Hochbahnsteig" Niveau 1. Stufe und dann mobile Rampe? Ist dann ja nur noch eine Stufe in den ET57.

Re: [NMB] Fahrgastrekord bei der Wilden Zicke

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 14.07.18 20:19

Weder solche "Hochbahnsteige" noch Rollstuhlhublifte sind barrierefrei. Bei ersteren hast Du das Problem selbst benannt: Es bleibt noch eine Stufe, und das funktioniert so auch nur bei den T57 (nicht ET57).

Rollstuhlhublifte sind eine Behelfslösung, die aus einer Zeit stark eingeengten Verständnisses von Barrierefreiheit stammt. Es geht nicht immer nur um Rollstuhlfahrer. Gehbehinderten, egal ob mit Rollator oder ohne, nützt ein Rollstuhlhublift gar nix.

Zudem verbraucht die Nutzung von Rollstuhlhubliften viel zu viel Zeit. Die Umlaufzeit in Naumburg ist nicht übermäßig üppig, erst recht nach der Verlängerung. Und die Straßenbahn hat am Bahnhof Anschlüsse. Wenn da jemand auf der Fahrt zum Bahnhof mit Rollstuhl reingehoben wird und noch vor dem Bahnhof wieder raus, ist der Zug weg, wenn die Bahn dann endlich mal am Bahnhof ankommt.

Wer das nicht glaubt, möge sich mal die Linie 15 in Philadelphia ansehen. An der katastrophalen Zuverlässigkeit bis hin zu auflaufenden Kursen (bei 15-min-Takt!) haben die recht häufig genutzten Rollstuhlhublifte maßgeblichen Anteil.

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