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[C] Historie der Chemnitzer Verkehrsknoten - Markt

geschrieben von: Blaulicht

Datum: 09.03.18 22:15

Historie der Chemnitzer Verkehrsknoten – Markt


Vorwort:

Im nachfolgenden Beitrag soll, in loser Fortsetzung einer bereits einige Jahre zurückliegenden Serie, ein weiterer Chemnitzer Verkehrsknoten näher beleuchtet werden.

Der Markt bildete in vielen Städten den Mittelpunkt des Stadtlebens. So war es auch in Chemnitz. In der Betrachtung der Historie des öffentlichen Verkehrs macht es sich aber besser im Falle Chemnitz nicht von dem Markt, sondern von den Märkten zu sprechen, da diese bis auf den Getreidemarkt räumlich ineinander übergingen.


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Bild 1 Trenckmannscher Plan 1761

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Bild 1.1. Markt bis 1826
Innerhalb der mittelalterlichen Stadtbefestigung bildeten sich mit der Zeit fünf Märkte heraus – Markt, Salz- & Topf- bzw. Neumarkt, Holzmarkt, Roßmarkt und Getreidemarkt.
Nach 1806 und dem Schleifen der alten Stadtbefestigungen kamen noch Brückenmarkt (Teil der Brückenstraße) und Neustädter Markt (heute Theaterplatz) hinzu.
Bei der weiteren Betrachtung sollen die beiden Letztgenannten aber nur eine informatorische Rolle spielen, da dies den Umfang des Beitrages sprengen würde.

Bildeten fast bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Fußgänger, Reiter und Pferdegespanne das Verkehrsaufkommen, so sollte sich dies ab 1893 ändern.

Übergang von der Pferdebahn zur elektrischen Straßenbahn:
Beim Blick auf den Stadtplan von 1883 fällt auf, dass die seit 1880 verkehrende Pferdebahn den eigentlichen Mittelpunkt der Stadt nicht erreichte.


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Bild 2 Stadtplan 1883
Zwischen der Nikolaibrücke als westlichen Punkt und der Königstraße als östlichen Punkt wurde das unmittelbare Stadtzentrum in einem nördlichen Bogen über die Theaterstraße bzw. einem südlichen Bogen über Poststraße und Johannisplatz umfahren. Nimmt man den Markt als den Mittelpunkt an, so ergaben sich Entfernungen von durchschnittlich 100m ausgehend von den Pferdebahnstrecken dahin. Eine Distanz die als akzeptabel angesehen wurde. Entlang der gewählten Streckenführungen lagen mehrere öffentliche Gebäude wie Stadttheater, Hauptpost und Telegraphenamt, das erste „neue“ Rathaus an der Poststraße und vieles andere mehr, was fußläufig innerhalb kurzer Distanz erreichbar war.

An dieser Situation sollte sich aber alsbald etwas ändern. Im II. Nachtrag zur Konzessionsurkunde vom 14. Juli/15. Oktober 1892 wurde in § 1 der Bau und Betrieb einer Strecke über den Markt manifestiert.

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Bild 3 Auszug aus dem II. Nachtrag
In §3 wurde „die Anwendung von elektrischer Zugkraft unter Zugrundelegung des Systems oberirdischer Leitungen gestattet – vorbehaltlich der Zustimmung der den bezüglichen Reichs- & Staatsbehörden zustehenden Rechte.“

Am Dienstag, dem 19. Dezember 1893 ging schließlich die neue Straßenbahnstrecke von der Flurgrenze Altendorf über die Hartmannstraße, Äußere/Innere Klosterstraße, Markt, Innere Johannisstraße über Johannisplatz und weiter zum Bahnhof als Erste in der Stadt mit elektrischer Ausrüstung in Betrieb.

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Bild 4 Markt ab 1893

Zwischen dem 23. Dezember 1893 und dem 6. Februar 1894 folgten die Aufnahme des elektrischen Betriebes auf der Neubaustrecke Richtung Bernsdorf bis zum Rosenplatz sowie den bislang bestehenden Pferdebahnstrecken.
Planmäßig fuhren jetzt die gelbe Linie südlich durch die Poststraße, die rot-grüne Linie über die Theaterstraße sowie neu die blaue Linie zwischen Limbacher Straße/Beyerstraße an der Flurgrenze zur Altendorf – Markt - Rosenplatz auf Bernsdorfer Flur.

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Bild 5 Stadtplan 1894

Über die neugebaute Gleisverbindung durch die Innere Johannisstraße zum Johannisplatz wurde zunächst die Strecke Hauptbahnhof-Markt-Limbacher Straße befahren. Zum 28. Juni 1894 gab eine einen Anpassung. Die inzwischen mit Farbzeichen Grün gekennzeichnete Linie verkehrte nun auf der Relation Bahnhof-Markt/Holzmarkt.

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Bild 6 Stadtplan 1894-99

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Bild 7 Innere Johannisstraße

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Bild 8 Markt 1899

Die Märkte:
Wie eingangs schon einmal erwähnt, sollen hier die vier räumlich ineinander übergehenden Areale betrachtet werden. Für die weitere Betrachtung bietet es sich an, die Abhandlung am westlichen Punkt dem Roßmarkt zu beginnen und das Ende am östlichen Punkt dem Neumarkt zu finden. Für die weiteren Erläuterungen sollen Ausschnitte aus einem Katasterblatt von 1925 eingefügt werden, da darin alle Gleisanlagen wie sie zum Teil bis in die 1960er Jahre bestanden eingezeichnet sind.

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Bild 9 Katasterblatt 1925

Der Roßmarkt:
Das Areal des Roßmarktes leitete seine Namensgebung vom vorrangigen Handelsgut also Pferden auf diesem Platz der Stadt ab.
Das Areal des Roßmarktes, zwischen Nikolaistraße und Holzmarkt gelegen, wurde von der Straßenbahn im Richtungssinn befahren. Am 9. Januar 1900 ging die Verlängerung der grünen Linie vom Holzmarkt über Roßmarkt, Nikolaibrücke (Falkeplatz) zum Nikolaibahnhof in der Stollberger Straße in Betrieb.
Die Fläche in der Mitte des Roßmarktes war als erhöhtes Trottoir ausgeführt.
Am westlichen Platzende befand sich seit 1893 der vom Chemnitzer Verschönerungsverein initiierte Saxoniabrunnen. Er stellte auf einem Granitsockel die Landespatronin Saxonia dar. Flankiert wurde sie zu beiden Seiten von Spinnerin und Schmied, welche als Allegorien für die Textilindustrie sowie den Maschinenbau standen.
1941 wurden die Bronzefiguren zunächst demontiert und alsbald eingeschmolzen, das granitene Brunnenbecken eingelagert. Seit 2011 steht der Saxoniabrunnen mit neu gefertigten Figuren am Johannisplatz.

Flankiert wurde der Roßmarkt im Straßenbahnzeitalter bis zu seinem Untergang 1945 von typischen Bürgerhäusern. Heute ist sein Areal zum Teil mit dem Rosenhof überbaut.

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Bild 10 Roßmarkt

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Bild 11 Roßmarkt

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Bild 12 Roßmarkt

Der Holzmarkt:
Der Holzmarkt zwischen Roßmarkt im Westen und Markt im Osten gelegen leitete seine Namensgebung vom vormals vorrangigen Handelsgut – Holz und Holzwaren ab. Das Aussehen des Platzes war Ende des 19. Jahrhunderts von Bürgerhäusern und Geschäften geprägt. Das Areal war breiter als eine normale Straße und verfügte beidseitig über Gehwege. Die Verkehrserschließung mit der Straßenbahn begann am 28. Juni 1894 mit der Einführung der grünen Linie zwischen Bahnhof und Markt /Holzmarkt.
Vom Markt kommend führte zunächst nur ein kurzes Stichgleis auf den Holzmarkt, welches dem Umsetzten des Wagens diente. Ab 9. Januar 1900 verkehrte die grüne Linie weiter über den Holzmarkt Richtung Nikolaibahnhof.

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Bild 13 Holzmarkt

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Bild 14 Holzmarkt
Im März 1945 wurden nahezu alle Gebäude am Holzmarkt im Bombenhagel zerstört oder wurden durch Brand unbewohnbar. Heute ist das Areal des vormaligen Holzmarktes Bestandteil des Rosenhofes.

Der Markt:
Kommen wir nun zum eigentlichen Hauptbetrachtungspunkt des Beitrages, dem Markt. Die Anlage des Areals begann im 12. Jahrhundert. Von westlicher Seite mündete einst der Holzmarkt ein. Nach Norden führte die Innere Klosterstraße zum früheren Klostertor – einem der vier Stadttore. Nach Süden zweigte die Bretgasse ab. Am östlichen Rand mündeten der Neumarkt, die Innere Johannisstraße sowie später die Kronenstraße ein.
Wie schon eingangs einmal erwähnt, blieb der Markt zu Zeiten der Pferdebahn zunächst außen vor. Erst mit der Einführung des elektrischen Betriebes ab 19. Dezember 1893 verkehrten regelmäßig Straßenbahnen über den Markt. Den Anfang machte eine Verbindung von der Flurgrenze Altendorf (Limbacher Straße/Beyerstraße) über Hartmannstraße, Äußere und Innere Klosterstraße zum Markt und weiter über die Innere Johannisstraße, Johannisplatz, Königstraße zum Bahnhof.
Bereits am 23. Dezember 1893 folgte eine Linie vom Markt Richtung Bernsdorf bis zum Rosenplatz.
Im Juni 1894 erfolgte eine erste Linienumstellung. Auf der Relation Bahnhof-Markt/ Holzmarkt verkehrte jetzt die grüne Linie, zwischen Flurgrenze Altendorf, Markt und Rosenplatz, Friedhof (Bernsdorf) pendelte die blaue Linie.
Doch wie sah die seinerzeitige Situation um das Areal des Marktes zu Beginn des Straßenbahnzeitalters aus? Im Folgenden sollen einige Aufnahmen die wichtigsten Bauwerke am Markt vorstellen. Man wird auch sehen, dass eigentlich Immobiles doch recht mobil war.

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Bild 15 Markt
Am linken Bildrand zu sehen, die südliche Bebauung des Marktes wie sie sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte. Wohn- und Geschäftshäuser prägen die Häuserzeile. Im Hintergrund mittig der Holzmarkt. Rechts davon die westliche Häuserzeile am Markt mit einem auffälligen Ziergiebel. Hierbei handelt es sich um das Siegert´sche Haus mit seiner barocken Fassade aus dem Jahre 1741.
Weiter rechts folgt das Rathaus (heute Altes Rathaus) mit dem Uhrenturm und dem Hohen Turm. Nach rechts vorn schließen sich die Lauben an, welche ab 1907/08 für den Bau den Neuen Rathauses abgerissen wurden. Ganz rechts vorn mündet der Neumarkt ein. In der Mitte des Marktes findet sich ein Trottoir um welches sich die Mietdroschken sammeln. Bis 1899 blieb diese Insel leer, dann zierten sie die drei Denkmäler von Kaiser Wilhelm, Reichskanzler von Bismarck und Generalfeldmarschall von Moltke.

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Bild 16.0 Markt
Wendet man den Blick zur Südseite aus Richtung Innerer Klosterstraße über den Markt, so fällt als erstes die Mittelinsel mit den drei Denkmälern auf.
Die Gebäudezeile zeigt sich im Erscheinungsbild bis zur großem Umbauwelle ab 1910. Auffällig hier die Passage, die Einmündung der schmalen Bretgasse sowie das Hotel „Römischer „Kaiser“.
An letzterem Gebäude fällt das große Zierportal rechts neben dem Eingang in Auge.
Bei diesem Zierportal handelt es sich um das Judith-Lucretia-Portal aus dem 17. Jahrhundert. Bis 1910 zierte es das Hotelgebäude am Markt. Danach wechselte es in Folge Umbaumaßnahmen auf die gegenüberliegende Seite an die Westseite des Uhrenturmes am alten Rathaus.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme zwischen 1900 und 1904 passierten drei Linien den Markt: blau (Friedhof – Altendorf), weiß-blau (Borna-Friedhof) und grün (Bahnhof – Nikolaibahnhof).

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Bild 16.1 Markt
Eine colorierte Aufnahme aus der Zeit zwischen 1905 bis 1907 zeigt links noch die alten Lauben, welche 1907 durch die Stadt aufgekauft wurden. Ab 1908 fielen sie dem Abriß anheim, um Platz für das Neue Rathaus zu schaffen.

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Bild 17 Markt
Um 1920 schweift der Blick abermals zur Südseite des Marktes. Auffällig das umgebaute Eckhaus zur Bretgasse, welches heute das einzige erhaltene Vorkriegsgebäude auf der Südseite des Marktes ist.
Bei der Straßenbahn wurden ab 1914 beginnend die Perrons verglast und die Linienbezeichnungen erfolgten seit 1904 mit Buchstaben. Am linken Bildrand angeschnitten das zwischen 1908 und 1911 errichtete Neue Rathaus.

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Bild 18 Markt
Noch einmal eine Aufnahme vom fast gleichen Aufnahmeort aus dem Jahre 1933.
Im Eckhaus zur Bretgasse hat sich seit 1924 ein Kino etabliert. Zum Aufnahmezeitpunkt hieß es Film-Eck, vorher hieß es Zentrum-Lichtspiele, später gehörte es zur Astoria-Gruppe. Die Aufnahme lässt sich an Hand der Filmreklame über dem Eingang auf das Jahr 1933 datieren, da der Kriminalfilm „K1 greift ein“ in jenem Jahr in die Kinos kam.
Beim genauen Hinsehen kann man auch erkennen, dass sich einige Geschäfte bezüglich ihrer Inhaber oder des Gewerbes verändert haben. Im Hintergrund hat das Eckhaus zur Kronenstraße seinen Turmaufsatz eingebüßt. Aber auch bei einigen anderen Gebäuden sind Veränderungen in der Fensterfront erkennbar. Bei der Straßenbahn bestimmen jetzt die großen Trieb- und Beiwagen aus den Jahren 1924-29 das Bild. Seit 1927 erfolgte die Linienkennzeichnung mit Ziffern.

Nach der Südseite des Marktes soll in den folgenden Zeilen die Nordseite des Areals beschrieben werden.

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Bild 19 Markt
Eine collorierte Ansicht zeigt das Bild der Stadt um 1750. Im Zentrum der befestigten Stadt liegt gut zu erkennen der Markt mit dem Rathaus dessen Bau 1496 begann und zwei Jahre später vollendet wurde.

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Bild 20 Markt
Unmittelbar vor dem Zeitalter der elektrischen Straßenbahn in Chemnitz zeigt eine Aufnahme aus der Zeit zwischen 1890-93 die Situation auf der Nordseite des Marktes. Fußgänger und Pferdefuhrwerke bevölkern den Straßenzug der Inneren Klosterstraße sowie den Markt. Die Straßenoberflächen sind bis auf die Gehwege gewalzt und noch nicht gepflastert.

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Bild 21 Markt
Zwischen 1893 bis 1899 waren die Straßenbahnen die stärksten Landfahrzeuge auf dem Markt. Auch war die Fläche (Insel) vor dem Rathaus noch eine freie Fläche um welche herum die Mietdroschken ihren Standplatz hatten.

Der Markt der aufstrebenden Industriestadt sollte aber in würdiger Form aufgewertet werden. Lassen wir hierzu eine zeitgenössische Quelle zu Wort kommen:
„Das Jahr, das Deutschland seinen geliebten Heldenkaiser entriß, 1888, sah in Chemnitz den Gedanken an die Errichtung eines ihm geweihten Denkmals reifen. Der damalige Oberbürgermeister Dr. André gab mit einigen wohlgesinnten Mitbürgern den Anstoß zur Begründung einer Vereinigung, die einen warmherzigen Aufruf erließ und durch Sammlungen bei den Chemnitzer Einwohnern, bei Vereinen und Innungen bald, noch im Juli desselben Jahres 1888, die stattliche Summe von 40000 Mark aufbrachte. So konnte die Stadt, namentlich da größere und kleinere Spenden immer weiterflossen, 1894 an die Verwirklichung des Gedankens gehen. Im August 1894wurde ein Preisausschreiben veranlaßt, Professor von Rümanns Entwurf erhielt von den 56 eingegangenen den ersten Preis.
1897, zur Jahrhundertfeier Kaiser Wilhelms des Großen, erging dann von dem damaligen Oberbürgermeister, jetzt Staatsminister Dr. Beck die Anregung zur Schaffung zweier weiterer Denkmäler für Moltke und Bismarck, dieses wurde ebenfalls von Professor von Rümann in München modelliert, jenes von seinem Schüler, Bildhauer Hahn.
Das Gräflich von Einsiedelsche Werk in Lauchhammer führte den Bronzeguß aus, die Postamente aus rotem schwedischen Granit lieferte die Firma Kessel & Röhl in Berlin.
Kaiser Wilhelm sitzt hoch zu Roß, seine getreuen Helfer stehen zur Seite. Der Entwurf der Postamente und deren ornamentale Ausstattung wurde dem damaligen Stadtbaurat Hechler übertragen, sie kosten zusammen 43000 Mk., das Modell und der Bronzeguß 65000 Mk. für das Haupt – und 46000 Mk. für die Seitendenkmäler.
Am 22. Juni 1899 erfolgte die feierliche Enthüllung in Gegenwart König Alberts, Prinz Georgs, der damaligen Prinzen Friedrich August, Johann Georg und Albert. Es war ein Glanzpunkt der Chemnitzer Geschichte. Für den Markt bedeuten die Denkmäler eine würdige Zierde.“ [1]


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Bild 22 Markt
In den Denkmälern steckt, wenn auch nur indirekt, ein Stück Straßenbahn. Der Chemnitzer Unternehmer Eduard Beyer „Tinten-Beyer“ hatte 1881 eine Konzession für eine weitere Pferdebahnlinie erhalten. Hierfür hinterlegte er der Stadt Chemnitz eine Kautionssumme. Da er die erteilte Konzession nicht in Anspruch nahm, fiel die Summe an die Stadt. Beyer forderte seine hinterlegte Kautionssumme von der Stadt zurück. Hierüber entbrannte alsbald ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Beyer und der Stadt Chemnitz, dessen Ausgang er nicht mehr erlebte. Seine Nachkommen klagten weiter bis in den 1890er Jahren ein Vergleich geschlossen wurde. Die Nachkommen erhielten zwar auch kein Geld zurück, aber die verhandelte Vergleichssumme wurde im beiderseitigen Einvernehmen für die Erstellung der Denkmäler mitverwendet.

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Bild 23 Markt
So wie auf der Aufnahme von 1900 dargestellt soll das Marktumfeld aber nicht mehr lange bleiben. Mit dem Wachsen der Stadt wuchs auch der Raumbedarf für die städtische Verwaltung. Ein neues Rathaus musste her.

Wer den ein oder anderen an den bisherigen Fotos angehängten Stadtplan genauer betrachtet wird feststellen, dass man am Markt vom Alten Rathaus spricht und es somit ein weiteres geben muss. Die bislang angehängten Planausschnitte stammen aus der Zeit bis 1899. Um dieses Thema kurz zum umreißen soll das Areal des Marktes kurz verlassen werden.

Bis 1869 teilten sich an der Poststraße die Realschule und die höhere Bürgerschule ein gemeinsames Gebäude. Nach dem Auszug beider Einrichtungen übernahm die Stadtverwaltung das Gebäude und ließ es umbauen. 1879 wurde, um weiteren Raum zu gewinnen, ein wirkungsvoller Anbau nach Entwürfen von Stadtbaurat Hechler errichtet. Für diesen wurden seinerzeit 420000 Mark ausgegeben. Landläufig wurde dieses Gebäude als neues Rathaus bezeichnet.

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Bild 24 Neues Rathaus, Beckerplatz Poststraße
Ende 1893/Anfang 1894 waren die Elektrifizierungsarbeiten für die Straßenbahn im Gange. Der Fahrleitungsmast vor dem „neuen Rathaus“ am Beckerplatz wurde frisch gesetzt.

Nun aber wieder zurück zum Markt. Mit dem Ausbau des Straßenbahnnetzes insbesondere ab 1898 führten im Laufe der Zeit mehrere Straßenlinien über den Markt. Im Jahre 1904 waren dies die folgenden Linien:
B Borna – Friedhof [Bernsdorf] (seit 1902)
F Friedhof [Bernsdorf] – Altendorf (seit 1894)
N Nicolaibahnhof – Hauptbahnhof (seit 1894 bis Markt)

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Bild 25
Am 16. März 1905 fiel eine weitreichende und bis heute sichtbare Entscheidung für das Umfeld des Marktes. An diesem Tag beschlossen die Stadtverordneten auf den Grundstücken der alten Lauben ein neues Rathaus zu errichten um der räumlichen Enge in der Stadtverwaltung zu begegnen. Zugleich sollte auch der wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt Ausdruck verliehen werden. Um dies umzusetzen musste zunächst eine neue Feuerwache als Ersatz für die bisherige am Neumarkt errichtet werden. Diese entstand bis 1907 an der Schadestraße und wird noch heute als solche genutzt. Im Sommer des gleichen Jahres begann der eigentliche Abriß der Gebäude auf dem Baufeld für das zukünftige Rasthausgebäude.

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Bild 26
Zwischen 1907 und 1910 erfolgte auf dem Baufeld der Abriß der Altbebauung und die Errichtung des Rathausneubaues. Das Neue Rathaus erhielt eine Grundfläche von 2350m². Die Baulänge am Markt beträgt 65m, um die Ecke am Neumarkt 75,20m.
Am 2. September 1911 konnte der Neubau in Gegenwart von König Friedrich August III. durch Oberbürgermeister Dr. Sturm geweiht werden.

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Bild 27
An der Gebäudeecke Markt/Neumarkt wurde eine baldachinbekrönte Rolandsfigur als Symbol unantastbarer städtischer Freiheit und Selbständigkeit angebracht. Das Schwert der 4,75m hohen Figur wird unten von einer Knabengestalt mit Girlanden umwickelt und soll die Friedfertigkeit der Stadt darstellen.
Zu den bereits drei über den Markt verkehrenden Straßenbahnlinien kam ab 1908 eine Vierte, die Linie K - Kaßberg – Hauptbahnhof dazu.

Mitte der 1920er Jahre sollten sich beim Straßenbahnverkehr über den Markt Änderungen mit erheblichem Mehrverkehr ergeben. Die Ursache hierfür lag aber nicht direkt auf dem Markt, sondern in der nahegelegenen Post- und Kronenstraße.
Mit der Zunahme des allgemeinen, hier insbesondere des Kraftfahrzeugverkehrs, sah man sich seitens der Stadtverwaltung gezwungen Regelungen zu Verbesserung der Verkehrsführung zu erlassen. Zwischen 1925 und 1928 wurden hierzu drei Schritte unternommen. Um das Ganze verständlicher zu machen soll zunächst ein Blick auf die Straßenverkehrskarte und die erlassenen Regelungen hierzu erfolgen.

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Bild 28 Straßenverkehrskarte 1928
Bedingt durch die Einbahnstraßenführung in der Poststraße ab 1927 konnten die Straßenbahnlinien 1, 2, 5 und 6 nur in Richtung Johannisplatz fahren.

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Bild 29
In Richtung Falkeplatz/Falkestraße/Annaberger Straße wurden die Linien 1, 2, 5 und 6 ab 1. Oktober 1927 über den Markt geführt. Dieser Zustand währte bis zum 23. Januar 1931. Infolge von Hochwasserschäden am Brückenbauwerk Falkeplatz musste die Einbahnführung kurzerhand aufgegeben werden.
Während der Zeit der Einbahnführung fuhren somit insgesamt acht Linien über den Markt:
1 Siegmar – Planitzstraße
2 Schönau – Schlachthof bzw. Planitzstraße
3 Rottluff – Bernsdorf
4 Borna – Bernsdorf
5 Altchemnitz – Furth-Glösa
6 Altchemnitz – Zöllnerplatz (1929 eingestellt)
10 Weststraße – Hauptbahnhof

Diese Liniendichte sollte dort nicht wieder erreicht werden. Ab 1932 fuhren die Linien 1, 2, 3, 4 und 10 in beiden Richtungen über den Markt. 1936 entfiel die Linie 2, kehrte aber kurze Zeit später als 1E zurück. 1940 verabschiedete sich kriegsbedingt die Linie 10 vom Markt.

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Bild 30 Markt


In den 1930er Jahren zog die Farbe in die Fotographie ein. Im Folgenden sollen einmal zwei frühe Farbaufnahmen einen Eindruck der Örtlichkeit vermitteln, wenn auch fast ohne Straßenbahnbezug.

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Bild 31 Markt
Während links der Blick entlang des Neuen Rathauses zum Alten Rathaus schweift, ist in der rechten Aufnahme die Markseite des Neuen Rathauses bildbestimmend. Über der Personengruppe im rechten Bild erkennt man ein gelbes Schild. Dieses kennzeichnet seit Ende der 1920er Jahre die Haltestelle. Es besteht aus einem gelb lackiertem Blech mit der Aufschrift Haltestelle in schwarz. Dazu gehörten daneben noch kleine runde Schilder mit den Liniennummern der jeweiligen Linien.

Der Markt war natürlich von jeher auch Treffpunkt für die Menschen, insbesondere wenn etwas Besonderes zu erleben war.

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Bild 32
1905 weilte der sächsische König Friedrich August III in Chemnitz und wurde auf dem Markt mit militärischem Zeremoniell empfangen. Der Straßenbahnverkehr im Hintergrund muss daher warten.

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Bild 33 Markt
Am 2. Oktober 1910 war das Lenkluftschiff Bauart Parseval in Chemnitz zu Gast. Bei der Überfahrt über den Markt entstand eine frühe Luftaufnahme.

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Bild 34
Am 1. August 1914, dem ersten Tag der Mobilmachung, strömten Hunderte auf den Markt. Wenig später hielt sich diese Begeisterung in Grenzen.

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Bild 35
Im Jahr 1932 rollte ein Zug der Linie 1 über den Markt. Im Hintergrund erkennt man die Kammer-Lichtspiele, welche zur UFA gehörten. Der Film „Ein toller Einfall“ hatte 1932 Premiere in den deutschen Kinos. Offensichtlich sind im Film mitspielende Schauspieler im Kino zu Gast und sorgten für ordentlich Auflauf auf dem Markt.

Nachdem bisher die meisten Aufnahmen auf Straßen oder Fensterebene der Häuser entstanden, wird es Zeit doch einmal hoch auf die Türme zu steigen.

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Bild 36
Vom Hohen Turm hinter dem alten Rathaus schweift der Blick über die Dächer Stadt bis hinauf zum Stadtteil Sonnenberg mit der doppeltürmigen Markuskirche. Am linken Bildrand erkennt man den Uhrenturm des neuen Rathauses, rechts am Bildrand ist die Turmhaube vom Uhrenturm des alten Rathauses zu sehen. Unten auf dem Platz sind die Einmündungen von Innerer Johannisstraße (m.) und der Kronenstraße (r.) erkennbar. Ein Zug der Linie F Richtung Friedhof (Bernsdorf) biegt in die Kronenstraße ab. Im Erdgeschoß des Eckhauses Innere Johannisstraße/Kronenstraße befindet sich die Adler-Apotheke. Diese war bis 1813 die einzige pharmazeutische Handlung in der Stadt.

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Bild 37
Vom Rathausturm bietet sich um 1935 ein Rundumblick über die Stadt, im Fall dieses Beitrages insbesondere auf den Markt. Man erkennt die Einmündungen der Bretgasse (links), des Holzmarktes (mittig) sowie der Inneren Klosterstraße (rechts).
Auf der linken Marktseite befinden sich das Kino Film-Eck, das Hotel Römischer Kaiser und im Nachbargebäude der Ufa-Palast die früheren Kammer-Lichtspiele.

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Bild 38
Um 1950 ist der Fotograf wieder auf den Turm des neuen Rathauses gestiegen, aber die Szenerie hat sich völlig geändert. Der Blick ist frei vom Markt über Holzmarkt, Roßmarkt, Lange Straße bis zum Falkeplatz. Das alte Rathaus befindet sich im Wiederaufbau. Die noch zu sehenden Ruinen und Einzelgebäude werden später abgerissen. Auf der freien Fläche entsteht später der Rosenhof.
Mit dieser Aufnahme verlassen wir vorerst den Markt, werden aber für das Schlusskapitel hierher zurückkehren.

Der Neumarkt:
Nordöstlich an den Markt schließt sich der Neumarkt an. Man bezeichnete ihn auch als Salz- oder Topfmarkt. Auf seiner Fläche stand bis 1826 u.a. das Gewand- oder Zeughaus. Dieses diente insbesondere den Tuchhändlern zur Präsentation ihrer Waren, beherbergte zu Zeiten der befestigten Stadt aber auch das städtische Arsenal. Nach dem Abriss des Gewandhauses bildeten die Lauben die westliche Baugrenze. Am Neumarkt hatte bis 1907 ebenfalls die Feuerwache ihren Standort.

Der Übergang von Markt zum Neumarkt ist fließend. An nördlichen Rand mündeten 1894 Am Plan und das Zuckergäßchen ein, am südöstlichen Rand die Innere Johannisstraße sowie die Kronenstraße.
Der Neumarkt wurde ab Dezember 1893 nur an seinem südlichen Ende von der Straßenbahn berührt. Die Strecke kam vom Markt und führte eingleisig durch die Innere Johannisstraße Richtung Johannisplatz bzw. bog nach Süden in die Kronenstraße ab führte in den Stadtteil Bernsdorf.

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Bild 39 Neumarkt

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Bild 40 Neumarkt

Um den Straßenbahnverkehr aus der engen Inneren Johannisstraße herauszulösen, wurde 1903 vom Zuckergäßchen ein Durchbruch zur Königstraße geschaffen und die Straßenbahnstrecke von Nordosten über den Neumarkt geführt.
Die neue Straße erhielt 1904 die Bezeichnung Friedrich-August-Straße. Zwischen 1921 und 1933 hieß sie dann Rathenaustraße und ab 1933 wieder Friedrich-August-Straße. Ab 1946 wurde sie Bestandteil der Straße der Nationen. Heute ist dieser Straßenzug mit der Galerie Roter Turm überbaut.

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Bild 41 Neumarkt

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Bild 42 Neumarkt


Im Jahr 1907 begann der Abriß der westlichen Bebauung am Neumarkt, um das Baufeld für das Neue Rathaus freizumachen. Für kurze Zeit ergab sich ein freier Blick
in den Hof des Alten Rathauses sowie auf die Jacobikirche.

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Bild 43 Neumarkt

Seit 1910 dominiert jetzt die Ostfassade des neuen Rathauses zum Neumarkt hin.

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Bild 44 Neumarkt

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Bild 45 Neumarkt

Neben den Straßenbahnlinien berührte ab 1935 die Omnibuslinie Z den Neumarkt. Diese Episode währte aber nicht lang, den schon 1937 wurde die Linienführung verändert.

Nach einigen Ansichten vom Neumarkt aus Straßen- und Etagenniveau tut das Genick weh und es wird Zeit mal wieder nach oben zu schauen. Siehe da, dort ist auch was los.

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Bild 46 Neumarkt
Nein, die Turmspitze vom Uhrenturm des neuen Rathauses hat nicht in die Hülle des Luftschiffes gestochen. Am 26. September 1924 war das Luftschiff ZR III (LZ-126) auf Probefahrt u.a. über Chemnitz zu sehen.
Beim ZR III handelte es sich um eine Reparationsleistung (Zeppelin Reparation) für die USA. Dort verkehrte das Luftschiff als USS. „Los Angeles“ mit einer Füllung aus Helium bis 1932.

Knapp 21 Jahre später im März 1945 gab es wieder etwas oben zu sehen, diesmal allerdings nichts Gutes. Die Innenstadt und somit auch das Areal um den Neumarkt versank in Trümmern.

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Bild 47 Neumarkt
Um 1951 waren große Teile der Trümmerflächen schon beräumt. Der Blick vom neuen Rathaus geht in Richtung Straße der Nationen/Theaterstraße/Stalinplatz.
Ein Dreiwagenzug der Linie 1 rollt in Richtung Leninstraße, während auf der Theaterstraße ein Zug der Linie 8 zur endstelle am ehemaligen Schauspielhaus eilt.
Heute steht auf der Fläche im Vordergrund die Galerie Roter Turm.
Verlassen wir vorerst den Neumarkt, werden aber für das Schlusskapitel noch einmal zurückkehren.

Getreidemarkt:

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Bild 48 Getreidemarkt
Der Getreidemarkt am westlichen Rand der alten Innenstadt gelegen wurde seitens der Straßenbahn nur durch die Strecke in der Theaterstraße tangiert. Dennoch hatte er für die Straßenbahn bis in die 1960er Jahre hinein Bedeutung für deren Stromversorgung.

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Bild 49 Getreidemarkt

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Bild 50 Getreidemarkt

Als Ersatz für das Bahnkraftwerk in der Aue wurde 1909 am Getreidemarkt ein neues Umformerwerk in Betrieb genommen. Dieses bezog seinen Drehstrom aus dem Kraftwerk Müllerstraße und wandelte diesen in den benötigten Gleichstrom um.
Um 1927 wurde das Werk erweitert und die bauliche Hülle erhielt eine, dem modernen Zeitgeist entsprechende Ausgestaltung. Heute beherbergt das ehemalige Umformerwerkgebäude eine Jugendherberge.

Wiederaufbau und Ende für die Straßenbahn auf den Märkten:

Bei mehreren Bombenangriffen im Februar/März 1945 versank das bislang bekannte Stadtbild in Trümmern. Auch das Areal um die Märkte war hierdurch schwer getroffen worden. Für den Straßenbahnverkehr bedeutete dies zunächst das Ende des Fahrbetriebes. In der Folgezeit galt es zunächst die Schäden zu erfassen. Trotz allen Chaos wurden eine taggenaue Karte u.a. von den Gleisschäden erstellt.

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Bild 51 Schäden im Gleisnetz 1945
Der Bereich um die Märkte kam bei den Bombenschäden im Gleisbereich glimpflich davon. Lediglich zwei Treffer auf unmittelbaren Zufahrtsstrecken in der Inneren Klosterstraße und der Friedrich-August-Straße waren zu verzeichnen.

Bei der Fahrleitungsanlage werden nur noch einzelne Wandrosetten an Gebäuderesten oder einzelnen Gebäuden eine tragende Rolle aufgewiesen haben.
Als Ersatz mussten Masten gestellt werden, um die Fahrleitung wieder anbringen zu können. Bis Ende 1945 waren die Innenstadtstraßen soweit beräumt und instandgesetzt, dass mit der Straßenbahn zumindest auf Teilstrecken wieder durch das Zentrum gefahren werden konnte.

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Bild 52 Befahrbares Streckennetz 1945
Beim Blick auf die Darstellung mit Stadt vom 31.12.1945 ist erkennbar, dass die Nord-Süd-Verbindung durch die Innere Klosterstraße und die Kronenstraße noch nicht befahrbar waren.
Bei der West-Ost-Verbindung konnte ab 2. Juli 1945 der Fahrbetrieb zwischen Falkeplatz und Holzmarkt aufgenommen werden. Ab 5. August 1945 war die Verbindung über die Märkte wieder komplett befahrbar.
Die Befahrbarkeit der Straßen war auch 1946 noch Thema in der Rede von Oberbürgermeister Max Müller zum Großen Wiederaufbauplan der Stadt Chemnitz.

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Bild 53 Redeausschnitt
Neben der Schaffung von nutzbarem Wohnraum stand auch die Notwendigkeit zum Neuaufbau und vor allem der Unterbringung der städtischen Verwaltung im Raum.
Das alte Rathaus am Markt, der Stadthauskomplex in der Poststraße waren nur noch Ruinen. 1947 begann am Markt der Wiederaufbau des Alten Rathauses, welcher 1951 beendet werden konnte.

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Bild 54 Markt um 1950
Um für die Stadtverwaltung ausreichend Räume zur Verfügung zu stellen, wurden beim Wiederaufbau des Alten Rathauses einige Veränderungen gegenüber dem ursprünglichen Bau eingefügt.

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Bild 55 Altes Rathaus
Am Auffälligsten sind zunächst die zusätzliche Etage unter dem eingekürzten Dach die deutlich höhere Anzahl an Dachgauben, der veränderte große Ziergiebel oder der entfallene kleine Ziergiebel rechts vom Uhrenturm.
Der hinter dem Alten Rathaus stehende Hohe Turm wurde nur bis unterhalb des Umganges wiederaufgebaut.
An der Gebäudewestseite wurde der Giebel nach außen verschoben. Dadurch entstand auch der Bogendurchgang entlang der Inneren Klosterstraße. Am Fuße des Uhrenturmes wurde ein neuer Durchbruch zum Markt geschaffen, an welchem jetzt das Judith-Lucretia-Portal seinen Platz gefunden hat.

Im Laufe des Jahres 1946 wurde die letzten Einschränkungen bezüglich der Befahrbarkeit im Straßenbahnnetz beseitigt. Alle vier auf den Markt zulaufenden Strecken konnten wieder befahren werden. Wie vor dem Krieg fuhren die Linien 1, 3, 4, und 10 über den Markt bzw. über das was von Holzmarkt und Roßmarkt übrig geblieben war.

Mit der Beseitigung der Ruinen zwischen Fritz-Heckert-Platz (vormals Falkeplatz), der Wilhelm-Pieck-Straße (vormals Theaterstraße) und dem Markt entstand bis 1952/53 eine große Freifläche. Seitens des Straßenbahnbetriebes nutzte man die Gelegenheit die kurvenreiche Fahrt zwischen Holzmarkt und Fritz-Heckert-Platz zu entschärfen. 1953 entstand auf Teilen der beräumten Trümmerfläche eine neue geradlinige Gleisverbindung. Diese mündete anfangs nur in Richtung Fritz-Heckert-Platz in die Wilhelm-Pieck-Straße.

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Bild 56 Katasterplan

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Bild 57 Holzmarkt

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Bild 58 Holzmarkt

Im Dezember 1957 wurde die Straßenbahn aus der Inneren Klosterstraße genommen, um in der Folgezeit mit dem Bau eines Abwassersammlers zu beginnen.
Die Linien 3 und 4 fuhren jetzt über die Wilhelm-Pieck-Straße und die 1957 neu eingebaute Kurve Richtung Holzmarkt/Markt. Dieser Zustand währte bis 1962.

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Bild 59 Markt 1959
Zum 1. Oktober 1962 wurde der Verkehr über den Markt Richtung Wilhelm-Pieck-Straße für die Linien 1, 3 und 4 eingestellt und in die nahegelegene Poststraße (außen herum) verlegt. Damit wurde wieder der Zustand wie er bereits zu Pferdebahnzeiten herrschte hergestellt.

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Bild 60 Markt 1963
Wenn auch der Linienverkehr über den Markt eingestellt war, konnte man von der Neumarktseite bis Ende 1963/Anfang 1964 dennoch dahin fahren. Allerdings befand sich das Fahrleitungsende nahe der Kurve zum Neumarkt.

Im letzten Abschnitt dieses Kapitels soll noch einmal der Neumarkt insbesondere für den Zeitraum nach dem 1. Oktober 1962 betrachtet werden.

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Bild 61 Neumarkt
Begonnen werden soll hier mit einem Foto um 1960 als der Verkehr über den Neumarkt/Markt noch rollte. Die Ruinen in der Innenstadt sind weitgehend abgerissen, dafür prägen riesige Freiflächen das Zentrum. Man kann zum Teil mehrere hundert Meter ohne ein Gebäude schauen.
Mit der Verlegung der Linie 1, 3 und 4 in die Poststraße zum 1. Oktober 1962 endete zunächst auch der Straßenbahnverkehr auf dem Neumarkt. Doch dies sollte nur der Anfang weitere weitreichende Veränderungen in den Streckenführungen einzelner Linien werden. Bis zum 31. Juli 1963 verlor auch der nahegelegene frühere Verkehrsknoten Johannesplatz (1951-61 Stalinplatz) seinen Straßenbahnverkehr.

Mit der Änderung der Prioritäten für das Stadtzentrum begann man ab 1961/62 mit dem Neuaubau im Stadtzentrum. Hierfür musste die Straßenbahn bis zur Wiederaufnahme des Umspurungsprogrammes ab 1966 zurücktreten.

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Bild 62 Freie Presse 1962
Im September 1962 wurden die Einwohner in der Presse über die unmittelbar bevorstehenden Änderungen im Straßenbahnnetz informiert.
Im Rahmen der Planungen für das weitere Umspurungs-Programm war es erforderlich auch eine Planung für ein zwischenzeitliches Schmalspurnetz vorzunehmen.
Ab 1968 stand die Umspurung der Strecke nach Bernsdorf an, was mit der Einstellung der Schmalspurlinien 3 und 4 von der Poststraße nach Bernsdorf einhergehen sollte.
In den Jahren 1966/67 wurde auch der erste Teil der neuen Zentralhaltestelle im Verlauf der Ernst-Thälmann-Straße zwischen Poststraße und Straße der Nationen erbaut und im Dezember 1967 in Betrieb genommen. Für die Linien 3 und 4 musste in diesem Zusammenhang eine Schleifenfahrt zurück Richtung Rottluff bzw. Borna geschaffen werden.

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Bild 63 Zeitung 1966
Im Dezember 1968 wurde der Schmalspurring fertiggestellt. Zwischen Zentralhaltestelle und Wilhelm-Pieck-Straße führte er in Nord-Süd-Richtung über
das Areal des Neumarktes.

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Bild 64 Zeitung 1968
Mit der Neugestaltung der Innenstadt wurden auch diverse noch stehende Einzelgebäude der Vorkriegszeit abgerissen. Im Zusammenhang mit dem Neumarkt interessiert hier insbesondere der Bereich zwischen Am Plan und der Weberstraße.
Nach der Baufeldfreimachung wurde hier bis 1967 die Ernst-Thälmann-Straße geradlinig nach Norden bis zur Wilhelm-Pieck-Straße verlängert. Diese tangierte auch einen Teil des Neumarktes.
Durch das Zwischenzeitliche Schmalspurnetz und den Schmalspurring wurde parallel zum neuen Teil der Ernst-Thälmann-Straße auch die Gleistrasse des Schmalspurringes Richtung Wilhelm-Pieck-Straße verlegt. Der Neumarkt als solcher existierte daher nicht mehr. In der Folge wurde das (Rest)Areal nicht mehr als Neumarkt bezeichnet.

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Bild 65 Stadtpläne

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Bild 66 Zentralhaltestelle


Am 6. November 1988 endete mit der Einstellung der letzten Schmalspurstrecke der Linie 3 nach Rottluff auch der Straßenbahnverkehr über den vormaligen Neumarkt.

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Bild 67 Ernst-Thälmann-Straße

Heute trägt das Areal wieder seinen alten Namen Neumarkt. Die Bebauung wurde in den Jahren ab 1999 völlig neu gestaltet. Mit den Gebäuden von Peek & Cloppenburg sowie der Galerie Roter Turm wurden markante Bauwerke am Neumarkt errichtet.
Die öffentlichen Verkehrsmittel kommen dem Neumarkt heute nur noch an der Kurve Straße der Nationen/Rathausstraße (Zentralhaltestelle Bahnsteige 6-9) nahe.

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Bild 68 Blick aus Richtung Rosenhof über den Markt in Richtung Straße der Nationen im März 2018. Ein Zug nähert sich dem Markt um unmittelbar vorher in die Rathausstraße zur Zentralhaltestelle abzubiegen.

Damit wäre das Kapitel der Straßenbahn auf den Märkten in Chemnitz beendet, wenn da nicht von Zeit zu Zeit doch wieder einmal eine Straßenbahn vorbeischaut.

Den Anfang machten im Mai 1977 während des Karl-Marx-Stadt Basars die beiden Wagen mit den fiktiven Nummern 400 und 500 alias Tw 375 und 376. Die Wagen dienten als Verkaufswagen auf dem Markt.

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Bild 69 Wagen 400 und 500

Anlässlich der Feierlichkeiten 110 Jahre Straßenbahn wurden im September 1990 die Museumsfahrzeuge Tw 15, 69 und 251 ins Stadtzentrum entsandt. Tw 69 diente an der Zentralhaltestelle als Verkaufsraum. Die Triebwagen 15 und 251 fuhren auf dem verbliebenen Streckenrest um das Stadtzentrum und somit auch über das Areal des früheren Neumarktes vor dem Neuen Rathaus.

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Bild 70 Tw 15

Bislang letztmalig war im Jahr 2013 Tw 169 anlässlich des „Gründerzeitmarktes“ im Rahmen der Tage der Industriekultur auf dem Markt zu Gast.

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Bild 71 Tw 169

So, nun wäre die Straßenbahngeschichte der Märkte in Chemnitz bis zum letzten nennenswerten Ereignis dargestellt. Der nun erreichte Umfang war zu Beginn weder vorgesehen noch absehbar.

Blaulicht

16.03.2017 - fehlende Bilder nach Serverabsturz wieder hergestellt.

Blaulicht




5-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.03.18 19:44.
Hallo,

vielen lieben Dank für das Erstellen des Beitrages und das Zeigen der historischen Foto's. Als jüngerer Jahrgang (1982) kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie Chemnitz früher einmal ausgesehen hat, wenn es nicht noch alte Foto's geben würde.

Liebe Grüße von Katrin

Sehr lesenswert!

geschrieben von: Matthias.Vollstedt

Datum: 10.03.18 13:59

Vielen Dank für die gründliche und verständlich geschriebene Betrachtung eines zentralen Ortes der Stadtgeschichte.
Solche Beiträge machen Freude und man läse gern mehr davon.

Viele Grüße
Matthias

Vielen, vielen Dank!

geschrieben von: 217 055

Datum: 10.03.18 14:41

Hallo "Blaulicht",

hab ganz herzlichen Dank für diese Arbeit, die Dir sehr lesenswert geglückt ist.
Als Fremder in Karl-Marx-Stadt bzw. Chemnitz war mir fast alles davon bisher unbekannt, zumindest im Detail und der Visualisierung.
1987 bei meinem ersten Besuch in Karl-Marx-Stadt bin ich immerhin noch mit der letzten Schmalspur-Straßenbahnlinie gefahren. Aber damals wie auch auf allen weiteren Besuchen war die Stadt selbst immer nur ein "Unterwegsziel" und wurde nie umfangreich wahrgenommen. So ist es bis heute geblieben. Mal eine Neuigkeit selber ansehen (einige Stunden); ansonsten nur etwa 35 minütige Umsteigeaufenthalte am Hauptbahnhof - da bleibt es (leider) bei Oberflächlichkeiten.


Freundliche Grüße
217 055



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.03.18 14:41.

Re: [C] Historie der Chemnitzer Verkehrsknoten - Markt

geschrieben von: Ladehilfe

Datum: 13.03.18 10:38

Vielen Dank für die schönen Einblicke in die Chemnitzer Stadtgeschichte. Das wäre schon Mal Stoff für den Heimatkundeunterricht in der Grundschule.

An die Besteller von Verkehrsleistungen: Wer eine werksneue Mercedes S-Klasse bestellt sollte nicht nur einen Trabant bezahlen wollen.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.03.18 10:41.
xxx



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 29.08.18 23:07.