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Seiten: 1 2 All Angemeldet: -

kostenloser ÖPNV

geschrieben von: timme

Datum: 14.02.18 14:20

Moin,

Es wundert mich, daß es noch keine Diskussion wegen eines kostenlosen ÖPNV hier im Forum gibt. Gestern kamen ja die ersten Meldungen diesbezüglich rein.
Hier ein Bericht aus der "Welt":
[www.welt.de]

Komplett zustimmen möchte ich nicht, aber kostenlos wird nicht funktionieren. Allein schon Ausbauten werden scheitern, da es ja dann keine Anreize mehr dafür geben wird. Mehreinnahmen sind so ja nicht mehr zu erzielen, egal wie toll das Nahverkehrssystem auch sein sollte.

Ich sehe es ja selbst hier in meiner Stadt schon, wo keine Strassenbahn zur Uni gebaut wird, einfach weil es auch so geht und die Studierendenschaft ohnehin ein Semestertiket besitzt.

Bin gespannt, was ihr dazu sagt.

Grüße Tim


Gleich mal ein aktueller Artikel aus Cottbus dazu:
[m.lr-online.de]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:02:14:14:29:20.

wird doch im News-Forum diskutiert (o.w.T)

geschrieben von: 1208

Datum: 14.02.18 14:35

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: Samba Tw 303

Datum: 14.02.18 14:36

Da Essen auch als Modellstadt dafür genannt wurde, Stelle ich mir allerdings die Frage wie man auf 20 -40Prozent mehr Fahrgäste reagieren möchte. Bei der Straßenbahn ist weder Taktverdichtung noch längere Fahrzeuge bedingt durch die Infrastruktur kurzfristig möglich, es sei denn man verlängert endlich Mal zahlreiche Haltestellen.

Vielleicht aber eine gute Gelegenheit für Essen wichtige Projekte wie die City Straßenbahn oder die Strecke nach Kray zu bauen. Auch die 105 Verlängerung sollte nachdem die Bindungsfrist des letzten Oberhausener Bürgerentscheid seit einem Jahr vorüber ist gebaut werden.

Auch Städte wie Wiesbaden werden sich ein Eigentor schießen, wenn ernsthaft ein Ratsbürgerentscheid das Projekt in Wiesbaden zu Fall bringen sollte.

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: ehemaliger Teilnehmer

Datum: 14.02.18 14:54

Samba Tw 303 schrieb:
Da Essen auch als Modellstadt dafür genannt wurde, Stelle ich mir allerdings die Frage wie man auf 20 -40Prozent mehr Fahrgäste reagieren möchte. Bei der Straßenbahn ist weder Taktverdichtung noch längere Fahrzeuge bedingt durch die Infrastruktur kurzfristig möglich, es sei denn man verlängert endlich Mal zahlreiche Haltestellen.

Vielleicht aber eine gute Gelegenheit für Essen wichtige Projekte wie die City Straßenbahn oder die Strecke nach Kray zu bauen. Auch die 105 Verlängerung sollte nachdem die Bindungsfrist des letzten Oberhausener Bürgerentscheid seit einem Jahr vorüber ist gebaut werden.

Auch Städte wie Wiesbaden werden sich ein Eigentor schießen, wenn ernsthaft ein Ratsbürgerentscheid das Projekt in Wiesbaden zu Fall bringen sollte.

Es wird Jahre dauern, bis das geplant ist. Im Idealfall wird das ein neuer Kanzlern bis dahin sein und die verantwortlichen
Politiker sind auch Geschichte. Es weiß noch keiner wie das zu finanzieren ist, wer das bezahlen soll und was das kosten wird.
Unterm Strich wird das in Essen nicht funktionieren, da die meisten Pendler doch nun mal rein- bzw. rausfahren und dafür
wird die S-Bahn, RE oder RB genutzt, da Bus und Straßenbahn selten (dank Kirchturmdenken der Städte) über die Stadtgrenze hinaus fahren.

Alles in allem wieder eines der "Versprechen" unserer Politiker, die nicht kapieren, daß das erst ausgebaut werden muß und damit reichlich Geld
kostet und dann evtl. "kostenlos" werden kann.


Gruß

Eric

Re: wird doch im News-Forum diskutiert

geschrieben von: timme

Datum: 14.02.18 15:01

Upps,
da habe ich vorher nicht nachgeguckt.

Allerdings gehört das Thema ja auch nicht dort hin, sondern hier her, weil hier der öpnv stattfindet. :-)

Grüße

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: ingo st.

Datum: 14.02.18 15:39

Die Essener Ruhrbahn ist kostenfrei, der Mülheimer zahlt nach Essen bis zu seiner Stadtgrenze?
Vielleicht liegt es auch nur an "Essen Green Capital" und daher aus den Schubladen gezogen. Wobei es eh der planerische Anspruch für eine Green City sein sollte, das mit echten nachhaltigen Inhalten zu füllen.
Die Ruhrbahn sollte schnell Optionsausschrebungen auf dem Weg bringen für Busse und Bahnen.

Gruß
Ingo

PS: Der Hauptthread ist völlig im nichts und irgendwo, letztendlich geht es primär um Problemstädte mit Meßstellen.
PPS: Der VCD fordert seit langem eine pro Kopf Abgabe von 60 Euro für gesamten ÖPNV in Deutschland. Jeder zahlt zu Hause sein Monatsticket, was quasi überall gilt. Der Autofahrer macht einen Ablashandel und hat freiere Straßen. Die Autoindustrie muß zur Abgasnachrüstung gezwungen werden.

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: Ruhri

Datum: 14.02.18 15:48

Das einfachste wäre vermutlich, jedem interessierten Bürger ein Ticket für die jeweilige Teststadt in die Hand zu drücken und die Sache natürlich zu bewerben. Im Falle von Essen hieße das also: Wer in ein Ruhrbahnkundencenter kommt und sich ordnungsgemäß ausweist, erhält gratis ein Ticket2000 Preisstufe A3 zu einer der beiden Essener Tarifgebiete (in das andere komt man mit A3 natürlich ebenfalls). Wer dagegen B, C oder D braucht, zahlt den Aufpreis aus eigener Tasche.

Die "Gefahr", dass Bewohner der Nachbarstädte kämen, sollte man dabei natürlich hinnehmen.

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: Dietrich Meier

Datum: 14.02.18 16:02

Für die Einführung eines kostenlosen ÖPNV könnte man eine gemäßigte Variante gebrauchen. Diese könnte darin bestehen, dass die Fahrpreise schrittweise gesenkt werden. Für jede zusätzliche Fahrpreissenkung müsste der Verkehrbetrieb oder der Verkehrsverbund dann eine regelmäßige und verlässliche Ausgleichszahlung der Bundesregierung erhalten.

Diese Variante hätte den Vorteil, dass jeder Verkehrsbetrieb oder Verkehrsverbund selber entscheiden kann, wie viele zusätzliche Fahrgäste man verkraften kann. Wenn dann zunächst weitere Fahrzeuge angschafft werden müssen oder Haltenstellen und Werkstatteinrichtungen umgebaut werden müssen, dann wartet man mit der nächsten Fahrpreissenkung so lange, bis eine neue Stufe der Kapazität hergestellt ist.

https://file1.hpage.com/009668/21/bilder/2020-05-06_zwei_bahnen_schmal.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:02:14:16:06:56.

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: Norby

Datum: 14.02.18 16:09

Ich fände es gut, wenn es eine einheitliche Lösung zu diesem Thema gäbe. ABER, dies ist Wunschdenken!

Was wird passieren :
- ÖPNV-Nutzung wird kostenfrei!
- Dadurch steigen die Nutzerzahlen!
- Die vorhandenen ÖPNV-Fahrzeuge (U-Bahn-, S-Bahn-, Straßenbahn-Wagen, Busse) werden so stark frequentiert, dass es in den selbigen doch recht unbequem wird!
- Die Fahrzeuge werden dadurch überdurchschnittlich abgenutzt und kommen somit in SCHADWAGEN-Bestand!
- Neue Fahrzeuge sind aus monetären Gründen und aus Gründen der Verfügbarkeit nicht in Sicht!
- Die Berufspendler werden wieder auf das Auto zurückgreifen !!!

Denkt mal darüber nach!
Tschüss
Norbert

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: Schienenbusfahrer

Datum: 14.02.18 16:19

ingo st. schrieb:
Die Essener Ruhrbahn ist kostenfrei, ...
Er ist nicht kostenfrei. Zahlen tun's andere...
Immer wieder herzerfrischend, zu sehen, wie Politiker mit dem Geld anderer Leute umgehen.

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: Ruhri

Datum: 14.02.18 16:42

Schienenbusfahrer schrieb:
Immer wieder herzerfrischend, zu sehen, wie Politiker mit dem Geld anderer Leute umgehen.
Nun ja, du zahlst ja auch keine Maut auf Bundesautobahnen, Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen - es sei denn du führest einen LKW. Das ist auch das Geld anderer Leute, und nein, Kfz- und Mineralölsteuer reichen nicht aus zum Erhalt der Straßen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:02:14:16:43:04.

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: baryard

Datum: 14.02.18 16:45

Grundsätzlich bin ich seht dafür, dass Straßenbahnen und Busse mehr genutzt werden.
Die Frage ist nur: wer zahlt das?

Wer zahlt massig neue und größere Fahrzeuge?
Wer zahlt deutlich mehr Personal mit deutlich mehr Gehalt?
Wer zahlt den Mehrverschleiß?

Bei den Modellstädten habe ich noch andere Fragen :D

Wie sieht das rechtlich innerhalb eines Verkehrsverbundes aus?
Wie wird innerhalb eines Verbundes eine einzelne Stadt abgerechnet?
Wieso werden die krassen Städte wie München und Stuttgart nicht genommen, geht es um die Luft in Großstädten?

#####

Das ist doch so alles arg wischi waschi. Sollte dringend mal einer durchdenken!

Der Ansatz, eine minimale und zweckgebundene Steuererhöhung wäre hier sinnvoll. Damit zahlt die alleinerziehende Einzelhändlerin kaum mehr, spart aber viel und Graf Koks ist das bißchen Geld egal. Gibt aber eh nen Aufschrei der Autofetischisten...

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: Ruhri

Datum: 14.02.18 16:52

baryard schrieb:
Grundsätzlich bin ich seht dafür, dass Straßenbahnen und Busse mehr genutzt werden.
Die Frage ist nur: wer zahlt das?

Wer zahlt massig neue und größere Fahrzeuge?
Wer zahlt deutlich mehr Personal mit deutlich mehr Gehalt?
Wer zahlt den Mehrverschleiß?
Na, das ist doch klar: Wir, die Steuerzahler!

Zitat:
Bei den Modellstädten habe ich noch andere Fragen :D

Wie sieht das rechtlich innerhalb eines Verkehrsverbundes aus?
Wie wird innerhalb eines Verbundes eine einzelne Stadt abgerechnet?
Wieso werden die krassen Städte wie München und Stuttgart nicht genommen, geht es um die Luft in Großstädten?

#####

Das ist doch so alles arg wischi waschi. Sollte dringend mal einer durchdenken!

Vermutlich sind Stuttgart und München zu groß und haben zu viele Probleme... ;-)

Aber klar - wenn man da Erfolge erzielen könnte, würde es Deutschland definitiv weiterhelfen.

Ach ja, und was das Abrechnen angeht: Gebt jedem, der es will, ein Dauerticket für die getesteten Städte, mit der Option, die Differenz zu den höheren Preisstufen aus eigener Tasche hinzu zu zahlen. Das wäre zumindest vermutlich die einfachste Lösung.

Zitat:
Der Ansatz, eine minimale und zweckgebundene Steuererhöhung wäre hier sinnvoll. Damit zahlt die alleinerziehende Einzelhändlerin kaum mehr, spart aber viel und Graf Koks ist das bißchen Geld egal. Gibt aber eh nen Aufschrei der Autofetischisten...

Du weißt doch - Freie Fahrt für freie Bürger!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:02:14:17:00:41.

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: timme

Datum: 14.02.18 16:53

Ruhri schrieb:
(...) und nein, Kfz- und Mineralölsteuer reichen nicht aus zum Erhalt der Straßen.
Ist das wirklich so? Ich habe das anders in Erinnerung. Wird nicht ein guter Teil der KFZ-Steuern/Maut für andere Sachen verwendet, als für den Ausbau und Erhalt der Straßen?


Das das insgesamt aber trotzdem der falsche Weg ist immer mehr private und gewerbliche Kraftfahrzeuge in der BRD zu haben, ist davon unbenommen!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:02:14:16:54:46.

Essen/Oberhausen

geschrieben von: Bernhard Martin

Datum: 14.02.18 16:58

Samba Tw 303 schrieb:
Vielleicht aber eine gute Gelegenheit für Essen wichtige Projekte wie die City Straßenbahn oder die Strecke nach Kray zu bauen.
Dafür müsste doch erst einmal ein gewaltiges Umdenken in der Politik und der Chefetage der EVAG/Ruhrbahn einsetzen... Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Projekt "Straßenbahn nach Kray" doch gerade erst wieder beerdigt worden, nachdem der EVAG-Vorstand den Kommunalpolitikern eingeredet hat, eine Modernisierung des Spurbusses sei die sinnvollere Variante... Was meinst Du mit "City Straßenbahn"? Hollestr. - Hbf. - Kruppgürtel? Das ist doch das einzige größere Straßenbahnprojekt, das in Essen mehrheitsfähig ist. Was aber meines Wissens nach mausetot ist, ist die Planung für eine Straßenbahnstrecke durch die westliche Innenstadt, obwohl gerade dort die ÖPNV-Erschließung sehr bescheiden ist.

Samba Tw 303 schrieb:
Zitat:
Auch die 105 Verlängerung sollte nachdem die Bindungsfrist des letzten Oberhausener Bürgerentscheid seit einem Jahr vorüber ist gebaut werden.
Warum sollte sie? In Oberhausen besteht doch schon chronisch kein ernsthaftes Interesse am Ausbau der Straßenbahn. Der Bürgerentscheid gegen die 105-Verlängerung ist doch von der Kommunalpolitik bewusst herbeigeführt worden, um das Projekt beerdigen zu können. Warum sollte es jetzt eine Neuauflage geben?

Re: Essen/Oberhausen

geschrieben von: Ruhri

Datum: 14.02.18 17:04

Bernhard Martin schrieb:
[...]

Dafür müsste doch erst einmal ein gewaltiges Umdenken in der Politik und der Chefetage der EVAG/Ruhrbahn einsetzen... Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Projekt "Straßenbahn nach Kray" doch gerade erst wieder beerdigt worden, nachdem der EVAG-Vorstand den Kommunalpolitikern eingeredet hat, eine Modernisierung des Spurbusses sei die sinnvollere Variante... Was meinst Du mit "City Straßenbahn"? Hollestr. - Hbf. - Kruppgürtel? Das ist doch das einzige größere Straßenbahnprojekt, das in Essen mehrheitsfähig ist. Was aber meines Wissens nach mausetot ist, ist die Planung für eine Straßenbahnstrecke durch die westliche Innenstadt, obwohl gerade dort die ÖPNV-Erschließung sehr bescheiden ist.


[...]

Soweit ich das verstanden habe, spielen Ruhrbahn und Essen da gemeinsam auf Zeit. Irgendwann müssen z.B. die vier Spurbushaltestellen auf der A40 modernisiert werden, denn barrierefrei sind die nicht. Der Spurbus soll also wohl nur soweit instandgesetzt werden, dass er bis zur endgültigen Lösung durchhält, und die heißt aller Wahrscheinlichkeit nach "Straßenbahn".

Der Link in das News-Forum

geschrieben von: Eurocity341

Datum: 14.02.18 17:09

Hallo!

Hier der entsprechende Link für alle, die sich weiter damit beschäftigen möchten: [www.drehscheibe-online.de].

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: cinéma

Datum: 14.02.18 17:35

timme schrieb:
Moin,

Es wundert mich, daß es noch keine Diskussion wegen eines kostenlosen ÖPNV hier im Forum gibt. Gestern kamen ja die ersten Meldungen diesbezüglich rein.
Hier ein Bericht aus der "Welt":
[www.welt.de]

Komplett zustimmen möchte ich nicht, aber kostenlos wird nicht funktionieren. Allein schon Ausbauten werden scheitern, da es ja dann keine Anreize mehr dafür geben wird. Mehreinnahmen sind so ja nicht mehr zu erzielen, egal wie toll das Nahverkehrssystem auch sein sollte.

Ich sehe es ja selbst hier in meiner Stadt schon, wo keine Strassenbahn zur Uni gebaut wird, einfach weil es auch so geht und die Studierendenschaft ohnehin ein Semestertiket besitzt.

Bin gespannt, was ihr dazu sagt.

Grüße Tim


Gleich mal ein aktueller Artikel aus Cottbus dazu:
[m.lr-online.de]
Scheint sowieso nur eine Nullnummer zu sein:

[www.welt.de]

Vorbild Flandern?

geschrieben von: Bernhard Martin

Datum: 14.02.18 17:37

Viele der Folgen eines kostenlosen ÖPNVs kann man doch bereits jetzt in Flandern - insbesondere in Antwerpen - mit der Niedrigfahrpreispolitik studieren:
- Die Zahl der Beförderungsfälle (ich schreibe bewusst nicht Fahrgäste) ist gewaltig angestiegen.
- In der Folge wurde das Angebot stark ausgeweitet.
- Der Fahrzeugbedarf stieg stark an: Für Antwerpen wurden bislang 84 + 38 = 122 Niederflurwagen beschafft. Dennoch konnten bislang nur wenige PCC-Vierachser ausgemustert werden. Die Niederflurwagen dienen also i.W. der Aufstockung des Wagenparks. Der Grund hierfür sind jedoch weniger die beachtlichen Netzerweiterungen, sondern die Angebotsausweitungen.
- Der Kostendeckungsgrad von De Lijn ist parallel zum Anstieg der Beförderungsfallzahlen dramatisch gesunken und liegt heute bei 20-25%.
- Finanziert wird das Ganze von der flämischen Regionalregierung. Die Fahrpreissubventionierung und die beständige Niederflurwagenbeschaffung fressen aber das ÖPNV-Budget fast komplett auf. Die Folge ist, dass man m.A.n. die vollmundigen Ausbaupläne für die kommunalen Schienennetze nicht wirklich ernst nehmen kann, weil die Realisierung sehr weit hinter den Ankündigungen zurück hinkt, weil eben die Finanzmittel zu ihrer Realisierung fehlen. Deshalb wurden und werden die letzten Projekte in Antwerpen als ÖPP gebaut.
- Es bleiben zwei große Fragezeichen: Erstens was hat die Niedrigfahrpreispolitik tatsächlich bewirkt? Gibt es tatsächlich signifikant mehr Fahrgäste oder ist der Anstieg der Zahl der Beförderungsfälle eher zu einem Großteil auf einen Anstieg der Anzahl der ÖPNV-Fahrten pro Fahrgast zurück zu führen? Hat die Niedrigfahrpreispolitik also zu einer Veränderung des Modal Splits zu Gunsten des ÖPNVs geführt? Darüber schweigen sich alle Erfolgsberichte über Flandern jedenfalls auffällig aus. Der Autoverkehr in Antwerpen ist allerdings weiterhin trotz aller Angebotsausweitungen überbordend.
- Zweitens: Wie nachhaltig ist die Niedrigfahrpreispolitik? Was passiert mit den schönen Zahlen der Beförderungsfälle, wenn man die Fahrpreise wieder deutlich erhöhen muss? (Ihren Zenit hat diese Politik bereits überschritten: Die Politik hat De Lijn bereits Einsparungen verordnet, die zur Einstellung einzelner Überlandlinien geführt haben, die der Eisenbahn Konkurrenz gemacht haben. (An sich schon ein Irrsinn, aber darin begründet, dass die Niedrigfahrpreise eben nur für De Lijn-Linien, aber nicht für die Eisenbahn gelten.) Außerdem muss im Hinterkopf behalten, dass in Belgien die Staatsverschuldung extrem hoch ist. Dadurch besteht immer die latente Gefahr, dass sich die Ratingagenturen als nächstes auf Belgien einschießen - mit den aus Südeuropa sattsam bekannten Folgen...) Wäre es nicht sinnvoller, den Ausbau der Schienennetze konsequent voran zu treiben?

Unsere Politiker wären gut beraten, sich mit diesen Fragen eingehender zu beschäftigen.

Re: kostenloser ÖPNV

geschrieben von: Tw666

Datum: 14.02.18 18:50

Moin,

ich melde mich auch einmal mit einem Beitrag der NZZ zu Wort. [www.nzz.ch]

Hier das Pro der SZ: [www.sueddeutsche.de]

Hier das Contra der SZ: [www.sueddeutsche.de]

Und ich muss sagen, es stimmt. Vor allem wenn man sich die Preise für den Sprit ansieht. Für 1,45 kommt man 20 km weit (5 ltr./100km).

An sich wäre ich für eine Nahverkehrssteuer für alle, Gehaltsabhänig ab 1€/Tag.
Dann könnte der Bund das ganze de Facto zahlen, es müsste aber vorher folgendes passieren:

1. Anhebung der sozialen Stellung von Personalen im Öffentlichen Personennahverkehr sowie im Eisenbahnwesen, mit besseren Betrieblichen Bedingungen sowie besserer Bezahlung etc. - sonst würde man bei einer massiven Ausweitung der Fahrgastzahlen kein Personal mehr finden. Als Beispiel könnten hier Fachkräfte aus dem Ausland genutzt werden - Deutschland hat ja aktuell Vollbeschäftigung.

2. Ausbau des Verkehrsnetzes, insbesondere im Innerstädtischen Bereich mit neuen Tram- U-Bahn und S-Bahn-Strecken. Sowie Ausbau der Vorortinfrastruktur (Nahverkehrsstrecken mit höheren Leistungsfähigkeiten; Stadtbahn- und S-Bahn-Einrichtung und Ausbau). Ausbau Innerstädtischer Strecken auf höhere Leistungsfähigkeit (Tram 2,65m breite, durchgehende Zweigleisigkeit).

3. größere/Leistungsfähigere Fahrzeuge - Verlängerung der heutigen bzw. Neukauf

4. Höhere Takte, nicht nur in der Stadt sondern insbesondere auf dem Land - ich denke hier an einen generellen 30 Minuten Takt.

5. ITF-Knoten möglich machen - Deutschlandtakt von den ICE-Strecken bis zum kleine Ortsbus einrichten - kurze, gesicherte Anschlüsse fördern die Akzeptanz des Nahverkehrs.

Dies sind meine Punkte, die ich für einen attraktiven Nahverkehr sehen würde, welcher im Verbund mit Fahrverboten/Preisanhebung/Verkehrserschwerung im KFZ-Bereich Wirkung erfüllen könnte. Ein gutes Nahverkehrsnetz allein hilft nicht zwingen - siehe Dresden und Kassel. Hier gibt es einen super Nahverkehr, jedoch ebenfalls einen recht hohen Anteil des MIV beim Modal-Split. Es kann ja nicht gewollt sein, dass alle nur vom Rad/Fuß auf den ÖV umsteigen.

LG

666



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:02:14:19:08:02.
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