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Wie sieht es eigentlich bei der U-Bahn nach Jersey City aus, die einen anderen Betreiber hat, ist die auch so mies?
Also ich war in Nordamerika vor zweieinhalb Jahren und habe mir das angeschaut. Sooo schlimm ist das U-Bahn-System von New York nicht. Ja, manchmal äußerlich etwas heruntergekommen, doch vollkommen funktionstüchtig: Ein Insider berichtete mal, dass die Sicherheitsstandards doch ohne weiteres eingehalten werden, auch ein beschmierter Zug dort sei vom technischen Zustand her tadellos, und es sei besser, dreihundert vermüllte Stationen zu haben, als zwanzig klinisch saubere.

Die U-Bahn von Toronto ist fast genau das Gegenteil: sehr sauber und gepflegt (Toronto empfinde ich generell als "eine gepflegtere, sauberere und entspanntere light-Version von New York"), die neuen Züge sind richtig leise, aber dafür hat man zweieinhalb U-Bahn-Linien für eine Zehn-Millionen-Metropole. Da hieß es wohl: Qualität statt Quantität. Achja, dabei hat Toronto ja noch Tramgleise in jeder zweiten Straße der Innenstadt, und New York nicht mehr.

In anderen Worten, wenn der neue Typ das Erscheinungsgbild (und damit das Prestige des Verkehrsmittels) des Neuamsterdamer U-Bahnnetzes an dasjenige dessen von Toronto annähert oder gar angleicht, ohne dabei die Netzausdehnung oder die Taktfrequenz zu gefährden, schafft er etwas wirklich gutes. Dass das keine leiche Aufgabe sein wird, ist schon klar. Und die Journalistik dramatisiert alles natürlich ein wenig.
Toronto hat etwa 2,6 Mio. Einwohner.

New York hat etwa 8,5 Mio. Einwohner.
Slavic schrieb:
Also ich war in Nordamerika vor zweieinhalb Jahren und habe mir das angeschaut. Sooo schlimm ist das U-Bahn-System von New York nicht. Ja, manchmal äußerlich etwas heruntergekommen, doch vollkommen funktionstüchtig:
Grundproblem ist wohl, dass die Bevölkerungszahl seit 20 Jahren wieder weiter steigt, die U-Bahn aber 80-100 Jahre alt ist.

Die Presse (und [www.nyctransitforums.com]) thematisiert neben den üblichen Nörgeleien,
* warum man keine durchgehenden Züge wie in Europa hat (In NYC ist das Wechseln von einem zum anderen Wagen verboten),
* warum es auf neuen Linien keine Bahnsteigtüren gibt, die den Müll von den Gleisen fernhielten (Der Müll gerät an der Stromschiene in Brand-> Betriebsstörung)

Hauptproblem ist aber der Modernisierungsstau. Anscheinend haben die Politiker Gelder der MTA zweckentfremdet.
Dazu kommt, dass die wenigen Neubaustrecken (7 zur 34th Street, 2nd Ave Subway und East Side Access) durch ungeschickte Verträge 10x so teuer wie vergleichbare Strecken in London und Paris sind (NYTimes: The Most Expensive Mile of Subway Track on Earth) , sodass für Modernisierungen der elektromechanischen Signale auf älteren Strecken kein Geld übrigbleibt. Im Gespräch sind mehrmonatige/jährige Streckensperrungen ganzer Linien.

<Update>
So wird die L ab April für 15 Monate gesperrt (NYTimes: The Plan for the L Train Shutdown) - eine Katastrophe für Pendler. Sie ist zwar als einzige automatisiert, wurde jedoch 2012 durch Hurrikan Sandy stark beschädigt. (Wikipedia: 14th Street Tunnel shutdown) - jetzt wird alles modernisiert. 3 neue Unterwerke ermöglichen dann zukünfitg auch einen höheren Takt.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.01.18 09:54.
cinéma schrieb:
Toronto hat etwa 2,6 Mio. Einwohner.

New York hat etwa 8,5 Mio. Einwohner.
Der Ballungsraum Toronto hat über 5 Millionen Einwohner, der Blick auf die das Gebiet innerhalb der Stadtgrenzen alleine bringt da recht wenig, zumal das Subwaynetz auch Nachbarstädte anbindet. Das Subwaynetz ist aber nur 76.9 Kilometer lang. Es gibt zwar ein Netz aus Vorortzügen, diese sind aber eher mit mitteleuropäischen Regionalzügen vergleichbar und nicht mit S-Bahnen.
Dann muss man allerdings auch in Falle New Yorks den Großraum rechnen.
Dann muss man allerdings auch im Falle New Yorks den Großraum rechnen.
Ich kann auch bestätigen, dass es zumindest gar nicht so schlimm wirkt. Bei der Menge an Zügen und Menschen, ist es eine Herausforderung dies zu bewältigen. Dagegen haben die BVG, MVG etc. eine Kindergartenaufgabe. Sicher sind die Stationen ganz anders, als man es von hier kennt, dunkel, unverkleidet, uralt, aber solange die Statik passt... Die Wagen empfand ich als gepflegt, zumindest nicht schlimmer als bei uns, eher sogar weniger von Vandalismus betroffen. Solange man die Gleise in Ordnung hält, die Verschleißgrenze anpasst, sukzessive die Stationen pflegt und die Sicherheitsvorkehrungen auf den neuesten Stand bringt, ist doch schon viel getan. So ein riesiges System muss eine Dauerbaustelle sein.
Das war auch mein Eindruck bei meinen NYC-Reisen. Klar, die Stationen sind zum Teil doch sichtbar in die Jahre gekommen, dafür sind die Züge gepflegt, Grafittifrei und zuverlässig unterwegs.

Grüße
Silli
cinéma schrieb:
Wie sieht es eigentlich bei der U-Bahn nach Jersey City aus, die einen anderen Betreiber hat, ist die auch so mies?
Hiermit meinst du wohl die Port Authority Trans-Hudson (PATH). Diese verbindet Newark, Harrison, Jersey City und Hoboken in New Jersey mit den südlichen und mittleren Teilen von Manhattan. Die Bahn ist moderner und sauberer als NY's Subway, der gesammte Wagenpark von Kawasaki stammt aus den Jahren 2008-2012.

Gruss, Thomas.
T4D 222 998-7 schrieb:
Ich kann auch bestätigen, dass es zumindest gar nicht so schlimm wirkt. Bei der Menge an Zügen und Menschen, ist es eine Herausforderung dies zu bewältigen. Dagegen haben die BVG, MVG etc. eine Kindergartenaufgabe.
Wobei das keine Rechtfertigung sein sollte, denn gegen das, was bspw. in Moskau an Personen befördert wird, ist New York wiederrum eine "Kindergartenaufgabe", und Moskau dürfte eine der gepflegtesten U-Bahnen der Welt sein.
schwedenflo schrieb:
Der Ballungsraum Toronto hat über 5 Millionen Einwohner, der Blick auf die das Gebiet innerhalb der Stadtgrenzen alleine bringt da recht wenig, zumal das Subwaynetz auch Nachbarstädte anbindet.
Das Subway-Netz beschränkt sich fast komplett auf das Stadtgebiet von Toronto. Die neueste, vor vier Wochen eröffnete Verlängerung führt erstmals ein kurzes Stück (ca. 2 km mit 2 Stationen) über die Stadtgrenze hinaus.
"Nachbarstädte anbinden" - vor allem im Plural - würde ich das nicht nennen.

Es gibt zwar ein Netz aus Vorortzügen, diese sind aber eher mit mitteleuropäischen Regionalzügen vergleichbar und nicht mit S-Bahnen.
Es gibt inzwischen eine Schnellbahnlinie zum Flughafen ("Union Pearson Express"), die vom Takt her durchaus als S-Bahn durchgeht. Die Fahrpreise allerdings ...

cinéma schrieb:
gegen das, was bspw. in Moskau an Personen befördert wird, ist New York wiederrum eine "Kindergartenaufgabe",
Moskau hat knapp 2,4 Milliarden Fahrgäste im Jahr, New York knapp 1,8 Milliarden. So weit auseinander ist das nun auch wieder nicht.

--- Martin
laufer schrieb:
Hauptproblem ist aber der Modernisierungsstau. Anscheinend haben die Politiker Gelder der MTA zweckentfremdet.
Dazu kommt, dass die wenigen Neubaustrecken (7 zur 34th Street, 2nd Ave Subway und East Side Access) durch ungeschickte Verträge 10x so teuer wie vergleichbare Strecken in London und Paris sind (NYTimes: The Most Expensive Mile of Subway Track on Earth) , sodass für Modernisierungen der elektromechanischen Signale auf älteren Strecken kein Geld übrigbleibt. Im Gespräch sind mehrmonatige/jährige Streckensperrungen ganzer Linien
Links habe ich gerade nicht, aber es gab in den letzten Wochen von der New York Times eine ganze Artikelserie zu den Problemen bei der Subway.

Toronto

geschrieben von: JanH

Datum: 15.01.18 13:50

mbienwald schrieb:
schwedenflo schrieb:Zitat:
Es gibt zwar ein Netz aus Vorortzügen, diese sind aber eher mit mitteleuropäischen Regionalzügen vergleichbar und nicht mit S-Bahnen.
Es gibt inzwischen eine Schnellbahnlinie zum Flughafen ("Union Pearson Express"), die vom Takt her durchaus als S-Bahn durchgeht. Die Fahrpreise allerdings ...
Unter dem Projekttitel GO Regional Express Rail (was sich nicht zufällig als RER abkürzen lässt) ist da aber auch geplant, das Angebot deutlich auszubauen (auf den Hauptstrecken auf einen ganztägigen 15-min Takt) und große Teile des Netzes zu elektrifizieren.
JanH schrieb:
laufer schrieb:
Hauptproblem ist aber der Modernisierungsstau. Anscheinend haben die Politiker Gelder der MTA zweckentfremdet.
Dazu kommt, dass die wenigen Neubaustrecken (7 zur 34th Street, 2nd Ave Subway und East Side Access) durch ungeschickte Verträge 10x so teuer wie vergleichbare Strecken in London und Paris sind (NYTimes: The Most Expensive Mile of Subway Track on Earth) , sodass für Modernisierungen der elektromechanischen Signale auf älteren Strecken kein Geld übrigbleibt. Im Gespräch sind mehrmonatige/jährige Streckensperrungen ganzer Linien
Links habe ich gerade nicht, aber es gab in den letzten Wochen von der New York Times eine ganze Artikelserie zu den Problemen bei der Subway.
Der Link ist im von dir zitierten Absatz enthalten!

Rechts gibt's dann eine aside-box mit:
System Failure
A series of stories examining the reasons behind problems plaguing New York City's subways.

  • A Litany of Errors
    How Politics and Bad Decisions Starved New York’s Subways


  • Neglecting the Basics
    Lax Subway Upkeep Leads to Crippling Breakdowns


  • Excessive Costs
    The Most Expensive Mile of Subway Track on Earth



    1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.01.18 15:44.
    Die Artikel greifen das eigentliche Problem leider nicht auf: das fehlende Konzept. Vieles ist in New York einfach zusammengewürfelt worden, einen echten Masterplan gab es nie. Das führt natürlich dazu, dass die Baupreise explodieren, weil nicht wirklich vorausschauend geplant und gebaut wurde. Und das Geld fehlt dann natürlich an anderer Stelle für die Instandhaltung. Natürlich darf man aber auch krasse Fehlplanungen nicht ignorieren. Auch bei der New Yorker U-Bahn gibt es reine Prestigebauten, die unnötig viel Geld gekostet haben.
    mbienwald schrieb:
    Moskau hat knapp 2,4 Milliarden Fahrgäste im Jahr, New York knapp 1,8 Milliarden. So weit auseinander ist das nun auch wieder nicht.

    --- Martin

    New York: Knapp 1,76 Milliarden Passagiere pro Jahr (2016).
    Moskau: Knapp 2,39 Milliarden Passagiere pro Jahr (2015).

    Das ist schon ein ordentlicher Unterschied, wir sind hier schließlich im Bereich mehrerer hunderter Millionen.