DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 05 - Straßenbahn-Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Test-Forum aufsuchen!
Bilder, Berichte, News, Fragen und Antworten zum Thema Straßenbahn - Sonstiger ÖPNV ist gestattet. Das Busforum (auch O-Busse) befindet sich hier.
Links bitte mit kurzer Erklärung zum verlinkten Inhalt versehen, andernfalls werden diese entfernt.

[AT](W) Besuch im Tramwaymseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: Altbauelok

Datum: 19.05.17 02:35


Hallo zusammen,

vermutlich am 11.07. (eher weniger wahrscheinlich am 12.07.) besuchte ich das Wiener Tramwaymuseum in Erdberg bei der Schlachthausgassse am Ludwig-Kössler-Platz.
Vermutlich war das mein erster Besuch, zu mir war der Ruf durchgedrungen, dass dies weltweit das einzige Tramwaymuseum war, das einen so umfangreichen Fuhrpark eines einzigen Straßenbahnbetriebes beherbergt(e).
Vor 25 Jahren konnte man dort noch sehr ungeniert und gut fotografieren, nach einem umfangreichen Umbau dürfte das wohl mittlerweile so nicht mehr gehen.

Ich fange nicht chronologisch, sondern alphanumerisch an.

Los geht's:

http://up.picr.de/29231825iv.jpg
Bei der Type A handelt es sich um sogenannte Kriegsstraßenbahnwagen, die 1944 in 30 Exemplaren nach Wien geliefert wurden. Solche Wagen wurden auch in deutschen Städten eingesetzt. Konkret ist mir da ein Bild aus Heidelberg aus den 60ern erinnerlich.
Die Linie 52 existiert auch noch heute und fährt auch noch immer nach Baumgarten.



http://up.picr.de/29231826cg.jpg
Die Type B war die erste österreichische Nachkriegsproduktion aus den Jahren 1951/52.
Die Linie 118 gibt es heute noch indirekt...
Mit dem Liniensystem in Wien hatte es nämlich folgende Bewandnis: Die Hauptlinien waren, nicht durchgängig, von 1 bis 82 beschriftet. Gab es dann noch eine oder gar mehrere (sehen wir dann beim Z) Anschluss- oder Zubringerlinien, so wurde der Hauptlinie einfach eine 1, 2 oder 3 als Zusatz vorangestellt.
Insofern gibt es heute noch die Linie 18, die vermutlich die ursprünglichen Anschlußlinie übernommen hat, sofern diese nicht stillgelegt wurde.
Und dann gab es noch sogenannte Duchgangslinien, die mit Buchstaben und ggf. Index (runtergesetzte Zahl) versehen wurden. Lernen wir auch noch kennen.
Die 118 war also einmal eine Anschlusslinie der Stammlinie 18.



http://up.picr.de/29231829mq.jpg
Damals schon im Museum, der C1 141, hatten seine Geschwisterfahrzeuge noch 4 Einsatzjahre auf der Linie 46 vor sich.
Die Type C1 waren Lizenznachbauten von DÜWAG aus den Jahren 1955 - 59.
Obwohl die c1-Beiwagen den c3-5 ähnlich sahen, konnten sie nicht getauscht werden, da die C1-c1 druckluftgebremst waren.
Die C1+c1 (Beiwagen bekamen in Wien stets kleine Buchstaben, mit Index, passend zum Motorwagen) waren zuletzt auf der Linie 46 eingesetzt, eine große Ausnahme war wohl mal der Einsatz auf der Linie D im berufsverkehrsbedingten Einschub ab der Augasse 1989, insofern hat die Betafelung eine gewisse Korrektheit. Allerdings fährt die Linie 46 nicht mehr von der Bellaria, sondern nur zwischen Joachimsthaler Platz und dem Ring.



http://up.picr.de/29231833in.jpg
Der Type D (nur 16 Fz) war kein sehr langes Leben beschieden. 1958 in Dienst gestellt, waren sie bis 1974 wieder ausgemustert, wo hingegen die Type M von 1927 sogar bis 1978 im Einsatz waren.
Der Grund lag daran, dass in den 50er und 60er Jahren in Wien eine Autobus-Euphorie einsetzte, die nach und nach viele Linien in Wien dahinraffte. Erst mit der Energiekrise um 1973 herum bewirkte ein Umdenken und man erkannte die Straßenbahn als günstiges, umweltfreundliches Massenverkehrsmittel.
Der D 4301 ist als Linie 41 besteckt, diese vekehrt noch immer von Pötzleinsdorf zum Schottentor.



http://up.picr.de/29231850gb.jpg
Die Type G gab es in zwei Varianten, mit normaler Holzverglasung der ursprünglich offenen Plattformen und, wie hier, mit Kobelverglasung. Mit 520 gebauten Exemplaren war diese Type die stückzahlmäßig stärkste, je für einen Betrieb gebaute Type. Im Jahre 1900 gebaut, fuhr diese Type immerhin bis 1962!
Die Linie 39 gibt es nicht mehr, sie war eine jener, die der Autobuseuphorie zum Opfer fiel. Dabei war diese Linie als Heurigenlinie nach Sievering sehr beliebt.



http://up.picr.de/29231854up.jpg
So also sähe die normale Holzverglasung aus.
Sähe, denn dies ist ein G2, der einmal, erkennbar an den großen Fenstern, ein Exkursionswagen war.
Auch er ist sehr alt geworden, 1907 gebaut, 1966 ausgemustert.
Hier haben wir wieder eine der Stammlinie 65 vorangestellte 1.
Die Linie 65 habe ich noch erlebt, sie ist vor wenigen Jahren in der Linie 1 aufgegangen (Veränderte Verkehrsführung).



http://up.picr.de/29231855lk.jpg
Wunderschöner Dreiwagenzug, mit einem "regulären" G2 als Zugfahrzeug. Auch dieses Fahrzeug war 60 Jahre lang im Einsatz.
Die Linie 25k ist so ein Zwischending. Das war sicher einmal auch so eine Art Anschlusslinie, die teils die Linie 25, teils die Linie K befuhr. Es gab also auch Nummern mit nachgestellten Buchstaben, nicht zu verwechseln mit den Buchstabenlinien mit dem Index als Zahl!




http://up.picr.de/29231861co.jpg
Und wieder haben wir einen Exkursionswagen, diesmal allerdings dem ihm eigentlichen zugedachten Zweck gewidmet, also nicht für den Liniendienst umgebaut. Es handelt sich hierbei um einen G3, der aber ebenfalls um die 60 Jahre im Dienst stand.



http://up.picr.de/29231864fy.jpg
Und wo es G3 gab, gab es auch G4 ("Scherz")
Weil im 2. Weltkrieg keine Neubauten möglich waren, wurden im Jahre 1944 neue Wagenkästen auf alte G-Fahrgestelle gebaut. 1948 gab es nochmals 18 Nachbauten.
Zur Linie L kann ich nichts sagen.



http://up.picr.de/29231867iz.jpg
In den Jahren 1910 und 11 wurde die Type H, als erste in Wien, mit geschlossenen Plattformen in ca. 130 Exemplaren in Dienst gestellt. Sie liefen bis etwa 1962.
Die Linie 47 wurde, wie könnte es anders sein, durch Autobus ersetzt. Heute macht das, glaube ich, der 48a (a steht in Wien für Autobus). Steinhof ist eine Nervenheilanstalt bzw. Nervenheilklinik in Wien, etwas oberhalb der Stadt.



http://up.picr.de/29231868rs.jpg
Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um einen H2.
Bei diesem wurde, wie beim G4 ähnlich, NEUE Wagenkästen auf ALTE Fahrgestelle aufgebaut. Dies geschah um das Jahr 1949. Im Jahre 1963 nochmals modernisiert.
Die Linie E2 gibt es heute noch, stark verkürzt, als Linie 40 von Gersthof zum Schottentor. Mit dem E2 bin ich einmal geahren, der begann auch dort, wo heute der 40er beginnt, bog aber vor dem Schottentor in die Schwarzspanierstraße ab und fuhr weiter bis zum Prater!



http://up.picr.de/29231870md.jpg
Wunderschöner K-Dreiwagenzug.
Dieser K ist allerdings umgebaut, sie entstanden erstmals in den Jahren 1912 - 15 und liefen bis 22.12.1972.
Dieses Fahrzeug entstand 1913.
Die Linie J war eine der letzten Buchstabenlinien, die es sogar bis in die jüngste Vergangenheit geschafft haben. Heute existieren noch der D und der O. Der J ist weitgehend in der Linie 2 aufgegangen und wurde erst vor wenigen Jahren in diese integriert (so 2007 oder 2008).




http://up.picr.de/29231876sd.jpg
Wunderschöner L-Dreiwagenzug, wie ich ihn noch 1981 mit der Pocketkamera im Einsatz auf der Linie 40 fotografiert habe (Beiwagen leider nicht komplett drauf). Sehr verwirrend ist die Unterscheidung von L, L3 und L4. Einer der Unterschiede rührt von den Einsatzmöglichkeiten bzw. Einsätzen mit schaffnerlosen und schaffnerbesetzten Wagen her. Beim "nur"-L waren beide Beiwagen schaffnerlos!! Diese Wagen fuhren so bis 1990. Aber L habe ich danach noch ein oder zwei Jahre später fotografiert (hatte ich auch mal veröffentlicht) Und zwar als Einlagezüge auf der Linie D im Berufsverkehr zwischen Augasse und Südbahnhof, allerdings dann mit c3-5-Beiwagen gekuppelt.
Die Linie H2 gibt es natürlich auch nicht mehr, habe sie aber noch in den 70er Jahren erlebt. Es gab ja insgesamt drei dieser Linien: E2, G2 und H2. Alle zeichneten sich durch recht lange Strecken durch Wien aus.



http://up.picr.de/29231879hu.jpg
Ein L1 mit einem c3-5 Beiwagen. Diese Betriebsform, alter Motorwagen und moderner Beiwagen nannte sich "Halbstarker" und war so in den späten 60ern und frühen 70ern "inn". Ich kann mich noch als ganz kleiner Bub daran erinnern, so etwas gesehen zu haben. Dies rührte daher, dass es mehr moderne Beiwagen als Motorwagen gab (also noch nicht genug E und E1).
Die Linie 5 existiert auch heute noch und auch heute noch fährt sie bis fast zur Mariahilfer Straße. In die andere Richtung geht’s zum Praterstern, womit der 5er zu einer der längeren Linien in Wien gehört. Bin ich früher oft mit gefahren.
Den L1 2597 als Schwesterfahrzeug des hier abgebildeten 2606 kann man auch heute noch mieten! Und zwar z. B. für eine Heurigen, Geburtstags- oder Hochzeitsonderfahrt. Ich habe aktuellere Bilder von diesem L1.



http://up.picr.de/29231881lu.jpg
Das ist nun ein L4. Folglich müssen bei ihm die Beiwagen schaffnerbesetzt sein.
In den Jahren 1960 - 62 entstanden ca. 110 Exemplare mit passenden Beiwagen l3, die dann solche schönen, wie abgebildeten Dreiwagenzüge bildeten.
Die Linie 43 fährt auch heute noch vom Schottentor (oben) nach Neuwaldegg.



http://up.picr.de/29231882hr.jpg
Die sicherlich erfolgreichste alte Straßenbahntype Wiens war der M mit passenden Beiwagen m2-3. 1927 gebaut, hielt sich diese Type bis 1978. Von ihr sind auch erstaunlich viele Fahrzeuge erhalten geblieben, viele davon betriebsfähig und zum Mieten (siehe L1).
Die Linie 22 gibt es nicht mehr.



http://up.picr.de/29231883ur.jpg
Zeigte sich im vorangegangen Bild der M im etwa Letztzustand, so ist hier ein M in seiner Frühzeit abgebildet. Passend mit einem Beiwagen steht er vor dem Museum, wo man auch erkennt, dass ich an diesem Tag nicht alleine dort war.



http://up.picr.de/29231889ai.jpg
Sieht aus wie ein M ist auch fast einer.
Der M1 ist eine Weiterentwicklung des M in nur zwei Exemplaren.
Unterschiede zum M: Stahlgerippe, Nockenschaltwerk.
Die Linie D wurde von mir bereits als noch existierende Buchstabenlinie erwähnt und fährt auch heute noch von Nussdorf zum Südbahnhof, der heute wohl eher der neue Zentralbahnhof ist.




http://up.picr.de/29231884bk.jpg
Die Type N, gebaut 1925 bis 27 (gewisse Ähnlichkeit mit dem M), war etwas sehr spezielles. Gedacht für den Stadtbahnbetrieb, sollte sie auch in der Lage sein, als Straßenbahn verkehren zu können. Berühmtestes Beispiel seinerzeit war die Linie 18G, die als Stadtbahn vom Osten her kommend bei der Gumpendorfer Straße die Stadtbahn verlies und als Straßenbahn weiter bis zum Südbahnhof verkehrte. In den letzten Einsatzjahren verkehrte diese Type dann aber nur noch als reine Straßenbahn-Dreiwagenzüge, vor allem auf der Linie 60, wie dieses Bild zeigt. Diese Linie existiert auch heute noch und fährt von Hietzing nach Rodaun.



http://up.picr.de/29231886fr.jpg
Hier haben wir nun die Stadtbahnversion des N, eingesetzt mit je einem Motorwagen und einem Mittelwagen. Es konnten bis zu 9 Fahrzeuge in unterschiedlichen Konstellationen zusammengestellt werden.



http://up.picr.de/29231885dy.jpg
Nach den N kamen die N1, als erstere nicht mehr zeitgemäß waren. Zwischen 1954 und 62 wurden 130 Motor- und 200 Beiwagen gebaut, die bis zum 01.07.1983 im Einsatz waren. Auch ich bin noch mit ihnen gefahren, damals im Linksverkehr. Ab etwa 1979 wurde die Stadtbahn, auf der sie fuhren, sukzessive auf U-Bahn umgestellt. Die Linien U4, aber auch die kuriose Oberleitungs-U-Bahnlinie U6 fahren heute vielfach auf der ehemaligen Trasse der Stadtbahn. Auch hier konnten bis zu 9 Fahrzeuge in unterschiedlichen Konstellationen zusammengestellt werden. Ursprünglich war der seitliche "Ausschnitt" keiner, sondern ging durchgehend gerade zwischen den Türen.



http://up.picr.de/29231890wn.jpg
Auch dieser Tw sieht aus wie ein M, ist aber ein P2 und ebenfalls eine Weiterentwicklung des M in zwei Exemplaren.
Unterschiede: Motoren mit doppeltem, statt einfachem Vorgelege, kleinere Räder, daher im inneren keine Stufen mehr. Leider hat sich diese Neuerung nicht bewährt und die Wagen wurden der regulären Bauart angepasst.
Die Linie 36 gibt es nicht mehr.



http://up.picr.de/29231891ti.jpg
Die im Wiener Tramwaymuseum ausgestellten Arbeitsfahrzeuge haben mich im wesentlichen nicht so sehr interessiert, Ausnahme war dieser Schienenstoßmesswagen Type SM. Baujahr 1920, bis 1966 eingesetzt.



http://up.picr.de/29231892pc.jpg
Wieder ein recht ansprechender Dreiwagenzug, gebildet aus T1 k6 und k7-Beiwagen. Wieder wurden hier auf alten Fahrgestellen 18 neue Kästen aufgebaut. Einsatz bis 1975.
Die Linie 62 gibt es noch, sie wurde von mir fotografisch in Gestalt der E sehr intensiv in den Jahren 2004 bis 2008 beharkt und fast auf ihrer Gesamtstrecke dokumentiert. Sie führt vom Kärnter Ring/Oper nach Lainz.



http://up.picr.de/29231893sl.jpg
Sieht ein wenig aus wie ein L/L4 ist aber ein T2! Markantester Unterschied für mich ist der Einholmstromabnehmer. Auch hier wieder, wie so oft in der Nachkriegszeit in Wien: Neuer Kasten auf altem Gestell. Der zuvor erwähnte T1 war als Zweirichtungsfahrzeug ausgeführt, der T2 hier nun als Einrichtungsfahrzeug. Einsatzzeit vom 22 Mai 1956 bis zum 19.05.1982.
Die Linie 69 gibt es nicht mehr.



http://up.picr.de/29231894ky.jpg
Eigentlich in den USA bereits 1939 gebaut, wurde nach dem 2. Weltkrieg ein Verkaufsangebot im Rahmen des Marschallplanes aus Amerika wahrgenommen und 1949 insgesamt 42 Triebwagen gekauft, die in Wien die Bezeichnung Z bekam.
Die Tw waren wegen der vielen gepolsterten Sitze sehr beliebt und fuhren bis 1969 hauptsächlich auf den "transdanubischen" Linien - der breiteren Gleisabstände wegen.
Hier greife ich nochmals die Story der Wiener Vorgansweise auf, der Stammlinie eine vorangestellte Vorziffer einer Anschlusslinie zu verpassen. Die Liniennummer 331 war die höchste Liniennummer in Wien. Es war eine Anschlusslinie der Linie 31, die auch heute noch existiert und in Stammersdorf endet, Wiens nördlichster Tramendpunkt.




http://up.picr.de/29231895kr.jpg
Auch Autobusse beherbergt das Tramwaymuseum, zwei möchte ich kurz vorstellen.
Da ist zunächst dieser Saurerbus, genaue Bezeichnung 5 GF-ST, gebaut 1949 in 40 Exemplaren, im Einsatz bis 1970, danach noch 9 Jahre als Fahrschulwagen.



http://up.picr.de/29231896xa.jpg
In den Jahren 1958 bis 1966 entstanden insgesamt über 200 derartiger Busse bei der Firma Gräf & Stift.
Wie lange diese Busse im Einsatz waren, kann ich leider nich sagen, jedoch meine ich mich erinnern zu können, mit dieser Busart in den 70er Jahren noch im 41a von der Endstelle der Linie 41 hoch im besseren Schritttempo über Kopfsteinpflaster (vorbei am nicht mehr existierenden Hotel-Restaurant "Römischer Kaiser" (in dem wir immer wieder mal zu Mittag aßen)) zum Neustifter Friedhof, 2. Tor, gefahren zu sein.

Und das war mein Ausflug in Wiener Tramwaymuseum am 11.07.1992. Ich hoffe, ich habe nicht allzuviel falsches über die Fahrzeuge geschrieben und hoffe weiters, dass der Beitrag ein wenig gefallen hat.





5-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.05.17 11:57.

Re: [AT](W) Besuch im Tramwaymseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: sepruecom

Datum: 19.05.17 12:07

Schöne Bilder!

Ein paar Korrekturen:

Die Indices bei den Linien gaben den Linienweg an: "K" über Kai, "R" über Ring (wie auf dem Foto), "2" über den "Zweierring", unter dem heute die U-Bahn-Linie U2 fährt, weitere Linien wurden - wie von dir beschrieben - nach der Ringlinie bezeichnet, mit der sie parallel fuhren (U8, S8, Vc), sowie die 18G, die über die Gürtel-Stadtbahn fuhr. Buchstabenlinien waren generell Durchmesserlinien (wie die Linie 0 und D es bis heute sind), die Nummern 1-19 waren für Ring/Teilring-Linien reserviert (incl. der Linie 11, die auf der Praterinsel Querverkehr machte), ab der 21 handelte es sich um Halbmesserlinien. Dreistellige Linien waren teilweise Überlandlinien (160/260/360 waren eine Verlängerung der Linie 60, die umfangreichen Gleisanlagen sieht man bis heute in Rodaun), teilweise Pendellinien weiter draußen (mitunter waren das die Außenabschnitte, die nicht auf Einrichtungswagen umgestellt werden konnten). Es gab auch mal zeitweise eine 167, die Teile der 67 während des U-Bahn-Baus übernommen hat (bevor diese von der U6 übernommen wurde).

Die "Amerikaner" waren waschechte New-Yorker, die von der "Third Avenue Railway System" (TARS) übernommen wurden, die ihr Netz in Manhattan und der Bronx hatte. Sie war auch der letzte Straßenbahnbetreiber in diesen beiden Boroughs. Der Legende nach soll der Niedergang der Straßenbahn von New York 1936 beschlossen worden sein, als sich der damalige Bürgermeister, ein großer Freund der Feuerwehr, darüber geärgert haben soll, dass diese dauernd hinter den Straßenbahnen steckenbleibt. Ab diesem Zeitpunkt ging der Stern der Straßenbahn langsam unter, 1948 fuhr die letzte Bahn in Manhattan und der Bronx, 1956 die letzte Bahn in der Stadt (wobei die "Brückenstraßenbahn" der Triborough-Bridges den Rest um 3 Monate überlebte). Ab dem Ende der 30iger Jahre war es daher zunehmend schwerer, modernen Fuhrpark für die Straßenbahn zu beschaffen, da Neufahrzeuge keine Zulassung mehr bekamen. Daher modernisierte die TARS eine Anzahl Straßenbahnwagen, um ihren Kunden einen etwas zeitgemäßeren Komfort zu ermöglichen. Diese Wagen wurden teilweise nach Wien abgegeben. Für Wien hatten die Wagen den Nachteil, dass sie mit ihren Druckluftbremsen nicht stark genug bremsen konnten, nach einigen schweren Unfällen in den frühen 50igern wurden sie daher auf die Außenlinien verbannt (u.a. auch die 260/360) und auch relativ zügig ausgemustert...

Gruss, sepruecom

Aus einem sozialistischen System ein kapitalistisches zu machen, ist, wie aus einem Omelett ein intaktes Ei zu machen (Unbekannter Verfasser)

Der gescheiterte US-Präsidentschaftskandidat John McCain zu seiner Nachtruhe: Seit seiner Niederlage schlafe er wie ein Baby: "Zwei Stunden schlafen, aufwachen und heulen, zwei Stunden schlafen". Quelle




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.05.17 17:17.

Re: [AT](W) Besuch im Tramwaymseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: Altbauelok

Datum: 19.05.17 12:11

Hallo sepruecom,

danke für deine Ergänzungen, Korrekturen und Details.
Mit dem 167 bin ich sogar mal in den 70ern irgendwann gefahren.

Was hatte es denn dann mit den reinen Buchstaben-Kombies wie "AK" oder "BK" auf sich?
Bedeutete das sinngemäß "Linie A über Kai" bzw. "Linie B über Kai"?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.05.17 12:14.

Re: (A)[W] Besuch im Tramwaymuseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: H2U

Datum: 19.05.17 16:55

Hallo Altbaueelok,

auch von mir ein herzliches Dankeschön für die großartigen Bilder! Ich habe das Museum 1991 besucht und eine ähnlich umfangreiche Fotoausbeute mitgebracht. Mit der Qualität Deiner Aufnahmen können die aber nicht konkurrieren.

Bitte gestatte auch mir ein paar korrigierende Anmerkungen:

> Bei der Type A handelt es sich um sogenannte Kriegsstraßenbahnwagen, die 1944 in 30 Exemplaren nach Wien geliefert wurden.
> Solche Wagen wurden auch in deutschen Städten eingesetzt. Konkret ist mir da ein Bild aus Heidelberg aus den 60ern erinnerlich.

Pardon, aber das liest sich etwa so, als würde man einen Dänen fragen: "Ach, bei euch gibt's auch Lego?" ;-) Die Kriegsstraßenbahntriebwagen, eine deutsche Einheitskonstruktion, wurden in Heidelberg bei der Waggonfabrik Fuchs gebaut und wurden daher in Wien auch "Heidelberger" genannt. In Deutschland waren die Kisten sehr weit verbreitet.

> Obwohl die c1-Beiwagen den c3-5 ähnlich sahen, konnten sie nicht getauscht werden, da die C1-c1 druckluftgebremst waren.

Außerdem waren die C1-c1-Züge als einzige Wiener Straßenbahngarnituren überhaupt mit automatischen Scharfenbergkupplungen inkl. Leitungskuppelköpfen verbunden. Und bist Du wirklich ganz sicher, dass die C1-c1 druckluftgebremst waren? Galt das nicht ausschließlich für den Prototypzug C-c?

> Der Type D (nur 16 Fz) war kein sehr langes Leben beschieden. 1958 in Dienst gestellt, waren sie bis 1974 wieder ausgemustert,
> wo hingegen die Type M von 1927 sogar bis 1978 im Einsatz waren.
> Der Grund lag daran, dass in den 50er und 60er Jahren in Wien eine Autobus-Euphorie einsetzte,
> die nach und nach viele Linien in Wien dahinraffte.

Hauptgrund dafür, dass sogar wesentlich ältere Fahrzeuge die Type D im Einsatz überlebten, waren die katastrophalen Laufeigenschaften dieser Gelenkwagen. Außerdem waren sie auf N-Stadtbahnfahrgestellen aufgebaut, deren großer Achsstand sich schlecht mit den engen Kurven im Tramwaynetz vertrug. Die Dinger galten als komplette Fehlkonstruktion.

Nichts für ungut, nochmals besten Dank für den tollen Beitrag und viele Grüße von Hamburg in den Süden

Helmut



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.05.17 17:57.

Re: [AT](W) Besuch im Tramwaymseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: AFu

Datum: 19.05.17 19:42

Hallole,

vielen dank fürs Zeigen. - Ich war vor ein paar Jahren mal in Wien. - war interessant. - Nur hatte ich mich damals nicht um den "Amerikaner" gekümmert. - Erst im Buch, das ich gekauft hatte, hatte ich einiges darüber erfahren, und mich geärgert, dass ich nicht gefragt habe, um einen Blick ins Innere zu werfen.

Grüßle
AFu

http://www.ssb-linien.de/dso/3320-Front-DSO.jpg
----------------------------------------------------
Stuttgarts Straßen- und Stadtbahnlinien
im Internet: [www.ssb-linien.de]
Bahnforum Stuttgart:
[www.bahnforum-s.de]
----------------------------------------------------

Re: (A)[W] Besuch im Tramwaymuseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: Altbauelok

Datum: 19.05.17 20:36

Hallo H2U,

vielen Dank für deine Ergänzungen.
Besonders interessant fand ich deine Ausführungen zum D und seinem Ende.
Als Infoquellen habe ich nur diese Museumsbroschüre aus dem Jahre 1992 und das ESA-Sammelheft aus dem Slezak-Verlag "Straßenbahnen in Wien".
Der dortige Autor macht sich quasi über die D lustig, dass sie vom M überlebt wurden, ohne einen Grund zu nennen.
Die Sache mit den Heidelbergern habe ich nicht so ganz verstanden, worauf du mit deinem Vergleich hinaus willst - ich habe doch nix falsches geschrieben?
Ich habe lediglich gesagt, dass ich ein Bild von so einem Wagen aus Heidelberg kenne, in weiß-hellblau. Das war sicher mal Bestandteil eines historischen Bogens im HiFo über Straßenbahnen in Heidelberg. Von anderen Städten, wo es sie sicher auch gegeben haben mag, ist mir kein Bild erinnerlich.

Re: [AT](W) Besuch im Tramwaymseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: kami

Datum: 20.05.17 07:24

Altbauelok schrieb:
Allerdings fährt die Linie 46 nicht mehr von der Bellaria, sondern nur zwischen Joachimsthaler Platz und dem Ring.
Die Linie 46 fuhr nie von der historischen Bellaria sondern nur von/bis Ring (von kurzfirstigen Änderungen wg. Krieg, Brand, U-Bahnbau, Veranstaltungen, ... abgesehen). Die Namensgebung der Haltestelle im Bereich Bellariastraße & Ring war und ist bis heute kreativ. Im Untergrund ist es die Station Volkstheater, die bis unter die Haltestellen "Dr.-Karl-Renner-Ring" von Bus und Straßenbahn reicht. Es hat hat sich nur der Name der östlichen Endstelle geändert, nicht ihr Standort. Der Bundespräsident konnte nie mit der Straßenbahn bis ins Büro fahren.

Re: [AT](W) Besuch im Tramwaymseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: Altbauelok

Datum: 20.05.17 09:15

Hallo kami,

das ist ja mal interessant!
Ich habe mich immer gefragt, wo diese Bellaria liegt. Ich habe mir stets darunter so etwas ähnliches wie die Urania vorgestellt (gebäudetechnisch). Und da ich hi und da schon historische Aufnahmen von der Linie 46 gesehen hab, mit "Urania" betafelt, wollte ich schon wissen, wo die liegt.
Und jetzt erfahre ich, dass das nix anderes als die heutige Endstation am Ring ist, heute wie damals.
Kurios.

Re: (A)[W] C1

geschrieben von: 1018003

Datum: 20.05.17 11:48

Die C1 waren Druckluftgebremst. Die hatten auch einen Kompressor.
Suche einmal auf YouTube ein Video. Da hörst du sicher den Kompressor.

Ein Video von einer Legänderen Fahrt. [youtu.be]

Und haben die B (Fischer) nicht auch einen Kompressor. Sollte so sein.

Lg
Chris



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.05.17 11:59.

Re: (A)[W] Besuch im Tramwaymuseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: sepruecom

Datum: 20.05.17 12:22

Ich denke, das sollte "Kein Wunder, dass es die auch in Heidelberg gab, erstens war es ein Standardtyp und zweites wurden die dort hergestellt" heissen ;-)

Und wenn ich noch ein wenig klugscheissen möchte, kann ich hinzufügen, dass nur die Triebwagen aus Heidelberg kamen, die Beiwagen kamen aus Uerdingen. Trotzdem hießen die Wagen vielerorts Heidelberger, obwohl die Uerdinger in den Zügen meist zahlenmäßig überlegen waren (1 TW vs. 2 BW) ;-)

(Und um der Klugscheisserei noch eins draufzusetzen, habe ich gerade festgestellt, dass es in Wien gar keine KSW-Beiwagen gegeben hat. Dabei könnte ich schwören, mal ein Bild von einem Dreiwagenzug in wienerischem Rot gesehen zu haben...)

Gruss, sepruecom

Aus einem sozialistischen System ein kapitalistisches zu machen, ist, wie aus einem Omelett ein intaktes Ei zu machen (Unbekannter Verfasser)

Der gescheiterte US-Präsidentschaftskandidat John McCain zu seiner Nachtruhe: Seit seiner Niederlage schlafe er wie ein Baby: "Zwei Stunden schlafen, aufwachen und heulen, zwei Stunden schlafen". Quelle




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.05.17 12:29.

Re: (A)[W] Besuch im Tramwaymuseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: H2U

Datum: 20.05.17 16:37

Hallo zusammen!

@Altbauellok:
Nein, Du hast nichts Falsches geschrieben! Deine Formulierung geht nur ein wenig "von hinten durch die Brust ins Auge". Wenn das jemand liest, der sich mit der Materie nicht auskennt, dann entsteht der Eindruck: Der Kriegsstraßenbahnwagen (KSW) war ein Wiener Baumuster, aber es könnte auch in ein paar deutschen Städten Exemplare davon gegeben haben. Tatsächlich war es ein deutscher Standardtyp. Und Heidelberg war eben nicht nur einer der Einsatzorte, sondern der Sitz des Herstellers der meisten Triebwagen. Insgesamt wurden 249 Tw und 411* Bw gebaut (*falls ich mich bei der Addition der einzelnen Lieferungen nicht vertan habe).

@10018003:
Danke für den Hinweis. Ich habe zwar die letzten C1-Züge noch im Einsatz gesehen, konnte mich aber an die Kompressorgeräusche nicht mehr erinnern. Und im aktuellen EK-Großraumwagenbuch steht über die Druckluftbremse dieser Züge leider auch nichts.

@sepruecom:
Witzig -- auch ich habe heute erst nachgeschlagen, dass Wien nur KSW-Triebwagen hatte. Und auch ich hätte aufs Gegenteil gewettet ;-) Hey, klugscheißern kann ich auch: Genau fünf Tw wurden nicht von Fuchs, sondern in Uerdingen gebaut: Der Prototyp für Berlin (später Woltersdorf) und die vier Tw für Hannover.

Gruß
Helmut

Re: (A)[W] KSW Beiwagen

geschrieben von: 1018003

Datum: 20.05.17 16:49

Die Wiener KSW Beiwagen verschlug es in den Kriegwirren nach Graz.

Lg
Christian

Re: [AT](W) Besuch im Tramwaymseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: Manfred A.

Datum: 20.05.17 20:08

Altbauelok schrieb:
Und da ich hi und da schon historische Aufnahmen von der Linie 46 gesehen hab, mit "Urania" betafelt, wollte ich schon wissen, wo die liegt.

46er betafelt mit Urania? Die Urania ist beim Julius-Raab-Platz Ecke Ring/Kai und damit ein ganzes Stück entfernt von der 46er-Endstation. Und Tafeln mit der Aufschrift Urania gab es nie.

LG, Manfred

Re: (A)[W] KSW Beiwagen

geschrieben von: Manfred A.

Datum: 20.05.17 20:12

1018003 schrieb:

Die Wiener KSW Beiwagen verschlug es in den Kriegwirren nach Graz.

Lg
Christian

Quelle?

4 Beiwagen für Wien wären aber bei 30 KSW-Triebwagen schon etwas wenig gewesen. Ursprünglich wollte Wien 30 Trieb- und 60 Beiwagen haben. Geworden sind es nur die 30 Triebwagen, obwohl der Wiener Straßenbahn von Berlin auch zumindest 30 Beiwagen zugesichert wurden.

LG, Manfred

Re: [AT](W) Besuch im Tramwaymseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: Altbauelok

Datum: 20.05.17 21:03

Hallo Manfred,

das war ein Druckfehler, ich meinte die Bellaria.

Re: [AT](W) Besuch im Tramwaymseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: kami

Datum: 22.05.17 08:59

Altbauelok schrieb:
Ich habe mich immer gefragt, wo diese Bellaria liegt. [...] Und jetzt erfahre ich, dass das nix anderes als die heutige Endstation am Ring ist, heute wie damals.
Kurios.
Kurios ist höchstens die Namensgebung der Haltestelle. Falls das wirklich so an der Station und nicht nur auf dem Zielschild stand: Kurzform der Straße bzw. umgangssprachliche Bezeichnung der Ringecke.
Solch Verwirrung gab's auch an anderer Stelle: Die Linie 31A fährt nach Fahrplan nach "Großjedlersdorf, Jochbergengasse". Am Bus stand ewig: http://www.bildstrecke.at/bus/Images/detail/4162. Aktuelle Zielanzeige - ??? Dafür sehe ich die Kisten zu oft, um auf das Detail zu achten. ;)


Die historische Bellaria war (ist - ?) Teil der Hofburg; IMHO der Bereich, in dem heute u.a. der Bundespräsident sitzt -> Ballhausplatz 1.

Re: [AT](W) Besuch im Tramwaymseum Wien am 11.07.92

geschrieben von: Peter

Datum: 22.05.17 09:03

Hallo!

Ein wunderbarer Bericht, der Lust auf einen Besuch in Wien macht.

Vielen Dank!

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind.
Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.

Re: (A)[W] KSW Beiwagen

geschrieben von: 1018003

Datum: 24.05.17 19:34

Manfred A. schrieb:

1018003 schrieb:

Die Wiener KSW Beiwagen verschlug es in den Kriegwirren nach Graz.

Lg
Christian

Quelle?

4 Beiwagen für Wien wären aber bei 30 KSW-Triebwagen schon etwas wenig gewesen. Ursprünglich wollte Wien 30 Trieb- und 60 Beiwagen haben. Geworden sind es nur die 30 Triebwagen, obwohl der Wiener Straßenbahn von Berlin auch zumindest 30 Beiwagen zugesichert wurden.

LG, Manfred

Das mit Graz habe ich einmal in Sva gelesen. Das mit den 60 Beiwagen stimmt. Steht auch im Buch von W.Stütz.

Lg
Chris
Danke fürs Zeigen, danke für die vielen wichtigen Meldungen dazu, freut mich als Wiener sehr!