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[MA/LU] Düwag-Rätsel zum Sonntag(mB)

geschrieben von: Traugott Wembske

Datum: 08.11.15 11:03

Mahlzeit,


Heute mal ein kleines Sonntags-Rätsel für den DÜWAG-Kenner.

Und bevor demnächst jemand nach einer Auflösung fragt: Ich habe sie selber nicht.


Aber fangen wir mal die Geschichte von vorne an.

Ab 1958 beschafften die Verkehrsbetriebe Mannheim-Ludwigshafen eine große Anzahl von Düwag-GT6.
Diese waren wie damals oft üblich so aufgebaut, dass Sichtkarteninhaber beim Fahrer einstiegen, an den beiden Mitteltüren Ausgestiegen wurde und am Heck die Barzahler „boardeten“.

Dort saß auf Höhe des zweiten Fensters von hinten der Schaffner, der auch die Türen bediente, auf einem erhöhten Sitz, wie hier bei TW 312 zu sehen:

http://abload.de/img/8wxrox9rpxk.jpg


Kleiner Fun-Fact am Rande: Aus dieser Zeit stammt auch die Praxis die Türen von hinten her zu nummerieren. Also die Hecktür als Tür 1 und die Fahrertür als Tür 4. In Mannheim änderte man das nur bei den Hängebauchschweinen, als diese durch den Umbau eine fünfte Tür erhielten.

1963 war das Ausliefern erst einmal beendet. Zum 1.1.1965 wurde der Betrieb in einen jeweils eigenständigen Mannheimer und Ludwigshafener Teil gespalten.

Ab Juni 1967 stellte man aus schaffnerlosen Betrieb um. Das geschah Linienweise und wurde 1972 mit Ausmusterung der letzten Zweiachser abgeschlossen.
Die Düwag-Wagen wurden dazu (teilweise oder alle?) im Herstellerwerk umgebaut.

1967 beschafften beide Betriebe jeweils noch eine neue Serie GT6. In Mannheim waren das die Wagen 436-450 und in Ludwigshafen die Wagen 147-152.
Diese Wagen wiesen im Vergleich zu ihren Vorgängerserien einige Unterschiede auf. Die Fenster wurden als Klapp- statt Übersetzfenster mit leichter Tönung ausgeführt, sie hatten andere Türen, alle einen zweibeinigen Stromabnehmer (hatten zuvor nur einzelne Wagen) und: Sie waren von Beginn an Einmann-Wagen.

So steht es in der Wagenparkstatistik.
Und ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, etwas anderes zu behaupten.


Nun erzählt mir User Fubby neulich, dass er sich genau daran erinnern könne, dass auch diese Wagen einen Schaffnerplatz hatten.

Während sich der Betriebschronist und Verfasser der Statistik nicht mehr erinnern kann, beharrt ein nur teilweise Forenbekannter Düwag-Freund aus München auf der Aussage, dass es in diesen Wagen tatsächlich nie einen Schaffnerplatz gab.
Er begründet das mit der eigenen Erfahrung. Er wurde im August 1967 vom Betriebschronisten durch den damaligen Btf. 1 (Collini) geführt. Dort bekam er den frisch gelieferten TW 450 (+2006) gezeigt mit den Worten „Das ist unser Jüngster“. Dabei soll er keinen Schaffnerplatz besessen haben.



Also steht nun Aussage gegen Aussage. Die Wagenparkstatistik und der bereits laufende (und sicher nicht über Nacht eingeführte) Umbau auf schaffnerlosen Betrieb sprechen für die Aussage des Düwagianers aus München.

Für Fubby spricht aber, dass die Wagen an der letzten Tür – wie alle zuvor gelieferten Schaffnerwagen – einen Spiegel hatten, womit der Schaffner die Türen überwachen konnte:


http://abload.de/img/dsc_7675rwotd.jpg
http://abload.de/img/dsc_7677fbq24.jpg

Mannheim 448 bei Auslieferung


http://abload.de/img/dsc_7688e8rh2.jpg

TW 447 – nagelneu – mit Spiegel und Hinweis auf den schaffnerlosen Betrieb.




http://abload.de/img/ralu0020zqn5.jpg

Hier TW 150 bei seiner Auslieferung.




Nun also die alles umfassende Frage:

Hatten diese Wagen bei Lieferung einen Schaffnerplatz?

Wenn ja: Falsch bestellt und gleich wieder ausgebaut oder waren sie so auch in Betreibe?

Wenn nein: Warum gab es einen Rückspiegel an Tür 1?




Viel Spaß beim Rätseln. Ich bin mal gespannt….







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.

Spiegel vielleicht übersehen?

geschrieben von: joh

Datum: 08.11.15 12:46

Hallo Traugott,

es könnte doch einfach sein, dass beim Durchstellen der Botschaft "Schaffnerplatz weglassen" vom Kunden bis zum Düwag-Konstukteur der Außenspiegel an der Tür schlichtweg vergessen wurde? Was in der Zeichnung und der Stückliste steht, wird bestellt und auch angebaut. Niemand hat sich Gedanken über der Sinn gemacht. Aufgefallen ist es dann erst in Mannheim - später, bestimmt nicht gleich.

Gruß
Johannes



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2015:11:08:12:47:18.

Re: Spiegel vielleicht übersehen?

geschrieben von: RothHaendle

Datum: 08.11.15 17:30

...über Mannheimer/Ludigshafener Wagen kann ich natürlich nichts sagen, jedoch ist der Vorspiegel ;-) für mich ein klares Zeichen für die Schaffnerplatzausrüstung. Hätte man den Schaffnerplatz meinetwegen kurzfristig weggelassen, dann hätte man wohl auch kaum den Spiegel montiert sondern ihn, falls bestellt und bezahlt, dem Wagen beigegeben.

RothHaendle

Re: [MA/LU] Düwag-Rätsel zum Sonntag(mB)

geschrieben von: Christoph Heuer

Datum: 08.11.15 23:35

Hallo zusammen,

irgendwie ist es blöd, dass alle gezeigten Fotos an der entscheidenen Stelle, dem vorletzten und letzten Fenster eine Unschärfe aufweisen. Genau dort wäre ein Schaffnerplatz und man könnte ihn von außen anhand der Rückenlehne erkennen. Alles was ich sehe, bei allen gezeigten Wagen, ist ein verschwommener "Kasten" hinter den jeweils mittleren Fenstern des B-Teils, etwas zum Heck versetzt. Das könnte jeweils ein Schaffnerplatz sein.

Viele Grüße

Christoph

Noch einige Ergänzungen(mB)

geschrieben von: Traugott Wembske

Datum: 10.11.15 16:16

Nach einigen Telefonaten und Mails mit Düwag-Kennern habe ich nun eine ganz neue Theorie.



http://abload.de/img/rama159ypq0e.jpg

Gestern machte mich Robert B. aus M. auf dieses Foto aufmerksam, welches in der Wagenparkstatistik abgedruckt ist. Es zeigt den TW 359 bei der Abladung in der Möhlstraße im Sommer 1967. Da der Wagen schon älter war muss es sich hier um die Rückführung aus dem Herstellerwerk nach dem Einmannumbau handeln.
Und auffällig ist, dass der Spiegel noch vorhanden ist. Auch der Schaffnerplatz scheint noch drin zu sein.

Darüber hinaus habe ich einen alten Stadtverkehr aus dem Archiv gekramt, dessen Beschreibung zum Einmann-Umbau ich unten angehängt habe. Neben der Liste der Umbauten ist vor allem der vorletzte Absatz interessant, der auch die Erinnerungen der Lokleitung bestätigt.


Demnach hat man die Wagen wohl kurzfristig für den Linienweise einzuführenden schaffnerlosbetrieb umgerüstet. Da ein Einmannbetrieb wohl technisch ohne weiteres gar nicht möglich war, war ein größerer Eingriff nötig, den die Düwag ausführte.



Daher nun folgende Theorie:

Man hat die Wagen technisch auf Einmannbetrieb umgebaut (Notbremsen, Türbedienung, Türüberwachung, Mikro... usw...) und den Schaffnerplatz noch drin gelassen, jedoch nur noch zur Funktion des Fahrscheinverkaufs.

Somit war eine schnelle "über-Nacht-Umrüstung" zum Einmannwagen möglich.

Das würde heißen, dass 436-450 und 147-152 mit einem provisorischen Schaffnerplatz kamen, wie ihn die 73er Heidelbeeren hatten. Das würde dann auch JoKes Foto erklären.




Was auch für diese Theorie spricht ist der bei der FTM noch erhaltene Schaffnerplatz, den der einstige Manager des "station rerail" im Viernheimer Bahnhof vor der Vernichtung bewahrt hat. Demnach ist er wohl auch hier ausgebaut worden, während der eigentliche Einmann-Umbau ja in Düsseldorf stattfand.


Hier nun der SV-Artikel:

http://abload.de/img/dsc_0147itqy2.jpg

http://abload.de/img/dsc_01488hqo9.jpg



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Re: Noch einige Ergänzungen(mB)

geschrieben von: Charlie Pinguin

Datum: 11.11.15 11:14

Hallo Mitleser,
das gezeigte Foto scheint nmir eher bei der Verladung zum Umbau als bei der Rückkehr entstanden zu sein. Grund zu dieser Annahme ist die Richtung des "manuellen Verschubes" des Eisenbahnwaggons unter den angehobenen Tw.

Mit freundlichen Grüßen
Karl Schreeck