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I: Rom "PCC"

geschrieben von: Peter HH

Datum: 12.02.02 19:47

In Italien (und u. a. auch der Schweiz) kennt man bis heute die klassische Druckluftbrermse, besonders schön anzusehen natürlich an den alten Mailänder Peter Witt-Wagen. Rom besitzt mit der Serie 8001-8039 zwanzig PCC-Wagen (sowie mit 8041 und 8043 die beiden angepassten ex-Mailänder Wagen). Wenn ich das richtig erinnere, werden diese Wagen aber ebenfalls druckluftgebremst! Damit sind sie eben nicht all electric, denn es erfolgt keine Bremsung über Pedal, wie im eigentlichen Sinne ja Fahr- und Bremspedale vorhanden sein müßten.
Frage: finden/ fanden sich bei den originalen amerikanischen PCC-Wagen als all electric car (Fahr- und Bremspedale!) auch druckluftgebremste Wagen oder handelt es sich bei den römischen Wagen somit doch um Zwitter? Und kann man trotzdem von PCC-Wagen sprechen? (Und wie steht es beispielsweise mit den noch existierenden belgischen Wagen?)

Re: I: Rom "PCC"

geschrieben von: Gerhard

Datum: 13.02.02 18:40

Hallo,

ich kann zwar keine erschöpfende Antwort geben, möchte aber einiges zur Begriffsbestimmung klarstellen: Die ersten Serien der amerikan. PCC-Wg. hatten alle Druckluftbremsen, die ersten ohne Druckluftbremse kamen 1940 nach St. Louis. (Laut ENA-Sonderheft). PCC bedeutet President's Comitee Car, also Präsidentenvereinigungswagen. Das kommt von einer Vereinigung amerkanischer Trambahngesellschaftspräsidenten, die zusammen einen neuen Fahrzeugtyp entwerfen wollten. 1934 stellte Pullman einen Wagen vor, den man als ersten Prototyp ansehen kann, 1936 begann die Serienlieferung an Pittsburgh.

Die Bezeichnung "all electric car" trifft zum beispiel ebenso auf einen neueren PCC wie auf einen Freiburger GT4 zu. Diese Bezeichnung weist nämlich lediglich darauf hin, dass der Wagen keine Druckluftausrüstung hat, und dass die Bremsanlage folglich rein elektrisch funktioneirt; mit den Pedalen hat das vorderhand nichts zu tun.

Um noch näher auf die Fragen einzugehen: Man kann, denke ich, davon ausgehen, dass die ersten amerikanischen PCC zumindest teilweise noch über Handbremsventile verfügten (Vermutung)

Die wesentliche Eigenschaft eines PCC-Wagens in Europa macht sich an der Lizenz fest. Die hersteller der belgischen Wagen hatten, sofern diese nicht sowieso aus USA kamen, so weit mir erinnerlich, eine Lizenz zum Nachbau von PCC-Wagen. Es ist also vor allem zu klären, ob die römischen Wagen in Lizenz gebaut oder eigenkonstruiert sind.

In der Hoffnung, ein bischen geholfen zu haben grüßt freundlich

Gerhard

Korrektur

geschrieben von: Gerhard

Datum: 13.02.02 18:44

Die amerikanischen PCC hatten wohl doch von Anfang an Fußpedalsteuerung, wie ich gerade lese. Dies würde auch einer der Hauptforderungen des President's Comitee entsprechen: leichte Bedienbarkeit der Wagen. Die nach 1945 gebauten wagen hatten übrigens angeblich keine Druckluftbremse mehr.

Gruß Gerhard

Re: Korrektur

geschrieben von: Peter HH

Datum: 14.02.02 22:28

Hm... jetzt kommt mir die Frage selbst etwas merkwürdig vor. Zunächst aber vielen Dank. Scheint also doch noch Interessenten auch außerhalb der letzten DÜWAG-Refugien zu geben.
Aber was macht denn eigentlich das Hauptmerkmal eines in Lizenz gebauten PCC-Wagens aus? Der Lizenzvertrag wurde doch geschlossen, um die Entwicklungsarbeiten auch für den europäischen Markt zu nutzen, und zwar mit der belgischen Firma ACEC. Aber in Italien, der Schweiz und Schweden gab es bereits seit den 1940er Jahren ebenfalls moderne Vierachser (Großraumwagen) und auch wenige deutsche Betriebe (Hamburg u. a.) schufen bereits geradezu revolutionäre Wagen, ab den frühen 1950er Jahren dann der DÜWAG-Durchbruch. Allerdings natürlich immer mit Beiwagenbetrieb - aber daran ist dann bei den Tatrawagen ja auch später festgehalten worden, und die gelten doch ebenfalls quasi als PCC-Wagen. Wahrscheinlich hat sich die Zeit damals selbst eingeholt, der technische Fortschritt war und ist rasant...