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Krieg in der Hölle - Gegner der Bahnreaktivierung in Oberfranken rüsten auf

geschrieben von: fernschnell

Datum: 03.05.21 06:35


Kapitalknechte ( :augenreib: roter (!!!) thüringischer Ministerpräsident B. Ramelow, gestützt von oberfränkischen Lokalparteigesinnungsgenossen vorn dran) gegen bayrisch-fränkischen Heimat- und Naturschutz

Kürzlich stand hier und hier schon was zum Gezänk um die seit Kriegsende zwischen Blankenstein (Thür) und Marxgrün (Bay) unterbrochene fränkische Höllentalbahn (sehr lesenswert zur Streckengeschichte auch hier).

Bevor wir zu den Neuigkeiten kommen (Links für die Ungeduldigen hier und hier) der Versuch einer Annäherung (Achtung: es ist nur noch mit Humor zu ertragen!)
Hat man doch in der „Hölle“ die 75jährige „Zonenrandruhe“ sehr lieb gewonnen, einschließlich der Fledermäuse in den verlassenen Eisenbahntunneln, wenn einige mutige von denen sehr wahr­scheinlich selbst lange vor der Betriebseinstellung da im Kohlendampf gehaust und vielleicht auch schon auf die Regierungszüge geschissen haben werden, die während des Krieges nebenan im heute noch befahrenen Totenfelstunnel übernachteten. Natur und manches Menschlein ergriffen seitdem mehr oder weniger unkontrolliert Besitz von der Trasse, zum Nachteil zahlreicher sonnen­liebender Bahndammbewohner. Die meisten der heutigen Talsiedler haben Eisenbahn hier nicht mehr erlebt, abgesehen von ein paar Wagenzustellungen bis Ende der 1980er, pikanterweise für selbiges Mineralwasserwerk, das jetzt plötzlich Gefahren für seinen Tiefbrunnen sieht, welche, wenn überhaupt, beim früheren Bahnbetrieb natürlich auch schon bestanden. Nur rollten die Züge damals eben auch für die jetzt nicht mehr zur Familie gehörende Papierfabrik auf Thüringer Seite. Na ja, wenn zwei das Gleiche tun…

Im Glauben, alles bliebe für immer so, haben einige Leute dicht an der Trasse nette Häusle gebaut oder gekauft. Doch nun erhält die lange Zeit nur in kleinen Schritten vorankommende Reaktivierungs-Initiative Höllennetz massive Unterstützung durch die Thüringer Regierung, deren MP Ramelow alles zur Chefsache gemacht und unverzüglich Zweitwohnsitz im angrenzenden Saale-Orla-Kreis genommen hat, um näher am Geschehen zu sein!
Da lassen die Handvoll vor- und spätnachmittäglich avisierter Güterzüge statt mehrerer hundert (aber ja gottlob bisher andere Leut als die Höllaner plagender) Lkw täglich für die oberländische Holz- und Papierindustrie neben dem zu reaktivierenden Personenverkehr Saalfeld - Hof freilich gleich Assoziationen zur Rheinschiene hochkochen.
In Mehrfachtraktion mit mindestens 100 Achsen am Haken vorbeischeppernde Großdieselloks werden wohl reihenweise die Latten von den Gartenzäunen fegen und die wiederherzustellenden Bahnübergänge mit gelegentlich zu beachtenden Zugkreuzungen beschwören unweigerlich den Zusammenbruch des Straßenverkehrs im Selbitztal herauf. Fußgängern drohen beim Rumstehen an endlos geschlossen erscheinenden Schranken die Zornes- und Krampfadern zu platzen, die Vermittlung von Grundwissens über korrektes Verhalten an Bahnübergängen kann heimschulgeplagte Eltern an ihren wegen Zugverkehr bis tief in die Nacht schlaflosen Kids verzweifeln lassen und den Bauern wird das Vieh im Stall verhungern sowie das Unkraut über den Kopf wuchern, wenn die Züge ihre Trecker auf dem Weg zum Heueinbringen und Herbizidspritzen aufhalten oder gar auf Umwege zwingen sollten.

Gelegentlich über die Grenze dringende, unbestätigte Berichte vom jetzt den Zugverkehr der Holz- und Papierindustrie tragenden Streckenast Hockeroda – Blankenstein, wo kein Baum und Strauch mehr wachsen, die Brunnen versiegen, kein Vogel fleuchen und kein Echs mehr kreuchen soll, begleitet von starkem Rückgang einer zunehmend ertaubenden Bevölkerung, gelten als alarmierende, von der thüringischen Staatspresse totgeschwiegene Signale.
Immerhin kam auch die gleichgeschaltete „Ostthüringer Zeitung“ kürzlich nicht umhin, aus einem hochqualitativen Gutachten über ein bahnbrechendes Güterverkehrs-Entwicklungskonzept des Bundes (welches unerklärlicher- wie verwerflicher­weise von bösartigen Kreisen als „Elektrifizierungsprogrämmchen“ verunglimpft wird) zu zitieren, die Elektrisierung Hockeroda – Blankenstein/Friesau für Güterverkehr lohne nicht, woraus unmißverständlich erhellt, daß die Fortführung jeglichen Zugbetriebs durch die Hölle nicht nur gefährlich, sondern ebenso zwingend unrentabel sein muß (wenngleich sich das Blatt dem Vernehmen nach unter Androhung der Abo-Kündigung seines eifrigen Lesers Bodo R. nicht durchringen konnte, solch konsequenter Schlußfolgerung weiteren Raum zu geben).

Dabei war ja der Schienenstrang durchs Höllental von Anfang an blanke Provokation - preußische Bahnstrecke in Bayern, gar mit Haltestellengebäuden im invasiven thüringischen Fachwerkstil!!! Möglich gewesen nur durch unheilvoll übermächtige Allianz Thüringer Kleinstaaten mit den preußischen Parvenüs und sympathisierendem Kapital aus deren Provinz Sachsen sowie von bayrischen Renegaten gegenüber dem unter Prinzregent Luitpold bedauerlicherweise innenpolitisch zerrissenen wie außenpolitisch arg gebeutelten Königreich - dessen oberste Verkehrs-, Heimat- und Naturschutzbehörde völlig lahmgelegt im sog. „bayrischen Kulturkampf“. Immerhin konnte dieser unter erfolgreicher Abwehr kaiserlicher Einschleimungsversuche (Swinemünder Depesche) gerade noch rechtzeitig nach Inbetriebnahme des Höllengleises beendet werden und die Preußen mit ihren thüringischen Vasallen hatten höheren bayrischen Beamten im Verbindungsbahnhof Marxgrün bedingungslos zu gehorchen, alles was recht ist! Und eines der fremdländischen Stationsbauwerke konnte inzwischen auch schon als erfolgreicher Vernachlässigung anheimgefallen wieder beseitigt werden, was sich sehr förderlich für die Anerkennung der Hölle als Naturschutzgebiet ausgewirkt haben soll.

Aber nun mal ernsthaft
Bahnbetrieb bedeutet vielleicht Trennung von einigen lieben Besitzständen oder Gewohnheiten und selbstverständlich besondere Organisation zu Vermeidung und Ausgleich von Umgebungskonflikten, aber die Trasse ist nun eben seit 120 Jahren unverändert planfestgestellt genehmigt und dem Eisenbahnverkehr gewidmet – mit allen einst vorhandenen Anlagen, Rechten und Pflichten, auch wenn es dem Eigentümer dummer­weise kurz vor der Wiedervereinigung gefallen hat, sein Gleis restlos abzubauen.

Einige Anwohner wollen diese rechtlichen Gegebenheiten bloß einfach nicht akzeptieren und rühren nun kräftig die Werbetrommel für eine Anti-HTB-Petition .

Eigentlich wäre ja als Grundlage sachlicher Diskussion das laufende Umweltverträglich­keitsgutachten abzuwarten, aber es sollte partout noch vorab die große Welle gescho­ben werden mit einigen berechtigten über halbwahre, an den Haaren herbeigezogene bis zu hanebüchenen Argumenten und Unwahrheiten, um möglichst viele Außen­stehende von ernsthaft umweltbewegt bis kapitalismuskritisch zu beeindrucken - wenigstens einer war so ehrlich davon zu sprechen, sich mit dem Kauf eines Häusles an der Trasse wohl nun einfach bedauerlicherweise verspekuliert zu haben. Andere sagen „wir lehnen ab und diskutieren nicht“, fertig. So geht leider keine Risiko­kommunikation und –mediation. St. Florian läßt grüßen Facebook-Gruppe Gleisschuh .

Fast trau ich mich nicht, den versammelten Eisenbahnfreunden viel Spaß bei der Kommentierung zu wünschen und vielleicht animieren Einwände nur noch, die Petition dann gerade schnell mal mitzuzeichnen, weil die armen Leute in der Hölle ja von der Übermacht des Kapitals und der Umweltignoranten ….. nein, ich schweife ab, aber vielleicht hat der eine oder andere doch Interesse?

Eine vor drei Jahren wenig erfolgreiche Petition für Saalfeld – Hof (s. auch [www.drehscheibe-online.de] ) wurde von Initiative Höllennetz aus gutem Grund nicht unterstützt, da die dort unrealistisch geforderte Elektrifizierung den Rahmen der bestehenden Widmung gesprengt hätte.
Gleiches gilt für den vom Bund Naturschutz Hof und dem Bayr. Landesverband Vogelschutz geforderten Tunnelneubau.
Ersteres wäre eher noch als gutgemeint, wenn auch leider unbeabsichtigt kontraproduk­tiv einzuschätzen (zumindest gibt die mißlungene Petition nun Gelegenheit, sie als Beweis für angebliche Bedeutungslosigkeit der HTB zu missbrauchen).
Bezüglich der Tunnelforderung bräuchte man vielleicht mehr Infos über die komplizier­ten Interessenverflechtungen in der Hölle und drum herum - der von Insidern schon in die Diskussion geworfenen Begriff „Nebelkerze“ macht nachdenklich und der Auftritt der BN-Dame in den ARD-Tagesthemen mit ihrem Einwand, die Öffnung der alten Tunnels sei für sie wie „ihre Großmutter verkaufen“ war nicht unbedingt überzeugend. Interessant wären vielleicht Großmutters Erinnerungen an die Zeiten des realen Zugbetriebs gewesen.

Tief im Südwesten ist man statt vordergründiger Blockade bei Reaktivierung der Württembergischen Schwarzwaldbahn schon etwas weiter in Bezug auf innovativen Fledermausschutz - sowas wäre mit Fördermitteln wie dort vielleicht auch im Oberfränkischen möglich, da muss man nicht mit Maximalforderung einer kompletten Tunnel-Neutrassierung alles zerreden.

Nur die DB muss man leider wohl noch bissle zum Jagen tragen, was die HTB-Gegner auch gern als Beweis angeblicher Überflüssigkeit einer Reaktivierung hernehmen. Schlichter Hintergrund sind konzerninterne Befürchtungen um verminderte Amortisation der zwischenzeitlichen Güter-Ertüchtigung Hockeroda – Lobenstein sowie Unwägbarkeiten für den Knoten Saalfeld durch Wegfall des heute dort abgewickelten Umweg-Südverkehrs der Oberland-Güteranschließer. Andererseits sieht man durchaus gern zusätzliches Güterpotential und Saalfeld kann auch durch Wieder­aufnahme des Personenverkehrs der Achse Erfurt – Cheb gewinnen, zudem dienen Lückenschlüsse prinzipiell der Netzstabilität und schließlich war doch ein Hauptgrund für den Bau der Thüringer-Wald-U-Bahn, daß die alte Hauptstrecke über den Frankenwald dringend entlastet werden müsse, was aber in Bezug auf Güterverkehr bisher nicht erfolgte, weil bis jetzt kein Güterzug über Erfurt-Ebensfeld gefahren ist und wohl nie fahren wird.

Erklärung zu Interessenkonflikten:
Der Autor dieses Beitrages verfolgt erheblich eigennützige Privatinteressen als Anwoh­ner des thüringschen Nachbarkreises Saale-Orla, passionierter Schiefergebirge-/Frankenwald-Wanderer, Sympathisant der früheren Pro-Bahn-Gruppe Lobenstein und notorischer Intensivnutzer von Produkten der thüringisch-fränkisch-oberländischen Holz-/Papier- und Mineralwasser-Industrie sowie des landesgrenznahen und grenzüber­schreitenden ÖPNV/FV, insbesondere unter Berücksichtigung der allfällig wieder­herzustellenden Schienen-Direktverbindung nach Oberfranken.
In Eigenschaft als Bahnanlieger des SOK-Unterlandes wird an Eides statt erklärt, keinerlei Profit aus der Verlegung einiger Güterzüge für ZPR und Mercer zur Höllental­bahn zu ziehen, da solche derzeit den Wohnort im Orlatal gar nicht berühren.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.05.21 06:50.
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