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Wenn der Schaffner Lebenshilfe geben soll ...

geschrieben von: bahnratefuchs

Datum: 21.02.21 11:25


Hallöchen.

Oder anders ausgedrückt: wie umgehe ich Regelungen, die für mich zu Problemen führen werden.

Wir nehmen dazu eine grenzüberschreitende Nahverkehrslinie zwischen Deutschland und den Niederlanden. Dann als weitere Zutat einen ausländischen Staatsbürger mit einer Meldeadresse in den Niederlanden und einem internationalen Bahnfahrschein. Und als Leckerbissen einen freundlichen Zugbegleiter, der seine Aufgabe nicht nur im Kontrollieren von Fahrscheinen sieht.

Und so gibt der Schaffner dem Zugreisenden den freundlichen Hinweis, dass er für eine störungsfreie Weiterfahrt durch die Niederlande einen aktuellen negativen Corona-Test wird vorweisen müssen.

Tja, da steht er nun, der Fahrgast. Das wußte er gar nicht. Wie traurig es ist, so uninformiert zu sein, wäre ein eigenes Thema; Pandemie feiert ja mittlerweile schon den ersten Jahrestag.

So steht er nun da, der Fahrgast, und fragt allen Ernstes den Zugbegleiter, was er denn jetzt machen solle und was denn wohl passieren würde, wenn er jetzt einfach so weiterfahre; als gäbe es kein Virus, keine Toten, keine Hysterie, keine Ansteckung und keine Gesetze und Regeln diesbezüglich.

Ich bin da ja immer wieder erstaunt, wieviel Vertrauen die Leutchen da ins Bahnpersonal stecken. "Ich komme mit dem Leben nicht klar - SIE müssen mir jetzt helfen!". Wahnsinn. Manches Fahrgastgespräch könnte man genaugenommen eigentlich auch mal bei der Krankenkasse abrechnen - erspart unter Umständen immerhin dem Reisenden den Weg zum professionellen Therapeuten.

Nun, im konkreten Fall konnte der Zugbegleiter mangels eigener Erfahrung die genauen Konsequenzen auch nicht beschreiben. Und er kenne ja nun auch nicht den Gesetzdurchsetzungswillen der niederländischen Sicherheitskräfte. Aber im Allgemeinen sei halt mit Ärger, Problemen, Quarantäne etc zu rechnen.

Und dann hat Kunde eine Idee. Der Reisende ist in den Niederlanden gemeldet. Wenn er sich nun am Umsteigebahnhof eine neue Fahrkarte kauft, nämlich eine nationale inländische - dann würde doch niemand mehr sehen, dass er aus dem Ausland einreise.

Dem Fahrgast gefällt sein spontaner Gedanke. Einerseits. Andererseits zahlt er dann doppelt. Und das ist doof. Und der Fahrgast rätselt, ob er am Endbahnhof der Strecke beim Aussteigen schon im Bahnhof bzw am Bahnsteig kontrolliert wird und dann womöglich gar nicht erst bis zur nationalen Verkaufsstelle vordringen kann. Ob er, der Zugbegleiter, das denn wisse?! Nein, weiß er nicht. Sagt er zumindest. Denn er führe ja immer sofort wieder zurück und reise nie ein.

Bliebe als Lösung noch ein ausländischer Unterwegsbahnhof vorm Endpunkt. Ob man da aber einen Fahrschein bekommt? Und dann warten auf einen späteren Zug. Auch da kann undoder will der Zugbegleiter ihm nicht weiterhelfen.

Schlußendlich kann der Schaffner dem Fahrgast nur die Lebensweisheit mitgeben, dass jeder selbstverantwortlich handeln müsse. Und bereit sein, die Folgen seines Tuns und Wirkens dann auch selbst zu tragen und zu akzeptieren. Er habe ihn nur vorsorglich freundlich auf die Regelungen hinweisen wollen - der Rest sei ja nun Sache des Kunden.

Schlußendlich war dem Fahrgast das dann alles doch irgendwie etwas zu heikel; er sah sich wohl schon im Knast sitzen - auch eine Form der Quarantäne ... Und so verließ er dann am letzten deutschen Halt den Zug.

Und will sich jetzt an einem Sonntagmorgen in einem Kaff an der niederländischen Grenze mal um einen Corona-Test kümmern. Viel Erfolg wünscht man da.

Denn den Freifahrtschein, erstmal zurückfahren zu dürfen zu seinem Kumpel, von wo er kommt, gab's logischerweise auch nicht - natürlich wird auch da ein neues Ticket fällig und für die erneute Fahrt Richtung Niederlande dann noch eines ...

Mein lieber Schwan - was für ein Spektakel. Und ich sehe den Tag kommen, da gibt's internationale Fahrscheine nicht mehr am Bahnschalter oder im DB-Navigator zu kaufen, sondern nur noch im Büro des Herrn Spahn. Dem der Bahnfuzzy dann den Sparpreis erklärt.

Aber diese Geschichte soll gut enden. Auf der Rückfahrt interviewe ich einen Fahrgast, der als Grund der Fahrt angibt, dass er Stammzellenspender sei und deswegen jetzt unterwegs sein müsse. Ja, guck, es gibt eben doch auch gute Menschen!

Und ein anderer Fahrgast hat sogar ordnungsgemäß für den Hund einen Fahrschein und verzichtet so auf die sonst manchmal nicht unübliche Diskussion, ob Hund ein Schoßhündchen ist oder nicht.

Derweil, zuguterletzt für diesen Bericht, eine Reisende ob meiner in Verzückung gerät und mich für kompetent hält, weil ich hier, an der Grenze zu den Niederlanden, ihr Fahrtziel Neukieritzsch auf Anhieb richtig in den Landkreis Leipzig verorte. Der QR-Code des Handytickets zeigt mir nur den Zielbahnhof, aber nicht den Reiseweg. Den ich dann richtig vermutete und der von ihr freudigst bestätigt wurde. 35 Jahre Bahnfahrn in ganz Deutschland zahlt sich manchmal dann doch aus ... ;-)

Sonnige Sonntagsgrüße von jörg

Nachtrag: was ist heute bloß los? Jetzt Hohenstein-Ernstthal ... Test mit der Nennung von 'ist doch bei Chemnitz?'' auch bestanden. Nur beim Fahrweg war ich dann nicht sicher. Den 612erDröhnRE1 will sie stundenlang ertragen ...



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.02.21 11:36.
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