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Wenn DB FV mal wieder wichtiger ist als "Dritte" ...

geschrieben von: bahnratefuchs

Datum: 19.02.21 19:50


Hallo.

Wieder mal ein Stück aus dem Tollhaus:

Der 53 Minuten verspätete IC 2213 muss ab Osnabrück unbedingt freie Fahrt haben und darf nicht aufgehalten werden.

Planabfahrt des IC: 16.37 Uhr. Reale Abfahrt: 17.30 Uhr.

Die Eurobahn Linie 66 nach Münster, Abfahrt 17.19 Uhr (!) darf also nicht abfahren und muss warten bis 17.32 Uhr (!), bis sie dann mal los darf.

Planankunft der Eurobahn in Münster: 17.55 Uhr. Planankunft des IC 2213 in Münster: 17.00 Uhr. Plus 53 Min also frühestens 17.53 Uhr.

Entweder läßt man die Eurobahn also vorne. Zumal die in Münster auch ne Minute früher da sein kann, wenn alles klappt. Oder alternativ wären ab Lengerich genug Überholmöglichkeiten da. Hätte 3 Min Verspätung gebracht; alles noch einigermaßen im Lot. Aber nein, der heilige DB FV hat Vorrang ähnlich wie früher die 'Zitteraale' in der DDR. Ich sag ja immer: alles kommt wieder; die ganze Welt ein riesiger Kreislauf.

Es muss also die große Verspätung sein und so werden in Münster, das stand schon bei Abfahrt fest, alle Anschlüsse verpaßt und wird die Rückfahrt nach Osnabrück unpünktlich sein. Egal, Hauptsache der Fernzug bleibt unter plus 60.

Und natürlich kommt es noch besser. Denn der folgende Fernzug, ICE 1021, ist fast plan. Ergo wird er natürlich jetzt auf die verspätete Eurobahn auflaufen.

Ergebnis: um 17.50 Uhr geht es in Kattenvenne für die Eurobahn wieder auf die Seite. Der 1021 muss durch. Und der ihm folgende Sprinter 1037 natürlich auch.

Heißt Abfahrt Kattenvenne um 17.59 Uhr. Wir sind jetzt bei +21 Minuten. Mal schauen, ob uns der RE 2 nach Düsseldorf auch noch einholt ... ;-)

Vor Münster müssen wir auch noch kurz warten, man braucht ja ein freies Gleis. Die RB nach Rheine muss erst kreuzen.

Derweil ich mir die Klagen der Kundschaft über die doofe, unfähige Eurobahn anhören darf. Die an der Verspätung nullkommanull Verschulden hat. Was ich aber nur kurz den Kunden erklären kann - Zeit für eine Vorlesung ist leider nicht. Die - erwartbare - Reaktion der Kunden kennt ihr aus dem ersten "Werner"-Film: "ja, ja, Meister ...".

Ankunft schlußendlich mit +20. Abfahrt zurück nach Osnabrück mit + 16. Tja, könnte da mit dem Anschluss an die RB 61 Richtung Bielefeld etwas kritisch werden. Schlußendlich steht kurz vor Ankunft fest, dass der dann klappt; weil die Fahrzeitreserven genutzt werden, Ankunft mit plus 9, und die RB 61 ihrerseits plus 5 hat. Und Blechelse kennt den Anschluss sogar und ruft ihn aus. Für Umstiegswillige wieder Nervenkitzel und Spannung. Dabei soll Bahnfahren Ent-Spannung sein ...

In Lengerich wurde es vorher nochmal voll. Der RE 2 vor uns wird wegen größerer Verspätung dort aufgegeben, um pünktlich zurück nach Düsseldorf zu kommen. "Technische Störung an der Strecke". Aber das nur am Rande.

Leider ist das Gebaren des DB-Konzerns kein Einzelfall. Ich kenne es z.B. von der Eurobahn nach Rahden. Wenn die Fahrdienstleitung auch bei größten Verspätungen auf Kreuzung in Bad Holzhausen besteht und der Zug nach Bielefeld da auch schon mal 25 Min wartet. Und man macht auch vor den eigenen Regiotöchtern nicht halt. Auf dem RE 9 Osnabrück Bremen/Bremerhaven kommen Verspätungen regelmäßig durch verspätete Fernzüge und durch äußerst frühzeitiges Beiseiteräumen zusammen. Ähnlich regelmäßig erlebt auf der S 1 Minden Hannover. Aber die DB weiß ja, dass sie da eh nicht mehr lange fährt.

Hauptsache, die öffenlichkeitsrelevante Unpünktlichkeitsstatistik des Fernverkehrs kann mit allen Mitteln irgendwie geschönt werden. Und wenn man dazu noch ein paar FGR-Ansprüche vermeiden kann, dann sind die niederen Kunden des NV halt egal.

Natürlich läßt sich eine - gerade auch systematische - Diskriminierung Dritter nicht beweisen - im Zweifel sitzt schließlich die DB AG an der Quelle aller Daten und kann sich immer eine Rechtfertigung zurecht basteln, würde das Thema mal relevant. Und natürlich wissen die Stellwerksmitarbeiter auch so, was erwartet wird - da beschreibt natürlich niemand einen Zettel mit Anweisun.. äh Hinweisen, der dann zu "Frontal" vom ZDF geleakt wird.

In Summe zeigt das alles aber vor allem, wie wichtig es ist, dass das Netz nicht einem Konzern gehören darf, der auch Teile des Betriebes erbringt. Die Politik, die sich sonst doch so gerne einmischt und große Worte schwingt, wäre da mal dringend zu Handlungen aufgefordert.

Gut, alternativ könnte man DB Regio den letzten NV auch komplett wegnehmen. Und den FV ausschreiben und ENDLICH auch da Konkurrenz zulassen. Letzteres ist sowieso unumgänglich, wenn man endlich mal Qualität im Fernverkehr haben will. DB Fernverkehr als faktischer Monopolist gebärdet sich ja seit ewigen Zeiten nach eigenem Gutdünken: wenn's grad paßt, ja, dann erbringt man seine Leistung und feiert sich - aber wenn's zuviel Mühe und Aufwand ist und zu teuer, dann läßt man's halt und jubelt auch, weil man das als Stabilisierung des Betriebes und vorausschauendes Handeln betrachtet.

Natürlich wird sich nichts ändern, dazu sind Politik und Öffentlichkeit viel zu desinteressiert. Und dazu hat die DB-Führung die Lage auch viel zu sehr unter Kontrolle, als dass sie sich da reinreden ließe. Wir werden solche 'Leistungen' also auch in Zukunft regelmäßig erdulden dürfen. Klingt so in Hinblick auf einen Deutschlandtakt und Ausbau des (DB!-)Fernverkehrs doch sehr verheißungsvoll. Da werde ich mir noch viel anhören dürfen von den Kunden (oder auch nicht; falls wieder wer berufliche Konsequenzen ob meines Drangs zum Schreiben fordert). Und mal gucken, was die DB-Verteidiger-Riege hier so an Argumenten aufführt, warum das alles heute genau so sein mußte wie es war und warum das so genau richtig war. Das nichtssagende "da spielen viele Faktoren eine Rolle" und "als Fahrgast hast du keine Ahnung und brauchst die auch nicht zu haben" kann da als "Argument" aber wegbleiben - das soll hiermit schon erwähnt sein; dann muß sich keiner die Mühe mehr machen.

Schöne Grüße von jörg

Die Bäckereifachverkäuferin am Bf erzählte übrigens, dass heute das erste Mal seit langer Zeit wieder gut Betrieb gewesen wäre und sie gut verkauft hätte. Das sehe ich angesichts der Besetzung der Züge, die ich sah, ähnlich. Winter vorbei, Corona vorbei - lass die Frau Brinkmann Zero-Null fordern; wir reisen und fahren trotzdem! So sieht's aus.
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