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? ICE26, Integrationsmodell DB FV - bwTarif und Nordbadenexpress & pers. Meinung

geschrieben von: 38815

Datum: 10.01.20 23:16


Nabend zusammen,
in diesem Beitrag des Users "Honigbiene" wurde bestätigt, dass die IC-Linie 87 Stuttgart-Singen-Zürich ein eigenwirtschaftliches Angebot der DB Fernverkehr AG ist. Dort bezahlt das Land einen Ausgleich, sodass Nahverkehrsfahrkarten (darunter der bwTarif) in allen Fernzügen anerkannt werden. Der IC87 ist der beschleunigte Verkehr auf der Gäubahn.

Was mich seit jeher fasziniert ist, dass das nur auf der Gäubahn umgesetzt worden ist.
Schönes Beispiel: Es gibt zwischen Karlsruhe, Bruchsal und Heidelberg keinen RE. Hier verkehren in der Regel S-Bahnen im Halbstundentakt, die außerhalb des Abschnitts Durlach-Bruchsal überall halten und alle zwei Stunden IC(E) der Linie 26 Karlsruhe-Heidelberg-Gießen-Hamburg-Stralsund. Entsprechend stellt die IC(E)-Linie 26 bis heute den einzigen beschleunigten Takt-Zugverkehr zwischen Karlsruhe und Heidelberg dar.
Mit der Einführung des bwTarifs, der den C-Tarif der DB abgelöst hat, sind die Fahrpreise im Nahverkehr erheblich gesunken. Das Land bezahlt den EVU einen Ausgleich dafür, dass in den bestellten Nahverkehrszügen günstigere Tickets angeboten werden. Die Betonung liegt auf "den bestellten Nahverkehrszügen", denn der eigenwirtschaftlich betriebene, beschleunigte Verkehr auf der KBS701 (IC(E)26) wird zum A-, bzw. B-Tarif der DB verkauft, der vom Land hier nicht subventioniert wird (im Gegensatz zu IC87 und IC35).
Das hat atemberaubende Diskrepanzen zwischen den Preisen für die S-Bahnen und den Preisen für die durchfahrenden Züge des IC(E)26 zwischen Heidelberg und Karlsruhe verursacht. Mit den im Januar erfolgten 10%-igen Preissenkungen der A- und B-Fahrkarten haben sich die Preise zwar wieder etwas angenähert. Die Unterschiede sind aber nach wie vor enorm.
Beispiel: Einfache Fahrt am 16.1.2020 von Karlsruhe Hbf nach Heidelberg Hbf in der 2. Klasse:
bwEinfach kostet 10,30€, inklusive Anschlussmobilität.
ICE-Flexpreis kostet 17,10€, freitags sogar 18,00€.

Jetzt ist es natürlich wenig attraktiv die Reise von Karlsruhe nach Heidelberg in oft haltenden Regionalzügen zu unternehmen. Das heißt konkret, dass die Fahrgäste hier abwägen müssen, einen annähernd doppelt so hohen Fahrpreis zu bezahlen und auf die inkludierte Anschlussmobilität zu verzichten oder die S-Bahn zu nehmen und das auch noch auf einer nicht ausgebauten Strecke.

Nun hat das Land auf der KBS701 "fernverkehrsähnliche" Leistungen ausgeschrieben und vergeben, die in ihrer Haltepolitik mit dem IC(E)-Angebot identisch sein werden. Unter dem Namen "Nordbaden-Express" sollen zukünftig im Stundentakt schnelle Regionalzüge Karlsruhe, Bruchsal, Wiesloch-Walldorf und Heidelberg (in ferner Zukunft evtl. auch Mannheim) miteinander verbinden. Dort werden dann die günstigen bwTarif-, sowie auch Verbundfahrkarten von KVV und VRN akzeptiert werden.

Laut dem User Honigbiene ist es erklärtes Ziel, mehr Fahrgäste im Nahverkehr Baden-Württembergs zu gewinnen. Karlsruhe und Heidelberg sind nicht mehr als 50km entfernt und eine Fahrt zwischen diesen beiden Städten ist keine Fernfahrt im Sinne der Definition des Fernverkehrs (>=50km). Man bedenke, es gibt zwischen Karlsruhe und Heidelberg ein EVU, dass dort eigenwirtschaftlich, d.h. ohne finanzielle Hilfen des Landes Baden-Württemburg, Takt-Zugverkehr betreibt.

Meine Frage: Warum will das Land Baden-Württemberg hier nicht - wie beim bestellten Nahverkehr auch - die Fahrkarten subventionieren?
Dem Land dürfte es doch herzlich egal sein, ob der Fahrgast jetzt den IC/ICE nutzt oder den landfinanzierten Nahverkehr.
Der DB-C-Tarif ist seit der Preissenkung im Januar sogar teurer geworden als der A- und B-Tarif. Der bwTarif hat der C-Tarif hierzulande günstiger ersetzt.
Für den Fahrgast wird die oben aufgeführte Abwägung jetzt entfallen und er wird das eigenwirtschaftliche Angebot gezielt meiden, weil er die Tarife schwer akzeptieren kann. Er wird es unterbewusst wahrscheinlich gar nicht mehr wahrnehmen, wenn er die angezeigten Preise in der Fahrplanauskunft überfliegt.
Der Nordbaden-Express verdrängt hier also in gewisser Weise - finanziert vom Land - einen Mitbewerber, der bislang unbezuschussten Verkehr anbieten konnte.

Zwischen Karlsruhe, Pforzheim und Stuttgart verhält es sich ähnlich, auch wenn das dort schon länger so ist.
Das Land will also, dass Fahrgäste zwischen Karlsruhe, Pforzheim und Stuttgart in den IRE-Zügen und zwischen Karlsruhe, Bruchsal und Heidelberg im Nordbadenexpress gewonnen werden, nicht aber in den eigenwirtschaftlich betriebenen Zügen der DB Fernverkehr AG? Andernfalls müsste man diese Verkehre doch ebenso ähnlich wie die bestellten Leistungen "fördern".

Wie ist das zu verstehen?

Grüße
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