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Re: Stromversorgung von Neubaustrecken

geschrieben von: adjuva

Datum: 16.10.17 00:17


Hallo!

Obelixx schrieb:
die im Fall der Leitung zur Stromversorgung der Strecke Stuttgart-Mannheim sogar zwei 220 kV-Kreise tragen könnte.

War soll das bedeuten? Von 220 kV bei Bahnstrom habe noch nie was gelesen. Ich habe nur von der Anforderung zur NBS Mannheim - Stuttgart gelesen,
dass der Mastabstand identisch zu dem einer parallelen 380-kV-Leitung sein sollte.


Aber zum Rest:

Bei Deiner Auflistung hast Du die jüngste NBS ausgelassen - nämlich VDE8 Ebensfeld - Erfurt - Halle/Leipzig. Der Südteil wird durch zwei Stichleitungen versorgt
(Wolfsberg und Roth), ein neues Unterwerk (Eischleben) und ein bestehendes Unterwerk (Ebensfeld), das zufällig schon richtig lag.

Im Nordteil wurde für drei Unterwerke (Bachstedt, Saubachtal und Dörstewitz) zwischen Weimar und Großkorbetha eine neue Bahnstromleitung gebaut.

Nach Deiner These sind das für das gleiche Projekt zwei Versorgungen mit unterschiedlicher Qualität.


Für die NBS Mannheim - Stuttgart wurde eine Bahnstromleitung mit vier Stromkreisen und Zweierbündeln geplant und gebaut. Betrieben wird sie mit zwei Stromkreisen,
bei denen je zwei Zweierbündel parallel geschaltet sind (praktisch also Viererbündel). Nur im Mittelteil (zwischen Vahingen und Wiesental) wurden Einfachseile benutzt
(die Masten aber schon für Doppelbündel ausgelegt). Die Leitung wurde im Norden mit gleichem Baustandard sogar bis Flörsheim (bei Frankfurt) verlängert.

Die Leitung wurde also doppelt so aufwändig wie Hannover - Würzburg geplant, obwohl sie aus der gleichen Zeit stammt und nach Deiner These identisch aufwändig sein müsste.
Die Verlängerung nach Norden wurde ausgeführt, weil das eine der stärksten belasteten Leitungen war. Auch das ist auch ein Hinweis dafür,
dass es mehr Gründe für unterschiedlich aufwändige Leitungen gegen könnte als nur zunehmende Sparsamkeit von Seiten der Bahn.


Ich habe nachgeschaut, was in der Zeitschrift 'Elektrische Bahnen' zur Bahnstromversorgung der genannten NBS geschrieben wurde. Zur Dimensionierung der Leitungen wird leider kaum
etwas geschrieben. Es ist immer nur von Lastfluss- und Netzberechnungen die Rede - es werden aber keine Details genannt. Nur für die NBS Köln - Rhein/Main ist es anders:

Dort wird als erstes eine Untersuchung zur Systementscheidung 25 kV/50 Hz und 15 kV/16,7 Hz erwähnt (letztere war wirtschaftlicher). Dann wurde eine dezentrale Versorgung aus
kleinen Umrichtern verworfen, weil es zu wenig Erfahrungen mit Dauerbetrieb von Umrichtern gab und gar keine Erfahrung mit dem Fall, dass benachbarte Speiseabschnitte von
Umrichtern gespeist werden (in Jübek und Wolkramshausen war das nicht der Fall). Dann wurde überlegt die Bahnstromleitung Flörsheim - Bingen - Köln mit Doppelleitern zu verstärken und Stichleitungen zu den Unterwerken zu bauen.
Die Leistung wäre dann aber trotzdem aus Mannheim, Datteln und Lünen gekommen (die Umformer in Köln und Saarbrücken wären für die Leistungsspitzen zuständig gewesen)
und hätte weitere Leitungen belastet. Also hat man sich für eine neue parallele Leitung mit Einspeisung in Leitungsmitte (120 MW Umformer in Limburg) entschieden, für die dann auch Einfachseile ausreichten.
Damit konnte der Rest des Netzes unverändert bleiben.

Die zusätzliche Einspeisung in Leitungsmitte ist übrigens ein großer Unterschied zu Hannover - Würzburg, weil es zwischen Gemünden im Süden und Rethen
im Norden über 211 km gar keine Einspeisung gibt (der Umformer Borken zählt nicht, weil sich dort die Leitungen nur kreuzen).

Für die ABS Karlsruhe - Basel hat man sich mit einem Austausch der Leiterseile "begnügt": Karlsruhe - Appenweiler wurde von Querschnitt Al/St 240/40 auf Al/St 560/50 (+117%) umgestellt,
Appenweiler - Freiburg - Basel von Al/St 185/32 auf 300/50 (dem Standardleiterseil der Bahn) (+61%) umgestellt. Für diesen Austausch mussten die Masten verstärkt und erhöht werden.
Zusätzlich wurde die Anzahl der Unterwerke erhöht.


Ich denke, dass man bei den ersten NBS die Gelegenheit genutzt hat das Bahnstromnetz sinnvoll auszubauen. Die NBS Mannheim - Stuttgart verbindet auch zufällig zwei der größten
Stromerzeugunsstandorte der Bundesbahn (Großkraftwerk Mannheim und Gemeinschaftskraftwerk Neckwarwestheim, die beiden anderen großen Standorte sind Datteln/Lünen und Bremen).
Eine leistungsfähige Bahnstromleitung sichert die Versorgung für den Fall, dass eines der beiden Kraftwerke nicht verfügbar ist.

Bei der NBS Hannover - Würzburg könnte eine Rolle spielen, dass man im Allgemeinen die Nord-Süd-Leitung stärken wollte und im
Speziellen das Pumpspeicherkraftwerk Langenprozelten besser an den Norden anschließen wollte. Das Kraftwerk wurde zusammen mit Neckarwestheim in Betrieb genommen (gleiche Leistung wie Block 1) um
den billigen Nacht-Atomstrom nutzen zu können (für das gleiche Problem hat man später in Bremen den ersten großen Umrichter gebaut).

Bei den folgenden NBS hat man das gebaut, was notwendig war. Für die NBS Hannover - Berlin wurde eine neue Bahnstromleitung mit zusätzlicher Einspeisung (Kraftwerk Kirchmöser) gebaut.

Für die NBS Nürnberg - Ingolstadt genügten zwei Stichleitungen, weil die "parallele" Leitung Nürnberg - Neumarkt - Ingolstadt schon früher gebaut wurde.

Zu den anderen NBS hatte ich schon was geschrieben.


Mit freundlichen Grüßen
Adjuva
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 Re: Stromversorgung von Neubaustrecken
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