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Re: Alternativen zum RE1

geschrieben von: TRAXX P160 DE ME

Datum: 19.02.21 14:27

Ost-Lok-Fan schrieb:
Moin

Je nachdem woher dein Weg zum RE 19 kommt hättest du Alternativen. Den 2, 11 von Essen her oder den 3 mit Übergang in Oberhausen. Wenn du nicht auf den 1 angewiesen bist, wären das praktische Alternativen.

Gruss Uwe
Das ist richtig. Da ich aber aus Köln komme gibt es praktisch keine akzeptablen NV-Verbindungen wenn der RE 5 nicht mehr fährt.

Re: Urteil war zum Verfahren der Vergabe

geschrieben von: 193 219-3

Datum: 19.02.21 14:47

TRAXX P160 DE ME schrieb:
Dann bilde ich es mir wohl nur ein regelmäßig den Anschluss in Duisburg zu verpassen. Das es zu DB-Zeiten auch so war ist mir bekannt, deshalb habe ich ja auch gefragt wo jetzt die Verbesserung ist.


Womöglich fahren wir zu unterschiedlichen Zeiten damit, deswegen sagte ich ja, mein Gefühl nach ist der RE1 etwas pünktlicher geworden, Verspätungen kannst du eh kaum verhindern, erst recht wenn Berufsverkehr ist in Köln und Umgebung.

Re: Urteil war zum Verfahren der Vergabe

geschrieben von: Tebe

Datum: 19.02.21 14:56

193 219-3 schrieb:
mein Gefühl nach ist der RE1 etwas pünktlicher geworden

Was aus meiner Sicht zum Großteil an den spurtstarken Fahrzeugen des RRX liegt, und nicht an einer Besserleistung irgendeines EVU im Vergleich zu einem anderen. Im Nahverkehr kocht jeder Anbieter mit dem selben Wasser, bis auf solche Fälle wie die angesprochene überzogene Betriebseinstellung kann man es kaum besser machen als andere.

Re: Urteil war zum Verfahren der Vergabe

geschrieben von: 193 219-3

Datum: 19.02.21 16:04

Tebe schrieb:
193 219-3 schrieb:
mein Gefühl nach ist der RE1 etwas pünktlicher geworden

Was aus meiner Sicht zum Großteil an den spurtstarken Fahrzeugen des RRX liegt, und nicht an einer Besserleistung irgendeines EVU im Vergleich zu einem anderen. Im Nahverkehr kocht jeder Anbieter mit dem selben Wasser, bis auf solche Fälle wie die angesprochene überzogene Betriebseinstellung kann man es kaum besser machen als andere.

Definitiv liegt es an den Fahrzeugen und an den betrieblichen Umsetzung. Denn jetzt soll es laut einem Kollegen so sein, dass nicht jeder Nahverkehrszug des RRX, also RE1,4,5,6,11 zwingend vom FV überholt werden, nur wirklich dann, wenn es sinnvoll ist, was natürlich auch zur Pünktlichkeit führt. Auch das hätte jeden EVU betroffen, hätte die DB eine Linie übernommen wäre es das gleiche wie jetzt bei NX und Abellio.
Murrtalbahner schrieb:
DB Regio NRW schrieb:
Murrtalbahner schrieb:
matzehbs schrieb:
Weder hat der threateröffner (...), noch hat er behauptet, dass bei DB Regio/Fernverkehr/Netz irgendetwas gut oder besser läuft.
Doch, hat er!
Nein, er hat behauptet das es Abellio nicht besser macht. Er hat nicht behauptet das es bei den anderen besser lief / läuft. Kleiner aber feiner Unterschied...

Manchmal bereitet mir dein Verhältnis zu Lesen und Verstehen Kummer 😥


Bedingt das eine nicht das andere?
Nein, bestes Beispiel: Wenn zwei Schüler in der Schule eine 6 haben. Dann macht ersterer nichts besser, daraus schließen zu wollen beim zweiten sei irgendetwas gut oder gar besser, ist bedingt sich eben nicht.

Und was ist mit dem RE 6

geschrieben von: Ost-Lok-Fan

Datum: 19.02.21 16:47

Hallo

der RE wäre eine Alternative. 30min Puffer falls es zu Verspätungen käme.

Gruss Uwe
Ist doch egal wer da herum krebst so lange der Verkehr läuft.

Liebe Leute,

Bleibt gesund und wenn es geht daheim!

Als Kritiker des Wettwerbsfetisch muss ich sagen...

geschrieben von: Dirk Mattner

Datum: 19.02.21 19:51

...das ich nicht meckern kann, wenn das hier stimmt:

Zitat
Kundenzufriedenheit mit Ø Note 2,2 und zu wirtschaftlichen Konditionen
Wenn alle zufrieden sind und wir dabei noch ne Mark gespart haben, dann ist doch alles tutti.

In der Historie der Wettbewerbsbahnen hat NRW im Vergleich zu anderen Regionen schon recht früh nach der Regionalisierung vor 25 Jahren angefangen. Der Vorteil eines langen, fließenden Prozesses.
Natürlich fing man erst im Kleinen an (da funktioniert es i.d.R. auch am besten), doch in den 2000er Jahren wagte man sich auch schon zunehmend an die größeren Netze ran. Die - wie ich es nenne - "Wettbewerbsdividende" (neue Fahrzeuge, neues EVU, mit neuem Engagement, bei geringeren Kosten) konnte man in den Jahren doch recht eindrücklich abgreifen.
Wenn alles so weitergeht, dann wird alles super! Tja, wird es das?
Oder: Ist es das?
Die (berechtigte) Meckerei ging doch erst in den vergangenen Jahren los: Als ganze Netze ausfielen, Personal oder Fahrzeuge fehlten - oder beides gleichzeitig, EVU's das Handtuch warfen (Städtebahn) oder kurz davor waren (agilis).
Das Dilemma hat eigentlich wenig mit DB Regio vs. Privatbahnen zutun - und meiner Meinung nach auch nur wenig mit dem Gegensatz Wettbewerb vs. Direktvergabe.
In den zwei bis drei Jahren vor der Coronakrise zeichnete sich bereits landesweit und im Allgemeinen ein zunehmend düsteres Bild für das tolle Wettbewerbsmodell ab. Und es war ja nun ausgerechnet Abellio, das letztes Jahr laut über einen allgemeinen Rückzug nachgedacht hatte.
Also, wie soll es weitergehen?

Nun habe ich zuvor noch nie von einem neuen „Verkehrsvertrag 2.0“ gehört, aber alleine die Tatsache das so etwas geplant sein soll erlaubt mir zwei Aussagen:

1. Es bedürfte wohl keines neuen Modells wenn das bisherige so super wäre wie von manchen bejubelt.

2. Man kann nur hoffen, dass die Ursachen der Fehlentwicklungen tatsächlich erkannt wurden und "2.0" eine Verbesserung, statt den beschleunigten Systemabsturz bringen wird.



Wie gesagt, mit einer Kundenzufriedenheit einer Ø Note von 2,2 kann man mich überzeugen. Zumindest, das die anderen überzeugt sind.
Auch wenn es mich persönlich nicht ganz überzeugt.
Da gilt der Satz, mit dem man in Partnerschaften versucht Konflikten aus dem Weg zu gehen:
Sie: "Und? Ist das nicht toll?"
Er: "Wenn es Dir gefällt, Schatz"

:-)

In diesem Sinne.
Viele Grüße,
Dirk



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.02.21 21:22.

Wettbewerb richtig gestaltet ist ein Segen!

geschrieben von: bahnratefuchs

Datum: 19.02.21 21:23

Huhu.


Dirk Mattner schrieb:
Nun habe ich zuvor noch nie von einem neuen „Verkehrsvertrag 2.0“ gehört, aber alleine die Tatsache das so etwas geplant sein soll erlaubt mir zwei Aussagen:

1. Es bedürfte wohl keines neuen Modells wenn das bisherige so super wäre wie von manchen bejubelt.

2. Man kann nur hoffen, dass die Ursachen der Fehlentwicklungen tatsächlich erkannt wurden und "2.0" eine Verbesserung, statt den beschleunigten Systemabsturz bringen wird.
Der Kommentar zum Artikel weist die Richtung:
(Hervorhebung durch mich!)

Zitat
Und hier muss man sagen: Der Wettbewerb hat sich durchgesetzt, aber dennoch ist die Ausgangslage jetzt eine andere.

Wir haben keine notleidenden Aufgabenträger mehr, sondern bundesweit hohe Summen nicht verausgabter Regionalisierungsgelder. Im Gegenzug sind wettbewerblich vergebene Verkehrsverträge aber über die Jahre in die Nicht-Auskömmlichkeit gelaufen. Das hat mit massiv gestiegenen Bauaktivitäten, aber auch mit höheren Personalkosten zu tun.

Hier ist es richtig, dass man mit neuen Konzepten Abhilfe schafft, das Konzept „Verkehrsvertrag 2.0“ ist genau der richtige Schritt: Der Aufgabenträger muss durchgreifen, wenn der Verkehrsbetreiber für Probleme verantwortlich ist: Personalmangel, kaputte Toiletten oder Türen, verschmutzte Züge. Auf der anderen Seite sind kaputte Bahnübergänge, Suizide oder Baustellensperrungen ganz anders zu bewerten.
Hier gilt es also, auch nach zehn Jahren, dem Tenor des Abellio-Urteils folgend, die marktwirtschaftlichen Strukturen auf der Schiene zu sichern. Denn wenn man diese nicht mehr hat, dann kommt man sehr schnell zurück zu nur einem Monopolbetreiber. Dieser wird dann Monopolpreise verlangen und Monopolqualität abliefern. Genau das kann aber wirklich keiner wollen.

Völlig richtig; Wettbewerb ist unterm Strich ein Segen!

In Zukunft muss das EVU also soviel Geld bekommen, dass bei gutem Betrieb auskömmliche Gewinne eingefahren werden - Schlechtleistungen dürfen aber nur zum Nullsummenspiel und nicht in die Pleite führen.

Oder anders ausgedrückt: die Preise für den Zugkilometer werden wieder steigen. Das 'es wird günstiger' ist vorbei. Trotzdem muss der Wettbewerb gewahrt bleiben - denn bliebe nur die DB oder ein anderer Monopolist, würde es noch deutlich teurer!


Schöne Grüße von jörg
Dirk Mattner schrieb:Zitat:
(...)
Wie gesagt, mit einer Kundenzufriedenheit einer Ø Note von 2,2 kann man mich überzeugen. Zumindest, das die anderen überzeugt sind.
Auch wenn es mich persönlich nicht ganz überzeugt.
Ich bin vom Ergebnis auch nicht überzeugt.
Das heißt nicht, dass ich das Modell einer Direktvergabe von Bundesländern oder kommunalen Zweckverbaänden an ein dem Bund gehörendes Unternehmen für zukunftsweisend halte.
Aber die aktuelle Vergabeprinzipien und die immer weiter abstürzende Betriebsqualität sind siamesische Zwillinge.

Es mag Leute geben, auf deren Landkarten andere Wege nicht verzeichnet sind.
Oder die diese anderen Wege nicht gehen wollen,
weil sie auf den bislang gegangenen Wegen Geld verdienen
(z.B. die große Schnittmenge der "Berater", die ehrenamtlich im VCD aktiv sind...)

Schauen wir in die Schweiz.
Ich nehme sie als Referez dafür, wie man ÖV funktionierend macht.
Da sind die Gesetze so, dass kein Bundesgericht Direktvergaben verbieten kann.

Bahnunternehmen in Mischbesitz von Bund, Kantonen, Kommunen und Privaten teilen sich den Markt mit der SBB.
Und das System funktioniert!

Wer hat es erfunden?


Viele Grüße

WDM

Hinweis: Alle Beiträge, welche ich hier im Forum veröffentliche, geben meine private Meinung wieder und nicht zwangsläufig die meines Arbeitgebers,
und auch nicht unbedingt die Meinung der Gesellschaft für Rationale Verkehrspolitik e.V., in deren Vorstand ich bin
Das hat etwas mit Logik zu tun. Nur eineindeutige Aussagen kann man in der Logik herum drehen und sie stimmen trotzdem.
Hier führt das Auf-den-Kopfstellen zu einer völlig anderen Aussage. Das machen übrigens gerne Politiker, Journalisten und Frauen gerne 🤣
Plutone schrieb:
Oder wenn wie oben geschrieben eine RB35 wieder fährt, während RE42 wegen des Unwetters (und mit denselben Fahrzeugen !!) noch nicht fahren kann (=will).
Dazu muss man aber fairerweise sagen, dass das erste, was zwischen Duisburg und Krefeld wieder fuhr, nachdem die Oberleitungen enteist waren, die rote RB33 war; die RB35 kam erst später wieder dazu. Und wirklich viel bringt der RE42 zwischen Mönchengladbach und Essen halt auch nicht, weiter Richtung Münster war ja aufgrund der doch deutlich anderen Witterungsverhältnisse als im südlichen Ruhrgebiet noch länger gesperrt.

Ansonsten sei darauf verwiesen, dass es derzeit 3 dort aktive EVU gibt, die sich noch keine Abmahnung des VRR eingefangen haben: NX, die Vias Rail und TRI.

Die S21 fährt von Elbgaustraße nach Aumühle!




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.02.21 08:25.

Re: Als Kritiker des Wettwerbsfetisch muss ich sagen...

geschrieben von: FLIRT>X

Datum: 20.02.21 13:13

Hallo,

sehr gut kommentiert! An sich ist das Urteil gut nur sollte dadurch auch fairer Wettbewerb entstehen und die Kuh nicht bis auf das letzte gemolken werden.

Gruß FLIRT>X
Unterwegs für Regio Mitte

Ich bin geprüft auf: 362/63, 290-295, 152, 182, Taurusfamilie, 425, 612 und 1428 (429.1)

Mein Youtubekanal:[www.youtube.com]

Re: Wettbewerb richtig gestaltet ist ein Segen!

geschrieben von: Lok35

Datum: 21.02.21 09:33

für die Kalkulation ist das teilnehmende EVU verantwortlich... nicht die Instanz, die die Verkehrsleistungen vergibt. Und rechnen sollte man schon richtig können, bevor man sich bewirbt.Insofern hat die öffentliche Hand viel Geld gespart und die erbrachte Verkehrsleistung ist besser geworden..
Schlechtleistung ist immer zu ahnden, denn es gillt Pacta sunt servanda = Verträge sind zu halten (und zwar so, wie sie abgeschlossen wurden),

Thread/Threat

geschrieben von: Rugby Central

Datum: 22.02.21 11:56

matzehbs schrieb:
threateröffner
Threat = (Be-)Drohung
Thread = (Gesprächs-)Faden

Auf Twitter würde man das "Service-Tweet" nennen. ;)

Re: Als Kritiker des Wettwerbsfetisch muss ich sagen...

geschrieben von: Plutone

Datum: 22.02.21 14:49

Wolfgang Dietrich Mann schrieb:
Dirk Mattner schrieb:Zitat:
(...)
Wie gesagt, mit einer Kundenzufriedenheit einer Ø Note von 2,2 kann man mich überzeugen. Zumindest, das die anderen überzeugt sind.
Auch wenn es mich persönlich nicht ganz überzeugt.
Ich bin vom Ergebnis auch nicht überzeugt.
Das heißt nicht, dass ich das Modell einer Direktvergabe von Bundesländern oder kommunalen Zweckverbaänden an ein dem Bund gehörendes Unternehmen für zukunftsweisend halte.
Aber die aktuelle Vergabeprinzipien und die immer weiter abstürzende Betriebsqualität sind siamesische Zwillinge.

Es mag Leute geben, auf deren Landkarten andere Wege nicht verzeichnet sind.
Oder die diese anderen Wege nicht gehen wollen,
weil sie auf den bislang gegangenen Wegen Geld verdienen
(z.B. die große Schnittmenge der "Berater", die ehrenamtlich im VCD aktiv sind...)

Schauen wir in die Schweiz.
Ich nehme sie als Referez dafür, wie man ÖV funktionierend macht.
Da sind die Gesetze so, dass kein Bundesgericht Direktvergaben verbieten kann.

Bahnunternehmen in Mischbesitz von Bund, Kantonen, Kommunen und Privaten teilen sich den Markt mit der SBB.
Und das System funktioniert!

Wer hat es erfunden?
Das allein halte ich aber auch für zu kurz gegriffen.
Was mich persönlich seit Jahren stört, ist weiterhin die technik-feindliche Haltung im Schienenverkehr und mangelnder Weitblick, was für mich bis hin zum Thema Transrapid führt (also zu weit in diesem Fall :-) ).
Ein Großteil der "Betriebsmängel" in den letzten Jahren ist auf Personalmangel zurückzuführen.

Im Zeitalter des Strukturwandels hin zur Dienstleistung und weg von der Industrie werden Schicht-Dienste grundsätzlich unattraktiver, wenn der komplette Freundeskreis gerade vom Industrie-Arbeiter zum Bürokaufmann umgeschult hat und man mal wieder keine Zeit hat und nachts in der Pampa auf dem Stellwerk Drähte ziehen oder Fahrzeuge in der Abstellung hin und her schieben und kuppeln muss.
Da arbeiten auch ganze Gewerkschaften gegen, die Eisenbahn zu modernisieren, das ist mir klar - aber in einer Zeit, wo ich auf dem Heim-PC den Betrieb ganzer Regionalbereiche simulieren kann, kann es doch nicht so schwer sein, gerade im Schienenverkehr mal wenigstens ein bisschen mehr auf Modernisierung zu setzen.

Aber dennoch sehe ich die Gefahr für die Eisenbahn insgesamt, dass man sich der Moderne verschließt und in seiner eigenen Blase zugrunde geht.

Das Verkehrsministerium macht erstmal die Automobilindustrie fit fürs nächste Jahrhundert (E-Traktion, autonomes Fahren), die Bahn soll weiterhin möglich lieber Geld am System Schiene verdienen (und beim Bund abliefern), statt das System besser zu machen (was das System in der Konsequenz schlechter macht) und jeder versucht so ein bisschen in den Unterschiedlichen Bereichen seine Interessen durchzudrücken und im eigenen Rahmen was zu verbessern (wenn überhaupt).

Den großen Aufbruch zur Verkehrswende vermisse ich immernoch. Dazu gehört aber auch, sich über die Regelung von Wettbewerb im Gesamtverkehr mal Gedanken zu machen.
Hier laufen seit 25 Jahren bspw. der privatwirtschaftliche Fernverkehr und der gemeinwirtschaftlich aufgestellte Nahverkehr gegeneinander, wo man sich in der Infrastruktur, aber teils auch bei finanziellen Mitteln konkurrenziert. Mag sein, dass das vor 25 Jahren nicht absehbar war - vor 10-15 Jahren aber schon sehr wohl.

Solang aber beim Bund nix passiert und man sich mal Gedanken übers "Aufräumen" 25 Jahre nach Bahnreform macht, wird es in allen Bereichen des Schienenverkehrs genug zu meckern geben.

Und noch eine Ergänzung: Ist Ausschreibungswettbewerb jetzt die Ursache allen Übels ? Im kompletten öffentlichen Sektor (Bauen, Dienstleistungen) ist es völlig normal, Leistungen auszuschreiben. Daran kann und darf es eigentlich nicht liegen.


p.s. der Spruch mit den Beratern gefällt mir ;)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.02.21 15:05.
Plutone schrieb:Zitat:
(...)
Und noch eine Ergänzung: Ist Ausschreibungswettbewerb jetzt die Ursache allen Übels ? Im kompletten öffentlichen Sektor (Bauen, Dienstleistungen) ist es völlig normal, Leistungen auszuschreiben. Daran kann und darf es eigentlich nicht liegen.
Bevor ich bei der Bahn anfing, war ich projektweise in einer großen Behörde angestellt und habe dabei europaweite Ausschreibungen bearbeitet.
Die Verdingungsordnung für Leistungen (VOL) (heute "Vergabe- und Vertragsordnung...") kannte ich vor- und rückwärts auswendig,
einschließlich der "a-Paragrafen" für europaweite Ausschreibungen (ab bestimmten Schwellenwerten).
Diese Berufserfahrung war mit einer Grund dafür, wieso ich bei der Deutschen Bahn AG eingestellt wurde
(auch wenn ich seither in keinem Vergabeverfahren relevant mitgewirkt habe).

Damals meinte ich auch, dass wettbewerbliche Vergaben der öffentlichen Hand ein bewährtes und etabliertes Verfahren sind.

Heute sehe ich vorallem zwei Aspekte, in denen sich die SPNV-Vergaben von "klassischen" Ausschreibungen unterscheiden,
und die bei genauerem Hinsehen auch die Ungeeignetheit begründen.

Zum einen sind es die Monopole der Auftraggeber.
Die meisten Produkte, die von der öffentlichen Hand ansonsten eingekauft werden,
werden auch von anderen Akteuren nachgefragt.
Damit haben viele Lieferanten auch dann genügend Beschäftigung,
wenn sie bei einer Ausschreibung nicht den Zuschlag bekommen haben.
Bei der nächsten Ausschreibung können sie sich wieder bewerben - "ein neues Spiel, ein neues Glück".
Für SPNV-Leistungen gibt es hingegen keine Nachfrager außer den Aufgabenträgern,
und zusätzlich muss die Leistung vor Ort produziert werden.
Damit muss für jede neu gewonnene Ausschreibung ein Betrieb vor Ort aufgebaut werden,
und wenn der Folgeauftrag nicht gewonnen wird, wieder abgewickelt.

Das zweite ist die extrem hohe Spezifikation.
Bei jeder "normalen" Vergabe hat der Bewerber viele Gestaltungsmöglichkeiten,
wie er die Produktion optimiert.
Verkehrsverträge im SPNV sind im Gegensatz dazu "Malen nach Zahlen".
Erschwert wird die Situation, durch die hohe Kapitalbindung und Langlebigkeit der Produktionsmittel.
Die technisch-wirtschaftliche Nutzungsdauer von Eisenbahnfahrzeugen ist länger
als jeder vernünftig überschaubare Prognosezeitraum.
Sicherlich hätten die Aufgabenträger einige dieser Probleme entschärfen können.
Hätte hätte Fahrradkette.
Zum Beispiel von Anfang an (Regionalisierung vor 25 Jahren zum 01.01.1996) eine Fahrzeugstrategie,
welche die bundesweite Austauschbarkeit und Weiterverwendbarkeit gewährleistet hätte
und damit einen funktionierenden Gebrauchtmarkt für Fahrzeuge.
Oder die Verpflichtung aller Bahngesellschaften zur einheitlichen Erfassung der Nachfrage
(das einzige Unternehmen, welches da jahrelang in Vorleistung getreten war,
war DB Regio - und hat Leuten wie Plutone einen Nebenjob als Zähler und Interviewer ermöglicht).
Den anderen Bahngesellschaften wurden diese Mühen erspart,
mit der Konsequenz dass diese Unternehmen nie befähigt wurden,
den Fahrgastmarkt unternehmerisch so zu erschließen, wie dies DB Regio konnte.
Stattdessen haben die SPNV-Aufgabenträger so ziemlich alles falsch gemacht was man falsch machen kann.
Unter dem Spardiktat des SPNV-Wettbewerbs hat DB Regio diese Fähigkeiten mittlerweile weitgehend abgebaut,
ohne dass andere sie aufgebaut haben - die SPNV-Aufgabenträger am allerwenigsten.
Mit der Zerschlagung von Wertschöpfungsketten haben die SPNV-Aufgabenträger
auf allen Wertschöpfungsstufen den Kostendruck maximiert, und erzielen scheinbar so günstige Preise.
Doch um welchen Preis?
Um den Preis der Qualität!
Denn einen Auftrag kann jetzt nur noch das Unternehmen gewinnen,
welche ex-ante seine eigenen Fähigkeiten hinsichtlich der lieferbaren Qualität am stärksten überschätzt
(von denen viele pönalisierte Kriterien vom einelnen Unternehmen gar nicht beeinflussbar sind).
Natürlich ist es dem Fahrgast egal, ob ein Zug wegen eines Suizids oder wegen zu wenig eingestelltem Personal ausfällt.
Aber mit der aktullen Vergabepraxis kann nur noch das Unternehmen gewinnen,
welche sich am stärksten verkalkuliert.
Und das Ergebnis sehen wir jetzt auch in den Nachforderungen von Abellio (und anderen).

Das alles ist nicht Gottgegeben.
Die Schweiz zeigt dass es anders - und besser! - geht.
Der zweite Punkt könnte in einigem Grade entschärft werden,
denn die in ihm beschriebenen Probleme sind weitgehend Fehlentscheidungden der SPNV-Aufgabenträger.
Aber auch wenn die SPNV-Aufgabenträger nicht alles falsch gemacht hätten,
das Problem der Schwerfälligeit bliebe dennoch.
Und der erste genannte Punkt bleibt unlösbar.

Die Entscheidung für diesen Wettbewerb ist eine national deutsche.
Das EU-Recht lässt andere Strukturen zu.
Das Abellio-Urteil (Thema dieses Beitragsbaums) stellt nur die Konsequenzen der deutschen Gesetzgebung klar.

Die Schweiz ist in vielen Fragen ein wesentlich wirtschaftsliberaleres Land als Deutschland.
Dass die Eidgenossenschaft dennoch auf Wettbewerb im SPNV grundsätzlich verzichtet,
sollte deswegen in Deutschland zu denken geben.

Edit: Nur Rechtschreibfehler


Viele Grüße

WDM

Hinweis: Alle Beiträge, welche ich hier im Forum veröffentliche, geben meine private Meinung wieder und nicht zwangsläufig die meines Arbeitgebers,
und auch nicht unbedingt die Meinung der Gesellschaft für Rationale Verkehrspolitik e.V., in deren Vorstand ich bin




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.02.21 23:30.
Wolfgang Dietrich Mann schrieb:
Die Entscheidung für diesen Wettbewerb ist eine national deutsche.
Das EU-Recht lässt andere Strukturen zu.
Das Abellio-Urteil (Thema dieses Beitragsbaums) stellt nur die Konsequenzen der deutschen Gesetzgebung klar.

Genau so ist es. Jeder, der damit zu tun hat, beruft sich immer auf die "EU-Gesetzgebung", wegen der man ja ausschreiben müsse, und gegen die man nichts tun könne, weil die Vorgabe von der EU so sei, und die hätte Vorrang vor deutschem Recht.
Das ist falsch, denn die EU-Richtlinie erlaubt für den Eisenbahnverkehr explizit eine Vergabe ohne Ausschreibung an ein beliebiges Unternehmen (öffentlich und/oder privat). Wer hier immer an die EU verweist, plappert entweder ohne eigenes Wissen nach, oder hat ein Eigeninteresse daran, dass sich an der Situation nichts ändert. Denn weil die EU das erlaubt könnte das auch in Berlin (und nicht in Brüssel) geändert werden, wenn die Politik das so will.

http://www.fahrzeuglisten.de/signlogo.php

Stuttgart 21 Schluss!

Re: Als Kritiker des Wettwerbsfetisch muss ich sagen...

geschrieben von: kmueller

Datum: 26.02.21 18:34

Wolfgang Dietrich Mann schrieb:
Schauen wir in die Schweiz.
Ich nehme sie als Referez dafür, wie man ÖV funktionierend macht.
Da sind die Gesetze so, dass kein Bundesgericht Direktvergaben verbieten kann.
Natürlich.

Erster Schritt: alle Verkehrsbetriebe, die öffentliche Zuschüsse bekommen oder(!) aus öffentlichen Mitteln bezuschußte Infrastrukturen benutzen, derselben Kontrolle (Parlament, Rechnungshöfe, Presse) unterwerfen wie Behörden. Verschwendungsstrukturen wie AGs auflösen, Politkerendlagerung(en) beenden...

Nicht nur in der Schweiz hatte und hat man damit Erfolge.
Wolfgang Dietrich Mann schrieb:
Plutone schrieb:Zitat:
...
(das einzige Unternehmen, welches da jahrelang in Vorleistung getreten war,
war DB Regio - und hat Leuten wie Plutone einen Nebenjob als Zähler und Interviewer ermöglicht).
Aber er hat doch hoffentlich damit nicht so viel verdient wie die wahren Leistungsträger Typ Wiesheu oder Pofalla?

Wolf Dietrich Mann schrieb:
Dass die Eidgenossenschaft dennoch auf Wettbewerb im SPNV grundsätzlich verzichtet,
sollte deswegen in Deutschland zu denken geben.
Als erster Schritt zur Verschweizerung müßte die Trennung von Nahverkehr und soganntem Fernverkehr aufgehoben werden. In Wirklichkeit ist das nämlich eine Trennung zwischen den Bezahlern und den Rosinenpickern auf Kosten der großen Masse der Fahrgäste.
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