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Re: das ist in gewissen Branchen üblich...

geschrieben von: Oberdeichgraf

Datum: 09.01.21 15:38

Werntalbahn schrieb:


Sorry, aber wenn man "5-6 aktive Handys" (und das auch noch alte, kaputte Nokias) und "dazu Ersatzgeräte" braucht, um "optimale Erreichbarkeit" zu gewährleisten, hat man ggf. ganz andere Probleme als die Erreichbarkeit.
Gut, wenn sich technischer Fortschritt im ÖV nicht durch solche Leute blockieren lässt.
Hallo,
die Smartpones halten vom Akku her für mich gar nicht lange genug durch.
Normale Handys dagegen tagelang. Wenn man nur telefonieren will, ist das viel besser. Außerdem klaut das niemand.
Was den technischen Fortschritt angeht: Mein erstes Panasonic D-Netz Telefon hatte ich sofort mit Start des Netzes im Sommer 1992 angeschafft.
Konnte sich nicht jeder leisten, auch von den Gebühren her.
Nie mehr vor der Zelle in der Schlange stehen oder über kaputte Apparate ärgern. Wobei es solche Telefone ja nur in bestimmten Zügen gab, noch das analoge C-Netz.
Ich konnte immer ganz bequem am Platz telefonieren.
Ein Smartphone ist heute für mich dagegen eher ein Zeitkiller, muß man nicht haben.
Genauso wie bei Internetbankgeschäften mit dem Tan Generator wird es sicher auch mal ein Gerät für den ÖPNV geben, wenn das dann unbedingt sein soll.
kmueller schrieb:

Warum gibt es eigentlich keine Supermärkte, in denen man mit App billiger einkauft als bei der Konkurrenz gegenüber, ohne App aber teurer?

Gabs im Prinzip in den letzten Monaten bei der Bäckereikette Kamps, die Mehrwertsteuersenkung von 3% gabs in Form eines Rabatts wenn man elektronisch gezahlt hat, Barzahler bekamen den Rabatt nicht.
Murrtalbahner schrieb:
Uwe Busch schrieb:
Bevor man an der Elbe versucht, das Rad neu zu erfinden, könnte man sich bei den Niederländern vielleicht mal erkundigen, wie das dort seit vielen Jahren mit der OV-Chipkaart funktioniert...
Bei all dem Lob auf die OV-Chipkaart sollte man bitte nicht diejenigen vergessen, die nicht in den Niederlanden wohnen. Für Touristen ist dieses System reinster murks! (...)
Wieso?

Ich habe z.b. eine persönliche Chipkaart, die ich online gekauft habe und sie wurde an meinen Wohnort in Deutschland versendet.

Murrtalbahner schrieb:
Und zum Datenschutz - wie (fast) immer gilt: Wer nicht will, muss nicht mitmachen! In den Niederlanden muss ich dagegen mitmachen, wenn ich den ÖV nutzen will. Andere Angebote sind rar.
Anonyme CHipkaart?

Gruß
Tz 4683
___________________

Mein Youtube-Kanal: [www.youtube.com]

Mein Beitragsverzeichnis: [www.drehscheibe-online.de]

Re: das ist in gewissen Branchen üblich...

geschrieben von: Sebastian Berlin

Datum: 09.01.21 18:44

Oberdeichgraf schrieb:
Hallo,
die Smartpones halten vom Akku her für mich gar nicht lange genug durch.
Normale Handys dagegen tagelang. Wenn man nur telefonieren will, ist das viel besser. Außerdem klaut das niemand.
Und du kommst tagelang nicht an einer Steckdose vorbei, um den Akku auf zu laden? Abgesehen davon, dass z.B. mein aktuelles Smartphone bei starker Nutzung (Internetzugang, Musikstreaming und telefonieren) auch immer noch 1,5 Tage hält.
Wenn man stattdessen mehrere Handys mitnimmt, kann man auch Smartphone, Ladegerät und Powerbank mitnehmen.

Aber das muss ja jeder für sich entscheiden. Ein Ausschlusskriterium für das neue System des HVV ist es nicht.

Grüße aus dem Nordwesten
Sebastian

Re: das ist in gewissen Branchen üblich...

geschrieben von: Oberdeichgraf

Datum: 09.01.21 19:59

Sebastian Berlin schrieb:
Und du kommst tagelang nicht an einer Steckdose vorbei, um den Akku auf zu laden? Abgesehen davon, dass z.B. mein aktuelles Smartphone bei starker Nutzung (Internetzugang, Musikstreaming und telefonieren) auch immer noch 1,5 Tage hält.
Wenn man stattdessen mehrere Handys mitnimmt, kann man auch Smartphone, Ladegerät und Powerbank mitnehmen.

Aber das muss ja jeder für sich entscheiden. Ein Ausschlusskriterium für das neue System des HVV ist es nicht.
Hallo,
ich habe in den letzten Jahren massig was für Smartphones bestellt: Netzteile, Akkus, Powerbanks und Ersatzgeräte.
Weil ich Prime habe: Für meine beiden Kids und meine Frau.
Die Dinger machen wohl auch süchtig: Es ist bei Ausfall immer gleich Panik.
Es nervt auch, wenn der Beifahrer im Auto ständig tippt und sonst nichts mehr wahrnimmt.
Dazu haben schon Akkus und eine Powerbanks dicke Backen gemacht.
Bei Am. klappt das mit der Gewährleistung/Garantie auch ganz gut, beim Doof Markt ist man da nur der Bittsteller.
Zudem werden die Geräte permanent teurer, im Gegensatz zum Computer.
Da konnte ich dieses Jahr mein altes Gerät noch meiner Tochter schenken: ich wollte nur einen, der blitzartig hochfährt und nicht ewig braucht (SSD Speicher).
Das ganze Elend mit dem Smartphone brauche ich nicht, die Welt dreht sich auch weiter, wenn man nicht so ein Gerät hat.
Würde ich nicht einmal geschenkt nehmen und auf ein Notebook verzichte ich auch gerne: da verbrennt man nur Geld.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.01.21 21:19.

Re: das ist in gewissen Branchen üblich...

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 09.01.21 22:43

Und welche Relevanz hat das jetzt für den HVV?

Edit: Weißt du was ich im Frühjahr getan habe als praktisch von heute auf morgen alle Mitarbeiter heim geschickt wurden? Ich hab mein Dirnstlaptop ausgepackt, dass ich gerade sowieso Zuhause hatte, hab das Handy, das bri uns eh das Standardtelefon darstellt, daneben gelegt und montags ganz normal angefangen zu arbeiten. Keine Kurzarbeit, kein Urlaubsabbau, keine Überstunden abfeiern, ich hab einfach meinen Job gemacht und habe zwei Monate keinen Fuß mehr ins Büro gesetzt.
Meine Kollegen dir noch Tower unter ihrem Tiych stehen hatten (nicht ihre Entscheidung), dagegen mussten ihr Arbeit zurückfahren, mussten sich absprechen wer wann uns Büro darf, und konnten erst mit Verzögerung mit Privatgeräten über VPN arbeiten, aber auch mit Einschränkungen.
Auch jetzt arbeite ich wieder fast ausschließlich von Zuhause und schützt damit nicht nur meine Gesundheit, sondern auch die meiner Kollegen. Und ja, wir hatten schon mehrere Coronafälle im Büro.

Das alles konnte ich tun dank Laptop und Smartphone.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.01.21 19:28.
KHM schrieb:
Ostholsteiner1 schrieb:
Viel mehr Sorgen macht mir da, dass der HVV nun schon seit Ewigkeiten an seinem Check-In-Be-Out-System arbeitet und inzwischen 5 Jahre Verspätung hat (was der oben verlinkte Artikel leider (oder wohlwissentlich) verschweigt). Der Verbund hat viele Jahre damit verdödelt, die zig Softwaresystem im Verbund zu harmonisieren und Kriterien für einen Testbetrieb zu formulieren (Quelle: [www.nahverkehrhamburg.de] )

Osnabrück hat dagegen ein fast identisches System nach sehr viel weniger Vorbereitungszeit im letzten Herbst an den Start gebracht. Funfact: Das dortige System wurde von einem Unternehmen entwickelt, dass auch beim HVV Softwaresysteme betreibt. Warum hat man da keine Synergien genutzt?
Osnabrück hat ein System, was im Prinzip nur kann: Fahrgast ist egal wo eingestiegen, Fahrgast ist egal wo wieder ausgestiegen. Das ist jetzt nicht ganz das, was im HVV gemacht werden soll...
Das stimmt nicht: Das System in Osnabrück kann exakt das, was auch das HVV-System können soll: Manuelles einchecken, automatisches auschecken und Best-Price [www.mobilitaetswende-os.de]

Lösung des VBN

geschrieben von: Martin Sch.

Datum: 10.01.21 12:03

Im VBN hat man schon sehr lange eine Chipkarte (genannt BOB), in der neuesten Generation auch als NFC-Version. Bestpreisberechnung auf Tages- und Wochenkarten findet statt, aber nicht auf Monatskarten. Es soll ein Angebot für Gelegenheitskunden sein. Der Betrag wird dann gesammelt abgebucht, irgendein Guthaben ist also nicht erforderlich. Für Einzelfahrten ist die Nutzung von BOB leicht rabattiert gegenüber dem Papierfahrschein.
Beim Einsteigen in das Fahrzeug muss man bereits das Ziel auswählen, ein Auschecken ist dann nicht nötig. Hier ist auch klar, warum man dieses Angebot nicht für Monatskarten-Stammkunden haben möchte: so viele Check-In-Terminals würden in kein Fahrzeug passen, wie man dann braucht.
Das System wird zwar in allen Verkehrsmitteln anerkannt, der Check-In ist aber nur in den Stadtbus-/Straßenbahnsystemen und an S-Bahn-Stationen möglich. Wobei ich gerade die Outdoor-Terminals der Regio-S-Bahn mehr gestört als in Betrieb erlebt habe.

M.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.01.21 12:04.
Black Eyed schrieb:
Flatratetickets funktionieren für Vielfahrer super - Studenten-, Schüler- (!), Senioren- - und konventionelle Jobtickets. Ich betone hier ganz gezielt Schüler, weil mit den landesweit gültigen Schülertickets bzw. Ausbildungstickets eine enorme Attraktivität und ein enormer Verkauf geschafft wurde.
Nur:
1. Die Einnahmen sind in Summe geringer - d.h. es muss jemand die Differenz ausgleichen
2. Bei Schülern und Senioren kann die Auslastung gesteuert werden
3. Diese Produkte sind für die (werk)tägliche Nutzung ausgelegt - wie auch die Jahreskarte an sich. Eine echte Flatrate eben - wie du schon schreibst (einsteigen, herumfahren und keine große Tarifkunde nötig - insbesondere bei verbund- oder landesweiten Angeboten.
Der 'Verlust'ausgleich muß so oder so aus öffentlichen Mitteln kommen. Eine Begründung, dies zu tun, kann nur aus 'Einsparungen' anderswo (vom Straßenbau über den Lärm bis zum Umweltverbrauch) kommen. Hierbei bemißt sich der 'Erfolg' an verlagerten Personenkilometern, nicht am erfolgreichen Melken kleiner Gruppen am späten Vormittag. Das Nerven von Gelegenheitskunden (mit beispielsweise extrem hohen Einzelfahrttarifen) bewirkt Imageschäden, die in der Summe die (kleinen) finanziellen Vorteile für manche (nicht alle) Betriebe deutlich übersteigen.

Was die Einzelfahrten angeht: meine OV-Chipkaart nütze ich vorwiegend für Stadtfahrten. Da zahle ich im langfristigen Mittel weniger als die Hälfte dessen, was ich in Köln oder Düsseldorf los wäre. 3 EUR für eine Kurzstrecke von vier Haltestellen oder zwei Tickets lösen bei einer kurzen Fahrtunterbrechung ist einfach nur absurd.

Zitat:
Dank der Pandemie wird aber der Bedarf an nicht-täglichen Produkten für Vielfachkunden steigen. Das kann wiederum durch Check-In/Be-Out oder Check-In/Check-Out erreicht werden, zumal dies genauso auch für Gelegenheitskunden interessant wird, weil eben keine Tarifkunde beim Fahrtantritt bzw. der Planung nötig ist.
Dem mittelhäufigen Benutzer könnte man viel einfacheres anbieten, selbst auf Papier: ermäßigte Bündel für Einzelfahrten oder Tageskarten mit Namensaufdruck (kann heute jeder Automat). Ab vier Stück für 10% ermäßigt bis 100 Stück (gültig 14 Monate) zum halben Preis (oder ähnlich).

Zitat:
Man steigt ein und loggt sich ein (Handy/Chipkarte). Später erledigt ein Tarifserver im Nachgang die Berechnung...
Dafür muß allerdings auch der letzte Landbus mit dieser Technik ausgerüstet werden. Und das letzte Funkloch beseitigt. Bei tagsüber 5-10 Fahrgästen täte es ein 'Beratungsgespräch' mit dem Fahrer billiger und freundlicher. Es dürfte seinen Grund haben, daß Systeme wie die Oystercard nur in Metropolen der Größenordnung London angeboten werden.

kmueller schrieb:
Zitat:
Internet und Telefon beziehen wir hier selbstverständlich längst gegen Flatrate (fast weltweit).
Weil wir zu faul sind, zu schauen, was für uns wirklich das günstigste Angebot ist und weil die Preise dafür zu niedrig sind. Und weil wir - siehe Internet auf dem Smartphone - dieses eh die ganze Zeit irgendwie nutzen. Wobei es immer noch genügend Prepaidkunden ohne Flatrates gibt.
Zum Beispiel mich. U.a. aus dem Grund, daß ich unterwegs nicht permanent mit Anhängen oder Videolinks zugeschüttet werden will. Ein anderer Grund ist, daß Mobiltelefonie an manchen Orten nicht geht und an anderen nicht erlaubt ist. Das Ding ist daher vorwiegend für 'Alarme' da, wofür ein simples Sprach/SMS-Gerät reicht (verpaßte Anrufe melden sich per SMS). Die Flatrate besteht für Festnetztelefonie vom Schreibtisch mit Leuten, die sich ebenfalls an einem ordentlich eingerichteten Arbeitsplatz mit insbes. einem ordentlichen Bildschirm aufhalten.

Re: Anspruch und Wirklichkeit

geschrieben von: kmueller

Datum: 10.01.21 14:16

MrEnglish schrieb:
Check-In Be-Out wendet man ja deswegen an, weil Be-In Be-Out sehr schwierig umzusetzen ist. Es ist nicht einfach die Anwesenheit eines Fahrgastes zuverlässig zu erfassen, aber fälschlicherweise Einbuchungen zu vermeiden. Im reinen Voll- oder U-Bahnbetrieb wäre das noch möglich, aber sobald es mit Bus und Straßenbahn ind den Straßenverkehr geht, könnten Fahrten abgerechnet werden wenn man mit Auto oder Fahrrad in der Nähe fährt. Deswegen hat man lieber eine aktive Aktion des Kunden bei Fahrtantritt.
Das Ein/Aus-Checken beim Umstieg zwischen Betreibern und im Stadtverkehr) sogar beim Wechsel zwischen Fahrzeugen desselben Betreibers in den Niederlanden hat als weitere Gründe, daß man die Fahrgastzahlen detailliert erfassen will und daß verschiedene Betreiber verschiedene Preise setzen können (und wollen). Deswegen gibt es das auch im Vollbahnsytem, wo der Einstieg zuverlässig durch den Pfahl in einer Station protokolliert wird. Man könnte danach aber zum Ziel verschiedene Routen mit verschiedenen Betreibern wählen, auf manchen Strecken sogar Fahrzeuge zweier Betreiber, die jeweils einen Halbstundentakt über dieselben Gleise fahren. Ich kenne einen Fall, wo zwei solche Halbstundentakte sogar einen fast exakten Viertelstundentakt bilden (oder bildeten, kann sich mittlerweile auch schon wieder geändert haben). Diese Auswüchse ließen sich durch ein pauschalisiertes Abrechnungssystem oder durch Bruttoverträge wegbekommen, aber beides (insbes. letzteres) ist bzw. war nicht gewollt.

Re: das ist in gewissen Branchen üblich...

geschrieben von: kmueller

Datum: 10.01.21 14:31

Sebastian Berlin schrieb:
Das kennt man sonst ja nur aus dem Fernsehen, wo im Drogenmilieu auf diese Weise kommuniziert wird. Ein Handy für die Kunden, eins für die Lieferanten und möglichst ohne Ortungsfunktion bzw. als Prepaid-Handy.
Es gibt noch viel einfachere Gründe. Man möchte zum Beispiel nicht, daß Hamburger Bekannte mitkriegen, daß man die Tweets von Trump abonniert hat. Umgekehrt sollen die in Dresden es nicht mitkriegen, daß man jemanden von der Linkspartei in Köln kennt.

Ein drittes Handy braucht man bei Kontakt mit Querfrontlern, dann noch eines mit der politischen Orientierung 'Linke gegen die Coronadiktatur', eines auf der Linie 'Linke für den Gesundheitsschutz' (derzeit aktuelle Parteilinie), weitere zwei Handys für 'Freiheitlich-Rechte gegen...' und 'National-Rechte für...'. Usw..

Aber bevor ich das Risiko eingehe, mal an der falschen Stelle das falsche Handy rauszuholen, kaufe ich lieber gar kein Smartphone und Papierfahrkarten. Jedenfalls solange sie frei von Parteiwerbung bleiben.

Re: das ist in gewissen Branchen üblich...

geschrieben von: kmueller

Datum: 10.01.21 14:44

Oberdeichgraf schrieb:
Zudem werden die Geräte permanent teurer, im Gegensatz zum Computer.

Das ganze Elend mit dem Smartphone brauche ich nicht, die Welt dreht sich auch weiter, wenn man nicht so ein Gerät hat.
Würde ich nicht einmal geschenkt nehmen und auf ein Notebook verzichte ich auch gerne: da verbrennt man nur Geld.
Notebooks sind keine Spielzeuge, sondern vollwertige Rechner. Darauf könnte ich unterwegs nicht verzichten. Hol dir (wie ich schon seit 15 Jahren für mich und die Familie) einfach ein faktisch neuwertiges, das Fortschrittsbewußte schon nach 5 (oder gar 3) Jahren zu (fortschrittlichem) Müll erklärt und aussortiert haben. Hier
[www.afbshop.de]
kann man damit sogar noch ein gutes Werk tun.

Nur wenn man einen Arbeitgeber hat, der Geräte und/oder Software vorgibt, geht das leider nicht.
kmueller schrieb:
Zitat:
Der 'Verlust'ausgleich muß so oder so aus öffentlichen Mitteln kommen.
Jein. Der "Verlust"ausgleich ist nichts anderes als eine Kostenunterdeckung. Die muss ausgeglichen werden. Dafür gibt es aber begrenzte Finanzmittel und dementsprechend sind in den Haushalten Finanzmittel reserviert.
Das heißt aber umgekehrt eben nicht, dass man sich jegliche Unterdeckungen erlauben darf und die Fahrpreise ins Bodenlose zu senken...


kmueller schrieb:
Zitat:
Eine Begründung, dies zu tun, kann nur aus 'Einsparungen' anderswo (vom Straßenbau über den Lärm bis zum Umweltverbrauch) kommen. Hierbei bemißt sich der 'Erfolg' an verlagerten Personenkilometern, nicht am erfolgreichen Melken kleiner Gruppen am späten Vormittag.
Diese Ansicht ist aber mehr als naiv. Schlag das mal den Aufsichtsratsmitgliedern eines Verkehrsverbundes vor. Wärst du dessen Geschäftsführer, könntest du gleich eine neue Stelle suchen. Sorry, es gibt harte Forderungen als vorgesehene Budget des Verkehrsverbundes einzuhalten. Straßenverkehr wird in diesen Kreisen weitgehend mit einem anderen Budget verstanden - nämlich den, der Straßenbauämter.

Genau deswegen kann man mal positiv betonen, dass sich der hesssische Verkehrsminister entschieden hat, diese Kostenunterdeckung als Land zu tragen (und die Fahrkarten entsprechend zu subventionieren) - von den anderen Aufsichtsratsmitgliedern wäre das nicht erwartbar gewesen in der notwendigen Menge...


kmueller schrieb:
Zitat:
Das Nerven von Gelegenheitskunden (mit beispielsweise extrem hohen Einzelfahrttarifen) bewirkt Imageschäden, die in der Summe die (kleinen) finanziellen Vorteile für manche (nicht alle) Betriebe deutlich übersteigen.
Dann lass doch uns mal überlegen: Was ist sinnhafter: Gelegenheits- und Seltenkunden mit niedrigen Fahrpreisen anzulocken oder Stammkunden zu begünstigen. Es wird dazu übergehen, dass neben den Jahreskarten-Kunden auch einen Rabattierung von Gelegenheitskunden geben wird (Mengenrabatt o.Ä.) - dann aber eben gebunden an andere Dinge, wie eben die Nutzung eines Handys oder einer Chipkarte.


kmueller schrieb:
Zitat:
Was die Einzelfahrten angeht: meine OV-Chipkaart nütze ich vorwiegend für Stadtfahrten. Da zahle ich im langfristigen Mittel weniger als die Hälfte dessen, was ich in Köln oder Düsseldorf los wäre. 3 EUR für eine Kurzstrecke von vier Haltestellen oder zwei Tickets lösen bei einer kurzen Fahrtunterbrechung ist einfach nur absurd.
Dafür hast du das Problem mit dem Auschecken bzw. dem Aus- und wieder Einchecken beim Umsteigen (nochmals die Erinnerung an 20% vergessene Check-Outs bei solchen Systemen). Den Bedarf an Schleusen an Bahnhöfen. Es gibt Gründe, warum man selbst in den Niederlanden die OV-Chipkaart nicht als so ideal ansieht. Der Fahrgastverband empfindet ein Handyticketsystem auch für besser.


kmueller schrieb:
Zitat:
Dem mittelhäufigen Benutzer könnte man viel einfacheres anbieten, selbst auf Papier: ermäßigte Bündel für Einzelfahrten oder Tageskarten mit Namensaufdruck (kann heute jeder Automat). Ab vier Stück für 10% ermäßigt bis 100 Stück (gültig 14 Monate) zum halben Preis (oder ähnlich).
Möglich, empfinde ich aber nicht als so gute Lösung, zumal solche Kunden nicht immer dort einsteigen, wo ein Automat steht. Nächstes Problem: Dieses Fahrkartenbbündel wäre immer für die gleiche Preisstufe.
Zudem besteht in dieser Lösung ein höheres Missbrauchspotential und damit weitere Möglichkeiten den Regelpreis illegal zu umgehen. Ein Best-Preis-System erlaubt aber die Verwendung verschiedener Preisstufen - sowohl in der Form der Umrechnung in die günstige Fahrkarte als auch in der Variante mit einem "Kick-Back-Rabatt" für bereits gefahrene Mengen.

kmueller schrieb:
Zitat:
Zitat:
Man steigt ein und loggt sich ein (Handy/Chipkarte). Später erledigt ein Tarifserver im Nachgang die Berechnung...
Dafür muß allerdings auch der letzte Landbus mit dieser Technik ausgerüstet werden. Und das letzte Funkloch beseitigt. Bei tagsüber 5-10 Fahrgästen täte es ein 'Beratungsgespräch' mit dem Fahrer billiger und freundlicher. Es dürfte seinen Grund haben, daß Systeme wie die Oystercard nur in Metropolen der Größenordnung London angeboten werden.
Jein. Man muss nicht jederzeit Netzempfang haben, wohl aber im Betriebshof bspw. per WLAN.
Und wenn man ein eTicket-System hat, braucht man meist bei einer Vordereinstiegskontrolle eh eine solche Datenübertragung - die ist aber auch für andere Themen relevant (bspw. Routenänderungen, Preisänderungen usw)...
Daraus kann man aber sehen, weswegen ein solches System längeren Vorlauf braucht.

Handyticket-System gibt es flächendeckend in Deutschland, eTicket-Systeme auch außerhaölb von Metropolen - und das bei dem heutigen schlechten Mobilfunk.
Zudem besitzen immer mehr Züge und Busse (!) - auch Regionalbusse - WLAN-Empfang an.
Und für die Kritiker der Handyticket-Nutzung: Gleiches gilt auch für USB-Buchsen zum Aufladen des Handys, wenn man keine Powerbank hat... Rucksäcke in denen ein Powerbank-Fach vorhanden ist, habe ich auch schon gesehen.

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Black Eyed schrieb:
kmueller schrieb:
Zitat:
Eine Begründung, dies zu tun, kann nur aus 'Einsparungen' anderswo (vom Straßenbau über den Lärm bis zum Umweltverbrauch) kommen. Hierbei bemißt sich der 'Erfolg' an verlagerten Personenkilometern, nicht am erfolgreichen Melken kleiner Gruppen am späten Vormittag.
Diese Ansicht ist aber mehr als naiv. Schlag das mal den Aufsichtsratsmitgliedern eines Verkehrsverbundes vor. Wärst du dessen Geschäftsführer, könntest du gleich eine neue Stelle suchen. Sorry, es gibt harte Forderungen als vorgesehene Budget des Verkehrsverbundes einzuhalten. Straßenverkehr wird in diesen Kreisen weitgehend mit einem anderen Budget verstanden - nämlich den, der Straßenbauämter.
Das kann schon sein und ist eben die Fehlentwicklung, die aufzuheben wäre.

Schon, daß es 'Aufsichtsratsmitglieder' und 'Geschäftsführer' mit solchen Machtbefugnissen überhaupt gibt, ist eine Fehlentwicklung. Der öffentliche Verkehr wird wie der Straßenbau zu irgendeinem Satz im Bereich 50%-100% aus Steuergeldern finanziert. Da gibt es keinen Raum für Kleinkönige, sondern nur einen für vom Geldgeber beauftragte (und vor allem kontrollierte) Aufgaben-Durchführer. Was wir derzeit haben, ist teilweise ein personell wie strukturell verselbständigtes Selbstbedienungssystem.

Es spricht doch Bände, daß nicht einmal das mindestens 500Mio. schwere Mautdesaster Folgen hat. Dito BER, dito S21...

Bleibt alles so, fährt dieses System an eine Wand. Welche, wird sich zeigen.
Ober-Rodener schrieb:
Kannst DU es besser?
Warum sollten wir nicht Bedenken äussern, die gglfs. im Vorfeld Probleme aufzeigen könnten?
Ich denke, wenn die so gut planen und durchführen wie bei der Elbphilharmonie, dann gute Nacht.
na ja Deutschland muss halt alles wieder einmal neu erfinden. Auf Lösungen aufbauen, die man anderweitig kennt und schon flächendeckend eingeführt haben, kommen natürlich nicht in Betracht!
Schliesslich kann Deutschland ja alles besser!
Ironie aus
In der Schweiz ist das Fairtq eingeführt und erfreut sich steigender Beleibtheit:

FAIRTIQ - Die einfachste Fahrkarte. Schweizweit.
Man hat sich sogar überlegt, dass man vergessen könnte sich auszuloggen:
Beschreibung

Nebenbei ist das System für die ganze Schweiz gültig. Natürlich wird Deutschland vermutlich wieder einmal 1'000 Insellösungen präsentieren. Programmiert und entschieden von Leuten, die hauptsächlich im Dienstwagen oder mit Dauerfreikarten unterwegs sind!

Gruss Leo
leofink schrieb:Zitat:
Auf Lösungen aufbauen, die man anderweitig kennt und schon flächendeckend eingeführt haben, kommen natürlich nicht in Betracht!
Schliesslich kann Deutschland ja alles besser!
(...)
Nebenbei ist das System für die ganze Schweiz gültig. Natürlich wird Deutschland vermutlich wieder einmal 1'000 Insellösungen präsentieren. Programmiert und entschieden von Leuten, die hauptsächlich im Dienstwagen oder mit Dauerfreikarten unterwegs sind!
Weißt du, das interessante an deiner Kritik ist ja, dass sie nicht so falsch ist (und es auch nicht so ironisch ist).

FAIRTIQ ist übrigens auch in Deutschland aktiv. Der VAB (Verkehrsverbund am Bayrischen Untermain) nutzt diese beispielsweise. Für alle die den VAB nicht kennen: Das ist jene Region in Franken, die aus Angst für Hessen gehalten zu werden, die patriotischsten Bayern sind...


Grundsätzlich ist es aber wirklich so: Jeder möchte sein eigenes System haben. Ich habe dazu den MVV genannt, bei dem mehrere Unternehmen ihre jeweils eigene App haben ( MVV als Verbund, MVG als kommunales Unternehmen, DB mit einer S-Bahnapp und natürlich dem DB Navigator).
Wenn man schon sich in einem Verbund zusammenfasst, will man dennoch seine eigenen Burgen haben. Insofern ist das kein großer Unterschied zu den Kleinsverbünden in Baden-Württemberg, bei dem die lokale politische Ebene keine Entscheidungen mit anderen Nachbarkreisen teilen möchte...

Das sieht man auch in großen Verbünden - wie bspw. im VRR - dort hat man - meines Wissens nach - immerhin eine "White-Label"-App geschaffen, die jeweils im Design des örtlichen Verkehrsunternehmens erscheint. Zu mehr Kooperation hat es dann nicht gereicht, obwohl wirklich eine App (und ggf. der Navigator) wirklich gereicht hätten...
Selbst der Versuch des Landes (als einer der Aufsichtsratsmitglieder) sich durch ein Landesgesetz eine Entscheidungsbefugnis für Patt-Situationen in Aufsichtsrat zu schreiben, wurde massiv durch die Lokalebenen der Politik verhindert, die damit ihre eigenen örtlichen Verkehrsunternehmen in ihrer Unternehmerischen Autonomie schützen wollen.

Dagegen finde ich es interessant, wie wenig Entscheidungsbefugnisse im ZVV auf der kommunalen Seite liegen.Ein solch zentralisiertes System hätte ich in der sehr förderalen Schweiz gar nicht erst angenommen - gerade im Vergleich zu diesen deutschen Strukturen.

Aber wenn ich mich recht entsinne, war FARITIQ auch nicht die einzige entsprechende Anstrengung in der Schweiz - ich habe im Hinterkopf, dass die SBB ein eigenes System haben wollten...


Was man in Deutschland aber noch zur Verteidigung sagen muss: Der VDV organisiert - als Zusammenschluss der deutschen Verkehrsunternehmen - im Hintergrund, sehr viele gemeinsame technische Standards, die eine Interoperabilität ermöglichen sollen - in Form von Schnittstellen für notwendigen Datenaustausch. In diesem Bereich wird stark weiterentwickelt.

Meine Prognose: So wie jeder Verkehrsverbund seine eigene Tarifstruktur hat, werden die meisten Apps bestehen bleiben, aber interoperabel werden. Dann ist eben völlig egal, mit welcher App man wo Fahrkarten kaufen will.

Erste Schritte in die Richtung sind ja unternommen worden - nicht nur mit der Freigabe von immer mehr Verbundtarifen im DB Navigator, sondern auch zwischen den Apps verschiedener Verbünde. Ichhabe dazu im Hinterkopf, dass KVB- und RMV-App gegenseitig für das jeweils andere Verkehrsgebiet Fahrkarten verkaufen können. Der VAB-Tarif müsste meines Wissens nach auch in der RMV-App erhältlich sein (und dann sicher auch der RMV-Übergangstarif in der VAB-App, da bin ich mir aber auch nicht so sicher). Das Hessenticket ist schon länger in der RMV- und der NVV-App erhältlich. Beim DB Navigator gehe ich stark davon aus, dass es ebenfalls so ist.

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kmueller schrieb:
Zitat:
Black Eyed schrieb:
Zitat:
Diese Ansicht ist aber mehr als naiv. Schlag das mal den Aufsichtsratsmitgliedern eines Verkehrsverbundes vor. Wärst du dessen Geschäftsführer, könntest du gleich eine neue Stelle suchen. Sorry, es gibt harte Forderungen als vorgesehene Budget des Verkehrsverbundes einzuhalten. Straßenverkehr wird in diesen Kreisen weitgehend mit einem anderen Budget verstanden - nämlich den, der Straßenbauämter.
Das kann schon sein und ist eben die Fehlentwicklung, die aufzuheben wäre.
Das musst du aber auf politischer Ebene umsetzen, das kann kein Tarifverbund selbst entscheiden...

kmueller schrieb:
Zitat:
Schon, daß es 'Aufsichtsratsmitglieder' und 'Geschäftsführer' mit solchen Machtbefugnissen überhaupt gibt, ist eine Fehlentwicklung.
Das ist eine falsche Annahme von dir. Sie haben eben nicht diese Machtbefugnis. "Aufsichtsratsmitglieder" sind nichts anderes als Vertreter der jeweiligen Kommunen bzw. des Landes. Damit sind diese an ihre Haushalte und ihre politischen Beschlüsse gebunden.

Es gibt äußerst wenige Kommunen, die bereit sind, für den ÖV mehr zu zahlen. Und selbst wenn, gibt es ja beispielsweise die Möglichkeit, örtliche Fahrpreise zu subventionieren. Dann kostet die Einzelfahrkarte in der Stadt A für den Fahrgast 10 Cent weniger, als nach der Preisstufe erwartbar wäre. Diese 10 Cent gleicht dann die Stadt dem Verbund aus, so dass die Kostendeckung des Verbundes gleich bleibt, obwohl faktisch ein höherer Zuschuss gezahlt wird. Meist wird sowas bei Sozialpass-Fahrkarten gemacht, da es sich hier um eine Personengruppe hat, die sich durch ein sehr geringes zur Verfügung stehendes Einkommen auszeichnet. Aus vergleichbaren Gründen werden Fahrkarten des Auszubildendentarifs ja generell bezuschusst (Schüler, Azubis, Studenten)...

Das ist die Struktur bei den ganzen Schülertickets / Auszubildendenkarten, die das jeweilige Land zusätzlich subventioniert und somit dem Tarifverbund die höheren Verluste durch den niedrigeren Ausgabepreis ausgleicht.


kmueller schrieb:
Zitat:
Der öffentliche Verkehr wird wie der Straßenbau zu irgendeinem Satz im Bereich 50%-100% aus Steuergeldern finanziert. Da gibt es keinen Raum für Kleinkönige, sondern nur einen für vom Geldgeber beauftragte (und vor allem kontrollierte) Aufgaben-Durchführer. Was wir derzeit haben, ist teilweise ein personell wie strukturell verselbständigtes Selbstbedienungssystem.
Stimmt auch nicht. Der Straßenverkehr gilt eben als Grundversorgung, wie auch die Kanalisationoder das Strommnetz ohne die die Errichtung von Wohn- oder Gewerbegebiete überhaupt nicht denkbar ist.
Und doch: Genau dort gibt es die Kleinfürsten: Jede Stadt entscheidet selbst über ihr Straßennetz, Bund und Länder zudem über deren weitere Netze. Das erkennt man übrigens sehr gut, wenn man an Gemeidegrenzen den Übergangs von beispielsweise Radwegen und deren Ausstattungen anschaut. Manche enden einfach abrupt, andere sind nach stark unterschiedlichen Bauqualitäten aneinander gebaut.


kmueller schrieb:
Es spricht doch Bände, daß nicht einmal das mindestens 500Mio. schwere Mautdesaster Folgen hat. Dito BER, dito S21...

Bleibt alles so, fährt dieses System an eine Wand. Welche, wird sich zeigen.
Dumm nur, dass der Bund kein Aufsichtsratsmitglied der Verkehrsverbünde sind - das ist Kommunalsache - ggf. auch noch Ländersache. Insofern stellst du dir hier ein deutlich integrierteres System vor. als die Wirklichkeit ist! Und ich rate dir, bleib erstmal bei den bestehenden Strukturen und schaue dort nach Modifizierungsmöglichkeiten, bevor du die radikalen Revolutionen anzettelst, die keinerlei Umsetzungschancen haben werden! Insofern nicht alles ändern, sondern schrittweise das Beste machen.

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Es gibt halt Erfahrungen

geschrieben von: kmueller

Datum: 12.01.21 18:02

Black Eyed schrieb:
"Aufsichtsratsmitglieder" sind nichts anderes als Vertreter der jeweiligen Kommunen bzw. des Landes. Damit sind diese an ihre Haushalte und ihre politischen Beschlüsse gebunden.

Es gibt äußerst wenige Kommunen, die bereit sind, für den ÖV mehr zu zahlen. Und selbst wenn, gibt es ja beispielsweise die Möglichkeit, örtliche Fahrpreise zu subventionieren. Dann kostet die Einzelfahrkarte in der Stadt A für den Fahrgast 10 Cent weniger, als nach der Preisstufe erwartbar wäre. Diese 10 Cent gleicht dann die Stadt dem Verbund aus, so dass die Kostendeckung des Verbundes gleich bleibt, obwohl faktisch ein höherer Zuschuss gezahlt wird. Meist wird sowas bei Sozialpass-Fahrkarten gemacht

Der Straßenverkehr gilt eben als Grundversorgung, wie auch die Kanalisationoder das Strommnetz ohne die die Errichtung von Wohn- oder Gewerbegebiete überhaupt nicht denkbar ist.
Sind das Naturgesetze?

Zitat:
kmueller schrieb:
Es spricht doch Bände, daß nicht einmal das mindestens 500Mio. schwere Mautdesaster Folgen hat. Dito BER, dito S21...

Bleibt alles so, fährt dieses System an eine Wand. Welche, wird sich zeigen.
Dumm nur, dass der Bund kein Aufsichtsratsmitglied der Verkehrsverbünde sind - das ist Kommunalsache - ggf. auch noch Ländersache. Insofern stellst du dir hier ein deutlich integrierteres System vor. als die Wirklichkeit ist!
Das System ist 'integriert'. Auf Bundesebene wird entschieden, wie Aufgaben und(!) finanzielle Mittel zwischen Bund, Ländern, ggf. Regionen und Kommunen verteilt werden. Einer unteren Instanz kann man manchmal vorwerfen, 'schlechter' zu funktionieren als diejenige nebenan, aber die grundsätzliche Schieflage wird auf Bundesebene hergestellt. 9 Mrd. für die Lufthansa wird aus der Lamäng entschieden, 500Mio. kann sogar der Verkehrsminister nach Gutdünken und ohne Rückfrage unter die Mautspezis verteilen, aber schon bei ein paar Bussen mehr ist Schluß, weil zu teuer. Und wer erinnert sich noch an die Debatte von einigen Jahren, als es um 5-10EUR mehr im HartzIV-Satz ging? Da marschierten Experten auf, die den Kollaps der Republik an die Wand malten.

Beim Deutschland-Takt ist jetzt schon absehbar, daß er den Weg von S21 gehen wird. Einen schönen Kommentar dazu gibts in der Januar-Ausgabe des bahn-report.

Re: Es gibt halt Erfahrungen

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 13.01.21 03:26

kmueller schrieb:
Zitat:
Sind das Naturgesetze?
Natürlich nicht. Aber die Strukturen sind derartig starr, dass du hier keine großartigen Bewegungen erwarten kannst.
Und ich denke du willst eigentlich schnell etwas ändern und nicht erst für die Fahrgäste im Jahr 2100...

Die Entwicklung hin zu verstärkter Homeoffice führt auch bei den Tarifverbünden zur Suche nach neuen Lösungen - die 10er Tageskarte der Bahn ist eine Form - als Alternative zur regulären Streckenzeitkarte - bei anderen Verkehrsverbünden wird es eher in einen Mengenrabatt gehen - dieser kann auch so strukturiert sein, dass der Nutzer flexibler ist als bei einer Zeitkarte und den Rabatt auch auf unterschiedlichen gefahrenen Strecken erreichen kann. Das sind durchaus gangbare Lösungen.

Mal kurz aus dem Ärmel bei einem fehlendem Finanztopf bspw. 200 Millionen Euro schütteln, das wird nicht gehen. (Laut dem Geschäftsführer des RMV würde soviel eine 365 Euro-Jahreskarte für jedermann in seinem Verbundgebiet oder in ganz Hessen den Steuerzahler mehr kosten. Also nur den eingerechneten Einnahmeausfall abzüglich der Mehrheinahmen durch Mehrverkauf. Und wenn es schlecht läuft, kommen nochmals Mehrkosten für höhere Kapazitäten der Züge und Busse hinzu.

Im Vergleich dazu sind Schüler- und Seniorenfahrkarten echte Schnäppchen, zumal diese Summe jährlich nötig wäre. Und wenn du dass dann auf Bundesländer mit deutlich höheren Fahrgastzahlen überträgst - wie bspw. NRW mit seinen vielen klammen Kommunen oder finanzschwache Bundesländer wie das Saarland, sieht es eben anders aus.


Zudem: Du brauchst in irgendeiner Form immer eine Straßengrundanbindung auf kommunaler Seite, selbst wenn es nur eine Spielstraße ist ohne LKW-Verkehr oder die PKW-Nutzung gar nur für Ein-/Ausladen erlaubt ist. Es entstehen somit immer irgendwelche Kosten für Straßenerschließung. Nicht zuletzt muss auch Feuerwehr und Rettungswagen die Häuser erreichen können, und auch die Müllentsorgung muss möglich sein...


kmueller schrieb:
Zitat:
Das System ist 'integriert'. Auf Bundesebene wird entschieden, wie Aufgaben und(!) finanzielle Mittel zwischen Bund, Ländern, ggf. Regionen und Kommunen verteilt werden.
Nein, das ist es eben nicht, da die Bundesebene nicht die Budgets der Länder und der Kommunen vorgibt, sondern ledglich sich über ihren Anteil - sowohl für Infrastruktur (getrennt nach BVWP mit SPFV/SGV und MIV bzw. nach GVFG) bzw. für SPNV-Bestellungen mit den Regionalisierungsmittel differenziert und damit die Finanzierung anderer ÖV-Leistungen anderen Ebenen überlässt, genauso die Aufteilung der Mittel in Bestellung und in Kostendeckung der Fahrpreise...

Eine wirklich integrierte Planung würde die Finanzmittel zwischen den Systemen verschieben. Beispielsweise, wenn der Bund bei Untersuchung eines Straßenverkehrsengpasses die nötigen Mittel in die Bestellung von mehr Zügen oder Bussen stecken würde, anstatt die Straße auszubauen. Genau das aber passiert in Deutschland nicht...


kmueller schrieb:
Zitat:
9 Mrd. für die Lufthansa wird aus der Lamäng entschieden, 500Mio. kann sogar der Verkehrsminister nach Gutdünken und ohne Rückfrage unter die Mautspezis verteilen, aber schon bei ein paar Bussen mehr ist Schluß, weil zu teuer. Und wer erinnert sich noch an die Debatte von einigen Jahren, als es um 5-10EUR mehr im HartzIV-Satz ging? Da marschierten Experten auf, die den Kollaps der Republik an die Wand malten.
Bezahlt eine Kommune aus ihrem Haushalt die Lufthansa-Rettung? Nein! Bezahlt die Kommune aber die Kostendeckung des Aufgabenträgers? Ja! Entweder direkt oder der Kreis übernimmt diese Aufgabe (über die Kreisumlage, wobei bei Wunsch auf mehr Eigenständigkeit - bspw. für eigene Stadtbusverkehre bestehen können - solche Modelle sind mir in Realität bekannt).

Wie gesagt: Du musst hier die unterschiedlichen Zuständigkeiten der verschiedenen Ebenen betrachten! Genau das unterlässt du, verkürzt damit die tatsächliche Situation und kommst zu einem deutlichen verdrehten Ergebnis. Und ja: Man muss sich fragen, ob die Projektfinanzierungen so der Weisheits letzter Schluss sind, aber es gibt sehr wohl bei einigen durchaus Gründe, die dafür sprechen - auch zur Lufthansa-Rrttung.


kmueller schrieb:
Beim Deutschland-Takt ist jetzt schon absehbar, daß er den Weg von S21 gehen wird. Einen schönen Kommentar dazu gibts in der Januar-Ausgabe des bahn-report.
Der Deutschland-Takt wurde noch nicht einmal fertig definiert oder hätte bereits eine gesetzgeberische Wirkung. Er ist nicht im Bundesschienenwegeausbaugesetz enthalten - dort sind aber andere BVWP-Projekte enthalten, die umgesetzt werden sollen.
Man prüft nur derzeit, ob die derzeitigen Vorgaben des Deutschland-Takts in aktuell laufenden Planungen auch eingehalten werden könnten (weswegen beispielsweise die NBS Rhein/Main-Rhein/Neckar eine Südanbindung in Darmstadt erhält). Es ist nicht mal so, dass der Deutschland-Takt ein Betriebskonzept wäre, nein er ist ein Bauplanungskonzept, nach dem Projekte zukünftig geplant werden sollen. Dies liegt daran, dass die Zuständigkeit für den SPNV bei den Aufgabenträgern der Länder liegen, die des SPFV eigenwirtschaftliche Unternehmensentscheidungen sind und der Güterverkehr grundsätzlich eigenwirtschaftlich seine Verkehrsleitungen organisiert. Es gibt doch nicht mal einen Zwang, dass die Aufgabenträger sich an die dortige Struktur halten müssen (teilweise sind ungeklärte Ausbauprojekte enthalten und teilweise sind andere geplante Projekte nicht enthalten...).

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Wer das ganze Lied hören möchte und nicht aus irgendeiner humorbefreiten Zone kommt, kann dem Link folgen: [www.youtube.com]

Re: Es gibt halt Erfahrungen

geschrieben von: kmueller

Datum: 13.01.21 13:40

Black Eyed schrieb:
kmueller schrieb:
Zitat:
Sind das Naturgesetze?
Natürlich nicht. Aber die Strukturen sind derartig starr, dass du hier keine großartigen Bewegungen erwarten kannst.
Insbes. auch keine Ausweichbewegungen. Genau deswegen bin ich der Meinung, daß es mit einer Form von Aufprall (z.B.an eine Wand) enden wird.

Zitat:
ich denke du willst eigentlich schnell etwas ändern und nicht erst für die Fahrgäste im Jahr 2100.
Wer könnte (sofern er wollte) eigentlich überhaupt etwas ändern am alternativlos systemnotwendigen Gang der Dinge?

Zitat:
...da die Bundesebene nicht die Budgets der Länder und der Kommunen vorgibt, sondern lediglich sich über ihren Anteil - sowohl für Infrastruktur (getrennt nach BVWP mit SPFV/SGV und MIV bzw. nach GVFG) bzw. für SPNV-Bestellungen mit den Regionalisierungsmittel differenziert und damit die Finanzierung anderer ÖV-Leistungen anderen Ebenen überlässt
Inwiefern widerspricht das (insbes. die von mir gemachten Hervorhebungen) der Aussage, daß auf Bundesebene (per Bundesgesetz) die entscheidenden Rahmenbedinungen gesetzt werden?

Was machen die "anderen Ebenen", wenn ihr "Anteil" zu Ende ist? Schulen schließen, Straßen schließen, Schneeräumung und Müllabfuhr einstellen, Kanäle einstürzen lassen, 'Sozialfälle' erfrieren oder verhungern lassen, Lufthansa besteuern... oder eben Nahverkehr abbauen?
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