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Guten (Sams)Tag!

Die seit Jahrzehnten schier unendliche Abfolge immer neuer „Projekte“ zu „flexiblen“ ÖV-Betriebsformen ist an sich schon ein weites Themenfeld mit bis heute bundesweit objektiv jämmerlicher Leistungsbilanz.

Unter Missbrauch immer neuer Phantasienamen werden gern Fördermittel abgegriffen, um zum gefühlten 175sten Mal einen Neuversuch anzutäuschen, mit dem
* die vom SPNV allein selbst bei progressivem Ausbau nicht leistbare und
* von der Busmafia seit Jahrzehnten konsequent versemmelte
sogenannten Flächenerschließung auf immer neue Verspielungsarten angeblich sicher gestellt werden soll.

Ein weiteres Beispiele, hier Südniedersachen:
[www.hna.de]

Also der übliche „wir haben das Bernsteinzimmer gefunden“-Kram.

Immerhin gibt es nun eine neue Dimension. Der zuständige Professor wanzt sich knallhart an die Verkehrswende-Protagonisten heran und fordert im Interview tatsächlich Unvorstellbares (Zitat aus dem Zeitungsinterview):
Frage: „Ist der organisierte Nahverkehr und die Politik in Deutschland bereit und willens, Projekte wie EcoBus umzusetzen. Was ist für die Umsetzung notwendig?“
Antwort: „Die Ablösung von Herrn Scheuer als Verkehrsminister.“

Wow!

Eher geht ein mutiertes 10m-Kamel durch eine Blutkapillare, als dass eine Polit-i-Kone wie Andreas Scheuer sich in selbstkritischer Bespiegelung üben würde. Digitalisierung? Oder doch nur homöopathische Dosen von Digitalis?

Und so bleiben die fundamentalen Zuständigkeitsirrtümer exakt so, wie wir sie uns gewöhnungstechnisch längst zurechtgelegt haben:

Der EU ist die Verkehrswende schei…egal
Dem Bund ist die Verkehrswende schei…egal
Den Bundesländern ist die Verkehrswende schei…egal
Den Provinzpolitikern ist die Verkehrswende schei…egal
Den Aufgabenträgern ist die Verkehrswende schei…egal
Den Verkehrsunternehmen ist die Verkehrswende schei…egal
Den Infrastrukturbetreibern ist die Verkehrswende schei…egal

Die Forschung hat seit Jahrzehnten schon immer „gut“ von der steuerbezahlten Alimentierung offenkundiger Nonsensprojekte gelebt, siehe netzinkompatibler Hänge- oder Schwebebahnen, auf gut Deutsch: praktizierter Aufwandsverschwendung ohne bis heute nachweisbarem Nutzen. Hamsterrad als Selbstzweck.

Doch bis heute zeigt jeder Akteur nur allzu gern mit seinen Fingern auf die anderen. Und die bürokratischen Sesselfurzer jubilieren, weil sie weiterhin nichts tun müssen – außer dem zunehmend dysfunktionalen ÖV-Ist-Zustand grinsend die Stange zu halten.

Leider ist es bei DSO kaum noch möglich, die Zukunftsentwicklung des ÖV zur Diskussion zu stellen, ohne dass die üblichen Foren-Trolle und Dummschwätzer das Thema sofort be- und zersetzen.

Ungeachtet solcher Effekte halte ich es für dennoch sehr nötig, das Thema „Flächenerschließung“ aufzurufen und vertieft zu diskutieren!

Anders als bei den hier einschlägig bekannten Forums-Querulanten („Flächenerschließung brauchen wir nicht“, “alles nur Milchkannen“, „Rückzug aus das Hauptstreckennetz“, „ich fahre meinen Uralt-Mercedes“ usw.) verkündet, wird am Zusammenwirken
* eines durch gezielte Reaktivierungen bzw. Neubauten auszudehnenden und insgesamt dichter zu befahrenden Eisenbahnnetzes als Rückgrat des ÖVs
* letztlich auch das Wohl bzw. Wehe der finanzierungstechnisch durchgepäppelten Bus-„Netze“ hängen.

Es ist schon peinlich, dass immer neue, scheininnovative Mikro-„Lösungen“ lokal aufploppen und zeitversetzt untergehen – statt dass sich die Aufgabenträger „Bund“ (der sich ja bekanntlich für gar nichts zuständig erklärt) und "Länder" (die ihre eigene Teilunfähigkeit gern an den oft noch unfähigeren Bestellerzoo herunterdeligieren…) zu einem plausiblen Gesamtkonzept bundesweit durchringen.

Dies ist zugleich ein Weckruf, endlich mal diese verblödeten DSO-Dauerscharmützel um „Zugführer/Triebfahrzeugführer/Lokführer“ in der Verwesungsgrube zu belassen und sich zur Abwechslung mit den wirklich wichtigen Themen der ÖV-Zukunft zu beschäftigen!

Übrigens: Schulzeitstaffelung ist aktuell gesellschaftlich heißest diskutiert.
Kommt nur leider auf DSO nicht vor, weil die behäbigen Platzhirsche das Thema nicht drauf haben und die einschlägigen Trolle ohnehin nur an der medialen Zersetzung des ÖV-Bestandes „arbeiten“ – mit dem Dolch in der Hand :-(

„Schöne Neue Welt“…

Grüße
Pinne46

Dieser Prof.:

geschrieben von: Mw

Datum: 10.10.20 15:38

>>Zur Person: Prof. Dr. Stephan Herminghaus
Prof. Dr. Stephan Herminghaus, geb. am 23. Juni 1959 in Wiesbaden, ist Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Er studierte Physik in Mainz, arbeitete in San José (USA), habilitierte und lehrte an der Uni Koblenz und Uni Ulm. Seit 2003 ist er am MPIDS und zudem Gastprofessor in Paris. Forschungsschwerpunkte sind komplexe Fluide, Kollektive Phänomene und Nichtgleichgewichtssysteme. Er leitet das Forschungsprojekt und -team EcoBus. Herminghaus lebt in Göttingen. (tko)<<

Ausrisszitat aus der verlinkten Seite im Ursprungsthread.

Gruß
Mw

Bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials sind einzelne Fehler oder Unrichtigkeiten nicht gänzlich zu vermeiden (Kursbuch Deutsche Bundesbahn)

Kollektive Phänomene ?

geschrieben von: Georgi

Datum: 10.10.20 15:56

Die gab es in der verflossenen DDR ganz viele. (Brigade Abende,Brigade Ausflüge, Parteiversammlung,Subotnik,Hausordnug,Hausversammlung,Hausfest)u.s.w. :-))Und da forscht der?

P.S. Ach ja. Was issen ne Bus Mafia? Kollektive die KOM fahren?

Schönes Wochenende.:-))
Pinne46 schrieb:
Der EU ist die Verkehrswende schei…egal
Dem Bund ist die Verkehrswende schei…egal
Den Bundesländern ist die Verkehrswende schei…egal
Den Provinzpolitikern ist die Verkehrswende schei…egal
Den Aufgabenträgern ist die Verkehrswende schei…egal
Den Verkehrsunternehmen ist die Verkehrswende schei…egal
Den Infrastrukturbetreibern ist die Verkehrswende schei…egal

Und:

Der Bevölkerungsmehrheit ist die Verkehrswende schei...egal

Sonst würde sie Druck ausüben. Stattdessen wünscht man Radfahrern die Pest an den Hals und ist vermutlich auch willens, für den letzten Tropfen Benzin dereinst an der Tankstelle zu töten.

Busmafia

geschrieben von: Bahn4Future@eclipso.de

Datum: 10.10.20 16:54

Georgi schrieb:
Die gab es in der verflossenen DDR ganz viele. (Brigade Abende,Brigade Ausflüge, Parteiversammlung,Subotnik,Hausordnug,Hausversammlung,Hausfest)u.s.w. :-))Und da forscht der?

P.S. Ach ja. Was issen ne Bus Mafia? Kollektive die KOM fahren?

Schönes Wochenende.:-))
Ein Beispiel, was mit Busmafia gemeint ist wäre z.b. der Busunternehmer, der die Stilllegung der Thüringerwaldbahn in Gotha per Gericht erzwingen wollte um die Strecke mit Bussen zu befahren, ein anderes Beispiel dürfte ein bayrischer Landkreis sein, der seine Zustimmung zur Reaktivierung einer Eisenbahnstrecke wegen "Auswirkungen auf den Busverkehr" verweigert hat und wieder ein anderes Beispiel sind parteiische Gutachter, die Schienenreaktivierungen untersuchen sollen und Busverkehre empfehlen wie jüngst in Bottrop.

Es würde mich nicht wundern, wenn es bei den Stilllegungen der Straßenbahnen vieler westdeutscher Großstädte in der Zeit vor der Wiedervereinigung auch derartige Einflussnahmen von Busunternehmen gab.
Hallo!

Das mit den Schulzeitenstaffelung, bzw. Verlegung des Unterrichtsbeginns, ist gar nicht mal so selten in den letzten Jahren medial gelaufen (hier bei DSO, da gebe ich recht, kaum bis gar nicht). Es hat schon wissenschaftliche Untersuchungen hier gegeben, dass u. a. der Schulbeginn zeitlich nach hinten verschoben werden möge (statt z. B. 7.30 Uhr erst um 9.00 Uhr usw.). Wer da mehr erfahren möchte, nutzt bitte die gängigen Infoquellen.

Zu Herrn Scheuer selbst:

Er hat in seiner bisherigen Amtszeit im Grunde genommen, den Scherbenhaufen seiner Vorgänger übernommen. Dazu dann noch die ganzen Lobbygruppen, die in seine Tätigkeit mit eingreifen. Gestaltungsspielräume hat er daher kaum bis gar keine. Zusätzlich ist zur Zeit ja auch das Mautdebakel Gegenstand eines U-Ausschusses.

Alles weitere muss sich in nächster Zeit zeigen, was noch herauskommt.

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.10.20 17:15.

Re: Busmafia

geschrieben von: SES

Datum: 10.10.20 17:20

Wunderschönen Sonnabend,

Busmafia - siehe auch Gruppe 4 (KOM).

Oder doch lieber BT KOM?

Gerne würde ich den ZDF Mainzelmännchen Gruß wieder geben. Nur leider war ZDF in der Tieflandsbucht scharz-weiß grisselig.
Pinne46 schrieb:
Ungeachtet solcher Effekte halte ich es für dennoch sehr nötig, das Thema „Flächenerschließung“ aufzurufen und vertieft zu diskutieren!

Anders als bei den hier einschlägig bekannten Forums-Querulanten („Flächenerschließung brauchen wir nicht“, “alles nur Milchkannen“, „Rückzug aus das Hauptstreckennetz“, „ich fahre meinen Uralt-Mercedes“ usw.) verkündet, wird am Zusammenwirken
* eines durch gezielte Reaktivierungen bzw. Neubauten auszudehnenden und insgesamt dichter zu befahrenden Eisenbahnnetzes als Rückgrat des ÖVs
* letztlich auch das Wohl bzw. Wehe der finanzierungstechnisch durchgepäppelten Bus-„Netze“ hängen.
Lustig, da mockierst du dich über die "finanzierungstechnisch durchgepäppelten Busnetze" forderst aber gleichzeitig Bahnstrecken in der Fläche. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Ich will dir aber mal zugute halten, dass du sicher nicht weißt was ÖV kostet. Der Vergleich Bus - Zug geht da rein operativ zumeist pro Bus aus, es sei denn es geht um große Fahrgastmengen. Genau die erreicht man in der Fläche nicht. Dazu kommt, dass man nie die Flächenerschließung von Bussen erreicht.

Scheuer muss weg

geschrieben von: traktionsumrichter

Datum: 10.10.20 19:33

Scheuer ist nach dem Mautdebakel überhaupt nicht mehr tragbar. Er hat eine halbe Milliarde an Steuergelder verprasselt und schert sich einen Dreck um die Verkehrswende. Am besten sollte man das Verkehrsministerium mit Herrn Gastel von den Grünen besetzen, damit es mit unserer Verkehrsinfrastruktur endlich wieder bergauf geht.

Re: Scheuer muss weg

geschrieben von: Mw

Datum: 10.10.20 19:40

traktionsumrichter schrieb:
Scheuer ist nach dem Mautdebakel überhaupt nicht mehr tragbar. Er hat eine halbe Milliarde an Steuergelder verprasselt und schert sich einen Dreck um die Verkehrswende. Am besten sollte man das Verkehrsministerium mit Herrn Gastel von den Grünen besetzen, damit es mit unserer Verkehrsinfrastruktur endlich wieder bergauf geht.
Was besseres kam (fast) nie nach.

Gruß
Mw

Bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials sind einzelne Fehler oder Unrichtigkeiten nicht gänzlich zu vermeiden (Kursbuch Deutsche Bundesbahn)
MrEnglish schrieb:


Ich will dir aber mal zugute halten, dass du sicher nicht weißt was ÖV kostet. Der Vergleich Bus - Zug geht da rein operativ zumeist pro Bus aus, es sei denn es geht um große Fahrgastmengen. Genau die erreicht man in der Fläche nicht. Dazu kommt, dass man nie die Flächenerschließung von Bussen erreicht.
Hallo,

deswegen sollte es ja auch nicht heißen Zug oder Bus, sondern beides aufeinander abgestimmt.
Fakt ist, das die Bahn in den meisten Fällen, wenn die Strecke ordentlich ausgebaut ist, schneller als der Bus ist. Das konnte ich bisher bei jedem Schienenersatzverkehr erleben.

Re: Scheuer muss weg

geschrieben von: 41 052

Datum: 10.10.20 21:04

Moin.

Das sehe ich genau so.

Hat er als Minister damals nicht auch geschworen (u.a.) "Schaden vom ........ fern zu halten"?
Knapp 550 Millionen scheinen in diesem Fall nur Peanuts zu sein. Der Steuerzahler zahlt ja.
Wenn ein kleiner Beamter sich auch nur eine Kleinigkeit daneben benimmt, läuft sofort das "volle Programm".
Aber in den Region, weiter oben, spielt das scheinbar keine Rolle mehr.
Ohne wenn und aber:
Die Urväter dieser Maut sitzen nach wie vor warm und trocken.
Mit der Bahn hatte in der letzten Zeit kein Verkehrsminister was am Hut.
Außer:
Es galt sich Medienwirksam beim "Bändchen durchschneiden" zu präsentieren, und die dabei üblichen Sprüche los zu lassen.

Bis dann!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.10.20 21:49.
Hallo,

vorweg: ich mag Andreas Scheuer auch nicht.
Aber bevor ihr ihn hier in Bausch & Bogen verdammt, dann denkt daran, dass in den vergangenen Jahren gewaltige Summen in die Bahn, wenngleich meist nur in die DB AG, geflossen sind. Leider wissen die meisten Scheuer-Basher mit Begriffen wie "LuFV-Mittel-Erhöhung" nicht viel anzufangen, obwohl es da um Milliarden geht. Oder denkt an die genehmigungsrechtliche Vereinfachung bei der Elektrifizierung von Bahnstrecken (statt wie bisher nur bei der Elektrifizierung von Straßen). Oder die Töpfe/Förderprogramme für Corona-Rettungen, für Gleisanschlüsse... Oder kennt ihr das? Auch, wenn es keine Loknummer oder die letzte 120 bei DB Fernverkehr ist?
[www.bundesrat.de]

Maut hin, bahnpolitische Überzeugung her. Aber er hat für die Eisenbahn so viel Kohle locker gemacht wie lange keiner vor ihm.

Heiko

http://www.desiro.net/Signatur-Streik.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.10.20 22:20.
Pinne46 schrieb:Zitat:
Ungeachtet solcher Effekte halte ich es für dennoch sehr nötig, das Thema „Flächenerschließung“ aufzurufen und vertieft zu diskutieren!
Das ist natürlich ein umfagreiches Vorhaben. und ich weiß nur ansatzweise, wie das auf DSO gehen könnte.
Für mich - ich bin vor allem sehr aktiv im ADFC - ist es grundsätzlich immer ein sehr gewinnbringender Ansatz,
bestehende und erfolgreiche, etablierte Modelle zu betrachten. Ggf. 1:1 zu kopieren oder anzupassen an besondere Gegebenheiten.
Wie macht es die Schweiz auf diesem Gebiet ? Wo gibt es (halbwegs vergleichbare) Regionen auf der Welt, wo es schon passabel
läuft ?
Natürlich ist Deutschland in verschiedener Hinsicht "besonders" (autoaffin) und ohne die massive Weichenstellung durch Politik
auf allen Ebenen ist da kaum etwas durchzusetzen.
Die Niederlande sind ein ähnlich "autoverseuchtes" Land gewesen wie Deutschland - bis man eines Tages einen deutlichen Kurswechsel vollzogen hat.
Ob so etwas politisch bei uns mehrheitsfähig ist ?
Die Wahlergebnisse bei den jüngsten Kommunalwahlen in NRW stimmen mich nachdenklich....

Eine Wende setzt entsprechende Player in der Politik und Wahlergbnisse voraus....

Ein sehr weites Feld.....



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.10.20 22:12.

Re: Scheuer pumpte Milliarden in die (Deutsche) Bahn

geschrieben von: andreas +

Datum: 11.10.20 01:32

Der Zeuge Desiros schrieb:
... denkt daran, dass in den vergangenen Jahren gewaltige Summen in die Bahn, wenngleich meist nur in die DB AG, geflossen sind. ...

Maut hin, bahnpolitische Überzeugung her. Aber er hat für die Eisenbahn so viel Kohle locker gemacht
Ja, mag sein, aber viel (Steuer-)Geld ausgeben allein hilft nicht. Helmut Kohl sagte mal "es kommt darauf an, was hinten 'rauskommt". Und da sieht's bei Scheuer und Deutscher Bahn schlecht aus. (Man schaue mal auf Stuttgart 21; für arg viel Geld wird ein Bahnhof mit 16 Bahnsteiggleisen zu einem mit lediglich 8 Bahnsteiggleisen zurückgebaut, und das dann als großartige Modernisierung angepriesen).

Re: Dieser Prof.:

geschrieben von: Gt2x4/4

Datum: 11.10.20 07:29

Mw schrieb:
>>Zur Person: Prof. Dr. Stephan Herminghaus
Prof. Dr. Stephan Herminghaus, geb. am 23. Juni 1959 in Wiesbaden, ist Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Er studierte Physik in Mainz, arbeitete in San José (USA), habilitierte und lehrte an der Uni Koblenz und Uni Ulm. Seit 2003 ist er am MPIDS und zudem Gastprofessor in Paris. Forschungsschwerpunkte sind komplexe Fluide, Kollektive Phänomene und Nichtgleichgewichtssysteme. Er leitet das Forschungsprojekt und -team EcoBus. Herminghaus lebt in Göttingen. (tko)<<

Ausrisszitat aus der verlinkten Seite im Ursprungsthread.

Gruß
Mw
Schön.

Hoffentlich weiß der Herr Professor auch, wer für die Entlassung von Bundesministern zuständig ist.

.

Re: Scheuer pumpte Milliarden in die (Deutsche) Bahn

geschrieben von: Marienfelde

Datum: 11.10.20 08:53

Der Zeuge Desiros schrieb:
Hallo,

vorweg: ich mag Andreas Scheuer auch nicht.
Aber bevor ihr ihn hier in Bausch & Bogen verdammt, dann denkt daran, dass in den vergangenen Jahren gewaltige Summen in die Bahn, wenngleich meist nur in die DB AG, geflossen sind. Leider wissen die meisten Scheuer-Basher mit Begriffen wie "LuFV-Mittel-Erhöhung" nicht viel anzufangen, obwohl es da um Milliarden geht. Oder denkt an die genehmigungsrechtliche Vereinfachung bei der Elektrifizierung von Bahnstrecken (statt wie bisher nur bei der Elektrifizierung von Straßen). Oder die Töpfe/Förderprogramme für Corona-Rettungen, für Gleisanschlüsse... Oder kennt ihr das? Auch, wenn es keine Loknummer oder die letzte 120 bei DB Fernverkehr ist?
[www.bundesrat.de]

Maut hin, bahnpolitische Überzeugung her. Aber er hat für die Eisenbahn so viel Kohle locker gemacht wie lange keiner vor ihm.

Heiko
Vorab: Scheuer ist insbesondere wegen des Maut-Desasters seit längerer Zeit untragbar, und es spricht sehr gegen die Bundesregierung, an so einer Person festzuhalten. Wenn er an den Unfug, den er zur Maut verbreitet, auch noch selbst glaubt, mag ihn dies natürlich entlasten.

Die im Link nachlesbare Erhöhung der Regionalisierungsmittel ist selbstverständlich bekannt, und sie ist sicher ein erfreulicher Ausdruck langsamer politischer Umorientierungsprozesse.

Dem SPNV wird (bei aller Kritik auch dank der positiven Entwicklung seiner Fahrgastzahlen) wieder ein größeres Gewicht beigemessen - einen gewissen Anteil an diesem Erfolg können sich auch Leute wie wir kollektiv zuschreiben.

Zur eigentlichen Frage: Wie können wir ein wirklich flächendeckendes Grundangebot im ÖPNV in unserem Land erreichen? Wenige Gedanken dazu:

1. Die föderalen Strukturen insbesondere beim für den Flächenaufschluß prädestinierten Bus sind für "eine bundesweite Lösung" dieser Frage sicherlich nicht sehr förderlich. Immerhin dürften die Verbünde zu einer tendenziellen Angleichung der Fahrpreise geführt haben.

2. Positiv ist sicher auch die Tendenz, überall Nahverkehrspläne zu entwickeln - die Beschäftigung der Politik mit dem Thema ÖV, die hier zum Ausdruck kommt, ist auch ein Fortschritt, und sie eröffnet über die damit verbundenen Diskussionsprozesse Chancen für "unsere Leute" vor Ort, sich für bessere Standards einzusetzen.

3. Vielleicht ein "externes Beispiel": Die ökonomische Stellung der Frau war in der DDR bekanntlich besser als in der "Alt-BRD" (höhere Erwerbsarbeitsquote, geringere ökonomische Abhängigkeit vom Mann, bescheidene Ansätze zur Frauenförderung, als dieses Wort noch ungebräuchlich war).

Im Gefolge der auch durch die "Einheit" verbundenen gesellschaftlichen Umbrüche gelang es, einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz gesetzlich zu verankern. Dieser Rechtsanspruch hat zu sehr deutlichen Veränderungen in der diesbezüglichen Kommunalpolitik besonders in den westdeutschen Flächenländern geführt - insgesamt ist ein Bemühen erkennbar, den gesetzlichen Anspruch auch zu verwirklichen.

4. Aus 3. würde ich schlußfolgern: Gelänge es, auch ein einklagbares "Recht auf ÖV" zu verankern (auf die Schnelle habe ich die entsprechenden Bestimmungen in Schweizer Kantonen natürlich nicht gefunden, wie immer in solchen Fällen), würde ein sehr großer politischer Handlungsdruck in unserem Sinne aufgebaut werden.

Gelänge es, so ein Gesetz politisch durchzusetzen, wäre die Saat für eine Mobilitätswende, die diesen Namen verdient, gelegt.

Allseits einen schönen Sonntag wünscht Euch
Marienfelde

Re: Scheuer muss weg

geschrieben von: silvestergm

Datum: 11.10.20 08:59

Ha, ha, ha....selten so gelacht.

Dessen Wein ich trink, dessen Lied ich sing.

Wie war das damals als die Grünen in den Bundestag in Bonn zogen? Fahrradständer mußten her, weil die neuen Politiker die Möglichkeit haben wollten mit dem Rad zum Bundestag zu kommen. Leider sind die bis zum Umzug nach Berlin immer Jungfräulich geblieben. Dann haben die Grünen mal eben eine Dienstlimousine von (glaube) Frankfurt nach Hamburg geschickt um Champagner zu holen für ihr Parteifest.

Aber zur Ehrenrettung muß ich sagen das die Grünen schon einiges in der Republik zum positiven für die Umwelt getan und ein anderes denken initiiert haben. Aber die sind nicht die Heilsbringer, wie sie sich gerne darstellen.



Der Westfale im Rheinland.
Dein Schreibstil gleicht einzig einem Pinne-Stuhlgang nach zu viel Grünkohl.

Gruß, Olaf

(,“)
< />
_/\_
Was ist eigentlich eine Frau: Eine Frau ist ein Raum-Zeit-Kraftwerk, welches gigantische kinetische Energien aufbringt, ihre wahren Maße im Raum zu verbergen oder zu ihrem Vorteil zu krümmen - das machen die.
(Bernhard Hoecker in einer Harald Lesch-Parodie)
Radiowaves schrieb:
Und:

Der Bevölkerungsmehrheit ist die Verkehrswende schei...egal

Sonst würde sie Druck ausüben. Stattdessen wünscht man Radfahrern die Pest an den Hals und ist vermutlich auch willens, für den letzten Tropfen Benzin dereinst an der Tankstelle zu töten.
Ich fürchte, damit hast Du die eigentliche Wurzel des Übels auf den Punkt gebracht. Alles andere sind im wesentlichen 'Folgeschäden'.
Kann man auch sehr schön an dem Verhältnis derjenigen ablesen, die sich vor Ort für Reaktivierungen oder Taktverdichtungen wirklich einsetzen. Gründet wer eine 'Dagegen'- BI hat die sofort 10x soviele Mitglieder.
Problem ist, dass das leider nicht so einfach zu ändern ist.

Re: Busmafia

geschrieben von: Henra

Datum: 11.10.20 10:49

Bahn4Future@eclipso.de schrieb:
Ein Beispiel, was mit Busmafia gemeint ist wäre z.b. der Busunternehmer, der die Stilllegung der Thüringerwaldbahn in Gotha per Gericht erzwingen wollte um die Strecke mit Bussen zu befahren, ein anderes Beispiel dürfte ein bayrischer Landkreis sein, der seine Zustimmung zur Reaktivierung einer Eisenbahnstrecke wegen "Auswirkungen auf den Busverkehr" verweigert hat und wieder ein anderes Beispiel sind parteiische Gutachter, die Schienenreaktivierungen untersuchen sollen und Busverkehre empfehlen wie jüngst in Bottrop.

Es würde mich nicht wundern, wenn es bei den Stilllegungen der Straßenbahnen vieler westdeutscher Großstädte in der Zeit vor der Wiedervereinigung auch derartige Einflussnahmen von Busunternehmen gab.
Da bin ich mir auch sehr sicher. Zu den Zeiten der großen PV- Stillegungswellen der alten Bundesbahn haben die örtlichen Busunternehmer auch immer gut Lobby für die Tötung der Bahn gemacht. Der Bus ist kein Freund der Bahn. Da leben viele örtliche Busunternehmer sehr gut von. Und die wollen vor allem die 'Bahntauglichen' Strecken fahren, weil da genug Aufkommen ist, um Geld zu verdienen. Die feinmaschige Flächenerschließung querab der Verkehrsströme nach Kleinkleckersdorf&Co ist dagegen für sie wenig erstrebenswert. Das wird allenfalls lieblos mitgemacht. Oder man verweist auf ASTs.

Danke

geschrieben von: Georgi

Datum: 11.10.20 11:35

An Pinne46,Bahn4Future@eclipso.de,SES und Henra für eute Erklärung.

Schönen Sonntag.
Woher Wissen sie ob Pinne46 Grünkohl isst? Isst er überhaupt welchen? Und wenn! Haben sie auf der Toilette nachgeschaut wie der Stuhl aussieht?

Also! Fragen über Fragen!

Schönen Sonntag.
Wie können wir ein wirklich flächendeckendes Grundangebot im ÖPNV in unserem Land erreichen?

Ich fürchte dieses geschaffene Grundangebot würde immer noch wenig Leute vom Auto abziehen, selbst wenn der Bus alle 60 Minuten übers kleine Dorf kommt oder alle 30 Minuten durch die Kleinstadt kurvt. Eben weil das individuelle Ziel doch wieder zu weit abliegen kann, egal von welcher Haltestelle aus betrachtet. Man wird die Buslinien auf den Marktplatz, das Krankenhaus und den Bahnhof ausrichten. Die Arbeitsstelle, der Zahnarzt, der Supermarkt, der Schrebergarten werden aber doch wieder zu weit abseits liegen. Und ich kann von meiner eigenen werktäglichen Pendelei berichten, daß allein zwei Umsteigevorgänge und die resultierenden Wartezeiten fast so viel Zeit kosten können wie die direktr Autofahrt, führe ich mit dem Wagen zur Arbeit (25 min Autofahrt zu 18 Minuten Netto-Wartezeit). Und das, obwohl Bus und Bahn hier alle 10 Minuten kommen. Aber ich muß quer fahren und nicht ins Zentrum. Und diesen Effekt gibt es auch von allen Dörfern aus.

Noch krasser sind Geschichten von Kollegen, die mal ÖPNV-Selbstversuche gemacht haben und aus kleinen Vororten von Düsseldorf oder Bonn nach Köln hinein kommen. Das sind trotz voller Autobahnen galaktische Zeitunterschiede. Nun wird man aber nicht Direktbusse aus 500 kleinen vorgelagerten Vorort-Dörfern aus den Bezirken Aachen, Mönchengladbach, Euskirchen, Wuppertal, Leverkusen, Düsseldorf ...and so on... in dieses eine Kölner Gewerbegebiet organisieren können. Nebenbei gäbe es da noch unzählige weitere ähnliche Gewerbegebiete und das alles auch noch in der Gegen- und überhaupt in jede Himmelsrichtung.

Bleiben für mich also die Fragen, warum zu viele Menschen überhaupt von so weit draußen einpendeln müssen (Stichwort unbezahlbarer Wohnraum in den Metropolen, Verdrängung von Familien und Kleinverdienern) und dann auch gewisse individuelle Bequemlichkeiten (Mutter fährt Kinder innerorts im Auto zur Schule oder zum Sport statt denen ein Fahrrad in die Hand zu drücken).

Daher meine ich braucht es

- P&R-Stellplätze für Pkw-Pendler vom einsamen Dorf, die ab dem nächstgelegenen Bahnhof mit dem Zug in die Stadt fahren
- P&R-Stellplätze für Pendler von außerhalb vor den Toren großer Städte, von wo aus Bahnen (Regio, U/S-Bahn, Tram, Bus) im guten Takt in die Städte hinein befördert werden
- saubere, gesicherte Fahrradstellplätze (und -parkhäuser) an Bahnhöfen auch kleinerer Städte nach niederländischem Vorbild
- mehr breite Fahrradspuren, damit eine Familie auch mal per Velo und Fahrradanhänger den Wochenendeinkauf vom Supermarkt holen kann statt das Auto zu nehmen
- Versorgungsmärkte besser verteilen statt wie leider oft zu beobachten diese an wenigen Stellen (weil schön autogerecht!) zu konzentrieren, damit die Wege für die Bürger kürzer sind und man auch mal wieder zu Fuß mit einem Trolley einkaufen gehen kann statt das Auto zu nehmen
- attraktive Jobtickets anbieten
- dörfliche Infrastrukturen fördern, damit man auch für kleine Besorgungen nicht immer in den nächst größeren Ort fahren muß

Ein weites Stück hin zu einer spürbaren Verkehrswende wäre aber geschafft, wenn man den hemmungslosen Warengütertransport per Lkw quer durch ganz Europa eindampfen würde: Es muß kein Mineralwasser von Italien nach Schweden, keine Butter aus Irland nach Kroatien und kein Joghurt aus Österreich nach NRW gekarrt werden. Und es braucht auch keinen Göttinger Großbäcker, der zweimal täglich Brötchen und Kuchen über die Autobahn nach Hannover schaufelt - die Hannoveraner können sicher selber gut backen. Der Straßen-Lastenverkehr ist viel zu billig.

Aber generell wird keiner von uns einen idealen Generalplan präsentieren können. Auch nicht solche Foristen, die in jedem zweiten Satz mindestens einen Kraftausdruck verwenden.

Gruß, Olaf

(,“)
< />
_/\_
Was ist eigentlich eine Frau: Eine Frau ist ein Raum-Zeit-Kraftwerk, welches gigantische kinetische Energien aufbringt, ihre wahren Maße im Raum zu verbergen oder zu ihrem Vorteil zu krümmen - das machen die.
(Bernhard Hoecker in einer Harald Lesch-Parodie)

Re: Scheuer muss weg

geschrieben von: Früherwarallesbesser

Datum: 11.10.20 11:58

Er hat geschworen, Schaden von der deutschen Autoindustrie fernzuhalten.

Re: Scheuer pumpte Milliarden in die (Deutsche) Bahn

geschrieben von: Henra

Datum: 11.10.20 12:10

Alibizugpaar schrieb:
Ein weites Stück hin zu einer spürbaren Verkehrswende wäre aber geschafft, wenn man den hemmungslosen Warengütertransport per Lkw quer durch ganz Europa eindampfen würde:
Da ist ganz viel Wahres dran!!!

Schulzeitstaffelungen - Willkommen in deiner Blase

geschrieben von: Rostocker1989

Datum: 11.10.20 12:30

Pinne46 schrieb:
Übrigens: Schulzeitstaffelung ist aktuell gesellschaftlich heißest diskutiert.
Kommt nur leider auf DSO nicht vor, weil die behäbigen Platzhirsche das Thema nicht drauf haben und die einschlägigen Trolle ohnehin nur an der medialen Zersetzung des ÖV-Bestandes „arbeiten“ – mit dem Dolch in der Hand :-(
Den Punkt fand ich sehr interessant. Das Thema ist mir gefühlt ewig nicht mehr begegnet.
Test in der großen Suchmaschine: Auf der ersten Seite bekomme ich genau 1 Ergebnis aus diesem Jahr angezeigt.
Test in Nachrichtensuchpartal der großen Suchmaschine: Recht wenig Ergebnisse und, was auffällt: NRW, NRW, NRW, ..., NRW, Bayern.

Fazit: Ein Thema, das medial so gut wie gar nicht stattfindet und auch das bisschen nur im tiefen Westen.
Der Verdacht liegt daher nahe, dass du entwender von den Sozialen Medien eine entsprechende Blase bereitgestellt bekommst, in der dies ein heißes Thema ist oder / und du dich gesellschaftlich in einem Umfeld bewegst, das sich mit diesem Thema intensiv befasst.
"Aktuell gesellschaftlich heißest diskutiert" ist da aber trotzdem (leider?) nichts.

Grüße
E.S.

Re: Scheuer muss weg

geschrieben von: Null2

Datum: 11.10.20 13:03

"Wenn ein kleiner Beamter sich auch nur eine Kleinigkeit daneben benimmt, läuft sofort das "volle Programm"."

Herr Scheuer ist nun mal kein Beamter, also nicht vergleichbar.

"Es gehört nicht zum Begriff der Demokratie, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen"
Carlo Schmid (SPD) 1948

„Si vis pacem para bellum“ Marcus Tullius Cicero
Eurocity341 schrieb:
Zu Herrn Scheuer selbst:

Er hat in seiner bisherigen Amtszeit im Grunde genommen, den Scherbenhaufen seiner Vorgänger übernommen. Dazu dann noch die ganzen Lobbygruppen, die in seine Tätigkeit mit eingreifen. Gestaltungsspielräume hat er daher kaum bis gar keine.
Die Auftragsvergabe an die Mautfirmen hätte er ganz sicher bis zum Gerichtsurteil aufschieben können.

500 Mio. ausgeben, solange die Gegenleistung noch von einem gerichtlichen Verbot bedroht ist, sollte nicht in einem Untersuchungsausschuß sondern von der Strafjustiz behandelt werden.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.10.20 16:55.

Re: Scheuer muss weg

geschrieben von: kmueller

Datum: 11.10.20 14:14

Null2 schrieb:
"Wenn ein kleiner Beamter sich auch nur eine Kleinigkeit daneben benimmt, läuft sofort das "volle Programm"."

Herr Scheuer ist nun mal kein Beamter, also nicht vergleichbar.
Das Strafrecht gilt auch für Minister. Dagegen immun sind nur Kaiser.

Qualitätsjournalismus ?

geschrieben von: BOS

Datum: 11.10.20 14:17

Alle die hier den Daumen nach unten drehen, sollten sich mal fragen aufgrund welcher Informationen sie das tun?

Ich frage mich schon lange warum der Minister nicht alles offen darlegt? Vielleicht haben ja beiden Seiten Recht?

Da hier ja ein munteres Rätselraten herrscht, darf ich ja wohl auch mitmachen?! Wie wäre es denn wie folgt: Bei den bekannten Summen sind ja Nachlässe auch im kleineren Prozentbereich nicht zu verachten. Und wenn der Minister hier bei schnellst möglichem Vertragsabschluß 3 oder 5 oder vielleicht sogar noch mehr Prozent einsparen konnte, dann ist es natürlich so, dass die Industrie hier gerne bereit war, den Vertragsabschluß nach hinten zu verschieben, wegen der EU usw und der Minister die Großwetterlage aber anders wahrgenommen hat, bsw das man in Brüssel anders entschieden hätte, bei vorhandenem Vertragsabschluß ? Gut, die Sache ist wie bekannt ausgegangen und der Andi hat sich verzockt. Hat er das wirklich? Oder ist er in eine Falle getappt?
Wo liegt eigentlich das Problem im System?
Wenn ich mit dem Auto losfahre bin ich über kurz oder lang jenseits unserer Grenzen nicht nur (auch) Ausländer, ich muß auch ganz schön tief in die eigene Tasche greifen will ich auf schnellstem Weg durch Frankreich oder bsw auch durch die Schweiz oder Österreich fahren!
Wie haben die das denn hinbekommen, dass das so (einfach) hingenommen wird und man in Deutschland überall "frei" fahren kann?
So doof wie hier die Politiker dargestellt werden, so doof können die nicht sein!
Ich würde mich daher hüten, aufgrund von journalistischen (ideologischen) Ergüssen, hier in den Foren meine Daumen in der einen wie in der anderen Form zu gebrauchen.
Ganz ehrlich, mir gibt der Andi auch mehr Rätsel auf als das er Lösungen anbietet ( jedenfalls nach mir bekannter Quellenlage) aber ich bewundere auch seinen Mut, bei der bekannten Situation überhaupt so ein Amt anzunehmen. Deutschland wird seit vielen Jahren immer unregierbarer und wieviele gut gemeinte Aktionen sind schon gescheitert, weil überall die "Kriegsgewinnler", also die Lobbyisten ihre klebrigen Finger im Spiel haben.?
Früher war das noch in einer Größenordung der Fall, da habe ich geglaubt, dass bei dem Spiel immer 2 dazugehören. Heute hat das alles einen Umfang angenommen, da ist soviel Geld im Einsatz, dass es mir geboten erscheint, dass die Politik, auch zum Selbstschutz, die Gesetzeslage so verändern muß, das jedermann erkennen kann, wer mit wieviel Einsatz seine Interessen durchzusetzen versucht.
Wir brauchen zu allererst nicht den gläsernen kleinen Mann, sondern wir brauchen schnellstmöglich eine "gläserne Politik", sonst ist es aus mit der Demokratie in diesem Land !
Jeder Mensch ist käuflich und heute sind derart gewaltige Geldmengen im Umlauf, dass es einen nur so graust.
Und der Andi macht zur Zeit nicht den Eindruck als wolle er nur für sich Gewinn aus seinem Job ziehen.
Da steckt was ganz anderes dahinter!?
Denkt mal darüber nach.

Mit Gruß von
Unterwegs
BOS

Wenn die GUTEN nichts tun - gehört die Welt den BÖSEN

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, sucht Gründe.

Woher Wissen sie ob Pinne46 Grünkohl isst?

Erkennt man am müffelnden Schreibstil. War mir direkt in Zeile 3 mit der unterstellten 'Busmafia' klar in welche Richtung das schon wieder abrutscht. Busse sind kein Teufelszeug, ohne sie würde kaum was gehen. Und die Schiene allein ist kein Allheilmittel.

Gruß, Olaf

(,“)
< />
_/\_
Was ist eigentlich eine Frau: Eine Frau ist ein Raum-Zeit-Kraftwerk, welches gigantische kinetische Energien aufbringt, ihre wahren Maße im Raum zu verbergen oder zu ihrem Vorteil zu krümmen - das machen die.
(Bernhard Hoecker in einer Harald Lesch-Parodie)

Re: Scheuer muss weg

geschrieben von: Null2

Datum: 11.10.20 15:20

kmueller schrieb:
Null2 schrieb:
"Wenn ein kleiner Beamter sich auch nur eine Kleinigkeit daneben benimmt, läuft sofort das "volle Programm"."

Herr Scheuer ist nun mal kein Beamter, also nicht vergleichbar.
Das Strafrecht gilt auch für Minister. Dagegen immun sind nur Kaiser.
Jo, schnack nur weiter.
Vor dem Schreiben erst mal lesen und verstehen.

"Es gehört nicht zum Begriff der Demokratie, dass sie selbst die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen"
Carlo Schmid (SPD) 1948

„Si vis pacem para bellum“ Marcus Tullius Cicero

Ah Ha!

geschrieben von: Georgi

Datum: 11.10.20 15:22

Gegen eine "Bus Mafia". Hm!(Gebe zu ein Verunglückter Begriff) deshalb weiter oben die Frage was eine "Bus Mafia" ist. Nun schrieb Pinne46 aber gar nicht gegen Busse.Sondern nur gegen Busunternehmer die ihre Marktmacht stärken wollen. Dagegen ist doch nichts einzuwenden. Verstehe nicht das man da gleich ins grüne abgleitet. Vor allem sollte man den Grünkohl genießen. Und andere Meinungen... Na lassen wir das! Ist halt DSO.

Schönen Sonntag noch.
MrEnglish schrieb:
Pinne46 schrieb:
Ungeachtet solcher Effekte halte ich es für dennoch sehr nötig, das Thema „Flächenerschließung“ aufzurufen und vertieft zu diskutieren!

Anders als bei den hier einschlägig bekannten Forums-Querulanten („Flächenerschließung brauchen wir nicht“, “alles nur Milchkannen“, „Rückzug aus das Hauptstreckennetz“, „ich fahre meinen Uralt-Mercedes“ usw.) verkündet, wird am Zusammenwirken
* eines durch gezielte Reaktivierungen bzw. Neubauten auszudehnenden und insgesamt dichter zu befahrenden Eisenbahnnetzes als Rückgrat des ÖVs
* letztlich auch das Wohl bzw. Wehe der finanzierungstechnisch durchgepäppelten Bus-„Netze“ hängen.
Lustig, da mockierst du dich über die "finanzierungstechnisch durchgepäppelten Busnetze" forderst aber gleichzeitig Bahnstrecken in der Fläche. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Ich will dir aber mal zugute halten, dass du sicher nicht weißt was ÖV kostet. Der Vergleich Bus - Zug geht da rein operativ zumeist pro Bus aus, es sei denn es geht um große Fahrgastmengen. Genau die erreicht man in der Fläche nicht. Dazu kommt, dass man nie die Soweit die Flächenerschließung von Bussen erreicht.
Soweit die Allgemeinsätze der Theorie aus den 70er Jahren. Jdoch lohnt es sich an einzelnen Beispielen genau mit ehrlichen Zahlen der Kalkulation nachzurechnen. Und da wird man schnell feststellen, dass der Busverkehr für diesselbe Anzahl an Fahrgästen bei gleichem Komfort und gleicher Reisezeit gar nicht so viel billiger sein muss, wie es auch heutzutage in der Branche gern behauptet wird.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.10.20 16:34.

Re: Qualitätsjournalismus ?

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 11.10.20 16:31

BOS schrieb:
Alle die hier den Daumen nach unten drehen, sollten sich mal fragen aufgrund welcher Informationen sie das tun?

Ich frage mich schon lange warum der Minister nicht alles offen darlegt? Vielleicht haben ja beiden Seiten Recht?

Da hier ja ein munteres Rätselraten herrscht, darf ich ja wohl auch mitmachen?! Wie wäre es denn wie folgt: Bei den bekannten Summen sind ja Nachlässe auch im kleineren Prozentbereich nicht zu verachten. Und wenn der Minister hier bei schnellst möglichem Vertragsabschluß 3 oder 5 oder vielleicht sogar noch mehr Prozent einsparen konnte, dann ist es natürlich so, dass die Industrie hier gerne bereit war, den Vertragsabschluß nach hinten zu verschieben, wegen der EU usw und der Minister die Großwetterlage aber anders wahrgenommen hat, bsw das man in Brüssel anders entschieden hätte, bei vorhandenem Vertragsabschluß ? Gut, die Sache ist wie bekannt ausgegangen und der Andi hat sich verzockt. Hat er das wirklich? Oder ist er in eine Falle getappt?
Wo liegt eigentlich das Problem im System?
Wenn ich mit dem Auto losfahre bin ich über kurz oder lang jenseits unserer Grenzen nicht nur (auch) Ausländer, ich muß auch ganz schön tief in die eigene Tasche greifen will ich auf schnellstem Weg durch Frankreich oder bsw auch durch die Schweiz oder Österreich fahren!
Wie haben die das denn hinbekommen, dass das so (einfach) hingenommen wird und man in Deutschland überall "frei" fahren kann?
So doof wie hier die Politiker dargestellt werden, so doof können die nicht sein!
Ich würde mich daher hüten, aufgrund von journalistischen (ideologischen) Ergüssen, hier in den Foren meine Daumen in der einen wie in der anderen Form zu gebrauchen.
Ganz ehrlich, mir gibt der Andi auch mehr Rätsel auf als das er Lösungen anbietet ( jedenfalls nach mir bekannter Quellenlage) aber ich bewundere auch seinen Mut, bei der bekannten Situation überhaupt so ein Amt anzunehmen. Deutschland wird seit vielen Jahren immer unregierbarer und wieviele gut gemeinte Aktionen sind schon gescheitert, weil überall die "Kriegsgewinnler", also die Lobbyisten ihre klebrigen Finger im Spiel haben.?
Früher war das noch in einer Größenordung der Fall, da habe ich geglaubt, dass bei dem Spiel immer 2 dazugehören. Heute hat das alles einen Umfang angenommen, da ist soviel Geld im Einsatz, dass es mir geboten erscheint, dass die Politik, auch zum Selbstschutz, die Gesetzeslage so verändern muß, das jedermann erkennen kann, wer mit wieviel Einsatz seine Interessen durchzusetzen versucht.
Wir brauchen zu allererst nicht den gläsernen kleinen Mann, sondern wir brauchen schnellstmöglich eine "gläserne Politik", sonst ist es aus mit der Demokratie in diesem Land !
Jeder Mensch ist käuflich und heute sind derart gewaltige Geldmengen im Umlauf, dass es einen nur so graust.
Und der Andi macht zur Zeit nicht den Eindruck als wolle er nur für sich Gewinn aus seinem Job ziehen.
Da steckt was ganz anderes dahinter!?
Denkt mal darüber nach.
Also es ist ja nicht verboten mal seinen gesunden Menschenverstand einzusetzen und darum will ich das im Bezug auf deine Ausführungen mal machen. Welchen Grund sollte es für Scheuer geben solche entlastenden Informationen zurückzuhalten? Es kam aber nur der Hinweis darauf, dass man die Einführung verschieben hätte müssen und dadurch Einnahmeverluste entstanden wären. Ignorieren wir mal, dass das gar nicht stimmt, weil diese Maut unter dem Strich mehr gekostet als sie eingebracht hätte. Die Einnahmeverluste hätten auch die Unternehmen getroffen die dennoch empfohlen haben zu warten.

Warum du im Ausland zahlen musst ist ganz einfach. In anderen Ländern hat man die nicht ausschließlich deswegen eingeführt um damit rechte Stammtischwähler zufrieden zu stellen die ihren Mangel an Selbstbewusstsein durch SUVs kompensieren. Das war der grundlegende Fehler, man brauchte ein Ausländermaut, und genau die ist nicht zulässig. Das hat auch so ziemlich jeder Experte von Anfang an gesagt. Und ja, daran ist Scheuer nicht Schuld, das haben Dobrindt und Seehofer verbockt. Es ist aber nicht strafbar dumme Gesetze einzubringen. Eine ganz andere Hausnummer ist es aber gegen die explizite Warnung von zahlreichen Experten und sogar der Vertragspartner Verträge zu unterschreiben die ein hohes Risiko für hohe Strafzahlungen bergen. Warum wohl haben die Firmen so hohe Schadensersätze reinverhandelt? Weil sie wussten, dass das schief geht und nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben wollten.
Aber das ist ja nicht mal alles. Der Bundestag hat Scheuer keinen Freibrief erteilt die Maut um jeden Preis einzuführen, es gab einen Kostendeckel von 2 Milliarden Euro. Nachdem die Vergabe aber komplett schief lief und niemand zu dem Preis die notwendige Leistung anbietet wollte hätte Scheuer diese aufheben und sich einen Nachschlag vom Bundestag abholen müssen. Stattdessen hat er aber angefangen zu tricksen und mit einem einzelnen Bieterkonsortium nachverhandelt. Dabei wurde aber nicht einfach der Preis so weit gedrückt, dass es passt, es wurden Leistungen rausgenommen und von Toll Collect übernommen, die praktischerweise gerade verstaatlicht wurde. Dadurch sind die Kosten für die Maut aber nicht auf das genehmigte Niveau gesunken, sondern sie wurden nur teilweise in andere Töpfe verlagert.

Scheuer hat also nicht nur leichtfertig Geld verspielt, er hat auch den Bundestag getäuscht. Das hat für mich nichts mehr mit unfähigem Politiker zu tun, das ist Vorsatz und damit strafbar. Leider wird es aber mal wieder laufen wie immer, der Steuerzahler löhnt und die Politiker werden nicht für ihr Fehlverhalten belangt.
ifra schrieb:
Soweit die Allgemeinsätze der Theorie aus den 70er Jahren. Jdoch lohnt es sich an einzelnen Beispielen genau mit ehrlichen Zahlen der Kalkulation nachzurechnen. Und da wird man schnell feststellen, dass der Busverkehr für diesselbe Anzahl an Fahrgästen bei gleichem Komfort und gleicher Reisezeit gar nicht so viel billiger sein muss, wie es auch heutzutage in der Branche gern behauptet wird.
Das sind keine Allgemeinplätze, das sind Erfahrungswerte aus meinem Job. Ich habe auch nie behauptet, dass der Busverkehr immer billiger ist, aber dazu muss die Nachfrage schon recht hoch sein, damit das billiger wird.
Allerdings stimmt es durchaus, dass oft nicht fair gerechnet wird. Die Ansprüche an den Bahnverkehr sind deutlich höher als beim Busverkehr. Das ändert aber nichts grundlegend an der Feststellung, dass Busse billiger sind.

Re: Verkehrswende: Schnelle Erfolge erwünscht?

geschrieben von: Allberto

Datum: 11.10.20 17:01

Alibizugpaar schrieb:
Wie können wir ein wirklich flächendeckendes Grundangebot im ÖPNV in unserem Land erreichen?

Ich fürchte dieses geschaffene Grundangebot würde immer noch wenig Leute vom Auto abziehen, selbst wenn der Bus alle 60 Minuten übers kleine Dorf kommt oder alle 30 Minuten durch die Kleinstadt kurvt. Eben weil das individuelle Ziel doch wieder zu weit abliegen kann, egal von welcher Haltestelle aus betrachtet. Man wird die Buslinien auf den Marktplatz, das Krankenhaus und den Bahnhof ausrichten. Die Arbeitsstelle, der Zahnarzt, der Supermarkt, der Schrebergarten werden aber doch wieder zu weit abseits liegen. Und ich kann von meiner eigenen werktäglichen Pendelei berichten, daß allein zwei Umsteigevorgänge und die resultierenden Wartezeiten fast so viel Zeit kosten können wie die direktr Autofahrt, führe ich mit dem Wagen zur Arbeit (25 min Autofahrt zu 18 Minuten Netto-Wartezeit). Und das, obwohl Bus und Bahn hier alle 10 Minuten kommen. Aber ich muß quer fahren und nicht ins Zentrum. Und diesen Effekt gibt es auch von allen Dörfern aus.
Wie kann die Verkehrswende gelingen?

In den vergangenen Jahrhunderten waren meist die Städte und städtischen Räume die Gegenden, in denen Kulturgeschichte geschrieben wurde, in denen neue, ungewohnte Dinge ausprobiert wurde, die später Vorbild für den weniger veränderungsbereiten (und -fähigen) ländlichen Raum wurden. Die ländlichen Regionen haben in der Regel an ihren Traditionen festgehalten, und zwar so lange, bis sie von den Erfolgen der Städte profitieren wollten bzw. bis sie die Vorteile auch bei sich umsetzen wollten. (Ausnahmen waren Rohstoffe und Energiezugang für die Industrialisierung, die auch in ländlichen Regionen vorhanden waren bzw. sind. Die Nachfrage dafür kam und kommt meist aus den Städten.)
Ich halte es deshalb für sinnvoll, die Verkehrswende in den Städten zu beginnen. Auf dem Land würde dies ungleich mehr Kosten und Zeit und Energie erfordern. Wenn die Verkehrswende in den Städten funktioniert, kommen die ländlichen Regionen von allein darauf, die Erfolge zu imitieren und die Trial-and-Error-Umwege der Städte zu vermeiden.

Ein flächendeckendes Taktangebot oder Rufbussystem auf dem Land ist aus meiner Sicht nur Ablenkungsmanöver: Durch die ständigen Lösungsversuche für die große, allumfassende und schwierige Lösung werden Zeit, Geld und Energie gebunden, die deshalb nicht in kleine, schnell erfolgversprechende Maßnahmen investiert werden. Irgendwie analog zum Ausbau des Schienennetzes in Deutschland...



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.10.20 17:02.

Re: Qualitätsjournalismus ?

geschrieben von: kmueller

Datum: 11.10.20 17:04

MrEnglish schrieb:
Das war der grundlegende Fehler, man brauchte ein Ausländermaut, und genau die ist nicht zulässig. Das hat auch so ziemlich jeder Experte von Anfang an gesagt. Und ja, daran ist Scheuer nicht Schuld, das haben Dobrindt und Seehofer verbockt. Es ist aber nicht strafbar dumme Gesetze einzubringen. Eine ganz andere Hausnummer ist es aber gegen die explizite Warnung von zahlreichen Experten und sogar der Vertragspartner Verträge zu unterschreiben die ein hohes Risiko für hohe Strafzahlungen bergen. Warum wohl haben die Firmen so hohe Schadensersätze reinverhandelt? Weil sie wussten, dass das schief geht und nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben wollten.
Rechtlich muß man dem Scheuer vorwerfen, daß er bzw. in seiner Amtszeit sein Ministerium diese Konditionen akzeptiert und damit am Ende den Schaden verursacht hat.

Man kann ihm rechtlich nicht vorwerfen, daß er das Ausländermaut-Konzept weiterverfolgt hat. Aber man kann ihm das als Fortsetzung einer politischen Fehlentscheidung auf politischer Ebene vorwerfen, genauso wie seinen Vorgängern.

Re: Qualitätsjournalismus ?

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 11.10.20 18:37

Ja, da gebe ich dir Recht.
MrEnglish schrieb:
Das sind keine Allgemeinplätze, das sind Erfahrungswerte aus meinem Job. Ich habe auch nie behauptet, dass der Busverkehr immer billiger ist, aber dazu muss die Nachfrage schon recht hoch sein, damit das billiger wird.
Der Bus ist sicherlich in vielen Fällen erst mal billiger für den Auftraggeber.
Aber mit dem Bus wird die Verkehrswende nicht gelingen. Ich wüsste keinen sinnvollen Vorteil, warum ich Bus statt Auto fahren sollte. Bei der Bahn sieht das anders aus. Die ist ruhig, so dass ich arbeiten oder noch ein bisschen dösen kann und steht nicht im Stau (den der Bus brav mit den Autos teilt). Die Bahn erzielt ordentlich Durchschnittsgeschwindigkeiten, die sich wohltuend vom Tempo eines Radfahrers abheben (gegen letzteres hat der Bus meist kaum eine Chance). Umstiege sind meist planbar.
Deswegen geht die simple Erstsemester BWL Rechnung an der Wirklichkeit vorbei. Volkswirtschaftlich führt Buseinsatz nämlich zu mehr Autoverkehr.
Und genau das fließt in die ganzen Rechnungen oft nicht ein, ist halt auch nicht so einfach quantifizierbar, obwohl es eine Binsenweisheit ist.
Alibizugpaar schrieb:
Busse sind kein Teufelszeug, ohne sie würde kaum was gehen. Und die Schiene allein ist kein Allheilmittel.
Richtig eingesetzt nicht. Nur werden sie gerne als Alibi genommen, um keine Bahnstrecke zu brauchen. Und eben auf Bahnaffinen Relationen eingesetzt (querab zur Erschließung wären sie sinnvoll, aber das ist nicht so lukrativ -daher sieht man lieber zu, da zu fahren, wo ggf. Bahntaugliches Aufkommen ist). Und genau dann sind sie Teufelszeug. Weil damit diejenigen, die ein Auto haben, genau Null Anreiz haben umzusteigen. Damit wird die Verkehrswende nicht stattfinden. Der Bus eignet sich als Lumpensammler für die entlegenen Winkel für diejenigen, die kein Auto haben.
Zusätzlich wären kostenlose P&R Parkplätze an den Bahnhöfen in der Fläche sinnvoll und wichtig. Damit würde man auch 'Normalos' erreichen - was essenziell für einen Modalshift wäre.
Da hilft es nix, davon zu träumen, dass alle ihr Auto wegwerfen und dann 2 Stunden am Morgen sich mit Bus&Bahn mit x-mal Umsteigen zu ihrer Arbeit durchkämpfen. Das endet in der Praxis dann nämlich damit, dass sich gar nix ändert.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.10.20 19:17.

Re: Scheuer muss weg

geschrieben von: 41 052

Datum: 11.10.20 22:46

Hallo.

So kann man das auch sehen.
Insofern hat er ja eigentlich nichts falsch gemacht.
Hätte ich mir eigentlich auch denken können!

Bis danne.
Henra schrieb:
Alibizugpaar schrieb:
Busse sind kein Teufelszeug, ohne sie würde kaum was gehen. Und die Schiene allein ist kein Allheilmittel.
Richtig eingesetzt nicht. Nur werden sie gerne als Alibi genommen, um keine Bahnstrecke zu brauchen. Und eben auf Bahnaffinen Relationen eingesetzt (querab zur Erschließung wären sie sinnvoll, aber das ist nicht so lukrativ -daher sieht man lieber zu, da zu fahren, wo ggf. Bahntaugliches Aufkommen ist). Und genau dann sind sie Teufelszeug. Weil damit diejenigen, die ein Auto haben, genau Null Anreiz haben umzusteigen. Damit wird die Verkehrswende nicht stattfinden. Der Bus eignet sich als Lumpensammler für die entlegenen Winkel für diejenigen, die kein Auto haben.
Zusätzlich wären kostenlose P&R Parkplätze an den Bahnhöfen in der Fläche sinnvoll und wichtig. Damit würde man auch 'Normalos' erreichen - was essenziell für einen Modalshift wäre.
Da hilft es nix, davon zu träumen, dass alle ihr Auto wegwerfen und dann 2 Stunden am Morgen sich mit Bus&Bahn mit x-mal Umsteigen zu ihrer Arbeit durchkämpfen. Das endet in der Praxis dann nämlich damit, dass sich gar nix ändert.
Das erscheint auch alles sehr pauschal. Werksbusse für Schichtarbeiter sind z.B. bei richtigem Einsatz sehr gut geeignet, und auch so gibt es mehr als genug gut gemachte Buslinien, die Verkehrsbedürfnisse erfüllen, die die Bahn nicht erfüllen kann:

- Konstanz - Ravensburg via Fähre
- Saalfeld - Neuhaus
- Achensee - Tegernsee
- etc.

Die Mischung wird es machen. Und erstmal müssen in den suburbanen Bereichen die Pendlermöglichkeiten per ÖV/Radanschluss/Bahnausbauten erweitert werden, bevor man ernsthaft Regionen wie die Eifel angreifen könnte.

Hier bei mir spielt die BEG mit dem zweistündichen RE leider RB, was in einer Fahrzeit von knapp 2h für 110 km resultiert. Das schnelle Alternativangebot stellt um 18h den Betrieb ein. Da brauchen wir über Busse nicht mehr reden.
Hallo!

Der Bus sollte das Schienennetz sinnvoll ergänzen, nicht "zerdeppern". Angebote müssten so sein, dass man bequem und zügig in Orte gelangt, die auf dem Schienenwege nicht zu erreichen sind. Am besten natürlich mit einer Punkt-zu-Punkt-Reisekette mit einem Ticket, statt mehrerer Tickets. Schon kann ein gutes Angebot aussehen. Wenn man für jedes Verkehrsmittel ein Ticket braucht, ist das auch nicht mehr so prickelnd. Mit dem City-Ticket, aber auch in den Verkehrsverbünden "ein Land - ein Ticket" hat man schon zumindest eine Richtung, in die es gehen kann.

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser

Das Image des Busses

geschrieben von: Rollo

Datum: 12.10.20 09:46

MrEnglish schrieb:
Dazu kommt, dass man nie die Flächenerschließung von Bussen erreicht.
Da sprichst Du was an....

Würde man sich beim Bus auch einfach mal verkneifen, die Optionen, die der Bus im Vergleich zur Bahn bietet, zu nutzen und ihn einfach auch mal bahnmäßig einzusetzen (also mit größeren Haltestellenabständen und mit Haltestellen an den Durchfahrtsstraßen, die die Fahrzeit kaum verlängern) könnte man mit dem Bus auch deutlich attraktivere Netze schaffen. Hätte der Bus nicht mehr Potential, hätte die Fernlinienbusgeschichte ein Flop werden müssen. Ist sie aber nicht.

Ich halte daher wenig von der pauschalen Ansicht, die im deutschen Verkehrswesen sehr verbreitet ist, dass es nur die Bahn schaffen würde, die Fahrgastmengen zugunsten des Umweltverbundes anzuziehen.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 12.10.20 11:15

Rollo schrieb:
Zitat:
MrEnglish schrieb:
Zitat:
Dazu kommt, dass man nie die Flächenerschließung von Bussen erreicht.
Würde man sich beim Bus auch einfach mal verkneifen, die Optionen, die der Bus im Vergleich zur Bahn bietet, zu nutzen und ihn einfach auch mal bahnmäßig einzusetzen (also mit größeren Haltestellenabständen und mit Haltestellen an den Durchfahrtsstraßen, die die Fahrzeit kaum verlängern) könnte man mit dem Bus auch deutlich attraktivere Netze schaffen.
Nennt sich Express- oder Schnellbus. Gerne auch RegioLinie oder PlusBus (in unterschiedlich konkreter Umsetzung jeweils). Also ein Konzept, dass ehemalige Schienenachsen mit zu geringem Verkehrsaufkommen bzw. regional bedeutsame schienenlose Achsen bedient und somit durch einen Taktverkehr die Vernetzung des SPNV erhöht, indem Umsteigeknoten miteinander verbunden werden. Solche Linien in mehr oder minder starker Ausprägung der Systemeigenschaften boomen doch (zumindest vor Corona) in der Umsetzung und in den Fahrgastzahlen...

Rollo schrieb:
Zitat:
Hätte der Bus nicht mehr Potential, hätte die Fernlinienbusgeschichte ein Flop werden müssen. Ist sie aber nicht.
Der Fernbus hat eher den Vorteil, dass Verkehrsleistungen billiger produziert und damit verkauft werden können. Und somit kann ein anderes Preis-Leistungs-Verhältnis angeboten werden, eines womit man eine Zielgruppe erreichen kann, die weniger auf Komfort und Fahrzeit sondern mehr auf den Preis wert legt.


Rollo schrieb:
Ich halte daher wenig von der pauschalen Ansicht, die im deutschen Verkehrswesen sehr verbreitet ist, dass es nur die Bahn schaffen würde, die Fahrgastmengen zugunsten des Umweltverbundes anzuziehen.
Ich denke nicht mal, dass es im deutschen Verkehrswesen eine Ansicht ist, als viel mehr bei Bahnfans an sich. Im universitären Kontext kam jedenfalls nicht diese Meinung auf. Die Frage ist aber in politischer Hinsicht, inwiefern man Bus gegen Bahn ausspielt, anstatt sie aneinander anzupassen. Und da spielen beispielsweise Busunternehmer durchaus eine Rolle, die sich politisch engagieren oder gar Nahverkehrspläne von Kreisen selbst(!) schreiben wollen...

Das Klima kennt Gewinner und Verlierer
Das steht - in meinem Reiseführer
Der Freistaat Sachsen kann sich glücklich schätzen
Gemütlichkeit unter Moskitonetzen
Rainald Grebe - Sachsen

Wer das ganze Lied hören möchte und nicht aus irgendeiner humorbefreiten Zone kommt, kann dem Link folgen: [www.youtube.com]

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Rollo

Datum: 12.10.20 13:38

Black Eyed schrieb:
Nennt sich Express- oder Schnellbus. Gerne auch RegioLinie oder PlusBus (in unterschiedlich konkreter Umsetzung jeweils). Also ein Konzept, dass ehemalige Schienenachsen mit zu geringem Verkehrsaufkommen bzw. regional bedeutsame schienenlose Achsen bedient und somit durch einen Taktverkehr die Vernetzung des SPNV erhöht, indem Umsteigeknoten miteinander verbunden werden. Solche Linien in mehr oder minder starker Ausprägung der Systemeigenschaften boomen doch (zumindest vor Corona) in der Umsetzung und in den Fahrgastzahlen...
Es wäre nett, wenn Du dafür Beispiele bringst.
Vor einiger Zeit haben wir uns auf DSO zumindest sehr schwer getan, Buslinien zu finden, die ähnlich wie Regionalzüge geführt werden (also Haltestellenabstand von ca. 5-10km, geführt auf Überlandstraßen, die schnelles vorankommen ermöglichen und keine Abstecher in lokale Siedlungen, sondern Haltestellen direkt an der Fernstraße).

Rollo schrieb:
Ich denke nicht mal, dass es im deutschen Verkehrswesen eine Ansicht ist, als viel mehr bei Bahnfans an sich. Im universitären Kontext kam jedenfalls nicht diese Meinung auf.
Im universitären Umfeld findet sich das in Form eines Schubladendenken, dass, wenn man einen Bus in Betracht zieht, auch gleich dessen Möglichkeiten nutzt, die Haltestellen gezielt zu den gewünschten Punkten zu verschieben, mehr Haltestellen einzurichten und ihn dadurch ausbremst. Es wird also eher in Nahverkehrs-Produktkategorien gedacht, als dass man die technischen Eigenschaften der Transportsysteme mit seinen daraus folgenden Gestaltungsspielraum im Auge behalten würde. Das kann sich beispielsweise auch darin äußern, dass man bei einem Bus nicht bedenkt, dass er viel problemloser beim Spurwechsel ist und daher parallele Abfertigungen an parallele Bussteigen viel einfacher als bei der Eisenbahn zu realisieren sind, wo im Nahverkehr die serielle Abfertigung am selben Bahnsteig die Regel ist.

Es äußert sich aber auch in der deutschen Subventionspolitik des Nahverkehrs. Die Eisenbahn hat dort große Fördertöpfe, auf die die Busse nicht gleichberechtigt zugreifen können.
Die "Siegstrecke" ist auf 100 km zwischen Köln entlang und kreuz und quer über die Sieg bis nach Siegen geradezu ein Paradebeispiel für Henra und seine Sicht der Dinge.

Kaum eine Station ohne P+R und als die zum Teil schon vor Jahren gebauten Parkplätze gebaut wurden, da konnte man sich dem Ansturm der PKW-Massen kaum erwehren. In Eitorf z.B wurde gleich anschließend an den P+R-Neubau ein Parkdeck dazugebaut.
In Wissen entstand ein ganz neuer Bahnbereich, ein Verkehrsknoten für Bahn und Busse und Autos usw.
In Betzdorf ebenfalls.
In Kirchen wurde der über die Jahrzehnte zur Häßlichkeit verkommene Bahnbereich zu einem vorzeigbaren Zueinander von Bahn und P+R und Einkaufsmöglichkeit und auch für den Bus! Sogar der eigentlich schon lange abgeschriebene HP Niederschelden-Nord, noch oder schon in NRW gelegen wurde aufgewertet.
Dank der neuen Durchgehungsstraße wurde um den alten BÜ herum Platz frei für so manchen PKW und anderes.
Die erreichte Barrierefreiheit begünstigt die Mitnahme von Fahrrad, Kinderwägen und Co.
Wenn man einmal bedenkt, das zu Kaiserszeiten Eisenbahn eigentlich für die Industrie, vielleicht sogar hauptsächlich für den Krieg gebaut wurde, dann ist die Siegstrecke ein Beispiel dafür das es heute auch (fast) ohne Güterverkehr geht.

Ja, die Strecke ist so ausgelastet, dass es (schon) umfangreiche Ausbaupläne gibt. Wenn es da nur nicht diese "Kirchturmpolitiker" gäbe ......
Seit Jahren frage ich mich wie warum ist das so, dass sich ansonsten gebildete Menschen ständig gegenseitig so auf die Füße steigen ....

Stilstand ist möglich - leider - dank egomanischer sogenannter "Politgrößen"!

Mit Gruß von
Unterwegs
BOS

Wenn die GUTEN nichts tun - gehört die Welt den BÖSEN

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, sucht Gründe.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: kmueller

Datum: 12.10.20 14:48

Rollo schrieb:
Black Eyed schrieb:
Nennt sich Express- oder Schnellbus. Gerne auch RegioLinie oder PlusBus (in unterschiedlich konkreter Umsetzung jeweils). Also ein Konzept, dass ehemalige Schienenachsen mit zu geringem Verkehrsaufkommen bzw. regional bedeutsame schienenlose Achsen bedient und somit durch einen Taktverkehr die Vernetzung des SPNV erhöht, indem Umsteigeknoten miteinander verbunden werden. Solche Linien in mehr oder minder starker Ausprägung der Systemeigenschaften boomen doch (zumindest vor Corona) in der Umsetzung und in den Fahrgastzahlen...
Es wäre nett, wenn Du dafür Beispiele bringst.
Vor einiger Zeit haben wir uns auf DSO zumindest sehr schwer getan, Buslinien zu finden, die ähnlich wie Regionalzüge geführt werden (also Haltestellenabstand von ca. 5-10km, geführt auf Überlandstraßen, die schnelles vorankommen ermöglichen und keine Abstecher in lokale Siedlungen, sondern Haltestellen direkt an der Fernstraße).
Das gibt es verbreitet in den Niederlanden.

Infolge der durch lang zurückgehende Raumordnung erzeugten Siedlungstruktur mit stark konzentrierten statt Streusiedlungen (insbes. in den 'nassen' Landesteilen) haben teils schon 'gewöhnliche' ländliche Linienverkehre einen solchen Charakter. Es gibt aber unter verschiedenen Markennamen auch beschleunigte Linien mit komfortablerem Material, die den üblichen Landbus-Stundentakt überlagern. Und es gibt sogar Verbindungen zwischen Großstädten ohne direkte Bahnverbindung (u.a. Arnhem, Apeldoorn und Zwolle), die 20 und mehr Kilometer nonstop auf Autobahnen zurücklegen. Das alles ist regional ausgeschrieben.

Fahrpläne lassen sich hier abrufen: [9292ov.nl].

Im Zulauf auf Amsterdam gibts Busschleusen, die Linienbusse am Autostau vorbeileiten, und auf Schnellstraßen findet man an diversen Stellen Warnschilder "bei Stau: Linienbus auf Standstreifen". Letzteren sollte man tunlichst nicht blockieren; das würde teuer.
Ministerin Schulze gehört auch aufs Abstellgleis.

Sagt sie doch heute, auf Besichtigungstour in unserem Landkreis, auf die Frage, wie der Klimakrise begegnet werden könne:

"Nein, auf dem Land wird es nicht möglich sein, den öffentlichen Nahverkehr zu steigern".

Artikel Südkurier

https://pbs.twimg.com/media/EkJnDmzXYAM6cmf?format=jpg&name=small

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Henra

Datum: 12.10.20 21:15

Rollo schrieb:
Ich halte daher wenig von der pauschalen Ansicht, die im deutschen Verkehrswesen sehr verbreitet ist, dass es nur die Bahn schaffen würde, die Fahrgastmengen zugunsten des Umweltverbundes anzuziehen.

Eher im Gegenteil: Ist einfach nur eine empirische Feststellungen gerade im Nicht- Eisenbahnfreunde Bereich, wenn man mit 'Normalo's' spricht. Hier auf DSO ist man hingegen extrem Busfreundlich bis Bus- geil fixiert. Vermutlich auch, weil einfach viele hier kein Auto haben und damit auf den Bus einfach angewiesen sind. Das ist aber nicht repräsentativ, wenn man mal die Kernbereiche der Metropolen hinter sich lässt. Für Normalo's ist ein Bus nur ein Verkehrsmittel für Kinder, Greise, Hartzer und Mobilitäts-Eingeschränkte. Oder solche, die von der Rennleitung die Pappe gelocht bekommen haben.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.10.20 21:17.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: andreas +

Datum: 12.10.20 21:27

Black Eyed schrieb:
... womit man eine Zielgruppe erreichen kann, die weniger auf Komfort und Fahrzeit sondern mehr auf den Preis wert legt.
Nicht ganz, z.B.: Trier - Mainz / Wiesbaden; da ist der Flixbus nicht nur billiger, sondern auch schneller als die Bahn.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 12.10.20 21:50

Das stimmt zwar, aber zur Wahrheit gehört auch, dass das bei der Bahn nicht so viel besser aussieht. Viele Leute würden freiwillig niemals einen Zug betreten, schon gar keinen Nahverkehrszug. Die die überhaupt Bahn fahren sind das Klientel wegen dem es an Großstadtbahnhöfen große Taxistände gibt. Mit dem ICE von München nach Berlin geht gerade noch so, aber am Hauptbahnhof nimmt man dann das Taxi zum Hotel.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Henra

Datum: 12.10.20 23:24

MrEnglish schrieb:
Die die überhaupt Bahn fahren sind das Klientel wegen dem es an Großstadtbahnhöfen große Taxistände gibt. Mit dem ICE von München nach Berlin geht gerade noch so, aber am Hauptbahnhof nimmt man dann das Taxi zum Hotel.
Genau so ist es. Einen RE/RB Anschlusszug würden die aber schon durchaus noch nehmen. Einen Bus für die letzten Kilometer? Never. Ever.
Genau diese Leute muss man aber in die Bahn kriegen. Da ist das Volumen.
In unserer niedlichen Filterblase hier liegt kein Potenzial für einen Modalshift. Deswegen hilft die Sicht der ÖV Krieger hier nicht wirklich weiter. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Rollo

Datum: 13.10.20 08:55

Henra schrieb:
MrEnglish schrieb:
Die die überhaupt Bahn fahren sind das Klientel wegen dem es an Großstadtbahnhöfen große Taxistände gibt. Mit dem ICE von München nach Berlin geht gerade noch so, aber am Hauptbahnhof nimmt man dann das Taxi zum Hotel.
Genau so ist es. Einen RE/RB Anschlusszug würden die aber schon durchaus noch nehmen. Einen Bus für die letzten Kilometer? Never. Ever.
Genau diese Leute muss man aber in die Bahn kriegen. Da ist das Volumen.
In unserer niedlichen Filterblase hier liegt kein Potenzial für einen Modalshift. Deswegen hilft die Sicht der ÖV Krieger hier nicht wirklich weiter. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
Es gab Zeiten, da war der Bus gegenüber der Tram das bevorzugte Verkehrsmittel. Das waren aber auch Zeiten, wo die Trams Rumpelkisten waren. Es dürfte daher auch einiges vom Komfort und der Wertigkeit abhängen, die mit dem Transportgefäß verbunden wird. ÖPNV-Busse sehe ich da klar im Nachteil.

Dazu kommt, dass der Bus im ÖPNV fast immer zweitklassig präsentiert wird. Meist gibt es schöne Übersichtspläne für die Schienenbahnen in den jeweiligen ÖPNV-Verbänden. Die entsprechenden Busse muss man meist suchen, wenn es nicht zufällig Flughafenbusse gibt, zu denen es keine Schienenalternative gibt. Für Seltennutzer mag schon das ein Grund sein, dass sie Busse nicht in Erwägung ziehen.

Den anderen Aspekt hatten wir schon: Die Busse halten meist alle paar Meter und kommen daher nicht voran. Hinzu kommt gerade in dem Beispiel RE/RB Übergang in den Stadtverkehr, dass Seltennutzer durch die hohen Einzelticketpreise im Stadtverkehr abgeschreckt werden.

Ich frag mich diesbezüglich immer noch, wann die für Bahnfahrer optimierten E-Tretroller kommen. Bisher sind die E-Tretroller vor allem als Mietroller sichtbar geworden. Dabei hatten wir hier neulich heraus gefunden, dass ein sehr großer Teil der Bevölkerung sehr dicht an Haltestellen des Schienenverkehrs siedelt und daher eigentlich mit einer mitnehmbaren Mobilitätshilfe gut an den Schienenverkehr anbindbar wäre.
Falk12 schrieb:
Fakt ist, das die Bahn in den meisten Fällen, wenn die Strecke ordentlich ausgebaut ist, schneller als der Bus ist. Das konnte ich bisher bei jedem Schienenersatzverkehr erleben.

Hallo,

Schienenersatzverkehr ist als Vergleich dafür aber nicht sinnvoll. SEV orientiert sich an der zu ersetzenden Bahnstrecke. Er bedient Halte möglichst in Nähe der jeweiligen Bahnstationen. Originär geplanter Busverkehr hingegen orientiert sich am vorhandenen Straßennetz und am Nachfragebedarf. Da können schon sehr unterschiedliche Ergebisse bei herauskommen.

Busverkehre halten meist öfter und bedienen dadurch auch kleinere Bedarfscluster als die Eisenbahn. In ländlicheren Regionen sind daher oft Stichfahrten und andere Umwege notwendig, die den Bus verlangsamen. Würden die Busse unter Ausnutzung von Umgehungsstraßen und Autobahnen geplant und für den Bus verkehrsgünstig gelegenen Haltestellen (z.B. an Autobahnabfahrten) in ähnlichen Abständen wie die Eisenbahn bedienten, kämen Züge von der Geschwindigkeit oft nicht hinterher.

Gruß
westring
Henra schrieb:
Radiowaves schrieb:
Und:

Der Bevölkerungsmehrheit ist die Verkehrswende schei...egal

Sonst würde sie Druck ausüben. Stattdessen wünscht man Radfahrern die Pest an den Hals und ist vermutlich auch willens, für den letzten Tropfen Benzin dereinst an der Tankstelle zu töten.
Ich fürchte, damit hast Du die eigentliche Wurzel des Übels auf den Punkt gebracht. Alles andere sind im wesentlichen 'Folgeschäden'.
Kann man auch sehr schön an dem Verhältnis derjenigen ablesen, die sich vor Ort für Reaktivierungen oder Taktverdichtungen wirklich einsetzen. Gründet wer eine 'Dagegen'- BI hat die sofort 10x soviele Mitglieder.
Problem ist, dass das leider nicht so einfach zu ändern ist.
Es ist allerdings auch bei Straßenneu- und -ausbauten, neuen Stromleitungen und inzwischen sogar bei der Anlage neuer Wohngebiete usw. so, dass die "Dagegen-BIs" lauter schreien und mehr Zulauf haben.
Selbst Standorte für neue Ärztezentren, Schulen und Kindergärten werden inzwischen erbittert bekämpft.

Ein Teil der Wurzel des Übels ist es auch, dass das Dagegensein hierzulande mehr Gehör findet und offenbar auch mit mehr Eifer ausgeübt wird.

Sieht man ja auch an diversen Umweltverbänden die zwar immer Lippenbekenntnisse zur Verkehrswende abgeben aber dann doch vor allem durch unsinnige Blockaden beim Aus- und Neubau von Bahninfrastruktur und Streckenreaktivierungen auffallen.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Thomas I

Datum: 13.10.20 09:59

Henra schrieb:
Rollo schrieb:
Ich halte daher wenig von der pauschalen Ansicht, die im deutschen Verkehrswesen sehr verbreitet ist, dass es nur die Bahn schaffen würde, die Fahrgastmengen zugunsten des Umweltverbundes anzuziehen.

Eher im Gegenteil: Ist einfach nur eine empirische Feststellungen gerade im Nicht- Eisenbahnfreunde Bereich, wenn man mit 'Normalo's' spricht. Hier auf DSO ist man hingegen extrem Busfreundlich bis Bus- geil fixiert. Vermutlich auch, weil einfach viele hier kein Auto haben und damit auf den Bus einfach angewiesen sind. Das ist aber nicht repräsentativ, wenn man mal die Kernbereiche der Metropolen hinter sich lässt. Für Normalo's ist ein Bus nur ein Verkehrsmittel für Kinder, Greise, Hartzer und Mobilitäts-Eingeschränkte. Oder solche, die von der Rennleitung die Pappe gelocht bekommen haben.
Tatsächlich ist das Stichwort "Metropolen" da der Punkt.
In der Stadt wo die Busse regelmäßig und auf vielen Linien fahren, barrierefrei sind usw. fahre ich sehr gerne Bus.
Aber im ländlichen Raum (z.B. bei meiner Familie in Niedersachsen) ist Bus genau das für mich was du im letzten Satz beschreibst.
Obwohl, seitdem die mit dem Bürgerbus einen Ortsbus haben mit dem man vom Bahnhof in den Kernort kommt muss ich sagen, hat der Bus auch da gewonnen. Diesen Shuttleservice nutze ich doch gerne.
Was zeigt: Es hängt auch mit dem Angebot zusammen.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: linie7484

Datum: 13.10.20 12:36

Rollo schrieb:
Black Eyed schrieb:
Nennt sich Express- oder Schnellbus. Gerne auch RegioLinie oder PlusBus (in unterschiedlich konkreter Umsetzung jeweils). Also ein Konzept, dass ehemalige Schienenachsen mit zu geringem Verkehrsaufkommen bzw. regional bedeutsame schienenlose Achsen bedient und somit durch einen Taktverkehr die Vernetzung des SPNV erhöht, indem Umsteigeknoten miteinander verbunden werden. Solche Linien in mehr oder minder starker Ausprägung der Systemeigenschaften boomen doch (zumindest vor Corona) in der Umsetzung und in den Fahrgastzahlen...
Es wäre nett, wenn Du dafür Beispiele bringst.
Vor einiger Zeit haben wir uns auf DSO zumindest sehr schwer getan, Buslinien zu finden, die ähnlich wie Regionalzüge geführt werden (also Haltestellenabstand von ca. 5-10km, geführt auf Überlandstraßen, die schnelles vorankommen ermöglichen und keine Abstecher in lokale Siedlungen, sondern Haltestellen direkt an der Fernstraße).
Solche Beispiele wird man auch kaum finden, zumindest in Deutschland. In Baden Württemberg hat man vor einigen Jahren das Konzept des Regiobusses eingeführt. Dies haben zwar keine Halteabstände von 5-10km, sondern können an allen Haltestellen auf dem Linienweg genutzt werden, und fahren auf der Hauptstraße durch die Orte (anstatt auf der Umgehungsstraße daran vorbei). Durch den Verzicht auf Umwege in kleinere Ortschaften, kurze Anschlusszeiten ab den Bahnhöfen und einen durchgängigen Stundentakt von früh morgens bis Mitternacht (sofern der Bahnverkehr nicht früher endet) konnte auf vielen Linien die Nachfage gesteigert werden, vielleicht auch gerade durch die kürzeren Haltestellenabstände, welche ein nochmaliges Umsteigen unnötig machen, wenn der Bus nur an einer Haltestelle im Ort hält.

Oftmals scheitern vernüftige Konzepte im Busverkehr an der kirchturmpolitik der Aufgabenträger, in einem Nachbarlandkreis wurden zu Jahresbeginn imZuge der Neuvergabe nahezu alle Buslinien im Bereich der Landkreisgrenze gebrochen, in solchen Fällen kann das Angebot noch so gut sein, wenn es nicht zur Nachfrage passt.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 13.10.20 13:32

linie7484 schrieb:
Zitat:
Solche Beispiele wird man auch kaum finden, zumindest in Deutschland.
Das stimmt, ein Beispiel hätte ich durchaus: Linie 977 Würzburg - Wertheim - Miltenberg. Dort werden einige Fahrten Nonstop zwischen Würzburg und Wertheim Village durchgeführt - immerhin rund 30 Minuten ohne Zwischenhalt. Danach geht es aber mit mehreren Halten je Ort weiter.


linie7484 schrieb:
Zitat:
In Baden Württemberg hat man vor einigen Jahren das Konzept des Regiobusses eingeführt. Dies haben zwar keine Halteabstände von 5-10km, sondern können an allen Haltestellen auf dem Linienweg genutzt werden, und fahren auf der Hauptstraße durch die Orte (anstatt auf der Umgehungsstraße daran vorbei). Durch den Verzicht auf Umwege in kleinere Ortschaften, kurze Anschlusszeiten ab den Bahnhöfen und einen durchgängigen Stundentakt von früh morgens bis Mitternacht (sofern der Bahnverkehr nicht früher endet) konnte auf vielen Linien die Nachfage gesteigert werden, vielleicht auch gerade durch die kürzeren Haltestellenabstände, welche ein nochmaliges Umsteigen unnötig machen, wenn der Bus nur an einer Haltestelle im Ort hält.
Korrekt, solche Linien meinte ich auch eher. Abschneiden von Schleifenfahrten, Haltestellen (möglichst) nur an der Hauptstraße, Auslassen einiger Haltestellen am Laufweg zwecks Beschleunigung. Vertaktung mit dem SPNV inkl. schlanker Anschlüsse. Und natürlich auch keine Rücksicht auf Kreisgrenzen, teilweise nicht mal auf Verbundgrenzen

Teilweise das auch als Vorlaufbetrieb für einen Bahnbetrieb (bspw. der Abschnitt Frankfurt-Flughafen - Neu-Isenburg)

linie7484 schrieb:Zitat:
Oftmals scheitern vernüftige Konzepte im Busverkehr an der kirchturmpolitik der Aufgabenträger, in einem Nachbarlandkreis wurden zu Jahresbeginn imZuge der Neuvergabe nahezu alle Buslinien im Bereich der Landkreisgrenze gebrochen, in solchen Fällen kann das Angebot noch so gut sein, wenn es nicht zur Nachfrage passt.
Auch sowas ist bekannt. Umgekehrt gibt es aber Kreise, die sich just für solche Verlängerungen über Kreisgrenzen einsetzen. Beispielsweise der Kreis Miltenberg, der für die Einrichtung einer Linie Aschaffenburg - Rodgau einsetzte, um eine Entlastung zum Straßen- und Bahnverkehr zu haben.


Ganz clever finde ich den Gedanken, dass solche Linienkonzepte von "regional bedeutsamen Busachsen" nicht auf Landkreisebene sondern auf Landesebene organisiert sind. Beispielsweise wären hier die RegioLinien in Rheinland-Pfalz zu nennen, die den beiden Zweckverbänden SPNV Nord und Süd unterstehen. Oder auch die Expressbusse, die wie der Regionalbusverkehr im RMV nicht von den Städten und Kreisen sondern vom regionalen Aufgabenträger RMV organisiert werden. Wobei teilweise die Umstellung auf Expressbus keine großartige Beschleunigung war. Da gilt eben, dass jede Linie individuell zu betrachten ist.

In einem Modell würde man natürlich alle Linien gleichartig aufbauen, so wie Rollo es ja andeutet. Aber die Realität erzwingt dann zu größerer Flexibilität - wenn Schulzentren mitangebunden werden oder andere Fahrgastschwerpunkte innerstädtisch angefahren werden. Der Bus hat eben auch den Vorteil hier leicht zu variieren. Dichtere Haltestellenmöglichkeiten auch auf einem deutlich begradigten Linienweg sind auch bei Schnellbussen durchaus sinnhaft -es muss ja nicht dem eines Stadt- oder gar eines Quartierbusses entsprechen. In gleicher Weise haben auch RB- und RE-Linien teilweise mehrere Halte innerhalb einer Kommune, so dass die durchschnittlich 5-10 Kilometer durchaus unterschritten werden.

Man muss halt auch sehen, was gegenüber bisherigen Buslinien an höhere Attraktivität geschaffen wird.

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Rainald Grebe - Sachsen

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