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MrEnglish schrieb:
Das sind keine Allgemeinplätze, das sind Erfahrungswerte aus meinem Job. Ich habe auch nie behauptet, dass der Busverkehr immer billiger ist, aber dazu muss die Nachfrage schon recht hoch sein, damit das billiger wird.
Der Bus ist sicherlich in vielen Fällen erst mal billiger für den Auftraggeber.
Aber mit dem Bus wird die Verkehrswende nicht gelingen. Ich wüsste keinen sinnvollen Vorteil, warum ich Bus statt Auto fahren sollte. Bei der Bahn sieht das anders aus. Die ist ruhig, so dass ich arbeiten oder noch ein bisschen dösen kann und steht nicht im Stau (den der Bus brav mit den Autos teilt). Die Bahn erzielt ordentlich Durchschnittsgeschwindigkeiten, die sich wohltuend vom Tempo eines Radfahrers abheben (gegen letzteres hat der Bus meist kaum eine Chance). Umstiege sind meist planbar.
Deswegen geht die simple Erstsemester BWL Rechnung an der Wirklichkeit vorbei. Volkswirtschaftlich führt Buseinsatz nämlich zu mehr Autoverkehr.
Und genau das fließt in die ganzen Rechnungen oft nicht ein, ist halt auch nicht so einfach quantifizierbar, obwohl es eine Binsenweisheit ist.
Alibizugpaar schrieb:
Busse sind kein Teufelszeug, ohne sie würde kaum was gehen. Und die Schiene allein ist kein Allheilmittel.
Richtig eingesetzt nicht. Nur werden sie gerne als Alibi genommen, um keine Bahnstrecke zu brauchen. Und eben auf Bahnaffinen Relationen eingesetzt (querab zur Erschließung wären sie sinnvoll, aber das ist nicht so lukrativ -daher sieht man lieber zu, da zu fahren, wo ggf. Bahntaugliches Aufkommen ist). Und genau dann sind sie Teufelszeug. Weil damit diejenigen, die ein Auto haben, genau Null Anreiz haben umzusteigen. Damit wird die Verkehrswende nicht stattfinden. Der Bus eignet sich als Lumpensammler für die entlegenen Winkel für diejenigen, die kein Auto haben.
Zusätzlich wären kostenlose P&R Parkplätze an den Bahnhöfen in der Fläche sinnvoll und wichtig. Damit würde man auch 'Normalos' erreichen - was essenziell für einen Modalshift wäre.
Da hilft es nix, davon zu träumen, dass alle ihr Auto wegwerfen und dann 2 Stunden am Morgen sich mit Bus&Bahn mit x-mal Umsteigen zu ihrer Arbeit durchkämpfen. Das endet in der Praxis dann nämlich damit, dass sich gar nix ändert.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.10.20 19:17.

Re: Scheuer muss weg

geschrieben von: 41 052

Datum: 11.10.20 22:46

Hallo.

So kann man das auch sehen.
Insofern hat er ja eigentlich nichts falsch gemacht.
Hätte ich mir eigentlich auch denken können!

Bis danne.
Henra schrieb:
Alibizugpaar schrieb:
Busse sind kein Teufelszeug, ohne sie würde kaum was gehen. Und die Schiene allein ist kein Allheilmittel.
Richtig eingesetzt nicht. Nur werden sie gerne als Alibi genommen, um keine Bahnstrecke zu brauchen. Und eben auf Bahnaffinen Relationen eingesetzt (querab zur Erschließung wären sie sinnvoll, aber das ist nicht so lukrativ -daher sieht man lieber zu, da zu fahren, wo ggf. Bahntaugliches Aufkommen ist). Und genau dann sind sie Teufelszeug. Weil damit diejenigen, die ein Auto haben, genau Null Anreiz haben umzusteigen. Damit wird die Verkehrswende nicht stattfinden. Der Bus eignet sich als Lumpensammler für die entlegenen Winkel für diejenigen, die kein Auto haben.
Zusätzlich wären kostenlose P&R Parkplätze an den Bahnhöfen in der Fläche sinnvoll und wichtig. Damit würde man auch 'Normalos' erreichen - was essenziell für einen Modalshift wäre.
Da hilft es nix, davon zu träumen, dass alle ihr Auto wegwerfen und dann 2 Stunden am Morgen sich mit Bus&Bahn mit x-mal Umsteigen zu ihrer Arbeit durchkämpfen. Das endet in der Praxis dann nämlich damit, dass sich gar nix ändert.
Das erscheint auch alles sehr pauschal. Werksbusse für Schichtarbeiter sind z.B. bei richtigem Einsatz sehr gut geeignet, und auch so gibt es mehr als genug gut gemachte Buslinien, die Verkehrsbedürfnisse erfüllen, die die Bahn nicht erfüllen kann:

- Konstanz - Ravensburg via Fähre
- Saalfeld - Neuhaus
- Achensee - Tegernsee
- etc.

Die Mischung wird es machen. Und erstmal müssen in den suburbanen Bereichen die Pendlermöglichkeiten per ÖV/Radanschluss/Bahnausbauten erweitert werden, bevor man ernsthaft Regionen wie die Eifel angreifen könnte.

Hier bei mir spielt die BEG mit dem zweistündichen RE leider RB, was in einer Fahrzeit von knapp 2h für 110 km resultiert. Das schnelle Alternativangebot stellt um 18h den Betrieb ein. Da brauchen wir über Busse nicht mehr reden.
Hallo!

Der Bus sollte das Schienennetz sinnvoll ergänzen, nicht "zerdeppern". Angebote müssten so sein, dass man bequem und zügig in Orte gelangt, die auf dem Schienenwege nicht zu erreichen sind. Am besten natürlich mit einer Punkt-zu-Punkt-Reisekette mit einem Ticket, statt mehrerer Tickets. Schon kann ein gutes Angebot aussehen. Wenn man für jedes Verkehrsmittel ein Ticket braucht, ist das auch nicht mehr so prickelnd. Mit dem City-Ticket, aber auch in den Verkehrsverbünden "ein Land - ein Ticket" hat man schon zumindest eine Richtung, in die es gehen kann.

Kai-Uwe, der "Cottbuser"

Mit freundlichen Grüßen

Der Cottbuser

Das Image des Busses

geschrieben von: Rollo

Datum: 12.10.20 09:46

MrEnglish schrieb:
Dazu kommt, dass man nie die Flächenerschließung von Bussen erreicht.
Da sprichst Du was an....

Würde man sich beim Bus auch einfach mal verkneifen, die Optionen, die der Bus im Vergleich zur Bahn bietet, zu nutzen und ihn einfach auch mal bahnmäßig einzusetzen (also mit größeren Haltestellenabständen und mit Haltestellen an den Durchfahrtsstraßen, die die Fahrzeit kaum verlängern) könnte man mit dem Bus auch deutlich attraktivere Netze schaffen. Hätte der Bus nicht mehr Potential, hätte die Fernlinienbusgeschichte ein Flop werden müssen. Ist sie aber nicht.

Ich halte daher wenig von der pauschalen Ansicht, die im deutschen Verkehrswesen sehr verbreitet ist, dass es nur die Bahn schaffen würde, die Fahrgastmengen zugunsten des Umweltverbundes anzuziehen.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 12.10.20 11:15

Rollo schrieb:
Zitat:
MrEnglish schrieb:
Zitat:
Dazu kommt, dass man nie die Flächenerschließung von Bussen erreicht.
Würde man sich beim Bus auch einfach mal verkneifen, die Optionen, die der Bus im Vergleich zur Bahn bietet, zu nutzen und ihn einfach auch mal bahnmäßig einzusetzen (also mit größeren Haltestellenabständen und mit Haltestellen an den Durchfahrtsstraßen, die die Fahrzeit kaum verlängern) könnte man mit dem Bus auch deutlich attraktivere Netze schaffen.
Nennt sich Express- oder Schnellbus. Gerne auch RegioLinie oder PlusBus (in unterschiedlich konkreter Umsetzung jeweils). Also ein Konzept, dass ehemalige Schienenachsen mit zu geringem Verkehrsaufkommen bzw. regional bedeutsame schienenlose Achsen bedient und somit durch einen Taktverkehr die Vernetzung des SPNV erhöht, indem Umsteigeknoten miteinander verbunden werden. Solche Linien in mehr oder minder starker Ausprägung der Systemeigenschaften boomen doch (zumindest vor Corona) in der Umsetzung und in den Fahrgastzahlen...

Rollo schrieb:
Zitat:
Hätte der Bus nicht mehr Potential, hätte die Fernlinienbusgeschichte ein Flop werden müssen. Ist sie aber nicht.
Der Fernbus hat eher den Vorteil, dass Verkehrsleistungen billiger produziert und damit verkauft werden können. Und somit kann ein anderes Preis-Leistungs-Verhältnis angeboten werden, eines womit man eine Zielgruppe erreichen kann, die weniger auf Komfort und Fahrzeit sondern mehr auf den Preis wert legt.


Rollo schrieb:
Ich halte daher wenig von der pauschalen Ansicht, die im deutschen Verkehrswesen sehr verbreitet ist, dass es nur die Bahn schaffen würde, die Fahrgastmengen zugunsten des Umweltverbundes anzuziehen.
Ich denke nicht mal, dass es im deutschen Verkehrswesen eine Ansicht ist, als viel mehr bei Bahnfans an sich. Im universitären Kontext kam jedenfalls nicht diese Meinung auf. Die Frage ist aber in politischer Hinsicht, inwiefern man Bus gegen Bahn ausspielt, anstatt sie aneinander anzupassen. Und da spielen beispielsweise Busunternehmer durchaus eine Rolle, die sich politisch engagieren oder gar Nahverkehrspläne von Kreisen selbst(!) schreiben wollen...

Das Klima kennt Gewinner und Verlierer
Das steht - in meinem Reiseführer
Der Freistaat Sachsen kann sich glücklich schätzen
Gemütlichkeit unter Moskitonetzen
Rainald Grebe - Sachsen

Wer das ganze Lied hören möchte und nicht aus irgendeiner humorbefreiten Zone kommt, kann dem Link folgen: [www.youtube.com]

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Rollo

Datum: 12.10.20 13:38

Black Eyed schrieb:
Nennt sich Express- oder Schnellbus. Gerne auch RegioLinie oder PlusBus (in unterschiedlich konkreter Umsetzung jeweils). Also ein Konzept, dass ehemalige Schienenachsen mit zu geringem Verkehrsaufkommen bzw. regional bedeutsame schienenlose Achsen bedient und somit durch einen Taktverkehr die Vernetzung des SPNV erhöht, indem Umsteigeknoten miteinander verbunden werden. Solche Linien in mehr oder minder starker Ausprägung der Systemeigenschaften boomen doch (zumindest vor Corona) in der Umsetzung und in den Fahrgastzahlen...
Es wäre nett, wenn Du dafür Beispiele bringst.
Vor einiger Zeit haben wir uns auf DSO zumindest sehr schwer getan, Buslinien zu finden, die ähnlich wie Regionalzüge geführt werden (also Haltestellenabstand von ca. 5-10km, geführt auf Überlandstraßen, die schnelles vorankommen ermöglichen und keine Abstecher in lokale Siedlungen, sondern Haltestellen direkt an der Fernstraße).

Rollo schrieb:
Ich denke nicht mal, dass es im deutschen Verkehrswesen eine Ansicht ist, als viel mehr bei Bahnfans an sich. Im universitären Kontext kam jedenfalls nicht diese Meinung auf.
Im universitären Umfeld findet sich das in Form eines Schubladendenken, dass, wenn man einen Bus in Betracht zieht, auch gleich dessen Möglichkeiten nutzt, die Haltestellen gezielt zu den gewünschten Punkten zu verschieben, mehr Haltestellen einzurichten und ihn dadurch ausbremst. Es wird also eher in Nahverkehrs-Produktkategorien gedacht, als dass man die technischen Eigenschaften der Transportsysteme mit seinen daraus folgenden Gestaltungsspielraum im Auge behalten würde. Das kann sich beispielsweise auch darin äußern, dass man bei einem Bus nicht bedenkt, dass er viel problemloser beim Spurwechsel ist und daher parallele Abfertigungen an parallele Bussteigen viel einfacher als bei der Eisenbahn zu realisieren sind, wo im Nahverkehr die serielle Abfertigung am selben Bahnsteig die Regel ist.

Es äußert sich aber auch in der deutschen Subventionspolitik des Nahverkehrs. Die Eisenbahn hat dort große Fördertöpfe, auf die die Busse nicht gleichberechtigt zugreifen können.
Die "Siegstrecke" ist auf 100 km zwischen Köln entlang und kreuz und quer über die Sieg bis nach Siegen geradezu ein Paradebeispiel für Henra und seine Sicht der Dinge.

Kaum eine Station ohne P+R und als die zum Teil schon vor Jahren gebauten Parkplätze gebaut wurden, da konnte man sich dem Ansturm der PKW-Massen kaum erwehren. In Eitorf z.B wurde gleich anschließend an den P+R-Neubau ein Parkdeck dazugebaut.
In Wissen entstand ein ganz neuer Bahnbereich, ein Verkehrsknoten für Bahn und Busse und Autos usw.
In Betzdorf ebenfalls.
In Kirchen wurde der über die Jahrzehnte zur Häßlichkeit verkommene Bahnbereich zu einem vorzeigbaren Zueinander von Bahn und P+R und Einkaufsmöglichkeit und auch für den Bus! Sogar der eigentlich schon lange abgeschriebene HP Niederschelden-Nord, noch oder schon in NRW gelegen wurde aufgewertet.
Dank der neuen Durchgehungsstraße wurde um den alten BÜ herum Platz frei für so manchen PKW und anderes.
Die erreichte Barrierefreiheit begünstigt die Mitnahme von Fahrrad, Kinderwägen und Co.
Wenn man einmal bedenkt, das zu Kaiserszeiten Eisenbahn eigentlich für die Industrie, vielleicht sogar hauptsächlich für den Krieg gebaut wurde, dann ist die Siegstrecke ein Beispiel dafür das es heute auch (fast) ohne Güterverkehr geht.

Ja, die Strecke ist so ausgelastet, dass es (schon) umfangreiche Ausbaupläne gibt. Wenn es da nur nicht diese "Kirchturmpolitiker" gäbe ......
Seit Jahren frage ich mich wie warum ist das so, dass sich ansonsten gebildete Menschen ständig gegenseitig so auf die Füße steigen ....

Stilstand ist möglich - leider - dank egomanischer sogenannter "Politgrößen"!

Mit Gruß von
Unterwegs
BOS

Wenn die GUTEN nichts tun - gehört die Welt den BÖSEN

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, sucht Gründe.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: kmueller

Datum: 12.10.20 14:48

Rollo schrieb:
Black Eyed schrieb:
Nennt sich Express- oder Schnellbus. Gerne auch RegioLinie oder PlusBus (in unterschiedlich konkreter Umsetzung jeweils). Also ein Konzept, dass ehemalige Schienenachsen mit zu geringem Verkehrsaufkommen bzw. regional bedeutsame schienenlose Achsen bedient und somit durch einen Taktverkehr die Vernetzung des SPNV erhöht, indem Umsteigeknoten miteinander verbunden werden. Solche Linien in mehr oder minder starker Ausprägung der Systemeigenschaften boomen doch (zumindest vor Corona) in der Umsetzung und in den Fahrgastzahlen...
Es wäre nett, wenn Du dafür Beispiele bringst.
Vor einiger Zeit haben wir uns auf DSO zumindest sehr schwer getan, Buslinien zu finden, die ähnlich wie Regionalzüge geführt werden (also Haltestellenabstand von ca. 5-10km, geführt auf Überlandstraßen, die schnelles vorankommen ermöglichen und keine Abstecher in lokale Siedlungen, sondern Haltestellen direkt an der Fernstraße).
Das gibt es verbreitet in den Niederlanden.

Infolge der durch lang zurückgehende Raumordnung erzeugten Siedlungstruktur mit stark konzentrierten statt Streusiedlungen (insbes. in den 'nassen' Landesteilen) haben teils schon 'gewöhnliche' ländliche Linienverkehre einen solchen Charakter. Es gibt aber unter verschiedenen Markennamen auch beschleunigte Linien mit komfortablerem Material, die den üblichen Landbus-Stundentakt überlagern. Und es gibt sogar Verbindungen zwischen Großstädten ohne direkte Bahnverbindung (u.a. Arnhem, Apeldoorn und Zwolle), die 20 und mehr Kilometer nonstop auf Autobahnen zurücklegen. Das alles ist regional ausgeschrieben.

Fahrpläne lassen sich hier abrufen: [9292ov.nl].

Im Zulauf auf Amsterdam gibts Busschleusen, die Linienbusse am Autostau vorbeileiten, und auf Schnellstraßen findet man an diversen Stellen Warnschilder "bei Stau: Linienbus auf Standstreifen". Letzteren sollte man tunlichst nicht blockieren; das würde teuer.
Ministerin Schulze gehört auch aufs Abstellgleis.

Sagt sie doch heute, auf Besichtigungstour in unserem Landkreis, auf die Frage, wie der Klimakrise begegnet werden könne:

"Nein, auf dem Land wird es nicht möglich sein, den öffentlichen Nahverkehr zu steigern".

Artikel Südkurier

https://pbs.twimg.com/media/EkJnDmzXYAM6cmf?format=jpg&name=small

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Henra

Datum: 12.10.20 21:15

Rollo schrieb:
Ich halte daher wenig von der pauschalen Ansicht, die im deutschen Verkehrswesen sehr verbreitet ist, dass es nur die Bahn schaffen würde, die Fahrgastmengen zugunsten des Umweltverbundes anzuziehen.

Eher im Gegenteil: Ist einfach nur eine empirische Feststellungen gerade im Nicht- Eisenbahnfreunde Bereich, wenn man mit 'Normalo's' spricht. Hier auf DSO ist man hingegen extrem Busfreundlich bis Bus- geil fixiert. Vermutlich auch, weil einfach viele hier kein Auto haben und damit auf den Bus einfach angewiesen sind. Das ist aber nicht repräsentativ, wenn man mal die Kernbereiche der Metropolen hinter sich lässt. Für Normalo's ist ein Bus nur ein Verkehrsmittel für Kinder, Greise, Hartzer und Mobilitäts-Eingeschränkte. Oder solche, die von der Rennleitung die Pappe gelocht bekommen haben.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.10.20 21:17.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: andreas +

Datum: 12.10.20 21:27

Black Eyed schrieb:
... womit man eine Zielgruppe erreichen kann, die weniger auf Komfort und Fahrzeit sondern mehr auf den Preis wert legt.
Nicht ganz, z.B.: Trier - Mainz / Wiesbaden; da ist der Flixbus nicht nur billiger, sondern auch schneller als die Bahn.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: MrEnglish

Datum: 12.10.20 21:50

Das stimmt zwar, aber zur Wahrheit gehört auch, dass das bei der Bahn nicht so viel besser aussieht. Viele Leute würden freiwillig niemals einen Zug betreten, schon gar keinen Nahverkehrszug. Die die überhaupt Bahn fahren sind das Klientel wegen dem es an Großstadtbahnhöfen große Taxistände gibt. Mit dem ICE von München nach Berlin geht gerade noch so, aber am Hauptbahnhof nimmt man dann das Taxi zum Hotel.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Henra

Datum: 12.10.20 23:24

MrEnglish schrieb:
Die die überhaupt Bahn fahren sind das Klientel wegen dem es an Großstadtbahnhöfen große Taxistände gibt. Mit dem ICE von München nach Berlin geht gerade noch so, aber am Hauptbahnhof nimmt man dann das Taxi zum Hotel.
Genau so ist es. Einen RE/RB Anschlusszug würden die aber schon durchaus noch nehmen. Einen Bus für die letzten Kilometer? Never. Ever.
Genau diese Leute muss man aber in die Bahn kriegen. Da ist das Volumen.
In unserer niedlichen Filterblase hier liegt kein Potenzial für einen Modalshift. Deswegen hilft die Sicht der ÖV Krieger hier nicht wirklich weiter. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Rollo

Datum: 13.10.20 08:55

Henra schrieb:
MrEnglish schrieb:
Die die überhaupt Bahn fahren sind das Klientel wegen dem es an Großstadtbahnhöfen große Taxistände gibt. Mit dem ICE von München nach Berlin geht gerade noch so, aber am Hauptbahnhof nimmt man dann das Taxi zum Hotel.
Genau so ist es. Einen RE/RB Anschlusszug würden die aber schon durchaus noch nehmen. Einen Bus für die letzten Kilometer? Never. Ever.
Genau diese Leute muss man aber in die Bahn kriegen. Da ist das Volumen.
In unserer niedlichen Filterblase hier liegt kein Potenzial für einen Modalshift. Deswegen hilft die Sicht der ÖV Krieger hier nicht wirklich weiter. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
Es gab Zeiten, da war der Bus gegenüber der Tram das bevorzugte Verkehrsmittel. Das waren aber auch Zeiten, wo die Trams Rumpelkisten waren. Es dürfte daher auch einiges vom Komfort und der Wertigkeit abhängen, die mit dem Transportgefäß verbunden wird. ÖPNV-Busse sehe ich da klar im Nachteil.

Dazu kommt, dass der Bus im ÖPNV fast immer zweitklassig präsentiert wird. Meist gibt es schöne Übersichtspläne für die Schienenbahnen in den jeweiligen ÖPNV-Verbänden. Die entsprechenden Busse muss man meist suchen, wenn es nicht zufällig Flughafenbusse gibt, zu denen es keine Schienenalternative gibt. Für Seltennutzer mag schon das ein Grund sein, dass sie Busse nicht in Erwägung ziehen.

Den anderen Aspekt hatten wir schon: Die Busse halten meist alle paar Meter und kommen daher nicht voran. Hinzu kommt gerade in dem Beispiel RE/RB Übergang in den Stadtverkehr, dass Seltennutzer durch die hohen Einzelticketpreise im Stadtverkehr abgeschreckt werden.

Ich frag mich diesbezüglich immer noch, wann die für Bahnfahrer optimierten E-Tretroller kommen. Bisher sind die E-Tretroller vor allem als Mietroller sichtbar geworden. Dabei hatten wir hier neulich heraus gefunden, dass ein sehr großer Teil der Bevölkerung sehr dicht an Haltestellen des Schienenverkehrs siedelt und daher eigentlich mit einer mitnehmbaren Mobilitätshilfe gut an den Schienenverkehr anbindbar wäre.
Falk12 schrieb:
Fakt ist, das die Bahn in den meisten Fällen, wenn die Strecke ordentlich ausgebaut ist, schneller als der Bus ist. Das konnte ich bisher bei jedem Schienenersatzverkehr erleben.

Hallo,

Schienenersatzverkehr ist als Vergleich dafür aber nicht sinnvoll. SEV orientiert sich an der zu ersetzenden Bahnstrecke. Er bedient Halte möglichst in Nähe der jeweiligen Bahnstationen. Originär geplanter Busverkehr hingegen orientiert sich am vorhandenen Straßennetz und am Nachfragebedarf. Da können schon sehr unterschiedliche Ergebisse bei herauskommen.

Busverkehre halten meist öfter und bedienen dadurch auch kleinere Bedarfscluster als die Eisenbahn. In ländlicheren Regionen sind daher oft Stichfahrten und andere Umwege notwendig, die den Bus verlangsamen. Würden die Busse unter Ausnutzung von Umgehungsstraßen und Autobahnen geplant und für den Bus verkehrsgünstig gelegenen Haltestellen (z.B. an Autobahnabfahrten) in ähnlichen Abständen wie die Eisenbahn bedienten, kämen Züge von der Geschwindigkeit oft nicht hinterher.

Gruß
westring
Henra schrieb:
Radiowaves schrieb:
Und:

Der Bevölkerungsmehrheit ist die Verkehrswende schei...egal

Sonst würde sie Druck ausüben. Stattdessen wünscht man Radfahrern die Pest an den Hals und ist vermutlich auch willens, für den letzten Tropfen Benzin dereinst an der Tankstelle zu töten.
Ich fürchte, damit hast Du die eigentliche Wurzel des Übels auf den Punkt gebracht. Alles andere sind im wesentlichen 'Folgeschäden'.
Kann man auch sehr schön an dem Verhältnis derjenigen ablesen, die sich vor Ort für Reaktivierungen oder Taktverdichtungen wirklich einsetzen. Gründet wer eine 'Dagegen'- BI hat die sofort 10x soviele Mitglieder.
Problem ist, dass das leider nicht so einfach zu ändern ist.
Es ist allerdings auch bei Straßenneu- und -ausbauten, neuen Stromleitungen und inzwischen sogar bei der Anlage neuer Wohngebiete usw. so, dass die "Dagegen-BIs" lauter schreien und mehr Zulauf haben.
Selbst Standorte für neue Ärztezentren, Schulen und Kindergärten werden inzwischen erbittert bekämpft.

Ein Teil der Wurzel des Übels ist es auch, dass das Dagegensein hierzulande mehr Gehör findet und offenbar auch mit mehr Eifer ausgeübt wird.

Sieht man ja auch an diversen Umweltverbänden die zwar immer Lippenbekenntnisse zur Verkehrswende abgeben aber dann doch vor allem durch unsinnige Blockaden beim Aus- und Neubau von Bahninfrastruktur und Streckenreaktivierungen auffallen.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: Thomas I

Datum: 13.10.20 09:59

Henra schrieb:
Rollo schrieb:
Ich halte daher wenig von der pauschalen Ansicht, die im deutschen Verkehrswesen sehr verbreitet ist, dass es nur die Bahn schaffen würde, die Fahrgastmengen zugunsten des Umweltverbundes anzuziehen.

Eher im Gegenteil: Ist einfach nur eine empirische Feststellungen gerade im Nicht- Eisenbahnfreunde Bereich, wenn man mit 'Normalo's' spricht. Hier auf DSO ist man hingegen extrem Busfreundlich bis Bus- geil fixiert. Vermutlich auch, weil einfach viele hier kein Auto haben und damit auf den Bus einfach angewiesen sind. Das ist aber nicht repräsentativ, wenn man mal die Kernbereiche der Metropolen hinter sich lässt. Für Normalo's ist ein Bus nur ein Verkehrsmittel für Kinder, Greise, Hartzer und Mobilitäts-Eingeschränkte. Oder solche, die von der Rennleitung die Pappe gelocht bekommen haben.
Tatsächlich ist das Stichwort "Metropolen" da der Punkt.
In der Stadt wo die Busse regelmäßig und auf vielen Linien fahren, barrierefrei sind usw. fahre ich sehr gerne Bus.
Aber im ländlichen Raum (z.B. bei meiner Familie in Niedersachsen) ist Bus genau das für mich was du im letzten Satz beschreibst.
Obwohl, seitdem die mit dem Bürgerbus einen Ortsbus haben mit dem man vom Bahnhof in den Kernort kommt muss ich sagen, hat der Bus auch da gewonnen. Diesen Shuttleservice nutze ich doch gerne.
Was zeigt: Es hängt auch mit dem Angebot zusammen.

Re: Das Image des Busses

geschrieben von: linie7484

Datum: 13.10.20 12:36

Rollo schrieb:
Black Eyed schrieb:
Nennt sich Express- oder Schnellbus. Gerne auch RegioLinie oder PlusBus (in unterschiedlich konkreter Umsetzung jeweils). Also ein Konzept, dass ehemalige Schienenachsen mit zu geringem Verkehrsaufkommen bzw. regional bedeutsame schienenlose Achsen bedient und somit durch einen Taktverkehr die Vernetzung des SPNV erhöht, indem Umsteigeknoten miteinander verbunden werden. Solche Linien in mehr oder minder starker Ausprägung der Systemeigenschaften boomen doch (zumindest vor Corona) in der Umsetzung und in den Fahrgastzahlen...
Es wäre nett, wenn Du dafür Beispiele bringst.
Vor einiger Zeit haben wir uns auf DSO zumindest sehr schwer getan, Buslinien zu finden, die ähnlich wie Regionalzüge geführt werden (also Haltestellenabstand von ca. 5-10km, geführt auf Überlandstraßen, die schnelles vorankommen ermöglichen und keine Abstecher in lokale Siedlungen, sondern Haltestellen direkt an der Fernstraße).
Solche Beispiele wird man auch kaum finden, zumindest in Deutschland. In Baden Württemberg hat man vor einigen Jahren das Konzept des Regiobusses eingeführt. Dies haben zwar keine Halteabstände von 5-10km, sondern können an allen Haltestellen auf dem Linienweg genutzt werden, und fahren auf der Hauptstraße durch die Orte (anstatt auf der Umgehungsstraße daran vorbei). Durch den Verzicht auf Umwege in kleinere Ortschaften, kurze Anschlusszeiten ab den Bahnhöfen und einen durchgängigen Stundentakt von früh morgens bis Mitternacht (sofern der Bahnverkehr nicht früher endet) konnte auf vielen Linien die Nachfage gesteigert werden, vielleicht auch gerade durch die kürzeren Haltestellenabstände, welche ein nochmaliges Umsteigen unnötig machen, wenn der Bus nur an einer Haltestelle im Ort hält.

Oftmals scheitern vernüftige Konzepte im Busverkehr an der kirchturmpolitik der Aufgabenträger, in einem Nachbarlandkreis wurden zu Jahresbeginn imZuge der Neuvergabe nahezu alle Buslinien im Bereich der Landkreisgrenze gebrochen, in solchen Fällen kann das Angebot noch so gut sein, wenn es nicht zur Nachfrage passt.
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