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Re: Spiegel-Online: Finanzbedarf der Bahn bis 2040

geschrieben von: Chris-S

Datum: 15.09.20 15:35

Wie würdest Du denn die Investitionen in die Bahn ausrechnen?

Wenn die Bahn selbst ein Drittel der Mittel zur Verfügung stellt, sind das übrigens trotzdem Investitionsmittel. Die Bahn und insbesondere DB Netz gehören zu 100 Prozent dem Bund. Und die Investitionsmittel der Bahn in die Infrastruktur muss die DB ja auch erwirtschaften. Die Investition der Bahn wird zu großen Teilen aus den Umsätzen der DB-Netz finanziert. Obwohl die Bahn eine AG ist, sind diese Investitionen als Bundesinvestitionen zu sehen. Jeder Euro bei der DB-AG ist zu 100 Prozent ein Euro des Bundes.

Wie würdest Du es denn sehen, wenn eine Bundesautbahn GmbH zum Beispiel die Mautgebühren einnehmen würde und dafür die Investitionen ins Autobahnnetz machen würde. Wären das keine Bundesinvestitionen in den Straßenverkehr mehr?

Re: Spiegel-Online: Finanzbedarf der Bahn bis 2040

geschrieben von: Chris-S

Datum: 15.09.20 15:45

Lieber Werbaer,

Du hast folgendes Zitat gefunden: "Insgesamt haben die verschiedenen staatlichen Ebenen im Jahre 2013 gut 19,2 Mrd. Euro für das Straßenwesen ausgegeben, die zu rund 60 Prozent investiv verwendet worden sind. Die Gesamtausgaben von rund 19,2 Mrd. Euro wurden zu 45 Prozent von den Gemeinden und Gemeindeverbände, zu knapp 40 Prozent vom Bund und zu etwas mehr als 15 Prozent von den Ländern getragen. "
Quelle: [www.bmu.de]

Ich fasse zusammen 19,2 Mrd. Ausgaben, davon 60 Prozent "investiv" verwendet. Schreckliches Kauderwelch in dem BMU Zitat. Aber man muss das wohl so deuten, dass Bund. Länder und Gemeinden 11,52 Milliarden in Straße in D investiert haben.

Straßenreinigung und Straßenbeleuchtung sind keine Investitionen. - Die Stromkosten für das was der Zug aus der Oberleitung zieht, sind es ja auch nicht.

Traumflug habe ich eben erklärt, dass man die Investitionen aus der DB aus den Umsätzen auch zu den Investitionen zählen muss. Dazu gibt es noch Investitionen von Ländern und Gemeinden in die Bahn.

Besteller-Entgelte sind keine Investititonen. Aus den Umsätzen generiert die DB jedoch wieder Investitionen.

Re: Spiegel-Online: Finanzbedarf der Bahn bis 2040

geschrieben von: bauigel

Datum: 15.09.20 15:47

PotsdamerEiche schrieb:
Die DB selbst spricht von rund 11 Milliarden die 2019 in die Schiene geflossen sind.
Wie viel von diesen 11 Milliarden sind denn der vom damaligen Verkehrsminister Ramsauer so getaufte "Finanzierungskreislauf Schiene" - also Trasseneinnahmen, Einnahmen aus der Vermietung von Kommunikationsleitungen an bahnfremde Dritte (da gibt's schon heute deutlich mehr als nur Arcor/Vodafone), etc

PotsdamerEiche schrieb:
Zitat:
Abgesehen davon das alleine durch LKW-Maut und KFZ-Steuer rund 16,5 Milliarden eingenommen werden.
Wieviel Kfz-Steuer ist denn eigentlich Geld, das der Steuerzahler zahlt (Kommunalfahrzeuge, KOM im öffentlich bestellten Linienverkehr, ...)?
PotsdamerEiche schrieb:
Zitat:
2. Die Behauptung das viel mehr ins Straßennetz gegenüber der Schiene investiert wird ist damit nicht haltbar.

Tatsächlich? Wie viele Kommunen und Landkreise betreiben denn Schienenbau? Schwer zu sagen?! Wie viele betreiben Straßenbau? Ganz einfach: alle! Wenn man dieses Segment natürlich ausblendet, ist das Ergebnis praktisch absehbar...

Mineralölsteuer

geschrieben von: MD 612

Datum: 15.09.20 15:49

PotsdamerEiche schrieb:
Also finanzieren die hier von vielen so verhassten Autofahrer bereits jetzt einen beträchtlichen Teil des Schienenpersonennahverkehrs an der Zapfsäule durch die Mineralölsteuer.
Das ist schon alleine deshalb falsch, weil die Mineralölsteuer nicht nur für Autofahrer anfällt, sondern auch auf den von den Eisenbahnen für den Betrieb der Dieselloks und Dieseltriebwagen verbrauchten Dieselkraftstoff. Zudem bezahlen die Eisenbahnen einen nicht unbeträchtlichen Betrag an Stromsteuer auf den Bahnstrom. Mit anderen Worten, die Eisenbahnen finanzieren über den Umweg Strom- und Mineralölsteuer den von ihnen erbrachten SPNV auch noch selber...

Gruß Peter

Menschen ohne Rückgrat sind anfällig fürs Gehen krummer Wege.
Ernst Ferstl, österreichischer Schriftsteller




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.09.20 15:49.

Re: Spiegel-Online: Finanzbedarf der Bahn bis 2040

geschrieben von: bollisee

Datum: 15.09.20 15:57

sukram01 schrieb:
Zitat
Bahn-Ausbau kostet im Schnitt 3,7 Milliarden Euro pro Jahr
Als das Verkehrsministerium im Juni seinen "Masterplan Schiene" vorstellte, zweifelten viele, ob die dafür bewilligten Finanzmittel ausreichen würden. Nun stellt sich heraus: Das Vorhaben wird noch teurer als erwartet.
Der von der Regierung geplante Um- und Ausbau von Bahnstrecken in Deutschland dürfte die bisher bewilligten Ausgaben weit übersteigen. In einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen wird bis 2040 von durchschnittlichen Kosten von 3,7 Milliarden Euro pro Jahr ausgegangen. Bis 2031 würden die jährlichen Kosten sogar zeitweise auf mehr als sechs Milliarden Euro ansteigen [...]

Lesen Sie mehr...

Guter Gruß aus den Tiefen des Kohlenpotts

--
Markus

Edit: Titel angepasst
Wenn die Preise im Schnitt wie bei der Elektrifizierung Bodenseegürtelbahn auf 700% anwachsen oder das nur zu einem kleinen Teil tun, dann wundert einen der "moderate Preisanstieg des Spiegels" durchaus...

Re: Spiegel-Online: Finanzbedarf der Bahn bis 2040

geschrieben von: Strizie

Datum: 15.09.20 16:00

PotsdamerEiche schrieb:
Im Kern geht es aber doch um 2 Sachen:

1. Es fließt bereits heute viel mehr Geld in die Schiene in Deutschland als viele Politiker das kundtun wieder besseren Wissens! Herr Gastel von den Grünen spricht z. B. auch immer nur von der EINEN Position im Bundeshaushalt in Höhe von rund 2 Milliarden. Die DB selbst spricht von rund 11 Milliarden die 2019 in die Schiene geflossen sind.

2. Die Behauptung das viel mehr ins Straßennetz gegenüber der Schiene investiert wird ist damit nicht haltbar. Abgesehen davon das alleine durch LKW-Maut und KFZ-Steuer rund 16,5 Milliarden eingenommen werden. Selbst wenn wir die Mineralölsteuer außen vor lassen.
Wie soll man eine Verkehrswende schaffen, wenn nicht mehr in die Schiene investiert wird.

Man schaue zudem einfach mal an, wie sich in den letzten 30 Jahren Ortschaften verändert haben was die Straßeninfrastruktur angeht.

Mittlerweile gibt es fast überall Umgehungsstraßen welche vielfach in den letzten 30 Jahren überall gebaut wurden.

Auch ist es immer interessant zu sehen, welche Straßenkonstruktionen man auch in schwierigeren Terrain so verbaut.

Wenn man dagegen z.B. Neutrassierungen von manchen Streckenabschnitten auf der Schiene fordert wird man als Träumer belächelt.

Die Schiene ist abseits der ICE-Neubaustrecken in den meisten Fällen immer im Nachteil gegenüber der Straßeninfrastruktur und genau dieser Punkt muss sich ändern, wenn man die Leute zum Umsteigen bewegen möchte.

Oder ist eine Verkehrswende nur im Zulauf auf die Großstädte erwünscht. Diesen Eindruck gewinnt man nämlich eher.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.09.20 16:01.

Re: Spiegel-Online: Finanzbedarf der Bahn bis 2040

geschrieben von: kmueller

Datum: 15.09.20 16:06

PotsdamerEiche schrieb:
bauigel schrieb:
Das ist genauso zu pauschal, wie andere hier im Thread einfach mal die Energiesteuer aus Diesel komplett als Einnahmen aus dem Autoverkehr zu verbuchen (als ob die Bahnen keine Dieselloks hätten)...
Im Kern geht es aber doch um 2 Sachen:

1. Es fließt bereits heute viel mehr Geld in die Schiene in Deutschland als viele Politiker das kundtun wieder besseren Wissens! Herr Gastel von den Grünen spricht z. B. auch immer nur von der EINEN Position im Bundeshaushalt in Höhe von rund 2 Milliarden. Die DB selbst spricht von rund 11 Milliarden die 2019 in die Schiene geflossen sind.

2. Die Behauptung das viel mehr ins Straßennetz gegenüber der Schiene investiert wird ist damit nicht haltbar. Abgesehen davon das alleine durch LKW-Maut und KFZ-Steuer rund 16,5 Milliarden eingenommen werden. Selbst wenn wir die Mineralölsteuer außen vor lassen.
Im Kern ist das nur eine Sache: der Straßenverkehr transportiert etwa das zehnfache Volumen der Bahn und setzt daher auch ungefähr das Zehnfache an Geld um.

Das Problem ist, daß er weit mehr als das Zehnfache an Kollateralschäden (insbes. an der Umwelt) verursacht. Es fängt an mit dem immensen Flächenverbrauch, insbes. in den Städten, wo Grund und Boden astronomisch teuer ist. Würde man das z.B. per Maut- und Parkgebühren wieder reinholen...
Strizie schrieb:


Oder ist eine Verkehrswende nur im Zulauf auf die Großstädte erwünscht. Diesen Eindruck gewinnt man nämlich eher.
Strizie,

genau denn da gibt es den mit Abstand größten Hebel um die Verkehrswende zu erreichen.
Alleine Berlin hat jeden Werktag über 300.000 Ein- und Auspendler. Sprich in 3 Tagen so viele Pendler wie das Saarland Einwohner hat.

Daher ist dort jeder Steuereuro besser bzw. dringlicher investiert im Sinne der Verkehrswende als in irgendwelchen Nebenstrecken mit 300 oder 400 Nutzern je Tag.

Re: Spiegel-Online: Finanzbedarf der Bahn bis 2040

geschrieben von: Werbaer

Datum: 15.09.20 17:21

Chris-S schrieb:
Du hast folgendes Zitat gefunden: "Insgesamt haben die verschiedenen staatlichen Ebenen im Jahre 2013 gut 19,2 Mrd. Euro für das Straßenwesen ausgegeben, die zu rund 60 Prozent investiv verwendet worden sind. Die Gesamtausgaben von rund 19,2 Mrd. Euro wurden zu 45 Prozent von den Gemeinden und Gemeindeverbände, zu knapp 40 Prozent vom Bund und zu etwas mehr als 15 Prozent von den Ländern getragen. "
Quelle: [www.bmu.de]

Ich fasse zusammen 19,2 Mrd. Ausgaben, davon 60 Prozent "investiv" verwendet. Schreckliches Kauderwelch in dem BMU Zitat. Aber man muss das wohl so deuten, dass Bund. Länder und Gemeinden 11,52 Milliarden in Straße in D investiert haben.
Hallo Chris,

"Die in diesem Forschungsbericht dargestellten Ausgaben und die daraus abgeleiteten Kosten umfassen die Ausgaben für Investitionen, für die laufende Unterhaltung und den Betrieb der Verkehrsinfrastruktur sowie für den ÖPNV (SPNV und ÖSPV) zusätzlich für die Fahrzeuge und für das Erbringen der Verkehrsleistung. "

Investitiv sind Maßnahmen, die das Anlagevermögen erhöhen.
Aber im Rahmen dieser Diskussion würde ich auch Ausgaben zum Unterhalt der Infrastruktur als "Investition in den Straßenverkehr" betrachten.

Im Gegensatz zur Schiene wurden die Ausgaben für den Straßenverkehr leider nicht weiter aufgeschlüsselt.

Re: Schriftliche Frage: Finanzbedarf der Bahn bis 2040

geschrieben von: Henrik

Datum: 16.09.20 20:44

Node schrieb:
sukram01 schrieb:
Zitat
Bahn-Ausbau kostet im Schnitt 3,7 Milliarden Euro pro Jahr


Lesen Sie mehr...

Guter Gruß aus den Tiefen des Kohlenpotts

--
Markus

Edit: Titel angepasst
Leider habe ich bisher keine Primärquelle finden können, wo das ggf detaillierter aufgeschlüsselt ist.

Bei 2 Mrd/a über 20 Jahre ist man schon bei 40; dann wäre man grob bei 34 Mrd für NBS Hannover - Bielefeld, Würzburg- Nürnberg, Hanau - Nantenbach etc ... es ist also als reine Zahl selbst für eine Diskussion nicht ausreichend.
Es handelt sich um eine Schriftliche Frage
..sollte mit Datum 18.09.2020 in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

Deine Zahlen sind nicht so ganz nachvollziehbar.
Es geht um die Projekte des Bedarfsplans Schiene, den entsprechenden Finanzplanungen bis 2030 und darüber hinaus.

Re: Spiegel-Online: Finanzbedarf der Bahn bis 2040

geschrieben von: Henrik

Datum: 16.09.20 21:05

PotsdamerEiche schrieb:
Chris-S schrieb:
die LKW Maut ist zweckgebunden und fließt direkt in den Haushalt des Bundesverkehrsministeriums.
Auch Deine Aussage "Solange der Modal Split Strasse:Schiene im Bereich 85:15 ist, führt außerdem jede Finanzierungsform innerhalb der Sektoren nur zu einer Stärkung des schon stärkeren Sektors. Da machen auch Vergleiche dann keinen Sinn mehr." halte ich für nicht richtig:

Schauen wir uns mal die Ausgaben für den Erhalt der Schienenwege und der Bundesautobahnen und Bundesstraßen an

Erhalt Bundesstraßen: 1,5 Mrd. Euro
Erhalt BAB: 2,9 Mrd. Euro
Zusammen: 4,4 Mrd. Euro

dagegen
Erhalt des Schienennetzes 4,6 Mrd. Euro
Also bei diesen Zahlen schlägt sich der Modal Split von 85 zu 15 nicht durch.

Schauen wir uns mal die Investitionen in Schienen und Bundesfernstraßen an
Ausbau BAB: 1,4 Mrd. Euro
Ausbau Bundesstraßen: 0,8 Mrd. Euro
Zusammen 2,2 Mrd. Euro

dagegen
Ausbau des Schienennetzes 1,5 Mrd. Euro

Also auch bei den Investitionen schlägt sich das nicht durch
Die Bahn selbst spricht sogar von deutlich mehr Investitionen:
[www.tagesschau.de]


Zitat
Die Deutsche Bahn hat 2019 mit knapp elf Milliarden Euro so viel Geld in das Schienennetz investiert wie bislang in keinem Jahr. 2018 waren es nach Unternehmensangaben noch 9,4 Milliarden Euro gewesen.
Die Summe wuchs einerseits, weil die Baupreise teils deutlich steigen, andererseits, weil die Bahn deutlich mehr baut. Zeitweise gab es bis zu 800 Baustellen gleichzeitig.
Man hängt sich immer gerne an die eine Position im Bundeshaushalt. Das ist aber bei weitem nicht alles an Geld was in die Schiene fließt.
Von dem bestellten und damit subventionierten Nahverkehr fange ich mal gar nicht an ;-).
Es ging zuvor nur um die investiven Mittel des Bundes.
Allein nur für den LuFV-Bereich kommt da noch hinzu die Dividende, Anteile aus dem Bedarfsplan, Eigenmittel der DB für die Ersatzinvestitionen als auch Mittel der DB für die Instandhaltung - das ergibt knapp 8 Mrd Euro,
hinzu dann die Projekte des Bedarfsplans, nebst Eigenmittel der DB und weitere Projekte.

Wenn Du schon auf die Subventionen des Nahverkehrs hinweist, dann doch auch auf das BEV. ;)

insgesamt sind es über 20 Mrd Euro, die jedes Jahr vom Bund in das System Schiene fließt.

8,95 Mrd Euro Regionalisierungsmittel fürs Jahr 2020

geschrieben von: Henrik

Datum: 16.09.20 21:26

Chris-S schrieb:
In der Sache hast Du natürlich Recht, dass die Ausgaben des Staates aus einem Gesamtbudget kommen. Ansonsten müssten wir mit der Sektsteuer immer noch die kaiserlich deutsche Flotte aufbauen. Der Zusammenhang zur Mineralölsteuer ist einfach folgender: ein Teil eines Aufkommens erhalten die Länder zweckgebunden. Ob der Euro nun aus der Einkommensteuer oder der Mehrwertsteuer kommt, ist nicht klar. Aber die Höhe der jährlichen Zuwendung bestimmt sich aus der Höhe des Mineralölsteuer-Aufkommens.
wie meinst Du den letzten Satz?

Die Regionalisierungsmittel sind im Gesetz festgeschrieben bis 2031.

die Höhe der jährlichen Zuwendung bestimmt sich aus dem Regionalisierungsgesetz.

vgl.
[www.gesetze-im-internet.de]

fürs Jahr 2020 sind es 8,95 Mrd Euro
vgl.
[www.bundesregierung.de]
Strizie schrieb:
Man sieht ja schon deutlich ein Missverhältnis darin, dass der Bund die Bundesstraßen finanziert. Würde man das auf die Schiene übertragen müsste der Bund auch den Ausbau von Nebenfernstrecken bezahlen. Das wiederum macht der Bund nicht, weil es dort oftmals keinen Fernverkehr gibt sondern nur Regionalverkehr. So was wie die Neutrassierung der Mitte-Deutschland-Verbindung bei Willebadessen sind die absolute Ausnahme.

Genau aus diesen Gründen wird das Missverhältnis zwischen Straße und Schiene immer größer.

Das ist ein Teufelskreislauf, welcher nur unterbrochen werden kann, wenn man das u.a. ändert.

Straße weiterhin massiv ausbauen und von Verkehrswende faseln wird nichts bewirken.
Über die Regionalisierungsmittel finanziert er Investitionen der Länder in den Nahverkehr mit

und Finanzierung von Investitionen in Strecken des Nahverkehrs sind keine Ausnahme, sondern verpflichtend vorgeschrieben in deutlicher Höhe nach
Bundesschienenwegeausbaugesetz

§ 3 Gegenstand des Bedarfsplans
(1) In den Bedarfsplan sollen insbesondere aufgenommen werden Schienenverkehrsstrecken des Fern- und Nahverkehrs [...]

[www.gesetze-im-internet.de]

§ 8 Investitionen
(2) Von den Mitteln sind zwanzig vom Hundert für Investitionen in Schienenwege der Eisenbahnen des Bundes, die dem Schienenpersonennahverkehr dienen, zu verwenden. Die Deutsche Bahn Aktiengesellschaft stimmt diese Maßnahme mit dem jeweiligen Bundesland ab.

[www.gesetze-im-internet.de]

Die Autobahn GmbH des Bundes

geschrieben von: Henrik

Datum: 17.09.20 01:40

Chris-S schrieb:
Wie würdest Du denn die Investitionen in die Bahn ausrechnen?

Wenn die Bahn selbst ein Drittel der Mittel zur Verfügung stellt, sind das übrigens trotzdem Investitionsmittel. Die Bahn und insbesondere DB Netz gehören zu 100 Prozent dem Bund. Und die Investitionsmittel der Bahn in die Infrastruktur muss die DB ja auch erwirtschaften. Die Investition der Bahn wird zu großen Teilen aus den Umsätzen der DB-Netz finanziert. Obwohl die Bahn eine AG ist, sind diese Investitionen als Bundesinvestitionen zu sehen. Jeder Euro bei der DB-AG ist zu 100 Prozent ein Euro des Bundes.

Wie würdest Du es denn sehen, wenn eine Bundesautobahn GmbH zum Beispiel die Mautgebühren einnehmen würde und dafür die Investitionen ins Autobahnnetz machen würde. Wären das keine Bundesinvestitionen in den Straßenverkehr mehr?
natürlich nicht.
Dabei geht doch kein einziger Cent beim Bundesfinanzminister rein oder raus.

klappt aber ja eh nicht.

Bei dem Namen wurd die Geschichte aber jüngst ja nun eingeholt,
der Bund hat seine erste eigene Bauverwaltung:
Die Autobahn GmbH des Bundes

[www.bmvi.de]

[www.autobahn.de]

Re: Die Autobahn GmbH des Bundes

geschrieben von: kmueller

Datum: 17.09.20 08:10

Henrik schrieb:
Chris-S schrieb:
Wie würdest Du es denn sehen, wenn eine Bundesautobahn GmbH zum Beispiel die Mautgebühren einnehmen würde und dafür die Investitionen ins Autobahnnetz machen würde. Wären das keine Bundesinvestitionen in den Straßenverkehr mehr?
natürlich nicht.
Dabei geht doch kein einziger Cent beim Bundesfinanzminister rein oder raus.
Doch.

Alles, was die Autobahn GmbH sich an Gebühren holt, müssen die Transporteure auf ihre Kunden umlegen. Beim Endkunden (Verbraucher) fällt darauf Mehrwertsteuer an (Höhe ändert sich täglich). Für die Abrechnungen muß eine Bürokratie geschaffen werden, deren Mitarbeiter Lohnsteuer zahlen (statt in einer Behörde zu sitzen und Beamtengehalt zu kassieren; man hätte zusätzlich zu den Einnahmen sogar eine Entlastung). Usw.

Würde jede Straßen- und Bürgersteigbenutzung personen- bzw. tonnenscharf einzeln abgerechnet (wie Bahn- und Busfahrten teils pro Meter und teils über Pauschalen wie Zeitkarten), könnte eine ungeheure Wertschöpfung entstehen. Die Straßenbau und -verwaltungsbranche könnte zu einer führenden Industrie mit Aussicht auf weltweite Expansion werden.
Ich hätte anstelle "bestimmt sich" "orientiert sich" verwenden sollen. Die konkrete Höhe wir ausgehandelt und dann wie von Dir beschrieben für ein paar Jahre festegelegt, um den Empfängern der Regionalisierungsmittel Planungssicherheit zu geben. Aber wie gesagt der Zielbetrag dieser Verhandlung orientiert sich an einem Anteil des Mineralölsteuer-Aufkommens.

Re: Die Autobahn GmbH des Bundes

geschrieben von: Chris-S

Datum: 17.09.20 08:22

Ich hatte darauf gezielt, dass eine solche Bundautobahn GmbH die bestehenden Einnahmen aus der LKW-Maut in den Haushalt übertragen bekommt. Das wäre lediglich bei der Haushaltsdarstellung (bei wem taucht was in den Büchern auf) eine Änderung. Den Papierkram hierfür ist Tagesgeschäft für das FM

Also was die Einnahmenseite angeht wird hier keine neue Bürokratie geschaffen. Die GmbH ist als 100 Prozent Tochter des Bundes weisungsgebunden - das ist ein Unterschied zur AG.

Re: Spiegel-Online: Finanzbedarf der Bahn bis 2040

geschrieben von: Chris-S

Datum: 17.09.20 08:40

Lieber Werbaer,

wir haben es hier einfach mit einer unterschiedlichen Zahlenbasis zu tun. Da ist es schwierig, wenn man unterhschiedliche Sachen - Unterhaltkosten und Investitionen in einen Topf wirft. Das macht die Sache noch komplizierter.

folgende Infos haben wir:
Straßenwesen:
2013: 11,52 Mrd. Euro Investitionen durch Bund Länder und Gemeinden
2013: 7,68 Mrd. Euro Ausgaben im Straßenwesen, die keine Investitionen waren durch Bund Länder und Gemeinden
wir haben nicht die Zahlen von 2019 hierzu. Es ist anzunehmen, dass sie höher sind.

Bahnwesen:
2019: Bruttoinvestitionen durch DB-Netz in Höhe von 6,892 Mrd. Euro
2019: DB-Netz hatte Aufwendungen (ohne Abschreibungen) von 5,908 Mrd. Euro
Was wir nicht haben sind die Zahlen für Investitionen in nicht bundeseigene Schienenstrecken- Also zahlreiche Nebenbahnen und Schienennetze des ÖPNV. Die Ausgaben sind beträchtlich, wenn man alleine auf die Investitionsbudget der Städte mit schienengebundenem ÖPNV schaut.

Der direkte Vergleich ist also nur eingeschränkt möglich. Ein paar Aussagen lassen sich jedoch machen:

1) Für beide Bereiche werden Ausgaben in ähnlichen Dimensionen gemacht (zweistelligen Milliardenbeträge).
2) Bei einem Modal Split von 15 zu 85 von Bahn zu Straßenverkehr, erhält die Bahn in Relation zu ihrer Beförderungsleistung wesentlich mehr "finanzielle Aufmerksamkeit" als der Straßenverkehr.
3) Nur Kürzungen beim Straßenverkehr zugunsten der Bahn würden nicht ausreichen, um das Verhältnis Bahn zu Straße nachhaltig zu ändern. Im Resultat hätten wir ein leichtes Wachstum bei der Bahn und kaputte Straßen. Will man eine deutliche Steigerung bei der Bahn, dann nur mit neuem und vor allem viel Geld.
4) Beide Bereiche gegeneinander auszuspielen überlasse ich den Populisten.

abgeführte Dividende betrug 650 Mio Euro

geschrieben von: Henrik

Datum: 17.09.20 14:16

bauigel schrieb:
PotsdamerEiche schrieb:
Die DB selbst spricht von rund 11 Milliarden die 2019 in die Schiene geflossen sind.
Wie viel von diesen 11 Milliarden sind denn der ... "Finanzierungskreislauf Schiene"
Fürs genannte Jahr 2019 betrug die abgeführte Dividende 650 Mio Euro.
Für das laufende Jahr 2020 sind ebenfalls 650 Mio Euro vorgesehen - man kann davon ausgehen, dass es nicht dazu kommen wird.
Chris-S schrieb:
Ich hätte anstelle "bestimmt sich" "orientiert sich" verwenden sollen. Die konkrete Höhe wir ausgehandelt und dann wie von Dir beschrieben für ein paar Jahre festegelegt, um den Empfängern der Regionalisierungsmittel Planungssicherheit zu geben. Aber wie gesagt der Zielbetrag dieser Verhandlung orientiert sich an einem Anteil des Mineralölsteuer-Aufkommens.
Wie kommst Du darauf?
Das müsste ja auch nachlesbar sein und auch ablesbar sein.. erwähnt worden sein während dieser Verhandlung.

Was für einen Anteil?
Wie kommst Du überhaupt auf derlei Gedankengänge?


vgl.
Entwicklung der Einnahmen aus Mineralöl- bzw. Energiesteuer in Deutschland bis 2018
[de.statista.com]
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