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Guten Mittag,

Ein schöner Bericht über die Schwierigkeiten bei Reaktivierungen von Bahnstrecken, insbesondere durch NIMBY'S.

Hier am Beispiel Münsterland und OWL. Wie immer die bundesweit gleichen Argumente. Gibt es eigentlich dazu einigermaßen belastbare Zahlen, speziell zum immer wieder angeführten Wertverlust von Grundstücken? Ich denke, das ist, wie so oft, lediglich auf Gefühlen beruhend denn Tatsachen.

Der Spiegel

Der letzte Satz im Artikel ist für mich bezeichnend.

Grüßle von der Insel

Hans-Jörg
Das sind doch die, die diese Häuser dann gewinnbringend an Städterer verkaufen mit dem Argument, dass das Haus beste SPNV - Anbindung in die Innenstat hätte, oder?;)
Hallo,

ein Witz, dass der Ostermeyer es mit seinen Lügen auch noch in den Spiegel schafft. Das Baugebiet seines Hauses ist Anfang der 70er Jahre gebaut worden. Im immer noch gültigen Bebauungsplan wurde auf die damals sogar noch Personenverkehr anbietende Bahn hingewiesen und dies als Argument für damalige Kaufinteressenten genutzt, die Grundstückspreise an der Bahn waren damals geringer. Die Diskussion um die Bahnreaktivierung läuft seit 1989. Bei den letzten 4 Kommunalwahlen hatten das, bis auf die FDP , fast alle Parteien im Wahlprogramm stehen. Wenn man aber nur Zugezogener ist und sich nicht richtig über die Lokalpolitik der Stadt Münster informiert, kann man gut den Benachteiligten spielen....und nun wettern.

Darüberhinaus wurden viele Anregungen der BI in der Planung, auch im Nachgang von mehreren Bürgerveranstaltungen im lfd. Planfeststellungsverfahren berücksichtigt.

Soweit mal kurz dazu.

Forti
Hallo zusammen,

ich denke schon, dass der Wert der Immobilie sinkt wenn mit Lärm und Abgasen zu rechnen ist. Wenn ich mir eine Immobilie kaufen oder mieten möchte, würde ich im Falle zweier gleichen Objekte (mit sonst den gleichen Parametern) mich auch eher für das Objekt entscheiden was nicht an der Schiene liegt - auch wenn ich mich als Eisenbahnfreund tituliere. Im Zweifelsfall habe ich eben doch lieber meine Ruhe.

Dee ntscheidende Punkt ist der, dass mit der Betriebseinstellung auch eine Wertsteigerung einhergegangen sein dürfte die sich offensichtlich der Voreigentümer "eingesteckt" hat. Wer an einen Verkehrsweg zieht (welcher aktuell nicht oder wenig befahren wird - sei es weil noch nicht entwidmet oder kaum genutzt) sollte meiner Meinung auch damit rechnen müssen, dass es eines Tages auch wieder anders kommen könnte. Der Mann aus dem Artikel des Spiegels hätte also damit rechnen müssen, dass die Strecke wieder in Betrieb gehen könnte.
Entweder der Verkäufer hat ihm dessen wissend das Haus günstiger verkauft, hat er davon also sogar profitiert weil er weniger zahlen musste. Alternativ hat der Verkäufer von der Unwissenheit seines Käufers profitiert
Ist also die Frage ob man das nicht rechtlich so regeln könnte, dass ein Verkäufer oder Vermieter einer Immobilie oder eines Grundstücks den Käufer bzw. Mieter zwingend über das potentielle Risiko aufklären müsste.
Das betrifft nicht nur die Wiederinbetriebnahme von Verkehren auf einer Strecke, sondern auch etwaige Ausbauten (2. Gleis, Elektrifizierung etc.), sofern der Ausbau nicht einem Neubau entspricht. Wenn also bisher einer eingleisige nicht elektrifizierte Strecke ohne Verkehr durchs Dorf führt, würde ich nicht damit rechnen, dass dort ein 4-gleisiger Abschnitt wie Ebensfeld-Hallstadt entsteht.

Gleiches gilt auch für komplette Neubauten wie die NBS im bayrischen Inntal. In einem TV-Bericht habe ich bspw. letztens einen Bericht über einen Projektgegner gesehen durch dessen Elternhaus genau mittendurch eine der Entwurfstrassen geplant ist. Für solche Menschen habe ich durchaus Verständnis, da diese ja damit nie und nimmer rechnen konnten. Für den Fall in NRW habe ich allerdings wenig bis kein Verständnis.

Gruß
Patrick
(Wohne in Münster, kenne die Strecke und die Proteste)

Was auch interessant ist: Während die Leute nahe an Münster (die sich ein Grundstück an einer existierenden und mit Güterverkehr (schwach) befahrenen Bahnstrecke gekauft haben, vielleicht auch deswegen billiger?) dagegen sind, sind diejenigen, die weiter entfernt wohnen, sehr dafür, weil sie das im-Stau-stehen über haben.

Impressionen von einer Sonderfahrt vor zwei Jahren:

Ausfahrt aus HBf Münster (Westf): [www.youtube.com]
Einfahrt in Hbf Münster (Westf): [www.youtube.com]

Gruß,

Christian

Edit: Bachstubendreher

Chuck Norris hat die Gleise der Strecke Hamburg-München in drei Stunden mit einer Handsäge durchtrennt. Der Länge nach.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.09.20 12:58.
"600 Immobilien lägen direkt an der Strecke, zählt er auf. Einige davon Mehrfamilienhäuser, also mehr als 5000 Menschen, kalkuliert er großzügig."

Wenn von 13000 Einwohnern knapp die Hälfte direkt an der Strecke wohnen, ist seine Definition von "Direkt an der Strecke" wohl "weniger als 500 Meter entfernt".
Hallo,

18 610 schrieb:
Gibt es eigentlich dazu einigermaßen belastbare Zahlen, speziell zum immer wieder angeführten Wertverlust von Grundstücken?
Schau mal da: [www.bbsr.bund.de] oder (PDF-Endbericht) da: [www.bbsr.bund.de]

Keine "einfachen Wahrheiten", aber immerhin belastbare Wirkungszusammenhänge.

Grüße
Volker
Hallo,


ich bin sogar bewusst in ein Neubaugebiet an einer im Halbstundentakt befahrenen eingleisigen, nichtelektrifizierten Hauptbahn gezogen, um zu Fuß zum Bahnhof gelangen zu können.....


Grüße,

Steffen
Solche alten Studien weit vor Corona+Klimawandel und der damit einhergehenden Digitalisierung können jetzt doch nicht mehr als belastbar genommen werden.Wer nur noch einmal die Woche Präsenzzeit im Büro hat-der nimmt doch wesentlich andere Arbeitswege in Kauf und überlegt genau ob man in einer teuren Stadt mit heißen Sommern wirklich mit seiner Familie dauerhaft Leben will.
Bei den Sonderfahrten 2018 mit einem Vareo-622 habe ich in Gremmendorf mit einigen Anwohnern diskutieren können.
Das waren genau solche NIMBYs aus dem Lehrbuch wie Herr Ostermeyer.
"Ja gut, der Zug jetzt ist ja nicht so laut. Aber wenn dreimal die Stunde ein Zug fährt, ist der Lärm unerträglich." Klar, dass man den Anwohner wegen des PKW-Lärms von der nur ein paar Meter entfernten dicht befahrenen Albersloher Straße kaum verstehen konnte, störte ihn hingegen nicht. Es herrscht bei einigen Anwohnern wohl immer noch die Befürchtung, dass man russische Großdieselloks oder 218er mit klotzgebremsten Wagen dort einsetzen will. Nach aktuellem Stand sollen dort aber wasserstoffgetriebene Fahrzeuge (iLINT) oder ähnliches fahren, die im Betrieb sogar leiser sind als die die DB- bzw. Eurobahn-Dieseltriebwagen, die die anderen auf Münster zuführenden Nebenstrecken bedienen.

Ein anderer Anwohner forderte "der Bahnbetrieb ist rausgeschmissenes Steuergeld, die sollen lieber die Gleise rausreißen und einen vernünftigen Radweg bauen." Auf den Hinweis, dass knappe 50 Meter weiter ein top ausgebauter Radweg bereits vorhanden ist und auf die Frage, wie es denn um die Wirtschaftlichkeit von Radwegen bestellt ist, wollte er nicht mehr mit mir reden. Touché...

Grüße aus dem Volmetal
Uwe
http://abload.de/img/bahnhofschildmeinerzhy3qro.jpg
Guten Mittag,

Damit ist ja dann sogar mit einem noch höheren Vorteil für Eigentümer draußen auf dem Land zu rechnen, wenn die, von Dir aber wahrscheinlich trotzdem überschätzten, Effekte eintreten sollten.

Zu Käufern preiswerter Häuser an Bahnstrecken

geschrieben von: Ruhrrevierbahner

Datum: 10.09.20 14:32

Das erinnert mich an was:

Mit Anwohnern der Strecke Oberhausen <-> Emmerich führte das WDR-Fernsehen vor Jahren mal Interviews zum Streckenausbau.

Da kam auch ein Hausbesitzer hocherbost zu Wort, der das Haus an der Strecke erst kürzlich sehr preiswert (warum wohl...) erstanden hätte.

Dieser gab zum Besten, dass der Vorbesitzer und Verkäufer ihm versichert hätte, dass auf der Strecke der Betrieb nach und nach auslaufen würde und sie dann bald stillgelegt werden sollte (seit anno zweigleisige elektrifizierte Hauptbahn mit Fernverkehr). Das hat der tatsächlich geglaubt...


Siggis Malz schrieb:
Das sind doch die, die diese Häuser dann gewinnbringend an Städterer verkaufen mit dem Argument, dass das Haus beste SPNV - Anbindung in die Innenstat hätte, oder?;)
Uwe Busch schrieb:
Ein anderer Anwohner forderte "der Bahnbetrieb ist rausgeschmissenes Steuergeld, die sollen lieber die Gleise rausreißen und einen vernünftigen Radweg bauen."
Genau dieselben Sprüche standen 2004 in den Leserbriefen kurz bevor der Haller Willem reaktiviert wurde. Niemand würde dort mitfahren, weil man auf der Autobahn viel schneller in der Stadt sei (was bei den gültigen Verkehrsregeln illegal ist). Heute sind alle so zufrieden, dass man sogar den Halbstundentakt eingeführt hat.

Fazit: Schenkt den Anwohnern keinerlei Aufmerksamkeit! Lasst sie einfach reden!

Markus Heesch schrieb:
Fazit: Schenkt den Anwohnern keinerlei Aufmerksamkeit! Lasst sie einfach reden!
Doch. Genau diese Aufmerksamkeit muß man ihnen widmen, um ihre (teilweise schwachsinnigen) Argumente in guter Öffentlichkeitsarbeit gegen sie zu verwenden und durch vernünftige Gegenargumente zu zerlegen..
Wenn diese NIMBYs nämlich erstmal gut vernetzt sind, insbesondere in der örtlichen Politik, wird es um so schwieriger, Reaktivierungen durchzusetzen. Da muss man vorher schon die Politik mit den richtigen Argumenten auf seine Seite ziehen.

Grüße aus dem Volmetal
Uwe
http://abload.de/img/bahnhofschildmeinerzhy3qro.jpg
Eigentlich ist heutzutage im wachsenden Speckgürtel der Städte das Gegenteil der Fall.
Entsteht eine Leistungsfähige Anbindung an das Oberzentrum, meistens mit S Bahnen, steigen die Immobilienpreise in solchen Randbezirken massiv an, weil es deutlich attraktiver für Pendler*innen wird.
Da gibt es etliche Beispiele für in ganz Deutschland.
Volker Blees schrieb:
Hallo,

18 610 schrieb:
Gibt es eigentlich dazu einigermaßen belastbare Zahlen, speziell zum immer wieder angeführten Wertverlust von Grundstücken?
Schau mal da: [www.bbsr.bund.de] oder (PDF-Endbericht) da: [www.bbsr.bund.de]

Keine "einfachen Wahrheiten", aber immerhin belastbare Wirkungszusammenhänge.

Grüße
Volker
Bei der Stadtbahn Karlsruhe gab es dazu Untersuchungen... Da gab es zumindest höhere Einkommenssteuereinnahmen der angeschlossenen Gemeinden, die die anteiligen Investitionen in die Bahnstrecke um ein Vielfaches übertrafen. Da dürften die Immobilienwerte ebenso mitgesprungen sein. Nur einen echten Nimby interessiert so etwas genausowenig wie einen Verschwörungstheoreitiker echte Argumente. Da interessieren sich höchstens die Erben für...
Diese Aussagenfand ich besinders drollig:

"Lars Ostermeyer in Münster fürchtet deshalb, dass in den nächsten zehn Jahren Dieselloks vor seiner Tür vorbeidampfen."

"Ob er den Zug dann auch nutzen werde? Er hält schließlich direkt vor seiner Haustür. "Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht.""

Angst vor etwas, worüber man sich gar keine Gedanken machen will (oder was wahlweise den Horizont übersteigt) ...

Gruß
Wertverlust mag zumindest ehrlich befürchtet werden, ob der dann aber auch eintritt? Wobei es natürlich auch einen Unterschied zwischen erster und zweiter Reihe gibt und ob die Strecke einem selbst Vorteile bringt. Wenn man direkt an der Bahn wohnt, aber der nächste Personenbahnhof 10 km weg ist, schlägt die Waage natürlich deutlicher gegen die Bahn aus als wenn der Bahnhof für den Arbeitsweg auch direkt nebenan ist.

Wir haben uns ein Haus angesehen, dessen Garten praktisch direkt an eine zweigleisige nicht elektrifizierte Bahnstrecke grenzte. Die Maklerin versicherte uns (wohl um den Kaufpreis und damit auch die Provision besorgt), dass dort nur noch Triebzüge fahren. Als wir im Garten standen, kam gerade ein (soweit ich mich erinnere) Blue Tiger mit Güterzug vorbei. Das hätte uns nicht weiter gestört, der Bahnhof war nur rund 1000 m entfernt (Fußweg ohne zu kreuzende Straße), der historische Ortskern mit allen Einkaufsmöglichkeiten auch. Leider passte der Schnitt vom Haus absolut nicht zu unseren Anforderungen.

Viel weiter weg von einem Bahnhof wohnen wir jetzt auch nicht, aber direkten Bahnblick vom Schreibtisch oder der Leseecke habe ich hier leider nicht.

Gruß,
Sven
Uwe Busch schrieb:
"Ja gut, der Zug jetzt ist ja nicht so laut. Aber wenn dreimal die Stunde ein Zug fährt, ist der Lärm unerträglich." Klar, dass man den Anwohner wegen des PKW-Lärms von der nur ein paar Meter entfernten dicht befahrenen Albersloher Straße kaum verstehen konnte, störte ihn hingegen nicht. Es herrscht bei einigen Anwohnern wohl immer noch die Befürchtung, dass man russische Großdieselloks oder 218er mit klotzgebremsten Wagen dort einsetzen will.
Ich glaube, das Problem ist einfach, dass die Bahn für sie selber als nicht relevant betrachtet wird. Damit 'stört' sie. Die Straße braucht man ja für sein eigenes SUFF. Die machen sich nicht mal Gedanken darüber, was da fahren könnte, sondern sie wollen einfach das da gar nix neues kommt. Veränderung wird eh zunehmend eher als Bedrohung denn als Chance betrachtet, von daher ist man auf der sicheren Seite, wenn man einfach dagegen ist.
Leider ist gegen so eine 'Blockade' wenig zu machen. Man kann nur versuchen über Transparenz zu verhindern, dass diese Leute andere anstecken.
pm schrieb:
Solche alten Studien weit vor Corona+Klimawandel und der damit einhergehenden Digitalisierung können jetzt doch nicht mehr als belastbar genommen werden.Wer nur noch einmal die Woche Präsenzzeit im Büro hat-der nimmt doch wesentlich andere Arbeitswege in Kauf und überlegt genau ob man in einer teuren Stadt mit heißen Sommern wirklich mit seiner Familie dauerhaft Leben will.
Ob solche Leute dann aber auf's Land ziehen wollen/können, wo Internet auch heute noch Neuland ist und - wie gerade bei uns im Kreis in mehreren Orten geschehen - sich bei einer Befragung der Bevölkerung eine Mehrheit GEGEN das Anschließen an eine schnelle Internet-Anbindung entscheidet, steht auch noch mal auf einem anderen Blatt. Außer Straßen- und Schienenanbindung ist auch die Internetanbindung ein wesentliches Kriterium bei der Beantwortung der Frage "Wo ziehe ich hin?"
Vielleicht haben sich die Leute nicht gegen schnelles Internet entschieden sondern gegen die Mondpreise die der Monopolist am Ort für den Anschluss haben wollte. Kenne einen Fall wo Glasfaser nur in Kombination mit einem Gasanschluss mit Vertrag gehen sollte der 3 Mille kosten sollte. Klar dass sich dann Anwohner dagegen entscheiden.

Ulrich
... bei Reaktivierungen berichten.

Man könnte in den Broschüren darstellen, wie sich Immobilienpreise entwickeln - kleinteilig bahnnah, im Erschließungsbereich und bahnfern - und siehe da, der Gewinner werden Viele sein.

Ohne EDV und ohne die online-Bodenpreisbörse haben wir sowas mal nach der Modernisierung der Rurtalbahn mit Zahlen vom Gutachterausschuss des Kreises grob gemacht - in der Achse Düren - Jülich waren in den von der Bahn erschlossenen Gebieten die Preientwicklungen höher als in den bahnfernen Gebieten - die Preise dort mögen aber auch durch den Braunkohlenabbau beieinflusst worden sein - Tagebaue Hambach und Inden.
Aber trotzdem sollte hier eine solche Betrachtung mal wissenschaftlich erfolgen.
Heute lassen die Podenpreisportale / Immobilenbewertungsportale viel genauere Aussagen zu.

Grundstückspreisentwicklung

geschrieben von: wostei

Datum: 11.09.20 20:55

Hallo,
in Rheinland-Pfalz haben wir über das GeoPortal eine Website Namens BORIS, dort kann man auf einer parzellengenauen Karte die Bodenpreise einsehen, aktuell und historisch. Berechnet von einem öffentlichen und vereidigten Gutachterausschuss.
Die Preisentwicklung (nach oben) bei einer reaktivierten Pz-Strecke im Speckgürtel dürfte so manchem Nimby das Wort verschlagen bzw den Boden unter den (Argumentations-)Füßen wegziehen.
Wolfgang

Re: Grundstückspreisentwicklung

geschrieben von: Elztalbahn

Datum: 12.09.20 11:09

wostei schrieb:
Hallo,
in Rheinland-Pfalz haben wir über das GeoPortal eine Website Namens BORIS, dort kann man auf einer parzellengenauen Karte die Bodenpreise einsehen, aktuell und historisch. Berechnet von einem öffentlichen und vereidigten Gutachterausschuss.
Die Preisentwicklung (nach oben) bei einer reaktivierten Pz-Strecke im Speckgürtel dürfte so manchem Nimby das Wort verschlagen bzw den Boden unter den (Argumentations-)Füßen wegziehen.
Wolfgang
Dann wird halt in Zukunft mit der wegen steigender Grundstückspreise zu befürchtenden Gentrifizierung und höherer Grundsteuer argumentiert.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.09.20 11:09.

Re: Grundstückspreisentwicklung

geschrieben von: axelloko

Datum: 12.09.20 12:24

Solche Leute, sollten einfach zwangsenteignet werden. Eine arme kinderreiche Familie wird sich freuen in einem schönen Haus mit guter Bahnanbindung wohnen zu können.

Wer sich gegen die Reaktivierung von Bahnstrecken, wendet, hat jedes Recht verloren. Meiner Meinung nach jedenfalls.

Und es ist typisch, dass so ein Blatt, wie der SPIEGEl sowas veröffentlicht.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.09.20 12:43.

Re: Grundstückspreisentwicklung

geschrieben von: kmueller

Datum: 12.09.20 12:43

axelloko schrieb:
Solche Leute, sollten einfach zwangsenteignet werden.
Anfangen sollte man mit denen, die bestehende Bahnanlagen wie in Stuttgart abreißen lassen (oder wollen).
Guten Tag,

wir haben im Urlaub in diesem Stadtteil Quartier genommen, sind mit Bahn & Rad angereist. Beim Spaziergang durchs Viertel entdeckte ich an mehreren Stellen die grausigen Plakate der Reaktivierungsgegner. Was für eine primitive Propaganda. Man hat da verglichen:

1) WLE-Reaktivierung
102 Züge am Tag
Antrieb Diesel
klimaschädlich

2) Wasserstoffbus
bei Bedarf
Antrieb Wasserstoff
klimafreundlich

3) Fahrradschnellweg
so oft Sie wollen
Antrieb Wasser & Brot
klimaneutral

4) Country Cab
bei Bedarf
Antrieb Elektro
klimafreundlich

Ach so, es sei erwähnt, dass bei der Bahn abgebildet war eine schwere Diesellok, kein leichter Nahverkehrstriebwagen.

Das „Country Cab“ ist eine ganz grausige Innovation:
[mobilitymag.de]
Es hat wohl auch schon einen Mobilitätspreis gewonnen. Nur - wie will man mit so einem 2-Sitzer Abertausende Menschen in die Stadt hinein und heraus befördern? Hm...

Die Website der Reaktivierungsgegner:
[www.wle-reaktivierung.de]

Der vorhandene Radweg in die Innenstadt Münsters wurde erst vor kurzem aufgewertet durch ein längeres Teilstück Fahrradstraße. Ich konnte feststellen, dass man so genau so schnell in die Stadt kommt wie mit dem Bus. Auch ein mit Wasserstoff betriebener Bus wird ja nicht fliegen können. Die CityExpress-Busse gibt’s dort schon nicht mehr. Der Bus steht also immer wieder im Stau oder an der nächsten roten Ampel.

Einem Zeitungsartikel entnahm ich aber, dass die Zustimmung in Münster zur Reaktivierung gestiegen sei, hoffen wir also das Beste.

Gruß in die Republik
Interessant ist ja, dass auf einmal auch das Fahrrad als Argument gegen eine Streckenreaktivierung genannt wird.

Mit diesem "Argument" versucht man sich als innovativ darzustellen- Ähnlich mit diesem "Country Cab".
Natürlich nur als Alternative für die, die kein Auto haben.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.09.20 13:07.

Re: Grundstückspreisentwicklung

geschrieben von: Winterkind

Datum: 12.09.20 18:15

axelloko schrieb:
Eine arme kinderreiche Familie wird sich freuen in einem schönen Haus mit guter Bahnanbindung wohnen zu können.
Nur leider ist eine Bahnlinie, die direkt am Grundstück entlangführt, keine Garantie für eine gute Bahnverbindung. Es gibt ja erstaunlich viele Orte ohne Haltepunkt. Mir fällt Stüdenitz in Brandenburg ein oder Himmighausen in Ostwestfalen.

Jede Stunde einen Zug sehen, aber man müsste 6 Kilometer oder mehr fahren, um einsteigen zu können, das finde ich ziemlich grausam. Nicht unbedingt wegen des Lärms, sondern weil man theoretisch gut angebunden sein könnte.
Nabend,

die Gegner nutzen auch Phrasen wie „Finger weg von unserer Buslinie 8!“

Ich schätze mal, außer deren Kindern auf dem Weg zur Schule haben die die Busse nie von innen gesehen. Auch einen Wasserstoffbus wird man sicher nur 1x nutzen, um „dabei gewesen zu sein“. Und danach wieder schön gemütlich machen im SUV oder in der Limousine. Und sich über die anderen aufregen, und dass es sich immer noch staut.

Diese Umfrage in Münster in schon drei Jahre alt:
[www.wn.de]

Nur die FDP stemmte sich letztlich konzeptionslos dagegen:
[www.muensterschezeitung.de]

Gruß in die Republik
axelloko schrieb:
Mit diesem "Argument" versucht man sich als innovativ darzustellen- Ähnlich mit diesem "Country Cab".
Natürlich nur als Alternative für die, die kein Auto haben.
Genau das!
Diese viel gepriesenen Alternativen sind natürlich nur für 'die anderen' gedacht. Für die reichen die auch aus. Man selbst will damit ja eh niemals fahren. Deswegen ist der Bus auch eine vollwertige Alternative.
Edit: Vielleicht sollte man den Leuten mal klar machen, dass sie nur eine Chance haben, besser mit ihrem SUFF in die Innenstadt zu kommen, wenn die Alternativen so attraktiv sind, dass zumindest einige der 'anderen' freiwillig darauf umsteigen. Das idiotische daran ist ja genau, dass diese ÖPNV Verweigerer von einer Bahn vermutlich sogar profitieren würden, weil wirklich mehr Menschen umsteigen und sie dann de facto mehr Platz haben. Wenn ich mir die Plakate anschaue, fürchte ich aber, dass die Kameraden derart unterbelichtet sind, dass die nicht mal das kapieren...



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.09.20 10:21.
Ich finde die Sorge der Anlieger berechtigt, dass hier leere Züge fahren. Wenn, dann sollen die auch voll sein und die Straße entlastet werden.

Die ganze WLE-Reaktivierung ist leider ein Beispiel, wie man solche Projekte eben nicht angehen sollte. Hier wurde mehr als unglücklich kommuniziert, den Anliegern erst eine Lärmschutzwand versprochen, die jetzt doch nicht notwendig sei. Dass ein Bahn-Laie hier dann dem Projekt eher kritisch als offen gegenübersteht dürfte logisch sein. Die Lokalpolitik hat sich hier leider auch ganz schön verhaspelt. Es spricht übrigens für sich, dass der für das Projekt verantwortliche Mitarbeiter der WLE zu Anfang September das Unternehmen verlassen hat und für einen andere Privatbahn arbeitet. Kurzum solche Projekte kann und muss man vom Bürgerdialog her besser aufbauen.

Aktuell sind übrigens die Planfeststellungsunterlagen einsehbar:
[www.bezreg-muenster.de]
Für alle, die die mehr Interesse haben...

Schönen Sonntag!

Re: Grundstückspreisentwicklung

geschrieben von: WLE-Baner

Datum: 13.09.20 13:19

Na Gott sein Dank leben wir ja noch in einem Rechtsstaat, wo jeder seine Meinung äußern darf, aber eben auch jeder eigene Rechte hat...

gelöscht (o.w.T)

geschrieben von: WLE-Baner

Datum: 13.09.20 13:27

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.09.20 13:29.
Jemandem pauschal "Lügen" vorzuwerfen halte ich für sehr bedenklich, da das in meinen Augen eine nicht belegbare Tatsachenbehauptung ist mit dem alleinigen Ziel Herrn Ostermeyer zu diffamieren. Vielleicht überdenken Sie da etwas den Formulierungsstil.
Wie sie im übrigen schreiben, wurden einige Punkte der BI in der Planung berücksichtigt. Würde man "Lügen" in der Planung berücksichtigen???

forti69 schrieb:
Hallo,

ein Witz, dass der Ostermeyer es mit seinen Lügen auch noch in den Spiegel schafft. Das Baugebiet seines Hauses ist Anfang der 70er Jahre gebaut worden. Im immer noch gültigen Bebauungsplan wurde auf die damals sogar noch Personenverkehr anbietende Bahn hingewiesen und dies als Argument für damalige Kaufinteressenten genutzt, die Grundstückspreise an der Bahn waren damals geringer. Die Diskussion um die Bahnreaktivierung läuft seit 1989. Bei den letzten 4 Kommunalwahlen hatten das, bis auf die FDP , fast alle Parteien im Wahlprogramm stehen. Wenn man aber nur Zugezogener ist und sich nicht richtig über die Lokalpolitik der Stadt Münster informiert, kann man gut den Benachteiligten spielen....und nun wettern.

Darüberhinaus wurden viele Anregungen der BI in der Planung, auch im Nachgang von mehreren Bürgerveranstaltungen im lfd. Planfeststellungsverfahren berücksichtigt.

Soweit mal kurz dazu.

Forti
soll da echt ein 10-Minuten-Takt kommen oder hat das die Verfasserin nicht gerafft?

Gruß: Ulf
WLE-Baner schrieb:
Jemandem pauschal "Lügen" vorzuwerfen halte ich für sehr bedenklich, da das in meinen Augen eine nicht belegbare Tatsachenbehauptung ist mit dem alleinigen Ziel Herrn Ostermeyer zu diffamieren.
Naja, 102 Züge am Tag dürfte aber wohl schon haarscharf an der 'Lüge' kratzen, oder?!
Henra schrieb:
WLE-Baner schrieb:
Jemandem pauschal "Lügen" vorzuwerfen halte ich für sehr bedenklich, da das in meinen Augen eine nicht belegbare Tatsachenbehauptung ist mit dem alleinigen Ziel Herrn Ostermeyer zu diffamieren.
Naja, 102 Züge am Tag dürfte aber wohl schon haarscharf an der 'Lüge' kratzen, oder?!
Frage: Wann und wo hat er denn 102 Züge gesagt?
2016 war Planungsstand, dass 104 Züge fahren (inkl. Güterzüge), dann sollten die 2 Güterzüge nicht mehr fahren =102 Züge.
Zu dem Zeitpunkt sind die Banner entstanden und wurden von Bürgern aufgehangen. Richtig ist, dass die Zahl nicht mehr aktuell ist und heute bei derzeit 94 Zügen liegen soll.
Streng genommen müsste man diejenigen bezichtigen, die einen solchen Banner hängen lassen.
WLE-Baner schrieb:
2016 war Planungsstand, dass 104 Züge fahren (inkl. Güterzüge), dann sollten die 2 Güterzüge nicht mehr fahren =102 Züge.
Zu dem Zeitpunkt sind die Banner entstanden und wurden von Bürgern aufgehangen. Richtig ist, dass die Zahl nicht mehr aktuell ist und heute bei derzeit 94 Zügen liegen soll.
Häh?
Auf einer derzeit nicht im PV betriebenen Strecke sollen zukünftig 94 Züge am Tag fahren? Also 10 Minuten Takt. S-Bahn Frankfurt. Das geht aber nur 2-gleisig + elektrifiziert. Über welche Strecke reden wir hier???
Ich dachte, wir reden hier von der WLE Strecke Münster -Sendenhorst. Sollen da ernsthaft die Züge im 10 Minutentakt fahren??? Wieviel Millionen Einwohner wohnen in Sendenhorst?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.09.20 22:35.
Henra schrieb:
Auf einer derzeit nicht im PV betriebenen Strecke sollen zukünftig 94 Züge am Tag fahren? Also 10 Minuten Takt. S-Bahn Frankfurt. Das geht aber nur 2-gleisig + elektrifiziert. [...]
Guten Abend,

nach meiner Kenntnis ist ein 20-Minuten-Takt vorgesehen. Nimmt man als Beispiel die Tageszeit 6-20 Uhr, ergeben sich 42 Züge je Richtung plus weitere in der Frühe und spätabends.

Für eine reaktivierte Strecke ist das natürlich enorm, die vor fünf Jahren wiedereröffnete Strecke der Kurhessenbahn am Edersee wird vielleicht mit 20-25 Zügen am Tag befahren. Nennenswert Fahrgäste in einer Großstadt wie Münster kann man mit einem Stundentakt aber nicht gewinnen. Ein 20-Minuten-Takt scheint schon angemessen. Die derzeitigen Stadtbuslinien fahren ebenso oft. Plus weitere Regionalbusse.

Gruß in die Republik
Hallo,
20-Minuten-Takt ist dort vorgesehen und auch infrastrukturmäßig eingeplant. Da muss dann noch 1 x täglich ein Güterzug zwischengeschoben werden. Ich denke mal der wird dann auf Nachtzeiten verlegt. Solche Probleme gibts auch anderswo, z. B. auf der Aggertalbahn, da passt tagsüber auch nichts dazwischen.
Wegen 1 Güterzug wird man wohl kaum die Infrastruktur noch weiter aufbohren, das rechnet sich nun wirklich nicht.
Wolfgang
Ja, "fast" 100 Züge gleich zu Beginn.

Wer es nicht glaubt, kann es in den Planungsunterlagen nachlesen (Erläuterungsbericht):
[www.bezreg-muenster.de]

Dieser Größenwahnsinn hängt mit dem Förderung zusamen, leider (nur gefahrene km werden gefördert).
Wenn Bedarf da ist und es sich steigert, dagegen hat ja keiner was.
BSKS schrieb:
Die Website der Reaktivierungsgegner:
[www.wle-reaktivierung.de]
Da beklagen sich die Reaktivierungsgegner über 6 mal je Stunde 80 Sekunden Schrankenschließung, also insgesamt 8 Minuten je Stunde.
Dagegen schlagen sie als Alternative einen Radschnellweg vor: "Was fehlt ist ein Radschnellweg, um die Vorteile dieser Räder zu nutzen. Hier bietet sich die Bahntrasse an! Keine Abgase, kein Lärm, keine Schrankenschließungen [...]"

Und wie werden die Kreuzungsprobleme des Radschnellwegs mit den Straßen im Bereich der bisherigen Bahnübergänge gelöst?

Vorfahrt für Autos und die Radfahrer müssen auf eine Lücke warten? Aus meiner Sicht ist das dann kein Radschnellweg mehr.
Oder Vorfahrt für die Radfahrer und die Autos müssen auf eine Lücke im so gut angenommenen Radschnellweg warten? Ich kenne den Autoverkehr in Münster nicht, aber bei uns wären da vermutlich Unfälle wegen Vorfahrtsverletzung durch die Autofahrer an der Tagesordnung.
Oder Ampelregelungen mit vermutlich mindestens 20 Minuten je Stunde Rot für die Autos, also mehr als doppelt so lange wie die angeblich stauträchtigen Schrankenschließzeiten?
cs schrieb:
Und wie werden die Kreuzungsprobleme des Radschnellwegs mit den Straßen im Bereich der bisherigen Bahnübergänge gelöst?
Und dieselbe Frage habe ich mir beim vermeintlich zukunftsträchtigen „CountryCab“ auch gestellt. Wenn die Pendler morgens nicht zu 100. in einem Triebwagen sitzen, sondern in 50 der 2-sitzigen CountryCabs!?! Wie und wann soll dann der Autoverkehr an den Bahnübergängen fließen? Auf der Website verweisen die Reaktivierungsgegner inzwischen wohl nicht mehr auf diese „Innovation“, aber vor Ort auf den Plakaten entlang der Strecke.

Gruß in die Republik
WLE-Baner schrieb:
Ja, "fast" 100 Züge gleich zu Beginn.

Wer es nicht glaubt, kann es in den Planungsunterlagen nachlesen (Erläuterungsbericht):
[www.bezreg-muenster.de]

Dieser Größenwahnsinn hängt mit dem Förderung zusamen, leider (nur gefahrene km werden gefördert).
Wenn Bedarf da ist und es sich steigert, dagegen hat ja keiner was.
Ich weiß ja nicht, ob es wirklich Größenwahn ist. Aber wenn eine Strecke im PV stillgelegt wurde, dann kann ja vor 30 Jahren das Verkehrsaufkommen eigentlich nicht soooo wahnwitzig hoch gewesen sein.
100 Züge am Tag sehen etliche zweigleisige elektrifizierte Strecken nicht. Zwischen stillgelegt und 100 Züge am Tag klaffen so dermaßen Welten, dass ich das einfach nicht zusammenbekomme. Wenn Verkehrspotenzial für 100 Züge am Tag vorhanden ist, verbieten sich Späße wie ein Radlweg oder solche lustigen Mini- Raumkapseln eigentlich von vornherein. Das kann man machen wenn wir über 2- Stundentakt sprechen. Sie sind beides keine Alternative für eine Bahn die im 15 oder 20 Minuten Takt bedient wird. Wobei ich mich allerdings frage, ob es zielführend ist ab 5:30 bis fast 00:00 durchgehend im 20 Minutentakt zu fahren. Dass man früh ein paar Züge hat und ganz spät ist gut, aber ob ich da so einen dichten Takt brauche?
BSKS schrieb:
Und dieselbe Frage habe ich mir beim vermeintlich zukunftsträchtigen „CountryCab“ auch gestellt. Wenn die Pendler morgens nicht zu 100. in einem Triebwagen sitzen, sondern in 50 der 2-sitzigen CountryCabs!?!
Vergiss die Kreuzungsproblematik. Da wo man 100 Züge am Tag kalkuliert, braucht man über diese Spielzeugdinger nicht mal 1s nachzudenken. Das ist wie wenn eine Familie diskutiert einen Familienkombi oder einen Tretroller zu kaufen.