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[B/BB] VBB-Stationsbericht: Aktualisierung 2019

geschrieben von: La-Stelle

Datum: 28.07.20 10:04

Auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg gibt jährlich einen Stationsbericht heraus. Die Ausgabe für 2019 erschien im März 2020 und ging offenbar durch Corona ziemlich unter:
[www.vbb.de] [PDF; 2,2 MB; 42 Seiten]

In dem jährlichen Bericht werden die festgestellten Aspekte den drei großen Themenbereichen Barrierefreiheit, Fahrgastinformation und Aufenthaltsqualität zugeordnet und für die drei Bereiche jeweils ein Prozentwert der Erfüllung der VBB-Vorgaben sowie ein Gesamtwert gebildet.

Von den 342 Stationen wurden im Jahr 2019 115 aktuell bewertet, für die übrigen werden die Werte aus den Jahren 2016-18 verwendet.

Aus den Werten wird Handlungsbedarf abgeleitet, wenn:
- Erfüllungsgrad >= 90 % -> Kein oder geringfügiger Handlungsbedarf
- Erfüllungsgrad 70 bis < 90 % -> Erkennbarer Handlungsbedarf
- Erfüllungsgrad < 70 % -> Dringender Handlungsbedarf

Im Themenbereich "Barrierefreiheit" wird dringender Handlungsbedarf für 23% der Stationen attestiert, " vor allem wegen der Bahnsteigkantenhöhen unter 0,55 m. ü. SO und / oder einem nicht vorhandenen taktilen Leitsystem für Sehbehinderte".

Da dies überwiegend kleinere Stationen sind, sind allerdings "nur" 13% der Fahrgäste davon betroffen.

Besonders auffällig:
Zitat
Die folgenden Stationen erfüllen die Anforderungen zum Zeitpunkt der Erfassung gar nicht
• Eisenhüttenstadt
• Finkenheerd
• Hosena
• Trebnitz (Mark)

Hier existieren weder ausreichende Bahnsteighöhen noch stufenlose Bahnsteigzugänge und auch keine taktilen Leitsysteme.
(S. 21)

Im Themenbereich "Fahrgastinformation" wird dringender Handlungsbedarf für 8% der Stationen attestiert, insbesondere:
Zitat
Bei 19 Stationen (6%) existiert kein Informationssystem (Lautsprecher oder dynamische Schriftanzeiger), so dass dort die Fahrgäste nicht über Zugverspätungen oder Zugausfälle informiert werden können.
(S. 23)

Da dies überwiegend sehr kleine Stationen sind, sind allerdings "nur" 2% der Fahrgäste davon betroffen.

Im Themenbereich "Aufenthaltsqualität" wird dringender Handlungsbedarf für 12% der Stationen attestiert, vor allem:
Zitat
Wesentliche Mängel sind Schäden, die in den meisten Fällen durch Vandalismus (Graffiti) hervorgerufen wurden. Häufig wurden auch sehr unebene Bahnsteigoberflächen oder Zugänge zu Bahnsteigen angetroffen. Bei ca. einem Viertel der Stationen ist kein angemessener Wetterschutz vorhanden.
(S. 25)

Betroffen sind davon etwa 10% der Fahrgäste.

Auf S. 26 ist sowohl die Entwicklung der Prozentwerte von 2014-2019 dargestellt als auch die 13 besten sowie die zehn schlechtesten Bahnhöfe:
Zitat
333. Trebnitz (Mark)             58,3%
334. Sedlitz Ost                 57,3%
335. Wilmersdorf (b Angermünde)  55,7%
     Wiesenau                    55,7%
337. Brügge (Prignitz)           55,0%
     Rosenwinkel                 55,0%
339. Finkenheerd                 50,0%
340. Eisenhüttenstadt            46,7%
     Lindow (Mark)               46,7%
342. Schmachtenhagen             36,7%*

* ) : Station wird nur am Wochenende als Zubringer zum Bauernmarkt Schmachtenhagen bedient
Den Gesamt-Durchschnittswert von 70% erfüllen 41 Stationen nicht, das sind 12% aller Stationen. Dort sollen 4% aller Fahrgäste betroffen sein.

Zitat
Bei 63 Stationen (18%) besteht in allen Untersuchungskriterien (Barrierefreiheit, Fahrgastinformation und Aufenthaltsqualität) kein oder nur geringfügiger Handlungsbedarf für Verbesserungen. Nur für die ausschließlich am Wochenende bediente Station Schmachtenhagen wurde im Rahmen der Auswertung für alle drei Untersuchungskriterien ein dringender Handlungsbedarf ermittelt.
(S. 27)

Auf den S. 29-34 findet man tabellarisch die Teil- und Gesamtwerte für alle 342 Stationen sowie ihren Rang nach Gesamtwert innerhalb des VBB.

Auf S. 35 findet man die stärksten Veränderungen gegenüber den Vorjahren:
Zitat
Die größten Verbesserungen wurden an folgenden der 109 im Jahr 2019 erfassten Stationen registriert:

Velten (Mark) - Steigerung von 46,7% auf 91,7% (+ 45,0%)
Weisen - Steigerung von 75,0% auf 95,0% (+ 20,0%)
Strausberg - Steigerung von 76,0% auf 93,7% (+17,7%)
Lindenberg (Mark) - Steigerung von 75,0% auf 90,0% (+ 15,0%)

Der Bahnhof Velten wurde grunderneuert.
In Weisen wurde eine dynamische Fahrgastinformation ergänzt.
In Strausberg wurde der Regionalbahnsteig neu errichtet.
Der Haltepunkt Lindenberg wurde grunderneuert.

Folgende Stationen haben sich im Gesamterfüllungsgrad deutlich verschlechtert:

Premnitz Zentrum - Reduzierung von 88,3% auf 73,3% (- 15,0%)
Wandlitzsee - Reduzierung von 93,3% auf 80,0% (- 13,3%)
Gransee - Reduzierung von 83,3% auf 73,3% (- 10,0%)
Großräschen - Reduzierung von 76,7% auf 66,7% (- 10,0%)

In Premnitz Zentrum wurde starker Vandalismus festgestellt, wodurch Fahrplanaushänge beeinträchtigt waren.
In Wandlitzsee führten defekte Fahrgastinformationsanlagen und fehlende Aushänge zur Abwertung.
In Gransee wurde neben zunehmendem Vandalismus auch der Ausfall von Informationsanlagen und fehlende Aushänge festgestellt.
In Großräschen führten zunehmende Verschmutzung und Vandalismus zur Abwertung.
Auf S. 37 findet man eine Karte mit allen Stationen und ihren Gesamtdurchschnittswerten.

Auf S. 38 hat man für alle RE- und RB-Linien die Durchschnittswerte der betreffenden Stationen, jeweils für alle drei Themenbereiche (Barrierefreiheit, Fahrgastinformation und Aufenthaltsqualität) dargestellt.

Das Fazit (ab S. 39):
Zitat
Die Ergebnisse der Analyse und Bewertung der Qualität von Stationen des Schienenpersonennahverkehrs zeigen den Bedarf an einer qualitätsorientierten Weiterentwicklung der Stationen.

So besteht bei 12% der untersuchten Stationen dringender und bei 49% erkennbarer Handlungsbedarf zur Verbesserung der Barrierefreiheit, der Fahrgastinformation oder der Aufenthaltsqualität. 39% der Stationen weisen mit einem Gesamterfüllungsgrad von mindestens 90% keinen oder nur geringfügigen Handlungsbedarf auf. Es entsprechen 18% der Zugangsstellen den Anforderungen der VBB GmbH in allen Belangen.

Bei der Gewichtung nach Fahrgästen konnten wie in den Vorjahren deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden. Es ist insgesamt positiv festzustellen, dass im Sinne der Fahrgäste und eines effektiven Einsatzes von öffentlichen Mitteln prioritär zunächst stärker frequentierte Stationen modernisiert worden sind.

Folgende Bedingungen wurden im Rahmen der Analyse vorgefunden:

• Ca. 35% der untersuchten Stationen haben Bahnsteighöhen von weniger als 55 cm (betrifft ca. 8% der Reisenden des Regionalverkehrs)

• Bei 39% der untersuchten Stationen ist kein oder kein vollständiges taktiles Leitsystem vorhanden (betrifft 28% der Reisenden des Regionalverkehrs)

• Bei 18 Stationen (nur NE-Stationen betroffen) können die Fahrgäste nicht über Verspätungen und Zugausfälle informiert werden, da kein dynamisches Fahrgastinformationssystem vorhanden ist (betrifft aber nur weniger als 0,1% der Reisenden des Regionalverkehrs)

Ansagen im Regelfall erfolgen in der Regel nur an großen Stationen und besonders an Stationen der unteren Bahnhofskategorien 6, 7 und NE fast nie (betrifft 26% der Reisenden des Regionalverkehrs)

Mehr als ein Viertel aller Stationen haben Defizite beim Wetterschutz (betrifft 18% der Reisenden des Regionalverkehrs)

Mehr als drei Viertel aller Stationen weisen Schäden (Abnutzungen oder Zerstörungen) auf, die die Aufenthaltsqualität beeinträchtigen (betrifft 58% der Reisenden des Regionalverkehrs)

Die kleinen Stationen erzielten in der Untersuchung insgesamt schlechtere Ergebnisse als die großen. Dennoch wurden Bahnhöfe unabhängig von der Bahnhofskategorie als gut bis sehr gut bewertet. Die Fahrgäste können hier barrierefrei ein-, aus- oder umsteigen, werden im Regel- und im Störungsfall umfassend über das Reiseangebot informiert und finden eine angemessene Aufenthaltsqualität als Kunde des SPNV vor. Dies trifft sowohl auf die aufkommensstarken Bahnhöfe wie beispielsweise Berlin Südkreuz, mittlere Bahnhofsgrößen wie Angermünde oder Oranienburg als auch auf kleinere Stationen wie Nechlin oder Wensickendorf
zu.

Umgekehrt weisen auch Bahnhöfe oberer Bahnhofskategorien Defizite auf. So fehlt beispielsweise bei den diesjährig untersuchten Stationen Berlin-Zoologischer Garten oder Berlin-Wannsee das taktile Leitsystem auf den Bahnsteigen des Regionalverkehrs.

14 Stationen wurden mit einem Gesamterfüllungsgrad von 60% oder weniger bewertet, davon in diesem Jahr die Stationen Eisenhüttenstadt und Zossen. Bei einer Station besteht sogar in allen 3 Untersuchungskriterien dringender Handlungsbedarf.

Während signifikante regionale Unterschiede hinsichtlich der Gesamterfüllungsgrade kaum ausgemacht werden, werden bei der Differenzierung nach Linien zu einzelnen Untersuchungskriterien Unterschiede deutlich:

Der Erfüllungsgrad der Barrierefreiheit liegt ausnahmslos bei in Südbrandenburg verkehrenden Linien unter 60%. Dagegen liegt der Erfüllungsgrad auf vielen im Norden und Westen verkehrenden Linien bei über 90%.

• Umgekehrt liegt der durchschnittliche Erfüllungsgrad der Fahrgastinformation nur bei einigen im Norden verkehrenden Linien unter 70% und ist damit schlechter als in den anderen Landesteilen.

Bei der Aufenthaltsqualität werden besonders im Berliner Umland Defizite spürbar. Dies liegt zum einen an hier besonders häufig auftretenden Vandalismusschäden, aber auch beispielsweise an zu geringer Dimensionierung von Wetterschutz aufgrund der dort in den letzten Jahren gestiegenen Fahrgastzahlen.

Grundsätzlich ist positiv zu bewerten, dass viele zwischen VBB und DB Station & Service AG in INBP und Ausstattungshandbüchern vereinbarte Standards bereits heute erfüllt bzw. übererfüllt werden. So bieten mit Ausnahme der nur am Wochenende bedienten (allerdings nicht bundeseigenen) Station Schmachtenhagen alle untersuchten Verkehrsstationen Wetterschutz für die Reisenden an, was gemäß INBP der DB Station&Service AG nur bis zur Kategorie 6 notwendig ist.

Der flächendeckende barrierefreie Ausbau bedarf stets der Berücksichtigung wirtschaftlicher und politscher Aspekte. Auch muss aufgrund deutlich höherer Lebensdauern von Bahnsteigen im Vergleich zu Fahrzeugen die Fahrzeugentwicklung in eine langfristige Strategie miteinbezogen werden. Eine zufriedenstellende Lösung im Sinne des Kunden ist eine Herausforderung für alle am SPNV beteiligten Akteure.

Die Wiederholungserfassungen zeigen deutliche Verbesserungen im Hinblick auf den Ausbau der Barrierefreiheit und die Ausstattung mit Fahrgastinformationssystemen.

Das Augenmerk muss daher in den kommenden Jahren verstärkt auf der Verbesserung der Aufenthaltsqualität liegen. Die Bewertungsergebnisse stagnieren seit einigen Jahren. Insbesondere wurden zunehmend die Anforderungen an den Wetterschutz nicht erfüllt, was teilweise auch durch zusätzlichen Bedarf infolge steigender Fahrgastzahlen verursacht wird.
Daneben wurden vermehrt Anforderungen an Sitzgelegenheiten nicht erfüllt sowie größere Schäden überwiegend durch Vandalismus registriert, die die Aufenthaltsqualität mindern. Positiv hervorzuheben ist, dass in diesem Jahr an bestimmten Stationen eine Beseitigung von Vandalismusschäden registriert wurde.
Im Zweifel die gesamte Untersuchung unter dem obigen Link lesen, insbesondere hinsichtlich Bewertungskriterien und wofür es welche Abzüge gab.

Zweifelsohne fällt die persönliche Bewertung oft leicht bis stark abweichend aus.

Ich empfinde die Transparenz und die Bewertung über mehrere Jahre an vergleichbaren Kriterien einen großen Fortschritt.

Nebenbei: Diese Zusammenstellung des Berichts hat ca 45 Minuten meiner Zeit in Anspruch genommen.

Deine Zusammenfassung.

geschrieben von: RBD-S

Datum: 28.07.20 22:43

Das haste aba jut jemacht!