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[HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Befuerworter

Datum: 15.05.20 23:00

In einer neulich schon verlinkten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 19/18398) werden die bundesweiten Reaktivierungskandidaten vorgestellt, die derzeit von einer Sondereinheit der DB AG auf ihr Potential hin untersucht werden. Eine vertiefte Darstellung findet man in einer Bestandsaufnahme vom Dezember 2019, die ich als weiterführende Lektüre wirklich empfehlen kann. Ich liste hiermit die erwähnten Strecken in Hessen im Detail auf:

- Strecke 3500, Wiesbaden - Diez (Aartalbahn), Abschnitte Wiesbaden - Bad Schwalbach und (Limburg-)Diez - Hahnstätten mit 21 bzw. 9 km Länge: Beides schon länger in der Diskussion befindlich. Interessanterweise orientiert man sich strikt an der VDV-Reaktivierungsliste und benennt den noch verbleibenden Abschnitt zwischen Hahnstätten und Bad Schwalbach nicht.

- Strecke 3541, Riedstadt-Goddelau - Darmstadt (Riedbahn), Abschnitt Riedstadt-Wolfskehlen - Griesheim mit 3,2 km Länge: Die Strecke war mal eine kurze Verbindung zwischen Darmstadt und Worms. In Griesheim endet derzeit eine Straßenbahn, die dann nach Wolfskehlen verlängert würde, wodurch die Hauptstrecke Frankfurt - Mannheim erreicht würde.

- Strecke 3555, Darmstadt Ost - Groß Zimmern, mit 13 km Länge: Erschließung der Orte Roßdorf (ca. 13.000 Einwohner) und Groß Zimmern (ca. 15.000 Einwohner).

- Strecke 3579, Mörlenbach - Wahlen (Überwaldbahn), Abschnitt Mörlenbach - Wald-Michelbach mit 10,7 km Länge: Aktuell noch Draisinenbetrieb.

- Strecke 3652, Neu-Isenburg - Isenburg Stadt, mit 3 km Länge: Bis zur Stillegung nur im Güterverkehr betrieben, scheint im Rahmen der Regionaltangente West schon relativ weit fortgeschritten zu sein.

- Strecke 3661, Offenbach - Reinheim (Rodgaubahn), Abschnitt Dieburg - Reinheim mit 9 km Länge: Im Zusammenhang mit der oben erwähnten Strecke 3555 zu sehen, weil die sich in Groß Zimmern treffen würden und somit eine Verlängerung von Strecke 3555 nach Dieburg möglich wäre.

- Strecke 3705, Londorf - Lollar (Lumdatalbahn), mit 13 km Länge: Ein Teil der Strecke bis Mainzlar wird noch im Güterverkehr betrieben. Die Reaktivierungsbemühungen waren auch schon mehrfach Thema im Forum.

- Strecke 3712, Weilburg - Grävenwiesbach (Weiltalbahn), mit 21,3 km Länge: Die Strecke ist komplett demontiert, relativ lang und im ländlichen Raum, was doch sehr große Hindernisse für einen positiven Nutzen-Kosten-Faktor sind.

- Strecke 3740, Friedberg - Laubach (Horlofftalbahn), Abschnitt Wölfersheim-Södel – Hungen mit 12 km Länge: Da gibt es wohl schon ein psoitives Gutachten und einen Reaktivierunsgbeschluss des Kreistages. Reaktivierung der Horlofftalbahn von DB bis 2025 angekündigt: UAG-Etappierung Deutschlandtakt.

- Strecke 3745, Bad Vilbel - Lauterbach Nord (Oberwaldbahn), Abschnitt Glauburg-Stockheim - Lauterbach Nord mit 65 km Länge (keine Angabe in Quelldokument): Hier habe ich fast den Eindruck, mich bei der Zuordnung vertan zu haben, es kann aber gar nichts anderes sein. Die Strecke ist nämlich ein Radweg und hinterlässt auch sonst im Netz keine Spuren, die auf Reaktivierungsbestrebungen hindeuten.

- Strecke 3746, Grävenwiesbach - Albshausen (Solmsbachtalbahn), Abschnitt Brandoberndorf – Albshausen mit 16,2 km Länge: Sieht als Netzschluss der Stichstrecke der Taunusbahn und Verbindung nach Wetzlar recht vielversprechend aus.

- Strecke 3901, Kassel - Waldkappel (Waldkappeler Bahn), Abschnitt Kassel-Wilhelmshöhe – Kaufungen Papierfabrik mit 16 km Länge: Derzeit im Güterverkehr und teilweise mit Straßenbahnen befahren. Vielleicht geht es da vorrangig um die Verbindung zum Fernbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, die Strecke würde aber auch die Messe Kassel (falls dort eine Haltestelle geplant würde), einige Wohngebiete und das Auestadion erschließen.

- Strecke 3944, Wega - Brilon Wald, vermutlich Verlängerung von Wega nach Bergheim mit 9,3 km Länge

- Strecke 3950, Burg- und Nieder-Gemünden - Kirchhain (Ohmtalbahn), Abschnitt von Kirchhain bis Nieder Ofleiden mit 11,9 km Länge: Derzeit nur Güterverkehr. Laut der oben verlinkten Bestandsaufnahme scheint es da keinerlei Bestrebungen für eine Wiederbelebung des SPNV gegeben zu haben, auch die Orte an der Strecke sind winzig. Die Streckeninfrastruktur würde es sicherlich hergeben, aber eine Bestellung halte ich hier für extrem unwahrscheinlich.

- Strecke 3953, Niederwalgern - Herborn (Aar-Salzböde-Bahn), Abschnitt Niederwalgern - Hartenrod mit 19 km Länge: Kreistag und Nahverkehrsverband treiben das offensichtlich voran. Das dadurch wieder erschlossene Gladenbach hat immerhin über 12.000 Einwohner und wäre dann ganz gut an Marburg angebunden.

- Strecke 5211, Jossa - Wildflecken (Sinntalbahn), mit 30,7 km Länge: Die Rhön-Strecke zwischen Hessen und Bayern ist entwidmet und teilweise durch einen Radweg überbaut.

- Strecke 6710, Silberhausen - Treysa, Abschnitt Malsfeld – Homberg (Efze) mit 16,9 km Länge: Im Beitrag zu Thüringen hatte ich noch gerätselt, um welches Teilstück es gehen könnte, mit der Bestandsaufnahme wird das jetzt eindeutig belegt. Die RegioTram soll aus Kassel nach Homberg führen, die Investitionen in die Trasse wären aber wohl beträchtlich.

- Strecke 9350, Reinheim - Groß Bieberau (Gersprenztalbahn), Abschnitt Reinheim - Groß-Bieberau mit 3 km Länge

- Strecke 9362, Wächtersbach - Bad Orb, mit 6,3 km Länge: Aktuell touristisch betriebene Schmalspurbahn, untersucht wird eine Umspurung und eventuell Elektrifizierung zur Durchbindung Richtung Frankfurt.

- Strecke 9390, Kassel-Wilhelmshöhe - Naumburg, Abschnitt Baunatal – Schauenburg-Elgershausen mit 3,4 km Länge (keine Angabe in Quelldokument): Es geht wohl vorrangig um eine Verlängerung der Straßenbahn, eine kostengünstigere Verbindung mit Dieseltriebzügen ist aber auch noch im Rennen.

- Strecke ohne Nummer, (Kassel-)Druseltal-Herkules, Abschnitt Druseltal - Herkules mit 3,5 km Länge: Straßenbahnverlängerung zum Weltkulturerbe "Herkulesstatue", ausschließlich touristische Nutzung.

- Strecke ohne Nummer, Hanau - Erlensee, mit 5 km Länge: Hier gab es mal einen Gleisanschluss zum Fliegerhorst Langendiebach (heute Gewerbepark), über den man Erlensee mit seinen 15.000 Einwohnern an Hanau anbinden könnte. Mit Verlängerung Richtung Ortsmitte hätte das aber wohl mehr Sinn, das steht auf jeden Fall mit zur Debatte.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am heute, 10:04:50.

Danke & Ergänzungen

geschrieben von: Patrick Rehn

Datum: 15.05.20 23:31

Danke für die Auflistung und die Ergänzungen dazu. 👍🏻

Ein weiteres Projekt, welches hier nicht aufgelistet wurde ist Gerstungen <> Heringen <> Bad Salzungen:

[osthessen-news.de]

Bzgl Burg- und Nieder-Gemünden <> Homberg (Ohm) <> Kirchhain hier folgender Link:

[osthessen-news.de]

Mfg

Einen Teil meiner Fotos rund um Eisenbahn & Co findet man
HIER

Auch von mir Danke!

geschrieben von: Siggis Malz

Datum: 16.05.20 00:07

Hallo nochmal, danke auch hier wieder für die Mühen.
Gerne hänge ich mich ungefragt mit meinem halben Pseudowissen wieder dran :)


- Strecke 3705, Londorf - Lollar (Lumdatalbahn), mit 13 km Länge: Ein Teil der Strecke bis Mainzlar wird noch im Güterverkehr betrieben. Die Reaktivierungsbemühungen waren auch schon mehrfach Thema im Forum.

Auf der Liste eigentlich eine sichere Bank, Bemühungen sind das eigentlich nicht mehr, da wird schon mit Hand und Fuß geplant, jedenfalls nach RMV-Maß.


- Strecke 3555, Darmstadt Ost - Groß Zimmern, mit 13 km Länge: Erschließung der Orte Roßdorf (ca. 13.000 Einwohner) und Groß Zimmern (ca. 15.000 Einwohner).

Das ist einer für die Liste "Straßenbahn", die in Hessens Liste erstaunlich oft vorkommen.


- Strecke 3950, Burg- und Nieder-Gemünden - Kirchhain (Ohmtalbahn), Abschnitt von Kirchhain bis Nieder Ofleiden mit 11,9 km Länge: Derzeit nur Güterverkehr. Laut der oben verlinkten Bestandsaufnahme scheint es da keinerlei Bestrebungen für eine Wiederbelebung des SPNV gegeben zu haben, auch die Orte an der Strecke sind winzig. Die Streckeninfrastruktur würde es sicherlich hergeben, aber eine Bestellung halte ich hier für extrem unwahrscheinlich.

Bis Homberg (jetzt nicht unbedingt gar so winzig) wärs "einfach" zu reaktivieren, der größere, aber schwerer zu kapitalisierende Faktor wären die Fulda - Marburg-Pendler (vor allem Studis), da gibts auch tatsächlich die ein oder andere kleine Bestrebung mittlerweile.


- Strecke 3953, Niederwalgern - Herborn (Aar-Salzböde-Bahn), Abschnitt Niederwalgern - Hartenrod mit 19 km Länge: Kreistag und Nahverkehrsverband treiben das offensichtlich voran. Das dadurch wieder erschlossene Gladenbach hat immerhin über 12.000 Einwohner und wäre dann ganz gut an Marburg angebunden.

Auch hier tauchten dann in der Vergangenheit plötzlich Bestrebungen zu Betrieb nach BOStrab auf.


- Strecke 9390, Kassel-Wilhelmshöhe - Naumburg, Abschnitt Baunatal – Schauenburg-Elgershausen mit 3,4 km Länge (keine Angabe in Quelldokument): Es geht wohl vorrangig um eine Verlängerung der Straßenbahn, eine kostengünstigere Verbindung mit Dieseltriebzügen ist aber auch noch im Rennen.

Das was der NVV bisher hat verlauten lassen, klingt mehr nach vollwertigem Regionalverkehr (oder RT nach EBO) im Halbstundentakt zwischen Wilhelmshöhe und Großenritte über Nordshausen, alles andere sind Eventualpositionen. Schauenburg ist bisher immer wegen der Forderung aus Baunatal drin, vom NVV bisher abgelehnt. Das war aber vor dem Geld vom Bund (aber eben auch vor Corona).


- Strecke ohne Nummer, (Kassel-)Druseltal-Herkules, Abschnitt Druseltal - Herkules mit 3,5 km Länge: Straßenbahnverlängerung zum Weltkulturerbe "Herkulesstatue", ausschließlich touristische Nutzung.

Übrigens drin, weil da auch mal Güterverkehr war, hatte mich immer gewundert was die da zu suchen hat.

Grüße.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.05.20 00:08.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: cavemaen

Datum: 16.05.20 10:43

Das klingt sehr interessant!

Aber da die Bahn nachgewiesenermaßen die Nebenbahnen systematisch vernachlässigte wie auch Brückenbauwerke, durfte man diese Strecken stillegen.

Unabhängig davon, wer diese Investitionen abruft, der Steuerzahler wird es sein, auf dem die Kosten abgewälzt werden, Züge werden auch mit Fördermitteln (also von uns) angeschafft und der / die Betreiber dürfen nochmals die Einnahmen (plus Zuschüsse) vereinnahmen...

Theoretisch wäre es billiger, jedem Pendler ein neues Auto zu schenken oder Busse kostenlos fahren zu lassen, als hier Millionen zu verbauen.

Früher hieß es mal: Güter gehören auf die Bahn!

Leider war es DB Cargo (oder wie auch immer sie gerade heißen), die den Ast auf dem sie sitzen selbst absägten und Anschließer wie Raiffeisen ect. kündigten und sogar nötigten, ihre privaten Gleise abzubauen, wozu keine rechtlichen Grundlagen existierten (jeder kann auf seinem Grundstück Gleise liegen lassen)!

Jetzt wird es teuer;

- kilometerlanger Oberbau komplett sanieren
- Vegationsrückschnitte quer durch den Schungel schlagen
- Brücken, Geländer und versiffte Wasserdurchlässe finden und untersuchen
- Leit & Sicherungstechnik planen und aufbauen
- Weichen erneuern
- Bahnsteige bauen mit
- Überdachungen,
- Parkplätze anlegen (kostenpflichtig damit es sich für den Bürger nicht mehr rechnet)
- viele Schreibtische planen und besetzen und Dinge, die heute noch niemand ahnen kann.

Dennoch bin ich optimistisch - nur wurde viel zu lange gezögert, da heute alles erheblich teurer ist und "wegen Carola" bald die letzte Kasse der öffentlichen Hand geplündert und gigantische Schulden gemacht werden, die wir alle mit Zins & Zinseszins zurückzahlen werden - legal und ohne Kriegszerstörung!

R.

IMG_3352.JPG

Kanonenbahn im Bereich Raiffeisen Frielendorf

Prellbock am Streckenende Bf Homberg / Efze:
IMG_3363.JPG

(Wunderbarer Dschungel, jeder Tiger würde sich hier wohlfühlen)

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Siggis Malz

Datum: 16.05.20 11:15

cavemaen schrieb:.
Unabhängig davon, wer diese Investitionen abruft, der Steuerzahler wird es sein, auf dem die Kosten abgewälzt werden, Züge werden auch mit Fördermitteln (also von uns) angeschafft und der / die Betreiber dürfen nochmals die Einnahmen (plus Zuschüsse) vereinnahmen...

Theoretisch wäre es billiger, jedem Pendler ein neues Auto zu schenken oder Busse kostenlos fahren zu lassen, als hier Millionen zu verbauen.
Ist übrigens wunderbar falsch. Kosten für Straßenbau, Erhaltung ebenjener und die indirekten Folgekosten für die Gesellschaft, wenn "jeder" auf der Straße fährt, sind immens viel höher. Hat die Uni Kassel vor einigen Jahren in ihrem Modell vorgestellt, dass sie jetzt Städten zur Verfügung stellt, die ihre Kosten für die Mobilität umverteilen wollen.

Grüße.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: PL

Datum: 16.05.20 11:45

Nichts Neues unter dem Weihnachtsbaum. Aber zu 60% solide Vorarbeiten im Raum. Wie z.B. Straßenbahn Darmstadt.

Viel interessanter und echt "der Knaller" wäre Bad Hersfeld - Niederaula, mitfinanziert von einem Containerterminal vor des Amazon - Zentrallagers. Verkehrserzeuger mit Riesenpotential in PV und GV mit Gleisen bis fast auf den Hof, aber kein Leben drauf. Klimaschande!!!


Grüße aus Wü

TW 239

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Henra

Datum: 16.05.20 12:08

PL schrieb:
Viel interessanter und echt "der Knaller" wäre Bad Hersfeld - Niederaula, mitfinanziert von einem Containerterminal vor des Amazon - Zentrallagers. Verkehrserzeuger mit Riesenpotential in PV und GV mit Gleisen bis fast auf den Hof, aber kein Leben drauf. Klimaschande!!!
Amazon ist so ein tragische Beispiel. Die haben eigentlich ein sattes Frachtaufkommen. Ganz viel von China und damit den Seehäfen. Teilweise aber auch Luftfracht. Teil von Amazon's Geschäftsmodell und wichtiger Erfolgsfaktor ist eine extrem schnelle Lieferung der Artikel an die Endkunden. Ich fürchte, da liegt der Hase im Pfeffer in Sachen Bahnbelieferung. Wobei die Belieferung der Zentralläger aus den Seehäfen eigentlich nicht so zeitkritisch wäre, da das Schiff eh 4 - 5 Wochen unterwegs ist. Da weiß ich nicht so genau, was Amazon davon abhält, zumindest dafür die Bahn zu nutzen?!
Die Verteilung an die Endkunde passiert dann eh mit 'Polensprintern'. Da geht für die Bahn wohl auch auf längere Sicht nix.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Dieter Römhild

Datum: 16.05.20 12:30

Zitat
- Strecke 3901, Kassel - Waldkappel (Waldkappeler Bahn), Abschnitt Kassel-Wilhelmshöhe – Kaufungen Papierfabrik mit 16 km Länge: Derzeit im Güterverkehr und teilweise mit Straßenbahnen befahren. Vielleicht geht es da vorrangig um die Verbindung zum Fernbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, die Strecke würde aber auch die Messe Kassel (falls dort eine Haltestelle geplant würde), einige Wohngebiete und das Auestadion erschließen.
Die Strecke nach Waldkappel dürfte durch den Autobahnbau A44 nicht mehr machbar sein. Stattdessen könnte man aber von Walburg die Strecke nach Großalmerode reaktivieren und in das Projekt Regiotram aufnehmen.
Die Gleise liegen noch fast durchgehend. Lediglich in Großalmerode ist der Bahnhofsbereich überbaut.

Dieter und Die V 100 der Deutschen Reichsbahn

http://www.v100-online.de/Werbung.jpg

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Jörn

Datum: 16.05.20 14:06

Befuerworter schrieb:
In einer neulich schon verlinkten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 19/18398) werden die bundesweiten Reaktivierungskandidaten vorgestellt, die derzeit von einer Sondereinheit der DB AG auf ihr Potential hin untersucht werden. Eine vertiefte Darstellung findet man in einer Bestandsaufnahme vom Dezember 2019, die ich als weiterführende Lektüre wirklich empfehlen kann. Ich liste hiermit die erwähnten Strecken in Hessen im Detail auf:

- Strecke 3541, Riedstadt-Goddelau - Darmstadt (Riedbahn), Abschnitt Riedstadt-Wolfskehlen - Griesheim mit 3,2 km Länge: Die Strecke war mal eine kurze Verbindung zwischen Darmstadt und Worms. In Griesheim endet derzeit eine Straßenbahn, die dann nach Wolfskehlen verlängert würde, wodurch die Hauptstrecke Frankfurt - Mannheim erreicht würde.
Ja, da gab es mal eine Bahnstrecke. Aber auch der Abschnitt von Darmstadt bis Griesheim wurde längst demontiert.
Die Straßenbahn von Griesheim aus nach Wolfskehlen zu verlängern, das wurde schon oft und lange diskutiert. Mit negativem Ergebnis. Warum sollte man auch?
1. Zwischen Griesheim und Wolfskehlen ist - nichts! Eine Straßenbahnstrecke durch mehrere Kilometer Nichts zu führen erscheint nicht besonders sinnvoll.
2. Wer sollte denn diese Strecke nutzen? Von Griesheim aus die S-Bahn in Wolfskehlen erreichen? Da geht es in die andere Richtung zum Darmstädter Hauptbahnhof schneller und dort gäbe es sogar Fernverkehr. Die wenigen Pendler, die aus Wolfskehlen nach Griesheim oder Darmstadt zur Arbeit fahren, würden allenfalls zu den Spitzenzeiten einen Straßenbahnzug bevölkern und vielleicht nicht einmal einen ganzen.

Für diese Verbindung sehe keinen sinnvollen Nutzen.
Gruß
Jörn.

Hey, Farmer,
tu das Gift weg.
Gib mir Flecken auf Äpfeln,
aber lass mir die Vögel und die Bienen.
(Joni Mitchell, aus „Big Yellow Taxi“, 1970)


3720 - Dillenburg - Ewersbach (?)

geschrieben von: TBOAR (bt)

Datum: 16.05.20 15:23

... warum taucht die hier nicht auf, obwohl es danach

Bestandsaufnahme "Für den Personenverkehr stillgelegte Schienenstrecken in Hessen"

obwohl sie nicht zu den schlechtesten dort bewerten Strecken gehörte?

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: schienenloewe

Datum: 16.05.20 18:27

Mörlenbach - Wahlen? Ich glaube der Zug ist sehr abgefahren ... Das Bahnhofsareal auf dem das Gleis liegen müsste ist verkauft, und der Bahnübergang im Ortsbereich müsste aufwändig neu gebaut werden wenn der überhaupt noch zulässig ist. Dazu ist Mörlenbach nur noch Hp da ohne Weichen. Und der Kreidacher Tunnel ist jetzt auch nicht der beste mehr ...

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Gartenbahner60

Datum: 16.05.20 23:39

Befuerworter schrieb:
- Strecke 3745, Bad Vilbel - Lauterbach Nord (Oberwaldbahn), Abschnitt Glauburg-Stockheim - Lauterbach Nord mit 65 km Länge (keine Angabe in Quelldokument):
Na ob dann beim Haas dann auch wieder Ebbelwoi getankt werden kann?

[www.vergessene-bahnen.de]

Angeblich soll das Schild am Eingang "Vorsicht Zugverkehr" noch hängen, weil das Gleis gleich vor der Tür der Kneipe vorbei ging ...

Gruß
Siggi

Wer Tippfehler findet, darf sie behalten ;-)

Meine kleine Moba: [www.drehscheibe-online.de]
Mein Bahnhof Nidda im Aufbau: [www.stummiforum.de]

Datenkraken bitte nicht füttern!

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Ruhrthaler

Datum: 17.05.20 18:37

Befuerworter schrieb:
- Strecke 3712, Weilburg - Grävenwiesbach (Weiltalbahn), mit 21,3 km Länge: Die Strecke ist komplett demontiert, relativ lang und im ländlichen Raum, was doch sehr große Hindernisse für einen positiven Nutzen-Kosten-Faktor sind.
Hallo zusammen,

Ob eine Strecke demontiert ist oder nicht, ist ziemlich belanglos, entscheidend ist vielmehr, ob sie noch gewidmet ist oder nicht. Nur bei bestehender Widmung (wie laut Wikipedia bei dieser Strecke) besteht eine reelle Chance auf Reaktivierung. Der Oberbau muss sowieso komplett erneuert werden, alte Gleise stören da eher, maximal der Schrottwert ist von Interesse.

Wünsche euch in Hessen viel Erfolg.

LG Ruhrthaler

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: riogrande

Datum: 17.05.20 18:56

Strecke 3746, Grävenwiesbach - Albshausen (Solmsbachtalbahn), Abschnitt Brandoberndorf – Albshausen mit 16,2 km Länge: Eine Durchbindung bis Albshausen halte ich für ausgeschlossen. Dass Weiltalbahn und Oberwaldbahn aufgeführt werden, ist absurd.

Lossetalbahn

geschrieben von: Markus Heesch

Datum: 17.05.20 19:04

Mal eine grundsätzliche Frage zu der Verbindung Kassel - Eschwege:

Die Personenverkehr mit Schienenbussen auf der Lossetalbahn wurde bekanntlich 1985 stillgelegt und auch nach der Wende trotz erhöhter Verkehrsströme nicht wieder in Betrieb genommen.

Nun ist Kassel Oberzentrum in Nordhessen und Eschwege Kreisstadt und Mittelzentrum für den Werra-Meißner-Kreis. Die Entfernung zwischen diesen beiden Zentren beträgt gut 50 km.

Frage: Wie groß sind die Verkehrsströme zwischen diesen beiden Städten? Oder anders gefragt: Gibt es kein Verkehrsbedürfnis, dass den Betrieb einer direkten Bahnverbindung rechtfertigt?

Re: Lossetalbahn

geschrieben von: Der Mann aus dem Feld

Datum: 17.05.20 20:04

Die Strecke ist östlich von Walburg durch den Autobahnbau mehrfach unterbrochen. Zudem wurden weitere Brücken ausgebaut.
Ferner gibt eine Schnellbuslinie 200 zwischen Eschwege und Hess. Lichtenau, wo Anschluß an die Tram nach Kassel besteht.
Da dürfte eine aufwendige Neutrassierung kaum eine Chance haben.
Außerdem gibt es Zugverbindungen von Kassel über Eichenberg nach Eschwege in gut einer Stunde.

Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: ßänkjuhforträvvelingwißdeutschebahn

Datum: 17.05.20 21:41

Zitat:
Nun ist Kassel Oberzentrum in Nordhessen und Eschwege Kreisstadt und Mittelzentrum für den Werra-Meißner-Kreis. Die Entfernung zwischen diesen beiden Zentren beträgt gut 50 km.
Frage: Wie groß sind die Verkehrsströme zwischen diesen beiden Städten? Oder anders gefragt: Gibt es kein Verkehrsbedürfnis, das den Betrieb einer direkten Bahnverbindung rechtfertigt?
Natürlich gibt es das. Das gab es bereits Anfang der 90er Jahre. Schon vor der Wende waren die Bundesstraßen 7 und 27 mit Lkw aus Ost und West völlig überfüllt. Aber wir sind hier in Hessen, und zwar in dem Teil Hessens, wo seit Kriegsende die SPD sagt, was gebaut wird und was weg kann. Das bedeutet: Jeder muss schnell mit dem Auto überall hinfahren können. Also keine Schienenverbindungen wiederherstellen, auch nicht dort, wo Täler wie das Lossetal im Lkw-Verkehr ersticken, sondern lieber neue Autobahnen und vierspurige Bundesstraßen bauen. "Haben wir hier schon immer so gemacht."

Hessen ist nicht zufällig das einzige Bundesland, abgesehen von dem unbedeutenden Schleswig-Holstein, das nach 1989 nur die eine Verbindung mit dem geringstmöglichen Investitionsaufwand über Eichenberg - Arenshausen wiederhergestellt hat.

http://www.bilder-hochladen.net/files/5eof-67-63dc.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.05.20 21:42.

Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: Montrealer

Datum: 18.05.20 03:23

ßänkjuhforträvvelingwißdeutschebahn schrieb:
Hessen ist nicht zufällig das einzige Bundesland, abgesehen von dem unbedeutenden Schleswig-Holstein, das nach 1989 nur die eine Verbindung mit dem geringstmöglichen Investitionsaufwand über Eichenberg - Arenshausen wiederhergestellt hat.
Also bei Eichenberg - Arenshausen handelt es sich strenggenommen um einen Grenzübergang zwischen Thüringen und Niedersachen (da letztgenanntes Bundesland bei der Einfahrt nach Eichenberg direkt nördlich vom Dreiländereck auf einer Strecke von ca. 800 Metern durchquert wird). Da aber sämtlicher Personenverkehr von Hessen (Kassel-Eichenberg) und nicht Niedersachsen (Göttingen) abgewickelt wird, ist deine Zuordnung für deine Zwecke sinnvoll.

Was mir allerdings unverständlich bleibt ist welche andere Strecken deiner Meinung nach zwischen Hessen und Thüringen hätten reaktiviert werden sollen (ich gehe einfach mal alle in meinem Eisenbahnatlas Deutschland von-Norden-nach-Süden durch):

Strecke 6710/6734 (Eschwege - Schwebda - Heiligenstadt): Erfordert Fahrtrichtungswechsel in Fürstenhagen, Fahrtzeitersparnis gegenüber Eschwege-Eichenberg-Heiligenstadt extrem unwahrscheinlich.

Strecke 6710 (Eschwege - Schwebda - Leinefelde): Selbst Silberhausen (als einziger nennenswerter Ort) hat weniger als 1000 Einwohner, Fahrtzeitersparnis gegenüber Eschwege-Eichenberg-Leinefelde zumindest fraglich.

Strecke 6710/3931 (Eschwege - Schwebda - Treffurt - Wartha): Treffurt (als einziger nennenswerter Ort) hat gerade mal 5000 Einwohner, Eschwege-Treffurt-Mühlhausen würde Fahrtrichtungswechsel in Treffurt erfordern.

Strecke 9380/6707 (Bad Hersfeld - Heimboldshausen - Gerstungen): Heimboldshausen hat gerade mal 700 Einwohner, Heringen immerhin fast 8000. Fahrtzeitersparnis gegenüber der "Berliner Kurve" völlig ausgeschlossen.

Strecke 3813/3815/6707 (Hünfeld - Wenigentaft-Mansbach - Heimboldshausen - Gerstungen): Fahrtzeitersparnis gegenüber der Berliner Kurve auch hier ausgeschlossen.

Strecke 3820/3815/6707 (Fulda - Hilders - Wenigentaft-Mansbach - Heimboldshausen - Gerstungen): Fahrtzeitersparnis gegenüber der Berliner Kurve auch hier ausgeschlossen. Erfordert zudem einen Fahrtrichtungswechsel in Hilders.


Welche von den oben genannten Strecken drängt sich dir jetzt als nach der Wiedervereinigung ungerechtfertigterweise ignorierter Reaktivierungskandidat auf?


Ähnlich sieht es meiner Meinung nach in Schleswig-Holstein aus:

Ratzeburger Kleinbahn (keine Streckennummer angegeben): endet ca. 6 km nach der Ländergrenze im Nirgendwo (Klein Thurow).

Strecke 6928 (Ratzeburg-Zarrentin-Hagenow-Hagenow Land): Zarrentin hat knapp 5000 Einwohner, Wittenburg ebenso. Fahrtzeitersparnis gegenüber dem Umweg über Büchen fraglich.


Auch hier die Frage: welchen der beiden Grenzübergänge hätte man deiner Meinung nach unbedingt reaktivieren sollen?



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 18.05.20 04:44.

Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: Siggis Malz

Datum: 18.05.20 09:59

Montrealer schrieb:
Strecke 6928 (Ratzeburg-Zarrentin-Hagenow-Hagenow Land): Zarrentin hat knapp 5000 Einwohner, Wittenburg ebenso. Fahrtzeitersparnis gegenüber dem Umweg über Büchen fraglich.


Auch hier die Frage: welchen der beiden Grenzübergänge hätte man deiner Meinung nach unbedingt reaktivieren sollen?
Das ist dabei noch der aussichtsreichste Kandidat, vor der Entscheidung mit der Kurve in Bad Kleinen hätte man auch mit der Netzwirkung argumentieren können. Überregionaler Verkehr ist jetzt zwar nicht mehr drin, aber als einzige Strecke, die wenigstens etwas an nennenswerter Population und Tourismusgebieten verknüpft, könnte man sich hier wieder am ehesten durchgehenden Verkehr denken. Zumal man 2 "nennenswerte" Knoten im Osten (Hagenow nach Hamburg und Ludwigslust nach Berlin) und Lübeck im Westen erreichen könnte. Problem bleibt natürlich, dass man quer zu den Pendlerströmen (nach Hamburg) fährt und immer erst in die "falsche" Richtung müsste. Da holt das Auto bis zum Stau vor Hamburg ganz schön Vorsprung raus.

Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: Uwe Bachmann

Datum: 18.05.20 11:53

Mal abgesehen davon, dass auch dieser Teil Hessens schon viele Jahre nicht mehr als alleiniger Erbhof der SPD angesehen werden kann (in keinem Kreistag die absolute Mehrheit mehr und genügend Städte und Kommunen mit CDU-Bürgermeistern), haben sich CDU, FDP und auf kommunaler Ebene auch die FWG in Hessen - insbesondere auch im Norden des Landes - zu keiner Zeit mit Konzepten, Ideen oder Entscheidungen pro Eisenbahn besonders hervorgetan. Gerade was die Verkehrspolitik im Raum Werra-Meißner der letzten Jahrzehnte angeht, habe ich ein großes Pressearchiv im Keller stehen.

Immerhin aber ist die nun wirklich sehr erfolgreiche Wiederanbindung der Kreisstadt Eschwege an das Schienennetz durch die Reaktivierung der Strecke vom Abzweig an der Nord-Süd-Strecke in Niederhone bis zum Eschweger Stadtbahnhof vor allem dem unbändigem Engagement des damaligen SPD-Bürgermeisters Jürgen Zick zu verdanken. Die Widerstände der sog. konservativ-liberalen Parteien und Lokalpolitiker hiergegen waren dereinst immens.

Richtig ist aber: Die Politik in diesem Teil Hessens hat immer und bis heute auf die allheilbringende Wirkung des Baus der Autobahn A44 gesetzt und dies dem Wahlvolk bzw. der Bevölkerung auch so schmackhaft gemacht. Dass dabei als Ergebnis jetzt die wahrscheinlich (je Streckenkilometer) teuerste Autobahn Europas gebaut wird, ein einzigartiges Landschaftsbild zerstört und am Ende Arbeitsplätze allenfalls in der Logistikbranche generiert werden - geschenkt. Und dort, wo die Autobahn nicht die Erlösung von Lärm und Abgasen entlang der Bundestraßen B7/B27/B249 oder B400 bringen wird, werden Umgehungsstraßen bevorzugt auf den Trassen alter Bahnstrecken errichtet, siehe in den Gemeinden Meinhard oder Wanfried.

Was mich aber am meisten an diesen ganzen Listen der Prüfung zu reaktivierender Strecken - ob jetzt in Hessen oder anderen Bundesländern - stört, ist die Tatsache, dass man sich dabei abseits der Ballungszentren immer nur stur an den aus den Vor-Jahrhunderten stammenden, einst existierenden Schienenwegen orientiert. Als ob es in den letzten rund 150 Jahren keine Veränderungen in den Planungsgrundlagen, Verkehrsbedürfnissen, Grenzverläufen, Siedlungsstrukturen und Wirtschaftsräumen gegeben hätte. Plant man Straßen auch noch immer entlang historischer Postkutschenrouten? Solange das Planungs- und Baurecht in Deutschland für Eisenbahnstrecken mit vorwiegend regionaler Bedeutung so ist, wie es ist, und vor allem von keiner politischen Seite trotz Klimaproblematik und "Verkehrswende"-Gerede ernsthaft angepackt wird, solange wird es nie eine echte Verkehrswende in diesem Land geben. Dafür brauchte es gar keine Corona-Pandemie und die hieraus erst noch kommenden Probleme zu geben. Oder eine sehr erfolgreich auf allen politischen Ebenen agierende Straßen -(Auto-, LKW-) Lobby.

Und so werden als Ergebnis von all diesen Listen mit der Prüfung zu reaktivierender Strecken immer nur ganz wenige Verbindungen mit einer Chance auf Realisierung übrigbleiben. Und für diese werden sie sich dann feiern lassen, die von uns gewählten Vertreter der Politik: Als Helden der "Verkehrswende". Bei den anderen Streckenkandidaten "lohnt es sich einfach nicht, es tut uns echt leid, wir haben wirklich ernsthaft geprüft..."



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.05.20 14:42.

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: meister-röhrich

Datum: 18.05.20 13:16

Hallo,

hier in Hessen gibt es einige Strecken, die reaktivierungswürdig sind!

Aartalbahn in ganzer Länge - (Mainz-) Wiesbaden - Bad Schwalbach als Projekt "Citybahn" und Bad Schwalbach - Limburg als Regionalbahn

Wölfersheim - Hungen ist ohne große Kosten reaktivierbar

Lollar - Londorf ist glücklicherweise sehr weit gediehen

Dieburg - Reinheim hat meiner Meinung nach eine Chance, weil Zubringer in Richtung Frankfurt

Weniger Chancen sehe ich als realistischer Mensch für die meisten Verbindungen, welche schon demontiert (und meist auch entwidmet) sind. Häufig gab es da, meiner Meinung nach, unsinnige Fördermittel, um aus einer Bahnstrecke einen Radweg zu machen!

Viele der genannten Strecken lagen in ländlichen Gegenden, in welcher derzeit das Verkehrsbedürfnis mit Bus und eigenem Auto befriedigt wird.
Brandoberndorf - Albshausen halte ich für aussichtslos. Entwidmet, der Tunnel in Albshausen ist verfüllt incl. der Voreinschnitte und es stehen Einfamilienhäuser auf der Trasse.
Grävenwiesbaden - Weilburg halte ich für aussichtslos. Dort fehlt eine große Brücke, die Strecke ist entwidmet und schon teilweise überbaut.
Für einen verspäteten Aprilscherz halte ich die Reaktivierung Stockheim - Lauterbach Nord. Vollständig abgebaut, entwidmet und an vielen Stellen zugebaut.

Die geplanten Straßenbahnverlängerungen auf ehemaligen Eisenbahnstrecken sind recht sinnvoll, da sie in der Nähe einer Großstadt liegen und Potential haben.

Eines aber auch einmal generell hier: Es ist umso wichtiger, dass eine noch vorhandene Bahnstrecke auf jeden Fall erhalten wird - und die entsprechende Widmung! Dann ist eine Reaktivierung um Welten einfacher. Auf einem alten Streckengleis kann mindestens ein Gleisumbauzug fahren. Ein Neubau jochweise o.ä. ist sehr viel teurer. Daher sollte man versuchen jede Strecke mit sinnvoller Trassierung zu schützen - bundesweiter Trassenschutz ist notwendig!

Freundliche Grüße
Klaus Röhrich

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: Jörn

Datum: 18.05.20 13:53

meister-röhrich schrieb:
Hallo,

hier in Hessen gibt es einige Strecken, die reaktivierungswürdig sind!

Dieburg - Reinheim hat meiner Meinung nach eine Chance, weil Zubringer in Richtung Frankfurt

Wer würde sich das antun?
Bereits heute kommt man alle 2 Stunden in 45 Minuten ohne Umsteigen (!) von Reinheim nach Frankfurt. Und in den Stunden dazwischen mit einem Umstieg in Darmstadt in etwa einer Stunde. Wie attraktiv kann da ein Umstieg in Dieburg sein?

Gruß
Jörn.

Hey, Farmer,
tu das Gift weg.
Gib mir Flecken auf Äpfeln,
aber lass mir die Vögel und die Bienen.
(Joni Mitchell, aus „Big Yellow Taxi“, 1970)


Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: tpostie76

Datum: 18.05.20 14:01

Der Zug dürfte abgefahren sein. Das gesamte Bahnhofsgelände ist inzwischen ein Parkplatz für den ansässigen Autohändler. Zusätzlich wird auf der Draisinenbahn ein unbefristete Betriebsgenehmigung angestrebt. Der gesamt Fuhrpark wurde bzw. wird gerade modernisiert und auf den Stand der Technik gebracht. Dafür hat man extra einen neuen Wartungsvertrag mit einer ansässigen Firma gemacht. Die Strecke ist ebenso den Erfordernissen angepasst und "Saniert" worden.

Ich denke, Bahnbetrieb wird hier nicht mehr zu sehen sein.

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 18.05.20 14:25

Jörn schrieb:meister-röhrich schrieb:
meister-röhrich schrieb:
Hallo,

hier in Hessen gibt es einige Strecken, die reaktivierungswürdig sind!

Dieburg - Reinheim hat meiner Meinung nach eine Chance, weil Zubringer in Richtung Frankfurt

Wer würde sich das antun?
Bereits heute kommt man alle 2 Stunden in 45 Minuten ohne Umsteigen (!) von Reinheim nach Frankfurt. Und in den Stunden dazwischen mit einem Umstieg in Darmstadt in etwa einer Stunde. Wie attraktiv kann da ein Umstieg in Dieburg sein?
Wenn du in Groß-Zimmern brichst, ist das sehr wohl denkbar. Also: Groß-Zimmern - Frankfurt als S1 oder S2. Groß-Zimmern - Reinheim sehe ich nicht und Darmstadt - Groß-Zimmern hat leider derzeit (noch?) ein NKU-Problem, sonst wäre das eine sehr sinnige Straßenbahnstrecke.

Stockheim - Lauterbach Nord ist tatsächlich ein Fehler, es wurde stattdessen Hungen - Laubach untersucht und das ist auch negativ...

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Von den hier genannten Strecken werden vermutlich nur eine Handvoll Bahnen reaktiviert und das noch nicht mal.

Wer in den letzten Tagen und besonders auch heute die Nachrichten in diesem Bundesland verfolgt hat wird mittlerweile wissen, dass das Land und die Kommunen wegen massiver Steuerausfälle einen knallharten Sparkurs beabsichtigen und alle geplanten Ausgaben und Investitionen erneut auf den Prüfstand stellen wollen.

Da dürfte für eine Reaktivierung von abgebauten Bahngleisen kaum etwas übrig bleiben, vor allem dann, wenn andere kommunale Bauvorhaben wie Kindergärten oder Feuerwehrgerätehäuser schon nicht realiserbar sind.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Siggis Malz

Datum: 18.05.20 18:12

Der Mann aus dem Feld schrieb:
Von den hier genannten Strecken werden vermutlich nur eine Handvoll Bahnen reaktiviert und das noch nicht mal.

Wer in den letzten Tagen und besonders auch heute die Nachrichten in diesem Bundesland verfolgt hat wird mittlerweile wissen, dass das Land und die Kommunen wegen massiver Steuerausfälle einen knallharten Sparkurs beabsichtigen und alle geplanten Ausgaben und Investitionen erneut auf den Prüfstand stellen wollen.

Da dürfte für eine Reaktivierung von abgebauten Bahngleisen kaum etwas übrig bleiben, vor allem dann, wenn andere kommunale Bauvorhaben wie Kindergärten oder Feuerwehrgerätehäuser schon nicht realisierbar sind.
Wie gut, dass wir noch die neuen Gesetze durchbekommen haben und vor allem der Bund einspringen muss, je nach Maßnahme für 75 - 90 %,
und der Bund kann sich jetzt alles leisten nur nicht seine Investitionen zurückzufahren.
Macht man ja auch nicht, das ist das kleine VWLer 1mal1.

Außerdem spricht man bei der Bahn ja von Zeiträumen, da kann eine Krise gar nicht mithalten.
Bis es richtig ans Geld geht, läuft die Wirtschaft auch wieder auf dem Vorkrisenniveau (gehen wir mal von keinen anderen Katastrophen aus).
Bei den Projekten, die in den nächsten 2-3 Jahren angepackt werden, steht die Finanzierung eh meistens und dann sind da noch so Sachen wie Klimawandel, politischer Druck, neues standardisiertes Verfahren und, und, und.
Verlangsamen wird Corona so einiges, sicherlich, hat es ja auch schon, aber ändern wird es die Entscheidung nicht. Mit einer guten Handvoll, wäre man ja bei der Liste schon gut dabei, wenn das bis 2030/35 umgesetzt werden würde :)

Man siehe nur mal zum Beitrag bisschen weiter unten beim NVV, mitten in der Krise das Angebot weiter hochgefahren und weitere Tariferleichterungen angekündigt. Und das von einem solch konservativen Aufgabenträger.
Kommunal kann das natürlich anders aussehen, die Straßenbahn in Kassel nach Harleshausen ist z.B aber auch schon mit 22 Millionen vorfinanziert.

Re: Dieburg - Reinheim

geschrieben von: olieisenbahn

Datum: 18.05.20 22:14

Vorsichtige Anmerkung in die Runde:
Die Strecke Dieburg - Reinheim ist längst abgebaut und teilweise auch überbaut. Da müsste also komplett neu aufgebaut werden - und das dann wohl auch mit entsprechenden Genehmigungsverfahren.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Tw666

Datum: 18.05.20 23:27

Dieter Römhild schrieb:
Zitat
- Strecke 3901, Kassel - Waldkappel (Waldkappeler Bahn), Abschnitt Kassel-Wilhelmshöhe – Kaufungen Papierfabrik mit 16 km Länge: Derzeit im Güterverkehr und teilweise mit Straßenbahnen befahren. Vielleicht geht es da vorrangig um die Verbindung zum Fernbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, die Strecke würde aber auch die Messe Kassel (falls dort eine Haltestelle geplant würde), einige Wohngebiete und das Auestadion erschließen.
Die Strecke nach Waldkappel dürfte durch den Autobahnbau A44 nicht mehr machbar sein. Stattdessen könnte man aber von Walburg die Strecke nach Großalmerode reaktivieren und in das Projekt Regiotram aufnehmen.
Die Gleise liegen noch fast durchgehend. Lediglich in Großalmerode ist der Bahnhofsbereich überbaut.
Dies dürfte nur leider für die allermeisten potentiellen Fahrgäste überhaupt nicht attraktiv sein.

Die Bahnstrecke führt von Helsa einmal um den Berg herum nach Großalmerode und ist damit drei bis vier Mal länger als die direkte Strecke mit dem Bus von Helsa. Dazu liegen beide Bahnhöfe am Ortsrand, es müsste sehr schwer eine Strecke bis in das Ortszentrum gebaut werden.

Waldkappel wäre daher wesentlich interessanter und eine neue Untertunnelung der Autobahn stellt keine große Schwierigkeit dar.

Am wichtigsten wäre allerdings eine Stillegung der Lossetalbahn nach EBO und Umwandlung in eine BOStrab-Strecke mit Signalsicherung. Insbesondere an der Leit- und Sicherungstechnik könnte gespart werden und die Fahrzeit durch eine einfachere Betriebsführung attraktiver gestaltet werden.

Davon abgesehen ist überhaupt nicht geplant die Strecke nach Waldkappel zu reaktivieren.

Beste Grüße

666

Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: Tw666

Datum: 18.05.20 23:35

Uwe Bachmann schrieb:

Was mich aber am meisten an diesen ganzen Listen der Prüfung zu reaktivierender Strecken - ob jetzt in Hessen oder anderen Bundesländern - stört, ist die Tatsache, dass man sich dabei abseits der Ballungszentren immer nur stur an den aus den Vor-Jahrhunderten stammenden, einst existierenden Schienenwegen orientiert. Als ob es in den letzten rund 150 Jahren keine Veränderungen in den Planungsgrundlagen, Verkehrsbedürfnissen, Grenzverläufen, Siedlungsstrukturen und Wirtschaftsräumen gegeben hätte. Plant man Straßen auch noch immer entlang historischer Postkutschenrouten?
Zustimmung!

Klar, dort wo eine Strecke liegt und gut passt kann man sie reaktivieren aber beispielsweise ist Homberg von Wabern mit einer Neubaustrecke und Tram-Strecke in der Kernstadt, wesentlich besser und vor allem auch schneller erreichbar. Dazu: Die Strecke wäre auch unter 10 Kilometer lang und besitzt kaum Probleme im Landschaftsbild während die Kanonenbahn extrem viele enge Bögen aufweist.

Beste Grüße

666

Re: Dieburg - Reinheim

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 19.05.20 00:15

olieisenbahn schrieb:Zitat:
Vorsichtige Anmerkung in die Runde:
Die Strecke Dieburg - Reinheim ist längst abgebaut und teilweise auch überbaut. Da müsste also komplett neu aufgebaut werden - und das dann wohl auch mit entsprechenden Genehmigungsverfahren.
Das ist richtig. Deswegen ist der Gedanke an Dieburg - Groß-Zimmern ganz weit weg. Eher sehe ich noch Darmstadt - Groß-Zimmern und das hat schon derzeit NKU-Wert sehr deutlich unter 1,0.

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Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: Siggis Malz

Datum: 19.05.20 00:16

Tw666 schrieb:
Zustimmung!

Klar, dort wo eine Strecke liegt und gut passt kann man sie reaktivieren aber beispielsweise ist Homberg von Wabern mit einer Neubaustrecke und Tram-Strecke in der Kernstadt, wesentlich besser und vor allem auch schneller erreichbar. Dazu: Die Strecke wäre auch unter 10 Kilometer lang und besitzt kaum Probleme im Landschaftsbild während die Kanonenbahn extrem viele enge Bögen aufweist.

Beste Grüße

666
Es gibt natürlich viele Gründe warum man das so überlegt, genau bei diesem Beispiel geb ich dir aber Recht!
Den Gedanken habe ich mal im Spaßforum LiniePlus vorgestellt. Hier entlang.

Die Argumente für und wider finden sich hier auch schon ähnlich.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Riedgras

Datum: 19.05.20 06:16

Jörn schrieb:
[...] Warum sollte man auch?
1. Zwischen Griesheim und Wolfskehlen ist - nichts! Eine Straßenbahnstrecke durch mehrere Kilometer Nichts zu führen erscheint nicht besonders sinnvoll.
2. Wer sollte denn diese Strecke nutzen? Von Griesheim aus die S-Bahn in Wolfskehlen erreichen? Da geht es in die andere Richtung zum Darmstädter Hauptbahnhof schneller und dort gäbe es sogar Fernverkehr. Die wenigen Pendler, die aus Wolfskehlen nach Griesheim oder Darmstadt zur Arbeit fahren, würden allenfalls zu den Spitzenzeiten einen Straßenbahnzug bevölkern und vielleicht nicht einmal einen ganzen.

Für diese Verbindung sehe keinen sinnvollen Nutzen.
Gruß
Jörn.
Doch, da ist was - die Landkreisgrenze nämlich! Die Verlängerung der Tram 9 von Griesheim aus ins Ried wird wie du richtig gesagt hast seit Jahrzehnten zerredet (!) - und das aus politischen Gründen. Haben wollen sie wohl alle, aber keiner will was dafür bezahlen. Alle in der Region könnten wissen dass Stadt und Kreis Darmstadt seit langem eine Art Kirchturmpolitik betreiben. Die Pendlerströme nach Darmstadt sind auch aus dem Ried erheblich, und die Busverbindungen katastrophal. Gut, bis Wolfskehlen geht´s noch, aber darüber hinaus? Braucht keiner erörtern! Es gab früher sogar mal eine Buslinie von Darmstadt bis Oppenheim, auch die wurde aus politischen Gründen eingestellt. Heute fährt wer muss mit dem Auto, was den Grünen in der Darmstadter Verwaltung ein Dorn im Auge ist. Ich kann das verstehen, aber die Tram ist keine Alternative, solange es keine Pendlerparkplätze gibt. Parkmöglichkeiten rund um den Platz Bar-la-Duc, der derzeitigen Endstelle, sind geringer als du Finger an den Händen hast! Wenn mir bekannte Zahlen stimmen kommen auf rund 5000 Pendler eine handvoll Busse mit vielleicht 500 Leuten Kapazität, wenns hoch kommt. Der Rest geht nicht zu Fuß!

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: meister-röhrich

Datum: 19.05.20 12:53

Hallo Black Eyed,

tatsächlich ist es so, dass hier in Hessen in den letzten dreißig Jahren fast nichts an Bahnstrecken reaktiviert wurde als immer propagiert. Schon in den 80er- und 90er-Jahren gab es etliche Projekte, welche diskutiert wurden.

Leider sind stattdessen mehrere Bahnstrecken nicht nur ohne Verkehr sondern sogar demontiert worden, obwohl es teilweise sogar Kaufinteressenten gab!

Verloren haben wir hier in Hessen in den letzten Jahrzehnten:

Bad Wildungen - Korbach
Hessisch Lichtenau - Eschwege
Bad Hersfeld - Heimboldshausen
Biedenkopf - Dillenburg
Dillenburg - Ewersbach
Herborn - Niederwalgern
Wölfersheim - Hungen - Laubach
Stockhausen - Beilstein
Fulda - Günthers - Wüstensachsen
Kirchhain - Burg- und Nieder-Gemünden
Brandoberndorf - Albshausen
Mörlenbach - Wahlen

und sicher ist mir die eine oder andere Strecke gerade beim schreiben nicht eingefallen. In der Zeit, in welcher ein Nachbarland zehn Bahnstrecken erfolgreich reaktiviert hat wurden bei uns mehrere Strecken stillgelegt und auch teilweise schon abgebaut. Das ist die Verkehrspolitik in unserem Bundesland!

Ob sich daran wirklich mal was ändert trotz einiger recht weit gediehener Projekte habe ich so meine Zweifel. ich würde mich sehr darüber freuen, wenn endlich mal wieder Verkehrspolitik für alle und nicht nur für das Auto gemacht werden würde hier in Hessen.

Freundliche Grüße
Klaus Röhrich

Hessen vorne (o.w.T)

geschrieben von: Dampffrosch

Datum: 19.05.20 13:19

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: riogrande

Datum: 19.05.20 13:33

Haiger - Breitscheid fällt mir spontan noch ein, gerade weil die Strecke auf den letzen Kilometern vor Haiger ordentlich Güterverkehr hatte (u.a. Hailo). Die Region Haiger / Dillenburg / Herborn hat es echt arg erwischt, auf ein paar Kilometern 5 Strecken

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 19.05.20 17:18

meister-röhrich schrieb:
Zitat:
tatsächlich ist es so, dass hier in Hessen in den letzten dreißig Jahren fast nichts an Bahnstrecken reaktiviert wurde als immer propagiert.
Das stimmt durchaus. Neben der Wirtschaftlichkeit (gemäß NKU) gibt es noch andere Pferdefüße: Der größte ist für mich der Aufgabenträger im Regionalverkehr. Denn dieser muss natürlich den Betrieb finanzieren. Hier unterscheiden sich aber die Aufgabenträger deutlich. In Nordhessen sehe ich ein größeres Interesse an Reaktivierungen. Man sieht es an den Überlegungen nach Baunatal und Kaufungen.

In Mittelhessen ist diese Stimmung erst da, wenn es einen politischen Druck gibt - sei es in der Wetterau oder im Lumbdatal. Dort wo dies nicht der Fall ist, hat der Aufgabenträger mit seiner dezidierten Meinung und der dahinter streckenden Logik natürlich größere Chancen. Und die Logik ist schon sehr banal: 1. Für eine Reaktivierung braucht es ein ausreichendes Potential - daher wäre ein Busvorlaufbetrieb ratsam. 2. Ein Busbetrieb erzeugt deutlich weniger Kosten als ein Bahnbetrieb, so dass diese Umstellung sich eher negativ auswirkt.

Seitens des Landes sehe ich schon den Willen zur Reaktivierungen, allerdings eben im Konsens mit allen beteiligten Kreisen, Kommunen und Aufgabenträgern. Und dann kann eine optimierte NKU-Systematik zwar bei bestehendem Wohlwollen helfen, aber nicht bei fehlendem.

meister-röhrich schrieb:
Zitat:
In der Zeit, in welcher ein Nachbarland zehn Bahnstrecken erfolgreich reaktiviert hat wurden bei uns mehrere Strecken stillgelegt und auch teilweise schon abgebaut. Das ist die Verkehrspolitik in unserem Bundesland!
Manches liegt seit Jahren schon so auf der Hand, dennoch mangelt es am Interesse (siehe oben). Aktuell wendet die RB51 in rund 40 Minuten in Wächtersbach. In der Wendezeit ist es locker möglich auf einer sanierten Strecke nach Bad Orb und zurück zu fahren. Das habe ich schon seit über 20 Jahren in Nahverkehrsplänen gelesen - nur an der Umsetzung mangelt es. Zudem ist die Strecke vollständig vorhanden, wenn auch gerade auf 600 mm umgespurt.

meister-röhrich schrieb:Zitat:
Ob sich daran wirklich mal was ändert trotz einiger recht weit gediehener Projekte habe ich so meine Zweifel. ich würde mich sehr darüber freuen, wenn endlich mal wieder Verkehrspolitik für alle und nicht nur für das Auto gemacht werden würde hier in Hessen.
Man kann zumindest kämpfen - die Reaktivierung der Aartalbahn wird ja leider durch das Wiesbadener Stimmvieh erledigt werden, wenn diese gegen den gesunden Menschenverstand und damit gegen die Citybahn stimmen werden. Insbesondere jetzt, wo auch der Rheingau-Taunus-Kreis seine gute Position zur Aartalbahn entdeckt...

Das Land hat durchaus den Willen zur Reaktivierung, die Bürger aber eben nicht. Ähnlich sieht es auch in Neu-Isenburg aus, wo es heißt "Nach Stuttgart 21 kommt Neu-Isenburg 2030!" und "Gegen 100 Meter lange Mosterzüge" (beim Halbstundentakt einer eingleisigen Stadtbahn auf einer zu stark befahrenen breiten Straße ohne jegliche Aufenthaltsqualität...)


Wir haben eben noch zu viele Wutbürger... Verkehrswende hingegen ist ein nettes Wort, das nicht mal der oben genannte Aufgabenträger wissenschaftlich richtig angewendet in seinem Regionalen Nahverkehrsplan reinschreiben kann. Es ist eben nicht nur die Umstellung des MIV auf elektrische bzw. regenerative Energie, sondern eine deutliche Veränderung des Verkehrswesens an sich.

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Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Befuerworter

Datum: 19.05.20 19:01

Zitat
- Strecke 3740, Friedberg - Laubach (Horlofftalbahn), Abschnitt Wölfersheim-Södel – Hungen mit 12 km Länge: Da gibt es wohl schon ein positives Gutachten und einen Reaktivierunsgbeschluss des Kreistages
Im ICE-Treff war heute eine DB-Präsentation verlinkt, in der die Reaktivierung der Horlofftalbahn bis 2025 angekündigt wird: UAG-Etappierung Deutschlandtakt. Das lässt keine Zweifel daran, dass diese Reaktivierung bereits beschlossene Sache ist.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Siggis Malz

Datum: 19.05.20 21:47

Befuerworter schrieb:
Im ICE-Treff war heute eine DB-Präsentation verlinkt, in der die Reaktivierung der Horlofftalbahn bis 2025 angekündigt wird: UAG-Etappierung Deutschlandtakt. Das lässt keine Zweifel daran, dass diese Reaktivierung bereits beschlossene Sache ist.
Genauso wie Lollar - Londorf übrigens ^^

Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: P.A.D

Datum: 19.05.20 23:51

Fulda–Hilders hätte schon Potential, trotz der kurvenreichen Trassierung. Die Busse heute sind immer noch langsamer als die Schienenbusse 1986. Da wäre mir LINTs oder ähnlichem heute sicher deutlich mehr drin. Zumal der Tourismus in der Region stetig wächst.

Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: Strizie

Datum: 20.05.20 10:44

Uwe Bachmann schrieb:
Richtig ist aber: Die Politik in diesem Teil Hessens hat immer und bis heute auf die allheilbringende Wirkung des Baus der Autobahn A44 gesetzt und dies dem Wahlvolk bzw. der Bevölkerung auch so kundgetan. Dass dabei als Ergebnis jetzt die wahrscheinlich (je Streckenkilometer) teuerste Autobahn Europas gebaut wird, ein einzigartiges Landschaftsbild zerstört und am Ende Arbeitsplätze allenfalls in der Logistikbranche generiert werden - geschenkt. Und dort, wo die Autobahn nicht die Erlösung von Lärm und Abgasen der an den Bundestraßen B7/B27/B249 oder B400 bringen wird, werden Umgehungsstraßen bevorzugt auf den Trassen alter Bahnstrecken errichtet, siehe in den Gemeinden Meinhard oder Wanfried.
Das ist halt der Unterschied in Deutschland. Während für die Straße ordentlich geklotzt wird ist man bei der Schiene ja schon froh, wenn man über die kurvenreiche Streckenführung mit niedriger Vmax. mal ein Fahrdraht drüber gespannt bekommt.

Würde man diese Summen welche in die Straße fließen in die Bahn investieren könnte man auch bestehende Regionalstrecken so neu trassieren, dass die Fahrzeiten halbwegs attraktiv sind.

Auch sensible Landschaftsbereiche mit neuen Straßen zu durchschneiden scheint kein Problem zu sein, während das bei der Schiene unmöglich ist.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: lll

Datum: 20.05.20 11:53

Schade, das auf der Oberwaldbahn ein Radweg errichtet wurde. Von der Streckenlänge sonst eine interessante Stecke für eine Reaktivierung. So eine lange Strecke mit einem Bus fahren zu müssen, ist oft genug alles andere als angenehm. Eine Reaktivierung würde einiges kosten, da keine höhengleichen Bahnübergänge mehr errichtet werden dürften.

Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: meister-röhrich

Datum: 20.05.20 12:50

Hallo P.A.D,

wenn einmal eine Strecke abgebaut (und der obligatorische Radweg darauf ist) wird das sehr schwer in einer ländlichen Gegend!

Die Wiederaufbaukosten sind wohl zwei- bis dreimal so hoch als ein Austausch eines alten Gleises gegen ein neues Gleis dank Gleisumbauzug. Daher halte ich es für ausgeschlossen, dass bereits abgebaute Strecken wieder kommen.

In den 90er-Jahren haben wir (Fahrgastverband) in Mittelhessen heftig um die Strecken dort gekämpft und auch Politiker davon überzeugt, dass die Bahnen dort wichtig sind. Diese Meinung ist dort etabliert und die Strecken wohl nicht mehr in Gefahr. In anderen Regionen waren die Nahverkehrsförderer weniger aktiv, sind nicht den damals amtierenden Politikern "auf die Pelle gerückt" und daher konnte meist die Deutsche Bundesbahn ohne nennenswerten Widerstand die Strecken einstellen.

Ein Problem gibt es bei uns in Hessen schon, dass jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt selbst entscheidet, ob bei Ihnen SPNV stattfindet oder nicht. In Rheinland-Pfalz und in vielen weiteren Bundesländern entscheidet das Land und diese Basis ist weitaus besser geeignet die Belange einer regionalen Bahnverbindung zu werten und zu würdigen. Die letzten dreißig Jahre haben dies eindrucksvoll bewiesen!

Freundliche Grüße
Klaus Röhrich

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Martin Sch.

Datum: 20.05.20 13:20

Siggis Malz schrieb:
Befuerworter schrieb:
Im ICE-Treff war heute eine DB-Präsentation verlinkt, in der die Reaktivierung der Horlofftalbahn bis 2025 angekündigt wird: UAG-Etappierung Deutschlandtakt. Das lässt keine Zweifel daran, dass diese Reaktivierung bereits beschlossene Sache ist.
Genauso wie Lollar - Londorf übrigens ^^
War diese Reaktivierung nicht schon 1993 nahezu beschlossen? Das war noch zu Lebzeiten der Aar-Salzböde-Bahn. Auch wenn ich die konkreten Verzögerungsgründe nicht kenne, weiß ich deshalb nicht, ob ich eine der hessischen Reaktivierungen noch erleben werde.

M.

Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 20.05.20 13:28

meister-röhrich schrieb:
Zitat:
Hallo P.A.D,

wenn einmal eine Strecke abgebaut (und der obligatorische Radweg darauf ist) wird das sehr schwer in einer ländlichen Gegend!
Japp. Aber die Endwidmung ist das größte Problem, denn dann handelt es sich nicht um eine Reaktivierung sondern um einen Neubau und damit gelten die neuen Gesetzanforderungen an Lärmschutz, an Ausschluss von Bahnübergängen usw.

Leider gibt es keine gesetzliche Handhabe, die auch in solchen Fällen auf die ehemalige Genehmigung als Bahnanlage verweist und dadurch Anforderungen und damit insbesondere Kosten minimiert. Bei der ehemaligen Aar-Salzböde-Bahn führt dies ja auch dazu, dass ein Betrieb nach BoStrab Vorteile hat, so dass man überlegt, dieses konkret zu prüfen.

Bei der Aartalbahn hingegen führt wohl die Umkonzessionierung von EBO auf BoStrab zu einem vergleichbaren Aufwand, zumal hier sofort schwierige naturschutz- und weltrechtlichte Probleme auftauchen, da die Straßenbahn durch den dichteren Takt auch eine abweichende Infrastruktur benötigt. Insofern muss die Citybahn wohl abschnittsweise nach ESBO verkehren, sollte das Wiesbadener Stimmvieh sich nicht den Wutbürgern anschließen.

meister-röhrich schrieb:
Zitat:
In den 90er-Jahren haben wir (Fahrgastverband) in Mittelhessen heftig um die Strecken dort gekämpft und auch Politiker davon überzeugt, dass die Bahnen dort wichtig sind. Diese Meinung ist dort etabliert und die Strecken wohl nicht mehr in Gefahr. In anderen Regionen waren die Nahverkehrsförderer weniger aktiv, sind nicht den damals amtierenden Politikern "auf die Pelle gerückt" und daher konnte meist die Deutsche Bundesbahn ohne nennenswerten Widerstand die Strecken einstellen.
Es gilt eben: Abbestellen und stilllegen ist noch verkraftbar - endwidmen nicht. Der Oberbau muss im Regelfall eh erneuert werden.


meister-röhrich schrieb:
Ein Problem gibt es bei uns in Hessen schon, dass jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt selbst entscheidet, ob bei Ihnen SPNV stattfindet oder nicht. In Rheinland-Pfalz und in vielen weiteren Bundesländern entscheidet das Land und diese Basis ist weitaus besser geeignet die Belange einer regionalen Bahnverbindung zu werten und zu würdigen. Die letzten dreißig Jahre haben dies eindrucksvoll bewiesen!
Das Land hat eine wohlwollende Position zur Reaktivierung inne. Der Widerstand kommt vom Aufgabenträger und fallweise von den dortigen Landkreisen und kreisfreien Städten. Die Aar-Salzböde-Bahn ist so ein Beispiel: Dort kam es mit einem Landratswechsel zum Umschwung von einer SPNV-ablehnenden in eine SPNV-wohlwollendere Position. Genau deswegen prüft man nun kreativ, wie man mit der Situation dort umgehen kann.

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Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 20.05.20 13:35

Martin Sch. schrieb:Zitat:
War diese Reaktivierung nicht schon 1993 nahezu beschlossen? Das war noch zu Lebzeiten der Aar-Salzböde-Bahn. Auch wenn ich die konkreten Verzögerungsgründe nicht kenne, weiß ich deshalb nicht, ob ich eine der hessischen Reaktivierungen noch erleben werde.
Lumdatal und Horlofftal haben gutes Potential - immerhin sind die in der Verkehrsausschreibung bereits genannt. Aber als fest beschlossen sehe ich sie (noch) nicht... Es gibt mindestens im Lumbadtal noch das Theman NKU-Untersuchung (nach Modifikation) und es gibt noch die Fragestellung nach zukünftigen EIU, wobei hier die HLB Basis bereits ihre Bereitschaft geäußert hat, dies zu übernehmen. Von DB Netz hörte man eher negativere Meinungen.

Bei der RTW (mit Neu-Isenburg Bahnhof - Neu-Isenburg Stadt und Verlängerung zum Gewerbegebiet Ost) bin ich noch skeptisch, wenn ich mir die ganzen Planungsstände und Querelen anschaue. Ich sehe da gutes Potential für ein Corona-Opfer.

Man sollte aber auch nicht verhehlen, dass es bereits ein paar Reaktivierungen in Hessen gab, wenn auch wenige und die meisten sind auch schon deutlich länger wieder im Betrieb.

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Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: Henra

Datum: 20.05.20 14:16

meister-röhrich schrieb:
Die Wiederaufbaukosten sind wohl zwei- bis dreimal so hoch als ein Austausch eines alten Gleises gegen ein neues Gleis dank Gleisumbauzug. Daher halte ich es für ausgeschlossen, dass bereits abgebaute Strecken wieder kommen.
Ich denke, das hängt ganz wesentlich vom Zustand ab. Wenn der Unterbau komplett vermodert ist und neu muss, wird es keinen großen Unterschied geben. Wenn nur die Gleisjoche getauscht werden müssen, dürfte da in der Tat ein Faktor dazwischen liegen. Wenn da länger als 10 Jahre nix gefahren ist und davor auch schon auf Verschleiß gefahren wurde, muss meist aber auch der Unterbau (Schotterbett, Entwässerungseinrichtungen, ggf. gar Planumschutzschicht) neu. Dann wird es eh teuer.

Richtig teuer und juristisch/planerisch mühsam wird es aber erst, wenn die Strecke entwidmet ist. Dann schwinden die Chancen wirklich arg.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.05.20 14:17.

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: Henra

Datum: 20.05.20 14:28

Black Eyed schrieb:
Das Land hat durchaus den Willen zur Reaktivierung, die Bürger aber eben nicht.
Das ist echt bitter. Bleibt die Frage, warum die Bürger dieses Bundeslandes rückwärtsgewandter als in vielen anderen Bundesländern sind?!
Wobei ich die Einschätzung ein Stück weit teile. Warum auch immer das so ist.

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 20.05.20 14:44

Henra schrieb:Zitat:
Bleibt die Frage, warum die Bürger dieses Bundeslandes rückwärtsgewandter als in vielen anderen Bundesländern sind?!
Wobei ich die Einschätzung ein Stück weit teile. Warum auch immer das so ist.
Ich würde nicht zwingend sagen, dass es andernorts besser ist. Ich erinnere mal an die Abstimmung zur Straßenbahn in Aachen oder zum Neubau in Oberhausen - beide gingen verloren.

In Bad Homburg musste man kämpfen und schaffte es doch noch die U2-Verlängerung durchzusetzen.

Woran es liegt? Angst Vor Wertverlust, NIMBY-tum (die gibt's übrigens auch im Lumbdatal, wo es eine breite politische Zustimmung zur Reaktivierung gibt), ideologischer Blick aus der Autoperspektive, politische Aufstachelung durch AfD und FDP auch zur eigenen parteipolitischen Profilierung, Misstrauen in Verkehrsplanung nach Stuttgart 21 (auch wenn nicht DB plant), usw...

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Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: Patrick Rehn

Datum: 20.05.20 15:39

Hallo zusammen.

Black Eyed schrieb:
In Bad Homburg musste man kämpfen und schaffte es doch noch die U2-Verlängerung durchzusetzen.

Woran es liegt? Angst Vor Wertverlust, NIMBY-tum (die gibt's übrigens auch im Lumbdatal, wo es eine breite politische Zustimmung zur Reaktivierung gibt), ideologischer Blick aus der Autoperspektive, politische Aufstachelung durch AfD und FDP auch zur eigenen parteipolitischen Profilierung, Misstrauen in Verkehrsplanung nach Stuttgart 21 (auch wenn nicht DB plant), usw...

Das stimmt, lässt sich allerdings auch auf nahezu alle anderen Bundesländer übertragen. Denn jedes Infrastrukturprojekt findet irgendwo Gegner - und seien es noch so wenige. Auch und besonders die muss man allerdings ernst nehmen und versuchen in den Dialog mit einzubinden und sich erkundigen, was sie wollen. Ein Projekt zu verhindern nur weil man es als Anwohner nicht will fruchtet allerdings im seltensten Fall, dass kann im dümmsten Fall bis zur Enteignung ohne irgendwelchen finanziellen Ausgleich führen - alles schon erlebt/mitverfolgt.

Die Frage ist immer, wie man sich vorab positioniert. Was ich leider immer wieder erlebe ist, dass die Argumentation "Pro Schiene/Reaktivierung" nicht so aufgebaut ist, dass für nahezu alle ein nachhaltiger Nutzen entsteht. Bestes Beispiel sind für mich diesbezüglich die S-Bahnlinien 1 und 2 von Frankfurt über Offenbach nach Rödermark-Ober Roden und Dietzenbach, wo es damals wohl mittlere bis hohe zweiprozentige Wert-Steigerungen von Grundstücken und Häusern gab - eben weil das Angebot sich um ein Vielfaches verbesserte.

Gute und schnelle Verkehrsanbindungen tragen auch dazu bei, dass das Leben etwas weiter weg vom Arbeitsplatz trotzdem erträglich und preiswert bleibt. Dort wo Menschen wohnen siedeln sich zumeist auch entsprechende Strukturen der Versorgung (Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Kindergärten, Schulen, ...) an oder sind schon vorhanden. Zudem bleibt der jeweilige Ort auch als Wohnort attraktiv, was zu einer gewissen Nachfrage nach Immobilien führt. Im besten Fall siedeln sich sogar Industriebetriebe an, eben weil man abseits des Ballungsraums trotzdem Mitarbeiter finden und gewinnen kann.

Perspektivisch führt dies also auch dazu, dass diejenigen, welche sich möglicherweise gegen ein Projekt stellen am Ende des Tages noch lokale Einkaufsmöglichkeiten haben und einen Arzt in Reichweite finden (besonders im Alter ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor für eine Gemeinde) und dafür nicht erst 15 oder 20 Kilometer mit dem Auto irgendwohin fahren müssen. Auch wenn das eigene Haus irgendwann nicht mehr genutzt werden kann, weil einer der beiden Partner verstirbt oder es von der eigenen Gesundheit her nicht mehr funktioniert und umgezogen werden muss lässt sich unter Umständen ein anderer Preis realisieren, als wenn ich irgendwo wohne wo "der Hund verfroren" ist.

Verkehr bringt immer Lärm mit sich, die Frage ist eben wie "dauernd" der ist: Wenn beispielsweise ein unbeschrankter Fußgänger-Überweg durch eine mit Schrankenanlagen gesicherte Variante ersetzt wird bedingt dies in den meisten Fällen auch einen akustischen Signalgeber, der dann teilweise recht oft und lange dieses nervtötende Warngeräusch von sich gibt. Da kann man vermutlich noch so sehr Schienenfreund sein, als Anwohner würde mir das auch "auf die Ketten" gehen wenn morgens um 4 Uhr und nachts um 1 Uhr minutenlang das Geräusch zu hören ist. Für die unmittelbaren Anwohner ist das nämlich Mist, dafür freuen sich diejenigen, die auf Höhe der bisherigen Pfeiftafeln wohnen das der Zug hinter ihrer Hecke eben keinen Krach mehr macht. Deswegen muss man mit den Leuten, die vom Lärm betroffen sind im Dialog bleiben und versuchen Kompromisse zu erreichen. Im besten Fall ist dies dann statt einem niveaugleichen Überweg eine Fußgängerunter- oder überführung, so dass außer den Bauarbeiten beim Bau und den später durchfahrenden Zügen überhaupt kein Krach mehr zu hören ist. Auch hier kommt es wieder auf die Argumentation an... Eine Bitte in diesem Zusammenhang: Argumentiert jetzt bitte nicht mit den Personen, welche illegal die Gleise überqueren. ;-)

MfG

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Re: Aartal - EBO - BoStrab

geschrieben von: Zp9b an Gleis 9 3/4

Datum: 20.05.20 21:57

Black Eyed schrieb:
Bei der Aartalbahn hingegen führt wohl die Umkonzessionierung von EBO auf BoStrab zu einem vergleichbaren Aufwand, zumal hier sofort schwierige naturschutz- und weltrechtlichte Probleme auftauchen, da die Straßenbahn durch den dichteren Takt auch eine abweichende Infrastruktur benötigt. Insofern muss die Citybahn wohl abschnittsweise nach ESBO verkehren, sollte das Wiesbadener Stimmvieh sich nicht den Wutbürgern anschließen.
Daher ist vorgesehen, die (schmalspurige) City-Bahn ab Stadtgrenze Wiesbaden nach EBO zu betreiben, da die Trasse der Aartalbahn Wasserschutzgebiete durchquert, die Trasse aber noch als Eisenbahnstrecke gewidmet ist und man somit den Bestandsschutz halten möchte.

Aartal B&uuml; bei Hettenhain.jpg
Bahnübergang vor Bad Schwalbach

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: Zp9b an Gleis 9 3/4

Datum: 20.05.20 22:05

Patrick Rehn schrieb:
Wenn beispielsweise ein unbeschrankter Fußgänger-Überweg durch eine mit Schrankenanlagen gesicherte Variante ersetzt wird bedingt dies in den meisten Fällen auch einen akustischen Signalgeber, der dann teilweise recht oft und lange dieses nervtötende Warngeräusch von sich gibt. Da kann man vermutlich noch so sehr Schienenfreund sein, als Anwohner würde mir das auch "auf die Ketten" gehen wenn morgens um 4 Uhr und nachts um 1 Uhr minutenlang das Geräusch zu hören ist.
Dreimal 'bing, bing' bevor sich die Schrankenbäume senken, würde ja ausreichen! Welcher Mehrwert durch das permanente 'bong, bong' während die Schranken geschlossen sind entstehen soll, vermag sich mir nicht zu erschließen.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Befuerworter

Datum: 21.05.20 09:20

Da habe ich doch tatsächlich noch eine Verbindung nach Bayern übersehen (auch im Eröffnungsbeitrag nachgetragen). Das wäre aber wohl nicht so schlimm gewesen, weil diese Strecke sicherlich ein extrem unwahrscheinlicher Kandidat ist:

- Strecke 5211, Jossa - Wildflecken (Sinntalbahn), mit 30,7 km Länge: Die Rhön-Strecke zwischen Hessen und Bayern ist entwidmet und teilweise durch einen Radweg überbaut.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: PotsdamerEiche

Datum: 21.05.20 09:36

Ich frag mich wirklich nochmals warum diese Arbeitsgruppe solche Strecken in die Liste nimmt?

Entwidmet, abgebaut, überbaut!

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Henra

Datum: 21.05.20 10:04

PotsdamerEiche schrieb:
Ich frag mich wirklich nochmals warum diese Arbeitsgruppe solche Strecken in die Liste nimmt?

Entwidmet, abgebaut, überbaut!
Naja, das verkehrliche Potenzial zu betrachten ist erst mal sinnvoll. Das kann theoretisch auch bei einer abgebauten Strecke hoch sein. Natürlich sind die Hürden in so einem Fall deutlich höher, vor allem, wenn sie entwidmet ist. Wenn ein hoher verkehrlicher Nutzen da ist, kann das aber trotzdem sinnvoll sein. Kostet dann halt mehr und dauert länger.
Dafür gibt es dann ja die NKU.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: kariadsko

Datum: 21.05.20 14:53

Henra schrieb:
PotsdamerEiche schrieb:
Ich frag mich wirklich nochmals warum diese Arbeitsgruppe solche Strecken in die Liste nimmt?

Entwidmet, abgebaut, überbaut!
Naja, das verkehrliche Potenzial zu betrachten ist erst mal sinnvoll. Das kann theoretisch auch bei einer abgebauten Strecke hoch sein. Natürlich sind die Hürden in so einem Fall deutlich höher, vor allem, wenn sie entwidmet ist. Wenn ein hoher verkehrlicher Nutzen da ist, kann das aber trotzdem sinnvoll sein. Kostet dann halt mehr und dauert länger.
Dafür gibt es dann ja die NKU.
Richtig - aber wo ist dann noch der Unterschied zu einem kompletten Neubau an Stellen, wo nie eine Bahn lag?

Dann sollte man auch solche Strecken untersuchen. Wabern - Homberg wurde hier ja schon genannt und sieht mir durchaus lohnend aus; in Nordhessen fiele mir beispielsweise auch noch Hofgeismar - Bad Karlshafen mit Anschluss an die Sollingbahn ein, was der Region im Wesertal um Höxter eine schöne Verbindung nach Kassel servieren würde. Oder scheitert das schon daran, dass dann sowohl Niedersachsen als auch Nordrhein-Westfalen mitspielen sollten?

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 21.05.20 17:48

Beispielsweise darin, dass die Trasse in weiten Teilen erhalten sein kann, man also den Trassenfindungsprozess reduzieren kann.

Ähnliches gilt übrigens auch für die politisch gerade diskutierten Reaktivierungsmöglichkeit der Aar-Salzböde-Bahn und der Steigerwaldbahn.

Bei der Sinntalbahn sehe ich den Zug eher abgefahren. Sie war ja auch noch im Papier, bevor die Überbauung mit einem Radweg erfolgte und noch vorm Verkauf der Gleisanlagen...

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Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Ruhrthaler

Datum: 21.05.20 18:46

Tach zusammen,

Hofgeismar - Bad Karlshafen wäre in der Tat eine interessante Verbindung, liegt m.E. auch komplett in Hessen, aber sinnvoll nur durch Verlängerung der Regiotram. Da hat der Bund vermutlich keine Aktien im Spiel, es müsste sich ein regionales Infrastrukturunternehmen finden und die Strecke neu errichten.

Ganz grundsätzlich: Reaktivierungen machen nur dort Sinn, wo der politische Wille vor Ort gegeben ist, alles andere ist vertane Mühe, leider.

LG Ruhrthaler

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 22.05.20 17:16

Ruhrthaler schrieb:Zitat:
Ganz grundsätzlich: Reaktivierungen machen nur dort Sinn, wo der politische Wille vor Ort gegeben ist, alles andere ist vertane Mühe, leider.
Finde ich so nicht. Überzeugungsarbeit hat schon mancherorts zum politischen Willen geführt. Insofern muss man für die richtigen Argumente kämpfen.

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Re: Klar, jede Menge Lkw.

geschrieben von: Torsten87

Datum: 22.05.20 18:10

ßänkjuhforträvvelingwißdeutschebahn schrieb:
Zitat:
Nun ist Kassel Oberzentrum in Nordhessen und Eschwege Kreisstadt und Mittelzentrum für den Werra-Meißner-Kreis. Die Entfernung zwischen diesen beiden Zentren beträgt gut 50 km.
Frage: Wie groß sind die Verkehrsströme zwischen diesen beiden Städten? Oder anders gefragt: Gibt es kein Verkehrsbedürfnis, das den Betrieb einer direkten Bahnverbindung rechtfertigt?
Natürlich gibt es das. Das gab es bereits Anfang der 90er Jahre. Schon vor der Wende waren die Bundesstraßen 7 und 27 mit Lkw aus Ost und West völlig überfüllt. Aber wir sind hier in Hessen, und zwar in dem Teil Hessens, wo seit Kriegsende die SPD sagt, was gebaut wird und was weg kann. Das bedeutet: Jeder muss schnell mit dem Auto überall hinfahren können. Also keine Schienenverbindungen wiederherstellen, auch nicht dort, wo Täler wie das Lossetal im Lkw-Verkehr ersticken, sondern lieber neue Autobahnen und vierspurige Bundesstraßen bauen. "Haben wir hier schon immer so gemacht."

Hessen ist nicht zufällig das einzige Bundesland, abgesehen von dem unbedeutenden Schleswig-Holstein, das nach 1989 nur die eine Verbindung mit dem geringstmöglichen Investitionsaufwand über Eichenberg - Arenshausen wiederhergestellt hat.
Wenn du mal nicht nur mit Polemik giften, sondern was sinnvolles beitragen würdest, könntest du wissen, dass Hessen einige sehr erfolgreiche Reaktivierungen aufweist. Und dass Eichenberg-Arenshausen Teil des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit war und das Land Hessen da wohl kaum mitentschieden hat, sondern das eine alleinige Entscheidung des Bunds war.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Torsten87

Datum: 22.05.20 18:29

Befuerworter schrieb:
- Strecke 3901, Kassel - Waldkappel (Waldkappeler Bahn), Abschnitt Kassel-Wilhelmshöhe – Kaufungen Papierfabrik mit 16 km Länge: Derzeit im Güterverkehr und teilweise mit Straßenbahnen befahren. Vielleicht geht es da vorrangig um die Verbindung zum Fernbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, die Strecke würde aber auch die Messe Kassel (falls dort eine Haltestelle geplant würde), einige Wohngebiete und das Auestadion erschließen.
Mir ist es völlig unverständlich, wie man diese Strecke zwischen dem nordhessischen Oberzentrum und einer Kreisstadt mit 20k Einwohnern überhaupt stilllegen und 35 Jahre lang nicht reaktivieren konnte und stattdessen dem Autobahnbau geopfert hat. Gerade unter den heutigen Voraussetzungen (RegioTram, Reaktivierung der Strecke zum Eschweger Stadtbahnhof) könnte man da eine attraktive stündliche Verbindung etablieren. Zumindest die Reaktivierung bis Kaufungen oder Hessisch-Lichtenaus ist aber noch im Rennen und würde auch Sinn machen.

Zitat
- Strecke 9390, Kassel-Wilhelmshöhe - Naumburg, Abschnitt Baunatal – Schauenburg-Elgershausen mit 3,4 km Länge (keine Angabe in Quelldokument): Es geht wohl vorrangig um eine Verlängerung der Straßenbahn, eine kostengünstigere Verbindung mit Dieseltriebzügen ist aber auch noch im Rennen.
Verlängerung der Straßenbahn nach Elgershausen würde wenig Sinn machen, eine Reaktivierung des Zugverkehrs Kassel-Baunatal auf der direkten Trasse über Nordshausen hingegen schon. Das würde die Anbindung der 33k-Einwohner-Stadt Baunatal an den ICE-Bahnhof Wilhelmshöhe wesentlich verbessern. Problem könnte nur die dichte Belegung mit den VW-Güterzügen sein. M.E. sollte in dem Zuge der Güterverkehr zu VW dann auf andere Weise erfolgen, das hätte für die Anwohner im Süden Kassels auch deutlich weniger Lärm und Verkehrschaos durch lange Schließzeiten an den Bahnübergängen Heinrich-Schütz-Allee und Korbacher Straße zur Folge.

Zitat
- Strecke ohne Nummer, (Kassel-)Druseltal-Herkules, Abschnitt Druseltal - Herkules mit 3,5 km Länge: Straßenbahnverlängerung zum Weltkulturerbe "Herkulesstatue", ausschließlich touristische Nutzung.
Ist schon sehr ironisch, das Vorhaben als Reaktivierung zu bezeichnen - mit der alten Herkulesbahn hätte diese Neubaustrecke nur wenig gemein, aber ja, grundsätzlich sehr sinnvolles Vorhaben, um das Druseltal vom Autoverkehr zu entlasten und die oft chaotische Parkplatz-Situation am Herkules zu entspannen.

Was mich wundert, ist, dass es im Raum Nordhessen nicht noch einen weiteren naheliegenden Reaktivierungs-Kandidaten gibt: Die Söhrebahn nach Lohfelden. Die Trasse ist zumindest in Kassel und Ochshausen noch weitgehend erhalten, da sie seit der Stilllegung für eine eventuelle Straßenbahn-Trasse freigehalten wird, die bislang aber nicht realisiert wurde. Eine Regiotram bis Ochshausen oder Vollmarshausen würde .E. Sinn machen und wäre ohne zu großen Aufwand machbar.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 22.05.20 19:51

Torsten87 schrieb:
Zitat:
Mir ist es völlig unverständlich, wie man diese Strecke zwischen dem nordhessischen Oberzentrum und einer Kreisstadt mit 20k Einwohnern überhaupt stilllegen und 35 Jahre lang nicht reaktivieren konnte und stattdessen dem Autobahnbau geopfert hat. Gerade unter den heutigen Voraussetzungen (RegioTram, Reaktivierung der Strecke zum Eschweger Stadtbahnhof) könnte man da eine attraktive stündliche Verbindung etablieren. Zumindest die Reaktivierung bis Kaufungen oder Hessisch-Lichtenaus ist aber noch im Rennen und würde auch Sinn machen.
Interessant dass du die (verkehrs)politischen Änderungen in Deutschland überhaupt nicht mitbekommen hast...
Zum Zeitpunkt der Entscheidung für Eschwege Stadt war der Autobahnbau schon längst im Gange.

Torsten87 schrieb:
Zitat:
Verlängerung der Straßenbahn nach Elgershausen würde wenig Sinn machen, eine Reaktivierung des Zugverkehrs Kassel-Baunatal auf der direkten Trasse über Nordshausen hingegen schon. Das würde die Anbindung der 33k-Einwohner-Stadt Baunatal an den ICE-Bahnhof Wilhelmshöhe wesentlich verbessern. Problem könnte nur die dichte Belegung mit den VW-Güterzügen sein.
Nein, das Problem ist die Einfädelung in den Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, da man hier viel befahrene Gleise kreuzen bzw. (über-/unter-)queren müsste.

Torsten87 schrieb:
Zitat:
Ist schon sehr ironisch, das Vorhaben als Reaktivierung zu bezeichnen - mit der alten Herkulesbahn hätte diese Neubaustrecke nur wenig gemein, aber ja, grundsätzlich sehr sinnvolles Vorhaben, um das Druseltal vom Autoverkehr zu entlasten und die oft chaotische Parkplatz-Situation am Herkules zu entspannen.
Hier gibt es ein enormes politisches Interesse an einer Wiederherstellung der Anbindung zum Herkules. Sowohl in der Stadt als auch durch das Land und natürlich durch Fahrgastverbände. Deswegen steht es drin. Zudem ist es kein völliger Neubau sondern eine abschnittsweise Reaktivierung - ähnlich der Aartalbah, die ja eine neue Innenstadtanbindung in Wiesbaden und Bad Schwalbach bekommen soll.


Torsten87 schrieb:
Was mich wundert, ist, dass es im Raum Nordhessen nicht noch einen weiteren naheliegenden Reaktivierungs-Kandidaten gibt: Die Söhrebahn nach Lohfelden. Die Trasse ist zumindest in Kassel und Ochshausen noch weitgehend erhalten, da sie seit der Stilllegung für eine eventuelle Straßenbahn-Trasse freigehalten wird, die bislang aber nicht realisiert wurde. Eine Regiotram bis Ochshausen oder Vollmarshausen würde .E. Sinn machen und wäre ohne zu großen Aufwand machbar.
Wurde mehrfach politisch von Lohfelden verhindert. Insofern ist das Interesse außerhalb des NVV und der Stadt Kassel nicht vorhanden... Es sollte tatsächlich eine RegioTram werden, aber nun hat man die Endstationen Holländische Straße und Auestadion.

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Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Ruhrthaler

Datum: 22.05.20 20:21

Hallo Black eyed,

Da stimme ich dir gerne zu, was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass eine schematische Betrachtung am grünen (grauen?) Tisch selten etwas bewirkt, der Druck und die Leidenschaft muss von unten (sprich von vor Ort) kommen, siehe Wiehltalbahn, Steigerwaldbahn o.ä., dann haben auch totgesagte Strecken eine Chance. Notwendig bleibt aber, dass die Strecke ein reales Verkehrsbedürfnis abdeckt, im Idealfall sowohl im PV als auch im GV. Regionale Infrastrukturbetreiber sind da meist viel näher an den Kunden (Gewerbebetriebe) als die DB-Netz AG, diese sind aber nicht überall mehr vorhanden.

LG Ruhrthaler

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Torsten87

Datum: 23.05.20 12:45

kariadsko schrieb:
Henra schrieb:
PotsdamerEiche schrieb:
Ich frag mich wirklich nochmals warum diese Arbeitsgruppe solche Strecken in die Liste nimmt?

Entwidmet, abgebaut, überbaut!
Naja, das verkehrliche Potenzial zu betrachten ist erst mal sinnvoll. Das kann theoretisch auch bei einer abgebauten Strecke hoch sein. Natürlich sind die Hürden in so einem Fall deutlich höher, vor allem, wenn sie entwidmet ist. Wenn ein hoher verkehrlicher Nutzen da ist, kann das aber trotzdem sinnvoll sein. Kostet dann halt mehr und dauert länger.
Dafür gibt es dann ja die NKU.
Richtig - aber wo ist dann noch der Unterschied zu einem kompletten Neubau an Stellen, wo nie eine Bahn lag?

Dann sollte man auch solche Strecken untersuchen. Wabern - Homberg wurde hier ja schon genannt und sieht mir durchaus lohnend aus; in Nordhessen fiele mir beispielsweise auch noch Hofgeismar - Bad Karlshafen mit Anschluss an die Sollingbahn ein, was der Region im Wesertal um Höxter eine schöne Verbindung nach Kassel servieren würde. Oder scheitert das schon daran, dass dann sowohl Niedersachsen als auch Nordrhein-Westfalen mitspielen sollten?
Eine Strecke Hümme- Bad Karlshafen gab es ja vor langer Zeit schon mal (nur leider nicht mit Anschluss an die Sollingbahn), und die Trasse ist noch weitgehend unverbaut als Radweg erhalten. Das wäre m.E. schon auch ein lohnenswerter Reaktivierungs-Kandidat, aber wohl leider äußerst unwahrscheinlich. Wenn man in dem Zusammenhang noch die Strecke Holzminden-Wehrden reaktivieren würde, hätte men in der Tat eine schöne Verbindung Kassel-Holzminden-Kreiensen, zudem könnte die Strecke sogar als Umleitung und Entlastung für die Nord-Süd- und Main-Weser-Bahn dienen.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Torsten87

Datum: 23.05.20 12:48

Ruhrthaler schrieb:
Tach zusammen,

Hofgeismar - Bad Karlshafen wäre in der Tat eine interessante Verbindung, liegt m.E. auch komplett in Hessen, aber sinnvoll nur durch Verlängerung der Regiotram. Da hat der Bund vermutlich keine Aktien im Spiel, es müsste sich ein regionales Infrastrukturunternehmen finden und die Strecke neu errichten.

Ganz grundsätzlich: Reaktivierungen machen nur dort Sinn, wo der politische Wille vor Ort gegeben ist, alles andere ist vertane Mühe, leider.

LG Ruhrthaler
Ja, Bad Karlshafen ist der nördlichste Zipfel Hessens. Und eine neue Trasse wäre nicht nötig, die alte Carlsbahn-Trasse Hümme-Karlshafen ist noch weitgehend unverbaut vorhanden. Schwierig würde nur die Situation in Karlshafen werden, denn der alte Bahnhof Bad Karlshafen l.U. ist mit einem Schulgelände überhaut, und ein Lückenschluss zur Sollingbahn würde schwierig werden.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: meister-röhrich

Datum: 26.05.20 13:31

Hallo,

ich ziehe als Resümee dieses Beitrags für mich die Erkenntnis, dass es viele Strecken in Hessen gibt, deren Reaktivierung im Sinne der Bürger wäre und leider nur sehr wenig davon umgesetzt wird. Wie ich schon nannte ist die Verteilung der Entscheidung auf die kreisfreien Städte und Landkreise in meinen Augen das Grundproblem. In vielen anderen Bundesländern auch mit weniger Geld in der Landeskasse wird deutlich bessere Verkehrspolitik gemacht als in Hessen.

Ob irgendwann mal eine Besserung eintritt, daran habe ich meine Zweifel!

Wieviele Strecken oder ehemalige Strecken jetzt untersucht werden ist eigentlich unerheblich. Alleine wirkliche Bemühungen zur Reaktivierung bringen etwas. Abgebaute und teilweise überbaute Trassen sind das traurige Ergebnis hier in Hessen und leider nicht nur hier.
Darum sollte um jede noch existierende Strecke (mit Widmung) gerungen werden, damit diese in bessere Zeiten gerettet werden kann!

Euch allen wünsche ich viel Gesundheit!

Freundliche Grüße
Klaus Röhrich

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: bauigel

Datum: 27.05.20 14:52

Zp9b an Gleis 9 3/4 schrieb:
Welcher Mehrwert durch das permanente 'bong, bong' während die Schranken geschlossen sind entstehen soll, vermag sich mir nicht zu erschließen.

Das ist dazu, dass diejenigen, die Schranken und Rotlicht nicht sehen, nicht in die Schranke krachen... ;-)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.05.20 14:52.

Re: Realismus hinsichtlich Reaktivierungen

geschrieben von: Patrick Rehn

Datum: 27.05.20 16:12

Hallo zusammen.

bauigel schrieb:
Zp9b an Gleis 9 3/4 schrieb:
Welcher Mehrwert durch das permanente 'bong, bong' während die Schranken geschlossen sind entstehen soll, vermag sich mir nicht zu erschließen.

Das ist dazu, dass diejenigen, die Schranken und Rotlicht nicht sehen, nicht in die Schranke krachen... ;-)
Das muss man gar nicht ironisch sehen, sondern mit einem ernsten Hintergrund und zugleich einem sehr deutlichen Signal: Nämlich an jene, welche nicht vollkommen gesund und ihrer fünf Sinne mächtig sind.

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit sah man geistig oder körperlich Behinderte seltener als dies heute der Fall ist. Um diesen Menschen, egal welcher Art ihre Einschränkung auch sein mag, trotzdem ein halbwegs normales und eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen ist es notwendig Vorkehrungen oder wo nötig Änderungen an Verkehrsmitteln, deren baulichen Anlagen sowie bei Sanitärbereichen und Geschäften in den Städten und Gemeinden umzusetzen oder zumindest langfristig vorzusehen. Andernfalls verkommt die gern und oft strapazierte Formel der offenen Gesellschaft zur Farce, wenn es noch nicht mal möglich ist einem sehbehinderten Fahrgast oder Fußgänger den gefahrlosen Weg über eine Straße oder einen Bahnübergang zu ermöglichen.

Viele "Annehmlichkeiten" nehmen gesunde Menschen übrigens dankend und ohne große Wertschätzung im Gegenzug gerne an, obwohl sie gar nicht die "Zielgruppe" sind bzw es für sie gedacht war (Rampen oder Fahrstühle statt Treppen, ebenerdige Einstiege, großzügige Einstiegsbereiche, große rollstuhltaugliche WC-Kabinen, ...).

Gleichwohl muss ich allerdings einschränken, dass man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten darf indem man die Anwohner eines Bahnübergangs ganzjährig mit der akustischen Untermalung der geschlossenen Schranken beglückt. Wünschenswert wären auch hier technische Lösung, die entsprechend reagieren wenn sich jemand mit einer Beeinträchtigung einem potentiellen Gefahrpunkt nähert. Etwas Ähnliches gibt es meines Wissens nach bereits als App für sich nährende Straßenbahnen. Warum sollte das umgekehrt nicht ebenfalls funktionieren? 😉

Mfg

Einen Teil meiner Fotos rund um Eisenbahn & Co findet man
HIER

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Patrick Rehn

Datum: 27.05.20 16:20

Hallo zusammen.

meister-röhrich schrieb:
Hallo,

ich ziehe als Resümee dieses Beitrags für mich die Erkenntnis, dass es viele Strecken in Hessen gibt, deren Reaktivierung im Sinne der Bürger wäre und leider nur sehr wenig davon umgesetzt wird. Wie ich schon nannte ist die Verteilung der Entscheidung auf die kreisfreien Städte und Landkreise in meinen Augen das Grundproblem. In vielen anderen Bundesländern auch mit weniger Geld in der Landeskasse wird deutlich bessere Verkehrspolitik gemacht als in Hessen.

Ob irgendwann mal eine Besserung eintritt, daran habe ich meine Zweifel!

Wieviele Strecken oder ehemalige Strecken jetzt untersucht werden ist eigentlich unerheblich. Alleine wirkliche Bemühungen zur Reaktivierung bringen etwas. Abgebaute und teilweise überbaute Trassen sind das traurige Ergebnis hier in Hessen und leider nicht nur hier.
Darum sollte um jede noch existierende Strecke (mit Widmung) gerungen werden, damit diese in bessere Zeiten gerettet werden kann!

Euch allen wünsche ich viel Gesundheit!

Freundliche Grüße
Klaus Röhrich
Ich stimme zu, natürlich wären mehr Strecken immer besser. Doch dies wird, wie wir bereits ebenfalls im Beitragsbaum festgestellt haben, nur dort gelingen wo es - im besten Fall - ein breites Bündnis von Bürgern, Wirtschaft und Politik gibt. Selbst eine der drei Gruppen kann unter Umständen den Stein bzw Zug bereits ins Rollen bringen.

Wenn allerdings niemand da ist, der sich dafür einsetzt wird es schwierig - und öffentliche Gelder gehen eben in solche Projekte, für die entsprechend getrommelt wird. Egal ob von Politik, Unternehmen oder Bürgern...

Mfg

Einen Teil meiner Fotos rund um Eisenbahn & Co findet man
HIER

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: lll

Datum: 04.06.20 11:06

In weniger stark besiedelten Gebieten, müsste die NKU-rechnung und Bewertung anders gestaltet werden. Der Umweltfaktoe müsste ein särkeres Gwicht bekommen. man müsste mal Untersuchungen für manche Strecken machen, wie sich auch die Wirtschaft im Umfeld einer Strecke entwickelt, wenn man sie wieder reaktiviert.

Re: [HE]: Reaktivierungskandidaten in Hessen

geschrieben von: Befuerworter

Datum: Heute, 10:04:46

Auch hier hatte ich leider einen Reaktivierungskandidaten übersehen, den ich jetzt nachgetragen habe. Allerdings ist es mir keine eindeutige Identifizierung gelungen, welche Seite der Strecke zwischen Wega und Korbach reaktiviert werden soll, ich würde aber aufgrund der Nähe zu Kassel auf eine Verlängerung von Wega aus tippen:

- Strecke 3944, Wega - Brilon Wald, vermutlich Verlängerung von Wega nach Bergheim mit 9,3 km Länge