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Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: burovier

Datum: 01.12.19 14:44

So steht es im Koalitionsvertrag: "Wir gründen eine Landesverkehrsgesellschaft, die Sächsische Mobilitätsgesellschaft, in der der Freistaat, die Landkreise sowie die kreisfreien Städte als Gesellschafter vertreten sind. Die Anteile an der Gesellschaft halten der Freistaat Sachsen und die kommunale Ebene zu jeweils 50 Prozent. Die kommunalen Vertreter stellen über eine Rückkopplung mit den kommunalen Aufgabenträgern die Umsetzung sicher. Aufgabenträger sind die Verkehrszweckverbände. Die Aufgaben der Gesellschaft werden in einem Gesellschaftsvertrag verbindlich definiert. Der Sitz der Gesellschaft soll im ländlichen Raum angesiedelt werden." (S. 48)

Download-Link: [www.mdr.de]
Meldung dazu: [www.mdr.de]

(Bei der Freien Presse ist die Meldung nur bis 15.23 Uhr kostenfrei unter [www.freiepresse.de] lesbar.)

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: 103612

Datum: 01.12.19 14:55

Glückwunsch nach Sachsen!

Mal gucken wo man das jetzt wird ansiedeln. Ich hoffe nicht zu sehr im ländlichen Raum, denn Fachkräfte sind wählerisch und die vielen anfallenden Dienstreisen sollten auch einigermaßen per Bahn abwickelbar sein.

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: Niels

Datum: 01.12.19 15:23

103612 schrieb:
Mal gucken wo man das jetzt wird ansiedeln. Ich hoffe nicht zu sehr im ländlichen Raum, denn Fachkräfte sind wählerisch und die vielen anfallenden Dienstreisen sollten auch einigermaßen per Bahn abwickelbar sein.
Hast Du Dir das Zitat aus dem Koalitionsvertrag gut durchgelesen?
"Wir gründen eine Landesverkehrsgesellschaft, die Sächsische Mobilitätsgesellschaft,..."

Was unter Mobilität in Sachsen verstanden wird dürfte sich u.a. hier widerspiegeln:
[de.wikipedia.org]
Eine adäquate Liste müsste sich eigentlich bei diesen Helden hier finden:
[de.wikipedia.org]
Noch Fragen?

Viele junge Familien sehen doch derzeit ihr Heil in der Stadtflucht. Da sollte die Ansiedlung "mitten in der Pampa" sehr hilfreich sein fürs organisierte "Produkt" Mobilität. Also suche man schnell einen sächsischen Ort mit miserabelster ÖPNV-Anbindung (das muß nicht einmal unbedingt nur die Schiene sein) und siedle dort des Verkehrsministers liebstes Kind an. Moritzburg ist das ganz bestimmt nicht...

................... Gruß von Niels .......................

+++ Rettet den SVT "Görlitz" (VT 18.16) ! +++

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: TBM

Datum: 01.12.19 15:25

Naheliegend wäre Auerbach, Bautzen, Chemnitz, Dresden oder Leipzig. Wahrscheinlich zu naheliegend.

Insofern würde ich Döbeln vorschlagen! Dann dürfte es nicht mehr lange dauern, bis dort ein RE-Kreuz Leipzig-Dresden(-Bautzen) und (Auerbach-)Chemnitz-Elsterwerda(-Berlin) entsteht 😜

TBM

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: MD 612

Datum: 01.12.19 15:32

burovier zitierte aus dem Koalitionsvertrag:
So steht es im Koalitionsvertrag: "Wir gründen eine Landesverkehrsgesellschaft, die Sächsische Mobilitätsgesellschaft, in der der Freistaat, [...]. Die kommunalen Vertreter stellen über eine Rückkopplung mit den kommunalen Aufgabenträgern die Umsetzung sicher. Aufgabenträger sind die Verkehrszweckverbände.
Zwei Mal zwischen den Zeilen gelesen: Nichts Halbes und nichts Ganzes. Wir gründen eine Landesverkehrsgesellschaft, die nicht viel zu sagen hat, weil die fünf Zweckverbände das letzte Wort haben. Viel übrig geblieben ist da nicht von Duligs Idee der Zusammenführung der Zweckverbände zu einer Landesverkehrsgesellschaft. Am Ende steht nur eine uneffektive Doppelstruktur...

Aber ich lasse mich in den nächsten fünf Jahren gern eines Besseren belehren.

Gruß Peter

Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.
Noël Coward

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: SvenT

Datum: 01.12.19 15:49

Hallo Peter,

ganz so schwarz sehe ich es (noch) nicht. Ich gehe schon davon aus, dass man im Gesellschaftervertrag "das große Ganze" im Blick hat und die Abgrenzung zu den lokalen Aufgabenträgern findet. Mit der Gesellschaft hat man ja schon mal einen Fuss in der Tür und kann ja nachbessern ;-)

Grüße
Sven

PS. Edith hat zusätzlich im Koalitionsvertrag auf den Seiten 47 und 48 gelesen. Da steht der Aufgabenihnalt der LNVG drin. Klingt alles sehr überzeugend!

The light at the End of the Tunnel is the Light of an oncoming train.






1-mal bearbeitet. Zuletzt am 01.12.19 16:02.

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: dor Jörsch

Datum: 01.12.19 18:00

MD 612 schrieb:
Zitat:
Aber ich lasse mich in den nächsten fünf Jahren gern eines Besseren belehren.

Gruß Peter
Na ja, ein Anfang wurde doch wenigstens schon mal gemacht.

Warum sind im Zeitungshandel die Bahnmagazine immer neben den Hochglanzheftchen?

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: truestepper

Datum: 01.12.19 18:01

TBM schrieb:
Naheliegend wäre Auerbach, Bautzen, Chemnitz, Dresden oder Leipzig. Wahrscheinlich zu naheliegend.

Insofern würde ich Döbeln vorschlagen! Dann dürfte es nicht mehr lange dauern, bis dort ein RE-Kreuz Leipzig-Dresden(-Bautzen) und (Auerbach-)Chemnitz-Elsterwerda(-Berlin) entsteht 😜

TBM
Rochlitz halte ich für zielführender. Ist der Weg dorthin oder von dort beschwerlich, erhöht sich die Motivation, dies zu verändern.

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: truestepper

Datum: 01.12.19 18:03

MD 612 schrieb:
burovier zitierte aus dem Koalitionsvertrag:
So steht es im Koalitionsvertrag: "Wir gründen eine Landesverkehrsgesellschaft, die Sächsische Mobilitätsgesellschaft, in der der Freistaat, [...]. Die kommunalen Vertreter stellen über eine Rückkopplung mit den kommunalen Aufgabenträgern die Umsetzung sicher. Aufgabenträger sind die Verkehrszweckverbände.
Zwei Mal zwischen den Zeilen gelesen: Nichts Halbes und nichts Ganzes. Wir gründen eine Landesverkehrsgesellschaft, die nicht viel zu sagen hat, weil die fünf Zweckverbände das letzte Wort haben. Viel übrig geblieben ist da nicht von Duligs Idee der Zusammenführung der Zweckverbände zu einer Landesverkehrsgesellschaft. Am Ende steht nur eine uneffektive Doppelstruktur...
Gleiches hatte ich mir auch sofort gedacht. Ziel muss es doch sein, dass gerade die Regionalfürsten nicht mehr mitentscheiden dürfen.

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: Signalschruber

Datum: 01.12.19 18:39

Zitat
Gleiches hatte ich mir auch sofort gedacht. Ziel muss es doch sein, dass gerade die Regionalfürsten nicht mehr mitentscheiden dürfen.
Hier geht es um SPNV mit einer durchschnittlichen Reiseweite von 21 Kilometern und du glaubst wirklich eine Landesgesellschaft, könnte ohne Berücksichtigung der Landkreise besser entscheiden, welcher Nahverkehr vor Ort benötigt wird?

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: Baumstachler

Datum: 01.12.19 18:48

Ehrliche Antwort: Ja! Man braucht sich ja nur viele ostdeutsche Landkreise anschauen, da regiert nach wie vor die Mentalität des VEB Kraftverkehr (man braucht sich ja zB nur mal die Fahrpläne des KVG Salzlandkreis oder die Diskussion um die Ausweitung des MDV in Richtung Dessau / Wittenberg / Köthen anschauen ...).

An einem gescheiten ÖPNV besteht da oft weder Interesse noch irgendeine Ambition, diesen zu entwickeln. Diesen Figuren auch noch den SPNV zu überlassen kann man nur als fahrlässig bezeichnen. Ein Glück, wenn die Landesverkehrsgesellschaft tatsächlich kommt.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 01.12.19 19:00.

Re: Rochlitz

geschrieben von: burovier

Datum: 01.12.19 19:12

truestepper schrieb:
Rochlitz halte ich für zielführender. Ist der Weg dorthin oder von dort beschwerlich, erhöht sich die Motivation, dies zu verändern.
Rochlitz müsste zunächst mal bei bahn.de mal besser dargestellt werden. Sucht man bloß Verbindungen von Leipzig Hbf nach "Rochlitz(Sachs)", was einem als erstes angeboten wird, findet man Vrebindungen im Stundentakt mit 1:18 bis 1:20 und 2 x Umsteigen. Nun kann man gleich sagen, dass das Mist ist, oder sich das im Detail ansehen. Wenn man weiß, dass "Rochlitz (Sachsen) Rathausstr." das beste Ziel im Stadtzentrum ist, ist man gleich beim Stundentakt mit 1 x Umsteigen bei 0:58. Und wenn man unbedingt zum Bahnhof will und zu gut 100 m Fußweg bereit ist, kommt man mit "Bahnhofstr., Rochlitz" auf 0:54.

Das kann man immer noch unbefriedigend finden. Hauptprobleme dieser Verbindung sind aber die Tarifgrenze und die Unzuverlässigkeit des RE 6. Und das sind nun wirklich beides Aufgaben für die LNVG, die dafür nicht unbedingt in Rochlitz sitzen muss.

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: Befuerworter

Datum: 01.12.19 19:19

Meine erste Einschätzung von ein paar Inhalten des Koalitionsvertrages, die den Bahnbereich betreffen:

- S. 27: Es wird festgelegt, dass Aufträge über Dienstleistungen im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs auf Straße und Schiene nur an Unternehmen vergeben werden dürfen, die sich bei Angebotsabgabe verpflichten, ihren Beschäftigten mindestens das in einem repräsentativen Tarifvertrag vorgesehene Entgelt zu zahlen. Bei der Ausschreibung im Bereich SPNV/ÖPNV ist das überarbeitete Vergabegesetz verbindlich.

Inwiefern im ÖPNV jetzt schon nach Tarif gezahlt wird oder ob dadurch Mehrkosten entstehen, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht hat da jemand Detailkenntnisse. Das erwähnte überarbeitete Vergabegesetz könnte aber ein Monstrum werden, dort soll von Emissionen über Innovationskriterien bis zu Gleichstellung und Chancengleichheit alles nachgewiesen werden, was einem Bürokraten nur einfallen kann. Bei einer ÖPNV-Vergabe mag das noch irgendwie machbar sein, bei Ausschreibungen für das Anstreichen einer Hochschulwand würde das aber dazu führen, dass sich wohl kaum noch ein Anbieter findet, der die öffentliche Hand als Kunden anstrebt. Da darf man gespannt auf die Umsetzung und die zumindest ebenfalls erwähnte Praktikabilität sein.

- S. 28: Gerade im Schienensektor bietet Wasserstoff völlig neue Möglichkeiten zur Nutzung der Potenziale zur Emissionsminderung oder auch der CO 2 -Einsparung. Brennstoffzellen und Brennstoffzellensysteme gewinnen ebenso immer größere Bedeutung.

Warum eine neue Landesregierung sich so eindeutig für Wasserstoffantriebe ausspricht, ohne bspw. Akkulösungen auch nur zu erwähnen, leuchtet mir nicht ein. Es wäre stattdessen angebracht, technologieoffen auszuschreiben und die sich im Wettbewerb als besser erweisende Technologie zu wählen.

- S. 42/43 (Braunkohlestrukturwandel): Für einen erfolgreichen Strukturwandel investieren wir auch in eine moderne Verkehrsinfrastruktur. Zu den Projekten mit besonderer Bedeutung gehören beispielsweise die Elektrifizierung der Eisenbahnstrecken Chemnitz-Leipzig, Dresden-Görlitz/Zittau und eine deutlich verbesserte Anbindung von Hoyerswerda und Kamenz an die Landeshauptstadt Dresden sowie von Gera an Leipzig und der Strecke Grimma-Rochlitz-Geithain an die Metropolregion Mitteldeutschland. Bei der Eisenbahnverbindung zwischen Görlitz und der Bundeshauptstadt Berlin unterstützen wir eine zügige Elektrifizierung der vorhandenen Strecke und die Planung einer internationalen Schnellzugverbindung.

Die meisten erwähnten Schienenverbindungen sind meines Erachtens schon anderweitig vom Bundesverkehrswegeplan oder den Planungen zum Kohleausstieg erfasst (?), wobei ich mich mit Kamenz und Hoyerswerda nicht auskenne. Für mich ist die Strecke Grimma-Rochlitz-Geithain hier die ganz große Überraschung. Dumm nur, dass es eine solche Strecke gar nicht gibt und man deshalb rätseln muss, was gemeint sein könnte. Es gab und gibt erste Untersuchungen in der Lokalpolitik, ob man einen Abschnitt der Muldentalbahn bis Rochlitz oder auch die Strecke Rochlitz-Narsdorf (die dann auch eine Verbindung nach Geithain ermöglichen würde) reaktivieren könnte, wobei Rochlitz-Narsdorf für die Anbindung Richtung Leipzig (also über Geithain) schon durchgefallen war. Sollen jetzt gar beide Strecken reaktiviert werden? Nutzen-Kosten-Betrachtungen, die das als wirtschaftlich machbar bewerten und eine entsprechende Nachfrage nachweisen, gibt es noch nicht. So schön ich das auch fände, sehe ich hier die Gefahr, mit dieser frühen Festlegung Erwartungen zu wecken, die man am Ende nicht einhalten kann.

Aus Zeitgründen erst mal nur bis hierhin, das eigentliche Verkehrskapitel muss ich in demnächst separat noch mal studieren.

Re: Rochlitz

geschrieben von: Silli

Datum: 01.12.19 20:20

burovier schrieb:
truestepper schrieb:
Rochlitz halte ich für zielführender. Ist der Weg dorthin oder von dort beschwerlich, erhöht sich die Motivation, dies zu verändern.
Rochlitz müsste zunächst mal bei bahn.de mal besser dargestellt werden. (...)
Wozu denn? Schließlich sind alle 4 Bahnstrecken dahin stillgelegt:
- 1998: Strecke nach Waldheim
- 1999: Strecke nach Colditz
- 2000: Strecke nach Narsdorf
- 2001: Strecke nach Wechselburg

Vom Bahn-Knoten zu nichts in 3 Jahren... so geht sächsisch. :-D

Grüße
Silli

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: MD 612

Datum: 01.12.19 20:35

Signalschruber schrieb:
Hier geht es um SPNV mit einer durchschnittlichen Reiseweite von 21 Kilometern und du glaubst wirklich eine Landesgesellschaft, könnte ohne Berücksichtigung der Landkreise besser entscheiden, welcher Nahverkehr vor Ort benötigt wird?
In Bayern und BaWü (nur um zwei Beispiele von vielen weiteren zu nennen) funktioniert das aber recht gut, trotzdem diese Länder weitaus größer als Sachsen sind. Andererseits böte eine Landesverkehrsgesellschaft ohne maßgeblichen Einfluss der fünf kürfürstlichen Aufgabenträger endlich die Chance, dass SPNV-Planungen nicht mehr an die Sichtweitengrenze zum eigenen Kirchturm gebunden sind. Die Auswirkungen solchen Handelns kennen wir ja in Sachsen zur Genüge:

- Da endete eine Zeitlang der RE von Zwickau im Weltbahnhof Klingenberg-Colmnitz, weil der Z-VOE die Leistung auf seinem Abschnitt außerhalb der HVZ nicht bestellen wollte.
- Da wurden RE-Linien vom ZVNL in seinem Verbandsgebiet abbestellt mit der Folge, dass der RE von Bad Brambach in Altenburg endete und als RB nach Leipzig weiter fuhr.
- Da scheitert ein durchgehender SPNV auf der Hauptbahn(!!) Leipzig - Döbeln - Meißen, weil erst einer, später der zweite Aufgabenträger die Leistungen in seinem Verbandsgebiet ab- und den fälligen Busverkehr beim kreiseigenen Busunternehmen neu bestellt.
- Da elektrifiziert man unter finanzieller Beteiligung des Freistaates Sachsen die Strecke Reichenbach - Hof mit der Begründung auf diese Weise eine durchgehende SPNV-Verbindung vom Vogtland nach Leipzig mit Einbindung in das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz und den Citytunnel Leipzig zu ermöglichen und der Vogtländer Kurfürst bestellt weiterhin einen Dieseltriebwagen auf der frisch elektrifizierten Strecke mit Umsteigezwang in Werdau auf die S-Bahn.

Weitere Beispiele dürfen gerne ergänzt werden...

Es wird tatsächlich Zeit, dass dieses Kirchturmdenken ein Ende findet. Nur habe ich da bei den zitierten Formulierungen aus dem Koalitionsvertrag so meine Bedenken. Denn so wirklich konsequent klingt das dort nicht. Aber das schrieb ich ja schon.

Gruß Peter

Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.
Noël Coward

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: burovier

Datum: 01.12.19 21:06

Befuerworter schrieb:
Für mich ist die Strecke Grimma-Rochlitz-Geithain hier die ganz große Überraschung. Dumm nur, dass es eine solche Strecke gar nicht gibt und man deshalb rätseln muss, was gemeint sein könnte. Es gab und gibt erste Untersuchungen in der Lokalpolitik, ob man einen Abschnitt der Muldentalbahn bis Rochlitz oder auch die Strecke Rochlitz-Narsdorf (die dann auch eine Verbindung nach Geithain ermöglichen würde) reaktivieren könnte, wobei Rochlitz-Narsdorf für die Anbindung Richtung Leipzig (also über Geithain) schon durchgefallen war.
Vielleicht ist es nicht ganz zufällig, dass einer der Verhandlungsführer Protagonist dieser Ideen, von denen man seit ca. 2 Jahren lesen kann, war, und auch dort wohnt.

LNVG Sachsen: Aufgaben, Grenzen und Möglichkeiten

geschrieben von: Saxobav

Datum: 01.12.19 23:57

Signalschruber schrieb:
Zitat
Ziel muss es doch sein, dass gerade die Regionalfürsten nicht mehr mitentscheiden dürfen.
Hier geht es um SPNV mit einer durchschnittlichen Reiseweite von 21 Kilometern und du glaubst wirklich eine Landesgesellschaft, könnte ohne Berücksichtigung der Landkreise besser entscheiden, welcher Nahverkehr vor Ort benötigt wird?
Hallo Foristen,
es ist doch erstmal gut, dass so kurz nach einer schwierigen Regierungsbildung überhaupt noch das Wahlprogramm eine Rolle spielt. Wie schon an einzelnen Punkten dargestellt, wird man schöpferisch mit den Programmpunkten umgehen. Das Beispiel H2 zeigt, dass von der Aufnahme und der Einfügung ins Programm bis heute ein gewisser Realismus eingezogen ist. Dieser wird sich bestimmt in der Umsetzung niederschlagen.

Mir ist der komplette Gründungsgedanke einer LNVG noch nicht transparent. Und dann kommt einem „Innovationsrat“ in der Zusammensetzung eine Rolle zu.
Wir könnten auch hier im Forum so eine kleine Stoffsammlung zusammenstellen, damit die Kollegen bei der Arbeitsaufnahme nicht so lange umherirren.

Wo könnte also also die neue Behörde gute Dienste leisten:
- Aufbau von Fahrzeugpools verschiedener Verkehrsmittel (Eisenbahnfahrzeuge, Busse, Straßenbahnen)
- Ermittlung von Trassen mit Bedarf
- Pools von qualifizierten Beschäftigten und Koordination der Berufsausbildung
- koordinierte Instandhaltung
- Energieträgerberatung, Logistik und Einkauf
- Koordination des Ausbaus und der Instandhaltung der Verkehrswege

Weniger gut wird das funktionieren, wenn man sich aus der Makrosteuerung in die lokalen Angelegenheiten einmischt und sich in den Details verliert. Austausch guter und schlechter Erfahrungen und ggf. eine Schiedsrichterfunktion in lokalen Angelegenheiten sehe ich als möglich an.

Auch wenn wir hier ein Bahnforum sind, ist der Nahverkehr per Bus selbstredend auch Gegenstand der LNVG. Dort kann man dann entscheiden, wie man Flixbus und DB-ICE-Bus Konkurrenz macht. Oder ob man ein flächiges Netz von (Bio-)Methantankstellen schafft für Bahn, Bus und alle anderen Verkehrsmittel. Eine Umrüstung bestehender Dieselmotoren entsorgt sofort das Ruß- und Partikelproblem. Und Reichweitenprobleme sollten im Nahverkehr weniger drücken, das ist eher Planungssache. Oberleitungsbusse mit BEMU-Technik oder LRV-Bahnen im Überlandverkehr sind sehr im Sinn der Dekarbonisierung.

Und hoffentlich greift das Netzdenken über die eigenen Landesgrenzen. Also nicht davor ist Planungsende, sondern im nächsten Oberzentrum jenseits.
Und dass man die Kraft hat, zusammen mit der Verkehrsbestellung auch die Wege entsprechend instandzusetzen. Das betrifft kommunale Straßen genau so wie Bahninfrastruktur.
Und ich erwarte auch eine klare Ermittlung der Profitgrenzen, d.h. wann wird eine Dienstleistung kostendeckend. Es ist schwer verständlich, dass voll besetzte Verkehrsmittel angeblich nicht Kostendeckend wären.

Zusammen mit der sächsischen Forschungsinfrastruktur hat man auch gute Möglichkeiten für koordinierte Verkehrsmanagementsysteme, d.h. der Vernetzung innerhalb der Nahverkehrssysteme sowie der überregionalen Verbindungen.

Es wird interessant, die Politiker bei der Arbeit zu beobachten.
Viele Grüße, saxobav.

Re: LNVG Sachsen: Aufgaben, Grenzen und Möglichkeiten

geschrieben von: Niels

Datum: 02.12.19 07:12

Hallo Saxobav,

viele gute Gedanken wirfst Du hier in diese Diskussion. Ich befürchte allerdings daß es spätestens dann wenn es um die Finanzierung geht mindestens die Hälfte Deiner Ideen und Anregungen es nicht nicht einmal bis in eine LNVG schafft.

Aber einen Satz sollte man den Herren (und Damen) mindestens einmal täglich um die Ohren hauen:

Saxobav schrieb:
Und hoffentlich greift das Netzdenken über die eigenen Landesgrenzen. Also nicht davor ist Planungsende, sondern im nächsten Oberzentrum jenseits.
An dieser Stelle bin ich mit Dir völlig einig und werde genauso interessiert die "Beschlüße der Gremien" beobachten. Wider der Kleinstaaterei in Deutschland!

................... Gruß von Niels .......................

+++ Rettet den SVT "Görlitz" (VT 18.16) ! +++

Re: LNVG Sachsen: Aufgaben, Grenzen und Möglichkeiten

geschrieben von: 103612

Datum: 02.12.19 10:00

Man muss jetzt abwarten wie sich das Konstrukt genau entwickeln wird. Die Verbünde werden ja weiterhin eine wichtige Aufgabe behalten.

Besonders wichtig fände ich, dass die neue Landesgesellschaft die volle Kontrolle über alle SPNV Verkehrsverträge erhält und damit ihrer landesweiten Koordinierungsfunktion gerecht werden kann. Dmit dieses in den Regionen positiv aufgenommen wird, sollte die neue Gesellschaft auch die Mittel dafür haben, um z.B. erstmal die augenscheinlichsten Fehlentwicklungen der Kleinstaaterei zu beenden:
- Durchbindung RE Göttingen - Chemnitz
- Flügelzug S-Bahn Hof - Plauen - Leipzig
- Reaktivierung Döbeln - Meißen

Dann sollte sich die Gesellschaft als 2. auch um einen übergeordneten Landestarif bemühen, der durchgängige Reisen im land vereinfacht.

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: Falk12

Datum: 02.12.19 11:08

MD 612 schrieb:
In Bayern und BaWü (nur um zwei Beispiele von vielen weiteren zu nennen) funktioniert das aber recht gut, trotzdem diese Länder weitaus größer als Sachsen sind. Andererseits böte eine Landesverkehrsgesellschaft ohne maßgeblichen Einfluss der fünf kürfürstlichen Aufgabenträger endlich die Chance, dass SPNV-Planungen nicht mehr an die Sichtweitengrenze zum eigenen Kirchturm gebunden sind. Die Auswirkungen solchen Handelns kennen wir ja in Sachsen zur Genüge:

- Da endete eine Zeitlang der RE von Zwickau im Weltbahnhof Klingenberg-Colmnitz, weil der Z-VOE die Leistung auf seinem Abschnitt außerhalb der HVZ nicht bestellen wollte.
- Da wurden RE-Linien vom ZVNL in seinem Verbandsgebiet abbestellt mit der Folge, dass der RE von Bad Brambach in Altenburg endete und als RB nach Leipzig weiter fuhr.
- Da scheitert ein durchgehender SPNV auf der Hauptbahn(!!) Leipzig - Döbeln - Meißen, weil erst einer, später der zweite Aufgabenträger die Leistungen in seinem Verbandsgebiet ab- und den fälligen Busverkehr beim kreiseigenen Busunternehmen neu bestellt.
- Da elektrifiziert man unter finanzieller Beteiligung des Freistaates Sachsen die Strecke Reichenbach - Hof mit der Begründung auf diese Weise eine durchgehende SPNV-Verbindung vom Vogtland nach Leipzig mit Einbindung in das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz und den Citytunnel Leipzig zu ermöglichen und der Vogtländer Kurfürst bestellt weiterhin einen Dieseltriebwagen auf der frisch elektrifizierten Strecke mit Umsteigezwang in Werdau auf die S-Bahn.

Weitere Beispiele dürfen gerne ergänzt werden...

Es wird tatsächlich Zeit, dass dieses Kirchturmdenken ein Ende findet. Nur habe ich da bei den zitierten Formulierungen aus dem Koalitionsvertrag so meine Bedenken. Denn so wirklich konsequent klingt das dort nicht. Aber das schrieb ich ja schon.

Gruß Peter
Hallo Peter,

genau darum geht es doch. Du hast die wichtigsten Beispiele angeführt, man könnte noch ergänzen Abbestellung Kamenz-Senftenberg-Lübbenau oder die Verhinderung des Vorschlages eines direkten Zuges Spremberg-Hoyerswerda-Hosena-Kamenz-Radeberg-Dresden, was die kürzeste Strecke für Spremberg und Hoyerswerda nach Dresden wäre. Auch das man die erst kurz vor Abbestellung modernisierte Strecke Arnsdorf-Dürröhrsdorf-Pirna zwischen Arnsdorf-und Dürröhrsdorf stillgelegt hat, ist nicht wirklich unter den heutigen Aspekten nachvollziehbar, denn wenn es wieder Züge Senftenberg-Kamenz-Dresden oder Spremberg-Hoyerswerda-Kamenz-Dresden gäbe, wäre ein Anschlusszug Kamenz-Arnsdorf-Dürröhrsdorf-Pirna oder Neustadt-Sebnitz die kürzeste Verbindung auch für Berliner in die sächsische Schweiz bzw. nach Tschechien in den Schluckenauer Zipfel bzw. nach Rumburk oder nach Bad Schandau. Es gibt also viele gute Gründe für eine LNVG und wenn die Aufgabenstellung auch wie im Koalitionsvertrag dann auch so umgesetzt wird, wäre schon eine Menge verbessert

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: Hannes Kuhnert

Datum: 02.12.19 16:02

MD 612 schrieb:
- Da elektrifiziert man unter finanzieller Beteiligung des Freistaates Sachsen die Strecke Reichenbach - Hof mit der Begründung auf diese Weise eine durchgehende SPNV-Verbindung vom Vogtland nach Leipzig mit Einbindung in das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz und den Citytunnel Leipzig zu ermöglichen und der Vogtländer Kurfürst bestellt weiterhin einen Dieseltriebwagen auf der frisch elektrifizierten Strecke mit Umsteigezwang in Werdau auf die S-Bahn.
Du stellst es so dar, als würde der ZVV aus bloßem Desinteresse keine durchgängigen Züge zwischen Leipzig und Plauen bestellen – oder weil man generell kleine Dieseltriebwagen größeren elektrischen Triebwagen vorziehen würde.

Tatsache ist doch, dass die von der Landesregierung an die – speziell diesen – SPNV-Aufgabenträger ausgereichten Mittel alles andere als reichlich sind. Angesichts der Frage, ob lieber Teile des Vogtlands ihre Bahnerschließung überhaupt verlieren sollen oder ob man auf die Direktverbindung von Plauen und Reichenbach nach Leipzig verzichtet, ist der aktuelle Ansatz nicht der dümmste.

Die Landesregierung muss sich indessen daran messen lassen, wie zügig es gelingt, vom heutigen Interimszustand zu einer echten Lösung zu kommen, natürlich mit durchgehenden Zügen (mindestens) Plauen–Leipzig.

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: Hannes Kuhnert

Datum: 02.12.19 16:12

burovier zitierte aus dem neuen sächsischen Koalitionsvertrag:
Wir gründen eine Landesverkehrsgesellschaft, die Sächsische Mobilitätsgesellschaft, in der der Freistaat, die Landkreise sowie die kreisfreien Städte als Gesellschafter vertreten sind. Die Anteile an der Gesellschaft halten der Freistaat Sachsen und die kommunale Ebene zu jeweils 50 Prozent.
Bis hierhin dachte ich, diese neue 50:50-Institution würde neuer SPNV-Aufgabenträger werden.

Zitat:
Die kommunalen Vertreter stellen über eine Rückkopplung mit den kommunalen Aufgabenträgern die Umsetzung sicher.
Ist die Landesverkehrsgesellschaft hinsichtlich des SPNV mehr als eine Institutionalisierung der Gespräche zwischen den Zweckverbänden?

Eine wichtige Rolle könnte spielen, dass die Kreise nicht über ihre Zweckverbände, sondern direkt an der Landesverkehrsgesellschaft beteiligt sind. Nicht ganz dumm gemacht!

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: MD 612

Datum: 02.12.19 16:26

Hannes Kuhnert schrieb:
Du stellst es so dar, als würde der ZVV aus bloßem Desinteresse keine durchgängigen Züge zwischen Leipzig und Plauen bestellen – oder weil man generell kleine Dieseltriebwagen größeren elektrischen Triebwagen vorziehen würde.
Man kann es auch anders formulieren: Ein Vogtlandflügel der S5X scheitert an der Kleingeistigkeit eines Aufgabenträgers, der die ihm gebotene Chance nicht nutzt (nicht nutzen kann). Ich behaupte mal, mit einer Landesverkehrsgesellschaft hätte dieser Vogtlandflügel eine gute Chance, ohne dabei andere Zugleistungen im Vogtland abbestellen zu müssen. Ganz einfach weil die zur Verfügung stehenden Mittel im gesamten Freistaat effektiver eingesetzt werden könnten anstatt in überteuerten Einzelleuchttürmen zu versinken.

Gruß Peter

Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.
Noël Coward

Re: Sachsen: LNVG kommt

geschrieben von: Befuerworter

Datum: 02.12.19 17:54

Eine extrem negative Überraschung ist, dass die Strecke Döbeln - Meißen überhaupt nicht erwähnt wird. Dort warten alle nur auf den Startschuss, auch seitens der Politik wurde vor der Wahl der Eindruck erweckt, dass die Reaktivierung kommen wird. Wenn der Koalitionsvertrag dazu keinerlei Aussage macht, könnte man das fast als Absage verstehen, da alle anderen in der Diskussion befindlichen Maßnahmen explizit genannt werden. Höchstens die paar wolkigen Worte zu Reaktivierungen auf Seite 50 lassen vielleicht noch ein Hintertürchen.

Frage: Worin lag bisher der größte Mangel?

geschrieben von: Pilot22

Datum: 03.12.19 10:49

Stellt die Fragen doch einmal andersherum: Der SPNV hat seine Stärken und Schwächen in Sachsen. Erfolgreich ist er dort, wo Kreis- oder Zuständigkeitsgrenzen unsichtbar werden und für die Fahrgäste nicht spürbar. Der RE50 nach Dresden, der RE6 nach Chemnitz und weitere eher längere Züge haben oder verdienen eine hohe Nachfrage. Denn Menschen und deren Bedürfnisse interessieren sich nicht für Kreisgrenzen. Der SPNV läuft im Großen und Ganzen, Reaktivierungen und einzelne Züge (Ausnahmen) gibt es immer.

Was jedoch steifmütterlich auffällt ist das Busnetz. Ob PlusBus oder BlödBus - solange diese nur von einem größeren Ort ins nahe Umland fahren und dann im Nirvana an unsichtbaren (ex)Kreisgrenzen zu verenden, wird die Diskussion über nötige "alternative Bedienformen) oder leere Busse anhalten. Hier muss eine LNVG agieren und den Linien dichte Takte (halbstündlich) und Laufwege verordnen, welche mehrere größere Orte ansteuern und/oder in selbigen beginnen/enden. Beispielhaft: Torgau - Oschatz - Döbeln - Freiberg. Diese Aufgabe wäre die Herausforderunge, Provinzfürsteninteressen und nutzbare ÖPNV-Angebote unter einen Hut zu bekommen. Traumhaft ein Anschluss zur Eisenbahn. Offenbar braucht es in diesem Segment eine Dachorganisation der Aufgabenträger, um deren enge Grenzen überwinden zu helfen.