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55 cm oder 76 cm ist eher eine politische Frage

geschrieben von: Anbeku

Datum: 13.03.18 12:26

Aus technischer Sicht kann man sagen, das 38 cm für ein normales Einsebahnfahrzeug zu niedrig ist. Ob es jetzt 55 cm oder 76 cm sein sollen ist hingegen nicht so leicht zu beantworten. Beides hat Vor- und Nachteile, wobei 55 cm für Doppelstockwagen besser ist, während 76 cm für einstöckige Nahverkehrszüge Vorteile hat. Meiner Meinung nach gibt es da keinen klaren Sieger, so dass man die historisch und lokal gewachsenen Situationen jeweils berücksichtigen muss. Fernverkehr spielt meines Erachtens hierbei keine Rolle. Die Züge sind ohnehin nicht barrierefrei, und ob man jetzt zwei oder drei Stufen überwinden muss, ist kein relevanter Unterschied.

Re: Völlig barrierefrei geht nicht.

geschrieben von: Hauptmann Mumm

Datum: 13.03.18 12:28

junglok13 schrieb:
Jetzt hab ich die Jahreszahl gefunden, die EU fördert die Umsetzung bis 2022 für alle Mitgliedstaaten, also somit ist nur England vorerst fein raus.
"Vollständige Barrierefreiheit bis 2022" ist keine EU-Forderung, sondern die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in deutsches Recht. Hatten wir hier schon öfter...
Patrick Rudin schrieb:
In den Zusammenhang habe ich letzthin in der Schweiz tatsächlich die Aussage gehört, Deutschland sei in der Barrierefreiheit viel weiter.....
Das ist richtig. Bis vor kurzem war das Thema in der Schweiz wesentlich weniger präsent als in Deutschland. Viele gar nicht besonders alte (und grundsätzlich auch gute) ÖPNV-Infrastrukuren sind daher nicht barrierefrei. Ein Beispiel dafür ist die Erschließung vieler Bahnsteige nur mit Treppen und Rampen, letztere aber bzgl. Barrierefreiheit zu steil.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.03.18 12:38.

Re: Völlig barrierefrei geht nicht.

geschrieben von: Black Eyed

Datum: 13.03.18 12:34

Danke, dass du das Zeitproblem bei Hubliften ansprichst. Von einem Elektrorollstuhlfahrer weiß ich, wie sehr es ihn selbst störte, für diese Verspätungen verursachend zu sein., Insbesondere da bei der S-Bahn im Berufsverkehr daraus gleich Kasakedeneffekte entstehen...

Es irritiert mich, warum Behinderte oder Mobilitätsbeeinträchtigte ausschließlich als Rollstuhlfahrer und Blinde wahrgenommen werden.
Es gibt viele andere Gründe, warum eine Stufe nicht passierbar ist - was durchaus mit einem Kinderwagen einfacher handhabbar ist. Soll wirklich für diese Personengruppe immer eine Rampe ausgeklappt oder ausgefahren werden? Das kann es auch nicht sein...

Zum Thema "Kneeling": Diese Einrichtung im Bus hat einen speziellen Hintergrund: Es ist schlichtweg so, dass der Bus keine feste Spurführung hat. Entsprechend kann nicht sichergestellt sein, in welchem Abstand und in welchem Winkel an eine Bordsteinkante herangefahren wird, Dazu kommt auch die Problematik der Reifenabnutzung dazu.
Um nun aber dennoch bvarrierefreie Ausstiege zu ermöglichen, kann man mittels Kneeling die entsprechenden Winkel verbessern und die Höhe reduzieren (es gibt auch keine einheitliche Höhe von Bushaltestellen - nur weicht man dort im cm-Bereich ab).
Sprich; Kneeling ist etwas, was schienengebundene Fahrzeuge nicht brauchen, wenn man richtig baut.


Bezüglich der Barrierefreiheit: NEIN der Schienenverkehr muss nicht 2022 barrierefrei sein, er kann es auch nicht. Diese Forderung bezieht sich rein auf den ÖPNV! Im AUS-/NEUBAU baut DB Netz/Station&Service nur dann barrierefreie Zugänge, wenn eine bestehende Bahnsteiganlage verändert werden muss, gleichzeitig die Zuwegung betroffen ist und dabei mindestens 1.000 Ein-/Aussteiger an der Station zu erwarten sind. Oder natürlich es gibt einen anderen Finanzierer.

Beispielsweise sind von der ABS Hanau-Gelnhausen in dieser Regelung somit nur Hanau Hbf, Langenselbold und Gelnhausen betroffen. Bei Hanau-Wolfgang, Rodenbach, Niedermittlau und Hailer-Meerholz muss eben geprüft werden, inwiefern andere Lösungen vorhanden sind oder die Anlage nicht - OHNE MEHRKOSTEN - gleichzeitig barrierefreie angelegt werden kann. Bei der Zuwegung kommt es überdies noch auf die Funktionalität der dieser Wege an. Ist es eine (reine) Bahnsteiganbindung oder hat diese sogar eine Stadtteilverbindende Funktion.

Im ÖPNV (und damit der Zuständigkeit des PBefG) ist ebenso mitnichten so, dass alles barrierefrei nutzbar sein muss. Bei Stationsanlagen darf sehr wohl begründet werden, warum einige Stationen nicht barrierefrei ausgebaut wurden bzw. warum diese im Umbau eine späte Priorität bekommen. Die Priorisierung sollte auch in jedem Nahverkehrsplan enthalten sein. In der Regel liegt die Priorisierung an den Fahrgastzahlen oder der Fahrgastgruppe (oim Schülerverkehr spielt die Barrierefreiheit weitaus weniger eine Rolle als bei der Anbindung eines Altersheims)...


Ich sage auch nicht, dass eine Bahnsteigzielhöhe zwingend generell sinnhaft ist. Es sollte viel eher darum gehen, erst einmal linienhaft eine durchgehende Barrierefreiheit hinzubekommen - so war dies früher zwischen DB und Länder/Aufgabenträger geregelt. Hierzu gab es entsprechende Zielhöhenvereinbarungen. Aus diesen heraus entstanden ganze 76cm- oder 55cm-Netze. Beispielsweise ist Nordhessen ein solches 55 cm-Netz. Für die RegioTram wurden im Übrigen in Kassel-Wilhelmshöhe Gleise aufgeschottert. Der restliche Regionalverkehr profitierte auch davon. Die RegioTram ist hierauf bewusst ausgerichtet, muss sie doch im Stadtverkehr mit niedrigeren Bahnsteighöhen auskommen und im Regionalverkehr mit 38- oder 55 cm-Bahnsteigen.

Die 96 cm-S-Bahnen zeigen auch, dass es keine einheitliche Bahnsteighöhe geben kann oder geben muss. Vergleichbar wäre dies in der Schweiz mit den Schmalspurbahnen: Dort lautet die Zielhöhe eben nicht 55 sondern 35 cm! Aber diese Netze sind dort entsprechend autark.
Wegen der Konflikte an 96 cm-Bahnsteigen ist dies hier jedoch nur in Berlin (mit minimalen Ausnahmen), Hamburg (hier kommt die Problematik des Zweisystembetriebs zum tragen) , München (perspektivisch) und Stuttgart (ebenso perspektivisch) in Betracht. Die anderen Netze werden keine entsprechend hohe Autonomie erreichen können und dann muss man sich Alternativen überlegen.

Warum ich zu 55 cm-Bahnsteigen tendiere habe ich schon öfters deutlich gemacht, alles will ich auch nicht wiederholen, daher nur kurz ein paar Aspekte:
- DB Fernverkehr hat nur ein einzigen Fahrzeugtyp, der barrierefrei an Bahnsteigen passt: Die IC2-Steuerwagen - just auf 55 cm (für 76 cm wären sie ja auch bestellbar gewesen, aber teurer)
- Es werden weiterhin schwächer genutzte Halte nicht barrierefrei bleiben - diese sind in den ländlichen Netzen und meist maximal 38 cm hoch. Bei 55 cm ist dies halbwegs überwindbar mit einer Stufe. Bei 76 cm wird es problematischer (Stichwort Kinderwagen, u.a.). Die Alternative ist: Stilllegung des Verkehrshalts!
- Doppelstockwagen sind deutlich einfacher konstruierbar für 55 cm. Der Vergleich von Twindexx Vario der Baureihen 446 und 445 zeigt dies deutlich. Überdies; Bei 55 cm ist KEIN Schiebtrott nötig, damit ist die Haltezeit kürzer.
- In den 90er und 00er Jahren war die Beschaffung von 76 cm-Fahrzeugen die Ausnahme. Die breite Masse wurde für 55 cm konstruiert und bestellt.


Insofern: Ersteinmal die beiden Zielhöhen 55 und 76 cm weiterentwickeln - in Absprache mit den Aufgabenträgern! Lösungsmöglichkeiten für Problemfälle suchen. Beispielsweise Bahnsteige mit Einstiegsbereichen in beiden Höhen (insbesondere bei S-Bahnnetzen). Und dann eine spätere Weiterentwicklung prüfen. Es ist durchaus plausibel dass NRW mit Belgien und den Niederlanden als Nachbarländern die Tendenz zu 76 cm hat, während Baden-Württemberg mit der Schweiz, Frankreich und auch Österreich mit 55 cm besser gedienen ist. Das wird sich so nicht ändern, aber es wird Orte geben, wo ein Höhenwechsel funktioniert. Sprich: Wo man von einem 76 cm-Netz in ein 55 cm-Netz barrierefrei umsteigen kann.

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Re: Völlig barrierefrei geht nicht.

geschrieben von: Murrtalbahner

Datum: 13.03.18 13:00

VT605 schrieb:
Murrtalbahner schrieb:
Im Fernverkehr mit seinen Hublift-Ungetümen ist das noch kurioser, da muss dann immer noch das nicht vorhandene Bahnsteigpersonal mithelfen. Auch sind solche Lifte in Gäufelden oder Plettenberg nicht vorhanden. Dann kommt man zwar in den IC rein, aber nicht mehr raus. Glückwunsch!
Das stimmt doch nicht. Der Dosto-IC hat zum einen Zugbegleitpersonl an Bord und zum andern gibt es ein klappbares Brett für Rollis und das wird auch benutzt, beim Dosto kommt kein Hublift auf dem Bahnsteig zum Einsatz. Und deshalb kommt man auch in Plettenberg rein und raus mit dem Rolli beim IC wenn er dann fahren wird.
Entschuldigen se dass ich zwölfundzwanzig Steuerwagen im Pool der vierstelligen Anzahl der Fernverkehrswagen unterschlagen habe.

Zitat Facebook Deutsche Bahn Konzern vom 18.3.15: "Der geplante Ausbau des Fernverkehrs, der heute vorgestellt wurde, wird in jedem Fall auch ohne Unterstützung der Länder umgesetzt und ist eigenwirtschaftlich geplant. Es wird also keinen bestellten Fernverkehr geben."
"Ist das wirklich so? Wie war das denn in der DDR?"

In der DDR galt die BO von 1928, also ebenfalls 76 cm. Allerdings hat man dort zusätzlich die Regelhöhe 55 cm eingeführt, weil die DR viele Doppelstockwagen mit Niederflureinstieg einsetze. Deswegen waren in den neuen Bundesländern nach der EBO-Novellierung 1991 auch 55 cm Bahnsteige für definierte Ausnahmefälle möglich. Wohlgemerkt Ausnahmefälle. Allerdings war die Durchsetzung der Regelhöhe von 76 cm in der DDR auch nicht so wichtig wie in Westdeutschland, weil der grenzüberschreitende Verkehr mit fremden Fahrzeugen nur sehr beschränkt auf bestimmten Strecken stattfand.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.03.18 13:18.

Re: Forderungen

geschrieben von: kmueller

Datum: 13.03.18 13:14

kami schrieb:
kmueller schrieb:
Genauso macht es die ÖBB an 55cm. Für den Lift spielen 20cm mehr keine Rolle. Es müssen dann aber Personal und Material (nicht nur der Hublift, sondern auch Sonderabteil und richtige Wagenreihung) zuverlässig verfügbar sein.
Womit die ÖBB-Lösung nicht mehr dem Gesetz genügt. Also nicht besser als das Verwirrspiel in D: Fahrzeughöhe passt nicht zum Bahnsteighöhe (weder Bestand noch Neu- bzw- Umbau). Schon bei der Bestellung der RJ war klar, wie ein Fahrzeug aussehen muss, damit es den gesetzlichen Anforderungen genügt. Dass der RJ im Wissen um das Gesetz faktisch vom Gesetzgeber selbst abweichend zum BGStG bestellt wurde und damit die Barriefreiheit im SPFV für die nächsten Jahrzehnte ein Wunsch bleibt, wurde eingangs erwähnt: Genauso macht es die ÖBB ....
Priorität hatte offensichtlich, den nicht mit Personal besetzten Nahverkehr barrierefrei zu bekommen, ein Vorgang, der fahrzeugseitig weitgehend abgeschlossen zu sein scheint und an den Hauptstrecken auch fast infrastrukturseitig. Neben den neuen 55cm-Triebwagen sieht man Altbaufahrzeuge kaum noch irgendwo im Plandienst (die Österreich-Experten kennen sicherlich Gegenbeispiele). Was man immer noch gelegentlich an Hauptstrecken und verbreitet an Nebenstrecken sieht, sind alte (sehr niedrige) Bahnsteige und Zugänge über die Gleise.

Bei der Prioritätensetzung muß man berücksichtigen, daß im NV nicht nur durchgehend das unterstützende Personal fehlt, sondern verglichen mit dem FV auch ein Vielfaches an Ein/Ausstiegen anfällt, bei gleicher Beförderungsleistung des Zehn- bis Zwanzigfache.
Hauptmann Mumm schrieb:
Patrick Rudin schrieb:
In den Zusammenhang habe ich letzthin in der Schweiz tatsächlich die Aussage gehört, Deutschland sei in der Barrierefreiheit viel weiter.....
Das ist richtig. Bis vor kurzem war das Thema in der Schweiz wesentlich weniger präsent als in Deutschland. Viele gar nicht besonders alte (und grundsätzlich auch gute) ÖPNV-Infrastrukuren sind daher nicht barrierefrei. Ein Beispiel dafür ist die Erschließung vieler Bahnsteige nur mit Treppen und Rampen, letztere aber bzgl. Barrierefreiheit zu steil.
Das erreicht man in Deutschland selbst nach erfolgreichem Umbau problemlos durch Schilder mit der Aufschrift 'außer Betrieb' (von Rolltreppen und Aufzügen).

Die Schweizer Rampen würde man sich in diesem Fall wirklich wünschen. Irgendwer findet sich nämlich, der den Rolli schiebt.
kmueller schrieb:
Das erreicht man in Deutschland selbst nach erfolgreichem Umbau problemlos durch Schilder mit der Aufschrift 'außer Betrieb' (von Rolltreppen und Aufzügen).
Das stimmt. In Österreich wird genau deshalb inzwischen Redundanz gefordert, sprich 2 Aufzüge.
Wenn das in Deutschland mit der Aufzugverfügbarkeit nicht besser wird, prophezeie ich mittelfristig eine ähnliche Regelung.

btw: Rolltreppen haben mit Barrierefreiheit nichts zu tun.

Re: Völlig barrierefrei geht nicht.

geschrieben von: Hannes Kuhnert

Datum: 13.03.18 13:48

nozomi07 schrieb:
es WIRD nie einen ÖV geben, bei dem jeder ohne fremde Hilfe in jedes Fahrzeug kommt. Ich sehs ja jeden Tag im Stadtbus, da geht der Fahrer hinter und klappt die Rampe raus; bei der Tram in München fährt er die Hubplattform runter.

Probleme löst man nicht mit Träumerei; sondern mit Realismus.
Es gibt auch reale Straßenbahnbetriebe, wo es ohne Klapprampe, ohne Hubplattform und ohne Stufe (> 5 cm) geht. Warum so tun, als wären bewegliche Rampen oder Lifte als Regellösung nötig?
Hauptmann Mumm schrieb:
Das ist richtig. Bis vor kurzem war das Thema in der Schweiz wesentlich weniger präsent als in Deutschland. Viele gar nicht besonders alte (und grundsätzlich auch gute) ÖPNV-Infrastrukuren sind daher nicht barrierefrei. Ein Beispiel dafür ist die Erschließung vieler Bahnsteige nur mit Treppen und Rampen, letztere aber bzgl. Barrierefreiheit zu steil.
Das stimmt so nicht, die Rampen gelten gemäss dem schweizerischen Behindertengleichstellungsgesetz als barrierefrei. Die nach 2003 erarbeitete Richtlinie für barrierefreie Bahnhöfe erlaubt diese Rampen als Neubau. Mit den Behindertenverbänden ist dies auch abgesprochen und wird dort nicht als Problem betrachtet.


Black Eyed schrieb:
Überdies; Bei 55 cm ist KEIN Schiebtrott nötig, damit ist die Haltezeit kürzer.
Das stimmt nicht. Es gibt ein maximal einzuhaltendes Spaltmass zwischen Fahrzeug und Perronkante. Um dies einzuhalten, muss in jedem Fall eine automatische Spaltüberbrückung, meist in Form eines Schiebetritts, fahrzeugseitig vorhanden sein; auch bei 55 cm.

https://abload.de/img/rabde502006_90prbqk0.jpg




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.03.18 14:35.

Re: Völlig barrierefrei geht nicht.

geschrieben von: Anbeku

Datum: 13.03.18 14:39

Hannes Kuhnert schrieb:
Es gibt auch reale Straßenbahnbetriebe, wo es ohne Klapprampe, ohne Hubplattform und ohne Stufe (> 5 cm) geht. Warum so tun, als wären bewegliche Rampen oder Lifte als Regellösung nötig?

Mit modernen Niederflurstraßenbahnen ist es zumindest technisch kein Problem, einen höhengleichen Einstieg überall zu realisieren. Bei Bussen ist das technisch ausgeschlossen. Zum einen kann man da den Fahrzeugboden nicht noch tiefer legen, zum anderen lässt sich ohne Spurführung der Restspalt nicht zuverlässig begrenzen. Man kann natürlich fordern, überall Bushaltestellen mit Hochbordstein zu errichten, worauf es wohl auch hinauslaufen wird, aber ein Bus wird nie so barrierefrei sein können wie eine Straßenbahn, damit wird man sich wohl abfinden müssen.

Rampen sind meist keine Lösung

geschrieben von: Anbeku

Datum: 13.03.18 14:56

Twindexx schrieb:
Hauptmann Mumm schrieb:
Das ist richtig. Bis vor kurzem war das Thema in der Schweiz wesentlich weniger präsent als in Deutschland. Viele gar nicht besonders alte (und grundsätzlich auch gute) ÖPNV-Infrastrukuren sind daher nicht barrierefrei. Ein Beispiel dafür ist die Erschließung vieler Bahnsteige nur mit Treppen und Rampen, letztere aber bzgl. Barrierefreiheit zu steil.
Das stimmt so nicht, die Rampen gelten gemäss dem schweizerischen Behindertengleichstellungsgesetz als barrierefrei. Die nach 2003 erarbeitete Richtlinie für barrierefreie Bahnhöfe erlaubt diese Rampen als Neubau. Mit den Behindertenverbänden ist dies auch abgesprochen und wird dort nicht als Problem betrachtet.
Was werden da denn für Werte vorausgesetzt? In Deutschland gelten Rampen die steiler als 6% sind (bei sehr kurzen Rampen abweichend bis 10%) nicht mehr als voll barrierefrei, da sie von einem durchschnittlich sportlichen Rollstuhlfahrer nicht aus eigener Kraft befahren werde können. Zusätzlich muss alle 6 Meter ein Podest errichtet werden. Um einen Höhenunterschied von einem Meter barrierefrei zu überbrücken braucht man daher schon fast 20 m Rampenlänge (mit zweimal 1,5 m Podest). Größere Höhenunterschiede wie sie z.B. bei Unterführungen oder gar Brücken auftreten sind meist nicht sinnvoll mit Rampen zu überbrücken, da selten so viel Platz zu Verfügung steht und die Wege sehr lang werden.
kmueller schrieb:Hauptmann Mumm schrieb:
Hauptmann Mumm schrieb:
Das ist richtig. Bis vor kurzem war das Thema in der Schweiz wesentlich weniger präsent als in Deutschland. Viele gar nicht besonders alte (und grundsätzlich auch gute) ÖPNV-Infrastrukuren sind daher nicht barrierefrei. Ein Beispiel dafür ist die Erschließung vieler Bahnsteige nur mit Treppen und Rampen, letztere aber bzgl. Barrierefreiheit zu steil.
Das erreicht man in Deutschland selbst nach erfolgreichem Umbau problemlos durch Schilder mit der Aufschrift 'außer Betrieb' (von Rolltreppen und Aufzügen).

Die Schweizer Rampen würde man sich in diesem Fall wirklich wünschen. Irgendwer findet sich nämlich, der den Rolli schiebt.
Durchaus optimistisch. dass sich da jemand findet...
Das schlimme ist aber, dass man in der Planung immer noch denkt - lieber einen Aufzug als eine Rampe zu bauen. Für Maintal-Ost sind bspw. drei Aufzüge vorgesehen: Einen am Bahnsteig und zwei an den Zugängen. Dumm nur, wenn just einer ausfällt - dann kann man ohne Stufen zu gehen nicht vom einen Ortsteil zum anderen gelangen...

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Das ist ja immer wunderschön auf der Politik herumzuhacken. Kommt gut und man kann mal richtig Dampf ablassen...

Natürlich wartet ein Bundesverkehrsminister den ganzen Tag darauf, sich die Bauzeichnungen von jedem Bahnsteig und von jeder Baustelle Deutschlands vorlegen zu lassen. Er hätte sonst ja nichts zu tun und würde nur dumm aus seiner Dienstlimousine schauen. Im Fall Magdeburg hat Herr Dobrindt natürlich persönlich Hand angelegt und die Höhe der Bahnsteige willkürlich nach oben korrigiert. Warum nur bin ich bin zunehmend von dem Gefühl beseelt, das es offenbar nicht wenige Zeitgenossen gibt, die glauben Politik funktioniert so?

VG Günter
Der Bus wird wahrscheinlich schneller barrierefrei sein wie die Bahn. Denn eine virtuelle Spurführung dürfte mit heutigen leicht Mitteln machbar sein. Dazu die hohen runden Randsteine die den Reifen führen und schon steht jeder Bus perfekt wie die Straßenbahn an der Haltestelle.
Bei einer Bahn wo man eine EBO von 1905 wie das Gesetz Gottes vor sich herträgt scheint mir weder Vernunft noch Zukunftsfähigkeit gegeben. Die schafft sich lieber selber ab, als eine Veränderung.
Cargoknipser schrieb:
Das ist ja immer wunderschön auf der Politik herumzuhacken. Kommt gut und man kann mal richtig Dampf ablassen...

Natürlich wartet ein Bundesverkehrsminister den ganzen Tag darauf, sich die Bauzeichnungen von jedem Bahnsteig und von jeder Baustelle Deutschlands vorlegen zu lassen.
Es würde vermutlich ausreichen, im Falle eines Verstoßes soviel Aufwand in ein Bußgeldverfahren zu investieren, wie es bei Parkzeitüberschreitung oder Schwarzfahrt anfällt. Für den Rest würden die Betriebswirte des Betreibers sorgen.

Manche deutsche IC(E)-Bahnhöfe wären in manchen Ausländern sogar schon geschlossen worden, ich denke u.a. an Köln-Deutz tief, Würzburg und Freilassing.

Mal wieder Theorie und Praxis

geschrieben von: linie7484

Datum: 13.03.18 15:50

Haltlos schrieb:
Der Bus wird wahrscheinlich schneller barrierefrei sein wie die Bahn. Denn eine virtuelle Spurführung dürfte mit heutigen leicht Mitteln machbar sein. Dazu die hohen runden Randsteine die den Reifen führen und schon steht jeder Bus perfekt wie die Straßenbahn an der Haltestelle.
Bei einer Bahn wo man eine EBO von 1905 wie das Gesetz Gottes vor sich herträgt scheint mir weder Vernunft noch Zukunftsfähigkeit gegeben. Die schafft sich lieber selber ab, als eine Veränderung.
Dass setzt allerdings auch vorraus dass diese auch genutzt werden kann. In der Realität wird der Bus dann nicht selten, anders halten müssen, da wieder irgendwelche Autos so dämlich parken, dass der Bus eben nicht dicht genug an den Bordstein kommt.

Und spätestens dann ist der Fahrgast froh, wenn es doch noch eine Klapprampe gibt, auch wenn diese unter Optimalbedigungen nicht nötig wäre.

Die Praxis läuft leider nicht immer schön nach Drehbuch.

Soll und Muss

geschrieben von: linie7484

Datum: 13.03.18 16:04

kmueller schrieb:
StellwerkPsf schrieb:
"Wo bitte steht hier Bitte irgendetwas von einer Verpflichtung für eine Höhe von 76 cm? "

Deine Frage zeigt, dass Du offenbar nicht mit dem Lesen und korrekten Interpretieren von technischen Verordnungen vertraut bist.

Die Verpflichtung ergibt sich dadurch, dass hier eine Soll-Angabe von 76 cm besteht.
Im Bahnwesen gilt aber ein Sonderrecht, in dem 'soll' dasselbe wie 'egal' ist. Sonst könnte man nicht in Stuttgart einen 10Mrd.-Bahnhof an allen 'Soll'-Vorschriften vorbeibauen.
Das ist nicht nur im Bahnwesen so, eine "soll" Vorschrift ist eben keine "muss" Vorschrift.

Ich kann mich da noch recht gut an eine Diskussion zum Thema Lobbyisten und Gesetze mitschreiben erinnern, dort ging es darum dass gewisse Lobbyisten ein Interesse daran haben, dass im Gesetzestext soll statt muss steht.
Cargoknipser schrieb:
Das ist ja immer wunderschön auf der Politik herumzuhacken. Kommt gut und man kann mal richtig Dampf ablassen...

Natürlich wartet ein Bundesverkehrsminister den ganzen Tag darauf, sich die Bauzeichnungen von jedem Bahnsteig und von jeder Baustelle Deutschlands vorlegen zu lassen. Er hätte sonst ja nichts zu tun und würde nur dumm aus seiner Dienstlimousine schauen. Im Fall Magdeburg hat Herr Dobrindt natürlich persönlich Hand angelegt und die Höhe der Bahnsteige willkürlich nach oben korrigiert. Warum nur bin ich bin zunehmend von dem Gefühl beseelt, das es offenbar nicht wenige Zeitgenossen gibt, die glauben Politik funktioniert so?

VG Günter

Widerspruch.
Aus dem System Bahn heraus ist eine zeitgemäße barrierefreie Beschaffungs- und Bauplanung ganz offenbar nicht zu machen.
Der Tenor hier aus "Fachkreisen" spricht Bände.

Einen Rahmen für barrierefreien Eisenbahnverkehr zu setzen als langfristige, aber konsequente und schlüssige Zielvorgabe, wäre aus meiner Sicht deshalb genau das, was die Politik hier leisten könnte und müsste.

Gruß KG

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