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Re: Kilometer- und Relationstarife

geschrieben von: Andreas Schulz

Datum: 04.08.26 15:46

frank paulsen schrieb:
Andreas Schulz schrieb:
Übrigens kostet die gleiche Relation - und dank schlankerer Umsteigezeiten gar nicht mal wesentlich langsamer - 34 €. Basierend auf einem Landes-Kilometertarif, kein Länderticket. Das wäre eine Basis, wie früher beim D- und IC-Zug einen Zuschlag drauf, fertig.
Die Deutsche Bundesbahn wollte bereits zur Einführung des ICE weg von Kilometertarifen, hin zu einem Relationstarif. Die Idee war, die Relationen in einem "Bahnbuch" zu veröffentlichen, weil zu der Zeit die Ausstattung der Bevölkerung mit Online-Zugängen trotz BTX noch eher gering war.

Und ja, das war natürlich vor der "Privatisierung", und scheiterte damals an der Komplexität des Vorhabens.

Die Logik dahinter ist aber bis heute unverändert: Wenn man bestimmte Verbindungen nicht endlos ausbauen kann, wie das z.B. bei Autobahnen gemacht wird, dann müssen Zugangsbeschränkungen stattfinden, und in einer Marktwirtschaft bietet sich da der Preis an.
Ja, das ist korrekt. Mit Einführung des ICE im Jahr 1991 wurden Relationspreise eingeführt, Zuschläge gab es aber weiterhin für IC und D/IR. Allerdings - und das ist der Unterschied zu heute - waren die Relationspreise auch fix, und änderten sich nicht je nach Tag, Wetterlage oder sonstwas.

Re: Bitte eine belastbare Quelle benennen

geschrieben von: Sebastian Berlin

Datum: 04.08.26 16:33

Moin!
LIW schrieb:
Es geht hier nicht um Bilanzkosmetik, sondern um die Fahrpreise, genug abgelenkt.
Korrekt. Und die Fahrpreise werden durch DB Fernverkehr so kalkuliert, dass im Idealfall alle Kosten inkl. Abschreibungen des Rollmaterials und auch Zinsen für Kredite damit gedeckt werden.

In den vergangenen Jahren hatte man damit Probleme, gleichzeitig wurden die Flexpreise in letzter Zeit nicht erhöht, wenn ich es richtig erinnere. Nun fährt man einen Sparkurs und zusätzlich werden vielleicht auch noch die Sparpreis-Kontingente reduziert. Dauerhaft rote Zahlen darf man nicht schreiben.

Ob es mit dem aktuellen Preismodell im Hinblick auf weiterhin zulaufende Neufahrzeuge und damit steigende Abschreibungen funktioniert, sei einmal dahingestellt.

Grüße aus dem Nordwesten
Sebastian




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.08.26 16:34.

Re: Vorbild Frankreich?

geschrieben von: Sebastian Berlin

Datum: 04.08.26 16:39

Moin!
bahamas schrieb:
In Frankreich soll künftig das Familieneinkommen und nicht das Alter oder der Status des einzelnen Passagiers berücksichtigt werden.
Und wo ist dieses Familieneinkommen dann jeweils hinterlegt, um den Preis zu ermitteln? Da gibt's ja auch Änderungen...

Grüße aus dem Nordwesten
Sebastian
Moin!

Sparpreise und Super-Sparpreise sind klar kommuniziert begrenzte Angebote. Da kann man nicht erwarten, dass sie immer und vor allem zu nachfragestarken Zeiten verfügbar sind.

Flexpreise erscheinen mir auch nicht per se überteuert. Ich habe gerade eine Fahrt von meinem Wohnort nach Dänemark und zurück gebucht - Freitag hin und Sonntag zurück. Das sind also die nachfragestarken Zeiten. Trotzdem zahlen ich für den Flexpreis-Europa für Hin- und Rückweg in Summe "nur" 134€.

Mit Super-Sparpreis hätte ich für wenig Flexibilität 12€ weniger gezahlt. Der Unterschied ist also nicht so groß.

Und was wäre die Alternative?
1) Eigenes Auto: 804km Fahrstrecke - würde mindestens eine Tankfüllung bedeuten. Zudem fehlt dann Frau und Kindern im Notfall der fahrbare Untersatz. Die Tankfüllung kostet aktuell aber auch locker 130€.
2) Fernbus: 110€ mit Flixbus, Fahr- bzw. Abfahrtszeiten jenseits von gut und böse.

Von daher steht die DB gar nicht so schlecht da.

Grüße aus dem Nordwesten
Sebastian

Re: Ganz klarer Einspruch!

geschrieben von: LIW

Datum: 04.08.26 17:13

Stammstrecke 4 schrieb:


MD 612 schrieb:
Zitat:
Und wer fernpendelt, hat sich das selbst ausgesucht.
Das stimmt.

Quatsch. Firmen ziehen um, lösen Standorte auf, Jobs wechseln. In welcher Blase lebst du? Weißt du wie teuer ein Umzug ist und ein neuer Mietvertrag? Die Leute müssen pendeln, natürlich überwiegend an den Wochenenden, und die kassiert die Bahn dann doppelt ab, mit überhöhten Preisen und fehlenden Sonderangeboten.
MD 612 schrieb:
Die allermeisten Fahrgäste fahren günstig bzw. halbwegs günstig. Für die ist das kein Ärgernis, sie buchen einfach rechtzeitig. Die meisten Fahrten sind zeitig genug planbar.

Gegeben dass der Steuerzahler für teures Geld eine Infrastruktur finanziert, die auf den Hauptstrecken Takte ermöglicht die schon Richtung S-Bahn gehen:

Wieso sollte man "die meisten Fahrten zeitig planen"? Was ist der gesellschaftliche Mehrwert die Nutzung der vom Steuerzahler finanzierten Infrastruktur so aufzusetzen, dass zwar z.B. alle 30 Minuten ein ICE fährt, die meisten Fahrgäste aber nicht zu spontanen Entscheidungen die das ausnützen in der Lage sind - eben genau so wie man mit einer S-Bahn umgeht, spontan einen anderen Takt des dichten Angebots zu nehmen.

Also, warum sollte man?

Das spricht im übrigen nicht dagegen, abhängig von der prognostizierten Auslastung verschieden viel Geld zu verlangen. Aber eben garniert mit kostengünstigen Umbuchungsmöglichkeiten, bei der man eben den Differenzbetrag zahlt/zurückbekommt, und nicht eine Strafgebühr fürs Umbuchen, die weit vom realen Aufwand des Verkehrsunternehmens entfernt ist, oben drauf.

Es kann mir nämlich niemand erzählen dass die DB nicht schon relativ genau weiß, welche Züge wie stark nachgefragt sein werden --- das könnte man auch gleich im Preis abbilden, statt eine Lotterie bei der diejenigen die sich monatelang vorher festlegen gewinnen, dazwischenzuschalten.

Und bzgl. der Unterschiede zwischen Spar- und Flexpreisen: Schweden ist im Bahnverkehr unverdächtig in alten Zeiten zu verharren. Und dort finde ich bei einer Stichprobe für Morgen (7:19 Stockholm-Malmö) aktuell z.B. folgende Preise: 1125 Kronen nicht umbuchbar, 1225 Kronen umbuchbar, 1375 Kronen erstattbar. Da ist bei der DB der Unterschied zwischen den (Super-)Sparpreisen und den Flexpreisen aber deutlich größer...
r125 schrieb:
Was ist der gesellschaftliche Mehrwert die Nutzung der vom Steuerzahler finanzierten Infrastruktur so aufzusetzen, dass zwar z.B. alle 30 Minuten ein ICE fährt, die meisten Fahrgäste aber nicht zu spontanen Entscheidungen die das ausnützen in der Lage sind - eben genau so wie man mit einer S-Bahn umgeht, spontan einen anderen Takt des dichten Angebots zu nehmen.
Also, warum sollte man?
Weil eine gleichmäßige Auslastung für denselben Verkehr (im Sinne von: dieselben Passagier- bzw. Tonnenkilometer) weniger Infrastruktur, Fahrzeuge, Personal etc. braucht?
Die muss nämlich jemand bezahlen. Und bemessen sein müssen sie nicht am Durchschnitt, sondern an der Spitze. Es ist volkswirtschaftlich absolut sinnvoll, Nachfrage nach Verkehr oder auch sonstiger Infrastruktur so gut wie möglich zu verteilen. Und das heißt in diesem Fall: Leute, die sich die Fahrzeit aussuchen können, zum Ausweichen auf gering ausgelastete Zeiten zu motivieren.

Übrigens kann man immer noch auch freitags jeden ICE nehmen - muss dann nur ggf. etwas mehr dafür bezahlen und, wenn man Pech hat, im Gang stehen. Dagegen kann es z.B. in Frankreich passieren (Reservierungspflicht!), dass man die nächsten drei Stunden von Paris aus in die gewünschte Richtung nicht mehr wegkommt. Ist das besser?
kariadsko schrieb:
r125 schrieb:
Was ist der gesellschaftliche Mehrwert die Nutzung der vom Steuerzahler finanzierten Infrastruktur so aufzusetzen, dass zwar z.B. alle 30 Minuten ein ICE fährt, die meisten Fahrgäste aber nicht zu spontanen Entscheidungen die das ausnützen in der Lage sind - eben genau so wie man mit einer S-Bahn umgeht, spontan einen anderen Takt des dichten Angebots zu nehmen.
Also, warum sollte man?
Weil eine gleichmäßige Auslastung für denselben Verkehr (im Sinne von: dieselben Passagier- bzw. Tonnenkilometer) weniger Infrastruktur, Fahrzeuge, Personal etc. braucht?
Die muss nämlich jemand bezahlen. Und bemessen sein müssen sie nicht am Durchschnitt, sondern an der Spitze. Es ist volkswirtschaftlich absolut sinnvoll, Nachfrage nach Verkehr oder auch sonstiger Infrastruktur so gut wie möglich zu verteilen. Und das heißt in diesem Fall: Leute, die sich die Fahrzeit aussuchen können, zum Ausweichen auf gering ausgelastete Zeiten zu motivieren.

Bitte meinen Beitrag nach dem Zitat weiterlesen. Und erst Erfassen was ich geschrieben habe, und dann darauf antworten, danke!

Ich zitiere mich selber nochmal, für diejenigen die zu früh das Lesen aufgehört haben:

"Das spricht im übrigen nicht dagegen, abhängig von der prognostizierten Auslastung verschieden viel Geld zu verlangen. Aber eben garniert mit kostengünstigen Umbuchungsmöglichkeiten, bei der man eben den Differenzbetrag zahlt/zurückbekommt, und nicht eine Strafgebühr fürs Umbuchen, die weit vom realen Aufwand des Verkehrsunternehmens entfernt ist, oben drauf.

Es kann mir nämlich niemand erzählen dass die DB nicht schon relativ genau weiß, welche Züge wie stark nachgefragt sein werden --- das könnte man auch gleich im Preis abbilden, statt eine Lotterie bei der diejenigen die sich monatelang vorher festlegen gewinnen, dazwischenzuschalten."
r125 schrieb:
kariadsko schrieb:
r125 schrieb:
Was ist der gesellschaftliche Mehrwert die Nutzung der vom Steuerzahler finanzierten Infrastruktur so aufzusetzen, dass zwar z.B. alle 30 Minuten ein ICE fährt, die meisten Fahrgäste aber nicht zu spontanen Entscheidungen die das ausnützen in der Lage sind - eben genau so wie man mit einer S-Bahn umgeht, spontan einen anderen Takt des dichten Angebots zu nehmen.
Also, warum sollte man?
Weil eine gleichmäßige Auslastung für denselben Verkehr (im Sinne von: dieselben Passagier- bzw. Tonnenkilometer) weniger Infrastruktur, Fahrzeuge, Personal etc. braucht?
Die muss nämlich jemand bezahlen. Und bemessen sein müssen sie nicht am Durchschnitt, sondern an der Spitze. Es ist volkswirtschaftlich absolut sinnvoll, Nachfrage nach Verkehr oder auch sonstiger Infrastruktur so gut wie möglich zu verteilen. Und das heißt in diesem Fall: Leute, die sich die Fahrzeit aussuchen können, zum Ausweichen auf gering ausgelastete Zeiten zu motivieren.
Bitte meinen Beitrag nach dem Zitat weiterlesen. Und erst Erfassen was ich geschrieben habe, und dann darauf antworten, danke!

Ich zitiere mich selber nochmal, für diejenigen die zu früh das Lesen aufgehört haben:

"Das spricht im übrigen nicht dagegen, abhängig von der prognostizierten Auslastung verschieden viel Geld zu verlangen. Aber eben garniert mit kostengünstigen Umbuchungsmöglichkeiten, bei der man eben den Differenzbetrag zahlt/zurückbekommt, und nicht eine Strafgebühr fürs Umbuchen, die weit vom realen Aufwand des Verkehrsunternehmens entfernt ist, oben drauf.

Es kann mir nämlich niemand erzählen dass die DB nicht schon relativ genau weiß, welche Züge wie stark nachgefragt sein werden --- das könnte man auch gleich im Preis abbilden, statt eine Lotterie bei der diejenigen die sich monatelang vorher festlegen gewinnen, dazwischenzuschalten."
Keine Ahnung, wieso das meine Antwort widerlegen sollte? Klär mich mal bitte auf.

Natürlich hat die DB schon vorher eine Vorstellung, wie voll die Züge werden. Genau deshalb bietet sie doch für freitags und sonntags weniger Sparpreise an.

Und es ist an tausend Stellen auch außerhalb der Bahn normal, dass Billigangebote vom Umtausch ausgeschlossen sind. Das ist doch gerade ein Teil der Lenkung, dass sich die Leute fragen, ob ihnen die Flexibilität den Aufpreis wert ist.
kariadsko schrieb:
Keine Ahnung, wieso das meine Antwort widerlegen sollte? Klär mich mal bitte auf.

Ich denke aus meinem Beitrag ging klar hervor dass wir wenn dann über das "Wie", nicht das "Ob" der Lenkung diskutieren.

Zitat:
Natürlich hat die DB schon vorher eine Vorstellung, wie voll die Züge werden. Genau deshalb bietet sie doch für freitags und sonntags weniger Sparpreise an.

Und wenn sie die von vornherein berechenbar in unterschiedliche Preise abbildet ist das keine Lenkung?

Zitat:
Und es ist an tausend Stellen auch außerhalb der Bahn normal, dass Billigangebote vom Umtausch ausgeschlossen sind. Das ist doch gerade ein Teil der Lenkung, dass sich die Leute fragen, ob ihnen die Flexibilität den Aufpreis wert ist.

Lenkung wohin?

In weniger nachgefragte Züge? Dafür sollte es reichen die spürbar günstiger anzubieten, verglichen mit den stärker nachgefragten.

Wenn es natürlich darum geht, 10 Prozent der Fahrgäste in Tickets zum Mehrfachen Preis zu lenken, dann bekräftigt das eher meine Kritik.

Nämlich dass wir uns als Steuerzahler eine Infrastruktur leisten, für dichte Takte, und die Nutzung dann so aufsetzen dass die meisten Nutzer die Flexibilität in der Praxis nicht sehen.
r125 schrieb:
Nämlich dass wir uns als Steuerzahler eine Infrastruktur leisten, für dichte Takte, und die Nutzung dann so aufsetzen dass die meisten Nutzer die Flexibilität in der Praxis nicht sehen.
Doch, denn es dürften deutlich mehr Nutzer im Nahverkehr mit dichteren Takten unterwegs sein. Wir leisten uns diese Infrastruktur ja nicht nur für ein paar ICE im Halbstundentakt.

Von der Infrastruktur, sofern sie ausreichend dimensioniert wäre, profitieren sämtliche Arten des Schienenverkehrs. Das hat aber keinen Einfluss auf die Fahrgastlenkung eines Unternehmens.

Grüße aus dem Nordwesten
Sebastian
r125 schrieb:
kariadsko schrieb:
Keine Ahnung, wieso das meine Antwort widerlegen sollte? Klär mich mal bitte auf.
Ich denke aus meinem Beitrag ging klar hervor dass wir wenn dann über das "Wie", nicht das "Ob" der Lenkung diskutieren.
Der von mir zitierte Absatz Deines Beitrags ließ sich nur so lesen, dass Du davon ausgehst, es müsste auch zu vollsten Zeiten immer ein Angebot da sein, dessen Preis niemandem wehtut. Das lehnt im Grunde eine Lenkung komplett ab (oder akzeptiert sie nur so geringfügig, dass sie ihren Zweck verfehlt). Und daran ändern die folgenden Absätze nichts, Dein jetziger Beitrag verstärkt den Eindruck eher noch.

r125 schrieb:
Lenkung wohin?

In weniger nachgefragte Züge? Dafür sollte es reichen die spürbar günstiger anzubieten, verglichen mit den stärker nachgefragten.

Wenn es natürlich darum geht, 10 Prozent der Fahrgäste in Tickets zum Mehrfachen Preis zu lenken, dann bekräftigt das eher meine Kritik.

Nämlich dass wir uns als Steuerzahler eine Infrastruktur leisten, für dichte Takte, und die Nutzung dann so aufsetzen dass die meisten Nutzer die Flexibilität in der Praxis nicht sehen.
Komisch. Die Züge freitags sind voll. Also sehen doch offensichtlich die meisten Nutzer diese Flexibilität in der Praxis.
Weiter oben hat übrigens "Lambrechter" vorgerechnet, dass gemessen an der realen Kaufkraft die heutigen Flexpreise (sic!) sogar billiger sind als in den 1980ern die ach so tolle Bundesbahn.

Wer natürlich den Supersparpreis als "Normalpreis" nimmt und nicht als das, was er ist (nämlich ein Billigangebot, bei dem man wie bei allen Billigangeboten das Kleingedruckte lesen und akzeptieren muss), dem kann ich nur zurufen: Selbst schuld.
kariadsko schrieb:
r125 schrieb:
kariadsko schrieb:
Keine Ahnung, wieso das meine Antwort widerlegen sollte? Klär mich mal bitte auf.
Ich denke aus meinem Beitrag ging klar hervor dass wir wenn dann über das "Wie", nicht das "Ob" der Lenkung diskutieren.
Der von mir zitierte Absatz Deines Beitrags ließ sich nur so lesen, dass Du davon ausgehst, es müsste auch zu vollsten Zeiten immer ein Angebot da sein, dessen Preis niemandem wehtut.

Nein, das steht da nicht.

Weil: Lenkung zu bestimmten Verbindungen ist etwas anderes als Lenkung dazu, möglichst früh zu buchen, wie es derzeit stattfindet.

Beispiel:
Eine bestimmte Verbindung kostet Freitag Nachmittag 100 Euro, und Samstag Vormittag 50 Euro.

Willst du bestreiten, dass eine Lenkung zum Samstag Vormittag stattfindet?

Ich behaupte, die Lenkung findet auch dann noch statt, wenn man Freitag Mittag von Freitag Nachmittag auf Samstag Vormittag umbuchen kann (und näherungsweise, minus Transaktionskosten, 50 Euro zurückbekommt), oder andersherum von Samstag Vormittag auf Freitag Nachmittag umbuchen kann (und 50 Euro drauflegen muss).

Wenn ich in einem Zug zur Hauptverkehrszeit sitze, und das teures Geld gekostet hat, ist es finanziell schmerzhaft, egal ob die (Um-)Buchung vor fünf Minuten, oder vor einem Monat stattfand.

r125 schrieb:
Komisch. Die Züge freitags sind voll. Also sehen doch offensichtlich die meisten Nutzer diese Flexibilität in der Praxis.

Oh doch.

Die Konkurrenz, das Auto, hat diese Bindung an bestimmte Zeitpunkte nicht.

Natürlich erzeugt die Preisgestaltung Stress bei den Nutzern, "eigentlich wäre eine halbe Stunde später besser, aber der Sparpreis ist nunmal so gebucht", er wird halt akzeptiert, weil die gleichwertige Alternative fehlt.

Zitat:
Wer natürlich den Supersparpreis als "Normalpreis" nimmt und nicht als das, was er ist (nämlich ein Billigangebot, bei dem man wie bei allen Billigangeboten das Kleingedruckte lesen und akzeptieren muss), dem kann ich nur zurufen: Selbst schuld.

Bitte unterstlele mir nicht Meinungen, die ich weder habe noch geschrieben habe.

Mein Argument ist der Zeitpunkt zu dem man sich entscheiden muss, nicht die absolute Höhe des Preises. Da finde ich so manche Supersparpreise auch viel zu billig.
Sebastian Berlin schrieb:
r125 schrieb:
Nämlich dass wir uns als Steuerzahler eine Infrastruktur leisten, für dichte Takte, und die Nutzung dann so aufsetzen dass die meisten Nutzer die Flexibilität in der Praxis nicht sehen.
Doch, denn es dürften deutlich mehr Nutzer im Nahverkehr mit dichteren Takten unterwegs sein. Wir leisten uns diese Infrastruktur ja nicht nur für ein paar ICE im Halbstundentakt.

Nicht nur, aber durchaus auch.

Beispiel: Sowas wie Nürnberg-Ingolstadt, wäre das in der Form gebaut worden wenn es nicht um schnellen Fernverkehr nach München gegangen wäre?

Zitat:
Von der Infrastruktur, sofern sie ausreichend dimensioniert wäre, profitieren sämtliche Arten des Schienenverkehrs. Das hat aber keinen Einfluss auf die Fahrgastlenkung eines Unternehmens.

Der Steuerzahler hat das Geld im besagten Beispiel Nürnberg-Ingolstadt aber schon dafür ausgegeben, in dichtem Takt und schnell von Nürnberg nach Ingolstadt und weiter nach München fahren zu können.

In dem Sinn bin ich schon der Meinung dass ein Unternehmen mit seiner Strategie der Fahrgastlenkung nicht im luftleeren Raum arbeitet. Zumindest sollte es nicht so sein, meiner Meinung nach.
"Fahrgastlenkung" ist ein falscher Ansatz. Die Staatsbahn DB hat einen Bedarf zu decken. Den der deutschen Steuerzahler und Bahnkunden. Die Atttüde, irgendwen mit Strafpreisen zu "erziehen", da man ja als Bahn besser weiß, wann die anderen zu fahren haben, ist falsch. Das geht beim Güterverkehr ja genauso nach hinten los.

Was gerade passiert ist, dass die Bahn mit der Brechstange ihre Einnahmen erhöhen will/soll, einseitig bei den ihr ausgelieferten Fahrgästen, ab und zu noch marketingmäßig mit möglichst lauten Sonderangeboten Politik und Medien gefallen will, und gleichzeitig ihr Angebot zusammen streicht, während ihre eigenen Baustellen und Generalsanierungen den Betrieb lahm legen.
Das System müsste mal umgebaut werden. Planwirtschaft funktioniert nicht und nicht mal die Pläne der Bahn funktionieren ja.

Vorschläge:
1. Zugbindungen grundsätzlich aufheben. Wenigstens so lange die Bahn als System derartig unpünktlich ist.
2. Wieder ein System von Normalpreisen einführen, die oberen Flex-Wucherpreise sofort wegstreichen.
3. Mit allen "Normal"-Karten immer eine Reservierung gratis dazu geben.
4. Bei starker "schuldloser" Überfüllung, etwa nach ausgefallenen Zügen und dem nächsten dann mit Doppelbesetzung, verbindliche Regeln zur großzügigen Freigabe der 1. Klasse.
5. Taxi und Hotelgutscheine aufs Handy, bei abendlichem Verpassen oder Streichen der letzten Züge
6. Entschädigungen einfach sofort aufs Handy, auf Wunsch einfach an das Konto, das bezahlt hatte oder ein anderes gewünschtes.
7. Verkleinerung der 1. Klasse und Verkleinerung bzw. kompletter Umbau von übergroßen Fahrradabteilen, so dass diese -falls wieder mal leer- auch als Sitzabteil genutzt werden können.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.08.26 20:33.

Re: Ganz klarer Einspruch!

geschrieben von: schienenbär42

Datum: 04.08.26 20:44

MD 612 schrieb:
Wie wäre es mit Berlin (betreffs Prignitz und Altmark) oder Nürnberg (betreffs Oberfranken)? Man kann natürlich auch eine Stelle annehmen, die nicht so gut bezahlt wird, wenn man die Differenz mit gesparten Reisekosten und gesparter Lebenszeit wieder reinholt. Andererseits geht es beim Fernpendeln regelmäßig auch um Pendlerstrecken zwischen Metropolen wie bspw. Leipzig - Berlin, Frankfurt/M. - Köln/Bonn, Hamburg - Düsseldorf oder München - Stuttgart. Im Regelfall absolut unnötig...
Ich finde es sehr seltsam, die Wahl von Wohn- und Arbeitsort anderer als "im Regelfall absolut unnötig" zu bezeichnen, nur weil sie weit von einander entfernt liegen.

Wie ja schon geschrieben, nicht alle suchen sich das aus, durch Standortverlagerungen verlängern sich manche Pendelstrecken stark. Und nicht jeder kann aus familiären Hintergründen hinterherziehen - und nicht jeder möchte sein Umfeld verlassen.
Nicht jeden Job und jede Branche gibt es in jeder Region - als Wissenschaftler muß man z.B. erstmal eine Uni finden, an der das eigene Fachgebiet vertreten ist und an der auch eine passende Stelle frei ist.

Diejenigen, die das Fernpendeln zu stark belastet, werden schon aus eigenem Antrieb versuchen, dann vielleicht doch einen Job näher an zuhause zu finden, der die eigenen Anforderungen erfüllt.

Viele andere haben sich aber auch daran gewöhnt und es ist einfach Teil des Lebens.
Wer nach festem Schema reist, weiß genau, wann die Sparpreise freigeschaltet werden, und bucht dann sofort den nächsten Monat oder länger zur günstigsten Sparpreisstufe - gerne auch mal 1. Klasse, weil der Unterschied dann gering ist. Falls mal eine Fahrt doch ausfällt, ist das immer noch günstiger, als später zu buchen.

Wer nur ganz kurzfristig planen kann, hat eine BC100 - bei 3x Flexpreis pro Monat dürfte die sich rechnen.

Und dazwischen gibt es die, die mittelfristig planen. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten: auch die wissen, wie viel Vorlauf man auf der persönlichen Strecke braucht, um immer noch günstige Sparpreise zu bekommen - und welche Züge diese am häufigsten bieten. Logischerweise bekommt man nicht die günstigste Stufe, aber immer noch weit unter Flexpreis. Dank Homeoffice lassen sich auch Fahrten mal auf Donnerstag Abend oder Montag Abend schieben - das spart zusätzlich und bringt auch gleich die gewünschte Verlagerung von den vollen Freitagen und Sonntagen.

Den Tip, dann doch in eine näher gelegene Stadt zu ziehen - also z.B. Altmark-Berlin statt Altmark-Frankfurt halte ich für absolut praxisfremd. Nicht nur, weil man erstmal einen Job finden muß - mit allen Risiken, daß der sich als doch nicht so attraktiv herausstellt wie gedacht. Und nicht jeder fühlt sich in jeder Stadt wohl, da gibt es schon starke Unterschiede - und die sind nicht immer entfernungsabhängig.
Man muß auch wieder eine neue Wohnung suchen - das halte ich in keiner der von Dir aufgezählten Städte für einfach und schon gar nicht günstig.
Viele Fernpendler bauen sich auch an ihrem Arbeitsort ein persönliches Umfeld mit Freunden auf - das würde dann verloren gehen und man startet bei Null.
Und dank Sparpreisen oder BC100 muß eine längere Verbindung auch nicht zwingend teurer sein als eine kürzere.

Klar, die Hin- und Herfahrerei ist manchmal schon nervig - aber dabei kommt es nicht so sehr auf plus/minus eine oder zwei Stunden an. Wenn, dann wieder komplett zurück - ein Fernpendel-Ortswechsel ist dann halber Kram. Mit Job- und Wohnungssuche und dem Umzug geht auch viel Lebenszeit drauf, und es ist nicht garantiert, daß man dafür mehr Lebensfreude erhält. Es sei denn, am neuen Ort winkt der Traumjob - aber das ist eine ganz andere Entscheidungsbasis...

Viele Grüße
Björn / schienenbär42



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.08.26 20:47.

Re: Ganz klarer Einspruch!

geschrieben von: MD 612

Datum: 04.08.26 20:48

LIW schrieb:
MD 612 schrieb:
Und wer fernpendelt, hat sich das selbst ausgesucht.
Quatsch. Firmen ziehen um, lösen Standorte auf, Jobs wechseln.
Das ist kein Quatsch. Keiner wird gezwungen fernzupendeln. Wenn die Firma umzieht, hat man die Wahl mitzuziehen, fernzupendeln oder sich einen anderen Job vor Ort zu suchen. Es gibt ja nicht nur diese eine Firma. Deswegen, wer fernpendelt, hat sich das selbst ausgesucht. Und wenn man den Job ohnehin wechselt, muss es ja nun wirklich kein neuer in 200km und mehr Entfernung sein. Selbst wenn der neue Job vor Ort nicht so gut bezahlt wird wie der in 200km Entfernung, man spart sich Kosten für's Pendeln und gewinnt viel Lebenszeit für sich und die Familie. Insgesamt also ein Gewinn.

LIW schrieb:
Weißt du wie teuer ein Umzug ist und ein neuer Mietvertrag?
Ein neuer Mietvertrag ist nicht automatisch teurer als der alte. Zieh mal von Berlin nach Leipzig oder von Frankfurt/M. nach Mannheim oder Heidelberg. Es gibt Firmen, für die ist es gerade der Grund den Firmensitz zu verlagern, bezahlbaren Wohnraum für die Mitarbeiter und bezahlbare Firmenräume zu finden.

LIW schrieb:
Die Leute müssen pendeln, natürlich überwiegend an den Wochenenden, und die kassiert die Bahn dann doppelt ab, mit überhöhten Preisen und fehlenden Sonderangeboten.
Die Leute müssen gar nichts, siehe oben. Und von einer Aktiengesellschaft kann der Eigentümer erwarten, hohe Profite zu erwirtschaften. Unter anderem dadurch, die Gesetze des Marktes gnadenlos auszunutzen. Dann, wenn das Angebot knapp ist (volle Züge mit wenig freien Plätzen am Wochenende) steigt der Preis. Das ist Grundwissen aus der Schule, wenn man aufgepasst hat. Im Wirtshaus ist am Mittwoch Schnitzeltag für 9,99€, weil der Wirt Gäste anlocken will. Am Freitag, Sonnabend und Sonntag ist die Bude ohnehin voll, da gibt es das Schnitzel für 17,90€. Machst Du da dasselbe Fass auf wie hier?

Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

Re: Ganz klarer Einspruch!

geschrieben von: LIW

Datum: 04.08.26 20:51

Die BC100 ist allerdings aberwitzig teuer gemacht worden. Etwa immer wieder doppelt so stark verteuert wie die anderen Bahnpreise. Die BC100 haben nur noch wenige. Und im Gegenzug liefert die Bahn auch nicht mehr das versprochene Produkt. Da werden immer wieder Hauptachsen des Verkehrs für Reparaturen lange still gelegt und der Kunde fährt Stunden länger.
Und das genaue Vorplanen und Vorabkaufen von Rabattpreisen kann man eben auch nicht mit jeder Art von Job machen. Wer um fünf den Hammer fallen lassen kann sicher. Wer im Service ist oder von anderen abhängt, kann das oft nicht. Die zu bestrafen ist auch verkehrt, weil sich die Bahnblase das nicht vorstellen kann in ihrem geregelten Trott.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 04.08.26 20:52.

Re: Vorbild Frankreich?

geschrieben von: Sir_Tobias

Datum: 04.08.26 20:51

Und die überbordende Bürokratie , die es braucht, um die Steuerbescheide bzgl. Einkommenssteuer pro fahrender Familie auszuwerten? Nein danke, Reisen im Fernverkehr darf gerne durch Angebot und Nachfrage geregelt werden. Vielleicht sorgt ja Italo demnächst für etwas mehr Wettbewerb.
LIW schrieb:
Die Staatsbahn DB hat einen Bedarf zu decken.
Wo kann man nachlesen, dass die Bahn das zwingend zu tun hat? Wenn die Bahn morgen auf bestimmten Strecken den Fernverkehr einstellt, dann ist das so, egal ob Bedarf besteht oder nicht. Die Zeit der Planwirtschaft ist vorbei, gewöhn Dich dran. Wer nach Marktwirtschaft schreit, bekommt Marktwirtschaft, auch im Bahnfernverkehr. Im Übrigen wirst Du es nicht erleben, dass Flixtrain, Italo und wie sie alle heißen mögen am Freitag Nachmittag nennenswert preiswerte Sonderangebote raushauen werden.

LIW schrieb:
Vorschläge: [...]
Und wer finanziert wie diese tollen Vorschläge?

Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.
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