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kariadsko schrieb:
Merkst Du was? Solche Willkür erschwert einfach die so wichtige Kommunikation im täglichen Bahnbetrieb. Und das hat nichts mit Deiner Forderung an "anderssprachige Vergangenheit" zu tun.
OK, ich verstehe: Mit dem neuen System der gestotterten Zugnummern werden wir die deutsche (Eisen)Bahn wieder zurück in ein funktionsfähiges System führen.
So wie sie seit ca. 150 Jahren bereits eins war. Und noch viel besser: Wir verprellen die letzten rückwärtsgewandten Betriebseisenbahner und können jede Menge willfährige und widerspruchslose Seiten-, Oben- und Unteneinsteiger mit rudimentärer Sprachkompetenz ins System aufnehmen. Solche, die am liebsten sowieso nur mit künstlicher Intelligenz agieren. Schöne neue Welt. (Nicht mehr lange mit mir. Welch Glück!)
(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
geschrieben von: MD 612
Datum: 04.08.26 21:28
Fahrplanbureau schrieb:
Wir verprellen die letzten rückwärtsgewandten Betriebseisenbahner und können jede Menge willfährige und widerspruchslose Seiten-, Oben- und Unteneinsteiger mit rudimentärer Sprachkompetenz ins System aufnehmen.
Ohne diese Quereinsteiger wäre die deutsche Eisenbahn längst im Stillstand verfallen. Der doitsche Michel hat ja keine Lust auf Eisenbahn. Das wird aber der altehrwürdige Betriebseisenbahner aus seeliger Reichs- und Bundesbahnherkunft, der ohnehin bald in Rente geht, nicht verstehen. Der versteht ja auch nicht, dass diese Quereinsteiger meist einen guten Job machen, obwohl sie oft keinerlei Bezug zur Eisenbahn hatten, bevor sie den Quereinstieg bei der Bahn wagten. Der altehrwürdige Betriebseisenbahner aus seeliger Reichs- und Bundesbahnherkunft scheitert hingegen offensichtlich schon an der simplen Aufzählung von fünf hintereinander stehenden Ziffern, das kann er nur mit Stottern...
Solche Beiträge erinnern mich an genau die Zeiten, als unsere Generation bei der Eisenbahn anfing. Mit 18 Jahren durften wir alleine Rangierloks fahren, mit nichtmal 21 Jahren uneingeschränkt im Streckendienst auf Diesel- und E-Loks. Über uns als damalige Pimpfe rümpften damals die altehrwürdigen Lokführer, die einst in der Dampflokwerkstatt als Schlosser anfingen und später jahrelang als Heizer schaufeln mussten, bevor sie Dampflok und viele Jahre später E-Lok fahren durften, auch kräftig die Nase. Und diese damaligen Pimpfe, die schon mit 18 Jahren alleine als Lokführer unterwegs waren, rümpfen heute die Nase über gestandene Menschen, die sich mit langjährigem Arbeitsleben mit Mitte 40 oder Anfang 50 für einen Beruf bei der Eisenbahn entscheiden. Tolle Wurst...
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell
Wieso dauernd der Befehl als Beispiel? Ich habe doch ausdrücklich nicht vom Befehl gesprochen. Die paar Fälle abseits des Digitalen Befehl sind mir egal und da ist der offizielle Teil völlig in Ordnung.
Mir geht es um die normale Kommunikation, z. B. Rangierfahrt anmelden. Erkläre mir wieso nicht beides geht? Klar die meisten Fdl sagen ganz normal Gleis Sechzehn und nicht Eins-sechs, aber wo ist da das Problem?
Ich nehme da nur die alten Bezeichnungen und fast keinen stört es. Die neue Bezeichnung nutze ich nur beim Befehl, aber wie gesagt, kommt eigentlich kaum vor.
Ich verstehe das Problem nicht.
Von mir aus lasse ich mir das mit den Zugnummern noch eingehen, aber die Gleisbezeichnungen sind irre und potentielle Betriebsgefahren weil sie viel leichter verwechselt werden können.
MD 612 schrieb:
Bahnsteig13a schrieb:
Die Welt geht nicht unter, es ist einfach lächerlich, so spricht man nun mal keine Zahlen aus. Achtzig ist eben nicht Acht-null.
Siebenunddreißigfünfsechzehn ist also eine richtige Zahl? Ober Fünfzehnachtundzwanzig? Oder Sechseinundneunzig? Das ist es nämlich, was manche Kollegen mit anderssprachiger Vergangenheit unsicher werden lässt. Eben weil es keine richtigen Zahlenwörter sind.
Bahnsteig13a schrieb:
Das Alphabet ist mir egal
Ist dann völlig egal, was auf dem Befehl steht, wenn's mal nicht digital geht?
Bahnsteig13a schrieb:
Warum sollte man, weil 1-2 % damit besser klarkommen 98% was aufzwingen müssen?
Alter Spruch eines einst bekannten, äußerst korrekten Betriebsdienstlehrers an der Lokfahrschule Weißenfels: "Weil es in der Vorschrift steht. Punkt." Klare Aussage, die unsere Generation seit mehr als 40 Jahren intus hat, auch weil bei Bahnens im Betriebsdienst nicht jeder machen kann, was er will.
Bahnsteig13a schrieb:
Man kann ja gerne beide Systeme nutzen.
Kann man, darf man aber nicht. Und wenn der Fahrdienstleiter drauf besteht (und wenn's nur deshalb ist, weil jemand daneben steht), dann kann man es sich eben nicht raussuchen.
Bahnsteig13a schrieb:
Daher bin ich überrascht und erfreut wie viele auf beiden Seiten das richtige, bisherige System nutzen.
Was ist richtig? Mit Sicherheit nicht, was sich manch sturer Ewiggestriger denkt, der alles Neue ablehnt. Wir haben schon den Wechsel vom Bahnübergang zum Wegübergang und zurück zum Bahnübergang hinbekommen, wir sind von der Falschfahrt über die Linksfahrt zur Gegengleisfahrt gewandelt, wir haben die Wandlung von Hl13, Hf0 und Sv4 zum Hp0 und vom So16a zum Bü1 geschafft, wir haben den Vorsichtsbefehl ausgefüllt, der dann zum Befehl C wurde und später über den großen Zettel für alles zum digitalen Befehl wurde, da wird es doch an einer Einzel-Ziffer-Aussprache und am NATO-Alphabet nicht scheitern.
geschrieben von: kariadsko
Datum: 04.08.26 22:04
Bahnsteig13a schrieb:
Von mir aus lasse ich mir das mit den Zugnummern noch eingehen, aber die Gleisbezeichnungen sind irre und potentielle Betriebsgefahren weil sie viel leichter verwechselt werden können.
Warum sollte "eins-sechs" leichter verwechselt werden als "sechzehn"?
Da klingt es mir viel wahrscheinlicher, "sechzehn" und "sechzig" zu verwechseln.
geschrieben von: MD 612
Datum: 04.08.26 22:16
Bahnsteig13a schrieb:
Wieso dauernd der Befehl als Beispiel? Ich habe doch ausdrücklich nicht vom Befehl gesprochen.
Aber ich, weil es dazu gehört. Warum lenkst Du ab?
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell
geschrieben von: scfc
Datum: 05.08.26 11:55
Bei „eins-sechs“ kann ein Verschlucken zu 1, 6 und 16 führen, bei „sechzehn“ nur zu 10 und 16. Aber dafür wiederholt man ja, dann können alle Beteiligten prüfen, ob sie das Gleiche verstanden haben.
Ansonsten ist (außer vielleicht bei Befehlen) diese Formalisierung von oben wenig praxisgerecht, denn nicht nur sind Fdl/Ww und Tf keine Maschinen, die Anweisungen blind ausführen, es ist auch äußerst unwahrscheinlich, dass man in einem Bahnhof zu oder von irgendeinem zufälligen Gleis rangieren/fahren soll. Wenn da eine Rangierfahrt von einem Bahnsteiggleis nicht in das gewohnte Abstellgleis 16, sondern per Umsetzen zu dem Bahnsteiggleis 1 oder 6 gehen soll, schmeißen sich die Beteiligten hoffentlich nicht in dem Stakkato-Ton Gleisnummern an den Kopf, sondern sprechen miteinander, bis der geplante Ablauf allen Beteiligten klar ist. Ob sie dafür dann „eins-sechs“, “sechzehn“ oder „Paulaner“ sagen, sollte egal sein, wenn bei Unklarheiten nachgefragt wird, bis sie beseitigt sind.
Hallo,
danke für den Link. Weiß nicht, warum die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG sowas veröffentlicht. Wer hat eigentlich bei der Deutschen Bahn AG das Sagen?
Gruß aus Magdeburg
Klaus
geschrieben von: bauigel
Datum: 05.08.26 13:22
scfc schrieb:
Zitat:
Ob sie dafür dann „eins-sechs“, “sechzehn“ oder „Paulaner“ sagen, sollte egal sein, wenn bei Unklarheiten nachgefragt wird, bis sie beseitigt sind.
Nicht jedes Mißverständnis ist eine Unklarheit. Die Liste der gefährlichen Ereignisse ist voll von Unterhaltungen, in denen jeder sicher zu wissen glaubte, wovon der andere spricht - auch wenn das gar nicht der Fall war.
scfc schrieb:
Zitat:
es ist auch äußerst unwahrscheinlich, dass man in einem Bahnhof zu oder von irgendeinem zufälligen Gleis rangieren/fahren soll.
In großen Bahnhöfen können durchaus mehrere Gleise als Ziel plausibel sein. Wenn die in ähnlicher Richtung oder in der gleichen Gleisgruppe liegen (132 oder 123 - egal, Hauptsache Abstellgruppe Süd...), wird nicht immer jeder hinterfragen, ob das Gleis baustellenbedingt getauscht wurde oder ob Umläufe und Abstellungen baustellenbedingt geändert wurden.
geschrieben von: scfc
Datum: 05.08.26 14:03
bauigel schrieb:
scfc schrieb:
Zitat:
Ob sie dafür dann „eins-sechs“, “sechzehn“ oder „Paulaner“ sagen, sollte egal sein, wenn bei Unklarheiten nachgefragt wird, bis sie beseitigt sind.
Nicht jedes Mißverständnis ist eine Unklarheit. Die Liste der gefährlichen Ereignisse ist voll von Unterhaltungen, in denen jeder sicher zu wissen glaubte, wovon der andere spricht - auch wenn das gar nicht der Fall war.
Daran ändert aber auch nichts, ob man nun „eins-sechs“ oder „sechzehn“ sagt. Ich habe bisher weder einen BEU-Bericht noch einen Sicherheitsreport gesehen, wo ein Ereignis verhindert worden wäre, hätte man eine Zahl einzeln ausgesprochen. (Noch weniger kann ich mich an ein Ereignis erinnern, wo „null-fünf-Punkt-null-acht-Punkt-zwo-null-zwo-sechs“, „Verfahren Befehlsübermittlung vorbereiten“ oder ähnliches einen Sicherheitsgewinn gebracht hätten.) Wenn Du Beispiele dafür hast, immer her damit.
bauigel schrieb:
scfc schrieb:
Zitat:
es ist auch äußerst unwahrscheinlich, dass man in einem Bahnhof zu oder von irgendeinem zufälligen Gleis rangieren/fahren soll.
In großen Bahnhöfen können durchaus mehrere Gleise als Ziel plausibel sein. Wenn die in ähnlicher Richtung oder in der gleichen Gleisgruppe liegen (132 oder 123 - egal, Hauptsache Abstellgruppe Süd...), wird nicht immer jeder hinterfragen, ob das Gleis baustellenbedingt getauscht wurde oder ob Umläufe und Abstellungen baustellenbedingt geändert wurden.
Einerseits ist das ein schönes Beispiel für die fehlende Praxisnähe: Weil es irgendwo in einem großen Bahnhof eine solche Situation geben könnte, soll der Fdl Hintertupfingen mit seinen drei Gleisen und dem Tf, der täglich dort abstellt, sich künstlich blöd stellen.
Andererseits ist es ein schönes Beispiel für die fehlende Praxisnähe: In einem großen Bahnhof werden wahrscheinlich die wenigsten Tf rechtzeitig vor der entscheidenden Weiche anhalten, wenn sie statt nach Gleis 123 nach Gleis 132 geleitet werden, weil sie (in Gegensatz zu dem Bahnhof Hintertupfingen) den Gleisplan nicht in dem Kopf haben werden.
geschrieben von: TWA
Datum: 05.08.26 15:47
Wenn eine Rangierfahrt durchgeführt werden soll, dann gibt es mehrere Möglichkeiten.
Es kann sich um eine planmäßige Bewegung handeln, entweder vom Bahnsteig in eine Abstellgruppe oder aus der Abstellung an den Bahnsteig.
Solche Bewegungen können durchaus ohne präzise Angabe von Gleisnummern durchgeführt werden, wenn z.B. der Lokführer gar nicht weiß, welches Gleis aktuell benutzt werden soll. Da kann schon eine einfache Fertigmeldung reichen, z.B. "Von 3 in die Kehre bin ich fertig." Oder er meldet sich als Lok für einen bestimmten Zug an. Da der Weichenwärter weiß, welches Gleis aktuell frei ist bzw. wo der Gesuchte Zug steht, stellt er den Weg ein und bedient die passenden Signale. Und um von den Abstellgleisen an den Bahnsteig zu kommen, reicht es vollkommen aus, wenn der Lokführer / Rangierer sich mit der Zugnummer fertigmeldet, vielleicht noch mit der Angabe des Startgleises. Auch wenn dieser Zug / diese Linie jeden Tag von Gleis x abfährt, heißt das ja nicht, daß dieses Gleis auch heute / jetzt benutzt wird.
Wenn es eine Rangierfahrt ist, bei der es ein bestimmtes Ziel sein muß und der Lokführer / Rangierer die Gleisnummer / die Gleisgruppe kennt, der Weichenwärter jedoch nicht, dann muß natürlich das Ziel genannt werden (wenn das Zielgleis in einem Handweichenbezirk liegt, dann ist es vollkommend ausreichend, wenn dem Weichenwärter die Gleisgruppe genannt wird).
Eine Verwechslung von 16 und 60 oder ähnlichen Kombinationen ist im Rangierdienst aber nicht sooo schlimm. Wahrscheinlich liegen solche Gleise ziemlich weit auseinander, vielleicht sogar an verschiedenen Enden des Bahnhofs. Wenn die Rangierfahrt erst mal losfährt, weil ein Teil des Weges für beide Ziele gleich ist, dann merkt der Lokführer / Rangierer irgendwann, daß eine Weiche falsch liegt und er sein Ziel nicht erreichen wird. Die Lösung: Anhalten und den Weichenwärter ansprechen. Entweder kann die entsprechende Weiche sofort umgelegt werden und es geht direkt weiter, oder die Rangierabteilung muß vorwärts / rückwärts bewegt werden, um die Weichenisolierung freizufahren oder hinter ein Sperrsignal zu kommen, ab dem der Weg neu eingestellt werden kann.
Und wenn es um eine Zugfahrt geht, dann dürfte die Kommunikation im Bahnhof eher mithilfe der Zugnummer oder der Signalbezeichnung abgewickelt werden.
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.08.26 16:53.
geschrieben von: bauigel
Datum: 05.08.26 16:59
scfc schrieb:
Zitat:
Daran ändert aber auch nichts, ob man nun „eins-sechs“ oder „sechzehn“ sagt. Ich habe bisher weder einen BEU-Bericht noch einen Sicherheitsreport gesehen, wo ein Ereignis verhindert worden wäre, hätte man eine Zahl einzeln ausgesprochen. (Noch weniger kann ich mich an ein Ereignis erinnern, wo „null-fünf-Punkt-null-acht-Punkt-zwo-null-zwo-sechs“, „Verfahren Befehlsübermittlung vorbereiten“ oder ähnliches einen Sicherheitsgewinn gebracht hätten.) Wenn Du Beispiele dafür hast, immer her damit.
Wenn du Beispiele dafür hast, dass - wie in deinem Beispiel - das Datum in Einzelzahlen ausgesprochen werden soll, dass bitte deinerseits her damit...
scfc schrieb:
Zitat:
Einerseits ist das ein schönes Beispiel für die fehlende Praxisnähe: Weil es irgendwo in einem großen Bahnhof eine solche Situation geben könnte, soll der Fdl Hintertupfingen mit seinen drei Gleisen und dem Tf, der täglich dort abstellt, sich künstlich blöd stellen.
Einerseits hast du damit ein schönes Beispiel für fehlende Praxisnähe gebracht. Der Anfänger, der unter einfacheren Bedingungen in Hintertupfing anfängt, soll sich Verhaltensweisen eingewöhnen, die problematisch werden können, wenn er nach dem Sammeln von Erfahrung in einem größeren Bahnhof arbeiten soll.
scfc schrieb:
Andererseits ist es ein schönes Beispiel für die fehlende Praxisnähe: In einem großen Bahnhof werden wahrscheinlich die wenigsten Tf rechtzeitig vor der entscheidenden Weiche anhalten, wenn sie statt nach Gleis 123 nach Gleis 132 geleitet werden, weil sie (in Gegensatz zu dem Bahnhof Hintertupfingen) den Gleisplan nicht in dem Kopf haben werden.
Andererseits hast du damit gezeigt, warum es umso wichtiger ist, dass die beiden Beteiligten mit Sicherheit vom Gleichen sprechen. Es sollen schließlich auch schon zu Zeiten der Bundesbahn Tf verzweifelt und vergeblich bei Schichtbeginn ihr Fahrzeug in dem Gleis gesucht haben, in dem es "bis jetzt jedesmal gestanden hat".
geschrieben von: MD 612
Datum: 05.08.26 17:46
scfc schrieb:
Einerseits ist das ein schönes Beispiel für die fehlende Praxisnähe...
Andererseits ist es ein schönes Beispiel für die fehlende Praxisnähe...
Manchmal ist es aber einfach nur die fehlende Praxisnähe von bestimmten Foristen, die den Eisenbahnern ihren Beruf erklären wollen und dabei von Dingen schwafeln, von denen sie praktisch aufgrund der fehlenden Praxis keine Ahnung haben...
Erstens kennen die Lokführer auf den meisten Bahnhöfen die Nummern der Abstellgleise, weil sie Ortskenntnis haben, wenn sie planmäßig rangieren. Von vorhandenen Lageplänen, die den Lokführern zur Verfügung stehen, gar nicht zu reden. Zweitens sind Verwechslungen der Gleisnummern keine herunterzuspielende Banalität, wie Du es versuchst hinzustellen. Das nicht gemeinte Gleis hat keine Fahrleitung, das El6 wird zwar erkannt, der Zug blockiert aber unnötig den Weichenbereich, weil er zurück- und dann erneut zum Abstellgleis rangieren muss, der ICE wird dadurch verspätet, verpasst den letzten Anschluss, die Bahn ist unzuverlässig und ständig zu spät. Aber was war die Ursache? Zwei altehrwürdige Betriebseisenbahner mit Herkunft von Reichs- oder Bundesbahn, die sich weigern eindeutig miteinander zu kommunizieren. Von der Variante, dass das El6 nach vorheriger uneindeutiger Kommunikation wegen Unachtsamkeit übersehen wird, will ich erst gar nicht anfangen...
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell
MD 612 schrieb:
Fahrplanbureau schrieb:
Wir verprellen die letzten rückwärtsgewandten Betriebseisenbahner und können jede Menge willfährige und widerspruchslose Seiten-, Oben- und Unteneinsteiger mit rudimentärer Sprachkompetenz ins System aufnehmen.
Ohne diese Quereinsteiger wäre die deutsche Eisenbahn längst im Stillstand verfallen. Der doitsche Michel hat ja keine Lust auf Eisenbahn. Das wird aber der altehrwürdige Betriebseisenbahner aus seeliger Reichs- und Bundesbahnherkunft, der ohnehin bald in Rente geht, nicht verstehen. Der versteht ja auch nicht, dass diese Quereinsteiger meist einen guten Job machen, obwohl sie oft keinerlei Bezug zur Eisenbahn hatten, bevor sie den Quereinstieg bei der Bahn wagten. Der altehrwürdige Betriebseisenbahner aus seeliger Reichs- und Bundesbahnherkunft scheitert hingegen offensichtlich schon an der simplen Aufzählung von fünf hintereinander stehenden Ziffern, das kann er nur mit Stottern...
Solche Beiträge erinnern mich an genau die Zeiten, als unsere Generation bei der Eisenbahn anfing. Mit 18 Jahren durften wir alleine Rangierloks fahren, mit nichtmal 21 Jahren uneingeschränkt im Streckendienst auf Diesel- und E-Loks. Über uns als damalige Pimpfe rümpften damals die altehrwürdigen Lokführer, die einst in der Dampflokwerkstatt als Schlosser anfingen und später jahrelang als Heizer schaufeln mussten, bevor sie Dampflok und viele Jahre später E-Lok fahren durften, auch kräftig die Nase. Und diese damaligen Pimpfe, die schon mit 18 Jahren alleine als Lokführer unterwegs waren, rümpfen heute die Nase über gestandene Menschen, die sich mit langjährigem Arbeitsleben mit Mitte 40 oder Anfang 50 für einen Beruf bei der Eisenbahn entscheiden. Tolle Wurst...
Ich glaube die wenigsten haben was gegen Quereinsteiger und grundsätzlich sollte es egal sein wo jemand herkommt, weil das darf keine Rolle spielen. Wichtig ist aber dass die Leute motiviert und fähig sind und das ist leider mittlerweile schwer, da werden Leute eingestellt die nicht geeignet sind und dann auch Schwierigkeiten haben, auch da, egal woher.
Es ist doch schön wenn bei der Eisenbahn auch ältere Leute eine Chance haben, das gibt es sonst nur in anderen Mangelberufen wie Pflege.
Gemeckert wird immer, das war schon immer so und ich bin froh dass die Zeiten der Bundesbahn vorbei sind.
Aber blind nach preußischer Manier allen Vorschriften folgen, das ist mir zu einfach, vor allem wenn es sinnlos ist.
Ich hätte gern mal Beweise, dass die Kilometer- und Gleisangaben abseits des Befehls auch so bescheuert gesagt werden müssen. Beim Befehl verstehe ich es noch, aber bei Anmeldungen zu Rangierfahrten nicht, weil da müssen sich Tf und Fdl verstehen und dann ist es egal, Hauptsache richtig.
Mal ehrlich, in meinen bisher 43 Eisenbahnbetriebsdienstjahren habe ich mit der deutschen und mit der "eisenbahndeutschen" Sprechweise von Zahlen, Gleis- und Signalbezeichnungen, Ortsangaben etc. noch nicht eine einzige Verwechslung oder Unklarheit erlebt, die nicht spätestens beim vorgeschriebenen Wiederholen ausgeräumt wurde!
Wenn nun irgendein Technokrat, der sich selbst höchstwahrscheinlich noch nie mitten im Betriebsgeschehen befunden hat, meint, aus unerfindlichen Gründen jeden ausländischen Billigdödel auf einem Triebfahrzeug quer durch Eurasien schicken oder im Inland auf die Menschheit loslassen zu müssen, dann wird die neudumme Sprechweise spätestens daran scheitern, wenn es in einem mir bestens bekannten Bahnhof heißt: "Fahr' mal ins Blumenberger und stell' dich Wäsche links ab.", oder "Personalwechsel ist heute mal in der neuen Welt.", wobei dem armen ausländischen Kollegen selbst die Angabe der Gleisnummer - in welcher Sprechweise auch immer - nichts nützt.
Selbst im Deutschen werden mitunter Einzelziffern dialektbedingt in einer Art und Weise ausgesprochen, dass einem die Einzelziffernangabe überhaupt nichts nützt.
Was viele Theoretiker, EU-Obrigkeitshörige und pseudo-Modernitäts-Fetischisten nicht ansatzweise nachvollziehen und damit überhaupt nicht berücksichtigen können, ist, dass Ziffern, Zahlen und Einzelbuchstaben zur verbalen Übermittlung eisenbahntypischer, oft recht komplexer Informationen, Sachverhalte, Meldungen und Aufträge bei weitem nicht ausreichen.
Nichts gegen ausländische Mitbürger. Aber wer schon mal als nicht unbedingt Ortskundiger in Hagen Vorhölle mit einem quereinsteigenden Nichtmuttersprachler als Rangierbegleiter arbeiten musste, für den gerät das Ziffernausprache-Pillepalle und der anglophone Buchstabier-Blödsinn völlig in den Hintergrund - der hat oft ganz andere Verständigungsprobleme.
Aber Hauptsache, die Technokraten zeigen hemdsärmeligen Aktionismus und keulen sich einen mit "mayday, mayday" - einfach lächerlich geworden, der ganze Affenladen...!
Ist mir selbst auf absolut fremden Bahnhöfen noch nie passiert, schließlich gibt es ja ein vorgeschriebenes Wiederholen.
Ja, es mögen sich durchaus absunderliche Situationen ergeben, aber man kann den Teufel auch an den Haaren herbeireden.
Wer Deutsch nur halbwegs radebrechen kann, eine eigentlich viel zu kurze Billig-Husch-Husch-Ausbildung und auch keinerlei Erfahrung hat, dem nützt das ganze Zahlen- und Buchstabiergestammele auch nichts mehr. Ich erlebe das leider immer wieder in der Praxis!
Fahrmotortrennschütz schrieb:
..., dann wird die neudumme Sprechweise spätestens daran scheitern, wenn es in einem mir bestens bekannten Bahnhof heißt: "Fahr' mal ins Blumenberger und stell' dich Wäsche links ab.", oder "Personalwechsel ist heute mal in der neuen Welt.", ...
Und all diese Formulierungen haben mit dem Regelwerk nichts zu tun, egal wie man die Gleisnummern nun ausspricht. Oder sind das etwa offizielle Bezeichnungen? Somit ist das kein sprachlicher Maßstab, den man ansetzen kann.
Da reicht es schon, wenn einer deiner Kollegen aus Norddeutschland oder Bayern kommt und noch nie in besagtem Bahnhof war. Wenn der FDL genau weiß, wem gegenüber er "Slang" nutzen kann, ist das ja in Ordnung. Offiziell erlaubt ist es aber nicht und wenn dann etwas im Dreck landet, müssen die handelnden Personen die Konsequenzen tragen.
Zumal die Zeiten, in denen direkt an der Grenze ein deutscher Lokführer auf die Zuglok kletterte, mittlerweile lange vorbei sind. Das hat nichts mit Billigdödel zu tun.
Grüße aus dem Nordwesten
Sebastian
geschrieben von: mumpel
Datum: 05.08.26 19:17
Wenn ich z.B. eine BÜ-Störung an die EVZS melde, spreche ich wie immer. Die Zahlen vor dem Komma normal, die nach dem Komma einzeln. Ich wüsste nicht, dass ich da auch alle Zahlen einzeln aussprechen muss.
Meine Kommentare spiegeln meine eigene Meinung wieder, nicht die des Arbeitgebers.
MD 612 schrieb:
Bahnsteig13a schrieb:
Wieso dauernd der Befehl als Beispiel? Ich habe doch ausdrücklich nicht vom Befehl gesprochen.
Aber ich, weil es dazu gehört. Warum lenkst Du ab?
Ich lenke nicht ab. Ich habe das neue System für Befehle ja nicht kritisiert, da mach ich das auch streng nach Vorschrift.
Mir ging es um die Alltagsgespräche, z. B. Rangierfahrten. Da kann man doch beides nutzen, da versteh ich das Problem nicht. Die meisten melden sich dann nach Gleis Vierzig und wer will eben nach Vier-Null, muss doch eh wiederholt werden und so lange sich beide verstehen, wo ist das Problem?
Dieser fehlende Pragmatismus ist typisch deutsch. Wo anders macht man einfach, wichtig ist dass es jeder versteht.
Daher hätte ich gerne Beweise dass die EU-Forderung das mit einbezieht. Man versteckt sich gerne hinter der EU und dabei ist es Deutschland meist, das dutzende Dinge hinzudichtet mit seinem preußischen Bürokratiefetisch.
Sebastian Berlin schrieb:
Fahrmotortrennschütz schrieb:
..., dann wird die neudumme Sprechweise spätestens daran scheitern, wenn es in einem mir bestens bekannten Bahnhof heißt: "Fahr' mal ins Blumenberger und stell' dich Wäsche links ab.", oder "Personalwechsel ist heute mal in der neuen Welt.", ...
Und all diese Formulierungen haben mit dem Regelwerk nichts zu tun, egal wie man die Gleisnummern nun ausspricht. Oder sind das etwa offizielle Bezeichnungen? Somit ist das kein sprachlicher Maßstab, den man ansetzen kann.
Da reicht es schon, wenn einer deiner Kollegen aus Norddeutschland oder Bayern kommt und noch nie in besagtem Bahnhof war. Wenn der FDL genau weiß, wem gegenüber er "Slang" nutzen kann, ist das ja in Ordnung. Offiziell erlaubt ist es aber nicht und wenn dann etwas im Dreck landet, müssen die handelnden Personen die Konsequenzen tragen.
Zumal die Zeiten, in denen direkt an der Grenze ein deutscher Lokführer auf die Zuglok kletterte, mittlerweile lange vorbei sind. Das hat nichts mit Billigdödel zu tun.
Es kommt doch eigentlich nur im Ferngüterverkehr und HGV vor, dass Tf aus anderen Ländern hier fahren. Spricht auch nichts dagegen, aber dann muss die Sprache sitzen.
Man kann von mir aus auch als Zweitsprache Englisch einführen, rein für Fdl, denn 90% aller Fahrten finden im Inland statt.
Diese Spezialbezeichnungen gab es vorher und wird es auch weiterhin geben. Das macht man aber auch bisher nur wenn beide wissen um was es geht.
Genausogut braucht man abseits des Befehls die alten Bezeichnungen nicht verbieten. Wenn beide sich verstehen kann man sowohl Vierzig als auch das in meinen Augen bescheuerte Vier-Null sagen. Mit der Wiederholung wird bestätigt dass man es verstanden hat.
Es wird zwar draußen auch so gehandhabt, aber gerade Neue lernen nur den oberpreußischen Gehorsam und keinen Pragmatismus, typisch deutsch eben.
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