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Auf einem Bayerischen Nahverkehrstag - ich meine es war 2015 - kam ich mit einem der Planer eines beauftragten Gutachterbüros ins Gespräch. Der erzählte mir von den ungeheuren Kniffen, die man vornehmen mußte, um für die Stammstrecke II überhaupt mit dem NK über 1 zu kommen. Es wurde gelogen, betrogen und verheimlicht. Erst mit der Einsparung von zwei Stationen und der Einfädelung des Regionalverkehrs Augsburg/Ingolstadt nach Mühldorf/Rosenheim durch den Tunnel II war das Ganze dann auch "machbar". Für mich war das dann immer die Umsetzung von "München 21" durch die Hintertür. Die DB wollte es, und der Freistaat auch (Originalzitat: "Wir sind an einem Ausbau des Südrings aus bayerischer Sicht nicht interessiert"), weil damit Bundesmittel nach Bayern insbesondere zur Stützung der Bauindustrie geholt werden konnten. Nach Sinn oder Unsinn fragt da niemand, schon garnicht nach (langfristigen) Verkehrsbedürfnissen oder den Wünschen der fahrenden Kunden.
Insoweit kann ich die Erläuterungen des Users ThomasK nur voll bestätigen.

Grüße aus München
Auch am Leuchtenbergring wird es bahnsteiggleiche Umsteigemöglichkeiten geben.
Die 3 (!) Bahnsteige - keine Ahnung warum - werden alle neu gebaut:
[www.2.stammstrecke-muenchen.de]
Am Leuchtenbergring kommt zum Sortieren auf die Stamm- und Aussenstrecken (Weichenverbindungen jede Strecke auf jede Strecke von jeder Bahnsteigkante - teils sogar von/nach Regel- auf Gegengleis) auch noch die Anbindung des Betriebswerks hinzu. Daher bekommt der Leuchtenbergring zwei Bahnsteigkanten mehr wie Laim. Und neu gebaut werden muss dort aus Gründen wie in Laim - die Zugangsbauwerke sind nicht mehr Ausbaufähig.

Stamm 2 wird nur sinnvoll wenn alle Aussenstrecken vollständig zweigleisig mit einem modernen leistungsfähigen Zugsicherungssystem (man hat sich auf ETCS eingeschossen, LZB wäre sofort verfügbar...) ausgestattet sind, dass das selbst bis zum Worst Case IBN Stamm 2 in 2041 nicht passieren wird ist leider jetzt schon klar. Ein Benefit bleiben also Laim und Leuchtenbergring als in der Kapazität deutlich erhöhte Verteil-/Wendepunkte im Netz. Einen Südringausbau Light erhalten wir auch - der heutige Bahnhof mit einem Gleis ohne Weiche (Heimeranplatz) wird ein echter Bahnhof mit weiteren Fahrmöglichkeiten und irgendwann in vielen Sonnen gibt es auch wieder einen Südbahnhof als Personenbahnhof. Und schon heute sind kreuzungsfreie Fahrmöglichkeiten Pasing-Südring für die S-Bahn möglich. Auch wird es noch weitere kleine punktuelle Verbesserungen geben (Fahrmöglichkeiten im Bereich Berg am Laim/Ostbahnhof und Laim/Hauptbahnhof).

Im Laim kommen aktuell allerdings zwei Baukatastrophen - neben dem laufenden Erhaltungsbau der DB und den Vorarbeiten für Stamm 2 auch noch das Desaster die Stadt München baut die Tram Westtangente - zusammen. Über alles ist man in Laim etwa 4 Jahre im Verzug und der Bau an der Oberfläche kann nun nicht mehr so einfach geschehen wie ursprünglich gedacht, daher muss jetzt der Einwärtsbahnsteig ohne vorher schon geschaffenen Neubau für beide Gleise weg und deshalb gibts nun ne Zeit lang nur einen Bahnsteig mit zwei Richtungsgleisen.

Aber das ist doch nichts gegen den leichten Verzug am Westkreuz, die kaiserzeitliche Straßenlage, deren Ausbau man 1972 mit Blick auf eine Fertigstellung des Bahnkörpers zu den Olympischen Spielen zurückgestellt hat wird halt nun auch noch verändert. Und Pasing eh, die Stadt die erschrocken festgestellt hat, dass man beim Straßenbau vor 15 Jahren vergessen hat, dass darunter immrnoch eine U-Bahn geplant ist und man nun bei laufenden Straßenverkehr die Voraussetzungen schaffen muss, die man damals ganz gemütlich per offnem Loch machen hätte können. Eigentlich schade, dass ich vor 20 Jahren aus der Baubranche gepurzelt bin, heut kommens mit den Aufträgen nicht mehr nach und bauen muss heute echt toll sein, Überstunden brauchts keine weil der Bauablauf ist ganz einfach mit einem Klick um einen weiteren Monat verlängert, Fertigstellungstermine dienen höchstens noch der Erheiterung - ein Bauvorhaben, das früher die Leute zwei, drei Jahre beschäftigt hat und schon beim Beginn für eine Anschlussarbeit gesorgt werden musste, reicht heute für Angehörige der Generation X locker für die Grobplanung zur Rente.
elchris schrieb:
Stamm 2 wird nur sinnvoll wenn alle Aussenstrecken vollständig zweigleisig mit einem modernen leistungsfähigen Zugsicherungssystem (man hat sich auf ETCS eingeschossen, LZB wäre sofort verfügbar...) ausgestattet sind, dass das selbst bis zum Worst Case IBN Stamm 2 in 2041 nicht passieren wird ist leider jetzt schon klar.


Ein Benefit bleiben also Laim und Leuchtenbergring als in der Kapazität deutlich erhöhte Verteil-/Wendepunkte im Netz.
Also ich würde schon noch eine Stufe weiter gehen, die 2. Stammstrecke macht nur dann Sinn, wenn die Strecken nach Geltendorf, Neufahrn und Markt Schwaben viergleisig sind. Zudem bewirkt das merkwürdige Express-S-Bahn-Konzept, auch wieder ohne eigene Expressgleise, erhebliche zusätzliche Störeinflüsse.

Hat man aber bis zur Inbetriebnahme gar keine Geld mehr für die mannigfaltigen Angebotsausweitungen, dann hat man sowohl auf Stamm 1, als auch auf Stamm 2 ein geringeres Angebot als heute. Hat man dann doch erkannt, dass man den ÖPNV attraktiver gestalten sollte und die Taktfrequenzen verdichten muss und es würden sich die Fahrgastzahlen erheblich erhöhen, dann kann man die Fahrgäste leider am Hauptbahnhof, Marienplatz und Ostbahnhof wohl eher nicht weiter befördern, weil dort die anderen Verkehrsmittel auch am Limit sind.

Bei einer Störung in Laim oder am Leuchtenbergring - und Stellwerks-, Oberleitungs-, Signal- und Weichenstörungen, sowie Personen im Gleis wirken sich dann wohl auch auf alle Gleise aus - ist dann bei wesentlich mehr Zugfahrten als heute das Chaos noch größer. Linien dann vor diesen Stationen zu wenden (Pasing, Moosach, Trudering,...) wird wohl auch dort wegen mangelnder Gleiskapazität schlecht funktionieren.

Man hätte die 2. Stammstrecke eher als "Nordring" über Rotkreuzplatz, Leonrodplatz, Elisabethplatz, Gilselastr., Richard-Strauss-Str. führen sollen, wäre zwar doppelt so teuer, spart aber den kompletten Bau der U9.

Gruß Christoph T.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.08.26 22:09.
Servus.

Fastrider schrieb:
Ja. In dem ursprünglichen Plänen sollte der Südring nach 20 Uhr und am Wochenende gar nicht befahren werden.
Das würde dann aber wohl den von Thomas beschriebenen, kreativen "Bedingungen" der Entscheider entsprechen, die sich allerhand Bremsklötze für die (von ihnen) ungeliebte Variante ausgedacht hatten. Denn eine Neubauentlastungsstrecke die nur zu besonderen Tages- und Wochenzeiten befahren werden sollten, hätte man selbst in der damals noch sehr stark von HVZ-Spitzen bestimmten Realität nicht ernsthaft realisieren können. Heute hat sich die Nachfrage über die HVZ-Spitzen hinaus über fast den gesamten Tagesverlauf gesteigert. Und vorallem die Nachfrage an Wochenenden und Feiertagen sind mittlerweile stark gestiegen. Zuweilen auf bestimmten Abschnitten höher als zur klassischen HVZ.

Wenn man also ein Argument bräuchte, weil man etwas nicht will, dann wäre das die schönste, aber auch unglaubwürdigste Variante:
"SFS Augsburg - Ulm braucht es nicht, denn es sollen dort an Wochenenden keine Züge fahren." ;-)



Fastrider schrieb:
Zitat:
Dass er an den Verkehrsströmen vorbeigeht war schon von Anfang an bekannt. 1999 haben wir auf de.etc.bahn.* diskutiert, dass wohl alle auf den alten Tunnel umsteigen und die Züge weitgehend leer über den Südring fahren. Ich habe mal den Vorschlag gemacht, die Taktverdichter in Pasing enden zu lassen und die Leute auf die verbleibenden Züge umsteigen zu lassen.

Und damals waren U3 und U6 noch nicht überlastet.
Das dürfte der interessanteste Punkt und letztendlich wichtigste Aspekt sein:
Wie groß sind die "Über-Eck-Verkehre" aus der Stammstrecke auf die Südachse von U3/U6 und U1/U2.

Bekannt ist seit langem: Nicht alle wollen zum Marienplatz. Dabei ist der ja wirklich hübsch. ;-)
Trotzdem fahren "alle" zum Marienplatz. Hm... ja, wo blieben die dann?

Die Fahrgaststromanalyse weist einen großen Verkehrsanteil von Umsteigerverkehren zwischen Stammstrecke (Ost-West) und U-Bahn (Nord-Süd) aus.
Daraus leitete sich schon früh die spannende Frage ab, wie sinnvoll es tatsächlich ist alle Fahrgäste mit unterschiedlichen Zielen im Stadtbereich München beinahe "zwingend" über Hauptbahnhof und/oder Marienplatz zu schleusen.

Der Südring wäre dann eine sinnvolle Lösung, wenn sich aus der Analyse ein stattlicher Anteil von Verkehrsbeziehungen aus der Stammstrecke in den Südteil der Stadt erkennen ließe. Da in München der industrielle, gewerbliche Schwerpunkt jedoch im Norden liegt, dürfte er anteilig etwas geringer als die Verkehrsströme nach Süden und die direkt ins Zentrum (die gibt ja auch noch) sein.
Daran anschließen würde sich die Frage, ob bei entsprechender Größe des Verkehrsanteils, dieser sich aus der Ost-West-Achse herauslösen und auf die Südumfahrung umleiten ließe und wie stark dadurch die Entlastung der bestehenden Stammstrecke (und direkt anknüpfenden U-Bahnanschlüsse) ausfallen könnte.

Was sicherlich nicht dabei herauskommen würde wäre eine Entlastung der Stammstrecke um die Hälfte, also 50%.
Allerdings: Auch die 2. Stammstrecke wird diesen Wert nicht erreichen, obwohl man es als parallele Achse zur bestehenden Stammstrecke vielleicht annehmen könnte.
Dafür wird die 2. Stammstrecke zu wenig Haltestellen, zu tiefe Tunnelbahnhöfe, zu wenige Umsteigepunkte und auch nicht genug gleichwertige Relationen zu den bestehenden S-Bahnlinien bieten.

Sollte sich herausstellen das der "Entlastungswert" der 2. Stammstrecke am Ende in etwa dem der Südringvariante entspräche, hätten wir deutlich mit Zitronen gehandelt.
Wir würden also künftig mit mehr technischen und finanziellen Aufwand unnötige Verkehre ins Zentrum pumpen, den wir mit einer etwas günstigeren Lösung von dort hätten fernhalten können.

Soviel dazu.

Was die Knotenpunkte zur Entflechtung der Achsen in Ost und West betrifft, wie in diesem Fall in Laim: An diesen Punkten gleichen sich die Modelle weitgehend.
Wobei man immerhin schon in den 1990er Jahren beim Südring so ungefähr wusste wo man im Osten rauskäme. Bei der 2. Stammstrecke wissen wir das immerhin jetzt seit einem Jahr! ;-)


Grüßle,
Dirk
Dirk Mattner schrieb:
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Das würde dann aber wohl den von Thomas beschriebenen, kreativen "Bedingungen" der Entscheider entsprechen, die sich allerhand Bremsklötze für die (von ihnen) ungeliebte Variante ausgedacht hatten. Denn eine Neubauentlastungsstrecke die nur zu besonderen Tages- und Wochenzeiten befahren werden sollten, hätte man selbst in der damals noch sehr stark von HVZ-Spitzen bestimmten Realität nicht ernsthaft realisieren können. Heute hat sich die Nachfrage über die HVZ-Spitzen hinaus über fast den gesamten Tagesverlauf gesteigert. [...]





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Das dürfte der interessanteste Punkt und letztendlich wichtigste Aspekt sein:
Wie groß sind die "Über-Eck-Verkehre" aus der Stammstrecke auf die Südachse von U3/U6 und U1/U2.

Bekannt ist seit langem: Nicht alle wollen zum Marienplatz. Dabei ist der ja wirklich hübsch. ;-)
Trotzdem fahren "alle" zum Marienplatz. Hm... ja, wo blieben die dann?

Also der Plan mit den Südring am Wochenende alle 20 min ein Zug stammt aus Mitte der 90er. Ich hab die Originalquelle noch bei mir im Keller.

Ich weiss, mein Freundes- und Bekanntenkreis ist kein repräsentativer Querschnitt, trotzdem gibt es GAR NIEMANDEN der den Südring nutzen würde. Die meisten fahren vom Westen zum Hauptbahnhof oder Marienplatz, um eine UBahn Richtung NORDEN umzusteiegen. Dann gibt es Umsteiger vom Osten Richtung NORDEN und vom Westen Richtung Perlach (Siemens). Auch für für die ist der Südring uninteressant, wegen der längeren Fahrzeit. Dann gibt es noch ein paar von Westen Richtung Obersendling, hier ist der Südring zumindest eingeschränkt vorteilhaft. Der einzige potentielle Südringnutzer (Markt Schwaben Obersendling) wohnt seit seiner Scheidung jetzt im Süden.

Fazit: Auch wenn mei persönliches Umfeld nicht repräsentativ ist, gibt es dort niemanden. Der den Südring nutzen würde. Von der zweiten Stammstecke profitieren 70%.

Treno Verde statt QdLT und Ländertickets
Fastrider schrieb:
Fazit: Auch wenn mei persönliches Umfeld nicht repräsentativ ist, gibt es dort niemanden. Der den Südring nutzen würde. Von der zweiten Stammstecke profitieren 70%.
Geht mir genauso. Obwohl ich direkt am Südring wohne, wäre der Nutzen extrem gering. Mir fiele da kaum eine sinnvolle Verkehrsrelation ein. Gut, dass man sich für den 2. Tunnel entschieden hat - wenn auch die Planung chaotisch lief.
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