DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 01 - News 

Neuigkeiten über Eisenbahnen in Deutschland aus den Bereichen Betriebsgeschehen, Verkehrspolitik, Verkehrsunternehmen, Infrastruktur und Fahrzeugindustrie. Allgemeine Themen und Fragen gehören in das » Allgemeine Forum, Betriebsstörungen in das Forum » Betriebsstörungen.
Neu bei Drehscheibe Online? » Hier registrieren!  Zum Ausprobieren und Üben steht das » Testforum zur Verfügung!
Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 All Angemeldet: -
Guten Tag

Ein Wort steht im Zentrum des Streits um die ZDF-Doku über die Deutsche Bahn: „unseriös“. So bezeichnet der Konzern die Reportage.

Weiter hier.

[www.berliner-zeitung.de]

Schönes Wochenende
Nunja, wenn Signale als Uralt-Technik mit kleinen bunten Lämpchen bezeichnet werden, zeugt das nicht wirklich von Seriösität. Und dass es nicht einfach damit getan ist, die Strecke mit der neuen Technik auszurüsten sondern es dann auch alle dort fahrenden Baureihen erstmal können müssen, mit allen zumindest unter Branchenkennern bekannten Schwierigkeiten bei der Nachrüstung vorhandener Bahnen, klingt auch nicht unbedingt durch.
ICE11 schrieb:
Nunja, wenn Signale als Uralt-Technik mit kleinen bunten Lämpchen bezeichnet werden, zeugt das nicht wirklich von Seriösität. Und dass es nicht einfach damit getan ist, die Strecke mit der neuen Technik auszurüsten sondern es dann auch alle dort fahrenden Baureihen erstmal können müssen, mit allen zumindest unter Branchenkennern bekannten Schwierigkeiten bei der Nachrüstung vorhandener Bahnen, klingt auch nicht unbedingt durch.
Richtig.

Zweifelsohne liegt bei der Bahn etliches im Argen.

Aber zur Fairness gehört, dass man sachlich die Dinge aufarbeitet.

Als ich in der Vorankündigung den Namen Dunja Hayali gelesen habe, habe ich sofort darauf verzichtet, mir die Dokumentation anzugucken, denn vom Erwartungswert her war da außer einseitiger Berichtserstattung, Meinungsmache und Inkompetenz sowieso nichts anderes zu erwarten.

Wie man es richtig macht, zeigt z.B. das Landgericht München 2, das bei der Aufarbeitung des Eisenbahnunfalls in Garmisch-Partenkirchen sehr gute Arbeit geleistet hat. Die Justiz hat sich da akribisch in die für sie fremde Materie eingearbeitet und der Öffentlichkeit einen guten Eindruck verschafft, was da alles schiefläuft.

Der TV-Beitrag war unseriös

geschrieben von: sachsenring_z

Datum: 24.07.26 09:28

Die Kritik ist berechtigt.
Den Beitrag habe ich mir auch angesehen und war entsetzt.
Die Faktenlage wurde insbesondere beim Thema Leit- und Sicherungstechnik falsch dargestellt.
Durch Weglassen von wesentlichen Fakten oder auch falscher Darstellung von Themen wurde die Gesamtsituation stark übertrieben negativ dargestellt.
Selbst die Befragungen der "Experten" erscheinen unseriös und falsch.
Von einem öffentlich-rechtlichen TV-Sender könnte man eine deutlich bessere Berichterstattung erwarten.

Re: Der TV-Beitrag war unseriös

geschrieben von: Andreas Schulz

Datum: 24.07.26 09:49

Alle reden von Digitalisierung. Insbesondere fachfremde Politiker. Aber sie sollten mal definieren, was "Digitalisierung" eigentlich sein soll. Aus deren Sicht offenbar nur und ausschließlich ETCS.

Neue ESTW und Ks-Signale als "50 Jahre alte Technik" zu bezeichnen, ist auch von einem Fachmann wie Hans Leister dilletantisch. In einem ESTW läuft auch nichts analog. Nur die "bunten Lichter" draußen sind eben so wie immer (mal abgesehen vom Ks-Signalsystem gegenüber H/V-System). Für mich ist das "digital".
Ich habe die Sendung gesehen und schließe mich der Einschätzung unseriös voll an.

Die getroffenen Aussagen von Hernn Leister zu den Lichtsignalen sind hanebüchen.
So etwas ohne Hintergrundrecherche zu veröffentlichen zeugt von journalistischer Inkompetenz der Redaktion.
Der Redaktion ist entgangen, das es sehr viele Spezifikationen von ETCS gibt.
Am gezeigten Beispiel Belgien kann man das gut nachvollziehen.
Belgien hat sein Netz vorwiegend mit ETCS L1 LS oder ETCS L1 FS oder ETCS L2 FS mit Signalen ausgerüstet.
Das könnte man alles sehr einfach in Wikipedia nachlesen wenn man will.

In Belgien wurden aber im Gegensatz zu den Aussagen von Herrn Leister jede Menge neue Signale für ETCS gebaut weil sie benötigt werden.
Die Ausrüstung in Belgien ist etwas völlig anderes als das in Deutschland vorgesehene ETCS L2 ohne Signale.
Das der von Belgien (und zum Beispiel der Schweiz) gewählte Migrationsweg m.M. nach der einzig funktionierende ist und der deutsche Weg scheitert kann man ja live auf HH-B verfolgen.
Dieser deutsche Weg ist aber nicht die Erfindung der Deutschen Bahn sondern von Mc Kinsey und Andreas Scheuer.

Der Passus zu Burgrain ist nicht zu beanstanden.
Aber wie schon im Thread geschrieben ist hier vor allem die Justiz für ihre akribische Aufarbeitung zu loben.
Eine sorgfältige Recherche der Redaktion hätte auch zu Tage gefördert, das die Bahn aktuell mit immensen Aufwand und massiven Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Trassen neben den Generalsanierungen zusätzlich ein Schwellenwechselprogramm durchzieht.
Das hätte aber gezeigt das die Bahn lernfähig ist und vom Bashing abgelenkt.

Ausgewogene Berichterstattung sieht anders aus. Statt massivem Input von Siemens Mobility wäre etwas Praxisbezug auf die Deutsche Infrastruktur hilfreich gewesen. Ein Spurplanstellwerk als Beispiel für veraltete Technik zu wählen ist mehr als ungeschickt.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.07.26 10:56.
Was hat man auch anderes von Hayali erwartet? Diese Frau lebt - lebt nicht nur bei diesem Thema - in ihrer völlig eigenen, verzerrten Welt und denkt, als Einzige die Weißheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Zudem war es bekanntlich sie, die zweimal nachweislich linksextreme Brandanschläge auf die Bahninfrastruktur verharmlost bzw. die Täter und ihre Gesinnung bewusst vom Hacken gelassen hat. Wie soll sojemand eine neutrale, ideologiefreie und faktenbasierte Reportage zu Stande bringen? Keine Chance.

Und mit underen 18,36€ müssen wir nicht nur solche fragwürdigen, hassgeblendeten und offen mit dem linken Extremismus flirten Personen jedes Monat durchfüttern…

Kompromissvorschlag

geschrieben von: ßänkjuhforträvvelingwißdeutschebahn

Datum: 24.07.26 11:11

Wenn wir zumindest die Blocksignale auf Blinklicht umstellen, sieht das schon mal digitaler aus und könnte die Ansprüche einer Laienjournalistin abmildern. Pieptöne wären sicher auch möglich, nur hört die da draußen leider niemand.

https://s20.directupload.net/images/230725/9wwv4nfs.jpg
Fernreisender schrieb:
Und mit underen 18,36€ müssen wir nicht nur solche fragwürdigen, hassgeblendeten und offen mit dem linken Extremismus flirten Personen jedes Monat durchfüttern…
Mit dieser sehr einseitigen Aussage blendest du völlig aus, wen wir alles mit unseren Fahrkartenkäufen und Steuergeldern bei der DB und im Verkehrsministerium durchfüttern müssen. Und umgekehrt ist es ja dann doch sowohl bei der DB als auch beim ZDF eine große Mehrheit, die kompetent und seriös arbeiten.

Würde einigen bei der DB, und sicher auch dir, ganz gut stehen, beim eigenen Handeln mehr Transparenz zu gewähren und bei eintreffender Kritik nicht mit persönlichen und pauschalen Übertreibungen, sondern ausschließlich sachlich zu reagieren. Dann gibt es erheblich weniger Missverständnisse in alle Richtungen.
Laut Info am Schluß der Hinweis: Eine Produktion der ELBMOTION Filmproduktion im Auftrag des ZDF. Es wäre interessant, was dieser Bericht gekostet hat.

Unseriöse Unions-Verkehrsminister

geschrieben von: Lz 86711

Datum: 24.07.26 11:42

Exoplanet schrieb:
Ein Wort steht im Zentrum des Streits um die ZDF-Doku über die Deutsche Bahn: „unseriös“. So bezeichnet der Konzern die Reportage.
Bei aller Kritik – es gibt aber auch einen AHA-Moment: Ab Minute 38 muss der CDU-Abgeordnete Michael Donth einräumen das die Unions-Verkehrsminister versagt haben.

Filme und Serien werden immer dümmer:
Zitat:
[…] Und dann sei da noch diese Bitte der Netflix-Leute gewesen: "Es wäre nicht übel, wenn ihr drei- bis viermal im Dialog wiederholen könntet, worum es im Plot geht, weil die Leute an ihren Handys hängen, während sie gucken.
Denken auslagern macht dumm - Was gegen Kompetenzabbau durch KI-Nutzung hilft
Exoplanet schrieb:
Ein Wort steht im Zentrum des Streits um die ZDF-Doku über die Deutsche Bahn: „unseriös“. So bezeichnet der Konzern die Reportage.

Weiter hier.

[www.berliner-zeitung.de]
Ich war auch verwundert über die heftige Wortwahl seitens der Bahn. Getroffene Hunde bellen, oder war der Bericht an der Sache vorbei? Wer jetzt unseriös schreit, hat er sich auch ein Bild vom Bericht gemacht? Oder werden hier nur Schreihälse nachgeäfft? Gut, also habe ich mir die Reportage mal angesehen.

Prinzipiell verstehe ich erst mal nicht, wieso die Reportage pauschal als unseriös abgetan wird. Ich bin mit dem Inhalt insbesondere zum Thema ETCS nicht überall einverstanden. In der Schweiz hat man keine guten Erfahrungen gemacht mit dem Weglassen der Signale. Seitdem müssen auf der Gotthardzufahrt und im Lavaux immer wieder betriebliche Klimmzüge gemacht werden, damit es funktioniert. Auch nicht erklärt hat die Reportage, warum die ständigen Stellwerksausfälle den Betrieb zunehmend häufiger in die Knie zwingen. Dazu muss immer häufiger im Notbetrieb gefahren werden. Dann können Fehler passieren, wie etwa in Bad Aibling.

Warum auch immer auf den Stellwerken aus der Kaiserzeit rumgehackt wird? Die funktionieren wenigstens. Dafür wird das Beispiel mit dem Relaisstellwerk nicht weiter ausgebaut. Die fallen immer häufiger aus. Warum eigentlich? Hier fällt öfter das Wort, Veränderungsverbot. Was hat es damit auf sich? Mein Vorwurf an Frau Hayali wäre eher, warum fragt sie hier nicht genauer nach.

Was mich aufhorchen liess, die Frage, warum waren die maroden Schwellen in Regensburg seit 2010(!) bekannt, aber nicht im Konzern? Man hat also 15 Jahre später erst durch ein Unglück mit 5 Toten und vielen Verletzten gelernt, dass hier Ärger im Busch ist. Wer Frau Hayali Unseriosität vorwerfen will, muss diese Frage zufriedenstellend beantworten. Oder kann man das nicht?

Was mich ebenso aufhorchen liess: Wenn Lokführer Probleme mit der Gleislage melden. Bekommen die denn mittlerweile eine Rückmeldung? Ja oder nein. Feedback ist absolut essentiell. Das kann sogar hier geklärt werden, dazu braucht man nicht mal die Bahn befragen. Das wäre ein Sache, die Frau Palla seit letztem Herbst längst geklärt haben könnte, ganz ohne finanziellen Aufwand. Und wieder: Wer Frau Hayali Unseriosität vorwerfen will, muss diese Frage zufriedenstellend beantworten. Oder will man das nicht, weil man es nicht zufriedenstellend beantworten kann?

Da sind mindestens zwei Fragen in der Reportage, die umgehend geklärt werden müssten. Denn hier ist die Sicherheit. Wenn die Antwort zufriedenstellend ist, dann kann man den Beitrag unseriös bezeichnen. Andernfalls haben hier nur betroffene Hunde gebellt und zur Ablenkung nicht Argumente entkräftet sondern einfach Journalisten für unseriös erklärt.

Sorry, momentan nehme ich Frau Palla als Versprechensweltmeisterin ganz in der Tradition ihrer Vorgänger wahr. Gut die ICEs sind sauberer, der Regionalverkehr ist nur schlimmer geworden, kennt sich Frau Palla nicht mit dem Regionalverkehr aus? Sie hat ein wenig den Wasserkopf der DB geschrumpft, mit besten Absichten oder zur sicherlich notwendigen eigenen Machtsicherung? Liefern tut Frau Palla bisher aber nur wenig. Verbal auf Journalisten schießen, das kann jeder. Auf Politiker schießen können auch Journalisten, Frau Hayali ist da sicher auch Lämmchen. Aber der Aufmacher Sicherheit in der Reportage und die gelieferten Nachweise werden mit Vorwürfen gegen die Reportage beantwortet. Das macht sehr skeptisch. Mit der Reaktion auf die Reportage wurde meine bisher sehr positive Wahrnehmung von Frau Palla durch die Bahn sehr stark beschädigt. Hier sollte die Bahn überaus dringend einige Antworten geraderücken. Sonst entsteht der Eindruck, dass Frau Hayali schlichtweg in eine Wespennest gestochen hat und ohne es zu wissen bei mindestens einem Teil der Reportage den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Der kollektive Aufschrei der DB-Jünger macht zusätzlich skeptisch.
bollisee schrieb:
Exoplanet schrieb:
Ein Wort steht im Zentrum des Streits um die ZDF-Doku über die Deutsche Bahn: „unseriös“. So bezeichnet der Konzern die Reportage.

Weiter hier.

[www.berliner-zeitung.de]....
...
Warum auch immer auf den Stellwerken aus der Kaiserzeit rumgehackt wird? Die funktionieren wenigstens. Dafür wird das Beispiel mit dem Relaisstellwerk nicht weiter ausgebaut. Die fallen immer häufiger aus. Warum eigentlich?
Dafür gibt es einige Gründe: Versprödung der Aderisolierung, Ende der vorgesehenen Einsatzzeit überschritten, fehlende Ersatzteile, Ausscheiden des Instandhaltungspersonales mit Fachkenntnis usw .
Aber generell ungenügende Ersatzinvestitionen wegen Unterfinanzierung seit 40 Jahren! Der Ball geht zurück in das Feld der Politik.
Sorry aber was generell zur LST im Beitrag gesagt wurde empfand ich als ein Verkaufsvideo von Siemens Mobility das nichts mit der Realität zu tun hat.
Es wäre für mich auch interessant gewesen zu erfahren, wie die Politik aus heutiger Sicht heute den gescheiterten ETCS Migrationsplan von Scheuer / Mc Kinsey und der Bahnindustrie aus 2018 bewertet.

PS: Zu den Betonschwellen wäre es sinnvoll gewesen zu hinterfragen, ob der Sachverhalt wirklich im Vorstand der DBAG seit 2010 unbekannt war.
Ich glaube die heftige Reaktion der Bahn ist auch darauf zurückzuführen, das es durchaus Konsequenzen gab.

Re: Unseriöse Unions-Verkehrsminister

geschrieben von: Bahnsteig13a

Datum: 24.07.26 13:38

Lz 86711 schrieb:
Exoplanet schrieb:
Ein Wort steht im Zentrum des Streits um die ZDF-Doku über die Deutsche Bahn: „unseriös“. So bezeichnet der Konzern die Reportage.
Bei aller Kritik – es gibt aber auch einen AHA-Moment: Ab Minute 38 muss der CDU-Abgeordnete Michael Donth einräumen das die Unions-Verkehrsminister versagt haben.
Natürlich haben sie versagt, wie auch Wissing und alle SPD-Verkehrsminister davor. Alle haben zu wenig in die Schiene investiert und haben das Eigentum einfach laufen lassen, ohne echte Kontrolle und Handhabe. Nur dadurch konnte es zu diesen heutigen Zuständen kommen, es hat scheinbar niemanden interessiert und manche konnten machen was sie wollten.
50 3529 schrieb:
PS: Zu den Betonschwellen wäre es sinnvoll gewesen zu hinterfragen, ob der Sachverhalt wirklich im Vorstand der DBAG seit 2010 unbekannt war.
Ich glaube die heftige Reaktion der Bahn ist auch darauf zurückzuführen, das es durchaus Konsequenzen gab.
Umfangreiche Schwellentauschaktionen, Stichwort Gleiserneuerung ohne Schienen - GoS -, gibt es seit mindestens 2010. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses am Bahnvorstand vorbeigegangen ist. Nur ist das eben ein ödes Thema, welches bis zu dem Ereignis bei Garmisch die Öffentlichkeit einschließlich DSO nicht weiter interessiert hat.
LoneStarr27 schrieb:
50 3529 schrieb:
PS: Zu den Betonschwellen wäre es sinnvoll gewesen zu hinterfragen, ob der Sachverhalt wirklich im Vorstand der DBAG seit 2010 unbekannt war.
Ich glaube die heftige Reaktion der Bahn ist auch darauf zurückzuführen, das es durchaus Konsequenzen gab.
Umfangreiche Schwellentauschaktionen, Stichwort Gleiserneuerung ohne Schienen - GoS -, gibt es seit mindestens 2010. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses am Bahnvorstand vorbeigegangen ist. Nur ist das eben ein ödes Thema, welches bis zu dem Ereignis bei Garmisch die Öffentlichkeit einschließlich DSO nicht weiter interessiert hat.
Dann wird sich sicherlich ein Rundschreiben im Jahr 2010 an die gesamte DB-Netz finden lassen, wo die entsprechenden Vorschriften gemacht wurden mit Bezug auf Regensburg. Das kann die DB doch entgegenhalten statt persönliche Vorwürfe zu machen. Dann wäre es sachlich entkräftet. Ich vermute aber, das wird man nicht finden können.

Nun ja, während ich das schreibe, halte ich gerade mit Blick auf vier aufeinanderfolgende, gebrochene Betonschwellen im Bahnhof Reichenau. Und das gesamte seeseitige Gleis war 2018 zur Erneuerung vorgesehen. Diese Sperrung war groß im Jahr zuvor angekündigt worden und nie durchgeführt worden. Jetzt kann sogar der Laie dem Gleis beim Verrotten zuschauen. Bis an die Ränder der Republik haben sich wohl die Erkenntnisse aus Regensburg nicht rumgesprochen. Weder bis zur Reichenau noch bis nach Burgrain.

Und was ist nun mit dem Feedback an die Lokführer zu deren Meldungen zur Gleislage? Gerade hat es mich zwischen Radolzell und Singen ungewöhnlich durchgeschüttelt... Gruß vom Gleis.

Schreibt hin!

geschrieben von: Carsten Hölscher

Datum: 24.07.26 14:41

Schreibt hin, ich hab's auch gemacht. Also Kontakt zu der Sendung ist angegeben_
pressedesk@zdf.de
hagedorn.t@zdf.de

u.a.:
...
Bei einigen Aussagen war ich aber doch irritiert und ich wundere mich wie die es in den Beitrag schaffen.
Vor allem der Lokführer der immer langsamer fährt und dadurch Verspätung macht. Ich würde sagen, dass der mit seinem Job überfordert ist.
Bei allen Problemen, die wir haben bei der Bahn, aber dass die Gleise generell nicht sicher sind, ist schon starker Tobak. ... Zum Kalibrieren der Sinne sollte er mal andere Länder besuchen und man muss gar nicht in Entwicklungsländer fahren. Da reicht schon Polen oder Rumänien. Der Eindruck der dem Publikum hier vermittelt wird, wird der Sache meiner Meinung nach überhaupt nicht gerecht.

Als nächstes wundert die starke Fokussierung auf ETCS und es wird der Eindruck vermittelt, mit mehr ETCS wäre unser Betrieb stabiler. Ich wüste nicht, warum da so sein sollte.
ETCS ersetzt die bisherigen Systeme PZB90 und LZB, beide übrigens auch schon immer digital (also der Begriff Digitalisierung im Zusammenhang mit ETCS ist die falsche Wortwahl).
PZB90 und LZB sind aber super stabil laufende Systeme mit hohem Sicherheitsniveau. Die sind nicht für unsere Probleme verantwortlich. Die Bundesbahn hat damit auch zuverlässigen Betrieb hinbekommen.

Auch bringt ETCS per se keine höhere Leistungsfähigkeit als LZB. Die Funktionsweise ist (bei anderer technischer Umsetzung) sehr ähnlich und die Leistungsfähigkeit hängt vor allem an der konkreten Projektierung und wenig am System selbst.
Kurzer Ausflug in die Geschichte: Deutschland hat quasi flächendeckend PZB90 + Signale. Für Strecken mit mehr als 160 km/h ist zusätzlich LZB installiert, die ebenso wie ETCS ohne Signale auskommt. Man hat aber aus Redundanzgründen auch auf LZB-Strecken Signale verbaut. So kann im LZB-Störungsfall mit bis zu 160 km/h auf Signal gefahren werden (bei ETCS ohne Signale ist in so einem Fall nur noch max. 40 km/h – bei Dunkelheit 15 km/h - mit etlichen zusätzlich Halten möglich).
ETCS bringt für Deutschland betrieblich keine großen Vorteile, außer dass es für grenzüberschreitende Verkehre kompatibel ist. Daher hat Deutschland das Thema ETCS anfangs komplett ignoriert. Irgendwann hat die EU für Neubauten ETCS vorgeschrieben und jetzt kommt man nicht mehr drumrum, ist aber natürlich auch stark hinterher im Vergleich zu anderen Ländern, bei denen aber auch der Bedarf nach einem modernen System größer war.

Nun hat man bei der Riedbahnsanierung festgestellt, dass ETCS + Signale den Aufwand, die Komplexität und damit die Kosten enorm in die Höhe treibt und die DB will solche Fälle zukünftig auf das Unvermeidbare beschränken. Problem ist, dass große Teile der deutschen Loks und Triebwagen nicht mit ETCS ausgerüstet sind und die Halter der Fahrzeuge nicht einsehen, 100.000€ und mehr pro Fahrzeug in die Hand zu nehmen, weil die DB meint, vorhandene, funktionierende Technik umbauen zu wollen.
Daher ist die Branche sehr erleichtert gewesen, dass Berlin – Hamburg nicht auf ETCS ohne Signale umgebaut worden ist, denn das ist eine wichtige Strecke für sehr viele Verkehre. Daher wundert die Aussage von Herrn Leister, für das Geld hätte man die dort verkehrenden Fahrzeuge auf ETCS umbauen können. Auf solchen zentralen Strecken gibt es keine festen Fahrzeuge. Die muss z.B. für alle Firmen die Güterzüge, Sonderzüge usw. fahren befahrbar sein, sonst sind viele Verkehre gar nicht sinnvoll möglich. Die gespielte Empörung über diesen Umbau ist fehl am Platze, es war die einzige praxistaugliche Möglichkeit. Mich wundert, dass dieser Sachverhalt überhaupt nicht dargelegt wurde in dem Beitrag.
Der richtige Weg wurde ja beschrieben: Es müssen erstmal die Fahrzeuge ausgerüstet werden und dafür müsste m.E. eine staatliche Förderung her, sonst wird das nicht gelingen – den Zeitbedarf dafür würde ich auf mind. 10 Jahre ansetzen. Aktuell und auf absehbare Zeit bleibt also nur die Lösung ETCS zusätzlich zu den Signalen zu verbauen oder ETCS gar nicht zu verbauen.
...
50 3529 schrieb:
Der Redaktion ist entgangen, das es sehr viele Spezifikationen von ETCS gibt.
Aktuell gibt es tatsächlich nur einen rechtskräftigen Spezifikationssatz. Aber ja, es gab im Laufe der Zeit mehrere. Praktisch genutzt wurden vier bis fünf, wobei einige sehr ähnlich zueinander waren. Wirklich unterscheiden muss man technisch nur Strecken nach Systemversion X=1 (VDE 8, die meisten Nachbarländer) und X=2 (DE, NO, CZ und zukünftig weitere).

50 3529 schrieb:
Das der von Belgien (und zum Beispiel der Schweiz) gewählte Migrationsweg m.M. nach der einzig funktionierende ist und der deutsche Weg scheitert kann man ja live auf HH-B verfolgen.
Ich sehe das nicht als einen Migrationsweg. Die Frage ist zunächst, wohin der Weg führen soll. Wenn es "ETCS, egal wie" ist, dann sind Belgien und die Schweiz fertig. Wenn es "ETCS L2 ohne Signale" sein soll, dann nutzt Belgien mehrere Migrationswege (über L1FS, L1LS und L2mS), die Schweiz nur einen davon (L1LS) und zusätzlich die direkte Umstellung. Denn in der Schweiz hat man bekanntlich nie L2 mit Signalen genutzt. Das ist hingegen in Österreich der Fall (nur zur Migration, nicht bei Neubaustrecken).

Der deutsche Weg ist bislang teilweise über L2mS gegangen, aktuell ist das Zielbild aber wie in der Schweiz L2oS. Andere Länder auf dem direkten Weg nach L2oS sind die Niederlande (Ausnahmen: Rhijnspoorweg, Hanzelijn), Norwegen, Finnland und Schweden.

Bei Neubaustrecken ist man sich hingegen weitgehend einig, dass L2 ohne Signale verbaut wird, letzte Ausnahme dürften die 2017 in Frankreich in Betrieb gegangenen Strecken sein.

Gruß
Sven

Vollfunktionsfähige Rückfallebene

geschrieben von: ThomasK

Datum: 24.07.26 15:31

Zugsicherer schrieb:
Aktuell gibt es tatsächlich nur einen rechtskräftigen Spezifikationssatz. Aber ja, es gab im Laufe der Zeit mehrere. Praktisch genutzt wurden vier bis fünf, wobei einige sehr ähnlich zueinander waren. Wirklich unterscheiden muss man technisch nur Strecken nach Systemversion X=1 (VDE 8, die meisten Nachbarländer) und X=2 (DE, NO, CZ und zukünftig weitere).

Ich sehe das nicht als einen Migrationsweg. Die Frage ist zunächst, wohin der Weg führen soll. Wenn es "ETCS, egal wie" ist, dann sind Belgien und die Schweiz fertig. Wenn es "ETCS L2 ohne Signale" sein soll, dann nutzt Belgien mehrere Migrationswege (über L1FS, L1LS und L2mS), die Schweiz nur einen davon (L1LS) und zusätzlich die direkte Umstellung. Denn in der Schweiz hat man bekanntlich nie L2 mit Signalen genutzt. Das ist hingegen in Österreich der Fall (nur zur Migration, nicht bei Neubaustrecken).

Der deutsche Weg ist bislang teilweise über L2mS gegangen, aktuell ist das Zielbild aber wie in der Schweiz L2oS. Andere Länder auf dem direkten Weg nach L2oS sind die Niederlande (Ausnahmen: Rhijnspoorweg, Hanzelijn), Norwegen, Finnland und Schweden.

Bei Neubaustrecken ist man sich hingegen weitgehend einig, dass L2 ohne Signale verbaut wird, letzte Ausnahme dürften die 2017 in Frankreich in Betrieb gegangenen Strecken sein.
Der entscheidende Punkt ist, WIE man eine voll funktionsfähige Rückfallebene implementiert.

Völlig indiskutabel ist es, wenn beim ETCS-Ausfall Vmax = 40 km/h gilt.

Nun kann man bei ETCS Level 2 die PZB beibehalten, woraus folgt, dass beim ETCS-Ausfall Vmax = 160 km/h gilt. Dass ist zwar keine voll funktionsfähige Rückfallebene, aber mit Vmax = 160 km/h im Störungsfall könnte man bei niedriger Ausfallwahrscheinlichkeit noch leben.

Die Schweiz wählt einen anderen Weg. Sobald dort ETCS 2 verbaut ist, verschwinden die Signale.

Um aber eine voll funktionsfähige Rückfallebene zu haben, werden zahlreiche Einzelkomponenten redundant verbaut, damit a priori die Ausfallwahrscheinlichkeit von ETCS 2 deutlich reduziert wird.

Anzumerken ist auch, dass ETCS gegenüber LZB keinen Vorteil darstellt. Es gibt sogar bei ETCS 2 gegenüber LZB einige handfeste Nachteile.

Wenn in Knotenbahnhöfen sehr viele Gleise liegen und sehr viele Züge gleichzeitig unterwegs sind, dann kann der Fall eintreten, dass die ETCS Kanäle überlastet sind. Bei der LZB gilt dies nicht, da jeder Zug über ein eigenes Kabel in der Gleismitte (Linienleiter) separat angesteuert wird.

Angenommen, man hat im Gleisvorfeld des Münchner Hauptbahnhofs sehr viele Zugfahrten gleichzeitig, dann müsste man sich vor einem ETCS-Einbau überlegen, wie man dann bei Funkunterbrechungen verfährt. Üblicherweise gibt es dann Zwangsbremsungen.

Aber gut, dass das bei einer ZDF-Dokumentation nicht thematisiert wird, wundert mich nicht. Aber ich hatte ja schon vorher gesagt, dass ich mir den Schrott nicht angeschaut habe, denn das wäre dann Schade um die Zeit.
Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 All Angemeldet: -
Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Kontakt | Impressum
(c) 2026 - Arbeitsgemeinschaft DREHSCHEIBE e.V.