Also hat es die DB mal wieder geschafft. Die Infrastruktur so lange verrotten lassen, bis man sich in einer Zwangslage befindet und jegliche Form von Bürgerbeteiligung, Denkmalschutz und anderen Errungenschaften der Moderne über Bord werfen kann.Einmal mehr zeigt sich, dass wir hier die Infrastruktur schon wirklich sehr nah am Limit eines unmittelbaren Erneuerungsbedarfes fahren.
Wir werden nun versuchen, den nun sehr offensichtlich gewordenen, massiven Erneuerungsbedarf der Brücken mit der ebenso wichtigen Elektrifizierung zu verbinden.
Es gibt in Deutschland zahlreiche mehrere hundert Jahre alte Häuser. Die sind alle hygienisch einwandfrei. Wohnhäuser mit Duschen, Toiletten und Zentralheizung. Wenn man nur will, geht das.Ich bin mir ziemlich sicher, daß niemand, der immer nach Denkmalschutz ruft, in einem Grubenhaus würde leben wollen, sondern sehr froh ist, daß die abgerissen und durch modernere Bauten ersetzt wurden.
geschrieben von: Rohrbacher
Datum: 19.09.25 21:56
Ziemlich sicher dürften die Fenster deines Dienstgebäudes ausgetauscht werden, sogar gegen moderne Wärmeschutzfenster mit historischer Optik, nur halt nicht gegen entstellende 0815-Systemfenster vom Baumarkt, die dein Dienstherr vermutlich einbauen will. Oder auch nicht und die Nichtsanierung einfach kackfrech wieder dem Denkmalschutz anlastet. Unter Bauherren ist das fast so beliebt wie Bahn-Bashing in der Gesamtbevölkerung. Man fühlt sich besser und jeder versteht sofort, warum man auf gar keinen Fall selber irgendwas verbummelt hat. Verständlich. Ich kenne dennoch viele denkmalgeschützte Wohnhäuser, die sogar Niedrigenergiestands erfüllen. Auch die teuersten Münchner Innenstadtwohnungen dürften in luxussanierten, oft denkmalgeschützten Altbauten sein, ohne dass es im 18. Jahrbundert z.B. schon Kippfenster gegeben hätte. Ich denke, du bist durch verbreiterte Stammtisch-Vorurteile falsch informiert. Gut, dass wir drüber gesprochen haben. :-)Nein, das ist zu einfach. In meinem Dienstgebäude dürfen wegen Denkmalschutz zugige einfachverglaste Fenster nicht ausgetauscht werden. Es müsse historisch korrekt sein.
geschrieben von: Rohrbacher
Datum: 20.09.25 02:14
Und genau das deutet darauf hin, dass das Denkmalamt in deinem Fall vielleicht einfach deswegen nicht zustimmt, weil nicht alles, was "der Banause" für denkmalgerecht hält, es tatsächlich ist. Aber natürlich liegt der Fehler nur beim bockigen Amt, das es einfach nicht einsehen will, dass es keine Ahnung hat ...Das zuständige Denkmalamt forderte an dieser Stelle tatsächlich die Verwendung der originalen Fenster (nicht: originalgetreuer!), was eben alleine schon deshalb sinnlos ist, weil sämtliche Fenster erst in den 50er Jahren in eine ausgebrannte Ruine eingesetzt wurden.
geschrieben von: Nord_süd_bahn
Datum: 20.09.25 07:44
Kann man Brücken aus Flusseisen sanieren? Das Credo ist doch, dass dieses Material baldmöglichst verschwinden sollte.Gerade bei einem Konzern wie die DB AG, der damit Erfahrung haben sollte, kann ich mir jedenfalls kaum vorstellen, dass eine Brückensanierung, die seit drei Jahrzehnten eigentlich überall viel zu lange verschleppt wird, sich ausgerechnet am Denkmalschutz aufhängt, der bei noch erhaltenen Brücken dieser Epoche fast Standard sein dürfte.
geschrieben von: StellwerkPsf
Datum: 20.09.25 10:26
geschrieben von: StellwerkPsf
Datum: 20.09.25 10:43
Das kannst du doch als jemand, der nicht Finanzminister ist, gar nicht beurteilen ;-)Und natürlich können wir uns Denkmalschutz leisten.
geschrieben von: Rohrbacher
Datum: 20.09.25 11:22
So, und wo zur Hölle widerspricht das dem, was ich bereits geschrieben und mit Beispielen belegt habe?Rohrbacher schrieb:Kann man Brücken aus Flusseisen sanieren? Das Credo ist doch, dass dieses Material baldmöglichst verschwinden sollte.Gerade bei einem Konzern wie die DB AG, der damit Erfahrung haben sollte, kann ich mir jedenfalls kaum vorstellen, dass eine Brückensanierung, die seit drei Jahrzehnten eigentlich überall viel zu lange verschleppt wird, sich ausgerechnet am Denkmalschutz aufhängt, der bei noch erhaltenen Brücken dieser Epoche fast Standard sein dürfte.
Es kann nur auf Ersatzneubauten hinauslaufen.
In welcher Welt lebst du? Natürlich holen Länder mit der 15-fachen Bevölkerung mit ein bisschen Entwicklung in absoluten Zahlen extrem schnell auf bzw. überholen uns. So what?Deutschland stellt sich mit diesen und anderen Wichtigkeiten (ich sage nur Zauneidechse) selbst ein Bein, und andere Länder und Kontinente lachen uns dafür aus und ziehen mit ihren besseren Standortbedingungen die Investoren an sich.
Der erste Satz ist völlig korrekt und ist eben ein Teil des Problems, das von manchen (!) Denkmalschutzbehörden ignoriert wird.+1
Jahrhundertelang haben sich Städte verändert und bei Bedarf wurde abgerissen und neu gebaut. Nur heute soll am besten alles ein Freilichtmuseum sein und aussehen wie 1980.
Denkmalschutz kann mMn komplett abgeschafft werden.
Ein Credo, oder einfach nur eine ständig verbreitete Ausrede. Instandhaltung bezahlt die DB, Ersatzneubau bezahlt der Bund. Rate mal, wer da ein Interesse an solch einem Credo hat :-)Kann man Brücken aus Flusseisen sanieren? Das Credo ist doch, dass dieses Material baldmöglichst verschwinden sollte.
Wer billig kauft, kauft zwei Mal. Die Stahlbrücken haben jetzt trotz zuletzt ausbleibender Instandhaltung über 100 Jahre gehalten. Betonbrücken gibt man eine Lebensdauer von gerade mal 30 Jahren. Man kauft also eher drei Mal.Infrastruktur- und Hochbau gehört vereinfacht, verbilligt und nicht verteuert.
Nur, weil eine Person in einer Denkmalschutzbehörde etwas für exakt so erhaltenswürdig hält, heißt das noch lange nicht, daß es so ist.HSB Tw 44 schrieb:Und genau das deutet darauf hin, dass das Denkmalamt in deinem Fall vielleicht einfach deswegen nicht zustimmt, weil nicht alles, was "der Banause" für denkmalgerecht hält, es tatsächlich ist. Aber natürlich liegt der Fehler nur beim bockigen Amt, das es einfach nicht einsehen will, dass es keine Ahnung hat ...Das zuständige Denkmalamt forderte an dieser Stelle tatsächlich die Verwendung der originalen Fenster (nicht: originalgetreuer!), was eben alleine schon deshalb sinnlos ist, weil sämtliche Fenster erst in den 50er Jahren in eine ausgebrannte Ruine eingesetzt wurden.
Selbst wenn die in den 50er Jahren in die "Ruine" eingebauten Fenster irgendwie als Teil der Nachkriegskultur selbst eine Denkmaleigenschaft darstellen, geht kein Amt dieser Welt davon aus, dass die vermutlich hölzernen Originalteile ewig halten und erhalten werden können. Es ist eigentlich auch regelmäßig so, dass bestimmte Dinge immer gemacht werden können, weil der Denkmalschutz eben nicht verlangen kann, dass ihr in einem Museum hausen müsst. Gewisse Dinge wie zeitgemäße Heizung, Strom, Wasser, Brand- und Arbeitsschutz etc. gehen bei aktiv genutzten Gebäuden ohne geplante Nutzungsänderung m.W. immer, sonst sähen die verlinkten Gebäude in der Münchner Innenstadt anders aus. Wenn nicht gerade das Dach die herausragende Denkmaleigenschaft ist oder irgendeine Sichtachse allzu schlimm beeinflusst wird, gehen sogar Solaranlagen. Es kommt da weniger auf das Amt als darauf an, was genau eigentlich der Grund für den Denkmalschutz ist und welche Eigenschaft die primär zu bewahrende ist. Das ist sehr individuell, daher sind's auch die (wirklich) denkmalgerechten Lösungen.
Neuerdings sind sogar Geländer an der Walhalla möglich. In dem Fall hieß es von der Schlösserverwaltung bisher auch, das sei "aus Denkmalschutzgründen nicht möglich". Tatsächlich geht's auch da wohl eher um einen Landtagsbeschluss von 1981, wonach die Walhalla nicht verändert werden soll, und andere Befindlichkeiten von ganz anderer Stelle als tatsächlich dem formalen Denkmalschutz, der meines Wissen auch damals schon mit ein paar Auflagen grundsätzlich kein Problem gehabt hätte, optisch passende, dezente Absturzsicherungen (denkbar wäre Glas) anzubringen.
geschrieben von: Dirk Mattner
Datum: 20.09.25 12:28
Denkmalschutz verdoppelt - je nach Auslegung - locker die Baukosten. Auch ich liebe Fachwerkaltstädte und historische Brückenkunstwerke, aber diesen Aspekt darf man nicht ausblenden.Denkmalschutz ist kein Wohlstandthema, sondern in jedem zivilisierten Land zwingend notwendig. Und natürlich können wir uns Denkmalschutz leisten.
"Infrastruktur- und Hochbau gehört vereinfacht, verbilligt und nicht verteuert."
Das ist doch überhaupt nicht das Problem, um das es hier geht.
Wer erzählt denn solchen Bullshit? Mir ist kein Fall einer Betonbrücke bekannt, die nur 30 Jahre gehalten hat.Betonbrücken gibt man eine Lebensdauer von gerade mal 30 Jahren.
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