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Re: Pegnitztalbahn wird gesperrt

geschrieben von: Traumflug

Datum: 19.09.25 19:19

Philipp Nagl schrieb:
Einmal mehr zeigt sich, dass wir hier die Infrastruktur schon wirklich sehr nah am Limit eines unmittelbaren Erneuerungsbedarfes fahren.

Wir werden nun versuchen, den nun sehr offensichtlich gewordenen, massiven Erneuerungsbedarf der Brücken mit der ebenso wichtigen Elektrifizierung zu verbinden.
Also hat es die DB mal wieder geschafft. Die Infrastruktur so lange verrotten lassen, bis man sich in einer Zwangslage befindet und jegliche Form von Bürgerbeteiligung, Denkmalschutz und anderen Errungenschaften der Moderne über Bord werfen kann.

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: Traumflug

Datum: 19.09.25 19:21

HSB Tw 44 schrieb:
Ich bin mir ziemlich sicher, daß niemand, der immer nach Denkmalschutz ruft, in einem Grubenhaus würde leben wollen, sondern sehr froh ist, daß die abgerissen und durch modernere Bauten ersetzt wurden.
Es gibt in Deutschland zahlreiche mehrere hundert Jahre alte Häuser. Die sind alle hygienisch einwandfrei. Wohnhäuser mit Duschen, Toiletten und Zentralheizung. Wenn man nur will, geht das.

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: Rohrbacher

Datum: 19.09.25 21:56

HSB Tw 44 schrieb:
Nein, das ist zu einfach. In meinem Dienstgebäude dürfen wegen Denkmalschutz zugige einfachverglaste Fenster nicht ausgetauscht werden. Es müsse historisch korrekt sein.
Ziemlich sicher dürften die Fenster deines Dienstgebäudes ausgetauscht werden, sogar gegen moderne Wärmeschutzfenster mit historischer Optik, nur halt nicht gegen entstellende 0815-Systemfenster vom Baumarkt, die dein Dienstherr vermutlich einbauen will. Oder auch nicht und die Nichtsanierung einfach kackfrech wieder dem Denkmalschutz anlastet. Unter Bauherren ist das fast so beliebt wie Bahn-Bashing in der Gesamtbevölkerung. Man fühlt sich besser und jeder versteht sofort, warum man auf gar keinen Fall selber irgendwas verbummelt hat. Verständlich. Ich kenne dennoch viele denkmalgeschützte Wohnhäuser, die sogar Niedrigenergiestands erfüllen. Auch die teuersten Münchner Innenstadtwohnungen dürften in luxussanierten, oft denkmalgeschützten Altbauten sein, ohne dass es im 18. Jahrbundert z.B. schon Kippfenster gegeben hätte. Ich denke, du bist durch verbreiterte Stammtisch-Vorurteile falsch informiert. Gut, dass wir drüber gesprochen haben. :-)

Übrigens reicht ein simpler Bebauungsplan oder eine Gestaltungssatzung (Beispiel: Bad Aibling) der Kommune, um bestimmte Fenster, Dachziegel, Dachformen, Wandfarben, sogar Gebäudeformen etc. vorzuschreiben. Dass in Oberammergau auch das Neubaugebiet nach "Oberammergau" aussieht und nicht nach Ingolstadt, Bochum oder New York, nur mit Bergen drumrum, ist jetzt nicht so, weil da nur zufällig keiner Toskana- oder Schwedenhäuser, Jodlerstil und Industrial-Look mag ...

Gerade bei einem Konzern wie die DB AG, der damit Erfahrung haben sollte, kann ich mir jedenfalls kaum vorstellen, dass eine Brückensanierung, die seit drei Jahrzehnten eigentlich überall viel zu lange verschleppt wird, sich ausgerechnet am Denkmalschutz aufhängt, der bei noch erhaltenen Brücken dieser Epoche fast Standard sein dürfte. Wie gesagt, das ist eine aufwändig trassierte Strecke, die betrieblich aber doch eher sekundär ist. Bei sowas liegen in Bayern die Ausbau- oder Modernisierungpläne aus Bundesbahnzeiten eigentlich fast flächendeckend noch da, wo sie 1990 mit "Realisierungshorizont um 2000" auch schon lagen. Daher würde ich über die tatsächlichen Ursachen dieses neuerlichen Desasters andere Vermutungen anstellen.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.09.25 21:59.

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: HSB Tw 44

Datum: 20.09.25 00:02

Das zuständige Denkmalamt forderte an dieser Stelle tatsächlich die Verwendung der originalen Fenster (nicht: originalgetreuer!), was eben alleine schon deshalb sinnlos ist, weil sämtliche Fenster erst in den 50er Jahren in eine ausgebrannte Ruine eingesetzt wurden. Der Dachstuhl ist übrigens an manchen Stellen aus Beton gegossen…
Es steht gar nicht in Frage, daß man auch, wenn von beiden Seiten gewollt, denkmalgerechte Lösungen finden kann. Wie Du ja sagtest: es wären praktisch natürlich Fenster möglich, die der historischen Optik entsprechen. In diesem Fall aber stimmte das Denkmalamt dem nicht zu.

Daß es an einem Ort funktioniert, heißt nicht, daß es auch an einem anderen Ort geht. Hessen alleine hat 36 untere Denkmalschutzbehörden. Da kann es sein, daß eine Sache in der kreisfreien Stadt unmöglich ist, die 5 Meter weiter im Landkreis machbar ist. Es kommt sehr auf den Willen der zuständigen Stellen und Personen an.

---
Die EU-Bildungsminister: Lesen gefährdet die Dummheit

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: HSB Tw 44

Datum: 20.09.25 00:04

Daß ein Haus mehrere hundert Jahre alt ist, heißt nicht automatisch, daß es unter Denkmalschutz steht.
Und dann kommt noch das hinzu, was ich in der anderen Antwort geschrieben habe: nicht jede untere Denkmalschutzbehörde ist gleich.

Die eine stimmt praktisch kompletten Umbauten im Inneren zu, solange das äußere Erscheinungsbild gewahrt bleibt, die andere bekommt Schnappatmung, wenn man einen morschen Deckenbalken austauschen muß.

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Die EU-Bildungsminister: Lesen gefährdet die Dummheit

Das hat einen leichten Geschmack

geschrieben von: NbgBahn

Datum: 20.09.25 00:30

Man hat jahrelang die Probleme ausgesessen, äußerst schleppend wenige Brücken ersetzt und kommt jetzt mit der Maximalforderung Elektrifizierung durch die Türe.

Die Elektrifizierung wurde 2022 mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,6 abgelehnt, 2025 kam man plötzlich zu einem positiven Wert von 1,06. Wie es zu diesem Wandel kam, war u.a. Gegenstand einer kleinen Anfrage (Drucksache 21/1523) einzelner Bundestagsabgeordneter im Jahr 2025.

Die Antwort: "Der Neubewertung 2025 lag der gleiche Planungs- und Kostenstand zugrunde wie der Bewertung 2022. Wesentliche Änderung war das auf Grundlage der neuen Verkehrsprognose 2040 veränderte Mengengerüst sowie die aktualisierten Kosten- und Wertansätze. Wesentlich für die Verbesserung des NKV ist der von 24 204 T Euro im Jahr 2022 auf 62 197 T Euro im Jahr 2025 gestiegene Nutzen im Güterverkehr, während der Nutzen im Personenverkehr von 14 745 T Euro im Jahr 2022 auf 18 601 T Euro im Jahr 2025 geringfügig gestiegen ist."

Klartext: Für den Personenverkehr fehlt für die Elektrifizierung die Wirtschaftlichkeit, es geht um die Etablierung einer leistungsfähigeren Güterabfuhrstrecke. Wenn man die Bedingungen bei der Ermittlung der plötzlich gesteigerten Wirtschaftlichkeit sieht (gleicher Planungs- und Kostenstand wie 2022 - komisch, scheinbar gibt es Preissteigerungen nur bei Lebensmitteln, verändertes Mengengerüst (boomt die Wirtschaft?)), dann erscheint das etwas tendenziös.
Die Planungen wurden 2022 eingestellt, die letzten bekannten Kosten aus 2021 betragen ca. 1,5 Mrd Euro (netto).

Auch die Frage 20 der Abgeordneten und die Antwort hierauf ist im Zeitalter ausufernden Controllings (Opportunitätskosten usw.) seltsam und legt die Vermutung nahe, dass Politik und nicht belastbares Zahlenmaterial Grundlage der Entscheidung sein sollen:

Frage: Welche Mehrkosten beim Transport von Personen und Gütern auf der Strecke entstehen nach Kenntnis der Bundesregierung dadurch, dass die Sachsen-Franken-Magistrale nicht elektrifiziert ist und daher zeitaufwendige Lokwechsel vorgenommen bzw. Linien gebrochen werden sowie Dieselloks gemietet und vorgehalten werden müssen?

Antwort: Die konkreten Mehrkosten beim Transport von Personen und Gütern auf der Strecke lassen sich nicht eindeutig beziffern.

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: Rohrbacher

Datum: 20.09.25 02:14

HSB Tw 44 schrieb:
Das zuständige Denkmalamt forderte an dieser Stelle tatsächlich die Verwendung der originalen Fenster (nicht: originalgetreuer!), was eben alleine schon deshalb sinnlos ist, weil sämtliche Fenster erst in den 50er Jahren in eine ausgebrannte Ruine eingesetzt wurden.
Und genau das deutet darauf hin, dass das Denkmalamt in deinem Fall vielleicht einfach deswegen nicht zustimmt, weil nicht alles, was "der Banause" für denkmalgerecht hält, es tatsächlich ist. Aber natürlich liegt der Fehler nur beim bockigen Amt, das es einfach nicht einsehen will, dass es keine Ahnung hat ...

Selbst wenn die in den 50er Jahren in die "Ruine" eingebauten Fenster irgendwie als Teil der Nachkriegskultur selbst eine Denkmaleigenschaft darstellen, geht kein Amt dieser Welt davon aus, dass die vermutlich hölzernen Originalteile ewig halten und erhalten werden können. Es ist eigentlich auch regelmäßig so, dass bestimmte Dinge immer gemacht werden können, weil der Denkmalschutz eben nicht verlangen kann, dass ihr in einem Museum hausen müsst. Gewisse Dinge wie zeitgemäße Heizung, Strom, Wasser, Brand- und Arbeitsschutz etc. gehen bei aktiv genutzten Gebäuden ohne geplante Nutzungsänderung m.W. immer, sonst sähen die verlinkten Gebäude in der Münchner Innenstadt anders aus. Wenn nicht gerade das Dach die herausragende Denkmaleigenschaft ist oder irgendeine Sichtachse allzu schlimm beeinflusst wird, gehen sogar Solaranlagen. Es kommt da weniger auf das Amt als darauf an, was genau eigentlich der Grund für den Denkmalschutz ist und welche Eigenschaft die primär zu bewahrende ist. Das ist sehr individuell, daher sind's auch die (wirklich) denkmalgerechten Lösungen.

Neuerdings sind sogar Geländer an der Walhalla möglich. In dem Fall hieß es von der Schlösserverwaltung bisher auch, das sei "aus Denkmalschutzgründen nicht möglich". Tatsächlich geht's auch da wohl eher um einen Landtagsbeschluss von 1981, wonach die Walhalla nicht verändert werden soll, und andere Befindlichkeiten von ganz anderer Stelle als tatsächlich dem formalen Denkmalschutz, der meines Wissen auch damals schon mit ein paar Auflagen grundsätzlich kein Problem gehabt hätte, optisch passende, dezente Absturzsicherungen (denkbar wäre Glas) anzubringen.
Das ehem. Fliegerhorst Goslar war schon teilweise unter Denkmalschutz wo noch Kasernenbetrieb war. Damit konnte die Bundeswehr das Objekt auf die Abschussliste setzen, damals in den 90ern sehr willkommen.
Das Ding ist jetzt ein Wohnpark, aber von Denkmalschutz ist da kaum noch was zu erkennen, müssen nur die richtigen politisch genehmen Investoren vor Ort sein, dann kann auch die Birne kommen.

MfG die Nordsüd S-Bahn

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: korridor

Datum: 20.09.25 08:28

Rohrbacher schrieb:
Gerade bei einem Konzern wie die DB AG, der damit Erfahrung haben sollte, kann ich mir jedenfalls kaum vorstellen, dass eine Brückensanierung, die seit drei Jahrzehnten eigentlich überall viel zu lange verschleppt wird, sich ausgerechnet am Denkmalschutz aufhängt, der bei noch erhaltenen Brücken dieser Epoche fast Standard sein dürfte.
Kann man Brücken aus Flusseisen sanieren? Das Credo ist doch, dass dieses Material baldmöglichst verschwinden sollte.
Es kann nur auf Ersatzneubauten hinauslaufen.
Es ist gut, dass das Thema Denkmalschutz mal eskaliert, denn dieses Wohlstandsthema, alte Dinge müssten für immer so aussehen wie bisher und müssten mit einem irren (Zusatz-) Aufwand so erhalten werden, kann sich die Volkswirtschaft nicht mehr leisten. Infrastruktur- und Hochbau gehört vereinfacht, verbilligt und nicht verteuert. Deshalb wird es nicht gleich aussehen wie im Slum.
Deutschland stellt sich mit diesen und anderen Wichtigkeiten (ich sage nur Zauneidechse) selbst ein Bein, und andere Länder und Kontinente lachen uns dafür aus und ziehen mit ihren besseren Standortbedingungen die Investoren an sich.

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: 146 226

Datum: 20.09.25 08:44

+1

Jahrhundertelang haben sich Städte verändert und bei Bedarf wurde abgerissen und neu gebaut. Nur heute soll am besten alles ein Freilichtmuseum sein und aussehen wie 1980.
Denkmalschutz kann mMn komplett abgeschafft werden.

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: StellwerkPsf

Datum: 20.09.25 10:26

"Nein, das ist zu einfach. In meinem Dienstgebäude dürfen wegen Denkmalschutz zugige einfachverglaste Fenster nicht ausgetauscht werden. Es müsse historisch korrekt sein."

Wenn ein Fenster undicht ist dichtet man es ab, wenn es nicht mehr die heutigen energetischen Anforderungen erfüllt arbeitet rüstet man es mit Isolierglas auf oder baut eine zweite Fensterebene ein. Das ist denkmalpflegerischer Standard, so werden jedes Jahr tausende Fenster in Baudenkmalen instand gesetzt.

"Das zuständige Denkmalamt forderte an dieser Stelle tatsächlich die Verwendung der originalen Fenster (nicht: originalgetreuer!), was eben alleine schon deshalb sinnlos ist, weil sämtliche Fenster erst in den 50er Jahren in eine ausgebrannte Ruine eingesetzt wurden."

Da haben wir es doch: Es handelt sich um einen Wiederaufbau und die historischen Fenster dokumentieren die Wiederaufbauphase. Die Forderung der Denkmalschutzbehörde klingt also logisch und nachvollziehbar.

"Wie Du ja sagtest: es wären praktisch natürlich Fenster möglich, die der historischen Optik entsprechen. In diesem Fall aber stimmte das Denkmalamt dem nicht zu."

Offenbar hat das Denkmalamt die Fenster als denkmalgerecht erhaltungsfähig eingeschätzt. Also wird ein Erhalt gefordert. Daran ist nichts zu Beanstanden.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.09.25 10:49.

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: StellwerkPsf

Datum: 20.09.25 10:43

"Es kann nur auf Ersatzneubauten hinauslaufen."

Das kannst Du doch als Laie der keinen Einblick in die internen Unterlagen der DB und ihrer Brückengutachter hat überhaupt nicht beurteilen.

"Es ist gut, dass das Thema Denkmalschutz mal eskaliert, denn dieses Wohlstandsthema, alte Dinge müssten für immer so aussehen wie bisher und müssten mit einem irren (Zusatz-) Aufwand so erhalten werden, kann sich die Volkswirtschaft nicht mehr leisten."

Denkmalschutz ist kein Wohlstandthema, sondern in jedem zivilisierten Land zwingend notwendig. Und natürlich können wir uns Denkmalschutz leisten.

"Infrastruktur- und Hochbau gehört vereinfacht, verbilligt und nicht verteuert."

Das ist doch überhaupt nicht das Problem, um das es hier geht.

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: korridor

Datum: 20.09.25 11:09

StellwerkPsf schrieb:
Und natürlich können wir uns Denkmalschutz leisten.

Das kannst du doch als jemand, der nicht Finanzminister ist, gar nicht beurteilen ;-)

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: Rohrbacher

Datum: 20.09.25 11:22

korridor schrieb:
Rohrbacher schrieb:
Gerade bei einem Konzern wie die DB AG, der damit Erfahrung haben sollte, kann ich mir jedenfalls kaum vorstellen, dass eine Brückensanierung, die seit drei Jahrzehnten eigentlich überall viel zu lange verschleppt wird, sich ausgerechnet am Denkmalschutz aufhängt, der bei noch erhaltenen Brücken dieser Epoche fast Standard sein dürfte.
Kann man Brücken aus Flusseisen sanieren? Das Credo ist doch, dass dieses Material baldmöglichst verschwinden sollte.
Es kann nur auf Ersatzneubauten hinauslaufen.
So, und wo zur Hölle widerspricht das dem, was ich bereits geschrieben und mit Beispielen belegt habe?


korridor schrieb:Zitat:
Deutschland stellt sich mit diesen und anderen Wichtigkeiten (ich sage nur Zauneidechse) selbst ein Bein, und andere Länder und Kontinente lachen uns dafür aus und ziehen mit ihren besseren Standortbedingungen die Investoren an sich.
In welcher Welt lebst du? Natürlich holen Länder mit der 15-fachen Bevölkerung mit ein bisschen Entwicklung in absoluten Zahlen extrem schnell auf bzw. überholen uns. So what?

Für was uns in Europa übrigens große Teile der Welt beneiden, das ist unsere Kultur, Geschichte und dass auch Ingenieursleistungen und Architektur einen kulturellen Wert haben und nicht einfach nur eine Funktion. Hollywood kommt nicht nach Görlitz, weil da jemand in die Altbauten Obi-Fenster reingespaxt hat, Hauptsache es zieht nicht rein. Touristen, selbst wenn sie nur zum Fußball fahren, fahren trotzdem offensichtlich lieber nach München als nach "Gelsenkörken". Hierhin fahren hundertausende von Touristen pro Jahr, hierhin nicht. Klar, es wäre auf den ersten Blick billiger, den Kölner Dom abzureißen und gegen einen schlichten Versammlungsraum zu tauschen statt an dem Ding quasi permanent rumzureparieren. Gut, das würde zwar der Stadt ihr Wahrzeichen rauben, aber sei's drum ...

Du irrst auch mit der Meinung, dass Denkmalschutz was neues wäre und "früher" einfach rational gebaut, abgerissen und wieder gebaut wurde. Renaissance, Neugothik oder Neoklassizismus waren sogar bewusste "Retrotrends", wie man heute sagen würde. Die haben nicht nur immer wieder altes bewahrt, damit der Denkmalschutz heute überhaupt auch alte Bauten zum Schützen hat, die haben zeitweise sogar im Neubau "auf alt gemacht", zum Teil später auch sehr verkitscht und "phantasievoll" wie bei König Ludwig II. oder dem "Jodlerstil" in den 70er und 80ern, als (vermeindlich) Altes und Antiquitäten nach den rationalen Nachkriegsjahren wieder sehr populär wurden. Im Zuge dieses Trends entstanden letztlich auch die meisten Museumsbahnen, die zum Teil übrigens unter Denkmalschutz stehen und teils auch nur durch die damit verbundenen Förderungen so aussehen, wie sie aussehen. Inbesondere wenn sie viele Brücken hat ... Es ist dennoch ein Irrtum, dass Denkmalschutz überhaupt was mit dem Alter zu tun. Das Münchner Olympiastadion war keine 30 Jahre alt, als es unter Denkmalschutz gestellt wurde. Es geht um den kulturhistorischen Wert. Möglich, dass sich der nicht jedem ohne Vorkenntnisse erschließt, da der nicht in erster Linie mit "Schönheit" zu tun hat. Auch der Rest des KZ Dachau steht natürlich unter Denkmalschutz ...

Und auch wenn jetzt auch hier wieder viel reflexartiges und eindimensionales über den Denkmalschutz geredet wurde, ist der immer noch nicht das Problem, weswegen die Pegnitztalstrecke gesperrt ist. :-)

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: HSB Tw 44

Datum: 20.09.25 12:17

146 226 schrieb:
+1

Jahrhundertelang haben sich Städte verändert und bei Bedarf wurde abgerissen und neu gebaut. Nur heute soll am besten alles ein Freilichtmuseum sein und aussehen wie 1980.
Denkmalschutz kann mMn komplett abgeschafft werden.
Der erste Satz ist völlig korrekt und ist eben ein Teil des Problems, das von manchen (!) Denkmalschutzbehörden ignoriert wird.
Dem letzten Satz hingegen möchte ich in der Radikalität genauso wenig zustimmen, wie der Forderung, daß alles erhalten werden müßte.

---
Die EU-Bildungsminister: Lesen gefährdet die Dummheit

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: Traumflug

Datum: 20.09.25 12:22

korridor schrieb:
Kann man Brücken aus Flusseisen sanieren? Das Credo ist doch, dass dieses Material baldmöglichst verschwinden sollte.
Ein Credo, oder einfach nur eine ständig verbreitete Ausrede. Instandhaltung bezahlt die DB, Ersatzneubau bezahlt der Bund. Rate mal, wer da ein Interesse an solch einem Credo hat :-)

korridor schrieb:
Infrastruktur- und Hochbau gehört vereinfacht, verbilligt und nicht verteuert.
Wer billig kauft, kauft zwei Mal. Die Stahlbrücken haben jetzt trotz zuletzt ausbleibender Instandhaltung über 100 Jahre gehalten. Betonbrücken gibt man eine Lebensdauer von gerade mal 30 Jahren. Man kauft also eher drei Mal.

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: HSB Tw 44

Datum: 20.09.25 12:24

Rohrbacher schrieb:
HSB Tw 44 schrieb:
Das zuständige Denkmalamt forderte an dieser Stelle tatsächlich die Verwendung der originalen Fenster (nicht: originalgetreuer!), was eben alleine schon deshalb sinnlos ist, weil sämtliche Fenster erst in den 50er Jahren in eine ausgebrannte Ruine eingesetzt wurden.
Und genau das deutet darauf hin, dass das Denkmalamt in deinem Fall vielleicht einfach deswegen nicht zustimmt, weil nicht alles, was "der Banause" für denkmalgerecht hält, es tatsächlich ist. Aber natürlich liegt der Fehler nur beim bockigen Amt, das es einfach nicht einsehen will, dass es keine Ahnung hat ...

Selbst wenn die in den 50er Jahren in die "Ruine" eingebauten Fenster irgendwie als Teil der Nachkriegskultur selbst eine Denkmaleigenschaft darstellen, geht kein Amt dieser Welt davon aus, dass die vermutlich hölzernen Originalteile ewig halten und erhalten werden können. Es ist eigentlich auch regelmäßig so, dass bestimmte Dinge immer gemacht werden können, weil der Denkmalschutz eben nicht verlangen kann, dass ihr in einem Museum hausen müsst. Gewisse Dinge wie zeitgemäße Heizung, Strom, Wasser, Brand- und Arbeitsschutz etc. gehen bei aktiv genutzten Gebäuden ohne geplante Nutzungsänderung m.W. immer, sonst sähen die verlinkten Gebäude in der Münchner Innenstadt anders aus. Wenn nicht gerade das Dach die herausragende Denkmaleigenschaft ist oder irgendeine Sichtachse allzu schlimm beeinflusst wird, gehen sogar Solaranlagen. Es kommt da weniger auf das Amt als darauf an, was genau eigentlich der Grund für den Denkmalschutz ist und welche Eigenschaft die primär zu bewahrende ist. Das ist sehr individuell, daher sind's auch die (wirklich) denkmalgerechten Lösungen.

Neuerdings sind sogar Geländer an der Walhalla möglich. In dem Fall hieß es von der Schlösserverwaltung bisher auch, das sei "aus Denkmalschutzgründen nicht möglich". Tatsächlich geht's auch da wohl eher um einen Landtagsbeschluss von 1981, wonach die Walhalla nicht verändert werden soll, und andere Befindlichkeiten von ganz anderer Stelle als tatsächlich dem formalen Denkmalschutz, der meines Wissen auch damals schon mit ein paar Auflagen grundsätzlich kein Problem gehabt hätte, optisch passende, dezente Absturzsicherungen (denkbar wäre Glas) anzubringen.
Nur, weil eine Person in einer Denkmalschutzbehörde etwas für exakt so erhaltenswürdig hält, heißt das noch lange nicht, daß es so ist.
Du drehst es hier gerade um: für Dich sind die Bauherren Banausen und der Denkmalschutz sakrosankt.

Was ich als Historiker, der sich nur wirklich beruflich mit Geschichte und historischen Bauten beschäftigt, davon halte, habe ich geschrieben. Und hier geht es eben nicht um denkmalgerecht, sondern um die Forderung, die „originalen“ Fenster zu erhalten, was einfach Quatsch ist an dieser Stelle.
So verstandener Denkmalschutz ist eben das Konstruieren eines Disneylands, denn es wird etwas erhalten, was historisch nie so gewesen wäre. Wenn historisch etwas abgebrannt ist, wurde es eigentlich immer dem aktuellen Zeitgeschmack entsprechend wieder aufgebaut. Niemand hat bis vor 100 Jahren versucht, etwas „originalgetreu“ wieder aufzubauen.

Ein ähnliche Situation gab es in Braunschweig. Da hat man die Ruine erst stehenlassen und dann einfach abgerissen. Das ist genauso Unsinn, denn man hätte was draus machen können.
Aber daß ein Gebäude im Krieg ausgebombt wurde, ist nun einmal genauso historische Tatsache, wie das es irgendwann davor mal gebaut wurde. Und in der Zeit, in der es genutzt wurde, hat das Gebäude auch immer wieder Veränderungen erfahren, innen wie außen.
Das Einfrieren eines bestimmten Zustandes ist damit eine Konstruktion, weil es die Komponente des Wandels, die es immer gegeben hat, komplett ignoriert und damit eben eine Art von Geschichte, eine Sicht auf Geschichte – nämlich eine als etwas Statisches –, konstruiert, die es so nicht geben kann.

Manche Denkmalschutzbehörden machen da mit und ermöglichen in diesem Rahmen Veränderungen. Andere wieder nicht.

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Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: 708axqc

Datum: 20.09.25 12:29

StellwerkPsf schrieb:
Denkmalschutz ist kein Wohlstandthema, sondern in jedem zivilisierten Land zwingend notwendig. Und natürlich können wir uns Denkmalschutz leisten.

"Infrastruktur- und Hochbau gehört vereinfacht, verbilligt und nicht verteuert."

Das ist doch überhaupt nicht das Problem, um das es hier geht.
Denkmalschutz verdoppelt - je nach Auslegung - locker die Baukosten. Auch ich liebe Fachwerkaltstädte und historische Brückenkunstwerke, aber diesen Aspekt darf man nicht ausblenden.

Letztlich ist nicht jedes Bauwerk ein Denkmal, und nicht jedes Denkmal zwingend zu erhalten. Städte und Länder sind keine Museen, auch wenn das so manche der Denkmalschutzbehörden anders sehen wird, sondern entwickeln sich zwangsläufig mit ihrer Gesellschaft. Übrigens: die meisten Denkmäler waren auch mal neu.

Re: Vorsätzliches Verschleppen von Instandhaltung!

geschrieben von: khaas

Datum: 20.09.25 12:34

Traumflug schrieb:
Betonbrücken gibt man eine Lebensdauer von gerade mal 30 Jahren.
Wer erzählt denn solchen Bullshit? Mir ist kein Fall einer Betonbrücke bekannt, die nur 30 Jahre gehalten hat.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.09.25 12:50.
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