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[CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: Urs Nötzli

Datum: 05.09.16 15:29

Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . .
Teil 1

Nein – es waren nicht meine ersten Fotos, aber ich erstand mir im Frühjahr 1967 meine erste „richtige“ Kamera, eine „Topcon Uni“ – oder so ähnlich. Logischerweise als Junger waren wir damals vor allem mit dem «Drahtesel», in der Schweiz Velo genannt, unter-wegs. Ab Zürich wurden schon früher mit meinem Freund Fahrten bis nach Singen Htw. unternommen, um dort Dampfloks zu sehen, Die Zöllner schüttelten höchstens den Kopf ab unserem Grunde - liessen uns aber ziehen.

Die Daten notierten wir, wenn auch überhaupt, nur auf den Abzügen (welche sich gelegentlich verflüchtigten . . ), denn die Filme wurden in Rollen nach dem Entwicklen geliefert. Erst später gab es dann Fototaschen . . Zudem: Man war früher sparsam und drückte nicht „seriemässig“ den Auslöser, man überlegte sich jede Aufnahme!

Ja: Was macht so als Eisenbahnfotograf-Anfänger?
Natürlich fotografiert man in der näheren Umgebung, was einem da vor die Linse kommt!


https://abload.de/img/sw67c001-img_0003b-zr9pst8.jpg

So begab man sich an den Züricher HB, da sollte sich schon was aufnehmen lassen!
Der «Trimbacher Frontlenker», eine Ae 3/6 II mit Stangenantrieb und der Nummer 10418 bei der Ausfahrt aus der Halle ins Feld, stellte sich da zur Verfügung. Die mittlere beleuchte Frontlampe zeigt an, wo die Lok hinwill. Linke Lampenseite nach dem Depot Feldstrasse (F), die mitlere oben ins Feld zwischen den beiden Depots, sollte die rechte Lampe leuchten, so möchte der Lokführer ins Depot G = Geroldstrasse. Die Mitarbeiter des «Seufzerbrücke», dem Reiterstellwerk quer zu den Gleisen im Vorfeld der Halle, wussten schon, was sie «stellen» mussten, unten an der Langstrasse übernahm dann das dortige Stellwerk die richtige Weiterleitung . . Pendelzüge gab es zwar schon viele, welche Rangiermanöver unnötig machten. Seit ein paar Jahren wurden die RBe 4/4 geliefert, welche anfänglich gar die Ae 4/7 im Schnellzugdienst – selbst vor internationalen Zügen – vorwiegend Basel – Zürich – Chur / Buchs, aber auch Basel – Interlaken ersetzten und Fahrzeitgewinne ermöglichten. Zusätzlich formierten sie mit passenden Steuerwagen laufend neue Pendelzüge, teils im Schnellzugsverkehr, aber vermehrt auch im regionalen Einsatz.


https://abload.de/img/sw67c001-img_0015b-unsdscn.jpg

Ein paar Tage später musste die «Tante Frieda» herhalten, so hier oberhalb der Zürcher Rehalp der Forchbahntriebwagen BDe 4/4 9, welcher über den Gleiswechsel auf das rechte Gleis nach der Wende wieder bergwärts fuhr. Er übernahm den Pendlerdienst nach Zollikerberg. Der Übername «Tante Frieda» erhielt die Bahn, der Frontlinientafel «F» wegen, welche sie von den Trams als Forchbahn abhob.


https://abload.de/img/sw67c001-img_0017b-es4jsc6.jpg

Im Monat März wurde der Be 4/6 1635 von den Lieferfirmen an die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) im Hardturm abgeliefert. Dass die Komposition eine Spitzkehre vor dem VBZ-Depot Hard machen musste, um auf das Abladegleis zu gelangen, sei nur so nebenbei erwähnt.


https://abload.de/img/sw67c001-img_0018b-stsvsp0.jpg

Der Bahnhof Stadelhofen war ein weiters Ziel, so wie im Bild durfte man ihn im März 67 erleben. Der Zug 6021 – an der Pufferbohle fein säuberlich und gelegentlich gar kunstvoll angeschrieben, verlässt das heute aufgefüllte «Lettentunnel». Der Baudiensttraktor steht vor dem ursprünglich direkt nach dem Hauptbahnof führenden, aber nicht realisierten Tunnel. Die bekannte Weinhandlung «Gentner» nutzte den Stummel als Weinlager.


https://abload.de/img/sw67d002-img_0007b-unxrs7l.jpg

Der Bahnhof Selnau der Üetliberg- und der Sihltalbahn wurde natürlich auch aufgesucht, bot er doch andere Fahrzeuge als die SBB. Hier der umgebaute Triebwagen BFe 2/4 82, mit je einem SiTB-EW I-B (in kürzerer Version sowie mit breiten Türen, aber ohne WC) und dem Steuerwagen Bt mit BLS-Front. Je 3 Gleise an Perrons davon das mittlere für beide Stromsysteme konnten genutzt werden. Links der Steuerwagen des Pendelzuges BFe 4/4 12, Bt 61, später 111. Noch etwas weiter links, auf der Strasse liegt ein Meterspurgleis der VBZ, welche dort über ein Gleisdreieck in beiden Richtungen den Pedaler-Be 4/4 jeweils deren Zweiachsanhänger mittels «Laubfrosch» an- und abkuppelten. Später entwickelte sich dort das Gewerbe der freundlichen Frauen . . .


https://abload.de/img/sw67d002-img_0010b-un2gse5.jpg

Ohne Drahtesel wagte sich der Schreibende im April nach Konstanz um dort die V200 123 bei der Ausfahrt aufzunehmen.


https://abload.de/img/sw67d002-img_0014b-un1nsz6.jpg

Dort begegnete er auch erstmals dem VT 06 106, welcher sich noch heute dort befindet und von einem Sportverein genutzt wird.


https://abload.de/img/sw67d002-img_0025b-un3rsft.jpg

Damals existierte das Bw Radolfzell noch, vorn die Strecke nach Konstanz, dem Gnadensee entlang.


https://abload.de/img/sw67d002-img_0033b-un7jshl.jpg

Anbei die Sicht auf das Bw von der Strecke nach Stahringen – Überlingen – Friedrichshafen aus aufgenommen.

https://abload.de/img/sw67d003-img_0018b-zrjas5p.jpg


Ein von der Re 4/4 I 10027 geführter Schnellzug aus Schaffhausen brachte den Wagenkasten eines der nicht so beliebten RIC-WR aus Donauwörth nach Zürich, wo er wohl alsbald nach Basel und weiter nach Münchenstein zum Einbau der elektrischen Ausrüstung verfrachtet wird. Dahinter die bereits im Abbruch stehende «Seufzerbrücke», dem vormaligen elektromechanischen Stellwerk.


https://abload.de/img/sw67d003-img_0027b-unh3st0.jpg

Der Serie-Hochleistungtriebwagen RBe 4/4 mit seinem Schnellzug hat soeben das mechanische, weisse Wiederholungssignal hinter sich gelassen. Er kommt aus dem 905 m langen Enge(mer)-Tunnel und verschwindet hinten im 848 m langen Ulmbergtunnel. Die Arbeiten zur Umrüstung auf Lichtsignale sind im Gange.


https://abload.de/img/sw67d003-img_0033b-un3wsb0.jpg

In Erstfeld macht sich im April die 11450, die Ae 6/6 mit dem Wappen der „Ville de Genéve“ vor einem Güterzug zu schaffen, man beachte auch die beiden NS-Verschlagwagen, meist für Geflügel.
Zu diesem Bild mit den Geflügelwagen habe ich eine lustige Geschichte von Carl Waldis erhalten, welche ich dem Leser nicht vorenthalten möchte:
„Vielleicht kann ich zum einen Bild noch etwas beitragen. Das, was du hinter der Ae 6/6 als NS-Verschlagwagen bezeichnest, waren Holländische Hühnerwagen, sogenannte "Gevogelte Exporte" (steht möglicherweise auf der Tafel beim ersten Wagen). Zu solchen Wagen gibt es übrigens eine lustige Geschichte, welche ich bei Kinderführungen gerne unter dem Thema "Kupplungen/Zughakenlast/Zugtrennung" zum Besten gebe. Du darfst sie verwenden“. Das tue ich hiermit:

«Die Geschichte spielt in jener Zeit, als noch vorwiegend Krokodile Ce und Be 6/8 die Güterzüge über den Berg brachten. In Erstfeld traf, bereits gezogen von einer Ce 6/8 II, ein schwerer Güterzug ein. An dritter und vierter Stelle waren zwei Holländische Geflügelwagen eingereiht. Für die Bergfahrt erhielt der Zug ein zweites Krokodil als Vorspannlok. Als der Zug bereit war, ging das Ausfahrsignal in Richtung Amsteg auf Grün, der vordere Lokführer gab das obligate Pfeifsignal, der hintere quittierte ebenfalls mit einem kurzen Pfiff und los ging die Fahrt auf die Bergstrecke. Im Bahnhof Amsteg war eine Langsamfahrstelle. Beide Lokführer schauten aus dem rechten Fenster nach hinten, denn in der Ausfahrtkurve des Bahnhofs Amsteg können die Lokführer den ganzen Zug übersehen. Als der Zugschluss die Langsamfahrstelle passiert hatte, schalteten die beiden Lokführer ihre Maschinen wieder auf. Da das Beschleunigen wohl etwas zu "Formel 1-mässig" passierte, geschah das Unausweichliche. Nach etwa 100 Metern riss zwischen dem dritten und vierten Wagen die Kupplung. Die beiden nun unbelasteten Lokomotiven beschleunigten kurz, bis die Druckluftbremse zu greifen begann und die Loks mit den drei Wagen stoppten. Der abgetrennte Zugteil wurde zwar auch automatisch gebremst, lief aber mit grossem Knall auf die stehenden Loks mit ihren Wagen auf. Beide Lokführer stiegen von ihren Maschinen und gingen nach hinten um den Schaden zu begutachten. Und da sahen sie die Bescherung: durch den Aufprall wurden beide Hühnerwagen beschädigt und hunderte von Hühnern liefen gackernd und flügelschlagend panisch in der Gegend herum. Einer der ebenfalls am Einsammeln der Hühner beteiligten Lokführer erzählte später, obwohl er sehr gerne Poulet gehabt habe, könne er seitdem kein Hühnerfleisch mehr essen . . .»


https://abload.de/img/sw67d003-img_0034b-ermcsy2.jpg

Wer hier nicht abdrückte. Ist kein Eisenbahnfotograf! Der herrliche internationele Schnellzug, geführt im April 1967 von der Ae 6/6 «Brugg» bei seinem Halt in Erstfeld in Richtung Süden. Solche Zügen waren für mich „die grosse Welt der Eisenbahn“!


https://abload.de/img/sw67f004-img_0013b-unu2su7.jpg

Auf der Re 4/4 I 10025 teste man im Juni 1967 diesen Kettenstromabnehmer von BBC, welcher später auf den Donauwörth-Speisewagen und den Lindauer-Re 4/4 II 11196-201 zum Einbau kamen..


https://abload.de/img/sw67f004-img_0015-un1n1sg9.jpg

Eine MFO-Ae 4/7 mit Rekuperationsbremse, zu sehen an den neuen Dachaufbauten mit Bandwiderständen (statt Gusswiderständen), gibt dem „Grossen Töff“, dem RAm-TEE I Vorspann über den Bözberg nach Basel mit seiner massgebende Steigung von 12 ‰ für die Anhängelasten, gemäss Anhängen FDR . Vermutlich ist einer der beiden Dieselmotoren ausgefallen.
Auf den Steigungen konnte man unterhalb Schinznach Dorf den Zug jeweils kurz nach der Ausfahrt in Brugg hören, heute aber klar übertroffen vom ICE 1 der DB. Der Zug hatte viele Übernamen, so des Verbrauchs wegen auch „Grosser Ölwagen“ usw.

Ende des 1. Teils Urs Nötzli

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: Jörg Schwabel

Datum: 05.09.16 15:50

Ja, ja, die 1960er Jahre und Europas Eisenbahnen (na gut, die 1950er Jahre waren auch nicht zu verachten). Die schönste Zeit zum Fotografieren.

Und heute?

Danke für die Fotos, und bitte bald mehr davon.

Gruß aus Wien

"Es dünkt mich sehr anständig, wenn die Häuser der Großen den Fremden offenstehen; und es gereicht selbst dem Staate zur Ehre, wenn Ausländer in der Hauptstadt desselben wohl aufgenommen werden".

(Marcus Tullius Cicero: "De officiis" - "Vom pflichtgemäßen Handeln", auch: "Von den Pflichten")

Hat mir sehr gefallen! (o.w.T)

geschrieben von: tram

Datum: 05.09.16 19:26

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Noch Fragen Kienzle?

https://www.nomegatrucks.eu/deu/service/download/no-mega-trucks-logo.jpg

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: Gleis MA 11-12

Datum: 05.09.16 23:50

Moin Urs,

da zeigst Du aber wirklich schöne Bilder aus der Schweiz der 60er.
Gern mehr davon.

Gruß aus Mannheim
Rolf

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: m38902687-1

Datum: 06.09.16 08:58

Werter Urs!
Wie immer gefallen mir Deine interessanten Alltagsaufnahmen, diesmal natürlich in´s besondere diejenigen vom einst nur 3-gleisig mit SBB-Fahrleitung überspannten Bf Konstanz und vom Bw Radolfzell, von welchem nur noch das Sozial- und das Verwaltungsgebäude unter totaler Zweckentfremdung von einem Biotop langsam eingeschlossen wird . Dafür mal ein herzl. Dankeschön. Gruß Fritzle

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: Stefan Motz

Datum: 06.09.16 09:14

Hallo Urs,
jedes Bild mit einer Geschichte, dazu noch so manche Rarität, danke fürs Zeigen!
Spitzensignal als Richtungsanzeiger, der alte Bahnhof Stadelhofen, mit den Hühnerwagen hatten wir es hier doch auch vor nicht allzu langer Zeit ...
Viele Grüße
Stefan

http://foto.arcor-online.net/palb/alben/58/781958/6638303363633862.jpg http://foto.arcor-online.net/palb/alben/58/781958/3338386331616233.jpg

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1...

geschrieben von: DR01

Datum: 06.09.16 09:55

Hallo Urs...

...nicht schlecht für den Anfang...

Gut zwei Jahre später (1969) machte ich meine ersten Eisenbahnfotos in Sargans - Ae 4/7 und Krokodil...


Gruß...Wolfgang

Hab's genossen,Urs!

geschrieben von: 44 115

Datum: 06.09.16 11:05

Einfach wunderschön und hochinteressant!
Und dass Du so viel Wissen im Text unterbringen kannst,macht das Ganze zu einem herrlich abgerundeten Beitrag!
"Gnadensee"?habe ich noch nie gehört.Untersee und Zeller See,man lernt immer noch was dazu.
Vielen Dank und eine schöne Woche!
Olaf

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: Peter

Datum: 06.09.16 11:19

Hallo!

Tolle Bilder mit einem schoen geschriebenen und informativen Text - da kommt Freude auf.
Und 1967 war ich mal gerade auf dem Weg...

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind.
Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.

Re: Hab's genossen,Urs!

geschrieben von: m38902687-1

Datum: 06.09.16 12:38

Kleine Nebenbemerkung für Bodenseeinteressierte zum Gnadensee genannten Teiles des Untersees aus , siehe unten. Leider ist heute der meiste Teil dieser Strecke mit z. T. hochgewachsenem Gestrüpp und Bäumen, welche bei Unwettern immer wieder Anlass zu Betriebsstörungen geben, verwachsen und gibt den Blick auf Markelfinger Winkel, Gnadensee, Insel Reichenau Seerücken und schweizer Ufer kaum noch frei. Gruß Fritzle.



Gnadensee!
Woher der Gnadensee seinen Namen hat

eine Legende erzählt:



Die Klosterinsel Reichenau galt nach dem Willen des Klostergründers als heiliges Eiland. Dort wurden zwar Todesurteile gefällt, vollstreckt werden durften sie jedoch nur auf dem Festland.

Nach der Urteilsverkündung wurde dann der Delinquent mit dem Schiff nach Allensbach gebracht. Dort stand bereits im Mittelalter der Galgen der Abtei Reichenau. Läutete während der Überfahrt ein Glöcklein wurde der Verurteilte begnadigt und auf dem Festland auf freien Fuß gesetzt, nicht ohne ihm das Versprechen abgenommen zu haben, sich nie mehr in der Gegend blicken zu lassen.

Seither, so die Legende, heißt der Teil des Untersees zwischen der Insel Reichenau und Allensbach Gnadensee und noch heute mahnt der Galgenacker zwischen Hegne und Allensbach an diese Zeit der Geschichte.

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: 01 1066

Datum: 06.09.16 15:03

Moin Urs,

schöne Bilder - 1967 war ich leider noch nicht aktiv (wenn auch schon interessiert), das es am fotografischen Equipment mangelte (mein Vater war der Meinung, mit 11 Jahren sei ich noch zu jung für eine "richtige" Kamera, und die Kodak Instamatic war ja nur ein schlechter Witz).

Bei Deiner Kamera sollte es sich um die Topcon Uni gehandelt haben:

http://www.kameramuseum.de/0-fotokameras/topcon/cams-topcon-bajo/uni-tele.jpg

Mein Schwiegervater besaß auch eine solche Kamera, gelegentlich habe ich sogar selbst damit fotografiert (meine Minolta war allerdings einfacher zu bedienen).

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1...

geschrieben von: e32

Datum: 06.09.16 15:24

DR01 schrieb:

Hallo Urs...

...nicht schlecht für den Anfang...

Gut zwei Jahre später (1969) machte ich meine ersten Eisenbahnfotos in Sargans - Ae 4/7 und Krokodil...


Gruß...Wolfgang

Bitte auch hier zeigen ;-)

Danke

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: Florian Ziese

Datum: 06.09.16 17:36

m38902687-1 schrieb:
Werter Urs!
Wie immer gefallen mir Deine interessanten Alltagsaufnahmen, diesmal natürlich in´s besondere diejenigen vom einst nur 3-gleisig mit SBB-Fahrleitung überspannten Bf Konstanz

Gefallen tun mir die Bilder auch. In Konstanz wurde später das nebenanliegende Gütergleis auch noch elektrifiziert, da konnte man wohl noch recht einfach Ausleger an die schon stehenden Masten anbauen. Weiterhin gefehlt hat der Fahrdraht im Weichenbereich, so dass die Betriebsabwicklung bei durchgehenden Güterzügen wohl nicht ganz einfach war. Im Personenverkehr konnte man durch Nutzung der Weichenverbindung in Bahnhofsmitte bzw. durch Pendelzüge auf einen elektrifizierten Weichenbereich einfacher verzichten. Kürzere Güterzüge konnte wohl die Verbindung nach Gleis 3 nutzen(?), um die E-Lok ohne Hilfe vom Zug zu bekommen.

Viele Grüsse

Florian

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: Urs Nötzli

Datum: 06.09.16 20:08

Liebe Kollegen,

herzlichen Dank für die "Belobigungen" - für mein Alter kann ich, genau so wie ihr auch - nichts dafür. Mir wäre es auch lieber gewesen, ich wäre ein paar Jahre früher hingestellt worden - ich hätte noch ganz andere Bilder machen können . . . ;-) Jeder macht das, an dem er Freude hat. Und noch etwas: Für Jeden unter uns, war dias Fotografieren seine beste Zeit! Dazu gehörten nicht nur die Bilder - das waren Erlebnisse - gar Abenteuer!

Heute könnte ich mir die Haare ausreissen, weil ich nicht mehr fotografiert habe. So habe ich kaum Bilder meiner Lieblingszüge - den Lindauer- oder Münchner-Schnellzügen wie den "Bavaria"und vor allem dem mir wichtigeren (weil ich den mehr sehen konnte . . ) "Rhône - Isar " und dessen Gegenpart den "Isar - Rhône"! Ich habe eben die beiden Namen noch erlebt . . Die Re 4/4-Loks, noch ohne den Index I habe ich aber regelmässig im Wallis angetroffen und mehrmals in Martigny fotografiert. Die breitere Wippe - hat es mir angetan! Nur diesen Apparat - eigentlich nur eine Kokak-Kiste mit zwei verstellbaren Löchern und einer sagenhaften Zeit von vermutlich höchstens 1/50 Sek. und einem harten Auslöser liess kaum scharfe Bilder zu. Trotzdem - der Virus war gesetzt!

Der nächste Teil ist bereit, muss ihn nur noch hochladen, zuvor muss ich aber einem Bekannten noch Bilder für einen Vortrag bearbeiten - braucht eben alles seine Zeit. .

Danken möchte ich aber auch Fritzle für seine Ausführungen! Ich wusste schon, dass ich ihn hier etwas herausfordern müsste! Fast hätte ich geschwindelt, dass ich die Bilder von Konstanz und Radolfzell nur wegen ihm geschossen hätte! ;-) Wir sehen uns dann wieder in Friedrichshafen an der Ausstellung . .

Betreffend den drei elektrifizierten Gleisen in Konstanz: Habe etwas später mal eine Aufnahme einer V 200 in Kreuzlingen Hafen gemacht. Fritzle - gehe ich recht in der Annahme, dass die V 200 und früher auch Dampfloks die Güterzüge jeweils im Hafenbahnhof von Kreuzlingen abgeholt und gebracht haben? Bekanntlich war der kleine Grenzverkehr beidseits auf niedriger persönlicher Stufe problemlos möglich und üblich - man denke an die Lokaushilfe der DB auf der MThB! Schon in den 30er-Jahren - ich habe einen Akt des Eisenbahndepartementes an die MThB gesehen - wurde dies gemacht. Das Departement in Bern war damit einverstanden, wünschte aber nur, dass ein MThB-Lotse im Führerstand war . . . .
Selbst eine V 160 hat schon ein mit defekter Lok im Bereich von Neuhausen a. Rhf. liegengebliebenen Zug, welche sie nach Singen Htw bringen sollte, auf der SBB-Strecke abgeholt.

Wenn ich heute an den in Bewegung zu versetzenden "Beamtenapparat" denke, so kann ich verstehen, dass es heute kaum mehr geht.
Ein Kollege - Betriebsleiter einer CH-Bahn - sandte mir eine Bewilligung, welche die Zulassung einer privaten 140er bis nach Muttenz erlaubte. Dabei ist ein Bild - wohl aus diesem Forum, mitkopiert, welches als Beweis, dass E 40 in der Schweiz gefahren sind, diente. Dass mit meinem © versehene Bild war also mitschuld, dass die Lok nach Muttenz kam! ;-)
Ich finde es bemerkenswert, dass selbst eine schweiz. Zulassungsbehörde solche Beweise hier sucht. Wir sollten demzufolge mehr solcher Bilder veröffentlichen um "den Leuten auf den Sprung zu verhelfen"! ;-)

Herzlichen Gruss
Urs

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: Jörn

Datum: 06.09.16 20:25

Schöne Geschichten, spannende Fotos - lieber Urs, das macht definitiv Appetit auf mehr!

Gruß
Jörn.

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: m38902687-1

Datum: 06.09.16 21:34

[quote=Urs Nötzli schrieb:]



Danken möchte ich aber auch Fritzle für seine Ausführungen! Ich wusste schon, dass ich ihn hier etwas herausfordern müsste! Fast hätte ich geschwindelt, dass ich die Bilder von Konstanz und Radolfzell nur wegen ihm geschossen hätte! ;-) Wir sehen uns dann wieder in Friedrichshafen an der Ausstellung . .

Du berauchst nicht schwindeln, denn damals kannten wir uns leider noch nicht. Das Treffen in FS ist beabsichtigt.

Betreffs der drei elektrifizierten Gleisen in Konstanz: Habe etwas später mal eine Aufnahme einer V 200 in Kreuzlingen Hafen gemacht. Fritzle - gehe ich recht in der Annahme, dass die V 200 und früher auch Dampfloks die Güterzüge jeweils im Hafenbahnhof von Kreuzlingen abgeholt und gebracht haben? Bekanntlich war der kleine Grenzverkehr beidseits auf niedriger persönlicher Stufe problemlos möglich und üblich - man denke an die Lokaushilfe der DB auf der MThB! Schon in den 30er-Jahren - ich habe einen Akt des Eisenbahndepartementes an die MThB gesehen - wurde dies gemacht. Das Departement in Bern war damit einverstanden, wünschte aber nur, dass ein MThB-Lotse im Führerstand war . . . .

Antwort: In dieser Annahme gehst Du sehr richtig. Die DB holte damals Güterzüge mit Lok der BR 39, 50, 38, 75, selten 94 und 92 sowie V 60, V 100, V 200 V 200.1, aus Krl-Hafen ab (abends einen Eilgüterzug mit Überseelast Richtung Bremerhafen von zwei damals wichtigen Fabrik in Arbon). Nach der Elektrifizierung des deutschen Netzes verkehrten auch mit 139, in den 90er-Jahren fuhren sogar helvetisierte 150er des Bw Kornwestheim bis Lengwil, mit Kieszügen bis Kreuzlingen-Bf. Die Übergaben wurden mit dem Traktor Tem... des Bf Krl-H von dessen brisagorauchender Führer mit Kantinenpause in Konstanz mehrmals täglich durchgeführt. Bis Anfang der 70er-Jahre kamen sämtliche Fiat-Züge über Krl-Hafen nach Deutschland. Die Zugförderung geschah bis zum Rbf Radolfzell mit BR 50 oder mit 2 Lok V 60, von dort nach Abruf aus dem Still-Lager mit 220/221 weiter zur Händlerbasis. Ein Lotse für die SBB/MThB war damals nicht mehr notwendig, da die dort eingesetzten Tf für die Fahrten Ko - Kr Bf-Krl-Hafen und retour, auch über das Dreieck, sowie für den Durchgangsverkehr Schaffhausen und Waldshut-Koblenz ausgebildet und geprüft waren. Lediglich für einen E-Zug der mit der Br 50 zeitenweis von Ko nach Weinfelden ging, war ein MThB-Lotse erforderlich, aber dazu weißt Du als Kenner dieser Verhältnisse sicherlich mehr.


Selbst eine V 160 hat schon ein mit defekter Lok im Bereich von Neuhausen a. Rhf. liegengebliebenen Zug, welche sie nach Singen Htw bringen sollte, auf der SBB-Strecke abgeholt.


Es war keine 216, sondern eine 215, welche ab Altenburg am Zuge war. Derartige kurzfristige Hilfeleistungen kamen auch bei Umleitungen nach einem schweren Unfall in Thayngen, aber auch bei den damals recht seltenen Betriebsstörungen vor, heute sind leider derartige kurzfristige Hilfeleistungen vollständig undenkbar.


Wenn ich heute an den in Bewegung zu versetzenden "Beamtenapparat" denke, so kann ich verstehen, dass es heute kaum mehr geht.


Es war damals bei weitem nicht alles besser, aber manches doch sehr deutlich einfacher und effektiver. Immerhin war die verknöcherte Behördenbahn ganz deutlich flexibler als die heutigen Geschäftsbereiche und die ins Länderbahn- und Regionalbahnniveau zurückgefallene in zahlreiche EVU zerfallene Eisenbahninfrastruktur.


Ein Kollege - Betriebsleiter einer CH-Bahn - sandte mir eine Bewilligung, welche die Zulassung einer privaten 140er bis nach Muttenz erlaubte. Dabei ist ein Bild - wohl aus diesem Forum, mitkopiert, welches als Beweis, dass E 40 in der Schweiz gefahren sind, diente. Dass mit meinem © versehene Bild war also mitschuld, dass die Lok nach Muttenz kam! ;-)
Ich finde es bemerkenswert, dass selbst eine schweiz. Zulassungsbehörde solche Beweise hier sucht. Wir sollten demzufolge mehr solcher Bilder veröffentlichen um "den Leuten auf den Sprung zu verhelfen"! ;-)

Kleine Bemerkung dazu: Ich bin 1977 planmäßig mit der BR 194 nach Muttenz gefahren. Hätte ich gewusst, dass so etwas einst Thema in einem Hifo werden könnte, hätte ich damals nicht die relativ hohen Kosten eines Filmes gescheut.
Schönen Abend wünscht Fritzle

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: m38902687-1

Datum: 06.09.16 22:05

Werter Florian!
Die Betriebsabwicklung in Konstanz war mit der SBB-MThB-Elektrifizierung nicht besonders umständlich, eher sehr praktisch für Konstanz. Aus der Schweiz ankommende Gz wurden abgekuppelt und von der Gütermanöverlok Richtung romanshorner (Gleis Lang) zum Verstoßen abgezogen. Hernach kehrte die schweizer Lok als Lz zurück oder in`s Bw zum Warten auf die Bereitstellung ihrer Rückleistung in einem der 3 el. Gleise. Die Züge der MThB waren damals ausschließlich Wendezüge, ebenso die der SBB, daselbst Pendelzüge genannt. Die wenigen lokbespannten Züge Schaffhausen-Konstanz mit Ae 3/6 bespannt, verkehrten zwischen Krl-Bf und Ko bzw. retour geschoben. Das war billiger, schneller und einfacher als im damals sowieso ständig überlasteten Bf Konstanz mit einem Kaisermanöver den stark frequentierten Hafenübergang und die Einfahrt zusätzlich zu blockieren. Einen Gleiswechsel gab es übrigens nur zwischen Gl 1 und 2, wo er sich auch heute noch befindet, allerdings durch LS gesichert, im Gegensatz zum damaligen bei Bedarf vom Fdl oder beauftragten Rangierarbeiter gebenen SH 2 oder NE 5. Mal einfach gesagt. Gruß Fritzle.

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: ingo st.

Datum: 08.09.16 13:08

Hallo Urs,

interessante Bilder aus CH und Konstanz. v200 bilder sieht man zuhauf von der Schwarzbaldbahn, aber im Bhf. selten. Den VT sieht man auch nicht so häufig so klar.

Deine Kamera erinnert vom Design an eine Photo Porst, lt Wiki gab es diese auch unter anderen Namen, damals noch Made in Japan.

Gruß

Ingo

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: USswiss

Datum: 08.09.16 19:20

Grossartiger Beitrag, macht Appetit auf mehr von einer Heimatstadt Zürich!

Thomas Eckhardt
Hurricane Utah USA
[www.flickr.com]
Meine Beitragsliste: [www.drehscheibe-online.de]

Re: [CH]: Was ich 1967 so alles fotografieren konnte . . . Teil 1

geschrieben von: Florian Ziese

Datum: 09.09.16 11:07

m38902687-1 schrieb:
Werter Florian!
Die Betriebsabwicklung in Konstanz war mit der SBB-MThB-Elektrifizierung nicht besonders umständlich, eher sehr praktisch für Konstanz. Aus der Schweiz ankommende Gz wurden abgekuppelt und von der Gütermanöverlok Richtung romanshorner (Gleis Lang) zum Verstoßen abgezogen. Hernach kehrte die schweizer Lok als Lz zurück oder in`s Bw zum Warten auf die Bereitstellung ihrer Rückleistung in einem der 3 el. Gleise. Die Züge der MThB waren damals ausschließlich Wendezüge, ebenso die der SBB, daselbst Pendelzüge genannt.
Die MThB hat damals zur Elektrifizierung 5 elektrische Triebwagen, aber nur 2 Steuerwagen gekauft. Klar fuhren die Triebwagen auch im Güterverkehr und für den damals geringeren Personenverkehr könnten die zwei Steuerwagen ansich gereicht haben, um zwei Züge für den Personeverkehr zu bilden, aber die MThB besass noch weitere Wagem, die nicht pendelzugtauglich waren (oder waren die wirklich umgebaut worden?), zumal ja die ABDe 4/4 mit dem wegen Gepäck- und 1. Klasse-Abteil nur recht wenigen Sitzplätzen 2. Klasse als Solofahrer nur bedingt geeignet waren.
Erst die Zukäufe in den 80er Jahren führten dann zu immerhin 4 Steuerwagen bei nun 6 Triebwagen, die "fehlenden" beiden Steuerwagen kamen erst 1994 für den Seehas (neben 4 weiteren kompletten Zügen).

Zitat:
Die wenigen lokbespannten Züge Schaffhausen-Konstanz mit Ae 3/6 bespannt, verkehrten zwischen Krl-Bf und Ko bzw. retour geschoben. Das war billiger, schneller und einfacher als im damals sowieso ständig überlasteten Bf Konstanz mit einem Kaisermanöver den stark frequentierten Hafenübergang und die Einfahrt zusätzlich zu blockieren. Einen Gleiswechsel gab es übrigens nur zwischen Gl 1 und 2, wo er sich auch heute noch befindet, allerdings durch LS gesichert, im Gegensatz zum damaligen bei Bedarf vom Fdl oder beauftragten Rangierarbeiter gebenen SH 2 oder NE 5.
Zwischen Gleis 3 und 4 gab es aber zumindest zeitweise auch eine Weichenverbindung, ist zwar vor meiner Zeit, aber auf Bildern klar zu erkennen.

Viele Grüsse

Florian

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