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8. Leipziger Sonderfahrt - oder: Abschied vom Aluchip mit der Tram (24 B.)

geschrieben von: Nobbi

Datum: 30.06.10 00:02

Der Einfachheit halber tippe ich mal den Artikel aus DREHSCHEIBE 66 (6/90 September) ab. Die Überschrift habe ich dort bereits entlehnt...

'Eigentlich war es ja gar nicht geplant, das Wochenende in Leipzig, aber man läßt sich ja nur zu gerne überreden, denn schließlich: Wer fährt schon nur zum Straßenbahnfahren nach Leipzig. So standen wir "Messestädter" (2 Kölner und ein Leipziger) dann doch am 30.6.1990 am "Brühl" (Straßenbahnknotenpunkt im Zentrum Leipzigs) in Sichtweite des Kaufhauses "Konsument" (noch hieß es so...) und warteten auf den Beginn der Straßenbahntour. Eingeladen hatte der Kulturbund e. V., LV Sachsen, Freundeskreis Nahverkehr zu einer Fahrt im kleinen Rahmen. Offizieller Anlaß war der 2achsige Gotha-Einzelwagen, inoffizieller Anlaß der Abschied von der alten Mark.

Vom 2Achser Gotha gibt es bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) nur noch zwei Einheiten in Normalausführung, sowie einige Bahndienst-Tw. Im Plandienst ist er nicht mehr zu finden, in Leipzig herrscht der Tatra GT4 vor, der meist als 3-Wagenzug fährt. Einige eckige Neubau GT6 von Tatra laufen auch schon, allerdings mit mäßigem Erfolg. Nur auf den Linien 10 und 28 kann man noch Gotha-Gelenkwagen mit schwebendem Mittelteil und Beiwagen im Plandienst erleben.

Doch zurück zur Sonderfahrt. Pünktlich gegen 13.00 Uhr bog unser Sonderzug, bestehend aus Tw 1332 + Bw 485 + 967, um die Ecke um die kleine, dafür aber internationale Schar (außer uns "Wessies" hatten sich noch ein trambegeistertes Ehepaar aus Australien und ein älterer Trolley-Fan aus Philadelphia/USA eingefunden) von rund 30, meist sächsisch sprechenden Fans aufzuladen.

Organisiert war die Fahrt von o. e. Nahverkehrsfreunden, sie mieten Wagen und Fahrer von den LVB, Route und Photohalte werden selbst bestimmt. Die Zusammenarbeit mit den LVB klappte gut, einzige Bedingung war, daß der Linienverkehr nicht beeinträchtigt werden durfte. So war es auch schon vor der Wende, man ist froh, daß sich das in die neue Zeit gerettet hatte. Auch schon Tradition ist, daß die Nahverkehrsfreunde historische Fahrzeugbeschilderung mitbringen. Mit viel Mühe wurden ständig Liniennummern und Zielschilder der Fahrtroute angepaßt, mal aktuell, mal historisch, sehr zur Freude der Photofans.

So ging es dann durch Leipzigs Innenstadt, vorbei an verhangenen Schaufenstern, hinter denen bereits die Westware lauerte, und hinaus auf die Vorortstrecken. Immer wieder unterbrochen von geplanten und spontanen Photohalten auf welchen sich dann genau das abspielte, was man aus dem Westen auch gewohnt ist. Eine verrückte Meute springt aus dem Wagen und photografiert wie wild, man ist halt doch "ein Volk"...

Einige interessante Strecken lernten die Fahrtteilnehmer kennen. So die Endschleife der SL 8, Anger-Crottendorf. Sie ist stillegungsbedroht. Auch gibt es hier eine Kleingartenanlage von Straßenbahnfahrern. Mindestens 4 der Gartenhäuschen bestanden aus ehemaligen Vorkriegsstraßenbahnwagen, ein Exemplar mit der Nr. 310 war fast noch rollfähig (wurde versichert...). Auch die interessanten Strecken nach Wiederitzsch, wo in einem Gleisdreieck gewendet wird (SL 16) und die Strecke nach Taucha wurden befahren. Letzte ist auf ihrem letzten Abschnitt noch eingleisig und es wird auf ihr noch Güterverkehr mit alten Pullman-Wagen aus der Vorkriegszeit betrieben. Auf einer zweiten Strecke nach Plagwitz findet dieser Gv ebenfalls noch statt. Die Strecke nach Taucha (SL 13), von der auch die Zufahrt zur HW Heiterblick abzweigt (ehem. Junkers-Werke, 2achsige Altbauellok i. E.), diente im November 1989 sogar als Ersatz für die DR-Strecke Leipzig - Eilenburg (KBS 210). LVB-Straßenbahnen fuhren nonstop vom Hbf nach Taucha, wo die Leute am Bahnhof wieder in die DR umsteigen konnten. Grund war: Bauarbeiten auf der DR-Strecke.

Alles in allem eine gelungene, manchmal etwas verrückte Sonderfahrt, bei der alle mitgespielt haben, sogar die Fahrer der Planzüge. Für die hieisigen Straßenbahnfans sicher mal eine Reise wert...' (Text: Frank Glaubitz)

Beim Warten auf den Sonderzug fuhr uns als erstes ein Gothaer mit schwebendem Mittelteil, allerdings ohne Beiwagen, über den Weg, der LVB 1144:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10444.jpg

Dann konnte an der Hauptfeuerwache der Sonderzug geentert werden. Wenn ich das richtig gelernt habe, ist das aber ein Rekozug aus dem Raw Schöneweide:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10445.jpg

Gab es auch Rekowagen mit schwebendem Mittelteil wie der LVB 1144 einer zu sein scheint?

Halt in der Grünewaldstraße vor dem 142 Meter hohen City-Hochhaus. Dort wurde abends noch gebowlt, was das Zeug hielt, um die letzten DDR-Märker in Form von Aluminium-Münzen (daher auch die Anspielung im Titel) auf den Kopf zu hauen:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10446.jpg

"Tradition und Fortschritt für modernes Wohnen" gab es auch in der Grünewaldstraße zu bewundern:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10447.jpg

Vor der alten Leipziger Messe:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10448.jpg

In der Wendeschleife nahe dem Völkerschlachtdenkmal:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10450.jpg

Im Hintergrund das 91 Meter hohe Völkerschlachtdenkmal:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10451.jpg

Am Johannisplatz:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10452.jpg

Planzug LVB 1722 + 1721 + 540, ebenfalls am Johannisplatz:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10453.jpg

Ebendort wich der Sonderzug in einer wohl planmäßig nicht befahrenen Wendeschleife dem Planzug LVB 1700 + 1699 + 549 aus:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10454.jpg

Unter einer Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf der Planzug LVB 1872 + 621:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10455.jpg

Von den 4 Gartenlauben in der Endschleife Anger-Crottendorf konnte man wohl nur 2 knipsen, hier der LVB 310:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10456.jpg

Nochmal der LVB 310:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10457.jpg

Planzug 1872 neben Sonderzug 1332 in der Wendeschleife Anger-Crottendorf:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10458.jpg

Kaum als Straßenbahnwagen zu erkennen ist diese nicht identifizierte Gartenlaube:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10459.jpg

Eine kleine Edit-Anekdote vom 02.01.13: Übrigens habe ich hier mein Notizheft (in Form eines blauen Taschenkalenders der Stadtsparkasse Köln) verloren. Das fiel mir aber erst beim nächsten Fotopunkt auf. Nach der Sonderfahrt suchten wir noch einmal die Wendeschleife in Anger-Crottendorf auf und ich fand mein Notizheft tatsächlich wieder. Aber nun kommts: selbst wenn ich es nicht wiedergefunden hätte, hätte ich immerhin ein Erinnerungsfoto daran, das Notizheft liegt nämlich vor den Mülltonnen des letzten Fotos im Gras!

An der Einfahrt zur Hauptwerkstätte Heiterblick wird eine Weiche unter den Augen interessierter Mitfahrer manuell geschaltet:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10460.jpg

Dann kann der Sonderzug rückwärts einfahren:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10461.jpg

In der Einfahrt Heiterblick:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10462.jpg

Auch in Wiedritzsch musste eine Dreieckswendefahrt eingelegt werden:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10464.jpg

Zwei Wartegleise sind in der Endhaltestelle in Wiederitzsch vorhanden:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10465.jpg

Dadurch kann sich noch der Planzug LVB 2127 + 2126 + 760 neben den Sonderzug stellen:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10467.jpg

Wieder in der City wurden noch Planzüge an der Hauptfeuerwache geknipst, hier LVB 1756 + 1739 + 568:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10468.jpg

Der "Neubau"-Tatra LVB 1007 + 1008 biegt ein, während LVB 1756 + 1739 + 568 noch an der Haltestelle stehen:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10469.jpg

Schließlich können wir noch LVB 1898 + 1897 + 628 bei der Überfahrt über die Kreuzung Tröndlinring/Ranstädter Steinweg - Goerdelerring/Pfaffendorfer Str. (hieß das damals auch schon so?) sehen:
http://www.lokfotos.de/fotos/1990/0630/10470.jpg

Die alten Gebäude kann ich auf Google Maps überhaupt nicht wiedererkennen. Ist das die "Reformierte Kirche"? Woher ich die Angabe "Hauptfeuerwache" habe, weiß ich auch nicht mehr.





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2013:01:02:16:52:30.

Re: 8. Leipziger Sonderfahrt - oder: Abschied vom Aluchip mit der Tram (24 B.)

geschrieben von: Schienenpreusse

Datum: 30.06.10 01:14

Wirklich tolle Bilder.


Auf deinen Fotos dürften allerdings wirklich Straßenbahnen des Typs "Gotha" zu sehen sein.

Reko-Wagen haben vier Fenster zwischen den Türen.

siehe [www.Rekowagen.de]


mfg Schienenpreusse

Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: Dieter Weißbach

Datum: 30.06.10 07:28

Hallo,

danke für den interessanten Bildbeitrag.

Am Bild "Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf" fallen mir die Hartungschen Säulen auf, die gusseisernen Pendelstützen der Eisenbahnbrücke. Bislang war ich davon ausgegangen, dass diese Säulen nur im Berliner Raum verbaut wurden, hier ist nun ein Beispiel aus Leipzig.

Kann jemand sagen, ob diese alten Säulen hier noch vorhanden sind?

Kennt jemand noch andere Brücken, bei denen diese Säulen verbaut wurden?

Informationen zu den Hartungschen Säulen gibt es hier:
[de.wikipedia.org]

Danke und Gruß aus Berlin

Dieter

Re: 8. Leipziger Sonderfahrt - oder: Abschied vom Aluchip mit der Tram (24 B.)

geschrieben von: Ronny Quaß

Datum: 30.06.10 09:21

Die alten Gebäude kann ich auf Google Maps überhaupt nicht wiedererkennen. Ist das die "Reformierte Kirche"? Woher ich die Angabe "Hauptfeuerwache" habe, weiß ich auch nicht mehr.

Hallo,

das mit den Gebäuden stimmt. Es ist die Reformierte Kirche. Die Kurve über den Bürgersteig an der Feuerwache gibt es so nicht mehr. Sie ist in die Kreuzung mit eingebaut worden.

Klasse Aufnahmen!!!

Ronny

Re: 8. Leipziger Sonderfahrt - oder: Abschied vom Aluchip mit der Tram (24 B.)

geschrieben von: Christoph Heuer

Datum: 30.06.10 10:07

Hallo,

danke für den Bericht und insbesondere die Fotos der Gartenlauben. Ich erlaube mir ein ein paar Ergänzungen.

Nobbi schrieb:
-------------------------------------------------------
> (...) Wenn ich das richtig gelernt
> habe, ist das aber ein Rekozug aus dem Raw
> Schöneweide:
> http://foto.arcor-online.net/palb/alben/32/2801532/3638633435656135.jpg

Das ist ein Triebwagen des VEB Waggonbau Gotha, allgemein als Gothawagen bekannt. Es wurden aber zwischen 1971 und 1975 diverse Gothawagen im RAW Schöneweide einer Grundinstandsetzung unterzogen. Teilweise wird das auch Grundüberholung oder Generalreparatur genannt. Dabei wurden die Wagen in mancherlei Hinsicht den im RAW Schöneweide gebauten Rekowagen angepasst. Mehr dazu dort: [www.gothawagen.de]

> Gab es auch Rekowagen mit schwebendem Mittelteil
> wie der LVB 1144 einer zu sein scheint?

Nein, es wurden nur Zweiachser instandgesetzt.

> (...) Von den 4 Gartenlauben in der Endschleife
> Anger-Crottendorf konnte man wohl nur 2 knipsen,
> hier der LVB 310.

Der örtliche Museumsverein ist recht geübt darin, aus solchen Gartenlauben wieder Straßenbahnwagen zu erstellen. Eine Liste gibt es bei [www.tram-info.de] am unteren Ende. Bei etlichen Wagen steht da "ex Gartenlaube". Das Schicksal von 310 ist mir aber z Zt. nicht geläufig.

> Der "Neubau"-Tatra LVB 1007 + 1008 biegt ein,
> während LVB 1756 + 1739 + 568 noch an der
> Haltestelle stehen

Tatra Typen T6A2 und B6A2, in Leipzig als Typ 35 und Typ 67 bezeichnet.

Viele Grüße

Christoph

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: falk

Datum: 30.06.10 10:36

Kann jemand sagen, ob diese alten Säulen hier noch vorhanden sind?

Zwei der vier Überbauten (die beiden vorderen im Bild) sind noch vorhanden und in Betrieb, die beiden hinteren wurden vor gut zehn Jahren ausgebaut. Über sie führte die Strecke zum Eilenburger Bahnhof, der bis kurz vor Kriegsende Reiseverkehr hatte und seit 1972 ganz außer Betrieb ist. Das Brückenlager davor dürfte (bis Anfang der Neunziger) der letzte Nutzer gewesen sein, der hinterste Überbau trug aber schon seit Jahrzehnten kein Gleis mehr.
Die beiden vorderen Überbauten (Güterring Bf Stötteritz–Abzw. Anger) werden vermutlich mit dem S-Bahn-Ausbau ebenfalls verschwinden und durch einen Neubau ersetzt.

Falk

Re: 8. Leipziger Sonderfahrt - oder: Abschied vom Aluchip mit der Tram (24 B.)

geschrieben von: Tobias Hartmann

Datum: 30.06.10 11:32

Hallo,

die Haltestelle an der Reformierten Kirche heißt Goerdelerring. Die Haltestelle Hauptfeuerwache war eine Sonderhaltestelle, wo ihr in den Sonderzug eingestiegen seid.


Halt in der Grünewaldstraße vor dem 142 Meter hohen City-Hochhaus. Dort wurde abends noch gebowlt, was das Zeug hielt, um die letzten DDR-Märker in Form von Aluminium-Münzen (daher auch die Anspielung im Titel) auf den Kopf zu hauen:


Da dürftet ihr allerdings schräg gegenüber im "Bowlingtreff" gewesen sein, oder? Wüsste nicht, dass es im "Uniriesen" Bowlingbahnen gab. Aber vielleicht ja doch!?

Tschüß
Tobi



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:06:30:11:37:59.

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: Dieter Weißbach

Datum: 30.06.10 14:09

Hallo Falk,

danke für die Antwort. Über welche Straße führen die Brücken, in welche Himmelsrichtung wurde fotografiert?
Ich habe gerade versucht, im google-maps die Stelle zu finden, das ist aber nicht so eindeutig.

In Berlin war es so, dass die BVG als Betreiber der S-Bahn zwischen ca. 1987 und 1993 alle Hartungschen Säulen unter den von der S-Bahn befahrenen Brücken gegen Stahlkastenstützen ersetzt hat, weil die Gussstützen nicht den heutigen Sicherheitsvorgaben entsprechen. Eigentlich hätte dies nach der Wende auch hier in Leipzig so laufen müssen / können. Insofern finde ich es überraschend, dass sich die gusseisernen Hartungschen Säulen hier so lange halten konnten.

Da es in der Nähe noch andere Brücken gibt, könnten auch dort noch die Hartungschen Säulen existieren. Dieser Säulentyp wurde zwischen 1880 und 1910 im Regelfall als Standardtyp an allen Brücken eines Projektes (z.B. Hochlegung eines Streckenabschnittes) verwendet.

Für mich ist es neu, dass dieser Säulentyp auch außerhalb des Zuständigkeitsgebiets der Eisenbahndirektion Berlin bzw. der preußischen Länderbahn verwendet wurde.

Gruß, Dieter



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:06:30:14:15:12.

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: falk

Datum: 30.06.10 14:50

Guck hier: [maps.google.de], Kamerastandort war wohl so ungefähr der Knick zwischen der Zweinandorfer/Am Güterring. Die fehlenden Überbauten sieht man auch recht gut. Das Bild mit einem Zug der Linie 32 dürfte schon deswegen eine echte Rarität sein. 30er Liniennummern sind Sonderlinien, meist wegen Bauarbeiten (mal abgesehen von der Linie 30, die es bis in die siebziger als Berufsverkehrslinie gab). Langjährige Stammlinie zum »Anger« war die 29, eine Zeitlang wohl auch die 8, zuletzt die 2. Man kann gar nicht sagen, dass diese Strecke kein Fahrgastpotential hat. Nur liegt dieses weiter draußen. Warum man nie über eine Verlängerung wenigstens bis Mölkau nachgedacht hat, keine Ahnung. In Leipzig gab es immermal heftige träume von einer autogerechten Stadt. Eigentlich träumen im Rathaus einige noch immer davon. Gerade soll es wohl der ohnehin nur rudimentären Straßenbahnbevorrechtung an Kreuzungen an den Kragen gehen, zumindest hat die Blöd-Zeitung sowas geschrieben, und das auch noch mit »endlich Gleichberechtigung« kommentiert.

Dass diese Säulen eine preußische Eigenheit sind, überrascht mich echt. Schließlich ist der Güterring an dieser Stelle eine sächsische Strecke, und die beiden Staatsbahnen haben sich seinerzeit so überhaupt nicht riechen können.

Falk

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: Dieter Weißbach

Datum: 30.06.10 15:35

Hallo Falk,

danke für den Kartenlink.

Mich überrascht zunächst auch, dass im sächsischen Leipzig preußische Säulen verwendet wurden. Sogar im preußischen Schlesien (Breslau, siehe Wikipedia-Artikel) hatte man 1903 andere Säulentypen verbaut.

Wohnst Du in Leipzig? Könntest Du mal von der Brücke bzw. ihren Säulen aktuelle Bilder machen? Eventuell auch in der Nachbarschaft von anderen Brücken? Wenn da Neubauten anstehen, wären das wichtige Zeitdokumente. Vielleicht sollte man da auch mal den Denkmalschutz ansprechen ...

Das Besondere an der Hartungschen Säule ist, dass sie 1880 als Sieger aus einem Wettbewerb für die Berliner Stadtbahn hervorging und sich im Raum Berlin (und offenbar sogar noch darüber hinaus) zum Standardtyp entwickelte.

Gegossen wurden die Säulen in der Eisengießerei Tangerhütte (zwischen Stendal und Magdeburg). Ganz nebenbei: der Anhalter Bahnhof in Berlin wurde schließlich auch mit Greppiner Klinker gebaut. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie man Lieferanten aus dem Bereichen Magdeburg und Bitterfeld hinsichtlich der Befindlichkeiten zwischen Preußen und Sachsen einordnet ....

Gruß, Dieter

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: falk

Datum: 30.06.10 15:43

Ich fahre nachher mal hin. Ähnliche Gusssäulen gab es z.B. am ehemaligen Bf Paunsdorf, im Zug der reaktivierten S-Bahn-Strecke nach Halle wäre das auch möglich. Die Brücken sind aber alle beim Umbau ersetzt worden, außerdem ist es eine preußische Strecke.
An den Klinkern kannst Du zumindest in Leipzig sehen, wo Du bist. Die Preußen verwendeten gelbe aus Löbejün, die Sachsen rote. Stellwerk 4 in Engelsdorf zählt nicht, die Hütte ist ein Nachkriegs-Ersatzbau wegen Bombentreffer.

Falk

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: Dieter Weißbach

Datum: 30.06.10 15:50

Hallo Falk,

Löbejün war mir bislang als Klinkerherstellungsort nicht bekannt, eher als Steinbruch für Porphyr (harter Naturstein).

Greppiner Klinker hingegen ist das Synonym für gelben Klinker:
[de.wikipedia.org]

Bin gespannt auf Deine Bilder von den Brücken.

Gruß, Dieter

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: BR 52

Datum: 30.06.10 16:29

Hallo,

Kann jemand sagen, ob diese alten Säulen hier noch vorhanden sind?

Die Säulen sind schon seit mind. 10 Jahren nicht mehr vorhanden.

Gruß, Kai
http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/wannehorz8kwlz6napd.jpg

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: 1418

Datum: 30.06.10 16:36

Hallo,
erstmal vielen Dank für diesen Bildbericht. Leider sind meine Aufnahmen von dieser Sonderfahrt qualitativ ein "Reinfall" gewesen - ob es am verwendeten Diafilm oder an einem defekten Belichtungsmesser lag, vermag ich nicht mehr zu sagen.
Der Ranstädter Steinweg gehörte damals noch zur Jahnallee, welche diesen Namen im Ostabschnitt (ab Leibnitzstraße) vor einigen Jahren verloren hat.
Die Hauptfeuerwache war und ist linkerhand des Fotostandorts an der Zustiegsstelle (2. Bild). Das Planum der damals noch bis kurz vor Beginn der Käthe-Kollwitz-Straße separaten Gleise ist noch heute auszumachen. Diese als "Anlage Hauptfeuerwache" im Leipziger Straßenbahndeutsch bezeichneten Gleise wurden nur bei Umleitungen oder zum Abstellen defekter Fahrzeuge genutzt - oder eben als Startpunkt für Sonderfahrten.
Die Weiche an der Zufahrt zur Hauptwerkstatt Heiterblick war wohl stark verschmutzt und ließ sich daher nicht auf Anhieb in die richtige Endlage bringen. Normalerweise wird diese Weiche nur stumpf befahren, dabei kommt es auf 5mm Zungenklaffen nicht so drauf an. Beim Befahren von der Spitze aus ist das natürlich anders...
Der Wagenkasten der ex-310 in Anger-Crottendorf wurde ebenso wie der nummernlose Bruder (vermutlich gleicher Typ) bei der Beräumung der Gartenanlage rund um die Schleife Anfang der 90er Jahre abgebrochen. Ein typgleicher Wagen (347, Typ 55 II) wartet im Straßenbahnmuseum auf eine Restaurierung zu einem späteren Zeitpunkt. Diese Wagen entstanden durch Modernisierung um 1930 herum aus dem Typ 55 I, von dem Wagen 305 im betriebsfähigen Zustand im Museum zu bewundern ist. Weiterhin steht im Museum eine ähnliche echte Gartenlaube (Typ 54 II, gleichartige Modernisierung, aber anderer Ursprungstyp).
Bei weiteren Fragen zu den Örtlichkeiten stehe ich gern zur Verfügung.
Nach dieser Sonderfahrt fanden sich die Organisatoren und einige weitere Straßenbahnfreunde noch in der Gosenschänke in Gohlis ein, wo dem Wirt unmittelbar vor dem Datumswechsel die gesamten Restbestände an Ostmark auf den Tresen gekippt wurden, nachgezählt oder -gerechnet wurde nicht ;-)
MfG 1418

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: falk

Datum: 01.07.10 00:55

Die Säulen sind schon seit mind. 10 Jahren nicht mehr vorhanden.

Stimmt, ob es zehn Jahre sind, kann ich aber nicht sagen. Jedenfalls sind die Gusssäulen durch Stahlträger ersetzt worden, die beiden vorhandenen Überbauten sind zumindest konserviert, eventuell sogar saniert und unschön graugrün gestrichen. Sieht so aus, als würde man die Überbauten für die S-Bahn weiterverwenden wollen.
Der Wechsel ist mir tatsächlich erst heute aufgefallen.

Falk

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: Dieter Weißbach

Datum: 01.07.10 06:39

Hallo Falk,

trotzdem Dank fürs nachsehen. Also hat man auch hier die bruchgefährdeten Gussstützen durch Stahlstützen ersetzt. Dies ist dann wohl eine Auflage für die unter Betrieb stehenden Brücken gewesen.

Dennoch stellt sich die Frage, ob evtl. Brücken von Nebengleisen oder Brücken, die nicht mehr unter Betrieb stehen, die alten Gusssäulen behalten haben. In Berlin war es so, dass die BVG nur bei den Brücken der S-Bahngleise Stahlstützen eingebaut hat. Die parallelliegenden Brücken der Gütergleise (meist nicht mehr in Betrieb) wurden nicht modernisiert.

Dies wäre schon sehr interessant, einen derartigen Beleg für die Hartungschen Säuöen in Leipzig zu bekommen. Falls Du bei Gelegenheit mal noch eine Brücke mit den alten Säulen fotografieren könntest, wäre das sehr schön.

Viele Grüße aus Berlin

Dieter

Re: Eisenbahnüberführung in Anger-Crottendorf mit Hartungschen Säulen - Frage dazu

geschrieben von: bielitzer

Datum: 02.07.10 14:12

>
> Mich überrascht zunächst auch, dass im sächsischen
> Leipzig preußische Säulen verwendet wurden. Sogar
> im preußischen Schlesien (Breslau, siehe
> Wikipedia-Artikel) hatte man 1903 andere
> Säulentypen verbaut.
>
Hallo,
ich wohne seit über 40 Jahren nur wenige hundert Meter von der Brücke des Güterrings über die Zweinaundorfer Straße entfernt direkt an der Überführung des S-Bahn-Rings über den Güterring und schaue von meiner Wohnung direkt auf das Planum der ehemaligen Eilenburger Bahn. Wenn man sich die Geschichte des Streckenbaus der verschiedenen Bahngesellschaften in Leipzig anschaut, wird man feststellen, daß es im Osten von Leipzig eine preußische Strecke gab. Gemeint ist natürlich die Strecke Eilenburg-Leipzig, welche dem Eilenburger Bahnhof seinen Namen gab. Eilenburg war zu Zeiten des Bahnbaus preußisch und lag an der Halle-Sorauer Bahn. So ergab es sich möglicherweise, daß die genannten Hartungschen Säulen an der Brücke zu finden waren. Das Unikum war, daß die 2 Überbauten zum Eilenburger Bahnhof "preußische" Gleise trugen, während die 2 Überbauten des Güterrings "sächsische" Gleise aufnahmen. Alle vier Einzelbrücken waren baugleich und lagen direkt nebeneinander.
Ich bitte um Korrekturen, wenn hier Fehler enthalten sind, da ich kein Fachmann für Streckenbaugeschichte bin.
Gruß
bielitzer

Re: Hartungsche Säule - preußisches Brückenbauelement ?

geschrieben von: Dieter Weißbach

Datum: 02.07.10 16:20

Hallo bielitzer,

Danke auch für diesen Hinweis.

Vielleicht ist die Einordnung als preußische Säule auch nicht ganz korrekt.
Sie wurde zwar von einem preußischen Architekten für die Stadtbahn im preußischen Berlin entwickelt und schließlich für die Bahnbrücken im preußischen Berlin zur Regelbauform ausgewählt. Gefertigt wurde sie in Tangerhütte und sie war so gesehen ein Standardbauteil, dass auch an andere Bahnverwaltungen und Bauherren verkauft wurde.

Zu den angesprochenen zwei Strecken - der sächsischen und der preußischen Strecke: Oft war es so, dass erst mit einer neuen Strecke (hier die Eilenburger Bahn) die Verkehrsbelastung so groß wurde, dass nun eine Brücke gefordert wurde, um einen Bahnübergang zu ersetzen. Dann war der neue Bauherr zusammen mit der Stadt bzw. Gemeinde gezwungen, den Umbau des gesamten Bereichs zu finanzieren (also auch der alten Strecke) und es entstand ein einheitliches Brückenbauwerk, bei dem z.T. die Straße abgesenkt werden musste. Im Eisenbahnkreuzungsgesetz (bzw. den Vorläufern gibt es eine Reihe von Regeln für derartige Fälle).

Auch an Dich die Frage, ob evtl. in der Nähe noch andere alte Brücken "übriggeblieben" sind.

Danke und Gruß, Dieter

Re: Hartungsche Säule - preußisches Brückenbauelement ?

geschrieben von: Möckern-Peter

Datum: 04.07.10 05:21

Der Gotha-Bw. dürfte aber eher nicht die 967 sondern die 991 oder 992 gewesen sein, die es zu dieser Zeit noch gab und die noch die wappenlose Lackierung erhalten hatten. Man plante ja damals noch Werterhaltung an Gotha's, s. 483, und dann war die Herrlichkeit sehr schnell vorbei... Man beachte, dass die 2-achser schon seit 1989 Geschichte waren. Tw. wie die 1332 waren noch vorhanden, aber nicht mehr im Einsatz. Beiwagen 400er mit 2 oder 900er mit 1 Schaku dienten damals schon nur noch, um Gelenktw. zu behängen. Welcher - vorgesehene - Instandhaltungsprozess an Gothas in Gang gekommen WÄRE oder es auch mit der DDR zum Gotha-Ende gekommen wäre, wer weiß es... Man wollte weg vomn "Rest", und das sollte der T6 besorgen. Jener Typ, der ganz unschuldig zwischen die politisch-wirtschaftlichen Fronten geriet. Es gab Graupen von einer zentralen, republikweiten Gotha-Aufbesserung in Magdeburg; einige Betriebe hatten aber auch schon "Schicht" gemacht, u.a. MD selbst. Dann hieß es, die BVB wollen die noch vorhandenen Großraumer loswerden, nunmehr Konzentration in Dessau für 1 - 2 Linien. Es gab viele Ideen, und dann standen DÜWAG vor der Tür. Leipzig zehrte zunächst vom T4D-Bestand und erwarb nichts Westliches. Nicht die Konstruktion, die Rahmenbedingungen!!, waren das Problem einiger Typen wie G4, T6 u.a. Die DÜWAG waren oft nicht jünger; man hatte sie nur nie sooo abwirtschaften lassen, wie es z.B. in Halle oder Zwickau augenfällig war. Hingegen gab es mit Gotha, Frankfurt, Plauen usw. auch Städte, die pflegen konnten!! Und sei es Lack per HANDanstrich bei schönem Wetter im freien! Diese Niveauunterschiede sieht man heute noch in Russland oder Rumänien: hui oder pfui. Aber mit einem Konstal 105N oder einem KTM-5 kommt man auch an!!!
NN

Re: Bildnachtrag

geschrieben von: 1418

Datum: 06.07.10 03:35

Hallo,
Zitat:
Der Gotha-Bw. dürfte aber eher nicht die 967 sondern die 991 oder 992 gewesen sein, die es zu dieser Zeit noch gab und die noch die wappenlose Lackierung erhalten hatten.
Nö, das war wie beschrieben der Wagen 967, welcher ebenfalls den neuen wappenlosen Lack erhalten hatte.
Hier 2 Bilder dieser Fahrt, hier am Johannisplatz (Rückansicht vom 10. Bild des Erstbeitrags dieses Threads):
http://img821.imageshack.us/img821/2345/900630xxal967bea02t.jpg

sowie in Anger-Crottendorf (vgl. 11. Bild)
http://img821.imageshack.us/img821/3263/900630xxbl967bea02t.jpg

Zitat:
...Man beachte, dass die 2-achser schon seit 1989 Geschichte waren. Tw. wie die 1332 waren noch vorhanden, aber nicht mehr im Einsatz. Beiwagen 400er mit 2 oder 900er mit 1 Schaku dienten damals schon nur noch, um Gelenktw. zu behängen.
Tw 1332 und 1334 entgingen nach dem offiziellen Einsatzende der Zweiachser-Tw am 28.10.1989 der direkten Arbeitswagen-Laufbahn, sie wurden als Personalwagen verwendet und konnten auch für Sonderfahrten (wie die gezeigte) gechartert werden. Später kam für 1332 noch die Aufgabe als Schlechtwetterbereitschaft für das Tatra-Cabrio 1600 als "Historischer Leipziger" dazu. Der Wagen ist mittlerweile nicht mehr im Einsatz, aber abgestellt weiterhin vorhanden.
MfG 1418



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:07:06:03:41:22.

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